{"id":3858,"date":"2009-03-31T07:44:16","date_gmt":"2009-03-31T06:44:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3858"},"modified":"2014-01-29T11:04:50","modified_gmt":"2014-01-29T10:04:50","slug":"mehdorn-der-angeblich-so-erfolgreiche-bahnchef-muss-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3858","title":{"rendered":"Mehdorn, der angeblich so erfolgreiche Bahnchef, muss gehen."},"content":{"rendered":"<p>Nicht um Steine hinterher zu werfen, sondern um keine falschen Schl&uuml;sse aus der Vergangenheit zu ziehen, ein paar Nachbemerkungen zu Hartmut Mehdorn und der Deutschen Bahn AG. Mehdorn war w&auml;hrend seiner ganzen Karriere einer der cleversten und erfolgreichsten Public Relations-Nutzer. Er hatte in seiner Karriere fast durchgehend ein besseres Image, als die Fakten erlauben k&ouml;nnen. Das beruhte zumindest in der Zeit seiner T&auml;tigkeit f&uuml;r die Bahn wesentlich darauf, dass er intensiv und vermutlich mit viel Aufwand die Instrumente der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit und der PR-Agenturen nutzte.<br>\nAm Ende meines Textes findet sich ein Nachtrag zu den ersten Meldungen und Kommentaren zum R&uuml;cktritt. Diese Meldungen verst&auml;rken den Eindruck, dass wir auch hier wieder massiv manipuliert werden. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Es war schon erstaunlich mit anzusehen, dass es Mehdorn zum Beispiel gelungen ist, sein Scheitern bei der Heidelberger Druck AG aus den Meldungen der Medien herauszuhalten. Dieses Unternehmen hatte er &auml;hnlich wie die Deutsche Bahn AG mit weltweiten Zuk&auml;ufen zu einem ganz besonderen globalen Unternehmen aufzupeppeln versucht. Mehdorns Zuk&auml;ufe lasteten lange auf der Heidelberger Druck AG. &Auml;hnlich wird es der Bahn AG ergehen.<\/p><p><strong><br>\nDie Leistungsbilanz bei der Bahn ist alles andere als positiv, verkehrspolitisch nicht und betriebswirtschaftlich nicht:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Das Ansehen der Bahn war vermutlich noch nie so schlecht wie heute. Mehdorn hat dem Ansehen, mit einem, seinem fr&uuml;heren Arbeitsbereich, der Luftfahrt, abgeschauten Preissystem einen ersten kr&auml;ftigen Tritt verpasst. Dieses System sah verschiedene Preise vor, je nachdem, ob man einen Zug festbuchte oder dies offen lassen wollte. Die Macher hatten v&ouml;llig verkannt, welches der Vorteil ihres Verkehrssystems ist &ndash; die Flexibilit&auml;t bei der Nutzung &ndash; und sie hatten auch die Hauptzielgruppe der Bahn verfehlt. Das sind eben nicht nur die Spitzenverdiener und die Yuppies auf der Suche nach Schn&auml;ppchen, sondern das ganz normale Volk.<\/li>\n<li>Mehdorn hat sich um internationale Zuk&auml;ufe gek&uuml;mmert und wenig um den verkehrspolitischen Auftrag der Bahn und die Dienstleistungen vor Ort. In seine Zeit f&auml;llt ein weiterer R&uuml;ckzug der Bahn aus der Fl&auml;che, vor allem im G&uuml;terverkehr. Da, wo der Nahverkehr funktioniert, haben wir das verkehrspolitisch richtigen Entscheidungen der L&auml;nder zu verdanken.\n<\/li>\n<li>Es wird behauptet, Mehdorn habe dies Leistungen der Bahn verbessert.  &bdquo;Das ist eine M&auml;r&ldquo; schreibt Winfried Wolf in der heutigen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2009\/03-31\/059.php?print=1\">jungen Welt<\/a>&ldquo;:<br>\n<blockquote><p> Nehmen wir aus Platzgr&uuml;nden nur die Bilanz des Herzst&uuml;cks Fernverkehr. 2000, im Jahr eins des Mehdorn-Imperiums, lag die Verkehrsleistung in diesem Segment bei 36,2 Milliarden Personenkilometern. 2007 lag sie bei 34,2 Milliarden. Dies vor dem Hintergrund, da&szlig; in diesem Zeitraum mehr als 35 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur investiert wurden, &uuml;berwiegend in dem Bereich des Fernverkehrs und fast ausschlie&szlig;lich in Form &ouml;ffentlicher Mittel &ndash; Stillstand trotz Superinvestitionen. Die verbesserten Bilanzzahlen kommen durch verst&auml;rkte Arbeitsauspressung der Noch-Besch&auml;ftigten, durch Belegschaftsabbau um 45 000 Besch&auml;ftigte im Bahnbereich, durch Fahren auf Verschlei&szlig; und Ausverkauf von Betriebsverm&ouml;gen zustande.<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>In Mehdorns Zeit f&auml;llt die Missachtung der Bed&uuml;rfnisse vieler Kunden der Bahn. &Auml;ltere Menschen und Menschen ohne Internet oder ohne den Willen, sich m&uuml;hsam durch die Internet-Buchung-Seiten der Bahn zu w&uuml;hlen, haben es schwer, an eine Fahrkarte zu kommen. Schalter-Wartezeiten von einer halben Stunde und mehr sind &uuml;blich geworden. Weite l&auml;ndliche und kleinst&auml;dtische Gebiete sind vom personellen Service der Bahn abgeh&auml;ngt. Mehdorn hat Strecken und den Wagenpark teilweise in sehr schlechtem Zustand hinterlassen.\n<\/li>\n<li>Mehdorn hat so nicht nur verkehrspolitisch versagt. Er ist meines Erachtens auch unter dem vergleichsweise engen Blickwinkel der betriebswirtschaftlichen Betrachtung als nicht sonderlich erfolgreich zu beurteilen. Das haben die zuvor genannten Beispiele belegt: wer ein Unternehmen erfolgreich f&uuml;hren will, wer seinen Marktanteil stabilisieren und erweitern will, muss daf&uuml;r sorgen, dass die Kunden zufrieden sind. Denn die Kunden sind die besten Multiplikatoren eines Unternehmens. Die Kunden der Bahn sind dies nicht.\n<p>Die zweitbesten Multiplikatoren eines Unternehmens sind seine Mitarbeiterrinnen und Mitarbeiter. Mehdorn hat seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht motiviert, er hat sie demotiviert. Und das groteske Ende dieser Geschichte: damit die von ihm demotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die schlechte Stimmung nicht nach au&szlig;en tragen, hat er zugelassen, dass sie &uuml;berwacht werden. <\/p>\n<p>Also: dieser Chef eines privat organisierten &ouml;ffentlichen Unternehmens war nicht einmal betriebswirtschaftlich betrachtet ein gro&szlig;er Unternehmer, volkswirtschaftlich betrachtet sowieso nicht.<\/p><\/li>\n<li>Mehdorns Versuch, die Bahn zur B&ouml;rse zu f&uuml;hren, ist rational nicht zu begr&uuml;nden. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf unsere vielen Analysen in den NachDenkSeiten und <a href=\"?page_id=3577\">in den beiden kritischen Jahrb&uuml;chern<\/a>, vor allem im <a href=\"?page_id=2867\">Jahrbuch 2007<\/a>. Dort ist auf Seite 171 ff die Bundestagsrede des CDU\/CSU Bundestagsabgeordneten K&ouml;nigshofen vom 13.9.2007 abgedruckt. K&ouml;nigshofen hatte begr&uuml;ndet, warum der B&ouml;rsengang sachlich nicht begr&uuml;ndet ist und dann eine klassische Anmerkung gemacht:<br>\n<blockquote><p>Man fragt sich, warum wir das tun. Sie m&uuml;ssen sich nicht genieren, wenn Sie sich diese Frage stellen. Denn fast alle &ndash; auch die Journalisten beziehungsweise die Fachleute &ndash; fragen sich, warum wir das tun.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Mehdorn hat etwas &bdquo;Gro&szlig;es&ldquo; zu tun versucht, dessen Sinn niemand einsehen konnte. Auch die Mehrheit des deutschen Volkes nicht. Sie fiel auf diesen Blender nicht herein.<\/p><\/li>\n<\/ul><p>Von vielen Medien kann man dies nicht behaupten. Auch in den letzten Tagen konnte man wieder davon lesen, dass der Bahnchef trotz seiner gro&szlig;en &bdquo;Erfolge&ldquo; zur Disposition stehe. Selbst sein Dr&auml;ngen auf den B&ouml;rsengang wurde in einigen Medien als Leistung dargestellt. Daran kann man sehen, dass f&uuml;r den Eindruck, den man hinterl&auml;sst, nicht die Leistung selbst, sondern die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit, die Public-Relations-Arbeit f&uuml;r den Eindruck von Leistung entscheidend ist.  <\/p><p>Es wird in diesen Tagen auch mal wieder so getan, als habe Mehdorn eine &bdquo;Beh&ouml;rdenbahn&ldquo; (FAZ.NET vom 30. M&auml;rz) &uuml;bernommen. Selbst die Frankfurter Rundschau spricht von der &bdquo;einstigen Beh&ouml;rde&ldquo;. Diese Zeitbeobachter haben vermutlich die letzten 40 Jahre auf einem anderen Stern gelebt; zumindest die westdeutsche Bahn war auch schon in den siebziger Jahren keine Beh&ouml;rdenbahn mehr. Viele zukunftsweisende Entscheidungen verkehrspolitischer und unternehmenspolitischer Art sind in der Zeit getroffen worden, als die Bundesbahn ein &ouml;ffentlicher Betrieb ohne den Status der Aktiengesellschaft war.<\/p><p>F&uuml;r die Zukunft der Bahn ist es au&szlig;erordentlich wichtig, dass die gro&szlig;en Fehler der Mehdorn-Zeit zur Sprache kommen und das Unternehmen sich wieder seiner genuinen Aufgabe widmet: dem verkehrspolitischen Auftrag, ein Unternehmen zu sein, das den &ouml;konomisch und &ouml;kologisch vern&uuml;nftigen Verkehr auf der Schiene im Dienste seiner Nutzerinnen und Nutzer und im Dienste der Gesellschaft organisiert und betreibt.<\/p><p>Zur notwendigen Aufkl&auml;rung &uuml;ber die Mehdorn-Zeit geh&ouml;ren Informationen &uuml;ber die H&ouml;he der finanziellen Mittel, die die Bahn AG zum Ruhme ihres Vorstandschefs an Public Relations-Agenturen und Werbeagenturen gezahlt hat. Auch w&auml;re es wichtig zu wissen, welche Public Relations-Agenturen f&uuml;r Mehdorn und die Bahn t&auml;tig waren und sind. <\/p><p><strong>Vielleicht gibt es innerhalb der Bahn noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die uns Informationen dazu zukommen lassen. Sie w&uuml;rden ihrem Unternehmen und uns allen einen guten Dienst erweisen.<\/strong><\/p><p><strong>Nachtrag nach Erscheinen der ersten Meldungen zum R&uuml;cktritt von Hartmut Mehdorn:<\/strong><\/p><p>Die Berichterstattung und Kommentierung ist ein neuer Beweis daf&uuml;r, dass in Deutschland die totale Manipulation m&ouml;glich ist. Wenn alle das gleiche sagen, schreiben und senden, dann k&ouml;nnen Behauptungen aufgestellt und durchgehalten werden, die fast keinen Bezug zur Realit&auml;t haben, jedenfalls an der Realit&auml;t vorbeigehen.<\/p><p><strong>Hier zun&auml;chst sieben Meldungen vom 30. M&auml;rz 2009; auffallend gleich lautende Aussagen sind im Text fett gesetzt:<\/strong><br>\n<strong><br>\nTagesschau 20:00 Uhr<\/strong><br>\n&bdquo;<strong>Das marode Unternehmen<\/strong> entwickelte er zu einem <strong>internationalen Logistikkonzern<\/strong>&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/ts11188.html\">Tagesschau<\/a><\/p><p><strong>Bundeskanzlerin Merkel in der gleichen Tagesschau:<\/strong><br>\n&bdquo;Er hat dieses Unternehmen wirtschaftlich <strong>saniert.<\/strong>&ldquo;<\/p><p><strong>R&Uuml;CKTRITT VON MEHDORN<\/strong><br>\nAbgang eines Dickkopfs<br>\nVon Susanne Amann<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,616308,00.html\">Spiegel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht um Steine hinterher zu werfen, sondern um keine falschen Schl&uuml;sse aus der Vergangenheit zu ziehen, ein paar Nachbemerkungen zu Hartmut Mehdorn und der Deutschen Bahn AG. Mehdorn war w&auml;hrend seiner ganzen Karriere einer der cleversten und erfolgreichsten Public Relations-Nutzer. Er hatte in seiner Karriere fast durchgehend ein besseres Image, als die Fakten erlauben k&ouml;nnen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3858\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,12,85,73],"tags":[268,596,603],"class_list":["post-3858","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-manipulation-des-monats","category-pr","category-verkehrspolitik","tag-deutsche-bahn","tag-mehdorn-hartmut","tag-ruecktritt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3858"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3858\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20450,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3858\/revisions\/20450"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}