{"id":38551,"date":"2017-06-01T08:52:48","date_gmt":"2017-06-01T06:52:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38551"},"modified":"2026-01-27T11:03:12","modified_gmt":"2026-01-27T10:03:12","slug":"die-regierungen-versuchen-den-ton-der-nachrichten-vorzugeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38551","title":{"rendered":"\u201eDie Regierungen versuchen, den Ton der Nachrichten vorzugeben\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170601_cockburn.jpg\" alt=\"Patrick Cockburn\" title=\"Patrick Cockburn\"><\/div><p>Worum geht es bei den Kriegen im Nahen Osten?<br>\nDer vielfach ausgezeichnete irische Reporter <strong>Patrick Cockburn<\/strong> geht im Interview mit den NachDenkSeiten auf die Verwerfungen in Syrien, dem Irak und Libyen ein und und stellt fest: &bdquo;Es handelt sich um sehr politische Kriege.&ldquo;<br>\nCockburn, der f&uuml;r die britische Tageszeitung &ldquo;Independent&rdquo; immer wieder aus dem Nahen Osten berichtet, geht davon aus, dass sowohl Politik als auch Medien ein Bild &uuml;ber die Kriege zeichnen, das nicht immer der Realit&auml;t entspricht &ndash; aus unterschiedlichen Gr&uuml;nden.<br>\nCockburn, der gerade das im Promedia Verlag erschienene Buch <em><a href=\"http:\/\/mediashop.at\/buecher\/chaos-und-glaubenskrieg\/\">Chaos und Glaubenskrieg &ndash; Reportagen vom Kampf um den Nahen Osten<\/a><\/em>  ver&ouml;ffentlicht hat, bef&uuml;rchtet: Wenn die Parteien in den Kriegsl&auml;ndern nicht abr&uuml;sten, bestehe die Gefahr, dass etwas passiert, &bdquo;was wir in Nordirland &lsquo;die Politik der letzten Gr&auml;ueltat&rsquo; nannten.&ldquo;<br>\nDas Interview f&uuml;hrte <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_548\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-38551-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170601_Regierungen_versuchen_den_Ton_der_Nachrichten_vorzugeben_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170601_Regierungen_versuchen_den_Ton_der_Nachrichten_vorzugeben_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170601_Regierungen_versuchen_den_Ton_der_Nachrichten_vorzugeben_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170601_Regierungen_versuchen_den_Ton_der_Nachrichten_vorzugeben_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=38551-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170601_Regierungen_versuchen_den_Ton_der_Nachrichten_vorzugeben_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170601_Regierungen_versuchen_den_Ton_der_Nachrichten_vorzugeben_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Patrick Cockburn, in den deutschen Medien werden die Konflikte im Nahen Osten oft in einer Weise portr&auml;tiert, als w&uuml;rde schon im Vorhinein feststehen, wer die Guten und wer die B&ouml;sen sind. &bdquo;Wir&ldquo;, die westlichen Staaten, gelten als &bdquo;gut&ldquo;, die meisten der Regime im Nahen Osten sind b&ouml;se. Weil &bdquo;wir&ldquo; gut sind, sind auch alle unsere Unternehmungen richtig. Und wenn wir je etwas B&ouml;ses tun (etwa ein paar Bomben auf unschuldige Menschen schmei&szlig;en), macht uns das noch lange nicht b&ouml;se, weil wir es mit gutem Vorsatz getan haben. Zudem verfolgt jede Partei in diesem Konflikt strategische Interessen. Au&szlig;er uns, dem Westen. Was halten Sie von dieser Erz&auml;hlung?<\/strong><\/p><p>Die D&auml;monisierung des Gegen&uuml;bers ist eine Eigenschaft aller Kriege und Konflikte und m&ouml;glicherweise auch des Lebens im Allgemeinen. Aber durch sie wird unser Blick auf die Welt &uuml;berm&auml;&szlig;ig vereinfacht und verf&auml;lscht. Aufgrund dieser D&auml;monisierung gelangt man kaum zu rationalen Entscheidungen. Im Krieg wird durch sie der Sieg meist unm&ouml;glich gemacht und in Friedenszeiten verhindert sie Kompromisse und das L&ouml;sen von Streitigkeiten ohne Gewalt.<br>\nObwohl uns diese D&auml;monisierung schon eine lange Zeit in der Menschheitsgeschichte begleitet, kommt es mir vor, dass sie in den Kriegen der letzten Zeit im Nahen Osten &ndash; und vielleicht auch in der Ukraine &ndash; noch st&auml;rker geworden ist, weil die von einzelnen Staaten lancierte Propaganda unnachgiebiger und allgegenw&auml;rtiger geworden ist.<br>\nDie Konsequenzen daraus sehen wir im Irak.<\/p><p><strong>Das hei&szlig;t?<\/strong><\/p><p>Die USA und Gro&szlig;britannien konnten mit Leichtigkeit gro&szlig;e Teile der Welt davon &uuml;berzeugen, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzen w&uuml;rde. Und die M&auml;chte, die 2003 in den Irak einmarschierten, hatten sich gegenseitig versichert, dass die Schwierigkeiten im Irak, etwa die religi&ouml;sen und ethnischen Spaltungen zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden, auf Saddam zur&uuml;ckzuf&uuml;hren seien. Ein &auml;hnliches Schauspiel ereignete sich in Libyen 2011 und in Syrien bis zum heutigen Tag, bei dem die komplette Schuld an den Ereignissen auf Gaddafi und Assad abgeladen wurde.<\/p><p><strong>K&ouml;nnten Sie die Gedanken noch weiter ausf&uuml;hren?<\/strong><\/p><p>In Afghanistan, dem Irak, Libyen und Syrien haben sich die westlichen M&auml;chte ganz genau so verhalten, wie man es von ihnen erwarten w&uuml;rde &ndash; n&auml;mlich im eigenen Interesse, ungeachtet ihres humanit&auml;ren Anspruchs. M&ouml;glicherweise w&auml;ren die USA mit dem Sturz von Saddam Hussein davongekommen, wenn sie das Land unmittelbar danach verlassen h&auml;tten. Aber sie wollten eben eine Ausweitung des iranischen Einflusses verhindern und eine pro-westliche Regierung in Bagdad installieren. Der Iran und Syrien (und weitere Kr&auml;fte in der n&auml;heren Umgebung) h&auml;tten dies niemals akzeptiert. Die Iraker f&uuml;rchten sich davor, dass der Kampf zwischen den USA und dem Iran auf ihrem Gebiet von neuem stattfindet, nachdem der IS besiegt worden ist. Die Aussagen von Trump, Mattis [US-Verteidigungsminister] und McMaster [Nationaler Sicherheitsberater] scheinen dieses Szenario zu best&auml;tigen.<\/p><p><strong>In Ihrem Buch &bdquo;Chaos und Glaubenskrieg&ldquo; kritisieren sie den Ausdruck &bdquo;Arabischer Fr&uuml;hling&ldquo;. Was gef&auml;llt Ihnen daran nicht?<\/strong><\/p><p>Dieser Terminus deutet Parallelen zum Prager Fr&uuml;hling und zum liberal-demokratischen Wandel in Osteuropa an. Das halte ich f&uuml;r falsch. Die Proteste der Bev&ouml;lkerungen im Jahr 2011 richteten sich gegen korrupte und autorit&auml;re Regierungen im Nahen Osten und in Nordafrika, aber die vorgeschlagene Alternative war nie eine liberale Demokratie. Was sich vor den TV-Kameras am Tahrir-Platz in Kairo 2011 abspielte, f&uuml;hrte zum Eindruck einer kr&auml;ftigen, s&auml;kularen Bewegung, die so nie existiert hat.<br>\nAuf ganz andere Art haben sich die Ereignisse in Libyen entwickelt, dort w&auml;re die bewaffnete Opposition ohne Unterst&uuml;tzung der NATO versandet. Es h&auml;tte klar sein m&uuml;ssen, dass sich eine Post-Gaddafi-Anarchie einstellen w&uuml;rde, sobald die Milizen die Macht an sich rissen. Erinnern Sie sich au&szlig;erdem daran, dass der erste Vorschlag der &Uuml;bergangsregierung nach Gaddafi Ende 2011 darin bestand, das Verbot der Vielehe abzuschaffen.<\/p><p><strong>Warum hat sich der Begriff &bdquo;Arabischer Fr&uuml;hling&rdquo; dennoch in der Medienberichterstattung so weit verbreitet?<\/strong><\/p><p>Weil er die Entwicklungen von Tunesien bis Bahrain und von Syrien bis Jemen auf eine einfache, leicht verst&auml;ndliche, gut klingende Formel bringt. Und f&uuml;r einen kurzen Zeitraum enthielt dieser Begriff auch eine beschr&auml;nkte Wahrheit. Aber er war mehr ein Slogan als eine Beschreibung der politischen Wirklichkeit: Vergessen wir nicht, dass die r&uuml;ckschrittlichsten Staaten der Welt &ndash; Saudi-Arabien und Katar, tyrannische Monarchien, die den Wahhabismus propagieren, einen entscheidenden Beitrag zur finanziellen Unterst&uuml;tzung der Opposition in Syrien, dem Irak und Libyen leisteten, w&auml;hrend sie den demokratischen Aufstand der schiitischen Mehrheit in Bahrain unterdr&uuml;ckten.<br>\n&Uuml;ber die Vorg&auml;nge in diesen sehr unterschiedlichen L&auml;ndern h&auml;tten die westlichen Medien tats&auml;chlich mehr Fragen stellen m&uuml;ssen &ndash; und mehr Antworten erhalten.<\/p><p><strong>Wie sieht die derzeitige Situation im Irak, in Syrien und Libyen aus? Worum geht es eigentlich bei dem Ganzen?<\/strong><\/p><p>Wie gesagt, die Lage in den einzelnen L&auml;ndern ist sehr unterschiedlich. Im Irak und in Syrien gibt es tiefe, sektiererische Gr&auml;ben, in Libyen gibt es die nicht. Irak und Libyen sind &Ouml;lproduzenten, die aber sonst nichts produzieren, also geht es bei den politischen Reibereien und Konflikten ausschlie&szlig;lich darum, einen direkten Zugang zu den &Ouml;leink&uuml;nften oder den ausl&auml;ndischen F&ouml;rdermitteln zu erhalten. In allen drei L&auml;ndern h&auml;ngt die Macht der lokalen Parteien, Milizen und Gemeinschaften vom Grad der Unterst&uuml;tzung der ausl&auml;ndischen Staaten ab. Das Ausma&szlig; dieser Abh&auml;ngigkeit variiert von Zeit zu Zeit; so war etwa die bewaffnete Opposition in Syrien angewiesen auf die T&uuml;rkei, Katar und Saudi-Arabien &ndash; heutzutage ist das anders.<\/p><p><strong>In Syrien haben die USA und Russland die regionalen M&auml;chte abgel&ouml;st.<\/strong><\/p><p>Ja, und die Armeen im Irak und in Syrien sind im Allgemeinen recht klein &ndash; die syrische und irakische Armee, die syrischen und irakischen Kurden &ndash;, aber sie erhalten massiven Feuerschutz von den russischen und amerikanischen Luftstreitkr&auml;ften, die mit ihnen verb&uuml;ndet sind.<br>\nEin wichtiger Aspekt der Geschehnisse ist das Hervortreten der Kurden und des kurdischen Nationalismus als zentraler Faktor in Syrien, dem Irak und der T&uuml;rkei.<\/p><p><strong>Warum?<\/strong><\/p><p>Die Kurden f&uuml;rchten sich nun davor, dass ihre m&auml;chtigen Verb&uuml;ndeten sie nach einer Niederlage des IS fallenlassen werden. Auch wenn sie derzeit andere Worte im Mund f&uuml;hren, die Regierungen in Bagdad und Damaskus beabsichtigen, eine volle Kontrolle ihres Landes wiederherzustellen.<br>\nVergessen wir auch nicht, dass es sich um richtige B&uuml;rgerkriege handelt.<\/p><p><strong>Sollte Assad morgen abtreten, w&uuml;rde der B&uuml;rgerkrieg trotzdem weitergehen.<\/strong><\/p><p>So ist es. Unter weiten Teilen der Bev&ouml;lkerung herrscht der Glaube vor, sie m&uuml;ssten um ihre Existenz k&auml;mpfen. Am H&ouml;hepunkt des Volksaufstandes in Syrien im Jahr 2011 meinte der britische Botschafter, dass Assad noch immer &uuml;ber 30 bis 40 Prozent Unterst&uuml;tzung verf&uuml;gen w&uuml;rde (wobei die H&auml;lfte seiner Unterst&uuml;tzer den Minderheiten zuzurechnen waren). Um es ganz grob auszudr&uuml;cken: Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es Leute, die f&uuml;r Assad sind, solche, die sich gegen ihn stellen und eine sehr gro&szlig;e Gruppe an Menschen, die die Anti-Assad-Kr&auml;fte ablehnen. F&uuml;r sie ist die Opposition entweder mit dem IS oder mit Al-Kaida im Boot, und das stimmt zumindest f&uuml;r die bewaffnete Opposition.<\/p><p><strong>In Ihrem Buch sprechen Sie davon, dass es in der Berichterstattung &bdquo;oftmals eine bedauerliche &sbquo;Wissensl&uuml;cke&lsquo; gibt, &uuml;ber eben die Phase, in der die aktuellen Ereignisse heranreiften&ldquo;. Was meinen Sie damit?<\/strong><\/p><p>Landl&auml;ufig gibt es Wissensl&uuml;cken &uuml;ber die Geschichte der Region, und dieses fehlende Wissen kann entscheidend sein. So sind etwa die sektiererischen Spaltungen im Irak und Syrien keine neue Entwicklung. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen: Der Zerfall des irakischen Staates und seiner Gesellschaft hat viel zu tun mit den UN-Sanktionen von 1990 bis 2003, die das Land buchst&auml;blich ruinierten. Sie f&uuml;hrten zum Zusammenbruch der Verwaltung und um sich greifender Korruption, weil die Beamten nicht mehr bezahlt wurden. Verbrechen wurden zur allt&auml;glichen Norm.<\/p><p><strong>Reden wir noch etwas &uuml;ber die Medien und die Journalisten. Von der Lekt&uuml;re Ihres Buches habe ich den Eindruck erhalten, dass es hierbei sowohl Licht wie auch Schatten gibt.<\/strong><\/p><p>Viele Journalisten geben ihr Bestes. Oftmals ist die Kriegsberichterstattung ausgezeichnet, aber es handelt sich um sehr politische Kriege und in vielen F&auml;llen werden die politischen Hintergr&uuml;nde kaum beleuchtet oder verstanden. Das Problem an Reportagen &uuml;ber den Krieg besteht darin, dass sie zumeist melodramatisch geraten und Explosionen, Blut und Leid ins Zentrum stellen. Aber es passieren noch andere Dinge. Au&szlig;erdem kann so ein Blickpunkt in die Irre f&uuml;hren: Die Taliban wurden 2001 in Afghanistan nicht wirklich besiegt, sie gingen zur&uuml;ck in ihre D&ouml;rfer oder nach Pakistan. Aber das erfuhren die Fernsehzuschauer nicht. Deshalb waren die Taliban auch dazu f&auml;hig, 2006 wieder auf den Plan zu treten und den Krieg von neuem zu beginnen.<\/p><p><strong>Sehen Sie Licht in Bezug auf die Krise in Syrien?<\/strong><\/p><p>Die Kriege in Syrien und im Irak erzeugen Gewinner und Verlierer. Der IS hat im Irak bereits Mosul und andere St&auml;dte verloren. In Syrien sind der IS und die Truppen der Al-Kaida ebenfalls auf dem R&uuml;ckzug, obwohl sie in beiden F&auml;llen wieder auf eine Guerilla-Taktik zur&uuml;ckgreifen k&ouml;nnten. Viel wird davon abh&auml;ngen, wie viel Unterst&uuml;tzung sie von au&szlig;erhalb erhalten werden und ob die USA, Russland und der Iran eine Einigung erzielen. Eine Konfrontation zwischen der USA und dem Iran w&uuml;rde neue Krisen produzieren.<\/p><p><strong>Die Grundkonstellationen in der Region sind bereits sehr problematisch, oder?<\/strong><\/p><p>Weder der IS noch Al-Kaida werden von der Bildfl&auml;che verschwinden. Die irakische Regierung verf&uuml;gt &uuml;ber gen&uuml;gend Soldaten, um die Positionen des IS mit Unterst&uuml;tzung der Luftwaffe einzunehmen, aber &uuml;ber zu wenige Truppen, um ganze Landstriche zu besetzen. Der Hass zwischen den Religionsgruppen ist gr&ouml;&szlig;er als je zuvor. Viele Krisen sind zu einer einzelnen geb&uuml;ndelt, und obwohl sie auf einem einzelnen Schlachtfeld ausgetragen werden (Schiiten gegen Sunniten, Saudi-Arabien gegen den Iran, T&uuml;rken gegen Kurden, Araber gegen Kurden, S&auml;kulare gegen Fundamentalisten, Volksaufstand gegen Autokratie, Russland gegen die USA), werden sie nicht alle auf einmal beendet werden. Deshalb wird dieser Konflikt so oft mit dem Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg im 17. Jahrhundert verglichen.<\/p><p><strong>Sie erw&auml;hnen in Ihrem Buch, dass einige Ihrer amerikanischen Kollegen manchmal nicht unabh&auml;ngig davon berichten konnten, was sie gerade sahen, sondern von ihren Chefs in New York dazu gebracht wurden, eine andere Erz&auml;hlung in Umlauf zu bringen.<\/strong><\/p><p>Bei allen Zeitungen gibt einen Herdeninstinkt. Dieser umfasst die Reporter vor Ort, die Redakteure in London, New York, Paris oder Berlin sowie die Eigent&uuml;mer. Die Regierungen versuchen den Ton der Nachrichten vorzugeben und es gelingt ihnen in vielen F&auml;llen. Die Bush-Regierung unternahm im Jahr 2004 gro&szlig;e Anstrengungen, um die amerikanischen Medien davon zu &uuml;berzeugen, dass die Dinge im Irak nicht so schlecht st&uuml;nden, wie sie wirklich waren (es war ein Wahljahr und Bush trug den Sieg davon). Dasselbe passierte im Jahr 2008, als Washington die Fernsehsender und Zeitungen wissen lie&szlig;, dass die &bdquo;Woge&ldquo;, die Verst&auml;rkung der amerikanischen Truppen im Irak, zum Erfolg gef&uuml;hrt hatte und der Krieg gewonnen war.<\/p><p><strong>Erlauben Sie mir eine Frage, die auch in Ihrem Buch gestreift wird. Im August 2013 und auch diesem Jahr fanden Attacken mit Sarin-Gas in Syrien statt. Der prominente Autor und Nahost-Experte <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37845\">Michael L&uuml;ders<\/a> sagte in deutschen Medien, dass es sehr wichtig sei, nicht zu fr&uuml;h Schl&uuml;sse zu ziehen, wen man f&uuml;r diese Angriffe verantwortlich macht. Daf&uuml;r wurde er von vielen Journalisten kritisiert, die meinen, dass es keine Zweifel &uuml;ber die Schuld des Assad-Regimes an den Attacken gebe.<\/strong><\/p><p>Eines der Probleme mit der Berichterstattung &uuml;ber Syrien besteht darin, dass es f&uuml;r Reporter zu gef&auml;hrlich ist, in die Gebiete der bewaffneten Opposition zu reisen, weil sie vom IS oder der Al-Kaida kontrolliert werden. Deshalb ist es sicher korrekt, Ereignisse wie die Sarin-Attacke am 4. April sehr vorsichtig zu untersuchen. Ich halte es f&uuml;r recht wahrscheinlich, dass es die Regierungstruppen waren, aber ich bin nicht absolut sicher.<\/p><p><strong>K&ouml;nnten Sie f&uuml;r uns zusammenfassen, was Sie als Reporter in den Kriegsgebieten pers&ouml;nlich gelernt haben?<\/strong><\/p><p>Immer skeptisch bleiben. Eine alte britische Zeitungsweisheit lautet: &bdquo;Glaube nichts, bevor es nicht offiziell bestritten wurde.&ldquo; Und das ist die Wahrheit. Ausl&auml;ndische Interventionen in einem Land versch&auml;rfen jedwede Krisen auf lange Sicht, was auch immer die angegebenen langfristigen humanit&auml;ren Ziele der Akteure sein m&ouml;gen. Staaten sind fragiler, als sie aussehen und wenn sie einmal zerst&ouml;rt wurden, kann man sie nur schwer wieder aufbauen. Mitten im Krieg einen Kompromiss zu finden, ist schwierig, und ein Aufteilen der Macht unm&ouml;glich. Zuerst muss man abr&uuml;sten. Sonst passiert das, was wir in Nordirland &bdquo;die Politik der letzten Gr&auml;ueltat&ldquo; nannten. Der Hass sitzt zu tief.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170601_cockburn.jpg\" alt=\"Patrick Cockburn\" title=\"Patrick Cockburn\"\/><\/div>\n<p>Worum geht es bei den Kriegen im Nahen Osten?<br \/> Der vielfach ausgezeichnete irische Reporter <strong>Patrick Cockburn<\/strong> geht im Interview mit den NachDenkSeiten auf die Verwerfungen in Syrien, dem Irak und Libyen ein und und stellt fest: &bdquo;Es handelt sich um sehr politische<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38551\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,209,171,11],"tags":[1035,1516,1060,947,912,1334,1409,641,951,1202,1479,1611,1529,1052,1878,259,1054,1553,1556,1019],"class_list":["post-38551","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-interviews","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-al-kaida","tag-al-assad-baschar","tag-al-gaddafi-muammar","tag-arabellion","tag-buergerkrieg","tag-erdoel","tag-gifteinsatz","tag-irak","tag-iran","tag-isis","tag-katar","tag-kriegsluegen","tag-kurden","tag-libyen","tag-naher-osten","tag-russland","tag-saudi-arabien","tag-syrien","tag-usa","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38551","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38551"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89520,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38551\/revisions\/89520"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}