{"id":38807,"date":"2017-06-19T12:21:20","date_gmt":"2017-06-19T10:21:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38807"},"modified":"2017-06-30T12:18:45","modified_gmt":"2017-06-30T10:18:45","slug":"de-mortuis-nihil-nisi-bene-ueber-die-toten-nur-gutes-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38807","title":{"rendered":"De mortuis nihil nisi bene. &#8211; \u00dcber die Toten nur Gutes sprechen?"},"content":{"rendered":"<div style=\"margin: 0 0 15px 15px; float: right;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/autor_mueller-1.jpg\" width=\"100px\" alt=\"Albrecht M&uuml;ller\" title=\"Albrecht M&uuml;ller\"><\/div><p>Helmut Kohl wird gefeiert. Er wird als Kanzler der Einheit und sogar als der bisher &uuml;berragende Bundeskanzler hochgejubelt. Jetzt soll es sogar zum ersten Mal und einzigartig einen europ&auml;ischen Staatsakt f&uuml;r ihn geben. Eines der Ziele dieser Jubelei ist offenkundig: die CDU soll dreieinhalb Monate vor der Bundestagswahl als die Staatspartei erscheinen. Dass Vertreter anderer Parteien an diesen Jubelges&auml;ngen mitmachen, ist deshalb besonders abstrus. In diesen Tagen findet damit eine gro&szlig;e Geschichtsf&auml;lschung statt. Um dies nicht glatt durchgehen zu lassen, muss an gravierende Schattenseiten des Wirkens von Helmut Kohl erinnert werden. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7972\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-38807-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170619_Ueber_die_Toten_nur_Gutes_sprechen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170619_Ueber_die_Toten_nur_Gutes_sprechen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170619_Ueber_die_Toten_nur_Gutes_sprechen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170619_Ueber_die_Toten_nur_Gutes_sprechen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=38807-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170619_Ueber_die_Toten_nur_Gutes_sprechen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170619_Ueber_die_Toten_nur_Gutes_sprechen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Bevor ich diese Schattenseiten beleuchte, will ich in der ersten Anmerkung an eine positive Seite des Wirkens von Helmut Kohl erinnern:<\/p><ol>\n<li><strong>Helmut Kohl hat als Bundeskanzler<\/strong> (anders als zuvor in seiner Eigenschaft als CDU-Parteipolitiker in der Opposition) <strong>mit Herz und Verstand f&uuml;r den Abbau des Konfliktes zwischen West und Ost gearbeitet<\/strong>. Willy Wimmer (CDU) meint, mit Helmut Kohl als Bundeskanzler h&auml;tte es keinen Jugoslawien Krieg gegeben, jedenfalls h&auml;tte sich Deutschland nicht daran beteiligt. Ob diese Einsch&auml;tzung stimmt, wei&szlig; ich nicht, ich wei&szlig; aber aus eigener Beobachtung und aus einer verl&auml;sslichen Quelle, dass sich Helmut Kohl die M&uuml;he machte, sich in die Lage anderer, im konkreten Fall in die f&uuml;hrenden Personen in der Sowjetunion, also zu seiner Zeit Gorbatschow, hineinzuversetzen bem&uuml;hte und vermochte.\n<p>1989 und 1990, also zu Zeiten des Endes des West-Ost-Konfliktes, war ich mit dem Bonner Korrespondenten meiner Regionalzeitung, der &bdquo;Rheinpfalz&ldquo;, befreundet. Klaus Hofmann war auch mit Helmut Kohl befreundet. Er warnte mich damals vor der g&auml;ngigen Fehleinsch&auml;tzung im fortschrittlichen Lager von Politik und Medien. Es gab dort, zum Beispiel auch im Spiegel, die auch unter Sozialdemokraten und Gr&uuml;nen &uuml;bliche L&auml;sterei &uuml;ber Helmut Kohl. Nicht sehr liebevoll und durchaus abwertend sprach man von Kohl als von der &bdquo;Birne&ldquo; &ndash; damit war auch der Unterton einer gewissen geistigen Mittelm&auml;&szlig;igkeit verbunden. Klaus Hofmann &uuml;berzeugte mich davon, dass dahinter gravierende Fehleinsch&auml;tzungen stecken. Kohl mache sich sehr langfristige und umfassende Gedanken. Das betraf in der damaligen Zeit vor allem die Entwicklung in der Sowjetunion nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes.<\/p>\n<p>So jemanden wie diesen Kohl k&ouml;nnte man heute in der Politik gebrauchen. Denn was der Westen und auch die Bundesrepublik Deutschland im Umgang mit Russland tun, l&auml;sst darauf schlie&szlig;en, dass die heute handelnden Personen sich keine Gedanken dar&uuml;ber machen, welche Wirkung ihre Agitation und ihre Entscheidungen auf die innere Entwicklung Russlands haben.<\/p><\/li>\n<\/ol><p>Dies war eine Erg&auml;nzung der vielen positiven W&uuml;rdigungen des fr&uuml;heren Bundeskanzlers. Und jetzt zu den Schattenseiten und zu notwendigen Korrekturen der &uuml;blichen Einlassungen:<\/p><ol start=\"2\">\n<li><strong>Kanzler der Einheit? Das stimmt nicht einmal als Beantwortung der Frage, wer die Einheit m&ouml;glich gemacht hat.<\/strong>\n<p>Der Abbau der Konfrontation zwischen West und Ost und die deutsche Einheit w&auml;ren ohne die Entspannungspolitik der Regierungen Brandt und Schmidt nicht m&ouml;glich gewesen. Diese Entspannungspolitik wurde gegen die CDU\/CSU eingef&uuml;hrt und von dieser dann im weiteren Verlauf zun&auml;chst nur halbherzig begleitet. <\/p>\n<p>Kanzler Kohl hat sich dann in dieser Funktion um die Vereinigung verdient gemacht, aber hat keineswegs die Grundlagen daf&uuml;r erarbeitet.<\/p><\/li>\n<li><strong>Helmut Kohl hat als Bundeskanzler gravierende Fehlentscheidungen und Fehlentwicklungen beim Prozess der Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu verantworten:<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li>Er hat bl&uuml;hende Landschaften versprochen und damit &uuml;berzogene Erwartungen erweckt.<\/li>\n<li>Um eine wichtige Grundlage der wirtschaftlichen Bl&uuml;te, n&auml;mlich die Erhaltung und Modernisierung der Betriebe der ehemaligen DDR hat er sich nicht ausreichend gek&uuml;mmert. Die Tendenz von westlichen Unternehmen, Betriebe in der DDR platt zu machen, hat er nicht gekontert, im Gegenteil teilweise unterst&uuml;tzt.<\/li>\n<li>Die W&auml;hrungsumstellung mit dem Kurs eine D-Mark f&uuml;r zwei DDR-Mark war f&uuml;r die Betriebe der DDR eine Bedrohung. der Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hatte davor gewarnt: &bdquo;Die Unternehmen in der DDR werden schlagartig einer internationalen Konkurrenz ausgeliefert, der sie gegenw&auml;rtig nicht gewachsen sind.&ldquo; &ndash; Quelle: <a href=\"http:\/\/www.mz-web.de\/22845106\">mz-web<\/a> &copy;2017. Kohl und alle anderen wie Sch&auml;uble, und auch Teile der SPD, die diesen Kurs mitgetragen haben, k&ouml;nnten einwenden, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der DDR auf einem Kurs eins zu eins bestanden haben. Das ist richtig. Aber das &auml;ndert nichts an der Tatsache, dass sogar die Umstellung eins zu zwei eine Katastrophe f&uuml;r die Betriebe der DDR darstellte.<\/li>\n<li>Die Bedrohung f&uuml;r die Lebensf&auml;higkeit von DDR-Betrieben wurde dann zus&auml;tzlich noch dadurch versch&auml;rft, dass die ostdeutschen Banken von der Regierung Kohl an die westdeutschen Banken zu einem subventionierten Preis abgegeben wurden. Sie wurden verscherbelt. Damit war folgendes verbunden: Die auf den Konten der ostdeutschen Banken stehenden Zusch&uuml;sse an DDR Betriebe f&uuml;r deren Investitionen wurden in Forderungen umgewandelt. Damit waren die DDR-Betriebe auf einen Schlag teilweise hoch verschuldet, bei westdeutschen Banken. Die Umwandlung war &uuml;brigens grobes Unrecht: Es war in der DDR &uuml;blich, dass die Betriebe ihre erwirtschafteten Gewinne an den Staat abgegeben haben; daf&uuml;r wurden ihnen dann Zusch&uuml;sse f&uuml;r Investitionen gezahlt. Diese Zusch&uuml;sse waren also keine Kredite des Staates an die Betriebe, sondern eine Art Ausgleich f&uuml;r vorher abgef&uuml;hrte Gewinne. &Uuml;ber diesen Vorgang hat der stellvertretende Chefredakteur des Berliner Tagesspiegel am 1.7.2005 auf der Basis eines unter Verschluss liegenden Gutachtens des Bundesrechnungshofs berichtet. Siehe <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/schulden-ohne-suehne\/620948.html\">hier<\/a>: &bdquo;Schulden ohne S&uuml;hne. 15 Jahre W&auml;hrungsunion: Wie sich westdeutsche Banken auf unsere Kosten an fiktiven DDR-Krediten bereicherten&ldquo; von LORENZ MAROLDT. <\/li>\n<li>Die Geschichte der Treuhand ist keine Erfolgsgeschichte.<\/li>\n<li>Vom Verm&ouml;gen, das von den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern der DDR im Laufe der Jahre von 1945-1990 aufgebaut worden war, ist diesen Menschen mit wenigen Ausnahmen fast nichts geblieben. Das meiste ging an westdeutsche und sonstige westliche Personen, Firmen und sogenannte Investoren.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Die Regierung Kohl hat eine gravierende Fehlentscheidung zu verantworten, die unsere Gesellschaft und das Funktionieren der demokratischen Willensbildung und das Leben von Menschen und Familien gravierend besch&auml;digt hat: die Kommerzialisierung der elektronischen Medien, also von Fernsehen und H&ouml;rfunk, und die &Uuml;berflutung der Menschen mit diesen Programmen.<\/strong>\n<p>Die Entscheidungen daf&uuml;r wurden unmittelbar nach der Regierungs&uuml;bernahme Kohls im Herbst 1982 getroffen. 1984 begannen die ersten kommerziellen Sender. In der Konkurrenz um die Einschaltquoten zwischen kommerziellen Sendern und &ouml;ffentlich-rechtlichen ist dann das eingetreten, was die Kritiker dieser Entscheidung vorhergesagt haben: es gab nicht mehr Vielfalt, sondern mehr Einfalt. Die &ouml;ffentlich-rechtlichen Programme haben sich den kommerziellen angepasst.<\/p>\n<p>Das alles konnte man wissen: Bundeskanzler Helmut Schmidt hat sich bis zum Ende seiner Regierung im September 1982 dagegen gewehrt. Dabei ging es ihm nicht um Verbote oder etwas &auml;hnliches, sondern nur darum, kein &ouml;ffentliches Geld in die Vermehrung der Fernsehprogramme und in ihre Kommerzialisierung zu stecken. Die Regierung Kohl hat das dann massiv getan.<\/p>\n<p>Nachdem dann zehn Jahre sp&auml;ter der Schaden der Kommerzialisierung f&uuml;r unsere Gesellschaft erkennbar war, weinte ein Politiker der CDU\/CSU nach dem anderen Krokodilstr&auml;nen &ndash; G&uuml;nther Oettinger zum Beispiel, der f&uuml;r die Medienpolitik lange Zeit zust&auml;ndige Bernhard Vogel und Ursula von der Leyen, damals Familienministerin. All die beklagten Sch&auml;den konnte man kennen. Helmut Schmidt hat sie in einem Beitrag f&uuml;r die &bdquo;Zeit&ldquo; schon 1978 vorhergesagt. Siehe <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1978\/22\/Plaedoyer-fuer-einen-fernsehfreien-Tag\">hier<\/a>. <\/p>\n<p>Die Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes hat unter meiner Leitung dazu Untersuchungen gemacht und ausf&uuml;hrlich dokumentiert, was auf unsere Gesellschaft und auf das, was wir Demokratie nennen, zukommt. Wer sich f&uuml;r dieses Thema und die Verantwortung der Regierung Kohl f&uuml;r eine gravierende Fehlentscheidung interessiert, findet im Kapitel 21 meines Buches &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=4078\">Meinungsmache<\/a>&ldquo; weitere Informationen: &bdquo;Das Verschwinden der Medien als kritische Instanz&ldquo;.<\/p>\n<p>Unsere Gesellschaft, unsere ohnehin fragile Demokratie und die Familien und Kinder haben unter Kohls Fehlentscheidungen gelitten. Die Kommerzialisierung der elektronischen Medien wirkt bis heute als wirkliche Katastrophe nach. Kohl aber hat von der Kommerzialisierung pers&ouml;nlich und politisch viel profitiert. RTL und Sat eins und Prosieben haben ihn ausgesprochen freundlich behandelt. Einer der Sender hat ihm sogar einen eigenen Sendeplatz einger&auml;umt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Kohl hat den Siegeszug des Neoliberalismus eingeleitet<\/strong> &ndash; zusammen mit Otto Graf Lambsdorff (FDP) und dem CDU-Politiker Hans Tietmeyer.\n<p>Das Lambsdorff Papier vom 9. September 1982 enth&auml;lt wichtige neoliberale Weichenstellungen. Das auch vom CDU-Politiker Hans Tietmeyer inspirierte Papier war eine Art Scheidungsurkunde der FDP f&uuml;r die sozialliberale Koalition. Siehe hier: Konzept f&uuml;r eine Politik zur &Uuml;berwindung der Wachstumsschw&auml;che und zur Bek&auml;mpfung der Arbeitslosigkeit&ldquo;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/lambsdorff_papier_1982.pdf\">vom 9. September 1982 im Original<\/a>.<\/p><\/li>\n<li><strong>In Kohls Zeit als Bundeskanzler begann die Stagnation der Reall&ouml;hne und damit die weitere &Ouml;ffnung der Schere bei der Einkommensverteilung in Deutschland<\/strong>\n<p>Siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/nachschlagen\/zahlen-und-fakten\/soziale-situation-in-deutschland\/61766\/lohnentwicklung\">einen Artikel der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung<\/a>.<\/p>\n<p>\t<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170619-Kohl-01.gif\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170619-Kohl-01-small_.gif\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p>\n<p>Der Niedriglohnsektor hat also nicht mit der Agenda 2010 und mit Gerhard Schr&ouml;der angefangen. Seine Regierung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit f&uuml;r das Absinken der Reall&ouml;hne zwischen 2003 und 2007 verantwortlich. Aber eingeleitet wurde diese Entwicklung vorher. Das hat etwas mit dem n&auml;chsten Punkt zu tun:<\/p><\/li>\n<li><strong>In Helmut Kohls Zeit als Bundeskanzler und in seiner Verantwortung wurde die aktive Besch&auml;ftigungspolitik begraben.<\/strong> Er hat es zum Beispiel zugelassen, dass die Bundesbank 1992 den Leitzins vom ohnehin hohen Satz von 8 % auf 8,75 % erh&ouml;hte. Damit wurde die Konjunktur weiter abgew&uuml;rgt, und damit wurden die Arbeit nachfragenden Menschen, die Lohnabh&auml;ngigen, geschw&auml;cht.\n\t<\/li>\n<li><strong>Kohls Regierung hat wichtige Reformen der sozialliberalen Koalition kassiert.<\/strong> So hatte zum Beispiel die Regierung Schmidt 1975 das gleiche Kindergeld f&uuml;r alle eingef&uuml;hrt und die Kindersteuerfreibetr&auml;ge abgeschafft. Diese wurden dann von der Regierung Kohl zu Beginn der achtziger Jahre wieder eingef&uuml;hrt. Damit sind dem Staat die Kinder von gut Verdienenden wieder mehr wert als die Kinder von Familien mit geringem Einkommen.<\/li>\n<li><strong>Kohl hat als Bundeskanzler die verkorkste Einf&uuml;hrung des Euro und damit auch die Krise in Europa mitzuverantworten<\/strong>\n<p>Die deutsche Bundesregierung h&auml;tte daf&uuml;r sorgen m&uuml;ssen, dass im Euro Raum alles getan wird, damit sich die Wettbewerbsf&auml;higkeit, also die Lohnst&uuml;ckkosten einigerma&szlig;en im Gleichschritt entwickeln. Daf&uuml;r hat sie nicht gesorgt. Die Regierung Kohl hat das Fundament f&uuml;r die unselige Politik der Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse und die Nutzung dieser Entwicklung durch seine Nachfolgerin Angela Merkel und Wolfgang Sch&auml;uble gelegt.<\/p>\n<p>Wenn jetzt behauptet wird, Kohl habe sich besonders um Europa gek&uuml;mmert und verdient gemacht, dann ist das schlicht die Unwahrheit. Kohl ist einer der Hauptverantwortlichen daf&uuml;r, dass es die heutige Bedrohung f&uuml;r die Europ&auml;ische Union gibt. Die Krisen in Griechenland, in Spanien, in Italien haben etwas mit seiner Politik zu tun. Wenn das europ&auml;ische Parlament und die Kommission der EU jetzt Helmut Kohl in einem besonderen Staatsakt ehren wollen, dann ist das zugleich eine Art Ablenkungsman&ouml;ver von der gemeinsam produzierten Schw&auml;che der Europ&auml;ischen Union.<\/p><\/li>\n<li><strong>In der Zeit Helmut Kohls gab es die gr&ouml;&szlig;ten Privatisierungsaktionen.<\/strong> In seiner Zeit wurde die Telekom, die Post und die Energiewirtschaft privatisiert, au&szlig;erdem eine Reihe von anderen Bundesunternehmen wie zum Beispiel die Bundesdruckerei und von Wohnungsbest&auml;nden wie etwa der Eisenbahner-Wohnungen.<\/li>\n<li><strong>Die Spendenaff&auml;re von Kohl und seiner Partei ist kein Kavaliersdelikt. Es war ein gravierender Anschlag auf das Vertrauen in demokratische Verh&auml;ltnisse.<\/strong> Deshalb m&uuml;sste man eigentlich &uuml;berhaupt infrage stellen, ob es f&uuml;r einen Bundeskanzler, der wichtige Informationen &uuml;ber die Zuwendung von Millionen an seine Partei mit ins Grab genommen hat, einen Staatsakt verdient.<\/li>\n<li><strong>Helmut Kohl hat sich offensichtlich nicht erfolgreich darum bem&uuml;ht, mit den Vertr&auml;gen zur deutschen Einheit zugleich zu regeln, dass die Sonderrechte der Alliierten in Deutschland beendet oder jedenfalls so abgemildert werden, dass man von einem souver&auml;nen Land sprechen kann.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Er hat in den neunziger Jahren nichts unternommen, um die NATO abzubauen und daf&uuml;r zu sorgen, dass sie nicht vom Verteidigungsb&uuml;ndnis zum milit&auml;rischen Interventionsb&uuml;ndnis umgebaut wird.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Helmut Kohl hat das Interesse seiner Partei allzu oft mit dem Interesse des Staates gleichgesetzt.<\/strong> Dazu gab es einen recht guten Kommentar von Kurt Beck. Er berichtet von seinen Erfahrungen, als Scharping und er Ministerpr&auml;sidenten von Rheinland-Pfalz waren. Siehe hier:<br>\n\t<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170619-Kohl-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170619-Kohl-02-small_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a>\n\t<\/li>\n<\/ol><p><strong>Damit beende ich die Liste der kritischen Anmerkungen zum Wirken von Helmut Kohl als Bundeskanzler. Mit Sicherheit gibt es weitere Anmerkungen zu machen. Die obige Liste enth&auml;lt jedoch so viele gravierende Einw&auml;nde, dass die Verantwortlichen, die sich ja auch um den Ruf unserer Demokratie und unseres Landes zu k&uuml;mmern haben, noch einmal &uuml;berlegen sollten, ob sie die Kohlfeiern wie begonnen weitertreiben.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"margin: 0 0 15px 15px; float: right;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/autor_mueller-1.jpg\" width=\"100px\" alt=\"Albrecht M&uuml;ller\" title=\"Albrecht M&uuml;ller\"\/><\/div>\n<p>Helmut Kohl wird gefeiert. Er wird als Kanzler der Einheit und sogar als der bisher &uuml;berragende Bundeskanzler hochgejubelt. Jetzt soll es sogar zum ersten Mal und einzigartig einen europ&auml;ischen Staatsakt f&uuml;r ihn geben. Eines der Ziele dieser Jubelei ist offenkundig: die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38807\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,198,11],"tags":[329,1302,1543,2013,499,295,1151,296,319,747,466,1475,1588,259,399,297,276,291],"class_list":["post-38807","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-strategien-der-meinungsmache","tag-brandt-willy","tag-daseinsvorsorge","tag-deutsche-einheit","tag-entspannungspolitik","tag-handelsbilanz","tag-kohl-helmut","tag-konjunkturpolitik","tag-lambsdorff-otto-graf","tag-lohnentwicklung","tag-nachruf","tag-nato","tag-parteispenden","tag-private-medien","tag-russland","tag-schmidt-helmut","tag-tietmeyer-hans","tag-treuhand","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38807","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38807"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38807\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38822,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38807\/revisions\/38822"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}