{"id":3877,"date":"2009-04-07T14:00:17","date_gmt":"2009-04-07T13:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3877"},"modified":"2019-07-30T12:20:35","modified_gmt":"2019-07-30T10:20:35","slug":"die-oekonomischen-ungleichgewichte-werden-in-der-krise-zu-einer-besonderen-belastung-deutschland-als-spielverderber-fuer-ein-europaeisches-sozialmodell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3877","title":{"rendered":"Die \u00f6konomischen Ungleichgewichte werden in der Krise zu einer besonderen Belastung &#8211; Deutschland als \u201eSpielverderber\u201c f\u00fcr ein europ\u00e4isches Sozialmodell"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland verst&auml;rkt unter dem gemeinsamen Dach des Euro durch eine massive Lohndumpingstrategie als Exportweltmeister mit seinen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen auf der einen Seite die Ungleichgewichte in der Europ&auml;ischen Union und der gesamten Weltwirtschaft. Auf der anderen Seite &uuml;ben Lohndruck und Arbeitsintensivierung einen enormen Druck auf alle lohnpolitisch gefestigteren Systeme in Europa aus, in denen die Verteilungsspielr&auml;ume &ouml;konomisch angemessener ausgesch&ouml;pft wurden, w&auml;hrend in Deutschland das Lohnniveau deutlich hinter der Inflationsrate und hinter dem Produktivit&auml;tszuwachs zur&uuml;ckblieb. (Einen aktuellen &Uuml;berblick dazu gibt der <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/wsimit_2008_09_schulten.pdf\">Europ&auml;ische Tarifbericht des WSI [PDF &ndash; 215 KB]<\/a>.) Von Volker Bahl<br>\n<!--more--><br>\nZur genaueren Positionsbestimmung seien aus dem Europ&auml;ischen Tarifbericht einige S&auml;tze zitiert: &bdquo;Die lohnpolitische Sonderstellung Deutschlands in Europa zeigt sich bei einem Vergleich der Reallohnentwicklung seit dem Jahr 2000: Deutschland ist das einzige Land, das mit minus 0,8 Prozent Reallohnverluste zu verzeichnen hat, w&auml;hrend im gleichen Zeitraum die Reall&ouml;hne in Frankreich um 9,6 Prozent, in Schweden um 17,9 Prozent und in Gro&szlig;britannien sogar um 26,1 Prozent stiegen&ldquo; (vgl. Schulten\/ WSI, S. 475).<\/p><p>In Frankreich &ndash; unter dem Dach des Euro &ndash; und Schweden &ndash; mit einer Bindung an den Euro &ndash; kann dem deutschen lohnpolitischen Druck nach unten auf Dauer nicht ausgewichen werden.<br>\nSpeziell zum <a href=\"?p=3737\">&bdquo;Nordischen Modell&ldquo;<\/a> h&auml;lt der EU-Tarifbericht noch fest: &bdquo;In den skandinavischen L&auml;ndern sichert das so genannte &bdquo;Ghentsystem&ldquo;, in dem die Gewerkschaften die Arbeitslosenversicherung verwalten, einen nach wie vor au&szlig;erordentlich hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad und damit verbunden eine hohe Tarifbindung (S.477).&ldquo;<\/p><p><strong>Deutschland: Die L&ouml;hne sinken sogar im Aufschwung<\/strong><\/p><p>Im Jahr 2007 trat die lohnpolitische Sonderstellung Deutschlands noch einmal besonders krass hervor. Trotz des (leichten) Konjunkturaufschwungs &ndash; und dies ist bisher einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik &ndash; sind die L&ouml;hne weiter gesunken. So verzeichnete Deutschland 2007 mit einem Minus von 1,1 Prozent erneut einen Reallohnverlust. Darin spiegelt sich einerseits die Schw&auml;che des deutschen Lohnfindungssystems wider, andererseits m&uuml;ssen die &bdquo;moderaten Lohnabschl&uuml;sse&ldquo; aber auch der Politik angelastet werden. Die Gewerkschaften wurden in den letzten Jahrzehnten in ihrer Tarifmacht nachhaltig geschw&auml;cht. Die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit und die Verteidigung der &bdquo;Exportweltmeisterschaft&ldquo; waren das oberste Ziel der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Mit den Ursachen der Schw&auml;che des deutschen Lohnfindungssystems, die gerade im Aufschwung so deutlich wurden, hat sich u.a. der IMK-Report Nr. 27 vom M&auml;rz 2008 <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_27_2008.pdf\">&ldquo;Wer profitiert vom Aufschwung?&rdquo; [PDF &ndash; 395 KB]<\/a> &ndash; dort insbesondere auf Seite&nbsp;7 &ndash; ausf&uuml;hrlicher befasst. <\/p><p><strong>Die Schw&auml;chung der Tarifautonomie (Art. 9 GG) in Deutschland<\/strong><\/p><p>Angesichts einer solchen Schw&auml;chung der Gewerkschaften muss die Frage gestellt werden, ob die in unserer Verfassung (Art. 9 GG) als Grundrecht gew&auml;hrleistete Tarifautonomie nicht in ihrer Substanz inzwischen so eingeschr&auml;nkt wurde, dass sie f&uuml;r Deutschland schon als aufgehoben angesehen werden muss?<\/p><p>Dazu sei etwa daran erinnert, dass zu Zeiten der rot-gr&uuml;nen Regierung unter dem damaligen Wirtschafts- und Arbeitsminister Clement der &bdquo;Wissenschaftliche Beirat&ldquo; dieses Ministeriums im Jahre 2003 sogar die Aufhebung dieses Grundrechts forderte. Die neoliberale &bdquo;Creme&ldquo; der deutschen &Ouml;konomen betrachteten den Art. 9 GG sozusagen als eine systemwidrige &ndash; weil den marktradikalen Glaubens&auml;tzen widersprechende &ndash; Verfassungsnorm (siehe Bundesministerium f&uuml;r Wirtschaft und Arbeit , &bdquo;Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/BMWi\/Redaktion\/PDF\/Publikationen\/Dokumentationen\/tarifautonomie-auf-dem-pruefstand-dokumentation-531,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf\">&bdquo;Tarifautonomie auf dem Pr&uuml;fstand&ldquo; vom 27. 11. 2003 [PDF &ndash; 300 KB]<\/a>). <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus vollstreckt inzwischen der Europ&auml;ische Gerichtshof (EuGH) gerade auch gegen&uuml;ber Schweden diese wirtschaftsliberale Doktrin (siehe Martin H&ouml;pner u.a., &bdquo;Die Politische &Ouml;konomie der europ&auml;ischen Integration&ldquo;, S. 23 ff.).<\/p><p>Deutschland gibt mit seiner Lohnsenkungspolitik in der gesamten EU &ouml;konomisch den Takt vor, und auf der juristischen Ebene schreiben die Institutionen der EU qua Wettbewerbsregeln und &uuml;ber die EU-Verfassung den Abbau von Gewerkschaftsrechten vor. Bei diesem &bdquo;Spiel &uuml;ber Bande&ldquo; wird die Schw&auml;chung der Tarifautonomie auf eine nicht mehr durchschaubare h&ouml;here Ebene verlagert, so dass sie auf den ersten Blick nicht sofort als politisch gewollt auff&auml;llt. Das neoliberale Diktat wird mit der EU-&bdquo;Verfassung&ldquo; zur alleinseligmachenden Staatsdoktrin in Europa &ndash; mit der gleichzeitigen Schw&auml;chung sozialer Rechte (siehe hierzu den <a href=\"http:\/\/www.journaldumauss.net\/spip.php?page=imprimer&amp;id_article=283\">franz&ouml;sischen Arbeitsrechtler und Rechtsphilosophen Alain Supiot<\/a>).<\/p><p><strong>Die &ouml;konomischen Ungleichgewichte werden in der Krise zu einer besonderen Belastung<\/strong><\/p><p>In diesem Beitrag soll es nicht um die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Wirtschaft, sondern um die &ndash; krisenversch&auml;rfende &ndash; Struktur der internationalen &ouml;konomischen Ungleichgewichte gehen, also um die Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse, die dann mit den entsprechenden Leistungsbilanzdefiziten (z.B. in den USA oder bei unseren europ&auml;ischen Nachbarn) korrespondieren.<\/p><p>Wenn &uuml;ber Export&uuml;bersch&uuml;sse geredet wird, ger&auml;t &uuml;blicherweise zun&auml;chst China mit seinen hohen Export&uuml;bersch&uuml;ssen ins Visier der &ouml;ffentlichen Kritik. So hat &ndash; kaum im Amt &ndash; der neue US-Finanzminister der Obama-Regierung , Timothy Geithner, China vorgeworfen, durch eine gezielte Unterbewertung seiner W&auml;hrung die chinesischen Handelsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse zu zementieren und damit f&uuml;r die USA den Defizitabbau zu erschweren. <\/p><p>Bei derartigen Vorw&uuml;rfen wird allerdings geflissentlich &uuml;bersehen, dass es gerade die Industriel&auml;nder waren &ndash; allen voran die USA &ndash; , die seit Anfang der 90er Jahre die Entwicklungs- und Schwellenl&auml;nder zu einer raschen &Ouml;ffnung der Kapitalm&auml;rkte dr&auml;ngten, ohne dabei gleichzeitig &ndash; nach der Aufl&ouml;sung des &bdquo;Bretton-Wood-Systems&ldquo; &ndash; ein funktionsf&auml;higes, globales W&auml;hrungssystem anzubieten. So entwickelten sich die Wechselkurse auch &bdquo;dank&ldquo; internationaler Finanzspekulanten v&ouml;llig unberechenbar. <\/p><p>Flassbeck\/Spiecker halten folgerichtig diesem recht einseitigen Vorwurf entgegen, bei einer derart unkoordinierten, globalen W&auml;hrungsordnung und einem weitgehend sich selbst &uuml;berlassenen Devisenmarkt blieb f&uuml;r diese L&auml;nder als einzig relativ sicherer Weg zur eigenen &ouml;konomischen Entwicklung nur die eine Variante &uuml;brig, n&auml;mlich den Wechselkurs durch Zentralbankinterventionen auf einem unterbewerteten Niveau zu stabilisieren (Flassbeck\/Spiecker, <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/print-archiv\/printressorts\/digi-artikel\/?ressort=me&amp;dig=2009%2F02%2F02%2Fa0088&amp;cHash=a244d6cbac\">&bdquo;Das Spiel geht weiter&ldquo;<\/a> in der taz vom 2.Febr. 09).<\/p><p>Au&szlig;enministerin Hillary Clinton sah das offenbar nicht so einseitig wie ihr Kabinettskollege vom Finanzministerium. Ihre erste Auslandsreise galt China. Eines der wichtigsten Ziele ihrer Reise war zu verhindern, dass China mit seinen riesigen Dollarr&uuml;cklagen die USA in der Krise noch zus&auml;tzlich destabilisiert. Sie setzte auf Kooperation und Koordination &ndash; statt auf Konfrontation. Es w&auml;re auch ziemlich unglaubw&uuml;rdig, wenn die Industriel&auml;nder ohne eine stabile Weltw&auml;hrungsordnung China zum Verlassen ihrer &ouml;konomisch f&uuml;r das Riesenreich bisher erfolgreichen W&auml;hrungspolitik zwingen wollten. <\/p><p>Merkw&uuml;rdigerweise bleibt bei der Diskussion &uuml;ber Leistungsbilanzdisparit&auml;ten meist unerw&auml;hnt, dass Deutschland beim Export immer noch vor China liegt. Unser Land hat, sozusagen versteckt hinter den Mauern des Euroraumes, mit seiner Lohnsenkungsstrategie seine internationale Wettbewerbsposition in wenigen Jahren so sehr zu Lasten seiner Handelspartner ausgebaut, dass es die &Uuml;bersch&uuml;sse Chinas &ndash; also eines wesentlich gr&ouml;&szlig;eren Landes &ndash; erreicht.<\/p><p><strong>Die &bdquo;negative Integration&ldquo; in Europa &ndash; und Deutschland als Taktgeber f&uuml;r die Spirale nach unten<\/strong><\/p><p>Der von Deutschland ausgehende &ouml;konomische Druck wird durch institutionelle Vorgaben der EU verst&auml;rkt. Fritz Scharpf, der ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts f&uuml;r Gesellschaftsforschung, bezeichnet diese lohnpolitische Dynamik nach unten innerhalb der EU als <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/163_91911.html\">&bdquo;negative Integration&ldquo;<\/a> und fordert dringend eine politische Umkehr. <\/p><p>Zwar haben wir dieses Jahr Europawahlkampf, aber von der Forderung nach einer notwendigen Umkehr in der EU und einer Perspektive f&uuml;r ein wirkliches europ&auml;isches Sozialmodell, ist &ndash; au&szlig;er bei der Linken mit Lafontaine &ndash; kaum etwas zu vernehmen. Im Gegenteil: Ein nationales Parlament nach dem anderen stimmte dem neuen EU-Reformvertrag zu, der die verfassungsm&auml;&szlig;ige Grundlage eines Weges zur Aushebelung sozialer Grundrechte, wie etwa auch der Tarifautonomie, schafft (siehe dazu ausf&uuml;hrlich Martin H&ouml;pner u.a.: &bdquo;Die politische &Ouml;konomie der europ&auml;ischen Integration&ldquo;, S.11 und 23 ff. &ndash; sowie <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/32014_94475.html\">&bdquo;Europa-Richter stellen Wettbewerb &uuml;ber Arbeitnehmerrechte&ldquo;<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/impuls_2009_05_4-5.pdf\">B&ouml;ckler Impuls 5\/2009 [PDF &ndash; 270 KB]<\/a>. Siehe dazu auch Anne-Cecil Robert in <a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.de\/pm\/2009\/03\/13.mondeText1.artikel,a0004.idx,1\">&bdquo;Die Klempner von Europa&ldquo;<\/a> in Le Monde diplomatique vom M&auml;rz 2009, S. 1 und 10 f.).<\/p><p><strong>&ldquo;Das Ende des &ldquo;Deutschen Modells&rdquo; &ndash; Europa in der &ouml;konomischen &ldquo;Doppel&rdquo;-Krise<\/strong><\/p><p>Die &ouml;konomische Realit&auml;t fordert, dass der gr&ouml;&szlig;te &bdquo;Profiteur&ldquo; von Export&uuml;bersch&uuml;ssen, n&auml;mlich Deutschland, endlich globale Verantwortung &uuml;bernimmt.<br>\nDas &bdquo;Deutsche Modell&ldquo; zeichnete sich dadurch aus, dass es ein mit Lohndumping angetriebenes Wachstum ganz &uuml;berwiegend &uuml;ber den Export erzielen wollte. Bildlich gesagt ist diesem Modell durch die Weltwirtschaftskrise einfach der Stecker herausgezogen worden. <\/p><p>&ldquo;Die US-amerikanische Wirtschaft kann nicht mehr in dem Ma&szlig; wie zuvor Motor der Weltwirtschaft sein, da ihre binnenwirtschaftliche Expansion mit hohem Importsog auf den t&ouml;nernen F&uuml;&szlig;en eines schlecht regulierten Finanzsektors und &uuml;berschuldeter Haushalte stand. Diese Rolle m&uuml;ssen jetzt andere &uuml;bernehmen &ndash; und hier sind neben China gerade auch Europa, und dort vor allem Deutschland zu nennen, dessen globale Verantwortung von der Politik und auch von vielen &Ouml;konomen noch nicht hinreichend erfasst wird &ldquo;(<a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_35_2008.pdf\">&bdquo;Am Rande des Abgrundes&ldquo; [PDF &ndash; 650 KB]<\/a>, S.23). <\/p><p>Deutschland und die USA h&auml;ngen eben zusammen wie der Stecker mit der Steckdose, aus der bisher der Strom kam, schrieben Flassbeck und Spiecker lange vor der Krise: &bdquo;Wer profitiert denn seit Jahren vom amerikanischen Wachstum? Doch wir Deutsche im Verein mit den Japanern. Wir benutzen die USA als Konjunkturlokomotive und bauen mit unserer Strategie des Lohndumpings enorme &Uuml;bersch&uuml;sse auf. &ndash; Mit anderen Worten: Die Amerikaner k&ouml;nnen eine sinnvolle Konjunkturpolitik betreiben wie sie wollen, wenn die Eurozone und Japan sie dauernd torpedieren, k&ouml;nnen die Amerikaner die Geschicke der Weltwirtschaft nicht sinnvoll lenken, daf&uuml;r ist das Gewicht der EWU und Japans zu gro&szlig; und die Weltwirtschaft zu globalisiert&ldquo; (aus: Heiner Flassbeck und Friederike Spieker, &ldquo;Das Ende der Massenarbeitslosigkeit&rdquo;, S. 177ff., 180 und 181 f.).<\/p><p>Wie folgenreich f&uuml;r das einseitig exportorientierte &bdquo;deutsche Modell&ldquo; das Ausbleiben der Konjunkturlokomotive USA wird, zeigten dann auch schon rasch die Wachstumszahlen f&uuml;r Ende 2008 auf: Der Exportweltmeister Deutschland wird von der weltweiten Wirtschaftskrise besonders hart getroffen. So sank das Bruttoinlandsprodukt um 2,1 Prozent &ndash; und damit weitaus st&auml;rker als in allen anderen europ&auml;ischen Staaten! Nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes handelt es sich um den st&auml;rksten Einbruch der Wirtschaftsleistung eines Vierteljahres seit 1987 &ndash; und macht Deutschland zum Schlusslicht in der Europ&auml;ischen Union. Die Wirtschaftsleistung aller europ&auml;ischen L&auml;nder sank im Schnitt lediglich um 1,5 Prozent &ndash; auch das ist immerhin der schwerste Einbruch seit Einf&uuml;hrung des Euro (z.B. Frankreich 1,2 Prozent &ndash; Italien 1,8 Prozent).<\/p><p>Diese Empfindlichkeit des &bdquo;Deutschen Modells&ldquo; beruht auf dem enormen Anteil des Exportes an der Wirtschaftsleistung von 40 Prozent (vor allem beim Maschinenbau und der Automobilindustrie). War der Export in dem Boomjahr 2006 noch die ma&szlig;gebliche Triebfeder der Konjunktur, so wird diese extreme Einseitigkeit jetzt in der Krise zur Wachstumsbremse f&uuml;r Deutschland (siehe SZ vom 14. Februar 2009 &bdquo;Exportabh&auml;ngigkeit wird zum Nachteil &ndash; Rezession trifft Deutschland besonders hart&ldquo; &ndash; S. 1 und Kommentar S. 4).<\/p><p>Es ist nicht eine omin&ouml;se &bdquo;Globalisierung&ldquo;, die zur&uuml;ckschl&auml;gt, wie in seltsamer Realit&auml;tsverweigerung der Kommentator in der SZ glauben machen will, sondern der seit langem politisch gepflegte Glaube an die immer st&auml;rkere Ausrichtung unserer Wirtschaft auf den Export &ndash; unter konsequenter Au&szlig;erachtlassung der angerichteten sozialen Flursch&auml;den. Es war diese &bdquo;Totalit&auml;t&ldquo; des Glaubens an den Markt und die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit, die alles richten sollte und die jetzt in diese Sackgasse f&uuml;hrte.<br>\n(Zum Druck auf die gemeinsame W&auml;hrung, den Euro, durch das &bdquo;Deutsche Modell&ldquo; siehe z.B. auch die Diskussion: &bdquo;Ist es die W&auml;hrung? &ndash; Es sind die L&ouml;hne! &ndash; zwischen Laurent Jacques und Hansj&ouml;rg Herr &ndash; in: Monde diplomatique&ldquo; vom Februar 2009, S. 4 und 5.)<\/p><p>Schon 2005 hatten Heiner Flassbeck und Ulrike Spiecker gewarnt: &bdquo;Die deutsche Lohnpolitik sprengt die Europ&auml;ische W&auml;hrungsunion&ldquo; (Siehe <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/wsimit_2005_12_flassbeck.pdf\">WSI-Mitteilungen 12 \/ 2005 [PDF &ndash; 130 KB]<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/32014_94345.html\">aktuell<\/a>; sowie <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/impuls_2009_03_1.pdf\">hier [PDF &ndash; 140 KB]<\/a>). Kritik kam aber auch von unseren Nachbarn. 2007 hat der britische Historiker Perry Anderson in seinem &bdquo;Europagem&auml;lde&ldquo; (&bdquo;Depicting Europe&ldquo;) beschw&ouml;rend darauf hingewiesen: Deutschland erw&uuml;rgt als wirtschaftliche Gro&szlig;macht Europas die soziale Entwicklung &ndash; nicht zuletzt in den s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern (Perry Anderson &bdquo;Depicting Europe&ldquo; in: <a href=\"http:\/\/www.lrb.co.uk\/v29\/n18\/print\/ande01_.html\">&bdquo;London Review of Books&ldquo;<\/a> vom 20.9. 07 &ndash; dort insbesondere die Seite 7). <\/p><p>Kein Wunder, dass jetzt in der Krise auch wieder die Kontroverse aufbricht, ob mit einer R&uuml;ckkehr zu nationalen W&auml;hrungen &ndash; mit der jeweiligen M&ouml;glichkeit auf- und abzuwerten &ndash; die entstandenen &ouml;konomischen Ungleichgewichte leichter gemanagt werden k&ouml;nnten (so etwa Wilhelm Hankel in der FR vom 12.2. 09). Dazu hat Rudolf Hickel die Gegenposition eingenommen: Einzelstaatliche W&auml;hrungen w&auml;ren noch viel massiver ein &bdquo;Spielball&ldquo; der Spekulation auf den Finanzm&auml;rkten. Das Defizit in der EU ist die fehlende makro&ouml;konomische Koordinierung, und in diesem Rahmen kommen auf Deutschland drei Anforderungen zu, um diese krassen &ouml;konomischen Ungleichgewichte &ndash; gerade auch in Europa selbst &ndash; auszugleichen: <\/p><ul>\n<li>Die Export&uuml;bersch&uuml;sse m&uuml;ssen abgebaut werden<\/li>\n<li>Parallel dazu bedarf es wieder einer expansiven Lohnpolitik &hellip;<\/li>\n<li>&hellip; verbunden mit einer expansiven Finanzpolitik.<\/li>\n<\/ul><p>Es geht darum, das bisher so vorrangige Standbein f&uuml;r das Wachstum, den Export, durch eine St&auml;rkung der Binnennachfrage zu erg&auml;nzen (siehe auch den Gastbeitrag von Rudolf Hickel &bdquo;R&uuml;ckkehr zur D-Mark w&auml;re eine Katastrophe&ldquo; &ndash; in FR vom 17.Februar 2009).<\/p><p>In keinem anderen Land der Eurozone war die &bdquo;Lohnzur&uuml;ckhaltung&ldquo; seit Beginn der W&auml;hrungsunion so stark wie in Deutschland. Das n&uuml;tzte &ndash; zumindest kurzfristig &ndash; der preislichen Wettbewerbsf&auml;higkeit der deutschen Wirtschaft, jedoch auf Kosten der anderen L&auml;nder! Mit der Zeit d&auml;mpfte dies die Konjunktur in den Nachbarstaaten, die damit &ndash; l&auml;ngerfristig &ndash; auch weniger Waren importieren k&ouml;nnen. Mit seinem Verhalten hat Deutschland das Fundament der W&auml;hrungsunion untergraben, denn in einer W&auml;hrungsunion, in der es keine Wechselkurse mehr gibt, treten die nominalen Lohnst&uuml;ckkosten als Stellschraube an deren Stelle. Es wird also h&ouml;chste Zeit, dieses deutsche Lohndumping zu beenden, auch im Interesse eines weiteren Funktionierens der Euro-W&auml;hrungszone (siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/32014_94345.html\">B&ouml;ckler-Impuls 3 \/2009<\/a>). <\/p><p>Der Mindestlohn w&auml;re f&uuml;r das deutsche Tarifsystem eine Mindestbedingung. Ulrike Herrmann hat es in der taz so sch&ouml;n plastisch ausgedr&uuml;ckt: &bdquo;Das Originellste an der Mindestlohnforderung der SPD ist, dass ihre Reformen ihn erst so richtig notwendig gemacht haben.&ldquo;<br>\n(Einen guten &Uuml;berblick &uuml;ber den aktuellen Stand der Mindestl&ouml;hne bietet der <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/wsimit_2009_03_schulten.pdf\">WSI-Mindestlohnbericht 2009 [PDF &ndash; 190 KB]<\/a>.)<br>\nDer Mindestlohn reicht jedoch l&auml;ngst nicht aus, um die Besch&auml;digungen der Tarifautonomie in Deutschland wieder zu beseitigen. <\/p><p><strong>Exkurs: Frankreich wehrt sich<\/strong> <\/p><p>Wie hie&szlig; es doch: &bdquo;Sarkozy br&uuml;skiert Br&uuml;ssel&ldquo; (SZ vom 10.Febr. 09), als der franz&ouml;sische Staatspr&auml;sident die Staatshilfen f&uuml;r die franz&ouml;sischen Automobilkonzerne mit der Auflage verband, dass sie nur f&uuml;r franz&ouml;sische Autos gelten sollte. Statt einer Br&uuml;skierung kann man darin aber auch eine angemessene Selbstverteidigung gegen den durch permanentes Lohndumping erzielten Wettbewerbsvorteil Deutschlands sehen. In Frankreich wurde heftig &uuml;ber die Frage gestritten, ob die Franzosen mit ihren Steuer- bzw. Staats-Milliarden &ndash; immerhin 6 Milliarden Euro &ndash; die in der Krise jetzt besonders notleidenden &ndash; weil so stark auf den Export fixierten &ndash; deutschen Automobilbauer f&ouml;rdern solle.<\/p><p>F&uuml;r Frankreich war und ist der deutsche Weg des Lohndumpings durch das sehr durchsetzungskr&auml;ftige franz&ouml;sische individuelle Streikrecht mit der dazu geh&ouml;renden Streikbereitschaft der Franzosen wesentlich schwieriger zu gehen<br>\n(siehe zur Entwicklung der Streikbewegung &ndash; zuletzt am 19. M&auml;rz 2009 &ndash; <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/fr\/generalstreik09.html\">Generalstreik bricht alle Rekorde: 3 Mio. Beteiligte!<\/a>).<\/p><p>Der Weg einer Politik zu Lasten der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung &ndash; wie in Deutschland &ndash; hatte in Frankreich seine Grenzen. Ein Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich l&auml;sst daher empirisch die deutlich st&auml;rkere franz&ouml;sische Binnennachfrage hervortreten, weil dort die angemessenen Lohnspielr&auml;ume besser ausgesch&ouml;pft wurden (siehe die Studie <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_31_2008.pdf\">&bdquo;Frankreich ein Vorbild f&uuml;r Deutschland ?&ldquo; &ndash; IMK-Report Nr. 31 [PDF &ndash; 612 KB]<\/a>).<\/p><p>Mit der Streikbewegung im Nacken entschloss sich Sarkozy zur Vorw&auml;rtsverteidigung gegen den &bdquo;Spielverderber&ldquo; Deutschland. Wenn Angela Merkel als Reaktion auf Sarkozy ver&auml;rgert meint, die Teilnehmer am Binnenmarkt m&uuml;ssten &bdquo;schon auf dem gleichen Spielfeld bleiben&ldquo; (SZ vom 12. Febr. 09), dann muss man ihr vorhalten, dass sie g&auml;nzlich blind f&uuml;r die Rolle Deutschlands auf diesem europ&auml;ischen Spielfeld zu sein scheint. Ohne eine Problematisierung des &ouml;konomischen Diktats aus Deutschland kann in Europa kaum eine gemeinsame Linie gefunden werden. Fr&uuml;her oder sp&auml;ter wird es auch f&uuml;r die deutschen Politiker zum Schwur kommen: Die europ&auml;ischen Nachbarn d&uuml;rften den deutschen Weg in ein europ&auml;ischen &bdquo;A-Sozial-Modell&ldquo; jedenfalls auf Dauer nicht mehr klaglos hinnehmen.<\/p><p><strong>Die Doppelkrise mit Doppelstrategie angehen<\/strong><\/p><p>In der Prognose der wirtschaftlichen Lage 2009 des IMK gibt es gerade f&uuml;r Europa wichtige Aussagen. Zuerst wird festgestellt, dass es sich um eine &ldquo;Doppelkrise&rdquo;, n&auml;mlich sowohl der Finanzm&auml;rkte als auch der Realwirtschaft handele, die auch in einer &ldquo;Doppelstrategie&rdquo; anzugehen sei: &ldquo;Die Hauptlast der Stabilisierung liegt also derzeit bei der Finanzpolitik. Erforderlich ist ein europ&auml;isch abgestimmtes Konjunkturprogramm in H&ouml;he von rund 2 % des BIP, hei&szlig;t es in <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_35_2008.pdf\">&ldquo;Am Randes des Abgrunds&rdquo; [PDF -650 KB]<\/a> (S. 21 ff.). <\/p><p>Dies zeigten Simulationen verschiedener Konjunkturprogramme mit dem IMK-Modell. Nationale Alleing&auml;nge innerhalb des Euroraumes verminderten deren Effektivit&auml;t nennenswert. Erneut werde deutlich, wie wichtig die europ&auml;ische Dimension ist. Die Gefahr sei gro&szlig;, dass sich die einzelnen L&auml;nder mit Konjunkturprogrammen, die sie im Alleingang umsetzen, verzettelten. Dadurch werde die Effektivit&auml;t der europ&auml;ischen Antwort enorm eingeschr&auml;nkt&hellip;.(S.23) Diese Weltwirtschaftskrise wird also die gro&szlig;e Herausforderung f&uuml;r die Institutionen der EU!&ldquo; <\/p><p><strong>Kann das Konjunkturprogramm II uns aus der Krise f&uuml;hren?<\/strong><\/p><p>Mit dem Konjunkturprogramm II verringert sich nach der Prognose des IMK das Brutto-Inlandsprodukt um 2,4 Prozent im Jahresdurchschnitt. Das prognostizierte Minus von 3 Prozent werde also mit den Konjunkturst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen der Bundesregierung nur um 0,6 Prozent g&uuml;nstiger. Dieses Minus von 2,4 Prozent beim BIP w&auml;re die gr&ouml;&szlig;te Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik. Und falls es nicht gelingt, durch dieses Konjunkturprogramm &ndash; sein gr&ouml;&szlig;ter Fehler ist seine langsame Wirkung &ndash; einen dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern, dann sind auch alle Hoffnungen auf den Konsum, der die Konjunktur stabilisieren k&ouml;nnte, vergeblich. Dann sinken die Einkommen trotz der nachlassenden Inflationsrate (S. 15).<br>\nDas IMK hatte deshalb im Dezember ein Konjunkturpaket von mindestens 50 Milliarden Euro konzentriert auf 2009 gefordert. Bei einem Investitionsvolumen von 30 Milliarden Euro und sofort wirksamen Konsumschecks in H&ouml;he von 20 Milliarden Euro h&auml;tte nach Meinung des IMK ein dreimal so starker Effekt und ein deutlich <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_pb_11_2009.pdf\">h&ouml;herer Multiplikator erreicht werden k&ouml;nnen [PDF &ndash; 110 KB]<\/a> (S. 14).<\/p><p><strong>Der (Irr-)Wahn vom &bdquo;schlanken Staat&ldquo; <\/strong><\/p><p>Auf eine weitere &ndash; deutschlandspezifische &ndash; Fehlentwicklung verweisen Harald Schumann und Christiane Grefe in ihrem Buch &bdquo;Der globale Countdown &ndash; Gerechtigkeit oder Selbstzerst&ouml;rung &ndash; die Zukunft der Globalisierung&ldquo;. Sie weisen zun&auml;chst auf den die letzten Jahre praktizierten Wahn der Politik hin, einen m&ouml;glichst &bdquo;schlanken Staat&ldquo; herzustellen, um die &bdquo;freien Kr&auml;fte des Marktes&ldquo; zu st&auml;rken: &bdquo;W&auml;hrend ihrer sieben Jahre in der Regierung mit dem damaligen Kanzler Schr&ouml;der betrieben die Sozialdemokraten eine radikale Umverteilung von unten nach oben. Um zeitweilig bis zu 26 Milliarden Euro j&auml;hrlich senkte die Schr&ouml;der-Regierung die Steuerlast f&uuml;r Konzerne, Kapitalgesellschaften und Besserverdiener, w&auml;hrend sie gleichzeitig die Unterst&uuml;tzungsleistungen f&uuml;r Arbeitslose zusammenstrich. Seitdem bezieht mehr als die H&auml;lfte der Empf&auml;nger von Arbeitslosengeld weniger als vor der &bdquo;Reform&ldquo;. Vor allem aber stieg die Unsicherheit: Wer l&auml;nger als ein Jahr arbeitslos war und ohne Verm&ouml;gen ist, f&auml;llt unweigerlich in die Armut&hellip;. Der Anteil der betroffenen Leistungsempf&auml;nger, die nach internationalen Ma&szlig;st&auml;ben als einkommensschwach gelten, ist von gut der H&auml;lfte auf zwei Drittel gestiegen.&ldquo; (Harald Schumann\/Christiane Grefe, a.a.O. S. 164). Es kam zu einer <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/79586\/08-10-1.pdf\">&bdquo;Erosion der Mittelschichten&ldquo; (DIW) [PDF &ndash; 270 KB]<\/a>.<\/p><p>Eine Bilanz des deutschen Sonderweges zum m&ouml;glichst &bdquo;Schlanken Staat&ldquo; zog auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger in seinem Aufsatz <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/169_91929.html\">&bdquo;Das Jahrzehnt der Entstaatlichung&ldquo;<\/a>. Schon jetzt sei zu erkennen, schreibt Bofinger, dass sich die Entstaatlichung zu Lasten der Zukunftsinvestitionen in den Bereichen Bildung und Infrastruktur auswirke &ndash; verbunden mit einer Erosion des Wohlfahrtsstaates, die auch die politische Stabilit&auml;t des Landes gef&auml;hrde (a.a.O. S. 351 ff.).  <\/p><p><strong>Wird die Politik zur Bew&auml;ltigung der Krise &uuml;berhaupt noch von &ouml;konomischen Erw&auml;gungen getragen?<\/strong><\/p><p>Die vom IMK vorgebrachte Kritik an den deutschen Konjunkturprogrammen (die Kapazit&auml;t sei zu schwach, und es wirke zu langsam) wird massiv verst&auml;rkt durch eine Intervention des Wirtschaftsnobelpreistr&auml;gers Robert Solow, der unabl&auml;ssig f&uuml;r eine bessere Makropolitik in Europa k&auml;mpft. In seinem &bdquo;Manifest f&uuml;r eine gemeinsame Fiskalpolitik in Europa&ldquo; (FR vom 10.Febr. 09) wird festgestellt: &bdquo;Viele Ma&szlig;nahmen werden von politischen Erw&auml;gungen getrieben. Um die volle Wirkung zu entfalten, sollten sie aber von &ouml;konomischen Prinzipien geleitet werden&hellip;Die &ndash; zu beobachtende &ndash; passive Haltung im Euro-Raum k&ouml;nnte schwerwiegende Folgen haben &hellip; und die Wirtschaft immer tiefer in eine lang anhaltende Stagnation versinken (lassen). Die Opportunit&auml;tskosten zu zaghaften Handelns sind enorm hoch&ldquo;.<\/p><p>Solow hat die Nicht-Koordination allein unter dem Druck der nationalen Wirtschaftsinteressen auf den Punkt gebracht: &bdquo;Angesichts dieser Unzul&auml;nglichkeiten droht die Gefahr wechselseitiger &bdquo;Beggar-the-neighbour-Politik&ldquo; &ndash; d.h. einer Wirtschaftspolitik, die den Schaden m&ouml;glichst auf den Nachbarn abzuw&auml;lzen versucht. (vgl. dazu auch noch einmal Flassbeck\/Spiecker, in der FR vom 26. Febr. 09 &bdquo;Mit einer europ&auml;ischen Lohnpolitik die W&auml;hrungsunion retten&ldquo;).<\/p><p><strong>Die Krisenpolitik aus der Distanz betrachtet<\/strong><\/p><p>Versuchen wir einmal den Nahblick zu verlassen und auf Distanz zu den bedrohlichen Szenarien der Wirtschaftskrise zu gehen; springen wir einfach einige Jahre weiter in die Zukunft &ndash; &auml;hnlich wie das John Kenneth Galbraith &ndash; allerdings r&uuml;ckblickend &ndash; in &bdquo;Der gro&szlig;e Crash 1929&ldquo; in den f&uuml;nfziger Jahren des letzten Jahrhunderts gemacht hatte. Die S&uuml;ddeutsche Zeitung hat dies in einem Artikel von Alexander M&uuml;hlauer gleichfalls versucht (SZ vom 3.Febr. 09 &bdquo;Die Erinnerung an die vielen Nullen&ldquo;). Ein d&uuml;steres Fazit dieses R&uuml;ckblicks k&ouml;nnte sein: &bdquo;Die Politiker zementierten (alte) Strukturen und erreichten so, dass die Krise l&auml;nger dauerte&ldquo;. Und im Moment deutet leider nichts darauf hin, dass ein sp&auml;teres Zeugnis g&uuml;nstiger ausfallen k&ouml;nnte.<\/p><p>Es herrscht wohl noch &uuml;berwiegend die Einbildung vor, dass die, die uns in dieses Schlamassel hineingef&uuml;hrt haben, auch die &bdquo;Besten&ldquo; seien, uns wieder herauszubugsieren. Und alles deutet darauf hin, dass Deutschland weiter den &bdquo;Spielverderber f&uuml;r ein europ&auml;isches Sozialmodell&ldquo; abgeben wird.<\/p><p>Wenn nicht noch ein deutlicher Meinungsumschwung eintritt, bleibt wohl nur die Hoffnung auf die n&auml;chste Bundestagswahl 2013. Der einzige Trost, den wir dabei aus der Geschichte ziehen k&ouml;nnten w&auml;re: Auch Roosevelt (&bdquo;New Deal&ldquo;) kam erst rund vier Jahre nach der Weltwirtschaftskrise 1933 ins Amt. <\/p><p>John Kenneth Galbraith hat in seiner Analyse der Weltwirtschaftskrise von 1929 ff. &uuml;brigens auch dargelegt, dass die Entwicklung zu einer ungleichen Einkommensverteilung eine der Ursachen f&uuml;r die Krise war (S. 187f.). Eine Umkehr &ndash; weg von der Umverteilung von unten nach oben &ndash; w&auml;re also nicht nur sozial w&uuml;nschenswert, sondern auch &ouml;konomisch geboten. Auch Paul Krugman (&bdquo;Nach Bush&ldquo;) hat ausf&uuml;hrlich begr&uuml;ndet, dass mehr Gleichheit und die M&ouml;glichkeit zu einem guten Auskommen f&uuml;r alle nicht nur die einer Demokratie angemessenste Form einer Volkswirtschaft, sondern auch &ouml;konomisch geboten und am besten geeignet ist, nachhaltiges Wachstum zu schaffen.<\/p><p>Die R&uuml;ckkehr zu einer Gesellschaft mit mehr Gleichheit und der Kampf f&uuml;r ein soziales Europa wird das Motto der europ&auml;ischen Gewerkschaften bei ihren europaweiten Demonstrationen am 16. Mai dieses Jahres sein.<\/p><p><em>Volker Bahl war Redakteur der &bdquo;Gewerkschaftlichen Monatshefte&ldquo; und Sekret&auml;r bei verschiedenen DGB-Gewerkschaften.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland verst&auml;rkt unter dem gemeinsamen Dach des Euro durch eine massive Lohndumpingstrategie als Exportweltmeister mit seinen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen auf der einen Seite die Ungleichgewichte in der Europ&auml;ischen Union und der gesamten Weltwirtschaft. Auf der anderen Seite &uuml;ben Lohndruck und Arbeitsintensivierung einen enormen Druck auf alle lohnpolitisch gefestigteren Systeme in Europa aus, in denen die Verteilungsspielr&auml;ume &ouml;konomisch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3877\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,30],"tags":[380,499,319,288],"class_list":["post-3877","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-export","tag-handelsbilanz","tag-lohnentwicklung","tag-prekaere-beschaeftigung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3877","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3877"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3877\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53810,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3877\/revisions\/53810"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}