{"id":38651,"date":"2017-06-08T08:58:03","date_gmt":"2017-06-08T06:58:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38651"},"modified":"2026-01-27T11:03:08","modified_gmt":"2026-01-27T10:03:08","slug":"ein-letztes-aufbaeumen-in-der-verlorenen-schlacht-um-das-deutungsmonopol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38651","title":{"rendered":"\u201eEin letztes Aufb\u00e4umen in der verlorenen Schlacht um das Deutungsmonopol\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161004_matthias_broeckers.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>&bdquo;Sie haben im Rudel gejault, statt ihren Job zu machen, sie haben Obama und Hillary mit Lob und Hudel &uuml;bergossen und Donald in die Tonne getreten.&ldquo;<br>\nDas sagt Bestseller-Autor <strong>Mathias Br&ouml;ckers<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38651#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] im <strong>NachDenkSeiten-Interview<\/strong> &uuml;ber die Berichterstattung der Medien zu Donald Trump und der Wahl in den USA.<br>\nBr&ouml;ckers, der zur Gr&uuml;ndergeneration der taz geh&ouml;rt, hat gerade ein neues Buch  ver&ouml;ffentlicht, worin er die aktuelle Entwicklung in den USA literarisch verfremdet als Geschichte erz&auml;hlt, die an die US-amerikanische Fantasyserie &bdquo;Games of Thrones&ldquo; ankn&uuml;pft.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5193\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-38651-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170608_Letztes_Aufbaeumen_in_der_verlorenen_Schlacht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170608_Letztes_Aufbaeumen_in_der_verlorenen_Schlacht_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170608_Letztes_Aufbaeumen_in_der_verlorenen_Schlacht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170608_Letztes_Aufbaeumen_in_der_verlorenen_Schlacht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=38651-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170608_Letztes_Aufbaeumen_in_der_verlorenen_Schlacht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170608_Letztes_Aufbaeumen_in_der_verlorenen_Schlacht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Titel des Buches: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/koenig-donald-die-unsichtbaren-meister-und-der-kampf-um-den-thron\/\">K&ouml;nig Donald, &ndash; Die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron<\/a>&ldquo; l&auml;sst erahnen, wie Br&ouml;ckers die politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten wahrnimmt: Als Kampf um die Macht unterschiedlicher Fraktionen, die wie in der Fantasyserie vor nichts zur&uuml;ckschrecken, um an jene Stellen zu gelangen, die die entscheidenden Weichenstellungen in dem Land erm&ouml;glichen. Da immer dann, wenn es um Macht geht, die Medien auch eine wichtige Rolle spielen, f&auml;llt ihr Verhalten auch im Zusammenhang mit den &bdquo;unsichtbaren Meistern&ldquo; und dem &bdquo;Kampf um den Thron&ldquo; auf. <\/p><p>Ein Interview &uuml;ber &bdquo;K&ouml;nig Donald&ldquo; und die Medien.<\/p><p>Das Interview f&uuml;hrte <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>. <\/p><p><strong>Herr Br&ouml;ckers, Donald Trump ist seit &uuml;ber drei Monaten Pr&auml;sident der USA. Wie fett sollte der Punkt hinter diesem Satz sein?<\/strong><\/p><p>Ich denke, das ist egal. W&uuml;rde Trump amtsenthoben, h&auml;tten wir Pence; w&auml;re er nicht Pr&auml;sident geworden, h&auml;tten wir Clinton.  In einem laut Gore Vidal &bdquo;Einparteiensystem mit zwei rechten Fl&uuml;geln&ldquo; ist es eigentlich relativ wurscht, wer gerade Pr&auml;sident ist. Grunds&auml;tzlich halte ich es in Sachen USA mit Frank Zappa, der zu den Wahlk&auml;mpfen dort schon in den 1970er Jahren feststellte, &bdquo;Politik ist die Unterhaltungsabteilung der R&uuml;stungsindustrie&ldquo;.<\/p><p><strong>Sie haben ein Buch geschrieben, das die realen Ereignisse in den USA rund um Trump und seine Wahl zum US-Pr&auml;sidenten ein klein wenig literarisch verfremdet. Warum dieser Blick auf die Entwicklung in den USA?<\/strong><\/p><p>Als ich den Wahlkampf beobachtete, fiel mir der r&ouml;mische Dichter Juvenal ein, der Anfang des 2. Jahrhunderts &uuml;ber die Intrigen am Hofe des kaiserlichen Imperiums notierte, es sei &bdquo;schwierig, keine Satire zu schreiben&ldquo;. Mit einer verbissenen Kandidatin auf der einen Seite, die ihren weitaus popul&auml;reren parteiinternen Konkurrenten mit &uuml;blen Tricks aus dem Rennen geworfen hatte &ndash; und auf der anderen Seite mit einem gro&szlig;m&auml;uligen Baul&ouml;wen und Casinobetreiber, der sich zum Spitzenkandidaten aufgeschwungen hatte. Wenn man einen Schritt zur&uuml;cktrat und dieses Theater dann tats&auml;chlich als Theater betrachtete, war zu sehen:  es ist der alte Kampf um die Macht, es sind die immer gleichen Muster von Intrige und Verrat, es ist ein Real Game of Thrones. Ton und  Ambiente dieser Fantasy-Serie schienen mir f&uuml;r eine Beschreibung dann angemessen.<\/p><p><strong>Was ist in den USA passiert? Wie lautet Ihre Erkl&auml;rung daf&uuml;r, dass Trump zum 45. Pr&auml;sidenten der Vereinigten Staaten gew&auml;hlt wurde?<\/strong><\/p><p>Trump ist ein Charismatiker und hat das Publikum &uuml;berzeugt. Hillary Clinton war so unbeliebt wie kein Pr&auml;sidentschaftskandidat jemals zuvor. H&auml;tte sie Bernie Sanders nicht weggemobbt, der ebenfalls charismatisch und authentisch r&uuml;berkam und die Stadien f&uuml;llte, w&auml;re Trump heute nicht Pr&auml;sident.<\/p><p><strong>Was spielt noch eine Rolle?<\/strong><\/p><p>Clinton stand f&uuml;r das &bdquo;Weiter so&ldquo;, Trump und Sanders f&uuml;r einen Politikwechsel. Sie vertraten eine &bdquo;Anti-Establishment&ldquo;-Politik mit rechten bzw. linken Einschl&auml;gen und die war offenbar attraktiver als eine Fortsetzung  des Bestehenden. Dass das nun erstmals von einer Frau als Pr&auml;sidentin gemacht werden sollte, reichte als Argument nicht aus &ndash; und viel mehr hatte Hillary nicht zu bieten&hellip;<\/p><p><strong>Werfen wir einen Blick auf das Verhalten und Agieren der Medien im Hinblick auf Trump. Welche Berichterstattung haben Sie wahrgenommen?<\/strong><\/p><p>Ich hatte mir letzten Herbst einige Auftritte Trumps komplett angeschaut und schon da die Prognose gewagt, dass er gro&szlig;e Chancen hat, weil er anders als Hillary das Publikum begeistern kann. In den Medien kam von seinen  konkreten Punkten aber fast  nur die irre Mauer nach Mexiko zur Sprache , alles andere &ndash; Arbeitspl&auml;tze im Land zu schaffen, die Infrastruktur wieder aufzubauen, die &bdquo;regime change&ldquo;-Politik zu stoppen, mit Russland &bdquo;klarzukommen&ldquo; und als erstes das terroristische Kalifat ISIS &bdquo;zu eliminieren&ldquo; &ndash; wurde kaum erw&auml;hnt. Aber die Leute jubelten ihm bei seinen Veranstaltungen daf&uuml;r genauso zu wie f&uuml;r diese Mauer. Das fiel in den Medien v&ouml;llig unter den Tisch. Trump wurde so einseitig als durchgeknallte, peinliche Figur portr&auml;tiert, dass sich bei den Umfragen vor der Wahl viele gar nicht trauten, sich zu ihm zu bekennen.  So kam es zu dem Debakel der Demoskopen und Leitmedien, die Clinton  95 % Siegeschancen zusprachen  <\/p><p><strong>Gibt es einen Unterschied zwischen der Berichterstattung deutscher und amerikanischer Medien zu Trump?<\/strong><\/p><p>Eine Untersuchung der Harvard-Universit&auml;t hat ja gerade gezeigt, dass die Meldungen der ARD-Tagesthemen &uuml;ber Trump zu 98 % negativ gef&auml;rbt waren und damit die Negativ-Quote von CNN und den amerikanischen Sendern sogar noch &uuml;bertrafen. Auch wenn die Studie <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Trump-Berichterstattung-Ueberwiegend-negativ-nur-ein-Drittel-der-Beitraege-neutral-3727310.html\">kritisiert<\/a> wurde: Mit journalistischer Berichterstattung hat eine solche Einseitigkeit wenig tun, sondern viel mehr mit Propaganda. Grunds&auml;tzlich gab es zwischen den deutschen und amerikanischen Medien da keine gro&szlig;en Unterschiede, bis auf die Tatsache, dass das hiesige Publikum f&uuml;r diesen M&uuml;ll Zwangsgeb&uuml;hren zahlen muss.<\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie sich das Verhalten dieser Medien?<\/strong><\/p><p>Rudeljournalismus, Opportunismus, Karrierismus, Geistesarmut, Seelenschw&auml;che&hellip;<\/p><p><strong>Nun gab es das, was man als einen offenen Schlagabtausch zwischen Trump und den Medien bezeichnen kann. Trump hat immer wieder Medien direkt angegriffen und ihnen eine voreingenommene und unfaire Berichterstattung vorgeworfen. Warum agiert Trump so?<\/strong><\/p><p>Was diese Unfairness angeht, hat er doch ausnahmsweise vollkommen recht, die Medien lie&szlig;en und lassen ja kein gutes Haar an seiner pr&auml;chtigen Eichh&ouml;rnchenfrisur. Ein Fu&szlig;ballreporter, der jeden Rempler der einen Mannschaft als &bdquo;grobes Foul&ldquo; kommentiert und die brutalen Blutgr&auml;tschen der anderen als &bdquo;faire H&auml;rte&ldquo; durchgehen l&auml;sst, h&auml;tte in der Champions League keine Chance, in den Nachrichten &uuml;ber diesen Wahlkampf war es aber umgekehrt, Trump-Bashing geh&ouml;rte einfach zum guten Ton. Und dass er dann den CNN-Reporter mit &bdquo;You Are Fake News!&ldquo; abkanzelte, war in meinen Augen v&ouml;llig berechtigt.  Dass den Medien darauf nichts anderes einfiel, als Trump nun ebenfalls und noch mehr Fake News nachzuweisen und anzudichten, das hatte und hat dann schon was von Kindergarten: Fake News machen immer nur die anderen.<\/p><p><strong>Trump, Sie erw&auml;hnen es auch in Ihrem Buch, macht etwas, was so bisher noch kein Pr&auml;sident gemacht hat: Er kommuniziert ziemlich direkt &uuml;ber Twitter und &uuml;bt dabei auch gezielt Medienkritik. <\/strong><br>\n<strong>Was hat es mit Trumps Vorliebe f&uuml;r Twitter auf sich?  Und: Warum st&ouml;&szlig;t sie so manchem sauer auf?<\/strong><\/p><p>Er kann direkt mit seinem Wahlvolk kommunizieren und ist weniger auf Hofschreiber und Medien angewiesen, was den Hofschreibern und Medien nat&uuml;rlich stinkt. Trump redet nicht nur, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, sondern erreicht damit auch gleich Millionen Follower. Er braucht New York Times, Washington Post, NBC etc. nicht mehr so dringend wie seine Vorg&auml;nger, um seine Botschaften r&uuml;berzubringen. Dieser Bedeutungsverlust schmerzt und erkl&auml;rt ein St&uuml;ck auch die Wut, die Trump aus diesen Bl&auml;ttern entgegenschl&auml;gt. So k&ouml;cheln sie nun schon seit fast einem Jahr die haltlose Legende, dass Trump von Putin auf den Thron gehievt wurde &ndash; eine vom Clinton-Lager erfundene Geschichte, die dann durch die &bdquo;Einsch&auml;tzung&ldquo; von 17 Geheimdiensten untermauert wurde. Also von denselben &bdquo;unsichtbaren Meistern&ldquo;, wie ich sie im Buch nenne, die auch schon die Massenvernichtungswaffen des Irak &bdquo;einsch&auml;tzten&ldquo;, ohne irgendeinen Beweis daf&uuml;r vorzulegen.<\/p><p><strong>Gehen wir auf die deutsche Berichterstattung n&auml;her ein. Was ist Ihnen aufgefallen?<\/strong><\/p><p>Als nach der Wahl zuerst nur von Katastrophe, Meteoriteneinschlag usw. die Rede war und Trump mit dem blutig enthaupteten Kopf von Miss Liberty portr&auml;tiert wurde, merkte man, dass die hiesigen Leitartikler von den transatlantischen Think Tanks noch nicht mit neuen Textbausteinen ausgestattet worden waren. Es war nur Stammeln und Staunen und Suche nach Schuldigen bei den &bdquo;social media&ldquo;, bei Fake News und Hate Mails. Dass die Leitmedien auf ihre eigene Filterblase hereingefallen waren, dass das von ihnen konstruierte Bild des Wahlkampfs und der Situation in USA selbst ein Fake war und nicht der Realit&auml;t entsprach, das checkten sie erstmal gar nicht. Und haben es  irgendwie bis heute nicht gecheckt, denn sie k&ouml;cheln das M&auml;rchen von russischen Hackern und Putins Manipulation der Wahlen st&auml;ndig weiter. Dass dazu dann fast ausschlie&szlig;lich anonyme Quellen, &bdquo;senior officials&ldquo; etc. zitiert werden, hindert sie aber nicht daran, diese Kampagne als Journalismus zu bezeichnen<\/p><p><strong>Warum tritt an die Stelle des unaufgeregten, sachlichen Journalismus ein Journalismus, der auf Agitation setzt? Angriffsfl&auml;che bietet Trump gen&uuml;gend. Es ist doch ganz leicht, ihn zu kritisieren. Hier h&auml;tten Medien eigentlich ein leichtes Spiel. <\/strong><\/p><p>Dann m&uuml;ssten sie aber auf Trumps konkrete Wahlkampfansagen eingehen: ISIS zu eliminieren und &bdquo;mit Russland klarzukommen&ldquo;, was einer seiner milit&auml;rischen Experten, der Gr&uuml;nder der ber&uuml;chtigten  &bdquo;Blackwater&ldquo;-S&ouml;ldnertruppe, so ausdr&uuml;ckte: &bdquo;Wir haben mit Stalin den Faschismus besiegt, da werden wir doch mit Putin wohl den Islamismus erledigen.&ldquo; ISIS ist aber ein Konstrukt der CIA, finanziert und bewaffnet von Saudis und Kataris und vorangetrieben von Obama und Hillary Clinton als Vehikel im Krieg gegen Syrien und Iran.  Das m&uuml;sste man thematisieren, wenn Trumps Forderung, das Kalifat &bdquo;von der Erde verschwinden zu lassen&ldquo; Realit&auml;t werden soll. Aber das ist nicht erw&uuml;nscht &ndash; denn damit verlassen wir das Terrain der Politik als Entertainment und landen bei den Interessen der R&uuml;stungsindustrie. Als Trump 60 sinnlose Bomben auf Syrien abfeuerte, bekam er denn auch erstmals gute Presse als &bdquo;verantwortungsbewusster&ldquo; Pr&auml;sident.<\/p><p><strong>Losgel&ouml;st von Trump: Sie kritisieren seit vielen Jahren die Medien. Hat sich etwas zum Positiven ver&auml;ndert? Ist der gelieferte Journalismus der Leitmedien schlimmer geworden?<\/strong><\/p><p>Als ich 2002 mein erstes Buch &uuml;ber 9\/11 ver&ouml;ffentlichte, wurde es von den Leitmedien als &bdquo;unseri&ouml;s&ldquo; abgetan, weil es Quellenangaben aus dem Internet enthielt ; dass 15 Jahre sp&auml;ter keine seri&ouml;se Recherche ohne Internetquellen mehr denkbar ist, zeigt den digitalen Wandel. Das Netz hat die etablierten Medien als Hauptinformationsquelle &uuml;ber das Zeitgeschehen abgel&ouml;st &ndash; und es hat gleichzeitig ihr  wichtigstes Monopol gebrochen: die Deutungshoheit &uuml;ber die Wirklichkeit. Daher auch der ganze derzeitige Jammer &uuml;ber Fake News, die immer nur die machen, die die Wirklichkeit anders deuten &ndash; was dann dazu f&uuml;hrt, dass sich die &bdquo;Washington Post&ldquo; nicht entbl&ouml;det, eine Liste 200 alternativer Webseiten zu ver&ouml;ffentlichen, im Spektrum von ganz links bis ganz rechts, die allesamt &bdquo;russische Propaganda&ldquo; verbreiten w&uuml;rden. Alles, was nicht durch die Filter der Konzernmedien oder staatlich kontrollierter Organe l&auml;uft, als Propaganda oder Fake News zu deklarieren, scheint mir da wie ein letztes Aufb&auml;umen in der verlorenen Schlacht um das Deutungsmonopol. Das Debakel der Trump-Wahl war ein Desaster f&uuml;r alles, was sich &bdquo;Qualit&auml;tsjournalismus&ldquo; nennt und ihn schon l&auml;ngst nicht mehr liefert. Zum Positiven hat sich da nichts gewendet, im Gegenteil: das angedrohte &bdquo;Ende der Freiheit&ldquo; und den Polizei- und &Uuml;berwachungsstaat f&uuml;hrt nicht der &bdquo;Diktator&ldquo; Trump ein,  daran arbeiten vielmehr die sogenannten &bdquo;W&auml;chter der Demokratie&ldquo;, die mit Ger&uuml;chten und Lecks, die ihnen von den &bdquo;unsichtbaren Meistern&ldquo; zugesteckt werden, an der Demontage des Pr&auml;sidenten arbeiten. Das Grundprinzip des klassischen Journalismus &ndash; dass eine Nachricht erst als Nachricht gemeldet wird, wenn sie von unabh&auml;ngiger zweiter Quelle best&auml;tigt ist &ndash; hat keine Geltung mehr. Insofern habe ich mir in diesem Buch die Freiheit genommen, gleich M&auml;rchen zu erz&auml;hlen, allerdings mit Links und Quellenangaben.<\/p><p><strong>Gerade hat sich der Chefredakteur von ARD-aktuell zu Wort gemeldet, um im Rahmen der Aktion &bdquo;Sag es mir ins Gesicht&ldquo; das Gespr&auml;ch mit jenen Mediennutzern zu suchen, die aggressive und beleidigende Kommentare ver&ouml;ffentlichen und die Medien angreifen. <\/strong><br>\n<strong>Was halten Sie von dieser Aktion?<\/strong><\/p><p>Ich finde sie eher peinlich. W&auml;hrend der Ukraine-Krise hatte ich einmal eine Radiodebatte mit Herrn Gniffke und sprach ihn darauf an, dass die &bdquo;Tagesschau&ldquo; einen russischen Einmarsch in der Ukraine gemeldet hatte, mit Bildern von rollenden Panzern, die aber dort nie gefahren waren. Er erkl&auml;rte das damals mit Versehen und dem Eifer des Gefechts, in dem Front-Korrespondenten ihre Meldungen absetzen, was aber Unsinn ist, denn es kam mehrfach und sicher nicht zuf&auml;llig vor. Mittlerweile scheint der Tagesschau-Chef in dieser Sache zwar <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/sag-s-mir-ins-gesicht-ard-wartet-vergeblich-auf-trolle-15036990.html\">halbwegs einsichtig<\/a>, was aber im Nachhinein wenig hilft. Denn wie die oben zitierte Studie zeigt, hat man auch beim n&auml;chsten weltpolitischen Gro&szlig;ereignis &ndash; dem Kampf um den Thron des exzeptionalistischen K&ouml;nigreichs &ndash; rein gar nichts dazugelernt. Sie haben im Rudel gejault, statt ihren Job zu machen, sie haben Obama und Hillary mit Lob und Hudel &uuml;bergossen und Donald in die Tonne getreten, so wie sie die pro-westlichen Oligarchen und ihre Nazis in der Ukraine hochjubelten und die pro-&ouml;stlichen und ihre russischen Helfer in die Tonne treten usw. usf. Ein Ende ist nicht abzusehen und den Zuschauern und Nutzerinnen bleibt nur, sich bei jeder wichtigen Nachricht auch in alternativen Quellen zu informieren und sich selbst ein Bild zu machen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Mathias Br&ouml;ckers<\/strong> ist freier Journalist, geh&ouml;rte zur Gr&uuml;ndergeneration der taz und schrieb zahlreiche B&uuml;cher. Zuletzt (mit Paul Schreyer) &bdquo;Wir sind die Guten &ndash; Ansichten eines Putinverstehers&ldquo; (2014) und (mit Sven B&ouml;ttcher) &bdquo;Die ganze Wahrheit &uuml;ber alles&ldquo; (2016). Er bloggt auf <a href=\"http:\/\/www.broeckers.com\">broeckers.com<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/161004_matthias_broeckers.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>&bdquo;Sie haben im Rudel gejault, statt ihren Job zu machen, sie haben Obama und Hillary mit Lob und Hudel &uuml;bergossen und Donald in die Tonne getreten.&ldquo;<br \/> Das sagt Bestseller-Autor <strong>Mathias Br&ouml;ckers<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38651#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] im <strong>NachDenkSeiten-Interview<\/strong> &uuml;ber die Berichterstattung der Medien zu Donald Trump und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38651\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,209,123,183,190],"tags":[1987,1090,2005,901,1362,1494,1202,1544,1151,1919,709,906,1418,259,1802,1113,570,1800,260],"class_list":["post-38651","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-interviews","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-wahlen","tag-broeckers-mathias","tag-clinton-hillary","tag-fake-news","tag-geheimdienste","tag-gniffke-kai","tag-infrastruktur","tag-isis","tag-kampagnenjournalismus","tag-konjunkturpolitik","tag-lueckenpresse","tag-protestwaehler","tag-ruestungsindustrie","tag-regime-change","tag-russland","tag-sanders-bernie","tag-soziale-medien","tag-tagesthemen","tag-trump-donald","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38651","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38651"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38651\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89519,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38651\/revisions\/89519"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38651"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38651"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38651"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}