{"id":38989,"date":"2017-06-30T12:12:55","date_gmt":"2017-06-30T10:12:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38989"},"modified":"2017-07-21T13:07:40","modified_gmt":"2017-07-21T11:07:40","slug":"mercron-hauptsache-es-geht-voran-wohin-so-was-fragen-gute-europaeer-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38989","title":{"rendered":"\u201eMercron\u201c?  \u2013 Hauptsache, es geht voran! Wohin? So was fragen gute Europ\u00e4er nicht!"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170630_mercron1.jpg\" alt=\"Mercron\" title=\"Mercron\"><\/div><p>Vor allem linksliberale Kommentatoren sind ganz aus dem H&auml;uschen &ndash; Angela Merkel und Emmanuel Macron treten als Dreamteam an, um Europa in schwierigen Zeiten wieder Leben einzuhauchen. Ok, zuerst muss Monsieur Macron nat&uuml;rlich seine Hausaufgaben machen. Aber dann soll der deutsch-franz&ouml;sische Motor Europa endlich mit Vollgas in die Zukunft bringen. Wohin genau? Diese &ndash; nicht gerade eben unwichtige &ndash; Frage bleibt erstaunlicherweise offen. Europa ist mittlerweile offenbar ein Selbstzweck und die Debatte nimmt derweil skurrile Z&uuml;ge an. Linksliberale bejubeln einen Investmentbanker und w&uuml;nschen ihm viel Gl&uuml;ck im Kampf gegen die Gewerkschaften. Eine Politik gegen die Interessen der Arbeitnehmer wird als Grundvoraussetzung definiert, um an Deutschlands Seite Europa mitgestallten zu d&uuml;rfen. Hauptsache, es geht voran! Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8162\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-38989-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170630_Mercron_Hauptsache_es_geht_voran_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170630_Mercron_Hauptsache_es_geht_voran_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170630_Mercron_Hauptsache_es_geht_voran_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170630_Mercron_Hauptsache_es_geht_voran_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=38989-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170630_Mercron_Hauptsache_es_geht_voran_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170630_Mercron_Hauptsache_es_geht_voran_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170630_mercron2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Wussten Sie schon, dass der Klimaschutz ganz oben auf der deutsch-franz&ouml;sischen Tagesordnung steht und Macron und Merkel gemeinsam hinter den Pariser Klimaabkommen stehen? Sicher wussten Sie das, da uns diese Botschaft ja pausenlos eingetrichtert wird. Und nun bekommt es Trump, der ja das Pariser Abkommen ablehnt, mit &bdquo;Mercron&ldquo; zu tun. So <a href=\"http:\/\/www.fr.de\/politik\/g20-gipfel-trump-bekommt-es-mit-mercron-zu-tun-a-1305160\">formuliert es zumindest<\/a> Damir Fras in der Frankfurter Rundschau. Das Klima und damit nichts weniger als die Zukunft der Menschheit liegt also in der Macht des drolligen Kofferworts? Seltsam, dass Deutschland das CO2-Budget, das ihm laut Pariser Abkommen in diesem Jahr zusteht, bereits Anfang April <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/deutschland-emissionen-101.html\">aufgebraucht hat<\/a>. Sollten Merkel und Macron sich nicht erst einmal selbst an die Abkommen halten, die man ratifiziert hat, bevor man mit Weltretter-Attit&uuml;de andere Staatschefs als Klima-B&ouml;sewichte denunziert? &bdquo;Ach, h&ouml;ren Sie mir doch mit den Details auf!&ldquo;, h&ouml;rt man die Kommentatoren sagen. Wichtig sei doch vor allem, dass Deutschland und Frankreich Hand in Hand f&uuml;r eine bessere Zukunft k&auml;mpfen! Na dann.<\/p><p>&bdquo;Mercron&ldquo; hat es auch der Europakorrespondentin der Deutschen Welle angetan. Bei Barbara Wesel geht es zwar nicht um die Rettung der Welt, aber doch zumindest <a href=\"http:\/\/www.dw.com\/de\/kommentar-mercron-und-die-zukunft-europas\/a-39393845\">um die Zukunft Europas<\/a>. Merkel und Macron sind dabei f&uuml;r Wesel ein echtes Traumpaar. &bdquo;Er leiht ihr den Anschein von Frische und Neubeginn, sie dem Franzosen ihre tiefe Kenntnis europ&auml;ischer und internationaler Politik. Diese beiden sind zusammen besser&nbsp;als jeder f&uuml;r sich alleine&ldquo;, so die steuerfinanzierte Journalistin. Da darf es dann auch menscheln. Ein &bdquo;winziges Zucken im Mundwinkel&ldquo; von Macron, doch &bdquo;Merkel holt ihn auf den Teppich zur&uuml;ck&ldquo;. Ja, &bdquo;so kann das funktionieren&ldquo;, mit &bdquo;Mercron&ldquo; und der Zukunft Europas. <\/p><p>Doch um was geht es hier eigentlich? Wie soll Europas Zukunft denn aussehen? Was soll die &bdquo;zur&uuml;ckgemeldete Antriebskraft Europas&ldquo; konkret antreiben? Bei diesen Fragen bleibt die Korrespondentin des deutschen Staatssenders erstaunlich schmallippig. Was wollen die beiden Traumpartner? Er will ein wenig mehr gemeinsames Milit&auml;r, sie ein wenig mehr gemeinsamen Freihandel, so hei&szlig;t es im folgenden Text. Das ist also die Zukunft Europas? Noch nicht! Schlie&szlig;lich muss der junge Franzose erst mal seine Hausaufgaben machen, bevor er sich dem &auml;lteren deutschen Weibchen unterwerfen darf. &bdquo;Macron muss erst einmal in Frankreich zeigen, dass er seine st&ouml;rrischen Landsleute von Reformen &uuml;berzeugen kann, ehe er an einen Umbau in Europa denken kann. Und Vorschusslorbeeren werden nicht verteilt&ldquo;, so Wesel. Pardon wird nicht gegeben! Doch wenn Frankreich erst einmal neoliberal auf Linie gebracht wurde, kann die rosarote Zukunft Europas beginnen. &bdquo;Wenn wir Gl&uuml;ck haben, k&ouml;nnen Merkel und Macron gemeinsam ziemlich stark sein&ldquo;. Amen! Was f&uuml;r ein sch&ouml;nes Bild. Mercron schw&ouml;ren gemeinsam vor dem Br&uuml;sseler Altar auf Dax und CAC 40 ihre ewige Treue, Vertreter der Arbeitgeberverb&auml;nde streuen Wiesenblumen aus den begradigten Rheinauen und ein gemeinsamer Gesangsverein ehemaliger Bergm&auml;nner aus dem Ruhrgebiet und dem Pas des Calais tr&auml;llert die Ode an die Freude. Da rinnt nicht nur der Deutschen Welle eine Tr&auml;ne durch Knopfloch.<\/p><p>Wenn es um gemeinsame deutsch-franz&ouml;sische Zukunftspl&auml;ne geht, darf nat&uuml;rlich auch Ulrike Guerot nicht fehlen. Ausgerechnet auf der Plattform &bdquo;Social Europe&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.socialeurope.eu\/2017\/06\/mercron-franco-german-tandem-back-berlins-terms\/\">bejubelt<\/a> das Covergirl der liberalen Europafreunde das Mercron-Tandem. Sie findet es nat&uuml;rlich ganz hervorragend, dass Macron die Wahlen gewonnen hat und damit Frankreich vor Le Pen gerettet hat. Ok, diese Aussage ist kompletter Unsinn, da Le Pen in keiner denkbaren Konstellation ernsthafte Chancen hatte, aber Mythen sind nat&uuml;rlich nicht dazu da, kritisch hinterfragt zu werden. Nun sei jedenfalls &bdquo;Hoffnung in der europ&auml;ischen Arena&ldquo; und &bdquo;Europa [sei] wieder im Fortschrittsmodus&ldquo;, so Guerot. Die Politikwissenschaftlerin sieht dabei drei Aufgaben f&uuml;r den Franzosen: Macron m&uuml;sse die politische Linke in Frankreich &bdquo;vereinen&ldquo; (was Unsinn ist) oder zumindest &bdquo;beschwichtigen&ldquo;, dann m&uuml;sse er noch die &bdquo;Arbeitsmarktreformen&ldquo; und &bdquo;andere liberale Reformen&ldquo; umsetzen und schlie&szlig;lich die Eurozone mit einem franz&ouml;sisch-deutschen Reformpaket umgestalten.<\/p><p>Dass diese drei Aufgaben nicht so f&uuml;rchterlich gut zusammenpassen, wei&szlig; auch Guerot. Denn wie soll der wirtschaftsliberale Pr&auml;sident die Linke &bdquo;beschwichtigen&ldquo;, wenn er gleichzeitig eine franz&ouml;sische Agenda 2010 umsetzt? In einer nur noch als Realit&auml;tsflucht zu bezeichnenden Volte weicht Guerot dieser Frage aus. Er m&uuml;sse halt erst den &bdquo;Europa-Deal&ldquo; abschlie&szlig;en, dann w&auml;re auch die Linke &bdquo;beschwichtigt&ldquo; und er h&auml;tte Man&ouml;vrierraum f&uuml;r neoliberale Reformen. Das ist linksliberales Wunschdenken in seiner naivsten Form und daher ist es auch kein Zufall, dass Guerot keine konkreten Beispiele nennt, was Macron denn konkret mit wem umsetzten soll. Soll er mit Sch&auml;uble und Weidmann Eurobonds einf&uuml;hren? Eher friert der Rhein zu. Soll er mit Merkel die EU-Kommission demokratisieren und dem Europaparlament mehr Macht geben? Wo denken Sie hin. Soll er zusammen mit der Chefin des Exportweltmeisters Reformen ausarbeiten, die wirklich zu einem au&szlig;enwirtschaftlichen Gleichgewicht f&uuml;hren? Sp&auml;testens wenn Eric Schweitzer vom DIHK in den offenen Hungerstreik geht und Dieter Kempf vom BDI sich auf den Treppen des Bundestages mit Benzin &uuml;bergie&szlig;t, w&uuml;rde Merkel Macron die Leviten lesen. Oder geht es um Investitionen? Hat Guerot schon mal was von Schuldenbremse und Schwarzer Null geh&ouml;rt? <\/p><p>Auch bei Guerot bleibt es im Kern also bei der Forderung, Macron m&uuml;sse erst mal seine Hausaufgaben machen und Frankreich mit neoliberalen Reformen begl&uuml;cken. Dann &ndash; aber auch nur dann &ndash; darf er vielleicht einmal als &bdquo;Muttis Dackel&ldquo; an Merkels Seite den Reformmotor befeuern. Was genau da reformiert werden soll, bleibt wohl f&uuml;r ewig ein Geheimnis, zumal die linksliberalen Eliten ihre Rechnung ohnehin den Wirt, oder besser, ohne den Souver&auml;n gemacht haben. Nat&uuml;rlich wollen die meisten Menschen mehr Europa. Aber auch nur dann, wenn sie mit mehr Europa eine bessere Zukunft, mehr Gerechtigkeit und wohl auch mehr Demokratie verbinden. Wenn man eine Politik gegen die Interessen der franz&ouml;sischen Arbeitnehmer als Grundbedingung f&uuml;r &bdquo;mehr Europa&ldquo; festsetzt, ist dies bereits ein Widerspruch in sich. Das w&auml;re dann zwar auch &bdquo;mehr Europa&ldquo; &ndash; aber genau das Europa, das immer mehr Menschen ablehnen. Und f&uuml;r dieses Europa scheint das Kofferwort &bdquo;Mercron&ldquo; nicht v&ouml;llig ungeeignet zu sein. Was bleibt, ist Wahlkampf f&uuml;r Merkel. Alleine der Umstand, dass ihr drei linksliberale Kommentatoren stellvertretend f&uuml;r ihre Zunft zutrauen, gemeinsam mit Macron Europa auf einen, wenn auch vagen, besseren Weg zu bringen, ist die beste Wahlkampfunterst&uuml;tzung, die sich Merkel vorstellen kann. Denn wenn sich Europa mit Marcon und Merkel zu voller Pracht entfalten wird, dann braucht es ja auch keine Alternativen mehr.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/0bd31b04b32b4124a8bc2aff77861990\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170630_mercron1.jpg\" alt=\"Mercron\" title=\"Mercron\"\/><\/div>\n<p>Vor allem linksliberale Kommentatoren sind ganz aus dem H&auml;uschen &ndash; Angela Merkel und Emmanuel Macron treten als Dreamteam an, um Europa in schwierigen Zeiten wieder Leben einzuhauchen. Ok, zuerst muss Monsieur Macron nat&uuml;rlich seine Hausaufgaben machen. Aber dann soll der deutsch-franz&ouml;sische Motor Europa endlich<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38989\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,22,20,11],"tags":[1550,1711,2066,315,312],"class_list":["post-38989","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-europaische-union","category-landerberichte","category-strategien-der-meinungsmache","tag-agenda-2010","tag-klimaabkommen","tag-macron-emmanuel","tag-merkel-angela","tag-reformpolitik"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38989","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38989"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38989\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39004,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38989\/revisions\/39004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38989"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38989"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38989"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}