{"id":3869,"date":"2009-04-03T08:30:33","date_gmt":"2009-04-03T07:30:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3869"},"modified":"2014-01-28T16:11:20","modified_gmt":"2014-01-28T15:11:20","slug":"ist-hopfen-und-malz-schon-verloren-die-abwesenheit-von-kritischem-verstand-und-das-versagen-der-medien-ist-zum-verzweifeln-teil-x-finanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3869","title":{"rendered":"Ist Hopfen und Malz schon verloren? Die Abwesenheit von kritischem Verstand und das Versagen der Medien ist zum Verzweifeln (Teil X Finanzkrise)"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal beschleicht mich das Gef&uuml;hl, unsere NachDenkSeiten-Arbeit sei vergebens. Mehdorn hat die Bahn saniert; die HRE ist eine systemrelevante Bank; 480 Milliarden f&uuml;r die Banken stehen bereit, aber 14 Milliarden des Bundes f&uuml;r ein Investitionsprogramm verteilt &uuml;ber zwei Jahre f&uuml;hren zu Schulden; abwarten, bis die bisherigen Konjunkturprogramme wirken und so weiter, und so fort. Ein dumpfes, schr&auml;ges Vorurteil nach dem andern. Orwell h&auml;tte 60 Jahre nach Erscheinen von &bdquo;1984&ldquo; furchtbar viel Stoff. Unser Land versinkt in einer Orgie der L&uuml;gen und der Vernebelung, dem Gegenteil von Aufkl&auml;rung. Das ist nicht gerade ermutigend. Wenn es nicht unsere Leser g&auml;be, m&uuml;ssten wir sagen, es lohnt sich nicht. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Einer der Freunde der NachDenkSeiten hat uns gestern einen interessanten und zugleich kritischen Bericht von seinen Aufkl&auml;rungsversuchen geschickt. Er schildert sowohl die Vergeblichkeit als auch die Notwendigkeit dagegenzuhalten. Sie finden diesen Bericht als Teil I, dann als Teil II einige &Uuml;berlegungen zu den gerade grassierenden Legenden, Vorurteilen, Kampagnen und Manipulationen sowie zur Abwesenheit kritischer Medien. Die &Uuml;berlegungen betreffen vor allem die Finanz- und Wirtschaftskrise. Deshalb auch die Zuordnung dieses Textes in die Reihe der Analysen der Finanzkrise, mit der Bezeichnung X (= r&ouml;misch zehn; diese Ziffer war bisher in der Serie zur Finanzkrise versehentlich &uuml;bersprungen worden). <\/p><p><strong>Teil I: Ein farbiger Bericht &uuml;ber schwierige Aufkl&auml;rungsversuche (aus einer Mail vom 1.4.2009 an die Redaktion der NachDenkSeiten):<\/strong><\/p><blockquote><p>Zun&auml;chst vielen Dank f&uuml;r die umfangreichen Ausf&uuml;hrungen zum R&uuml;cktritt von Herrn Mehdorn und die vielen Argumentationshilfen. Ich h&auml;tte jedoch nicht f&uuml;r m&ouml;glich gehalten, wie n&ouml;tig diese Hilfen sind.<\/p>\n<p>Im heute-journal hat Steffen Seibert den Bericht &uuml;ber den R&uuml;cktritt mit den Worten eingeleitet &bdquo;Trotz gro&szlig;er Erfolge&hellip;&ldquo; Und da war es bei mir schon aus. Meine Frau und ich schauten uns an und fragten gleichzeitig: &bdquo;Welche Erfolge?&ldquo;<br>\n&nbsp;<br>\nIn den letzten beiden Tagen musste ich dann feststellen, dass in meiner Umgebung (egal ob in der Arbeit, im Verein, bei Verwandten) so ziemlich jeder an die M&auml;r vom gro&szlig;en Sanierer Mehdorn glaubt.<br>\n&nbsp;<br>\nExemplarisch m&ouml;chte ich Ihnen von einer Unterhaltung mit einem guten Freund am gestrigen Abend erz&auml;hlen. Einige andere Gespr&auml;che verliefen &auml;hnlich.<br>\n&nbsp;<br>\nUnser Gespr&auml;ch drehte sich zun&auml;chst um den Auftritt der Bundeskanzlerin bei Opel. Mein Bekannter vertrat die Auffassung, dass sich der Staat auf keinen Fall bei Opel einmischen d&uuml;rfe, weil das zulasten der anderen Hersteller gehen w&uuml;rde und damit der Wettbewerb verzerrt w&uuml;rde. Meine Gegenfrage, wie er das denn dann bei den Banken wie HRE, Commerzbank, IKB usw. sehen w&uuml;rde, meinte er, das w&auml;re etwas anderes, weil diese Banken seien &bdquo;systemrelevant.&ldquo; Auf meine Frage, warum diese Banken so wichtig w&auml;ren, wusste er keine Antwort. Er hatte halt einfach das nachgeplappert, was in fast allen Medien zu lesen und zu h&ouml;ren ist. Er konnte oder wollte mein Argument nicht gelten lassen, dass wenn der Staat und damit wir alle Hunderte von Milliarden f&uuml;r marode Banken und&nbsp;die dort lagernden Giftpapiere berappen m&uuml;ssen, dann sicherlich noch ein paar Euro f&uuml;r Opel &uuml;brig w&auml;ren. Ob eine ganze oder teilweise &Uuml;bernahme von Opel durch den Staat volkswirtschaftlich gesehen Sinn macht, kann ich letztlich nicht beurteilen. Ich vertrat aber die Ansicht, dass das allemal besser w&auml;re, als den Banken irrwitzige Summen hinterher zu werfen.&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nVon der Antwort auf dieses Argument war ich einigerma&szlig;en schockiert, obwohl ich sie eigentlich auch irgendwie erwartet hatte:<\/p>\n<p>&bdquo;Ja glaubst Du denn dass der Staat tats&auml;chlich ein Unternehmen f&uuml;hren kann? Das haben wir doch bei der Deutschen Bahn gesehen, dass er das nicht kann! Die Bahn ist ja erst profitabel und erfolgreich, seit sie privatisiert worden ist.&ldquo;<br>\n&nbsp;<br>\nIch kam mir vor als h&auml;tte ich gerade den Herrn Seibert wieder geh&ouml;rt.<\/p>\n<p>&bdquo;Ja&ldquo;, habe ich entgegnet, &bdquo;genau das glaube ich. Glaubst Du alles was in der Zeitung steht oder in den Fernsehnachrichten verzapft wird? Der Mehdorn hat die Deutsche Bahn kaputt saniert.&ldquo;<\/p>\n<p>Die Antwort darauf war kurz und lapidar: &bdquo;Das stimmt doch nicht. Die Bahn macht heute Milliardengewinne.&ldquo;<br>\n&nbsp;<br>\nIch versuchte, meinen Bekannten zu erkl&auml;ren, wie die Milliardengewinne der Bahn zustandegekommen sind: Fahren auf Verschlei&szlig;, Lohndumping, Auslagerung von Personal in Servicegesellschaften, Ausd&uuml;nnung des Netzes usw., und dass schlie&szlig;lich der Gewinn nur durch Zusch&uuml;sse des Bundes erzielt wurde.<br>\n&nbsp;<br>\nDas alles lie&szlig; er nicht gelten. Trotzig meinte er, das liege doch alles daran, dass der Mehdorn nicht all das tun durfte, was notwendig gewesen sei. Die Bahn m&uuml;sse unbedingt an die B&ouml;rse gebracht werden, damit sie weiter erfolgreich sein k&ouml;nne und auf dem Weltmarkt konkurrieren k&ouml;nne. Ja, Weltmarkt hat er gesagt.<br>\n&nbsp;<br>\nZum Schluss fragte ich ihn nur noch: &bdquo;Wei&szlig;t Du eigentlich, dass der B&ouml;rsengang vielleicht vier, f&uuml;nf Milliarden einbringt? Und wei&szlig;t Du, dass die Deutsche Bahn mit allen Anlagen und allen Einrichtungen ein vielfaches dieser paar Kr&ouml;ten wert ist?&rdquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Nein&ldquo;, meinte er, &bdquo;das glaube ich nicht, dass die Deutsche Bahn mehr wert ist.&ldquo;<br>\n&nbsp;<br>\nWas f&auml;llt einem denn da noch ein? Es ist zum Verzweifeln. Die Menschen in diesem Land sind gleichgeschaltet, quatschen den Unsinn nach, der ihnen jeden Tag von gleichgeschalteten Medien pr&auml;sentiert wird, hinterfragen nichts und niemanden mehr und begreifen nicht, dass die Merkels, Steinmeiers, M&uuml;nteferings, Pofallas, Kochs, K&ouml;hlers und wie sie alle hei&szlig;en die Totengr&auml;ber unserer Gesellschaft und der Demokratie in Deutschland sind. Mich beschleicht das schreckliche Gef&uuml;hl, dass es f&uuml;r eine radikale Kehrtwende mehr braucht als gute Argumente. Wenn das so weiter geht, dann braucht es die totale wirtschaftliche Katastrophe. Das kann es aber doch nicht sein, oder? Ich finde, der seit Jahren bereits andauernde Angriff auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung muss ein Ende haben. F&uuml;r einen solchen Fall sieht das Grundgesetz in Art. 20 Abs. 4 das Recht zum Widerstand vor.&nbsp;Dass&nbsp;jetzt auch Beamte zu streiken beginnen, ist ein Anfang.<br>\n&nbsp;&nbsp;<br>\nViele Gr&uuml;&szlig;e und lassen Sie in Ihren Bem&uuml;hungen bitte nicht nach!<br>\n&nbsp;<br>\nC. B.<\/p><\/blockquote><p><strong>Teil II<br>\nEinige Beobachtungen und &Uuml;berlegungen zu erstaunlichen M&ouml;glichkeiten der Meinungsmache beim Thema Finanzkrise und Wirtschaftskrise und dem gro&szlig;en Versagen der meisten Medien:<\/strong><\/p><p>In der Debatte um die Wirtschafts- und Finanzkrise zeigt sich eine erstaunliche Bereitschaft zur Anpassung an g&auml;ngige Denkmuster. Wenn die politische F&uuml;hrung und die Hauptmedien die gleichen Parolen verk&uuml;nden und Denkmuster anbieten, dann wird das auch in breiten Kreisen geglaubt, selbst dann, wenn an jeder Ecke Zweifelhaftes sichtbar ist. Im Bericht des NachDenkSeiten-Lesers ist von Nachplappern und Gleichschaltung die Rede. Das entspricht auch meiner Beobachtung.<\/p><p>Im Bericht wird auch die trotzige Reaktion auf Zweifel und Kritik beschrieben. Auch das entspricht meiner Erfahrung. Man will sich ungern die gerade angelernten Erkl&auml;rungen aus der Hand nehmen lassen.<\/p><p>Vermutlich spielt bei der bereitwilligen Konzentration auf die angebotenen Denkmuster auch eine Rolle, dass man sich in kritischen Situationen gerne mit der Mehrheit um die F&uuml;hrung versammelt.<\/p><p>Diese Neigung wird zunehmend zu einem gro&szlig;en Problem: Die demokratische Kontrolle setzt aus, es gibt keine Sanktionen mehr auf Fehler, selbst auf schlimmes Versagen nicht. Das hat viel mit der Ausbreitung von Public Relations-Agenturen und ihrem Einfluss auf die Medien zu tun. <\/p><p>Wir haben in den NachDenkSeiten schon oft auf diese Entwicklung hingewiesen. Wir tun dies mit Absicht immer wieder.<\/p><p>Sanktionen w&auml;ren sp&auml;testens beim Wahltermin Ende September f&auml;llig. Wenn die beobachteten und beschriebenen Vorg&auml;nge weiter so ablaufen, dann wird auch dieser ganz konkrete Mechanismus eines einigerma&szlig;en demokratisch organisierten Landes kl&auml;glich versagen. Keine sch&ouml;ne Perspektive. <\/p><p><strong>Und dennoch machen wir weiter, hier zun&auml;chst mit einer stichwortartigen Auflistung der g&auml;ngigen Denkmuster, Klischees, Legenden und L&uuml;gen.<br>\nWas man uns so alles erz&auml;hlt, bis der Tag zu Ende geht:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Die Finanzkrise hat uns &uuml;berrascht. In vielen K&ouml;pfen ist verschwommen h&auml;ngen geblieben, dass sie erst in der zweiten H&auml;lfte des Jahres 2008 &uuml;ber uns kam.<\/li>\n<li>Die Finanzkrise kam eigentlich aus den USA und sie hat auch damit zu tun, dass dort mit viel zu niedrigen Zinsen eine zu expansive Geldpolitik betrieben worden ist.<\/li>\n<li>Bei uns sind die Hauptbeteiligten und Hauptversager die &ouml;ffentliche Banken, die KfW, die Landesbanken und andere Banken im Einflussbereich des Staates. Sie haben sich verzockt.<\/li>\n<li>Hier wie an anderer Stelle, bei der Bahn zum Beispiel kann man sehen, dass der Staat keine Unternehmen f&uuml;hren kann.<\/li>\n<li>Jetzt, in dieser Notlage, muss der Staat helfen. Aber er muss sich sofort wieder zur&uuml;ckziehen, wenn die Hilfe wirkt.<\/li>\n<li>Die Banken m&uuml;ssen alle gerettet werden. Keine darf mehr in Insolvenz gehen. Denn die Insolvenz von Lehman Brothers hat gezeigt, wie gro&szlig; der Schaden ist.<\/li>\n<li>Banken sind systemrelevant. Auch die HRE ist systemrelevant, man kann auch sagen: systemisch. Deshalb ist es richtig, 112 Milliarden und mehr f&uuml;r diese einzige und vergleichsweise kleine Bank bereitzustellen. Opel ist offensichtlich nicht systemrelevant.<\/li>\n<li>Wir brauchen mehr Transparenz und mehr und bessere Regeln auf den Finanzm&auml;rkten.<\/li>\n<li>480 Milliarden &euro; f&uuml;r den Banken-Rettungsschirm sind vertretbar, 14 Milliarden, also gerade der 34. Teil davon, f&uuml;r Investitionen des Bundes im Rahmen des Konjunkturpakets II sind das &Auml;u&szlig;erste, wenn wir nicht wieder der Schuldenmacherei verfallen wollen. Konjunkturprogramme bringen Schulden, Bankenrettungsschirme nicht.<\/li>\n<li>Wir m&uuml;ssen jetzt schon festlegen, wie wir die Schulden sp&auml;ter wieder abbauen. Deshalb haben wir eine Schuldenbremse verabredet.<\/li>\n<li>Ob wir weitere Konjunkturprogramme brauchen, sehen wir erst, wenn die bisherigen ihre Wirkung entfalten konnten. Also abwarten.<\/li>\n<li>Wir werden gest&auml;rkt aus dieser Krise hervorgehen.<\/li>\n<li>Wir wollen wieder Exportweltmeister werden.<\/li>\n<li>&bdquo;Soziale Marktwirtschaft macht&rsquo;s besser&ldquo; (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft)<\/li>\n<\/ol><p>Das sind im wesentlichen die Botschaften und Aussagen, mit denen man uns maltr&auml;tiert &ndash; leider mit Erfolg. Denn ein Gro&szlig;teil dieser Botschaften wird geglaubt.<br>\nEs gab am Beginn der Offenlegung der Finanzkrise im Netz eine kleine Debatte dar&uuml;ber, ob die politisch f&uuml;hrenden Personen und die in der Finanzindustrie ma&szlig;geblichen neoliberalen Kreise diese Krise politisch &uuml;berstehen werden. Es gab Stimmen, die meinten, jetzt w&auml;ren sie zu packen; Merkel &bdquo;im Schaubstock&ldquo;, wie ein Blogger schrieb. Ich habe daran nie geglaubt. Es war eigentlich klar,<\/p><ul>\n<li>dass die herrschenden Kreise &uuml;ber so viel Geld und so viel publizistische Macht verf&uuml;gen, um auch die Verantwortung f&uuml;r eine so massive Sch&auml;digung unseres Gemeinwesens und der hier und &uuml;berall auf der Welt lebenden Menschen von sich abzuschieben,<\/li>\n<li>dass Finanzindustrie und Medienindustrie eng verflochten sind und sich auch in einer solchen Situation gegenseitig helfen werden,<\/li>\n<li>dass die personelle und finanzielle Ausstattung zur schnellen Erarbeitung von Manipulationsstrategien, wie sie in den Ziffern 1-14 sichtbar werden, in der Politik, in der Finanzwirtschaft selbst, in den beauftragten Public Relations-Agenturen und in den Medien vorhanden, auf jeden Fall organisierbar ist,\n<\/li>\n<li>und dass unser Land nicht mehr &uuml;ber eine messbar vorhandene, kritische Intelligenz verf&uuml;gt, die als Gegenkraft aktiv werden k&ouml;nnte. <\/li>\n<\/ul><p><strong>Die Mehrheit der Medien hat im Verein mit der Wissenschaft j&auml;mmerlich versagt:<br>\nMa&szlig;gebliche Medien erz&auml;hlen bis heute die M&auml;r, wir seien von einer in den USA ausgel&ouml;sten Krise &uuml;berrascht worden<\/strong><\/p><p>Sie haben ungepr&uuml;ft nachgebetet, dass die Finanzkrise ma&szlig;geblich in den USA entstanden und pl&ouml;tzlich &uuml;ber uns gekommen ist. Sie erkennen und beschreiben nicht, dass schon die Vervierfachung der DAX-Werte zwischen 1995 und dem M&auml;rz 2000 keine wunderbare Wertsch&ouml;pfung, sondern das Ergebnis ma&szlig;loser Spekulation gewesen ist. Sie berichten nicht dar&uuml;ber, dass sich einige Banken und Versicherungen damals schon verzockt haben. Dass Hans Eichel als Finanzminister der Versicherungswirtschaft so nebenbei 5 Milliarden zugeschoben hat, dass die Spitzen der Banken und Versicherungen schon Anfang 2003 von der Bundesregierung die Unterst&uuml;tzung einer so genannten Bad Bank zur Sammlung schlechter Risiken verlangt hat, dass im gleichen Jahr die HypoVereinsbank dann ihre schlechten Risiken auf die neu gegr&uuml;ndete HRE verlagert hat, ist in den meisten deutschen Medien kein Thema. Dass die bei der HRE inzwischen angeh&auml;uften Risiken in dreistelliger Milliardenh&ouml;he hausgemacht sind und nicht in den USA &ndash; dies alles wird geschluckt.<\/p><p>Die Mehrheit der Medien hat nicht kritisch beschrieben, in welch hohem Ma&szlig;e die Bundesregierung selbst die T&uuml;ren f&uuml;r Hedgefonds und Privat Equity, f&uuml;r Verbriefungen und Zweckgesellschaften ge&ouml;ffnet und die Transaktionen steuerlich gef&ouml;rdert hat &ndash; und wie sehr die Bankenaufsicht und die Deutsche Bundesbank alle Augen zugedr&uuml;ckt haben. Der Bankenaufsicht h&auml;tten die Zweckgesellschaften doch auffallen m&uuml;ssen. Der Bundesfinanzminister selbst h&auml;tte intervenieren m&uuml;ssen, wenn &ouml;ffentliche und halb&ouml;ffentliche Banken sich in Steueroasen tummeln.<\/p><p>Die Medien haben mehrheitlich auch das dreiste Spiel mitgemacht, den &ouml;ffentlichen Banken, den Landesbanken und Sparkassen, die Hauptrolle zuzuschieben. Sie haben, obwohl dies glatt gelogen ist, die Botschaft weiter getragen, die gescheiterte IKB sei eine &ouml;ffentliche Bank gewesen. In den NachDenkSeiten konnten sie schon 2007 lesen, wie die massiven Manipulationsversuche in dieser Sache gestrickt waren.<\/p><p><strong>Das Elend der Mehrheits-Medien beginnt schon damit, dass sie seit Jahren den absonderlichen &ouml;konomischen Theorien der Neoliberalen verfallen sind. &bdquo;Konjunkturprogramme sind Strohfeuer&ldquo; war ein anerkannter Glaubenssatz.<\/strong><br>\nDie Medien haben uns im Verein mit Politik, Wirtschaft und der Mehrheit der Wissenschaft seit Jahren erz&auml;hlt, es g&auml;be keine Konjunkturprobleme mehr, es seien alles Strukturprobleme, und mit Reformen, mehr Flexibilit&auml;t, niedrigeren L&ouml;hnen und sinkenden Lohnnebenkosten w&uuml;rden wir unsere Probleme l&ouml;sen k&ouml;nnen. Wer beim Niedergang der Konjunktur antizyklische Ma&szlig;nahmen und Programme verlangte, wurde mit dem Schimpfwort &bdquo;Keynes&ldquo; belegt. Keynes ist out, hie&szlig; es. Keynesianer hie&szlig; so viel wie &bdquo;von gestern&ldquo;, Traditionalist, die Zeichen der Zeit nicht erkannt habend. <\/p><p>Ich selbst habe mehrere &ouml;ffentliche Debatten mitgemacht, auch im Fernsehen, bei denen man mitleidig bel&auml;chelt wurde, weil man den Einsatz aller m&ouml;glichen Instrumente der Wirtschaftspolitik forderte und vor allem eine antizyklische Politik anmahnte.<\/p><p>Als ausw&auml;rtige Wissenschaftler wie der Nobelpreistr&auml;ger Robert Solow und der &Ouml;konom Jim O&rsquo;Neille 2004 beklagten, in Deutschland w&uuml;rde keine vern&uuml;nftige Makropolitik gemacht, als sie warnten vor dem Niedergang der Binnennachfrage und dem Risiko eines sinkenden Dollar, da wurden sie schlicht und einfach ignoriert. Ein Interview in der Zeit oder in der Wirtschaftswoche, basta. Das war&rsquo;s dann auch. Den NachDenkSeiten und meinen B&uuml;chern erging es nicht viel anders Heute erkennen immerhin einige, dass sie sich get&auml;uscht haben, dass es wichtig gewesen w&auml;re, die Binnennachfrage zu st&auml;rken. Heute erkennen einige, dass es so etwas wie eine konjunkturelle Bewegung gibt, nach unten und nach oben. Und w&auml;hrend nahezu alle in der Vergangenheit riefen: &bdquo;Konjunkturprogramme sind Strohfeuer!&ldquo;, nimmt eine wachsende Zahl immerhin schon das Wort Konjunkturpaket in den Mund. Und auch den Namen Keynes darf man wieder aussprechen.<\/p><p>Bis heute h&auml;lt sich jedoch in Deutschland auch dank der Meinungsf&uuml;hrerschaft des Bundesfinanzministers Steinbr&uuml;ck der Glaube, Konjunkturprogramme f&uuml;hrten zu mehr Schulden. Dieses einge&uuml;bte Denken in einzelwirtschaftlichen Schemata l&auml;sst sich wohl nicht ausrotten. Das wird zum Problem, weil wir hierzulande zur &Uuml;berwindung der Talsohle zu wenig tun, und dieses auch noch zu sp&auml;t. Wenn Steinbr&uuml;ck sagt, er wolle nicht mehr Schulden und deshalb auch kein drittes Konjunkturprogramm, dann steht ein ma&szlig;geblicher Teil der Medien stramm. Und wenn Frau Merkel sagt, wir wollen erst abwarten, dann erscheint dies trotz aller schlechten Erfahrung mit den schr&auml;gen Theorien schl&uuml;ssig. Das Vorurteil gegen Konjunkturprogramme ist tief einge&uuml;bt. Es fehlt am Denken in gesamtwirtschaftlichen Zusammenh&auml;ngen. Hierzulande wird ein Bundesfinanzminister dann popul&auml;r, wenn er dem Volk mitten im Niedergang sagt, er sei der Sparkommissar und er wolle weiter sparen. Dass er den Sparerfolg damit selbst zunichte macht, haben in Deutschland immer noch nur wenige Medien begriffen. <\/p><p>Auf der Basis des Vorurteils, Konjunkturprogramme seien Strohfeuer und br&auml;chten nur Schulden, sind inzwischen &auml;u&szlig;erst eigenartige Theorien akzeptiert: 480 Milliarden Rettungsschirm f&uuml;r die Banken und die daf&uuml;r aufgenommenen Schulden sind gute Schulden, 14 Milliarden vom Bund f&uuml;r ein armseliges Konjunkturprogramm sind gef&auml;hrlich. Dagegen muss man sofort mit einer mitten in der Krise vereinbarten F&ouml;deralismusreform und einer Schuldenbremse einschreiten. Wendeh&auml;lse sind eben nicht so ganz berechenbar.<\/p><p><strong>Es wird behauptet, alle Banken seien systemrelevant, systemisch, ein dolles Wort. Keine einzige Bank d&uuml;rfe mehr eingehen. Das haben wir fast durchgehend geglaubt.<\/strong><br>\nDie Medien haben diese Formeln bereitwillig transportiert. Nur wenige haben sie hinterfragt: <\/p><ul>\n<li>Ist das wirklich so? Was w&auml;re passieret, wenn wir die HRE gleich im September h&auml;tten insolvent gehen lassen, bei Sicherung der normalen Einlagen und der normalen Gesch&auml;fte? Nach Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden Endres z&auml;hlen 10-20 % der Bilanzsumme zu den normalen Kreditgesch&auml;ften, die anderen 80-90 % sind &bdquo;artifiziell&ldquo;, was das auch immer hei&szlig;en mag. Warum sind die Medien dieser Aussage nicht nachgegangen? So eine Recherchevorlage bekommt man doch nicht jeden Tag auf den Tisch.<\/li>\n<li>Die Medien haben auch nicht verlangt, was die amerikanischen Parlamentarier von dem gro&szlig;en Versicherer AIG (American International Group) verlangt haben, n&auml;mlich offenzulegen, wer die Gl&auml;ubiger sind, deren Forderungen an die AIG der amerikanische Steuerzahler beglichen hat, darunter zum Beispiel 12.000.000.000 $ an die Deutsche Bank. Warum darf man das bei uns nicht wissen? Warum lassen sich die Medien dieses Schweigen gefallen? Diese Zur&uuml;ckhaltung ist besonders absurd angesichts der Tatsache, dass viel kriminelle Energie in den Zockerbuden t&auml;tig war, f&uuml;r die wir jetzt als Steuerzahler zahlen d&uuml;rfen.<\/li>\n<li>Was w&auml;re passiert, wenn man im Falle der Commerzbank oder im Falle der HRE eine geplante Insolvenz der &bdquo;artifiziellen&ldquo; Teile der Bank hingenommen und den Rest mit &ouml;ffentlichem Geld gerettet h&auml;tte?\n<\/li>\n<li>Selbst der Hinweis auf den Fall von Lehman Brothers, der sich angeblich nicht wiederholen darf, wird von den Medien nicht nachgepr&uuml;ft. Schon die Behauptung, dass die Insolvenz von Lehman Brothers eine Kettenreaktion ausgel&ouml;st habe, scheint mir nicht so ganz schl&uuml;ssig zu sein. Die anderen leben doch alle noch. Und die Schieflage der IKB oder der HRE oder der Commerzbank folgt ja nicht aus der Insolvenz von Lehman Brothers. Also, auch hier stimmt nahezu nichts. Aber die Mehrheit der Medien geht dem nicht nach.\n<\/li>\n<\/ul><p><strong>Der Begriff Systemrelevanz und seine Anwendung in der staatlichen Politik f&uuml;hrt zu einer Art Zwei-Klassen-Wirtschaft.<\/strong><br>\nDie Banken und Versicherungen bekommen Hunderte von Milliarden, ohne die Kan&auml;le und die dahinter steckenden Akte, auch kriminelle Akte, offenlegen zu m&uuml;ssen. Die Finanzwirtschaft wird zu einem besonderen Wirtschaftssektor erkoren. Der ist sie eigentlich nicht. Sie ist ein Sektor wie andere Sektoren auch. Im Kern nicht wichtiger als der Maschinenbau oder die Chemie oder das Handwerk oder die M&uuml;llwerker. In einer arbeitsteiligen Wirtschaft haben alle ihren prinzipiell gleichen Stellenwert.<\/p><p>Die wertsch&ouml;pfende Wirtschaft ist zweitrangig, so wird suggeriert. Innerhalb ihrer Reihen geht es dann wieder nach Gr&ouml;&szlig;e und der angeblich zentralen Relevanz f&uuml;r die Branche. Der eigentliche Coup aber ist der Ritterschlag f&uuml;r die Finanzbranche. Das ist schon ein unglaublicher Vorgang, wenn man bedenkt, dass dieser Wirtschaftssektor geadelt wird in einer Phase und f&uuml;r ein Verhalten, bei dem man eigentlich den Staatsanwalt losschicken m&uuml;sste. Die Mafia erh&auml;lt das Adelspr&auml;dikat. Das ist eigentlich auch nichts Neues: Auch die mittelalterlichen Raubritter waren sp&auml;ter die Geadelten.<\/p><p><strong>Gut und intensiv geplante Meinungsbeeinflussung<\/strong><br>\nVermutlich sind die Begriff &bdquo;systemrelevant&ldquo; und &bdquo;systemisch&ldquo; die Erfindung von Public Relations-Agenturen oder der St&auml;be in den Spitzen der Finanzwirtschaft. Wer sich diese beiden Begriffe ausdachte, hat sich vermutlich eine goldene Nase verdient. Jedenfalls haben diese Inspiratoren ihren Auftraggebern Milliarden eingebracht. <\/p><p>Es sieht so aus, dass das Geflecht von Botschaften &ndash; siehe 1-14 &ndash; sorgf&auml;ltig geplant und gekn&uuml;pft worden ist und dass dann auch mit den entsprechenden Mitteln die Vervielf&auml;ltigung und die Penetranz der Vermittlung der immer gleichen Botschaft gef&ouml;rdert wurde. Daf&uuml;r spricht auch die Tatsache, dass einige Botschaften ausgesprochen eigenartig sind &ndash; typische Beispiele aus dem Katalog der &bdquo;Methoden der Meinungsmache&ldquo;. <\/p><p>Zum Beispiel: Die neoliberalen Macher wissen, dass die Krise der sozialen Marktwirtschaft sie ein ordentliches Qu&auml;ntchen Image kosten wird. Also &uuml;bernehmen sie den Begriff und tun so, als ob es ihnen um eine Verbesserung der sozialen Marktwirtschaft ginge. Das ist der jedenfalls versuchte Trick, die eigene Verantwortung zu vertuschen.<\/p><p>Zum Beispiel: Die v&ouml;llig unmotivierte Behauptung Angela Merkels, wir k&auml;men gest&auml;rkt aus der Krise. Diese eigenartige Botschaft soll unterschwellig nur vermitteln, dass diese Frau es schaffen wird.<\/p><p>Zum Beispiel: Das wie im Gebetbuch immer wieder vorkommende Anh&auml;ngsel an die staatliche Hilfe und Intervention, der Staat ziehe sich so schnell wie m&ouml;glich wieder zur&uuml;ck. Das ist eine auf eigent&uuml;mliche Weise bescheuerte Einlassung, jedenfalls in der st&auml;ndigen Wiederholung. Sie soll aber vermitteln, dass der Staat eigentlich der Schuldige ist. Der Manipulationsprozess l&auml;uft hier ganz &auml;hnlich wie bei fr&uuml;heren Aufforderungen von Merkel und Steinbr&uuml;ck an die Bankenwelt, diese m&ouml;ge doch bitte unser Geld nehmen. Diese Attit&uuml;de hatte, worauf ich schon einmal hinwies, die Funktion, die Banken aus der Bittstellerrolle herauszubringen und den Staat in diese Rolle hineinzudr&auml;ngen.<\/p><p><strong>Gut geplant scheint mir auch die Konzentration der Vorschl&auml;ge und Forderungen nach &bdquo;Transparenz&ldquo; und &bdquo;Regulierung&ldquo;<\/strong><br>\nDamit ist es gelungen, die grunds&auml;tzliche Infragestellung des Casinobetriebs und die Diskussion seiner Schlie&szlig;ung zu vermeiden. Tats&auml;chlich hat der Finanzsektor in einigen L&auml;ndern einen absonderlich gro&szlig;en Umfang angenommen. Er besch&auml;ftigt sich mit dem Transfer von Verm&ouml;genswerten, mit Spekulationen, mit Wetten, mit der Erfindung immer neuer Produkte &ndash; lauter Dinge, die f&uuml;r das Gedeihen einer Volkswirtschaft nicht wichtig sind. Wer das Gl&uuml;cksspiel sucht, kann zur n&auml;chsten Spielbank fahren.<\/p><p>Das Problem der Konversion der Finanzwirtschaft ist mit Merkels Konzentration der Vorschl&auml;ge auf Transparenz und Regulierung weggedr&uuml;ckt. Und unsere famosen Medien und die Wissenschaft diskutieren und hinterfragen diesen Vorgang von sich aus leider nicht, wenn auch mit ganz wenigen Ausnahmen. (Siehe zum Problem Konversion auch den Tagebucheintrag zu Finanzkrise Teil I vom 7.1.2009, zur gesamten Problematik Finanzkrise die Beitr&auml;ge in der <a href=\"?cat=29\">Rubrik Sachfragen\/Kapitalmarkt<\/a>)<\/p><p><strong>Die Medien lassen sich mit ihrer Anpassung an die Meinungsf&uuml;hrer von Politik und Finanzwirtschaft reizvolle Felder der Recherche und der Debatte entgehen.<\/strong><br>\nIn der bei uns laufenden Debatte um die Finanzkrise und die Wirtschaftskrise insgesamt werden eine F&uuml;lle von spannenden Themen und Fragen einfach weggedr&uuml;ckt. Totschweigen, was nicht genehm ist, scheint die Parole zu sein. Welch ein fantastisches Feld f&uuml;r die Arbeit von Journalisten. <\/p><p>Ich will ein paar Beispiele daf&uuml;r nennen:<\/p><ul>\n<li>Die Verstrickung der Deutschen Bank in den Niedergang der Industriekreditbank. Wurden noch rechtzeitig schlechte Papiere an die IKB verkauft?<\/li>\n<li>Wie war das mit der Dresdner Bank, der Allianz AG und dem neuen K&auml;ufer der Dresdner Bank, Commerzbank? Hat die Allianz AG bei der Dresdner Bank schlechte Risiken abgeliefert, deren Kosten dann &uuml;ber die Subvention f&uuml;r die Commerzbank von uns Steuerzahlern beglichen werden?<\/li>\n<li>Was steckt hinter dem schnellen Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank? <\/li>\n<li>Wird die Hilfe f&uuml;r die Allianz AG auch geleistet, um nicht offenbar werden zu lassen, wie teuer die Privatvorsorge ist und wie wenig rentabel? H&auml;tten wir n&auml;mlich als Steuerzahler jetzt nicht &uuml;ber Commerzbank und Dresdner Bank der Allianz AG geholfen, dann h&auml;tte es vermutlich um die Renditen und die Sicherheit der Privatvorsorge noch schlimmer ausgesehen &ndash; so die Hypothese. Hei&szlig;t das, wir zahlen inzwischen als Steuerzahler doppelt f&uuml;r die Privatvorsorge &ndash; einmal die F&ouml;rderung f&uuml;r die F&ouml;rdererrente, also Zulagen und Steuervorteile, und dann auch noch das Geld zur Rettung der Betreiber der Privatvorsorge? Das sind lauter fantastische Felder f&uuml;r Recherchen und Artikel von Journalisten. Wo bleiben sie?<\/li>\n<li>Gab es einen Deal zwischen dem heutigen Staatssekret&auml;r im Bundesfinanzministerium J&ouml;rg Asmussen beziehungsweise anderen Stellen der Bundesregierung und dem neuen Eigent&uuml;mer der IKB Lonestar? Es sieht so aus, dass an Lonestar f&uuml;r 150 Millionen ein Unternehmen verkauft wurde, in das der Bund und einige Banken kurz vorher 10 Milliarden investiert hatten. Was war die Gegenleistung von Lonestar daf&uuml;r?<\/li>\n<li>Wie kam es zu der Regelung, einen kleinen Zirkel mit Geheimnisverpflichtung 480 Milliarden an die Finanzwirtschaft vergeben zu lassen?<\/li>\n<li>Warum wurden die Bankenaufsicht Bafin und die Bundesbank nicht t&auml;tig, als die ersten Zweckgesellschaften gegr&uuml;ndet worden sind? Das geschah schon 2003, wenn nicht noch fr&uuml;her. <\/li>\n<li>Wie kommt Angela Merkel auf die famose Idee, das Mitglied des Aufsichtsrats bei der in besonderer Weise Not leidenden Bank HRE, Hans Tietmeyer, zum Vorsitzenden der Expertengruppe zur Erarbeitung von Vorschl&auml;gen f&uuml;r eine neue Welt-Finanzordnung zu machen? Und wieso kommt sie auf den Berater von Goldman Sachs Otmar Issing? Das ist so absurd, dass man als Journalist doch riechen muss, wie es stinkt! Ich habe bisher auch nichts dar&uuml;ber gelesen, was eigentlich der Kuratoriumsvorsitzende der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Hans Tietmeyer, im Aufsichtsrat einer so eigenartigen Bank wie HRE zu tun hat?<\/li>\n<li>Beim Recherchieren k&ouml;nnte man auch noch genussvoll ein paar Jahre zur&uuml;ckgehen. Ich will zwei Beispiele nennen:\n<p>Zum ersten: Der Verkauf der ostdeutschen Banken an die westdeutschen Banken f&uuml;r Bruchteile des echten Wertes. Wie viel Milliarden haben die westdeutschen Banken dabei gutgemacht? Was war die Rolle von Horst K&ouml;hler genau? Was ist der detaillierte Inhalt des Gutachtens des Bundesrechnungshofes, das immer noch nicht offen zug&auml;nglich ist?<\/p>\n<p>Zum zweiten: Ende April 2004 gab es eine eigenartige Begegnung. Bundeskanzler Schr&ouml;der hatte den Professor f&uuml;r &Ouml;konomie, Peter Bofinger, zu einem Gespr&auml;ch mit ihm und den beiden f&uuml;r die Belange der Bundesbank zust&auml;ndigen Ministern f&uuml;r Wirtschaft und Finanzen, Clement und Eichel, eingeladen. Erkl&auml;rtes Ziel der Einladung: mit Bofinger seine Ernennung zum Pr&auml;sidenten der Deutschen Bundesbank zu besprechen. Das geschah wohl auch. Am Ende weigerte sich Eichel, als zust&auml;ndiger Minister eine Kabinettsvorlage f&uuml;r diese Entscheidung vorzulegen. Provokant f&uuml;r Bofinger, peinlich f&uuml;r Schr&ouml;der. Dann wurde auf Vorschlag Eichels der &bdquo;Lehrer&ldquo; des damaligen Abteilungsleiters im Bundesfinanzministerium, J&ouml;rg Asmussen, der Professor Axel Weber zum Bundesbankpr&auml;sidenten erkoren. Schr&ouml;der lie&szlig; das mit sich machen, was schon etwas eigenartig ist. Wahrscheinlich schien ihm das einen Konflikt nicht wert. Interessant daran ist, dass wir bis heute diesen Deal zu sp&uuml;ren bekommen. Jedenfalls erscheint es lohnenswert nachzuforschen, ob die mangelnde Kontrolle durch die Bundesbank etwas mit diesem Beziehungsgeflecht zu tun hat. <\/p><\/li>\n<\/ul><p><strong>Die Medien besch&auml;ftigen sich nahezu nicht mit dem kriminellen Charakter vieler Finanzgesch&auml;fte. <\/strong><br>\nWer faule Forderungen verpackt und sie als Wertpapiere weiterverkauft, ist aus meiner Sicht ein Betr&uuml;ger. Diese Ansicht wird auch von Fachleuten geteilt. Wer solche Wertpapiere kauft, wie die IKB, ist ein Hehler. Dieser kriminelle Charakter der Hintergr&uuml;nde und Ursachen der Finanzkrise wird von den Medien nicht recherchiert und auch von der Wissenschaft mit Ausnahme einiger weniger Fachleute nicht hinterfragt.<\/p><p>Dieses Versagen der Medien ist ein wichtiger Grund f&uuml;r die Unsicherheit und die Nachplapperei, von welcher der Leser der NachDenkSeiten in seinem zu Anfang wiedergegebenen Text berichtet. Die Mehrheit der Menschen ist Opfer dieses Versagens, und die Mehrheit hat vermutlich weder die Zeit noch die Kraft, ausreichend Widerstand gegen die t&auml;gliche G&auml;ngelung und Manipulation zu leisten. Das macht die Perspektive so wenig rosig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal beschleicht mich das Gef&uuml;hl, unsere NachDenkSeiten-Arbeit sei vergebens. Mehdorn hat die Bahn saniert; die HRE ist eine systemrelevante Bank; 480 Milliarden f&uuml;r die Banken stehen bereit, aber 14 Milliarden des Bundes f&uuml;r ein Investitionsprogramm verteilt &uuml;ber zwei Jahre f&uuml;hren zu Schulden; abwarten, bis die bisherigen Konjunkturprogramme wirken und so weiter, und so fort. 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