{"id":3887,"date":"2009-04-14T09:01:05","date_gmt":"2009-04-14T07:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3887"},"modified":"2014-01-28T15:29:19","modified_gmt":"2014-01-28T14:29:19","slug":"steinbruecks-osterhasen-fuer-seine-freunde-finanzkrise-teil-xiii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3887","title":{"rendered":"Steinbr\u00fccks Osterhasen f\u00fcr seine Freunde (Finanzkrise Teil XIII)"},"content":{"rendered":"<p>Man mag den Bundesfinanzminister Steinbr&uuml;ck f&uuml;r einen makro&ouml;konomischen Versager halten (mit Recht), man mag ihn f&uuml;r jemanden halten, der mit der Finanzwirtschaft aufs engste verflochten ist (mit Recht) und ihr seit Amtsantritt im Jahr 2005 wesentliche Vorteile verschafft hat. Einige F&auml;higkeiten kann man ihm aber wahrlich nicht absprechen: die clevere Pr&auml;gung des eigenen Images und eine insgesamt geschickte &Ouml;ffentlichkeitsarbeit. So hat er jetzt die Osterfeiertage abgewartet, um zwei h&ouml;chst fragw&uuml;rdige Entscheidungen unter die ver&ouml;ffentlichte Meinung zu bringen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Das gro&szlig;z&uuml;gige Angebot an die Aktion&auml;re der HRE <\/strong><br>\nAm Gr&uuml;ndonnerstag unterbreitete der Soffin den Aktion&auml;ren der HypoRealEstate das Angebot, 1,39 &euro; je Aktie zu zahlen. Das w&auml;ren insgesamt 290.000.000 &euro; (= 290 Millionen) f&uuml;r die Aktien eines Unternehmens, das nichts mehr wert ist und bisher nur mit einem gewaltigen Rettungsschirm von schon &uuml;ber 100.000.000.000 &euro; (= 100 Milliarden &euro;) aus Steuergeldern vor dem Untergang bewahrt worden ist. Am 9. M&auml;rz, so berichtet Focus Online (siehe Anlage 1),  lag der Preis pro Aktie dank der investierten &ouml;ffentlichen Gelder bei 0,62 &euro;. Wer damals einstieg, macht dank des gro&szlig;z&uuml;gigen Angebots einen Gewinn von 124 %. Den Altaktion&auml;ren wird praktisch alles geschenkt.\n<p>Der weitaus gr&ouml;&szlig;ere Skandal ist die von der Bundesregierung betriebene Rettung der HRE. Man h&auml;tte sie durchaus retten k&ouml;nnen, allerdings bei Aufteilung der Bank in eine Bank mit reellen Gesch&auml;ften und in eine solche mit Spekulationsgesch&auml;ften (ich verweise auf einen <a href=\"?p=3761\">Vorschlag des US-amerikanischen Professors Jamie Galbraith, &uuml;ber den wir berichtet hatten<\/a>).<\/p>\n<p>Der spekulative Teil der HRE verdient keine Rettung. Diese Rettung wie auch schon jene der IKB hat eher die Folge, dass die Spekulation belohnt wird und die Spekulationen weitergehen wie bisher. Das konnten wir in der vergangenen Woche zum Beispiel auf den Aktienm&auml;rkten studieren, hier bei uns, wie in den USA. SpiegelOnline hat darauf am 13. April aufmerksam gemacht (siehe Anlage 2). <\/p>\n<p>Focus fragt, wie wir in den NachDenkSeiten dies schon seit l&auml;ngerem tun, wer eigentlich von der Rettung der HRE profitiert.<em> &bdquo;Welche Kunden hat die Bank? Wo genau liegen die Risiken? Alles muss auf den Tisch.&ldquo;<\/em> So ist es.<\/p>\n<p>Steinbr&uuml;ck versucht, eine kritische &Ouml;ffentlichkeit dadurch zu vermeiden, dass er gemeinsam mit dem SoFFin die Aktion in die Osterpause verlegt hat.<br>\nDas gleiche gilt f&uuml;r das zweite, dreiste St&uuml;ck:\n<\/p><\/li>\n<li><strong>&bdquo;Steinbr&uuml;ck will f&uuml;r Bad Banks b&uuml;rgen&ldquo; <\/strong><br>\nUnter dieser &Uuml;berschrift berichtet Spiegel Online (siehe Anlage 3) &uuml;ber die mit der Bundeskanzlerin abgekl&auml;rte Absicht des Bundesfinanzministers, f&uuml;r die Risiken von Bad Banks der einzelnen Banken zu b&uuml;rgen. Nach dem Vorschlag von Steinbr&uuml;ck soll jede Bank ihre faulen Papiere auf eine eigene Bad Bank auslagern. &bdquo;Sollten die Papiere am Ende der Laufzeit weniger wert sein als in den B&uuml;chern steht, tr&auml;gt der Soffin den Verlust&ldquo;, hei&szlig;t es bei SpiegelOnline. \n<p>Auch das ist ein Riesenskandal. Dieser wird von Merkel nach dem hier zitierten Bericht auf eine wirklich drollige Weise verkauft. Es wird daran erinnert, dass die Bundeskanzlerin sich vor einigen Tagen f&uuml;r eine &bdquo;faire Lastenteilung&ldquo; bei der Entsorgung giftiger Wertpapiere ausgesprochen habe.<\/p>\n<p>Sie m&uuml;ssen sich diese Formulierung auf der Zunge zergehen lassen: Wenn wir als Steuerzahler die faulen Papiere der Banken &uuml;bernehmen, dann ist das eine &bdquo;faire Lastenteilung&ldquo;.<\/p>\n<p>Warum f&uuml;hren Frau Merkel und Herr Steinbr&uuml;ck diese Regel nicht auch bei normalen Betrieben und bei Privatschuldnern ein? Warum sollte ein Betrieb, dessen Auftragseing&auml;nge wegen des makro&ouml;konomischen Versagens der Bundesregierung in Kombination mit der Weltwirtschaftskrise sich halbiert haben und der deshalb in die roten Zahlen ger&auml;t, nicht auch eine &bdquo;faire Lastenteilung&ldquo; verlangen? Steinbr&uuml;ck und damit wir als Steuerzahler &uuml;bernehmen die H&auml;lfte der roten Zahlen. Warum sollten wir dies bei wertsch&ouml;pfenden Unternehmen nicht tun, wenn wir es bei Spekulanten tun?<\/p>\n<p>Warum sollten wir die &bdquo;faire Lastenteilung&ldquo; nicht auch bei Privatschuldnern einf&uuml;hren? Viele Menschen sind total &uuml;berschuldet und wissen nicht mehr ein noch aus. Also f&uuml;hren wir eine &bdquo;faire Lastenteilung&ldquo; ein. Warum eigentlich nicht? Die Privatschulden der meisten Menschen sind auf sehr viel anst&auml;ndigere Weise zustande gekommen als die faulen Forderungen in den Bilanzen unserer Banken und Versicherungen.<\/p>\n<p><strong>Warum werden die Finanzinstitute so bevorzugt? <\/strong><br>\nWeil unsere F&uuml;hrungspersonen von Steinbr&uuml;ck bis Merkel und von Asmussen &uuml;ber Merz bis Kauder eng mit ihnen verbunden sind. Ein bunter Zirkel von ehemaligen Managern und ehemaligen und aktiven Politikern ist mit der internationalen Finanzindustrie verbunden. Das haben wir schon ausf&uuml;hrlich beschrieben.<\/p>\n<p>Bitte sprechen Sie mit Unternehmern &uuml;ber diese Einseitigkeit. Die Werte sch&ouml;pfenden Unternehmer und der Mittelstand sollten endlich aufh&ouml;ren, Politikerinnen und Politiker zu unterst&uuml;tzen, die ihnen sch&ouml;ne Worte machen, tats&auml;chlich aber auf Kosten der Allgemeinheit die international t&auml;tigen Spekulanten und Kettenspieler unterst&uuml;tzen.<\/p>\n<p>Interessant ist im Kontext auch noch der Kommentar von Robert Heusinger in der Frankfurter Rundschau. Siehe Anlage 4.<\/p>\n<p>Ebenfalls interessant ist das Foto von Steinbr&uuml;ck in Anlage 3. Es zeigt wieder die &uuml;bliche Entschlossenheit, aber darauf ist zus&auml;tzlich die Quelle des Fotos zu sehen. Sie lautet: &bdquo;Getty Images&ldquo;.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Anlage 1:<\/strong><br>\n<strong>Pannen, Patzer, Peinlichkeiten<\/strong><br>\nHypo Real Estate pervers: Zocker sahnen mit der Aktie in vier Wochen 100 Prozent Gewinn ab. Es zahlt der Steuerzahler. Wie lange halten die Deutschen noch still? Der Finanzminister markiert den starken Mann &ndash; doch in Wahrheit kaschiert das zur Schau gestellte Selbstbewusstsein eine Melange aus Pannen, Patzern, Peinlichkeiten. Noch im September 2008 polterte Steinbr&uuml;ck im Bundestag, die Finanzkrise sei ein amerikanisches Problem. Wenige Tage sp&auml;ter schn&uuml;rte er &uuml;ber Nacht das erste milliardenschwere Rettungspaket f&uuml;r die Hypo Real Estate. Eine Woche danach war klar: Das Geld reicht nicht. Die Retter mussten noch mal ran &ndash; sie hatten die Probleme offenbar nicht durchschaut.<\/p><p>Die Sprechblasen des Finanzministers Steinbr&uuml;ck verlegte sich auf Platit&uuml;den: Die Bank sei systemrelevant, sie d&uuml;rfe nicht pleite gehen. Ansonsten drohe, wie beim Dominospiel, eine Bank nach der anderen zu kippen. Den Beleg daf&uuml;r blieb der Finanzminister schuldig. Ebenso wie f&uuml;r die Aussage, der sichere deutsche Pfandbrief nehme Schaden, wenn die Hypo Real Estate falle. Es h&auml;uften sich die Fragezeichen: Hatten die Beamten im Ministerium fr&uuml;he Warnzeichen bei der Hypo Real Estate schlicht ignoriert? Welche Gesch&auml;ftspartner der Bank galt es zu sch&uuml;tzen?<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/boerse\/aktien\/hypo-real-estate-pannen-patzer-peinlichkeiten_aid_388687.html\">Focus-online<\/a><\/p><p><strong>Anlage 2:<\/strong><br>\n<strong>US-Aktienm&auml;rkte: Riskante Rallye verunsichert B&ouml;rsenexperten<\/strong><br>\nDie US-B&ouml;rsen erleben einen Kursboom wie seit Monaten nicht mehr &ndash; trotzdem warnen Analysten vor Optimismus: Die Finanzkrise sei noch lange nicht &uuml;berstanden. Klarheit k&ouml;nnten die kommenden Tage bringen, wenn mehrere Gro&szlig;banken ihre Quartalszahlen vorlegen.<\/p><p>New York &ndash; Zur Feier des Tages wagte sich TV-B&ouml;rsenguru Jim Cramer dorthin, wo ihn viele hassen: an die B&ouml;rse. Mit breitem Grinsen stand der streitbare Show-Star des US-Wirtschaftssenders CNBC vorigen Mittwoch auf dem Marmorbalkon &uuml;ber dem Parkett der New York Stock Exchange (NYSE) und dr&uuml;ckte die Glocke zur Er&ouml;ffnung des Handels. Anlass: die 1000. Ausgabe seiner Sendung &ldquo;Mad Money&rdquo;.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,druck-618617,00.html\">Spiegel online<\/a><\/p><p><strong>Anlage 3:<\/strong><br>\n<strong>Steinbr&uuml;ck will f&uuml;r Bad Banks b&uuml;rgen<\/strong><br>\nDeutschlands Banken sollen ihre faulen Wertpapiere in eigene Bad Banks ausgliedern. Nach SPIEGEL-Informationen will Finanzminister Steinbr&uuml;ck daf&uuml;r staatliche B&uuml;rgschaften bereitstellen. Es geht um 200 Milliarden Euro.<\/p><p>Hamburg &ndash; Finanzminister Peer Steinbr&uuml;ck (SPD) will angeschlagene Banken nun doch mit Hilfe von Staatsgeld von ihren faulen Wertpapieren befreien. Dazu wird nach SPIEGEL-Informationen der Sonderfonds Finanzmarkstabilisierung (Soffin) 200 Milliarden Euro aus seinem B&uuml;rgschaftsprogramm bereitstellen.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/steinbrueck.jpg\" alt=\"Steinbrueck\"><\/p><div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p class=\"reference\">Getty Images<\/p><p><strong>Finanzminister Steinbr&uuml;ck: Besondere Bilanzregeln f&uuml;r Bad Banks<\/strong><br>\nDem Plan zufolge soll jedes betroffene Kreditinstitut seine wertgeminderten Anlagen in eine eigene Bad Bank ausgliedern. Die verbleibenden Teile der Bank brauchen so keine Abschreibungen und daraus resultierende Verluste mehr zu f&uuml;rchten; sie k&ouml;nnten sich wieder der Kreditvergabe widmen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,druck-618512,00.html\">Spiegel online<\/a><\/p><p><strong>Anlage 4:<\/strong><br>\n<strong>Analyse : Lehrst&uuml;ck HRE-Bank \/ Robert von Heusinger<\/strong><br>\nDie Regierung muss die Steuerzahler und ihre Interessen endlich an die erste Stelle setzen, damit sie in Zukunft nicht mehr die Dummen sind.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/meinung\/kommentare\/1717708_Analyse-Lehrstueck-HRE-Bank.html\">FR<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man mag den Bundesfinanzminister Steinbr&uuml;ck f&uuml;r einen makro&ouml;konomischen Versager halten (mit Recht), man mag ihn f&uuml;r jemanden halten, der mit der Finanzwirtschaft aufs engste verflochten ist (mit Recht) und ihr seit Amtsantritt im Jahr 2005 wesentliche Vorteile verschafft hat. Einige F&auml;higkeiten kann man ihm aber wahrlich nicht absprechen: die clevere Pr&auml;gung des eigenen Images und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3887\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,85],"tags":[223,241,225,591,253,592],"class_list":["post-3887","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-pr","tag-bad-bank","tag-bankenrettung","tag-hre","tag-soffin","tag-steinbrueck-peer","tag-trennbanken"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3887","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3887"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3887\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20416,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3887\/revisions\/20416"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3887"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3887"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3887"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}