{"id":3856,"date":"2009-03-30T07:55:53","date_gmt":"2009-03-30T06:55:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3856"},"modified":"2014-01-29T11:06:23","modified_gmt":"2014-01-29T10:06:23","slug":"koelner-oberbuergermeister-fritz-schramma-will-nicht-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3856","title":{"rendered":"\u201eK\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeister Fritz Schramma will nicht mehr\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der im Zusammenhang mit dem Archiv-Einsturz in Bedr&auml;ngnis geratene K&ouml;lner Oberb&uuml;rgermeister Fritz Schramma wird bei der Kommunalwahl im August nicht mehr als Kandidat f&uuml;r die CDU antreten. In einer pers&ouml;nlichen Erkl&auml;rung begr&uuml;ndete er diesen Schritt mit der von ihm bef&uuml;rchteten Instrumentalisierung des Ungl&uuml;cks im kommenden Wahlkampf, schreibt der <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1238153826235.shtml\">K&ouml;lner Stadt-Anzeiger<\/a>. Schramma tritt nicht zur&uuml;ck, er k&uuml;ndigt nur seinen R&uuml;ckzug an. Noch nicht einmal bei seinem R&uuml;ckzug zeigt Schramma ein St&uuml;ck Verantwortung oder gar das Eingest&auml;ndnis von eigenen Fehlern, sondern selbstgerecht, wie er ist, sieht er sich als Opfer und will den Rest seiner Amtszeit daf&uuml;r nutzen, die Verantwortung auf andere abzuschieben.<br>\n<!--more--><\/p><p>Schramma zieht mit seinem R&uuml;ckzug die Konsequenzen aus der heftigen Kritik am Krisenmanagement der Stadtspitze nach dem Einsturz des K&ouml;lner Historischen Archivs am 3. M&auml;rz. Ihm wurde vorgeworfen, dass er sich der politischen Verantwortung nicht stelle.<\/p><p>In einer repr&auml;sentativen Umfrage, die &bdquo;K&ouml;lner Stadt-Anzeiger&ldquo; und K&ouml;lner &bdquo;Express&ldquo; ver&ouml;ffentlichen, gaben in der vergangenen Woche nur noch 37,6 Prozent der Befragten an, in der OB-Wahl f&uuml;r Amtsinhaber Schramma stimmen zu wollen. 50 Prozent sprachen sich f&uuml;r Schrammas Herausforderer J&uuml;rgen Roters (SPD), 12,4 Prozent f&uuml;r einen anderen Kandidaten aus. Soweit noch einmal der K&ouml;lner Stadtanzeiger.<\/p><p>Schramma steht am Ende da, wie wenn man seinen Namen r&uuml;ckw&auml;rts ausspricht. Er w&auml;re vielleicht ein leidlich guter Gr&uuml;&szlig;-Gott-August gewesen, wie ihn die alte Ratsverfassung in NRW den OB als Vorsitzenden des Rats vorgesehen hatte, aber Schramma war w&auml;hrend seiner fast neunj&auml;hrigen Amtszeit nie in der Lage als hauptberuflicher Profi eine Verwaltung mit 17.000 Bediensteten zu f&uuml;hren und ihr neue Impulse zu geben. Er hatte noch nicht einmal die Autorit&auml;t der fr&uuml;heren ehrenamtlichen Oberb&uuml;rgermeister, die zwar keine Macht aber wenigstens politischen Einfluss hatten.<\/p><p>Schrammas Welt war der Karneval, der 1. FC K&ouml;ln und die unz&auml;hligen Jubil&auml;ums- und Er&ouml;ffnungsfeiern &ndash; &uuml;berall dabei sein, gr&uuml;&szlig;en, Reden ablesen, k&uuml;mmern, dass war &bdquo;Fritzemanns&ldquo; Amtsstil. Man konnte selten einen vern&uuml;nftigen Satz zu einem Thema von Belang von ihm h&ouml;ren oder lesen, aber nahezu t&auml;glich erschienen Fotos von ihm in den K&ouml;lner Zeitungen. Das machte Schramma f&uuml;r die Mehrheit der K&ouml;lner, die weder &uuml;ber die Presse noch &uuml;ber die Ratsparteien &uuml;ber den dilletierenden Selbstdarsteller an der Stadtspitze aufgekl&auml;rt wurden, bis vor der Katastrophe um das Stadtarchivs zum unangefochtenen Spitzenkandidaten bei der anstehenden Kommunalwahl. Zwar Schramma hatte noch nicht einmal seine in Kl&uuml;ngeleien und dubiosen Honararzahlungen verstrickte CDU, hinter sich, doch w&auml;re vermutlich im Amt geblieben, weil sich seine in sich v&ouml;llig zerstrittene Partei auf keinen anderen Kandidaten h&auml;tte verst&auml;ndigen k&ouml;nnen. <\/p><p>Schramma ist in Sitzungen und in Fachgespr&auml;chen ohne Sprechzettel hilflos. Das w&auml;re nicht das Schlimmste, h&auml;tte er wenigstens das Format, Fachleute, die es besser k&ouml;nnen, um sich zu versammeln. Doch der K&ouml;lner OB duldete nur Leute in seiner Umgebung, die noch weniger kompetent waren als er selber und dementsprechend waren auch die Personalentscheidungen, die er selber treffen konnte und die ihm nicht von der rot-gr&uuml;nen Mehrheit im Rat aufgezwungen wurden. Mittelma&szlig;, Hofschranzentum und Selbstgerechtigkeit des Oberb&uuml;rgermeisters lie&szlig;en die viertgr&ouml;&szlig;te Stadt Deutschlands ins Provinzielle abrutschen. Aber leider machte sich nur das &uuml;berregionale Feuilleton dar&uuml;ber lustig, das K&ouml;lner Medienmonopol des Verlegers DuMont l&auml;sterte bis vor wenigen Tagen allenfalls hinter vorgehaltener Hand. Selbst die schmierigsten Kl&uuml;ngeleien, etwa beim Bau der K&ouml;lner Messehallen, wurden besch&ouml;nigt, war doch der Verleger selbst Teilhaber am &bdquo;geschlossenen&ldquo; Oppenheim-Esch- Fonds.<\/p><p>Siehe zu den Hintergr&uuml;nden von Schrammas R&uuml;ckzug die Beitr&auml;ge von Werner R&uuml;gemer zum Tod zweier junger M&auml;nner und zum Einsturz des K&ouml;lner Stadtarchivs. <\/p><p>Werner R&uuml;gemer hat in einer dreiteiligen Serie in der &bdquo;jungen Welt&ldquo; die politischen Hintergr&uuml;nde dieser Katastrophe analysiert und kritisiert: <\/p><p><strong>Organisierte Kriminalit&auml;t<\/strong><br>\nNeoliberale Praxis l&auml;&szlig;t nicht nur das Finanzsystem zusammenbrechen: Koordinierte Verantwortungslosigkeit machte K&ouml;lner H&auml;usersturz m&ouml;glich. Eine vorl&auml;ufige Bilanz.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/03-23\/049.php?sstr=Schramma\">junge Welt<\/a><\/p><p><strong>Hintergrund: Steigende Gewinne<\/strong><br>\nDer Chef der Stadtverwaltung, Oberb&uuml;rgermeister Fritz Schramma, erkl&auml;rt: &raquo;Ich habe keine Verantwortung. Die liegt bei den Stadtwerken. Die k&ouml;nnen Einflu&szlig; nehmen auf die KVB.&laquo; Aber die Stadtwerke verweisen auf das Tochterunternehmen KVB. KVB-Vorstands&shy;chef J&uuml;rgen Fenske sagt: &raquo;F&uuml;r den Fall, da&szlig; es ein Brunnenproblem gab, hatten die KVB keine Kenntnis davon.&laquo; KVB-Justitiar Stefan Hertwig erg&auml;nzt: Nur die Baufirmen sind zust&auml;ndig. &raquo;Die KVB hat die Grube nicht geplant.&laquo; Es sei den KVB nicht vorzuwerfen, da&szlig; sie von fehlerhaften Arbeiten erfahren und nichts unternommen hatten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/03-23\/050.php?sstr=Schramma\">junge Welt<\/a><\/p><p><strong>Der K&uuml;mmerer Fritz Schramma<\/strong><br>\nSchramma, der am liebsten mit dem rot-wei&szlig;en Schal der Fans des Fu&szlig;ballklubs 1. FC K&ouml;ln oder wahlweise mit der karnevalistischen Narrenkappe heruml&auml;uft, sagt &uuml;ber sich selbst: &raquo;Ich bin der K&uuml;mmerer&laquo;. Mitf&uuml;hlend loben investorennahe Medien ihn als &raquo;den Mitleider&laquo;: &raquo;Er teilt die Ohnmacht seiner B&uuml;rger.&laquo; Der schuldlose Ohnmachtssimulant &raquo;sucht den Kontakt zu den B&uuml;rgern, spricht mit den Betroffenen&laquo;, preist ihn die FAZ.<\/p><p>In den zehn Jahren seiner Amtszeit hat er mit den neuen Messehallen, dem Barmer Viertel, der U-Bahn, der RWE-Beteiligung an den Stadtwerken, der Ausrichtung der Stadtsparkasse usw. die Kommune so in die &Uuml;berschuldung und in die F&auml;nge privater Gro&szlig;investoren getrieben &ndash; darunter die k&uuml;rzlich juristisch nach Luxemburg umgesiedelte Bank Sal. Oppenheim &ndash;, wie es selbst die SPD in vierzig Jahren Stadtregierung nicht geschafft hat.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/03-23\/051.php?sstr=Schramma\">junge Welt<\/a><\/p><p>Ich teile Werner R&uuml;gemers Auffassung, dass mit der Deregulierungswut&nbsp; der vergangenen Jahre die Baukultur verkommen ist und nur noch die Sicht auf Preisk&auml;mpfe und m&ouml;glichst wenig Verantwortung gilt. Nach Qualit&auml;t und Seriosit&auml;t, fachlicher Kompetenz etc. fragt man inzwischen offenbar nur noch beil&auml;ufig. Nicht die inhaltlich besten Angebote &ndash; sowohl bei Dienst- wie auch bei Bauleistungen werden beauftragt, nein, die Kaufleute entscheiden nur nach dem Preis und kennen den Begriff &ldquo;Preis-Leistungsverh&auml;ltnis&rdquo; offenbar nicht mehr. Sie sind fachlicher Argumentation gegen&uuml;ber mehr und mehr resistent geworden. Auch die &uuml;berm&auml;chtige Rolle der Anwaltskanzleien spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.<\/p><p>Dennoch will ich aus meiner Sicht als K&ouml;lner einige Anmerkungen zu den Darstellungen R&uuml;gemers machen:<\/p><ul>\n<li>Es ist wohl kaum bestreitbar, dass die K&ouml;lner S&uuml;dstadt verkehrlich schlecht angebunden ist. Einstmals eines der lebendigsten Viertel der Stadt, verbunden mit den Namen Heinrich B&ouml;ll, Dieter Wellershoff, Charlie Mariano oder Wolfgang Niedecken (BAP), der Werkkunstschule oder dem Stollwerkkonflikt hat dieses &bdquo;Veedel&ldquo; in den letzten Jahren einen Niedergang erlitten. Das h&auml;ngt auch damit zusammen, dass man, wenn man vom K&ouml;lner Hauptbahnhof die S&uuml;dstadt erreichen will, mit der Kirche ums Dorf fahren muss. Man braucht zu einem Innenstadtbereich l&auml;nger als in die meisten Vorst&auml;dte, wenn man Pech hat eine knappe halbe Stunde. Die Zeitersparnis durch eine U-Bahn-Verbindung, ist keineswegs nur ein &bdquo;gef&uuml;hlter Wert&ldquo;, wie R&uuml;gemer schreibt.\n<p>Das war wohl auch der Grund, der die Gr&uuml;nen, die den U-Bahnbau zun&auml;chst ablehnten, zu Beginn des neuen Jahrtausends, f&uuml;r dieses Projekt stimmen lie&szlig;. Mit &bdquo;umfallen&ldquo; hat dies weniger zu tun, als mit besserer Einsicht.\n<\/p><\/li>\n<li>Die K&ouml;lner Verkehrsbetriebe (KVB)haben nicht erst seit dem Ungl&uuml;ck in der Severinsstra&szlig;e zu Recht einen schlechten Ruf. Die KVB kann seit Jahren keinen p&uuml;nktlichen und verl&auml;sslichen Nahverkehr anbieten, der einer Gro&szlig;stadt angemessen w&auml;re. Das liegt nicht nur an organisatorischem Versagen, das w&auml;re mit einer professionelleren Unternehmensf&uuml;hrung &auml;nderbar, das liegt aber auch daran, dass die K&ouml;lner U-Bahn an zentralen Verkehrsknoten oberirdisch verl&auml;uft und sich dort als Stra&szlig;enbahn unkontrollierbaren Verkehrsabl&auml;ufen anpassen muss.\n<\/li>\n<li>Von einer aufw&auml;ndigen Werbung der KVB f&uuml;r das Weltstadtprojekt, &uuml;ber die R&uuml;gemer schreibt, habe ich nicht viel bemerkt. Vielmehr hat es die KVB nach der Bau&uuml;bernahme binnen k&uuml;rzester Zeit geschafft, das zur Bev&ouml;lkerung und vor allem den Anliegern geschaffene Vertrauensverh&auml;ltnis, das sie bei der &Uuml;bernahme des Projekts vorgefunden hat, zu besch&auml;digen. Auch dabei ist die KVB nicht professionell vorgegangen, sondern hat das Vertrauen mit Aktionen, die von Werbeagenturen stammten, ziemlich schnell auf einen Tiefpunkt gebracht. Es gab nach meiner Erinnerung anf&auml;nglich keine gr&ouml;&szlig;eren &ldquo;Widerst&auml;nde in der Bev&ouml;lkerung&rdquo; gegen den U-Bahnbau.\n<\/li>\n<li>Werner R&uuml;gemer tat sich keinen Gefallen, dass er sich in seinen Beitr&auml;gen mit bautechnischen Fragen besch&auml;ftigt. Die von ihm angesprochenen Injektionen mit Zementm&ouml;rtel waren z.B. von den Fachleuten nie dazu gedacht, den Boden wasserundurchl&auml;ssig zu machen.\n<p>In K&ouml;ln wurden in Zeiten, als noch die Verwaltung f&uuml;r Tiefbauten zust&auml;ndig war schon fr&uuml;her vergleichbare Bauvorhaben durchgef&uuml;hrt, ohne dass es zu gr&ouml;&szlig;eren Sch&auml;den kam.\n<\/p><\/li>\n<li>Nachdem es allerdings beim Aushub der Baugrube f&uuml;r diese U-Bahnstrecke Wassereinbr&uuml;che gab, h&auml;tte man andere Ma&szlig;nahmen ergreifen m&uuml;ssen. Ein erfahrenerer Bauherr als die KVB w&auml;re hier sorgf&auml;ltiger vorgegangen und h&auml;tte nach sicheren Gegenma&szlig;nahmen gesucht. Das blinde Vertrauen oder die Verlagerung der Verantwortung auf die Arbeitsgemeinschaften (Arge) war jedenfalls unprofessionell. Der Bauherr, also die KVB blieb Bauherr und damit &bdquo;Herr&ldquo; des Verfahrens &ndash; aus dieser Verantwortung konnte sie sich durch noch so viele Vertr&auml;ge nicht herausstehlen. Ein Kardinalfehler war jedoch, dass die Stadt hoffte, ihre Verantwortung auf ein f&uuml;r solche Bauma&szlig;nahmen nicht kompetentes Unternehmen &uuml;bertragen zu k&ouml;nnen, und dass das Stadtoberhaupt sich bis heute weigert, daf&uuml;r die politische Verantwortung zu &uuml;bernehmen.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der im Zusammenhang mit dem Archiv-Einsturz in Bedr&auml;ngnis geratene K&ouml;lner Oberb&uuml;rgermeister Fritz Schramma wird bei der Kommunalwahl im August nicht mehr als Kandidat f&uuml;r die CDU antreten. 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