{"id":38660,"date":"2017-06-08T12:44:55","date_gmt":"2017-06-08T10:44:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38660"},"modified":"2017-06-09T14:40:19","modified_gmt":"2017-06-09T12:40:19","slug":"grossbritannien-waehlt-und-es-wird-noch-einmal-richtig-spannend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38660","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien w\u00e4hlt und es wird noch einmal richtig spannend"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170530_uk1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Als Theresa May im April Neuwahlen ausgerufen hat, hat niemand &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37884#h03\">auch ich nicht<\/a> &ndash; einen Pfifferling auf Jeremy Corbyn und seine Labour Party gegeben. In wenigen Wochen hat sich die Lage jedoch gedreht &ndash; Corbyn schaffte es, vor allem junge Menschen mit klassisch sozialdemokratischen Positionen f&uuml;r Labour zu begeistern, w&auml;hrend Theresa May von einem Fettnapf in den anderen stapfte. Die Umfragen liegen weit auseinander und sagen einen Sieg der Tories zwischen einem und zw&ouml;lf Punkten voraus. Wegen des Mehrheitswahlrechts l&auml;sst sich daraus jedoch nur indirekt auf die Mandate schlie&szlig;en. Labour muss nicht zwingend vor den Tories liegen, um am Ende als Sieger in Westminster einzuziehen. Ein momentan recht wahrscheinliches Szenario k&ouml;nnte beispielsweise so aussehen, dass die Tories trotz eines knappen Vorsprungs keine absolute Mehrheit im Parlament haben und keinen Koalitionspartner finden. Am Ende k&ouml;nnte daher Jeremy Corbyn in dieser Nacht als Sieger vom Platz gehen, obwohl Mays Tories die meisten Stimmen geholt haben. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2035\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-38660-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170609_Grossbritannien_waehlt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170609_Grossbritannien_waehlt_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170609_Grossbritannien_waehlt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170609_Grossbritannien_waehlt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=38660-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170609_Grossbritannien_waehlt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170609_Grossbritannien_waehlt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170608_02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170608_02-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p>An &Uuml;berraschungen arm war der britische Wahlkampf garantiert nicht. F&uuml;r mich bestand <strong>die gr&ouml;&szlig;te &Uuml;berraschung<\/strong> darin, dass es in der heutigen Mediengesellschaft tats&auml;chlich m&ouml;glich ist, einen <strong>inhaltlichen Wahlkampf<\/strong> gegen den Mainstream und gegen die absolute Mehrheit der klassischen Medien zu machen und damit die Menschen f&uuml;r sich zu gewinnen. Wenn Jeremy Corbyn n&auml;mlich eines nicht ist, dann ist es ein &bdquo;Populist&ldquo; &ndash; auch wenn dies bei vielen Kommentatoren noch nicht angekommen ist. Das Wahlprogramm von Labour tr&auml;gt den Titel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.labour.org.uk\/page\/-\/Images\/manifesto-2017\/Labour%20Manifesto%202017.pdf\">For the many, not the few<\/a>&ldquo; (f&uuml;r die Vielen, nicht f&uuml;r die Wenigen) und hat es in sich. Es ist sowohl klassisch sozialdemokratisch, als auch realpolitisch und f&uuml;r die W&auml;hler verst&auml;ndlich. Alle mir bekannten Analysten sind sich in dem Punkt einig, dass vor allem die Inhalte ma&szlig;geblich zum &bdquo;Wiederauferstehen&ldquo; von Labour beigetragen haben. <\/p><p><strong>Inhalte z&auml;hlen wieder!<\/strong><\/p><p>Um was geht es Labour? F&uuml;r Deutsche ist es nicht immer leicht, den britischen Wahlkampf zu verstehen, da er durch viele nationale Punkte gekennzeichnet ist, zu denen wir keine Schnittpunkte haben. So betont Corbyn beispielsweise in fast jeder Wahlkampfrede, dass er den Krankenh&auml;usern untersagen will, Parkgeb&uuml;hren zu erheben. Parkgeb&uuml;hren? In den &ouml;ffentlichen britischen Krankenh&auml;usern sind diese Geb&uuml;hren, die bis zu 30 Euro pro Schicht ausmachen, eine beliebte Art der Arbeitgeber, sich einen Teil des ohnehin schon schlechten Lohns der Mitarbeiter zur&uuml;ckzuholen. F&uuml;r Krankenschwestern, die im teuren London um die 3.000 Euro pro Monat verdienen, sind 600 Euro Parkgeb&uuml;hren schon eine Hausnummer. So wurden die Parkgeb&uuml;hren &ndash; stellvertretend f&uuml;r viele indirekte Kosten, die den Mitarbeitern aufgeb&uuml;rdet werden &ndash; zu einem der vielen Inhalte des Labour-Wahlkampfs. <\/p><p>Die Hauptthemen sind freilich Politikfelder, die auch in Deutschland sehr gut verstanden werden:<\/p><ul>\n<li>Privatisierungen: Labour tritt f&uuml;r eine R&uuml;ckf&uuml;hrung der privatisierten Unternehmen aus den Sektoren Gesundheit, Energie, Wasser, Verkehr und Post in die &ouml;ffentliche Hand ein.<\/li>\n<li>Gesundheitspolitik: Labour will den &ouml;ffentlichen NHS besser finanzieren und die Mitarbeiter besser entlohnen.<\/li>\n<li>Wohnungsbau: Labour will eine Millionen Wohnungen bauen, davon die H&auml;lfte in &ouml;ffentlicher Hand; zus&auml;tzlich soll es eine Mietpreiskontrolle geben.<\/li>\n<li>Bildung: Labour will die Studiengeb&uuml;hren abschaffen, 6,3 Mrd. Pfund in die Schulen investieren, freie Mahlzeiten f&uuml;r Grundsch&uuml;ler einf&uuml;hren und die Klassengr&ouml;&szlig;en senken.<\/li>\n<li>Arbeit: Labour will gegen prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse vorgehen und den Mindestlohn erh&ouml;hen.<\/li>\n<li>Finanzen: Labour will die Bankenaufsicht st&auml;rken und Steuerschlupfl&ouml;cher schlie&szlig;en.<\/li>\n<li>Steuern: Labour will Unternehmen st&auml;rker besteuern und den Steuersatz f&uuml;r Menschen, die mehr als 80.000 Pfund pro Jahr verdienen, anheben.<\/li>\n<li>Soziales: Labour will eine kostenlose Kinderbetreuung einf&uuml;hren.<\/li>\n<li>Altersvorsorge: Labour will die Mindestrente j&auml;hrlich nach einem nach oben offenen flexiblen System steigen lassen.<\/li>\n<\/ul><p>Was hier fehlt, sind sicherheits- und au&szlig;enpolitische Themen. Hier hat die Parteibasis sich durchgesetzt. So ist Jeremy Corbyn zwar ein Bef&uuml;rworter der sofortigen Verschrottung der britischen Atomwaffen, die Labour-Basis ist in diesem Punkt jedoch anderer Meinung. Und da Corbyn immer wieder betont, dass die Partei das Wahlprogramm ohne Wenn und Aber gemeinsam verabschiedet, musste er sich in einigen Punkten &uuml;berstimmen lassen. So geht Demokratie!<\/p><p>Corbyns Wahlkampfstrategie bestand vor allem darin, seine Inhalte zu thematisieren und damit die Debatte in sein Spielfeld zu holen. Das war nicht immer leicht. Anfangs ging es vor allem um zahlreiche Aussagen von ihm, die zwar sicher im Kontext verst&auml;ndlich, jedoch nicht mehrheitsf&auml;hig sind. So wurde er vielfach wegen kritischer &Auml;u&szlig;erungen zu Israel als Antisemit bezeichnet. Das war jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Sein &bdquo;Verh&auml;ltnis&ldquo; zu Hamas, zur IRA und generell zu sicherheits- und milit&auml;rpolitischen Themen waren und sind f&uuml;r seine Gegner nat&uuml;rlich ein gefundenes Fressen. Mit solchen Schikanen muss ein Kandidat mit pazifistischem und antiimperialistischem Hintergrund aber leben. Corbyn verstand es dann auch schnell, diesen Vorw&uuml;rfe damit zu begegnen, indem er die Aussagen in den Kontext r&uuml;ckte. Klar ist aber auch, dass viel von dem Dreck, mit dem er vom politischen Gegner &ndash; auch innerhalb der Labour Partei &ndash; beworfen wurde, an ihm h&auml;ngenblieb. F&uuml;r viele traditionelle eher konservative Labour-W&auml;hler im Norden ist und bleibt Corbyn unw&auml;hlbar. Daf&uuml;r ist sein Erfolg bei jungen St&auml;dtern ph&auml;nomenal. <\/p><p><strong>Fuchsjagd, Demenzsteuer und eine Wende nach der anderen<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170608_03.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170608_03-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p>Theresa May ist im Vergleich eher eine Lachnummer. Die Dame, die stets betont, &bdquo;stark und prinzipientreu&ldquo; zu sein (strong and stable), ist w&auml;hrend des gesamten Wahlkampfs durch eine Wende nach der anderen aufgefallen. Das f&auml;ngt schon beim Wahltermin an. Zun&auml;chst wollte sie gar keine vorgezogenen Neuwahlen, dann rief sie sie doch aus. Fr&uuml;her k&auml;mpfte May gegen das unsoziale Image der Tories an, heute ist sie vor allem bei der Einwanderungsfrage an den rechten Rand ger&uuml;ckt. Sie war Mitglied der Kampagne gegen den Brexit und tut nun so, als sei der Brexit ihr innigster Wunsch. Im Wahlkampf k&uuml;ndigte sie erst Steuererh&ouml;hungen f&uuml;r Selbstst&auml;ndige und eine st&auml;rkere Beteiligung von Demenzkranken an deren Behandlungskosten an und ruderte dann nach vier Tagen Widerstand zur&uuml;ck. &bdquo;Stark und prinzipientreu&ldquo;? Nur sie kann Gro&szlig;britannien in Br&uuml;ssel vertreten? Nun ja. Was im Wahlprogramm der Tories &uuml;berblieb, war die Forderung, die Fuchsjagd wieder zu erlauben. Wahlkampftechnisch &ndash; und vollkommen losgel&ouml;st vom Inhalt &ndash; ist dies freilich eine Torheit ersten Grades, da die Freunde der Fuchsjagd ohnehin die Tories w&auml;hlen und Wechselw&auml;hler durch die Forderung eher abgeschreckt werden. Nichtsdestotrotz hat May immer noch den R&uuml;ckhalt der meisten Medien &hellip; vor allem deshalb, weil die Zeitungsbesitzer den linken Corbyn auf-Teufel-komm-raus verhindern wollen. May ist da nur ein Mittel zum Zweck. Nicht wenige Analysten bezweifeln daher auch bereits jetzt, dass May selbst im Falle eines Wahlsieges tats&auml;chlich Premierministerin wird. In der Partei wetzt man unter der Toga bereits die Dolche.<\/p><p><strong>Gehen die Corbynistas zur Wahl?<\/strong><\/p><p>Der Hype, den Jeremy Corbyn vor allem bei seinen jungen Landsleuten ausgel&ouml;st hat, ist kaum mehr in Worte zu fassen. Tausende pilgern von Wahlkampfveranstaltung zu Wahlkampfveranstaltung. In den Sozialen Medien geht eine regelrechte Corbyn-Lawine ab und vom Rapper bis zum Rocker erh&auml;lt Corbyn auch von jungen Kulturschaffenden massive Unterst&uuml;tzung. Sein Bild prangte j&uuml;ngst &ndash; auch das ist ein Novum &ndash; sogar auf zwei der angesagten Musikzeitschriften. Sogar die konservative BBC verglich die Atmosph&auml;re auf Corbyns Wahlkampfveranstaltungen schon mit dem ber&uuml;hmten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glastonbury_Festival\">Glastonbury Festival<\/a>. Theresa May begeistert hingegen vor allem in den Landstrichen S&uuml;denglands, die stark an das Sujet der Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen erinnern. Hier, im erzkonservativen Teil Englands, k&ouml;nnten die Tories freilich auch einen Kandidaten aus Pappmach&eacute; aufstellen und w&uuml;rden den Wahlkreis ohne Probleme gewinnen. <\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Facebook\" data-provider-slug=\"facebook\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Inhalts werden Daten an Facebook &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Facebook zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"\" width=\"500\" height=\"315\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allowtransparency=\"true\" allowfullscreen=\"true\" class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Flabourparty%2Fvideos%2F10154579521852411%2F&amp;show_text=0&amp;width=500\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"facebook\">Inhalte von Facebook nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><br>\n<em>Eine Wahlkampfveranstaltung von Labour in Birmingham<\/em><\/p><p>Vor allem in diesem Punkt sind die Wahlen in Gro&szlig;britannien nicht einmal im Ansatz mit deutschen Wahlen zu vergleichen. Ja, auch hierzulande haben Gr&uuml;ne und Linke in den j&uuml;ngeren Altersschichten Vorteile, w&auml;hrend vor allem auf dem Lande alte Menschen oft die CDU w&auml;hlen. Gro&szlig;britannien ist jedoch wirklich zweigeteilt: Bei den <a href=\"http:\/\/d25d2506sfb94s.cloudfront.net\/cumulus_uploads\/document\/fpwbs2u7v8\/SundayTimesResults_170526_VI_W.pdf\">jungen W&auml;hlern<\/a> liegt Labour mit 69% der Stimmen um L&auml;ngen vor den Konservativen, die bei 12% liegen. Zum Vergleich &ndash; die konservative CDU liegt in Deutschland bei den Jungw&auml;hlern mit 39% sogar noch einen Prozentpunkt &uuml;ber dem Ergebnis in der Gesamtbev&ouml;lkerung. D&uuml;rften in Gro&szlig;britannien nur die &bdquo;Unter-50-J&auml;hrigen&ldquo; w&auml;hlen, w&auml;re Labour der&nbsp;<a href=\"https:\/\/yougov.co.uk\/news\/2017\/05\/22\/if-vote-was-held-only-among-under-50s-corbyn-could\/\">unangefochtene Wahlsieger<\/a>. Bei den &Uuml;ber-65-J&auml;hrigen liegen jedoch die Tories mit 66% vorne und auch auf der Insel ist die Wahlbeteiligung bei den Alten besonders hoch. Wahlentscheidend d&uuml;rfte es daher sein, wie hoch die Wahlbeteiligung bei den jungen Briten ist. Das Referendum zum Brexit, bei dem auch die jungen Briten die Entscheidung gegen einen Austritt aus der EU h&auml;tten herbeif&uuml;hren m&uuml;ssen, l&auml;sst da jedoch wenig Optimismus aufkommen.  <\/p><p><strong>Der Brexit &ndash; das gro&szlig;e Thema, das keins sein darf<\/strong><\/p><p>Wie ein blauer Elefant steht nat&uuml;rlich das &uuml;bergro&szlig;e Thema im Raum, &uuml;ber das niemand so wirklich sprechen will: Der Brexit. Theresa May will ihn ohne Wenn und Aber und will zur Not auch einen &bdquo;harten Brexit&ldquo;, also ohne &Uuml;bereinkommen mit der EU, vollziehen &ndash; zumindest sagt sie das, glaubw&uuml;rdig ist das auf keinen Fall. Jeremy Corbyn will hingegen verhandeln und pl&auml;diert f&uuml;r einen &bdquo;weichen Brexit&ldquo;. Die Schottische Nationalpartei ist generell gegen einen Brexit und strebt nun ein zweites Referendum in Schottland an, um Schottland von Gro&szlig;britannien abzuspalten und in der EU zu bleiben. Die Liberaldemokraten und die Gr&uuml;nen waren konsequente Gegner des Brexit, k&ouml;nnen aber bei den heutigen Wahlen nicht mit R&uuml;ckenwind rechnen. Der Brexit ist abgemachte Sache und niemand traut sich, das Votum aus dem letzten Jahr in Frage zu stellen.<\/p><p>Ein Gewinner der Wahlen steht bereits fest. F&uuml;r die EU-Kommission w&auml;re es der Albtraum gewesen, bei den noch kommenden Verhandlungen einer gest&auml;rkten Theresa May gegen&uuml;berzusitzen. Dieses Szenario ist nach heutiger Sicht jedoch fast auszuschlie&szlig;en. Eine geschw&auml;chte Theresa May w&auml;re f&uuml;r Br&uuml;ssel akzeptabel. Noch lieber s&auml;&szlig;e man jedoch mit Jeremy Corbyn am Verhandlungstisch. Corbyn will auf zahlreichen Gebieten eine Partnerschaft mit der EU aushandeln und strebt Kompromisse an, die May (noch) kategorisch ausschlie&szlig;t. Es besteht jedoch auch die reale Gefahr, dass Br&uuml;ssel wieder einmal eine linke Regierung auflaufen l&auml;sst, um den W&auml;hlern in allen EU-L&auml;ndern klarzumachen, dass es keine linke Alternative geben kann. <\/p><p><strong>Koalitionen? F&uuml;r die Briten eigentlich undenkbar<\/strong><\/p><p>Die Briten lieben klare Mehrheiten. Im britischen Unterhaus gilt selbst die momentane Mehrheit von 15 Mandaten, &uuml;ber die Mays Konservative verf&uuml;gen, als knapp. Das hat zwei Gr&uuml;nde: Zum einen halten es die Briten mit der Fraktionsdisziplin lockerer als wir Deutschen und zum anderen werden die Mandate von Abgeordneten, die zur&uuml;ckgetreten oder verstorben sind, regelm&auml;&szlig;ig durch Neuwahlen in den jeweiligen Wahlkreisen neu besetzt. Zwischen f&uuml;nf und zwanzig Mandate werden also w&auml;hrend der Legislaturperiode neu vergeben. Mit einer knappen Mehrheit eine Regierung zu bilden, ist daher ein heikles Unterfangen. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170608_04.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170608_04-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Wenn die Wahlen gem&auml;&szlig; den Umfragen ausgehen, ist ein sogenanntes &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hung_parliament\">Hung Parliament<\/a>&ldquo;, also ein Parlament, in dem keine einzelne Partei eine echte Mehrheit hat, am wahrscheinlichsten. Die Liberaldemokraten werden wohl um die f&uuml;nf Mandate erzielen k&ouml;nnen, die Gr&uuml;nen haben ein Mandat in Brighton so gut wie sicher und die regionalen Parteien aus Schottland, Wales und Nordirland kommen zusammen auf rund 75 Mandate. F&uuml;r eine &bdquo;echte Mehrheit&ldquo; br&auml;uchten die Tories also mindestens 80 Mandate mehr als Labour und das ist schon eine Aufgabe. Wenn wir morgen ein &bdquo;Hung Parliament&ldquo; als Ergebnis haben, wird es n&auml;mlich richtig pikant. Das letzte Mal gab es 2010 ein solches Ergebnis, als die Liberaldemokraten fast 20 Prozent der Stimmen bekamen und die Tories &ndash; obgleich sie nur zweitst&auml;rkste Partei hinter Labour waren &ndash; zusammen mit ihnen eine Koalition bildeten. 2010 f&uuml;hrte jedoch David Cameron die Tories in die Wahlen und der war im Vergleich zu Theresa May geradezu ein Linksliberaler. Es ist eigentlich auszuschlie&szlig;en, dass die Liberaldemokraten noch einmal mit den Tories koalieren &ndash; zumal das Thema &bdquo;Brexit&ldquo; sie entzweit. Ein sehr knapper R&uuml;ckstand k&ouml;nnte von May noch durch eine Koalition mit den Unionisten aus Nordirland ausgeglichen werden. Die verf&uuml;gen aber auch nur &uuml;ber wenige Mandate und haben beim Thema Brexit andere Vorstellungen, die jedoch kein un&uuml;berwindbares Hindernis darstellen.<\/p><p><strong>Der Traum vom breiten Mitte-Links-B&uuml;ndnis<\/strong><\/p><p>Labour k&ouml;nnte auf der anderen Seite &ndash; auch wenn dies heute niemand &ouml;ffentlich sagen w&uuml;rde &ndash; eine breite Koalition zusammen mit der Schottischen Nationalpartei, den Liberaldemokraten und einigen regionalen Parteien aus Wales und Nordirland bilden. Inhaltlich gibt es zwar gro&szlig;e Unterschiede, die jedoch ebenfalls nicht un&uuml;berwindbar sind. Heikel d&uuml;rfte da nur die Sonderrolle der schottischen SNP werden. Die will schlie&szlig;lich ein Referendum f&uuml;r Schottland umsetzen und w&uuml;rde sich im Erfolgsfall aus dem Unterhaus verabschieden und die Koalition ohne Mehrheit dastehen lassen. Aber auch das ist Zukunftsmusik und zugegebenerma&szlig;en spekulativ.<\/p><p>Fest steht nur, dass es spannend wird. Fest steht auch, dass Jeremy Corbyn bereits jetzt viele Erfolge erreicht hat, die ihm kaum wer zugetraut h&auml;tte &ndash; er hat dem massiven Gegenwind der Medien widerstanden, er hat die zahlreichen Dolchst&ouml;&szlig;e der Mehrheit seiner rechten Gegner innerhalb der Partei &uuml;berlebt, er hat gezeigt, dass es heute auch noch um Inhalte geht und dass klassisch sozialdemokratische Inhalte die W&auml;hler &uuml;berzeugen und last but not least hat er gezeigt, dass man auch die j&uuml;ngere Generation mit Authentizit&auml;t und einer der Zukunft zugewandten Politik f&uuml;r sich gewinnen kann. Chapeau! Selbst wenn Corbyn heute krachend verliert, werden diese Erfolge unvergessen bleiben.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/c728eb3b58614276b6e6b6ed039cf2b9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170530_uk1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Als Theresa May im April Neuwahlen ausgerufen hat, hat niemand &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37884#h03\">auch ich nicht<\/a> &ndash; einen Pfifferling auf Jeremy Corbyn und seine Labour Party gegeben. In wenigen Wochen hat sich die Lage jedoch gedreht &ndash; Corbyn schaffte es, vor allem junge Menschen mit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38660\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,122,190],"tags":[1519,1843,1561,1302,1055,469,1095,1560,1940,317,2078,1257,288,1582,279,234,2103,426,1347,467,1500],"class_list":["post-38660","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-demoskopieumfragen","category-wahlen","tag-atomwaffen","tag-brexit","tag-corbyn-jeremy","tag-daseinsvorsorge","tag-fluechtlinge","tag-grossbritannien","tag-kinderbetreuung","tag-labour-party","tag-may-theresa","tag-mindestlohn","tag-mindestrente","tag-pazifismus","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-sozialer-wohnungsbau","tag-spitzensteuersatz","tag-studiengebuehren","tag-tories","tag-wahlbeteiligung","tag-wahlkampf","tag-wahlprognose","tag-wahlprogramm"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38660"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38660\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38697,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38660\/revisions\/38697"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}