{"id":38591,"date":"2017-06-05T12:00:35","date_gmt":"2017-06-05T10:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38591"},"modified":"2019-04-30T11:56:14","modified_gmt":"2019-04-30T09:56:14","slug":"50-jahre-sechstagekrieg-gespraeche-mit-israelischen-soldaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38591","title":{"rendered":"50 Jahre Sechstagekrieg \u2013 Gespr\u00e4che mit israelischen Soldaten"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Sechstagekrieg von 1967 initiierten Avraham Shapira und Amos Oz eines der einflussreichsten israelischen B&uuml;cher: &bdquo;Gespr&auml;che mit israelischen Soldaten&ldquo;. Im Vorwort zur <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/man-schiesst-und-weint\/\">Neuausgabe<\/a> schreibt Amos Oz, das Buch sei entstanden, als sich das Land in einer Art Siegesrausch befand und die Euphorie keine Grenzen kannte. Aber niemand sprach vom menschlichen Leid und schon gar nicht vom besiegten Feind. Das Buch zeigt diese andere Seite des Krieges und ist gerade in der heutigen Zeit, in der sich die Lage wieder einmal zuspitzt, die israelische Regierung von Hardlinern gef&uuml;hrt wird und Donald Trump Frieden mit Waffen schaffen m&ouml;chte, ein wichtiges Dokument. Von <strong>Abraham Melzer<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38591#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nWenn man aus heutiger Sicht auf die israelische Armee von 1967 blickt, dann muss man den Eindruck gewinnen, dass es eine vollkommen andere Armee war. Nicht nur, dass damals die Elite aus den Kibbuzim stammte und man fast keine national-orthodoxen Soldaten sah, in der F&uuml;hrung sowieso nicht &ndash; es herrschte damals auch ein ganz anderer Geist in der Armee. Ein Geist, eine Moral, die sp&auml;ter unter dem Slogan &bdquo;Man schie&szlig;t und weint&ldquo; ber&uuml;hmt und f&uuml;r manche Israelis leider auch ber&uuml;chtigt wurde.<\/p><p>F&uuml;r die sogenannten Linken war es noch die moralischste Armee der Welt. F&uuml;r die sogenannten Rechten war es eine &bdquo;Armee ohne Eier&ldquo;, ein Haufen Schw&auml;chlinge, die geweint haben, wenn sie einen Feind get&ouml;tet haben. F&uuml;r diese jungen Soldaten aus dem linken Milieu Israels war der Krieg ein Schock. Ein Schock deshalb, weil sie seine Berechtigung nicht erkannten. Es war ein v&ouml;llig anderer Krieg als der, den ihre Eltern zwanzig Jahre davor f&uuml;hren mussten. Damals ging es noch um die Existenz eines Staates, der aus der Asche der Konzentrationslager entstanden ist. 1967 ging es aber um pure Expansion. Die Soldaten haben sehr bald erkannt, dass man sie verf&uuml;hrt und missbraucht hat und ihre toten Kameraden f&uuml;r ein Gro&szlig;-Israel sterben mussten, das dem Land mitnichten die Sicherheit gebracht hat, die sie alle erhofften, und vor allem nicht den Frieden, den sie alle ersehnten.<\/p><p>Vor allem erschraken sie, als bei den Gespr&auml;chen mit Amos Oz und Avraham Shapira brutale und f&uuml;rchterliche Kriegsverbrechen zur Sprache kamen, mit denen viele Soldaten nicht leben konnten und wollten. Die Gespr&auml;che verwandelten sich sehr bald zur gro&szlig;en Beichte und es gab niemanden, der Absolution erteilen konnte. Seitdem gibt es die Spaltung in der israelischen Gesellschaft: Die einen wollen noch gr&ouml;&szlig;er werden und st&ouml;ren sich nicht an Verbrechen gegen das V&ouml;lkerrecht, pfeifen auf die UNO, auf Recht und Gerechtigkeit und betrachten &bdquo;Humanit&auml;t&ldquo; als Schw&auml;che, und die anderen sch&auml;men sich f&uuml;r das, was in ihrem Namen geschieht. <\/p><p>Erst k&uuml;rzlich sind Tonb&auml;nder aufgetaucht, aus denen hervorgeht, dass die &bdquo;Gespr&auml;che mit israelischen Soldaten&ldquo; 1967 viel l&auml;nger waren als gedacht und dass das Buch, welches 1967 unmittelbar nach dem Krieg erschien, sehr stark zensiert wurde. Fast vierzig Jahre sp&auml;ter bildeten diese Tonbandaufzeichnungen das Zentrum des Dokumentarfilms &bdquo;Censored Voices&ldquo; der israelischen Regisseurin Mor Loushy. Auch Amos Oz, der seinerzeit einer der Herausgeber des Buches war, wurde befragt, und er erz&auml;hlte, wie er den obersten Ausbildungsoffizier der israelischen Armee zusammen mit Avraham Shapira, dem Co-Herausgeber, &uuml;berzeugen musste, nicht mehr als 70 Prozent der Aussagen zu zensieren. Aber auch die &uuml;brig gebliebenen 30 Prozent gen&uuml;gten, um 1967 aus dem Buch einen Bestseller und Skandal zu machen. In der <em>Neuen Z&uuml;rcher Zeitung<\/em> konnte man lesen, dass das Buch &bdquo;das wichtigste Dokument zur geistigen Existenz sei, dass Israel bisher hervorgebracht hat&ldquo;, und in der <em>ZEIT<\/em> bemerkte man, dass es &bdquo;unter den rund hundert B&uuml;chern und Brosch&uuml;ren, die seit 1967 &uuml;ber diesen Krieg erschienen sind, das beste Buch ist &ndash; weil es das ehrlichste ist.&ldquo; Umso wichtiger ist es, dass das Buch nun, f&uuml;nfzig Jahre nach dem Sechstagekrieg, mit vielen freigegebenen Gespr&auml;chen in einer erweiterten Neuausgabe unter dem Titel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/man-schiesst-und-weint\/\">Man schie&szlig;t und weint<\/a>&ldquo; erschienen ist.<\/p><p>F&uuml;r rechte und nationalgesinnte Israelis war es aber eine Schande, wenn sie lesen mussten, was eine Mutter eines gefallenen Soldaten einem Politiker geantwortet hatte, der sie tr&ouml;sten wollte mit den Worten: &bdquo;Immerhin haben wir Jerusalem befreit. Dein Sohn fiel nicht umsonst.&ldquo; Die Mutter aber explodierte und sagte: &bdquo;Die ganze Klagemauer ist mir nicht den Fingernagel von meinem Sohn wert. Wenn du mir sagst, dass wir um unsere Existenz gek&auml;mpft haben, ist es mir einen Fingernagel wert, vielleicht sogar meinen ganzen Sohn. Aber wenn du mir sagst, dass wir um die Klagemauer gek&auml;mpft haben, dann ist es mir nichts wert, es bringt mich um. Ich habe keine Beziehung zu diesen Steinen. Es sind nur Steine. Mein Sohn war aber ein Mensch. Und wenn man heute die Klagemauer mit Dynamit sprengen w&uuml;rde und es w&uuml;rde mir meinen Sohn zur&uuml;ckbringen, dann w&uuml;rde ich sagen: Sprengt!&ldquo;<\/p><p>Das Buch begann mit einem Gespr&auml;ch zwischen Amos Oz und Avraham Shapira. Es entstand aus dem gemeinsamen Gef&uuml;hl, dass nach dem Sechstagekrieg im Land eine Art Siegesrausch herrschte, das Land &uuml;bersch&auml;umte und die Euphorie keine Grenzen kannte. Siegesalben, Siegesb&uuml;cher, Siegeskult, Heldenkult, Landkult, Kult der Heiligen Orte. Kein Mensch k&uuml;mmerte sich um das Leid des besiegten Feindes. Oz und Shapira hatten das Bed&uuml;rfnis, mit ihren Kameraden zu sprechen und nachzufragen, wie sie das empfinden. Man war schockiert, dass man den Schmerz der Eltern, die ihre Kinder verloren haben, gef&uuml;hllos ignorierte, und den Schmerz der Pal&auml;stinenser, die Land und Freiheit verloren, verh&ouml;hnte. Das Buch &bdquo;Gespr&auml;che mit israelischen Soldaten&ldquo; hat zwar f&uuml;r einen Augenblick in Israel wie eine Bombe eingeschlagen, aber am Ende konnte es nicht verhindern, dass der Siegesrausch siegte. Dieser Siegesrausch f&uuml;hrte zur Ermordung von Jitzchak Rabin, dem Architekten des Sieges von 1967, und schlie&szlig;lich zu einem gewaltigen Rechtsruck und zur Bildung einer ultra-rechtsradikalen Regierung unter Benjamin Netanjahu. Was in Israel heute passiert, ist nicht &bdquo;normal&ldquo;, auch wenn man gar nicht mehr wei&szlig;, was &bdquo;normal&ldquo; ist. Was in Israel heute passiert, ist das Ergebnis jahrelanger Unterdr&uuml;ckung und der Ausdruck von grenzenlosem Hass auf beiden Seiten &ndash; eines so widerlichen und schrecklichen Hasses, dass er jeden Funken von Menschlichkeit l&ouml;scht.<\/p><p>Das war nicht immer so. Einige Tage nach dem Sechstagekrieg, in dem Israel im Jahre 1967 Ost-Jerusalem, die Westbank und den Gazastreifen erobert hatte, fuhr ich allein durch das besetzte Gebiet. Fast &uuml;berall bereitete man mir einen freundlichen Empfang. Die Ladenbesitzer freuten sich, mir ihre Waren verkaufen und ihre Geschichte erz&auml;hlen zu k&ouml;nnen. Sie waren neugierig auf die Israelis &ndash; und die Israelis auf sie. Damals glaubten die Pal&auml;stinenser nicht an eine ewige Besatzung. Sie hassten die jordanische und die &auml;gyptische Herrschaft. Und freuten sich, dass Israel sie vertrieben hat. Allerdings glaubten sie auch, dass Israel sich in K&uuml;rze zur&uuml;ckziehen und sie bald allein lassen w&uuml;rde. In Israel sprachen alle von der &bdquo;aufgekl&auml;rten Besatzung&ldquo;. Der erste Milit&auml;rgouverneur &ndash; Chaim Herzog, der sp&auml;ter Israels Pr&auml;sident wurde &ndash; war auch noch menschlich. Doch innerhalb weniger Jahre sollte sich alles von Grund auf &auml;ndern. Die Pal&auml;stinenser verstanden, dass Israel nicht die Absicht hatte, die besetzten Gebiete zu verlassen. Im Gegenteil: Israel hatte vor, ihnen ihr Land zu stehlen und darauf eigene Siedlungen zu bauen.<\/p><p>Heute, f&uuml;nfzig Jahre nach dem Sechstagekrieg, ist der Hass &uuml;berall. Israelis und Pal&auml;stinenser fahren auf getrennten Stra&szlig;en. Die Situation ist schlimmer, als sie seinerzeit im Apartheidregime in S&uuml;dafrika gewesen war. Dort hatten die Wei&szlig;en kein Interesse daran, die Schwarzen zu vertreiben. Sie ist auch schlimmer als alle Formen des Kolonialismus. Die kolonialistischen Beh&ouml;rden zogen den Eingeborenen zwar den Boden unter den F&uuml;&szlig;en weg, um dort selber zu siedeln &ndash; aber nie hatten sie vor, sie alle zu vertreiben.<\/p><p>Der Hass ist unvers&ouml;hnlich. Die Siedler misshandeln ihre pal&auml;stinensischen Nachbarn. Arabische Jugendliche werfen Steine und Brandbomben auf vorbeifahrende j&uuml;dische Fahrzeuge. Erst k&uuml;rzlich wurden Steine auf den Wagen eines Armeeoffiziers geworfen. Dieser verlie&szlig; seinen Wagen, verfolgte einen fliehenden arabischen Jungen und t&ouml;tete ihn mit einem Schuss in den R&uuml;cken.<\/p><p>Wenn Theodor Herzl, der Gr&uuml;nder der zionistischen Bewegung, heute zum Leben erwachte &ndash; er w&auml;re zutiefst entsetzt von dem, was er sehen m&uuml;sste. In seinem Zukunftsroman <em>Altneuland<\/em> hatte er sehr detailliert das allt&auml;gliche Leben im zuk&uuml;nftigen Staat der Juden beschrieben. Die arabischen Bewohner von <em>Altneuland<\/em> schilderte Herzl als gl&uuml;ckliche und treue B&uuml;rger, dankbar f&uuml;r die vielen Vorteile, die ihnen die Zionisten brachten.<\/p><p>Jetzt hat es den Anschein, als ob beide V&ouml;lker in zwei verschiedenen Welten lebten. Das viele hundert Jahre alte arabische Dorf und die wenige Kilometer davon entfernte israelische Siedlung &ndash; sie scheinen auf zwei verschiedenen Planeten zu liegen. Vom ersten Tag ihrer Geburt h&ouml;ren die Kinder auf beiden Seiten von ihren Eltern v&ouml;llig unterschiedliche Geschichten. Das setzt sich in der Schule fort. Wenn sie erwachsen sind, gibt es in ihren Lebensauffassungen fast keine Gemeinsamkeiten mehr. <\/p><p>In den Augen eines jungen Pal&auml;stinensers ist die Geschichte sehr einfach: Pal&auml;stina ist seit mindestens 1400 Jahren ein arabisches Land und Teil der arabischen Zivilisation. F&uuml;r einen Teil der Araber erstreckt sich ihre Geschichte sogar 5000 Jahre zur&uuml;ck, da die moslemischen Eroberer die vorhandene j&uuml;dische und vor allem christliche Bev&ouml;lkerung nicht vertrieben hatten und diese im Laufe der Zeit den Islam angenommen hatte. <\/p><p>Die Juden sehen das v&ouml;llig anders. Sie begr&uuml;nden ihren Anspruch auf Israel mit einem g&ouml;ttlichen Versprechen (nachzulesen im zweiten Kapitel der <em>Genesis<\/em>). Die Pal&auml;stinenser sehen darin nicht mehr als eine kolonialistische List. Sie weisen darauf hin, dass die Zionisten erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Land kamen &ndash; und zwar als Partner des britischen Kolonialismus. Und ohne irgendeinen Anspruch auf das Land, das sie besiedelten.<\/p><p>Die Mehrzahl der Pal&auml;stinenser ist heute bereit f&uuml;r einen Friedensschluss. Bereit, in einem territorial beschr&auml;nkten Staat an der Seite der Israelis zu leben. Aber Israels Regierung lehnt das ab. Sie will die Idee von einem vollst&auml;ndigen &bdquo;Eretz-Israel&ldquo; in ihrer Hand behalten, um auch im besetzten Gebiet Siedlungen zu bauen und den Pal&auml;stinensern nur einige wenige voneinander isolierte Reservate zu &uuml;berlassen &ndash; vergleichbar mit denen der Indianer in Nordamerika.<\/p><p>Jedes j&uuml;dische Kind in Israel wei&szlig; vom zartesten Alter an, dass Gott das Land den Juden gegeben hat, dass die Juden dort hunderte von Jahren lebten und herrschten, bis sie Gott ver&auml;rgerten und deshalb von ihm (mit Hilfe der R&ouml;mer) vertrieben wurden. Die Vertreibung sollte aber zeitlich begrenzt sein. Jetzt kommen die Juden in ihre &ndash; mittlerweile von einem von der arabischen Halbinsel eingewanderten Volk besetzte &ndash; Heimat zur&uuml;ck und nehmen das ihnen zustehende Land wieder an sich. Das ist in wenigen Worten der Inhalt des j&uuml;dischen Mythos von der Geburt Israels. <\/p><p>Die israelische Regierung folgert aus dieser Situation, dass es keine friedliche L&ouml;sung des Konflikts geben kann, und dass Israel bis in alle Ewigkeit bereit sein muss, Krieg zu f&uuml;hren und, wie es Benjamin Netanjahu im Fr&uuml;hjahr 2016 im Parlament ausdr&uuml;ckte, ewig Waffen zu tragen. Frieden ist aus dieser Sicht eine gef&auml;hrliche Illusion. Die urspr&uuml;ngliche Vision des Staatsgr&uuml;nders Theodor Herzl ist also mittlerweile mit der aggressiven Auffassung von Vladimir Jabotinsky und mit der Realit&auml;t kollidiert. Jabotinsky hatte vollkommen zu Recht behauptet, dass es kein Beispiel daf&uuml;r g&auml;be, dass jemals ein Volk zugunsten von Fremden aus freiem Willen auf sein Land verzichtet h&auml;tte, und dass Israel deshalb &bdquo;einen eisernen Wall errichten (m&uuml;sse), um unsere Siedlungen im Land unserer V&auml;ter zu verteidigen&ldquo;. Dabei hatte Jabotinsky, der im damals gerade befreiten Italien studiert hatte, noch eine liberale Weltauffassung. Seine Erben heute, Benjamin Netanjahu und der Likud, sind genau das Gegenteil.<\/p><p>Seit dem Sechstagekrieg und besonders seit der Besetzung des Tempel-Berges schwindet in Israel der Einfluss des s&auml;kularen Zionismus zugunsten eines stetig an Bedeutung gewinnenden aggressiv-religi&ouml;sen Zionismus. In der semitischen Kultur hat sich das Prinzip von Trennung von Staat und Religion niemals durchgesetzt. Das ist ein europ&auml;isches Konzept, das sich seit der Aufkl&auml;rung zwar verbreitet hat, dem Islam und auch dem Judentum aber fremd geblieben ist. In beiden sind Religion und Staat eins. In Israel ist die Macht jetzt in den H&auml;nden einer Regierung, in der eine radikale Ideologie der religi&ouml;sen Rechten herrscht &ndash; und nach und nach scheint die &bdquo;s&auml;kulare&ldquo; Linke von der Bildfl&auml;che zu verschwinden. In der arabischen Gesellschaft geschieht das gleiche, nur viel radikaler. Al-Qaida, der IS und &auml;hnliche Bewegungen werden &uuml;berall st&auml;rker. Einige unter uns, die israelischen Atheisten, warnten davor schon seit Jahrzehnten. Wir sagten, dass Nationalstaaten Kompromisse machen k&ouml;nnen &ndash; Kompromisse bis hin zum Friedensschluss. Doch derlei ist f&uuml;r religi&ouml;se Bewegungen und die ihnen h&ouml;rigen Politiker und Regierungen unm&ouml;glich.<\/p><p>Ich bin &uuml;berzeugt, dass es das existenzielle Interesse Israels ist, mit dem pal&auml;stinensischen Volk und allen arabischen Staaten Frieden zu schlie&szlig;en, bevor diese gef&auml;hrliche Welle die ganze arabische und muslimische Welt &uuml;berrollt. Die ganze westliche Welt hat ein gro&szlig;es Interesse daran, im Nahen Osten Frieden zu stiften. Die politischen Umbr&uuml;che der letzten Jahre in den arabischen Staaten bedeuten auch f&uuml;r diese selbst nichts Gutes.<\/p><p>Aber m&ouml;glicherweise ist Israel schon l&auml;ngst von einem unsichtbaren rassistischen und chauvinistischen Tsunami ergriffen worden. Der als k&uuml;nftiger Oberrabbiner f&uuml;r die israelischen Streitkr&auml;fte vorgesehene Oberst Eyal Karim meint nicht nur, dass man mit &bdquo;Terroristen&ldquo; nicht wie mit Menschen umgehen solle, da sie doch &bdquo;Tiere&ldquo; seien, sondern auch, dass Frauen vor Gericht nicht als Zeugen aussagen d&uuml;rften, da sie zu &bdquo;sentimental&ldquo; daf&uuml;r seien, und dass man zu Schwulen eine Einstellung wie zu &bdquo;Kranken oder Schwerbehinderten&ldquo; haben solle. Das Problem ist nicht, dass es solch durchgeknallte rassistische Rabbiner &uuml;berhaupt gibt (oder dass solche Rabbiner in solch wichtige Posten berufen werden). Es liegt vielmehr darin, dass die Verbreitung solcher Meinungen heutzutage nicht einmal mehr einen Skandal ausl&ouml;st. <\/p><p>1967 haben Menschen &bdquo;Soldatengespr&auml;che&ldquo; gelesen und sich innerlich gegen das Buch aufgelehnt. Keiner blieb aber gleichg&uuml;ltig. Damit hat das Buch zu seiner Zeit sein Ziel erreicht. Heute sind die Soldaten von &bdquo;Breaking the Silence&ldquo; die Nachfolger, die mit ihrem Werk versuchen, die israelische Gesellschaft erneut aufzur&uuml;tteln, damit sie sich &bdquo;auflehnt&ldquo;. Aber in der israelischen Gesellschaft herrscht heute mehr Gleichg&uuml;ltigkeit, mehr Stumpfheit. Was in den &bdquo;besetzten Gebieten&ldquo; geschieht, &uuml;berschreitet zuweilen die rote Linie von Kriegsverbrechen, aber es ber&uuml;hrt niemanden. Was in den Gebieten passiert, wird oft kommentiert wie folgt: &bdquo;Wer hat ihnen gesagt, mit uns anzufangen?&ldquo;, oder &bdquo;Besatzung ist Besatzung und es gibt keine Deluxe-Besatzung&ldquo;, oder &bdquo;Warum wollen sie keinen Frieden machen?&ldquo;<\/p><p>Es gibt in Israel einen starken Mechanismus der Verdr&auml;ngung und Verleugnung. Tag f&uuml;r Tag, Stunde f&uuml;r Stunde werden Pal&auml;stinenser erniedrigt, gedem&uuml;tigt und in den Checkpoints gequ&auml;lt. Aber manche Soldaten haben schon w&auml;hrend der K&auml;mpfe auf dem Sinai geahnt, dass dieser Krieg Samen von tiefem Hass geb&auml;ren wird. Israel hatte nach dem Krieg noch f&uuml;r kurze Zeit die Chance, alles zum Guten zu wenden. Prof. Leibowitz pr&auml;gte sp&auml;ter den Begriff vom &bdquo;siebten Tag&ldquo;, an dem Israel den entscheidenden Fehler gemacht hat: Es ist in den eroberten Gebieten geblieben und hat dort Siedlungen gebaut entgegen dem internationalen V&ouml;lkerrecht. Dieser &bdquo;siebte Tag&ldquo; war der Tag der S&uuml;nde und der Beginn des Untergangs der zionistischen Idee.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Abraham Melzer<\/strong> ist in Israel aufgewachsen und lebt seit 1958 in Deutschland. Bis 2012 f&uuml;hrte er den Joseph-Melzer-Verlag, den sein Vater gegr&uuml;ndet hatte. Er verlegte zahlreiche B&uuml;cher sowie eine Zeitschrift zum Nahost-Konflikt. Melzer ist Mitglied in der &bdquo;J&uuml;dischen Stimme f&uuml;r gerechten Frieden in Nahost&ldquo;. <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Sechstagekrieg von 1967 initiierten Avraham Shapira und Amos Oz eines der einflussreichsten israelischen B&uuml;cher: &bdquo;Gespr&auml;che mit israelischen Soldaten&ldquo;. 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