{"id":3896,"date":"2009-04-19T12:21:15","date_gmt":"2009-04-19T10:21:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3896"},"modified":"2014-11-26T16:56:12","modified_gmt":"2014-11-26T15:56:12","slug":"das-wissenschaftliche-insm-regionalranking-nicht-mehr-als-eine-eigenwerbung-fuer-die-initiative-neue-soziale-marktwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3896","title":{"rendered":"Das \u201ewissenschaftliche\u201c INSM-Regionalranking \u2013 Nicht mehr als eine Eigenwerbung f\u00fcr die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>In nahezu jedem Medium und vor allem in den Regionalteilen der Zeitungen werden derzeit die Ergebnisse des INSM-Regionalranking ausgiebig zitiert. Der Rang der jeweiligen Region und die Platzierungen bei den einzelnen Indikatoren die in das Ranking eingegangen sind, werden zum Anlass genommen, ausf&uuml;hrlich &uuml;ber St&auml;rken und Schw&auml;chen von Landkreisen und St&auml;dten im gesamten Bundesgebiet zu berichten, und um &ouml;rtliche Politiker, die Industrie- und Handelskammern oder sonstige Prominenz um Stellungnahmen zu bitten. Die im Ranking gut Platzierten jubeln, die schlecht Platzierten beklagen ihren Rangplatz. &bdquo;M&uuml;nchen ist Top &ndash; Mecklenburg Vorpommer Flop&ldquo;, &bdquo;Taunus vorne, Kassel hinten&ldquo;, &bdquo;Sachsen weit hinten&ldquo; oder &bdquo;K&ouml;ln st&uuml;rzt 80 Pl&auml;tze ab!&ldquo;, so lauten die Schlagzeilen. Was soll das INSM-Regionalranking? Welche Absicht steckt dahinter? Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Was sind Rankings?<\/strong><br>\nRankings sind in den Wirtschaftswissenschaften, meist zwar aufw&auml;ndige, aber vom theoretischen Anspruch her ziemlich schlichte Verfahren: n&auml;mlich die Bildung einer Rangfolge aufgrund von meist vom Computer miteinander verglichenen statistischen Daten. Man nehme &ndash; um den Eindruck von (umfassender) Wissenschaftlichkeit zu erwecken &ndash; m&ouml;glichst viele Indikatoren, d.h. &ouml;konometrische Daten, man gewichte dann diese Daten nach einer gewissen Plausibilit&auml;t oder nach der Einsch&auml;tzungen von ausgew&auml;hlten Experten und erstelle daraus einen Gesamtindex. Und um das trockene Zahlenwerk f&uuml;r den Leser spannend zu machen, bilde man eine Rangliste. <\/p><p>Eine solche Rangliste ist jedoch bestenfalls ein Spiegelbild der ausgew&auml;hlten Indikatoren und ihrer (bewertenden) Gewichtung. W&auml;hlte man z.B in dem INSM-Regional-Ranking andere Indikatoren, also etwa Umweltbelastungen, den Fl&auml;chenverbrauch oder gar die Anzahl der Tage mit Sonnenschein oder w&auml;hlte man statt Wirtschaftsf&ouml;rderern andere Experten (also etwa Kulturfachleute oder Vertreter sozialer Organisationen) so k&ouml;nnte eine solche Rangliste selbst mit den gleichen Indikatoren aufgrund einer anderen Gewichtung v&ouml;llig anders aussehen. Alle diese Rechenmodelle verarbeiten nur solche Daten, mit denen sie gef&uuml;ttert werden. Es gilt der alte Computer-Spruch: Gibt man Mist rein, kommt Mist raus.<br>\nSchon bei der Auswahl der Indikatoren, haben  also die &bdquo;Ranker&ldquo; ein bestimmtes Erkenntnisziel vor Augen, wenn sie nicht gar schon eine Vermutung &uuml;ber das gew&uuml;nschte Ergebnis haben.<br>\nDas Mindeste was man von einem Ranking erwarten m&uuml;sste, ist eine theoriebasierte oder wenigstens in seiner Zielrichtung ausgewiesene Auswahl der Indikatoren. Einfacher gesagt: Welches Ziel verfolgt man bei der Auswahl der Indikatoren?<\/p><p>Die meisten der vom INSM-Regionalranking als Indikatoren genutzten Daten sind in statistischen &Auml;mtern, bei der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, in den Berichten von Banken oder z.B. aus der Kriminalit&auml;tsstatistik von den Landes- oder von den Bundeskriminal&auml;mtern abrufbar und jedenfalls Fachleuten l&auml;ngst bekannt.<br>\nDas &bdquo;Neue&ldquo; an diesem Ranking ist, dass diese bekannten Daten in einen Zusammenhang gestellt werden, eine Rangfolge gebildet wird, um aus gewichteten quantitativen Angaben dann eine qualitative Aussage &uuml;ber einen Standort oder eine Region abzuleiten. <\/p><p>Das eigentliche Ziel des Rankings ist, aus den so ermittelten &bdquo;St&auml;rken&ldquo; und &bdquo;Schw&auml;chen&ldquo; &bdquo;Handlungsalternativen abzuleiten&ldquo;, die eine &bdquo;Statusverbesserung&ldquo; f&uuml;r die jeweils schlecht &bdquo;gerankten&ldquo; m&ouml;glich machen sollen.<br>\nFairerweise muss man sagen, dass sich die  Wissenschaftler der IW Consult GmbH in ihrem &bdquo;Endbericht&ldquo; mit solchen Empfehlungen auffallend zur&uuml;ckhalten.<\/p><p>Man kann nun nicht bestreiten, dass die Daten im Einzelnen eine spezifische Aussagekraft besitzen. So kann man etwa sicher davon ausgehen, dass Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit eben Arbeitsmarktprobleme haben oder dass dort, wo h&ouml;here Einkommenssteuern bezahlt werden, die Menschen ein h&ouml;heres Einkommen haben.<br>\nProblematisch werden solche Rankings, wenn aus den dort zugrunde gelegten Quantit&auml;ten auf Qualit&auml;ten geschlossen wird. Also wenn daraus ein Urteil &uuml;ber &bdquo;gut&ldquo; oder &bdquo;schlecht&ldquo; und &uuml;ber die Ursachen oder gar &uuml;ber die Verantwortlichkeit f&uuml;r eine bessere oder schlechtere Platzierung abgeleitet wird. <\/p><p><strong>Das Regionalranking ist ein Standortranking aus der Sicht der Wirtschaft<\/strong><\/p><p>Das Regionalranking, mit dem sich die arbeitgeberfinanzierte &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; (INSM) schm&uuml;ckt, ist eine Auftragsarbeit ihres wissenschaftlichen Schreibtisches, dem arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), bzw. dessen Consult GmbH. &bdquo;Die Arbeiten erfolgen h&auml;ufig in enger Kooperation mit den wissenschaftlichen Fachabteilungen der Muttergesellschaft der IW Consult, dem Institut der deutschen Wirtschaft&ldquo;, hei&szlig;t es auf <a href=\"http:\/\/www.insm-regionalranking.de\/files\/2009_endbericht.pdf\">S. 2 des Endberichts [PDF &ndash; 2.3 MB]<\/a>.<\/p><p>&Uuml;ber die Auswahl der Indikatoren erf&auml;hrt man in diesem Endbericht nicht viel, sie werden einfach aufgelistet. Es sei lediglich versucht worden, &bdquo;Indikatoren zu finden, die mit den Zielvariablen in Zusammenhang stehen, d.h. m&ouml;glichst hoch korrelieren&ldquo;. Die Indikatoren reichen von der Kaufkraft, dem verf&uuml;gbaren Einkommen, der Einkommensteuerkraft, &uuml;ber die Arbeitslosenquote, das Bruttoinlandsprodukt, die Gr&uuml;ndungsintensit&auml;t, der Zahl der Arbeitslosengeld-II-Empf&auml;nger, dem Demografie-Index, den Straftaten je 100.000 Einwohner, den Schulden der &ouml;ffentlichen Haushalte, den Arbeitskosten (!) je Arbeitnehmer, den Gewerbsteuerhebes&auml;tzen, der PKW-Fahrzeit zur n&auml;chsten Autobahn bis hin zu den Schulabg&auml;ngern ohne Hauptschulabschluss oder die Kita-Betreuungsquote.<\/p><p>Es ist unschwer zu erkennen, dass hier &uuml;berwiegend Indikatoren herangezogen wurden, die als harte oder weiche Standortfaktoren etwa f&uuml;r einen Investor von Bedeutung sein m&ouml;gen oder aus Sicht eines Unternehmers eine Rolle bei der Auswahl eines Unternehmensstandortes spielen k&ouml;nnten. Es ist insofern auch nur konsequent, dass zur Gewichtung der Daten die jeweiligen Wirtschaftsf&ouml;rdergesellschaften als Experten herangezogen wurden.<br>\nDie St&auml;rken und Schw&auml;chen oder die Entwicklungspotentiale der jeweiligen Regionen geben also keineswegs ein umfassendes Bild, sondern bilden die Attraktivit&auml;t aus einem bestimmten  Blinkwinkel, n&auml;mlich dem der Wirtschaft ab.<br>\nDagegen w&auml;re nichts zu sagen, wenn das auch offen so gesagt w&uuml;rde.<br>\nDas IW-Consult-Ranking erhebt jedoch den Anspruch &bdquo;ein relativ genaues Bild von der derzeitigen Lage zu zeichnen&ldquo; (S. 4) Und mit diesem verallgemeinernden Anspruch &ndash; wie er jedenfalls von der INSM &ouml;ffentlich dargestellt wird &ndash; beginnt der manipulative Umgang mit diesem Ranking. <\/p><p>Daf&uuml;r nur ein Beispiel: Zum Indikator Arbeitskosten hei&szlig;t es bei der INSM in der Rubrik <a href=\"http:\/\/www.insm-regionalranking.de\/2009_faq.html\">&bdquo;H&auml;ufige Fragen&ldquo;<\/a>: &bdquo;Die Arbeitskosten geh&ouml;ren zur Indikatorengruppe Standort und sind somit als Standortfaktor f&uuml;r Unternehmer relevant. Niedrige Arbeitskosten k&ouml;nnen f&uuml;r Unternehmen ein Anreiz sein, an diesem Standort zu investieren.&ldquo;<\/p><p>Aus der Sicht eines Arbeitnehmers oder aus einer makro&ouml;konomischen Betrachtung haben die &bdquo;Arbeitskosten&ldquo; aber auch einen ganz anderen Stellenwert, als f&uuml;r einen Unternehmer. F&uuml;r den Unternehmer sind die L&ouml;hne eben ein die Gewinne schm&auml;lernder Kostenfaktor, f&uuml;r den Arbeitnehmer sind hohe L&ouml;hne ein Gewinn f&uuml;r seinen Lebensstandard. Gesamtwirtschaftlich betrachtet, bedeuten hohe L&ouml;hne eine hohe Kaufkraft und damit ein hohes Nachfragepotential. <\/p><p><strong>Wozu l&auml;sst die INSM Rankings erstellen?<\/strong><\/p><p>In der &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Studie wird einschr&auml;nkend und korrekt darauf hingewiesen, dass etwa die &ouml;konometrischen Sch&auml;tzungen &bdquo;lediglich der Orientierung&ldquo; dienen sollen und &bdquo;nicht der Anspruch erhoben (wird), Wirkungszusammenh&auml;nge zu erkl&auml;ren&ldquo;. <\/p><p>Was mag eine Inititative die  &bdquo;seit dem Jahr 2000 f&uuml;r marktwirtschaftliche Reformen in Deutschland arbeitet&ldquo; und die sich als &bdquo;die Stimme der &ouml;konomischen Vernunft in der Reformdebatte&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/ueber-die-insm.html\">betrachtet<\/a> veranlassen unter ihrem Namen ein solches Ranking zu ver&ouml;ffentlichen, das keine Wirkungszusammenh&auml;nge erkl&auml;ren kann und somit kaum etwas zum selbst gesteckten Auftrag der &bdquo;marktwirtschaftlichen Erneuerung unseres Wirtschafs- und Sozialsystems&ldquo; beitragen kann? <\/p><p>Die INSM ist eine vom Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie mit knapp 9 Millionen im Jahr und insgesamt mit 100 Millionen Euro finanzierte Public Relationsorganisation. Die Initiative bezeichnet sich selbst als &ldquo;kommunikativer Think Tank&ldquo;. Sie braucht neben Kampagnen, Veranstaltungen und Anzeigen vor allem auch &bdquo;Events&ldquo; um ins &ouml;ffentliche Gespr&auml;ch zu kommen. Und dazu sind sog. &bdquo;wissenschftliche&ldquo; Studien ein geeignetes Mittel.<\/p><p>So macht das auch die Bertelsmann Stiftung mit ihren Standort- oder ihren Hochschulrankings, so machen das die OECD oder andere Lobbyorganisationen. Gerade Rankings sind ein hervorragendes Transportmittel in die ver&ouml;ffentlichte Meinung. Die jeweiligen Platzierungen erregen die Neugier der Medien und der jeweils in einer &bdquo;gerankten&ldquo; Institution (z.B. einer Hochschule) T&auml;tigen oder &ndash; bei einem Regionalranking &ndash; der in einer Region Ans&auml;ssigen. Man kann darauf bauen, dass die &uuml;berregionalen Leitmedien die Gesamttabelle und die Schlagzeilen transportieren und die regionalen Medien bekommen Futter, um interessante Daten &uuml;ber das jeweilige Verbreitungsgebiet abzudrucken. Und nat&uuml;rlich werden dazu die &ouml;rtlichen Politiker, die Kammern und Interessenvertreter um Stellungnahmen zum guten oder schlechten Abschneiden gebeten. Wie bei einer Fu&szlig;balltabelle oder den Rangpl&auml;tzen bei einem sportlichen Wettstreit wird mit Rankings die Lust am Wettbewerb und am Vergleichen angesprochen.<br>\nMan braucht nur einmal bei der Google-News-Suche das Suchwort &bdquo;INSM Regional-Ranking&ldquo; einzugeben, dann findet man belegt, dass dar&uuml;ber bundesweit berichtet und von regionalen Repr&auml;sentanten diskutiert wird. Und die Bild-Zeitung ist nat&uuml;rlich als Multiplikator <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/regional\/leipzig\/dpa\/2009\/04\/16\/regionenranking-sachsen-weit-hinten.html\">immer vorne weg<\/a>.  <\/p><p>Die INSM hat sich mit diesem Ranking also wieder einmal fl&auml;chendeckend ins Gespr&auml;ch gebracht und das mit einer von den Medien als h&ouml;chst verdienstvoll behandelten &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; (also vermeintlich neutralen) Studie.<\/p><p>Die INSM wird zwar in letzter Zeit in manchen Medien immerhin mit dem Adjektiv &bdquo;arbeitgeberfinanziert&ldquo; oder &bdquo;arbeitgebernah&ldquo; versehen, aber ansonsten &uuml;bernimmt die  Medienberichterstattung weitgehend die INSM-Perspektive und macht deren strategische Funktion f&uuml;r die Arbeitgeberverb&auml;nde nicht oder nur unzureichend transparent. (So eine <a href=\"http:\/\/www.lobbycontrol.de\/blog\/index.php\/2006\/04\/berichterstattung-uber-die-insm-unkritisch-und-nicht-transparent\/\">Untersuchung der Universit&auml;t M&uuml;nster<\/a>).<\/p><p><strong>Welche Ziele verfolgt die INSM mit solchen Rankings?<\/strong><\/p><p>Die INSM versteht sich als &bdquo;Reformportal&ldquo;, ihr zentrales Thema ist die <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/Themen.html\">&bdquo;Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft&ldquo;<\/a>. Tats&auml;chlich handelt es sich um eine <a href=\"?p=412\">&bdquo;PR-Maschine zur Bekehrung der deutschen W&auml;hler&ldquo;<\/a> (Harald Schumann, Tagesspiegel v. 23.10.2004) oder wie Markus Grill schon im Stern v. 17. 10. 2003 schrieb, eine Kampagnenorganisation zur <a href=\"?p=130\">&bdquo;Revolution von oben&ldquo;<\/a>. Die INSM ist eine der wenigen Organisationen die sich ganz offen <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/Presse\/Presseresonanz\/INSM-Botschafter-Michael-Huether-Wer-hat-Angst-vor-den-Neoliberalen.html\">zum Neoliberalismus bekennt<\/a>. Sie ist immer vorne mit dabei, wenn es gegen K&uuml;ndigungsschutz, gegen h&ouml;here L&ouml;hne oder gegen &bdquo;Lohnzusatzkosten&ldquo; geht, oder wenn es darum geht &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; und das hei&szlig;t die Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme, Studiengeb&uuml;hren oder Steuersenkungen voranzutreiben, um den Staat auf seine <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/Themen.html\">&bdquo;Kernaufgaben&ldquo;<\/a> zu beschr&auml;nken. Die INSM war und ist ein omnipr&auml;senter Lautsprecher f&uuml;r &bdquo;tiefgreifende&ldquo; oder &bdquo;umfassende Reformen&ldquo; und eine <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/-ABLAGE-\/Services\/Suche.html?queryStr=Reformen\">st&auml;ndige Erh&ouml;hung der neoliberalen Reformdosis<\/a>. (Wenn Sie mehr &uuml;ber die Struktur und die Aktivit&auml;ten der INSM erfahren wollen, dann geben Sie doch einfach bei Google, die beiden Suchbegriffe <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?hl=de&amp;q=INSM+NachDenkSeiten&amp;btnG=Google-Suche&amp;meta=&amp;aq=f&amp;oq=\">INSM und Nachdenkseiten<\/a> ein. Sie werden &uuml;ber die F&uuml;lle der Fakten &uuml;berrascht sein.)<\/p><p>Elementare Dogmen der INSM sind: der Markt ist besser als der Staat und Wettbewerb ist das optimale Steuerungsinstrument f&uuml;r alle gesellschaftlichen Bereiche: <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/ueber-die-insm\/Leitbild-der-INSM.html\">&bdquo;Die Initiative h&auml;lt die konsequente und konsistente wettbewerbliche Ausrichtung unserer Wirtschafts- und Sozialordnung f&uuml;r erforderlich&ldquo;<\/a>.  <\/p><p>Zu dieser Wettbewerbsideologie passen Rankings vortrefflich. Sie sollen &uuml;berall dort, wo kein Markt oder keine unmittelbare Konkurrenz auf einem Markt existiert einen Wettbewerb fingieren oder inszenieren &ndash; beim Regionalranking eben den Wettbewerb zwischen den Regionen.<\/p><p>Bei dem Regionalranking geht es der INSM nicht so sehr um die (mehr oder weniger sinnvolle) Zusammenstellung von (bekannten) Daten einer bestimmten Region und damit um eine M&ouml;glichkeit zur Selbsteinsch&auml;tzung, sondern durch die Rangfolge und den Vergleich der Indikatoren soll vor allem ein Konformit&auml;ts- und Anpassungsdruck der schlechter &bdquo;gerankten&ldquo; Regionen an die &bdquo;Gewinner&ldquo; ausge&uuml;bt werden. Wer im Ranking am besten abschneidet, soll nach den Vorstellungen ihrer Veranstalter die Qualit&auml;tsma&szlig;st&auml;be vorgeben. &bdquo;Finden Sie heraus, wo ihr Landkreis oder ihre Stadt punkten kann und wo nicht&ldquo;, hei&szlig;t es auf der Website der INSM so sch&ouml;n. Es sollen also &bdquo;Handlungsalternativen&ldquo; abgeleitet werden, &bdquo;die eine Statusverbesserung m&ouml;glich machen&ldquo;.<br>\nDen &bdquo;schlechten Ergebnissen kann sich keines dieser L&auml;nder entziehen&ldquo;, hei&szlig;t es lapidar.<\/p><p>Wenn also Kreise und St&auml;dte aus Bayern, Baden-W&uuml;rttemberg und Hessen ausnahmslos die  Top 25 bilden, so soll damit gleichzeitig kommuniziert werden, dass dort eine vorbildliche Standortpolitik getrieben wird und die Schlusslichter wie die Kreise Uecker-Randow oder Demmin im Osten oder Gelsenkirchen im Westen sollen sich eben an den Spitzenreitern M&uuml;nchen, Starnberg und dem Hochtaunuskreis orientieren.<\/p><p>Die Gegen&uuml;berstellung von Tabellenletzten und Spitzenreitern zeigen auf den ersten Blick die Sinnlosigkeit solcher Vergleiche. Wie soll einer der d&uuml;nnbesiedelsten und ein &uuml;berwiegend landwirtschaftlich gepr&auml;gter Landkreis dazu noch an der polnischen Grenze liegender Landkreis wie &Uuml;ecker-Randow mit der ganz in der N&auml;he M&uuml;nchens liegenden Ausflugs- und Erholungsregion Starnberg, in der sich die meisten Million&auml;re ganz Deutschlands niedergelassen haben, konkurrieren?<br>\nDa kann die Landschaft an der Ostsee oder am Neuwarper See noch so einladend sein, da k&ouml;nnen die &bdquo;Arbeitskosten&ldquo; noch so weit unter dem Durchschnitt liegen, da kann die Gewerbesteuer noch so tief und die Menschen noch so flei&szlig;ig sein, da gibt es kaum &bdquo;Handlungsalternativen&ldquo; um seinen Status gegen&uuml;ber Starnberg oder dem Hochtaunuskreis zu verbessern.<\/p><p>&Auml;hnlich unsinnig ist ein Vergleich zwischen dem westdeutschen Schlusslich Gelsenkirchen und beispielsweise B&ouml;blingen. Die Schalke-Stadt im n&ouml;rdlichen Ruhrgebiet ist vom Auslaufen des Bergbaus so gebeutelt, wie wenn in B&ouml;blingen die Computerindustrie- und der Automobilproduzent Daimler auf einen Schlag ihre Werkstore schlie&szlig;en w&uuml;rden. W&uuml;rde der Kreis Gro&szlig;-Gerau seinen Platz 116 im oberen Viertel des Rankings behaupten k&ouml;nnen, wenn die Opel-Werke in R&uuml;sselsheim Pleite gingen? <\/p><p><strong>Fazit:<\/strong> <\/p><ul>\n<li>Das INSM- Regionalranking mag eine Flei&szlig;arbeit sein, in der viele schon l&auml;ngst vorhandene Daten gesammelt wurden.<\/li>\n<li>Es ist ein typisches Standortranking, d.h. die St&auml;rken und Schw&auml;chen und die Rangfolge der Regionen werden aus der Perspektive der Wirtschaft dargestellt. Zum Aufzeigen von wirtschaftspolitischen Handlungsalternativen zur Erh&ouml;hung der Attraktivit&auml;t  der schlechter platzierten Wirtschaftsstandorte ist das Ranking allerdings v&ouml;llig untauglich.<\/li>\n<li>Die Auflistung in einer Rangfolge setzt ausschlie&szlig;lich auf das die &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit erweckende, weil im vorherrschenden gesellschaftlichen Leitbild derzeit positiv besetzten Wettbewerbsprinzip.<\/li>\n<li>Durch die Betroffenheit aller Regionen verschafft sich die INSM eine fl&auml;chendeckende mediale Pr&auml;senz als ein Anbieter von &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo;, in ihrer ideologischen Ausrichtung nicht unmittelbar erkennbaren Serviceleistungen f&uuml;r die gesamte Republik.<\/li>\n<li>Das Regionalranking ist also nichts anderes als eine geschickte Eigenwerbung f&uuml;r die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Die Ver&ouml;ffentlichung soll deren Image als uneigenn&uuml;tziger und  vertrauensw&uuml;rdiger Think Tank f&ouml;rdern.<\/li>\n<li>Die INSM erh&auml;lt und verschafft sich damit Zugang und Aufmerksamkeit bei den Meinungsmultiplikatoren, vor allem bei den Medien.<\/li>\n<li>Die &ouml;ffentliche Pr&auml;senz er&ouml;ffnet der INSM die M&ouml;glichkeit bei ihren weiteren Kampagnen der politischen Meinungsmache eine noch st&auml;rkere Medienpr&auml;senz um die <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/ueber-die-insm\/Leitbild-der-INSM.html\">&bdquo;wirtschafts- und sozialpolitischen Debatten substantiell kommunikativ beeinflussen&ldquo;<\/a> zu k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>Die <strong>bezahlte<\/strong> &bdquo;wissenschaftliche&ldquo; Studie ist nicht mehr als eine Subvention f&uuml;r die die &bdquo;IW Consult GmbH&ldquo;, einer Tochter des arbeitgebernahen &bdquo;Instituts der deutschen Wirtschaft&ldquo; (IW) und gleichzeitig &ndash; durch die breite Berichterstattung &ndash; eine <strong>unbezahlte<\/strong> Werbekampagne f&uuml;r die INSM.<\/li>\n<\/ul><p>Mit so simplen Methoden wird in Deutschland Meinung gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In nahezu jedem Medium und vor allem in den Regionalteilen der Zeitungen werden derzeit die Ergebnisse des INSM-Regionalranking ausgiebig zitiert. Der Rang der jeweiligen Region und die Platzierungen bei den einzelnen Indikatoren die in das Ranking eingegangen sind, werden zum Anlass genommen, ausf&uuml;hrlich &uuml;ber St&auml;rken und Schw&auml;chen von Landkreisen und St&auml;dten im gesamten Bundesgebiet zu<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3896\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[128,205,11],"tags":[443,382],"class_list":["post-3896","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-insm","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-strategien-der-meinungsmache","tag-standortwettbewerb","tag-think-tanks"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3896","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3896"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3896\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20411,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3896\/revisions\/20411"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3896"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3896"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3896"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}