{"id":38685,"date":"2017-06-11T12:00:01","date_gmt":"2017-06-11T10:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38685"},"modified":"2017-06-12T13:23:08","modified_gmt":"2017-06-12T11:23:08","slug":"drei-erweiternde-lesermails-zu-prof-dr-boom-journalismus-von-seiner-bizarrsten-seite-kernbegriffe-oekologischer-fussabdruck-und-grundlagenwissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38685","title":{"rendered":"Drei erweiternde Lesermails zu \u201eProf. Dr. Boom \u2026 Journalismus von seiner bizarrsten Seite\u201c \u2013 Kernbegriffe, \u00f6kologischer Fu\u00dfabdruck und Grundlagenwissen"},"content":{"rendered":"<p>Zu unserem Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38642\">Prof. Dr. Boom<\/a>&ldquo;, in dem wir die skurrilen Aussagen des SPON-Kolumnisten und Wirtschaftsjournalismus-Professors Henrik M&uuml;ller analysieren, haben wir einige lesenswerte Zuschriften bekommen. Eine Auswahl davon m&ouml;chten wir Ihnen heute vorstellen.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Zum Einstieg veranschaulicht unser Leser Dieter Gabriel einige Kernbegriffe und Zusammenh&auml;nge der wirtschaftspolitischen Diskussion anhand einer pointierten Presseschau.<\/em><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<br>\nsehr interessanter Artikel (wie immer auf NachDenkSeiten)!<\/p><p>Einige Anmerkungen:<br>\nWas den Fachkr&auml;ftemangel betrifft, gibt es <a href=\"http:\/\/news.kununu.com\/fachkraeftemangel-ist-ein-kassenschlager-martin-gaedt\/\">einen sehr guten Artikel von Martin Gaedt<\/a>. Daraus:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Mehr als vier Millionen Deutsche arbeiten im Ausland. Damit sind wir Vize-Europameister direkt hinter Polen. Von allen Deutschen haben 15,1 Prozent einen akademischen Abschluss, von allen im Ausland arbeitenden Deutschen hingegen 84 Prozent. Wer geht, ist gut gebildet und flexibler. Weltweit tobt der sogenannte &bdquo;war for talents&ldquo; um Software-Entwickler, &Auml;rzte und Hoteliers. Warum gehen vier Millionen Fachkr&auml;fte weg? Meistens wegen befristeter Vertr&auml;ge oder schlechterer Bezahlung in Deutschland. Fachkr&auml;ftemangel? Oder mangelhafte Vertr&auml;ge?&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Damit [d&uuml;rfte] Deutschland Exportweltmeister bei den Spitzenfachkr&auml;ften sein! Was die Hochqualifizierten betrifft. Es gibt auch arbeitslose Hochqualifizierte, auch in der IT Branche.<\/p><p>Brauchte selbst, nach fast 15 Jahre Siemens\/Nokia Siemens, als Spezialist f&uuml;r UNIX Cluster Systeme, fast 2 Jahre um einen vern&uuml;nftigen Job zu finden. Damals war ich 49 Jahre alt und weltweit flexibel. Arbeite auf 4 Kontinenten (u. a. Syrien). Eins&auml;tze dauerten von 2 Wochen bis zu 10 Monaten.<\/p><p>Ab 40 Jahren z&auml;hlt man als alt, ob Fachkraft oder nicht, deshalb gibt es ja Anbieter wie <a href=\"http:\/\/www.job40plus.de\/\">Job40Plus<\/a> oder die <a href=\"http:\/\/nci-br.netzwerkit.de\/\">NCI<\/a>. <\/p><p>Was den Export&uuml;berschuss betrifft, hat Professor M&uuml;ller selbst, diesen eher als Zeichen der Schw&auml;che <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/donald-trump-warum-die-us-kritik-an-deutschland-teilweise-stimmt-a-1132576.html\">gekennzeichnet<\/a>. Mit der Kritik am Export&uuml;berschuss steht er nicht alleine da.<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Richtig ist: Deutschland hat einen exzessiven Handels&uuml;berschuss und die deutsche Politik muss diesen endlich abbauen &ndash; im ureigenen Interesse. Denn Deutschland tr&auml;gt den gr&ouml;&szlig;ten Schaden dieser &Uuml;bersch&uuml;sse und w&uuml;rde von einem Abbau am st&auml;rksten profitieren.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>und<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Denn Deutschlands Export&uuml;berschuss (oder genauer gesagt, sein Leistungsbilanz&uuml;berschuss) ist mit 270 Milliarden Euro, oder fast neun Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung, viel zu hoch und spiegelt massive Ungleichgewichte und Probleme in der deutschen Wirtschaft wider. Demografie, Wirtschaftsstruktur und andere Faktoren k&ouml;nnen maximal einen &Uuml;berschuss von drei Prozent der Wirtschaftsleistung erkl&auml;ren.<\/p>\n<p>Deutschland muss mehr investieren.<\/p>\n<p>Das Problem der Export&uuml;bersch&uuml;sse liegt nicht darin, dass Deutschland zu viel exportiert oder deutsche Exporteure zu wettbewerbsf&auml;hig sind, sondern darin, dass Deutschland zu wenig investiert und damit zu wenig importiert. In anderen Worten: Deutschlands private und &ouml;ffentliche Investitionsschw&auml;che ist der Hauptgrund f&uuml;r die exzessiven Export&uuml;bersch&uuml;sse.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/deutscher-aussenhandelsueberschuss-ist-kapitalexport-und-schadet-d-a-1111265.html\">Oder<\/a> <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Nichts zeigt doch deutlicher, wie gut wir wirtschaftlich aufgestellt sind. Uns kann keiner. Unsere Industrien stehen gut da, sind hoch innovativ und ungemein wettbewerbsf&auml;hig. Die beste Basis also um Wohltaten wie h&ouml;here Renten und bessere soziale Absicherung zu bezahlen. Migrations- und Eurokrise meistern wir so doch locker, wir k&ouml;nnen es uns doch leisten. Leider ist diese Einsch&auml;tzung falsch. In Wahrheit ergeht es uns wie den Eichh&ouml;rnchen, die zwar flei&szlig;ig N&uuml;sse sammeln und verstecken &ndash; also sparen &ndash; diese im harten Winter dann aber nicht wiederfinden.<\/p>\n<p>Den Eichh&ouml;rnchen mag es letztlich egal sein, ob sie alle N&uuml;sse wiederfinden, Hauptsache sie verhungern nicht. Uns darf es nicht egal sein, weil es erhebliche politische und soziale Verwerfungen mit sich bringen wird, wenn deutlich wird, dass wir unsere N&uuml;sse nicht mehr wiederfinden.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/konjunktur\/muellers-memo-deutschland-laeuft-heiss-a-1066298.html\">Oder<\/a><\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Das deutsche Gesch&auml;ftsmodell funktioniert nicht mehr wie fr&uuml;her. Wenn die Globalisierung auf dem R&uuml;ckschritt ist, wenn Schwellenl&auml;nder nicht mehr so schnell wachsen, wenn sich die Terrorangst in Managerk&ouml;pfen festsetzt, dann ist die offene bundesrepublikanische Volkswirtschaft davon st&auml;rker betroffen als andere f&uuml;hrende Wirtschaftsnationen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/konjunktur\/zukunftsinvestitionen-ueberfaellig-finanzexperten-sehen-exportstaerke-als-warnzeichen-fuer-deutschland_aid_1160831.html\">Oder<\/a><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was fehlt, ist der R&uuml;ckgang der Produktivit&auml;t in Deutschland, nach jahrzehntelangen Produktivit&auml;tswachstum.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Siehe auch: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/ungleichheit-in-deutschland-hemmt-das-wachstum-a-1122883.html\">Wie die Ungleichheit das Wachstum hemmt<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/internationaler-waehrungsfonds-chefvolkswirt-empfiehlt-hoehere-lohnabschluesse-a-1116654.html\">IWF-Chefvolkswirt empfiehlt h&ouml;here Lohnabschl&uuml;sse<\/a>. <\/p><p>Letztendlich klingt auch <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/eurokrise-die-irrsinnige-sparpolitik-von-wolfgang-schaeuble-a-1134983.html\">dieser Artikel<\/a> wenig motivierend:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die T&uuml;cken der Sch&auml;ublonomics<\/p>\n<p>Die Sorge vor einer neuen Eurokrise ist zur&uuml;ck. Das ist keineswegs ein Schicksal, das uns verschwenderische S&uuml;deurop&auml;er bescheren, sondern vor allem ein Managementproblem. Und zwar ein Deutsches.<\/p>\n<p>H&auml;tten die Krisenl&auml;nder auf die hastigen K&uuml;rzungswellen verzichtet, l&auml;ge ihre Wirtschaftsleistung heute im Schnitt nur ein Prozent niedriger als vor der Krise. Statt 18 Prozent. Und das Atemberaubende ist: Die Staatsschuldenquoten w&auml;ren danach heute kaum h&ouml;her als damals. Selbst die anderen Eurol&auml;nder st&uuml;nden heute besser da. Auch wir Deutschen. Weil wir jetzt deutlich mehr in die Krisenl&auml;nder exportieren k&ouml;nnten. Sch&ouml;nen Dank, der Herr Finanzminister.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Gr&uuml;&szlig;e<br>\nDieter Gabriel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>In der zweiten Lesermail erweitert unser Leser Sebastian Domschke das thematische Blickfeld durch seine konsumkritischen Gedanken.<\/em><\/p><p>Lieber Jens Berger,<\/p><p>netter Artikel. Ich habe viel geschmunzelt. Ich w&uuml;nschte, das Schreiben w&uuml;rde genauso zum Schmunzeln anregen wie das Lesen, aber nach meiner Erfahrung braucht es viel Frust um sich &uuml;berhaupt mit so einem Unsinn auseinanderzusetzen.<\/p><p>Eine kleine Kritik habe ich. Der deutsche Konsum ist sehr wohl &ldquo;&uuml;berhitzt&rdquo;, oder besser gesagt v&ouml;llig aus dem Ruder gelaufen. Das kann man aber nicht an Wirtschaftsstatistiken festmachen. Die geben doch nur einen nominalen Ver&auml;nderungswert gegen&uuml;ber dem Vorjahr. Aber ob jetzt -2 oder +5 % Ver&auml;nderung dieses oder jenes Bedeuten h&auml;ngt zum einen doch sehr an den Bedingungen, die der genutzte Denkrahmen vorgibt und ist im &Uuml;brigen Kaffeesatzleserei nach Ravensburger Art.<\/p><p>F&uuml;r qualitative Aussagen braucht es qualitative Kriterien &ndash; nicht quantitative. Also zum Beispiel, das wir 4 mal so viele Rohstoffe verbrauchen, wie die Erde in derselben Zeit bereitstellen kann (Stichwort &ouml;kologischer Fu&szlig;abdruck) &ndash; ja ich wei&szlig; quantitativ &ndash; das Qualitative ist nat&uuml;rlich das uns unsere Lebensgrundlagen mit atemberaubender Geschwindigkeit ausgehen. Und das gilt offensichtlich nur f&uuml;r die Nachwachsenden. Das betrifft in der Argumentationsform also nicht Seltene Erden, &Ouml;l, Metalle, Sand &hellip;<\/p><p>Man k&ouml;nnte den M&uuml;ll als Kriterium nehmen &ndash; speziell das Zeug, was man nicht verbrennen kann &ndash; oder die Zahl der Giftstoffe oder Medikamente oder hormonell wirksamen Substanzen die wir aus reiner Unachtsamkeit in unsere Lebensumgebung entlassen, geplante Obsoleszenz, Massentierhaltung und vieles mehr. Nicht jedoch monet&auml;re Ver&auml;nderungsraten im Vergleich zum Vorjahr.<\/p><p>Davon ab viel Kraft auch weiterhin, und danke f&uuml;r ihre Arbeit. Ohne die NDS k&ouml;nnte ich mich mit vielen Themen die mir eigentlich fremd sind &uuml;berhaupt nicht auseinandersetzen. Das meiste davon findet man ja auch nicht, wenn man nur ein klassisches Medium verfolgt &ndash; ihr seid ja so etwas wie eine Mirrorsite f&uuml;r Nachrichten. <\/p><p>Und das, was ich selber finden w&uuml;rde, k&ouml;nnte ich nicht mehr lesen. Klassische Medien strotzen so derartig von Falschdarstellungen und Verzerrungen, und auch rein formalen Zumutungen (zum Beispiel grundlegende Verst&ouml;&szlig;e bei der seri&ouml;sen Wiedergabe statistischer Daten; Nutzung falscher, ver&auml;nderter aus dem Kontext gerissener Bilder; Priorit&auml;t von sinnlosen und oft auch noch schlechten Animationen &uuml;ber journalistische Inhalte &hellip; ), dass ich mich den ganzen Tag nur aufrege, wenn ich mal &ldquo;spiegel.de&rdquo; in das falsche Textfeld eingebe und einfach den erstbesten Artikel lese.<\/p><p>Daf&uuml;r also vielen Dank und alles Gute<br>\nSebastian Domschke<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Abrundend weist unser Leser Johannes R&ouml;hnelt darauf hin, dass Spiegelautoren zumindest im theoretischen Teil der Viele-Welten-Interpretation schon fr&uuml;her Lernbedarf aufwiesen.<\/em><\/p><p>Im Spiegel erschien vor mehreren Jahren eine Titelgeschichte &uuml;ber die &ldquo;Viele-Welten-Theorie&rdquo; von David Deutsch, mit der paradoxe Ph&auml;nomene der Quantenmechanik erkl&auml;rt werden k&ouml;nnen. An keiner Stelle wurde erw&auml;hnt, dass bereits 1957 Hugh Everett die Theorie entwickelt hat. So ist das <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-39694676.html\">mitunter bei Spiegelautoren<\/a>.<\/p><p>Gru&szlig;<br>\nJohannes R&ouml;hnelt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu unserem Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38642\">Prof. Dr. Boom<\/a>&ldquo;, in dem wir die skurrilen Aussagen des SPON-Kolumnisten und Wirtschaftsjournalismus-Professors Henrik M&uuml;ller analysieren, haben wir einige lesenswerte Zuschriften bekommen. 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