{"id":39045,"date":"2017-07-04T10:08:12","date_gmt":"2017-07-04T08:08:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39045"},"modified":"2017-07-05T07:54:01","modified_gmt":"2017-07-05T05:54:01","slug":"g-20-proteste-widerstandssimulation-verfassungsbruch-und-kalkulierte-eskalation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39045","title":{"rendered":"G-20-Proteste \u2013 Widerstandssimulation, Verfassungsbruch und kalkulierte Eskalation"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170704_HH.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Am Sonntag begann die Anti-G-20-Protestwoche mit einem Schaulaufen der konkurrierenden NGOs. Campact, Greenpeace und der BUND drapierten ihre Anh&auml;nger mit fototauglichen Kampagnenf&auml;hnchen und Bannern und fertig war der Protest aus der Retorte. Zeitgleich setzte der Hamburger Innensenator de facto das grundgesetzlich garantierte Versammlungsrecht au&szlig;er Kraft, als er Aktivisten ein Zeltlager untersagen lie&szlig;, das zuvor vom Bundesverfassungsgericht angemahnt wurde. In der Nacht z&uuml;ndete die Polizei die n&auml;chste Eskalationsstufe und r&auml;umte das Protestcamp Entenwerder. Sollen die Aktivisten doch im Hotel Atlantic n&auml;chtigen und am Sonntag zur &bdquo;offiziellen&ldquo; G-20-Demo &bdquo;Hamburg zeigt Haltung&ldquo; kommen. Da demonstrieren n&auml;mlich SPD und Gr&uuml;ne gegen sich selbst; ein weiteres unw&uuml;rdiges Kuriosum, das wohl auch nur der Hamburger Senat fertigbringt. Derweil interpretiert die Polizei die 38 Quadratkilometer gro&szlig;e Sperrzone im Herzen der Hansestadt zu einer &bdquo;schlaffreien Zone&ldquo; und dreht dabei kr&auml;ftig an der Konfrontationsschraube.  Sp&auml;testens am Donnerstag, wenn das autonome und antikapitalistische B&uuml;ndnis &bdquo;<a href=\"https:\/\/g20tohell.blackblogs.org\">Welcome to Hell<\/a>&ldquo; seine Proteste startet, droht die Situation endg&uuml;ltig zu eskalieren. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2225\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39045-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170704_G_20_Proteste_Widerstandssimulation_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170704_G_20_Proteste_Widerstandssimulation_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170704_G_20_Proteste_Widerstandssimulation_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170704_G_20_Proteste_Widerstandssimulation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39045-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170704_G_20_Proteste_Widerstandssimulation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170704_G_20_Proteste_Widerstandssimulation_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wer einen G-20-Gipfel veranstaltet und den Potentaten aller Herren L&auml;nder stolz die H&auml;nde sch&uuml;tteln will, der muss auch daf&uuml;r sorgen, dass die zu erwartenden Gegendemonstrationen ordnungsgem&auml;&szlig; stattfinden k&ouml;nnen. Das hat nichts mit Anstand, Sitte und Gerechtigkeit zu tun, sondern ist dem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit geschuldet, das von Artikel 8 des Grundgesetzes gesichert wird. Es ist auch klar, dass die bis zu 100.000 zu erwartenden Gipfelgegner nicht in den Nobelhotels an der Innenalster n&auml;chtigen wollen. Wer die zwanzig m&auml;chtigsten Politiker der Welt samt vierstelliger Entourage und eigenem Sicherheitspersonal zu sich einl&auml;dt, sollte es auch hinbekommen, den Gipfelgegnern ein ausreichendes Areal zur Verf&uuml;gung zu stellen, auf dem sie ihre Zelte aufschlagen k&ouml;nnen. Der Stadtpark h&auml;tte sich daf&uuml;r beispielsweise angeboten. Doch da der &bdquo;Schutz der Gr&uuml;nanlagen&ldquo; f&uuml;r den rot-gr&uuml;nen Senat einen h&ouml;heren Wert besitzt als die grundgesetzlich garantierte Versammlungsfreiheit, fiel die naheliegende L&ouml;sung aus. Am 9. September findet im Stadtpark &uuml;brigens ein Open-Air-Konzert der Rolling Stones statt &ndash; was mag da nur aus den gepflegten hanseatischen Rabatten werden? Kommerzpop schl&auml;gt Schutz der Gr&uuml;nanlagen schl&auml;gt Grundgesetz. <\/p><p><strong>Das undemokratische Vorgehen des Hamburger Senats ist freilich kein Versehen und erst recht keine Verwaltungspanne.<\/strong> Monatelang hat man sich w&auml;hrend der Vorbereitungsgespr&auml;che mit den Vertretern der Gipfelgegner taub gestellt und bis vor wenigen Tagen den Aufbau von Protestcamps durch lokale Gerichte untersagen lassen. Erst das von den Gipfelgegnern <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2017\/bvg17-051.html\">angerufene Bundesverfassungsgericht<\/a> forderte die Stadt Hamburg vor einer Woche ultimativ auf, die Voraussetzungen f&uuml;r Protestcamps zu schaffen. Hamburgs Innensenator interessiert sich jedoch offenbar nicht f&uuml;r die Verfassung. Die Hamburger Argumentation, dass hinter den Protestcamps die &bdquo;militante, autonome Szene&ldquo; stecke, ist ein Schlag ins Gesicht des Bundesverfassungsgerichts. <\/p><p><strong>Die Strategie der Stadt Hamburg ist keine Null-Toleranz-Strategie, sondern eine wohlkalkulierte Konfrontationsstrategie. Auf Konfrontation folgt Eskalation und dann hat der Senat genau die Bilder, die er braucht, um seinen Verfassungsbruch zu &bdquo;legitimieren&ldquo;.<\/strong> Ganz im Sinne einer selbsterf&uuml;llenden Prophezeihung werden die Ausschreitungen provoziert, mit deren Abwehr der Senat das Versammlungsrecht unterminiert. Ganz sch&ouml;n clever, k&ouml;nnte man sagen. Mit Demokratie hat dies jedoch nicht mehr viel zu tun. Vielleicht sollten die lieben Kollegen von zahlreichen Bl&auml;ttern, die den G-20-Protest erstaunlicherweise stets unter dem Motto &bdquo;Protest gegen PutinTrumpErdogan&ldquo; interpretieren, auch einmal Eins und Eins zusammenz&auml;hlen. Man kann &uuml;ber das &bdquo;diabolische Schlagzeilen-Dreigestirn&ldquo; ja denken, was man will &ndash; <strong>das deutsche Grundgesetz wird in Hamburg jedoch weder von Putin, Trump noch Erdogan, sondern vom rot-gr&uuml;nen Senat der Hansestadt mit F&uuml;&szlig;en getreten.<\/strong><\/p><p><strong>Mit SPD und Gr&uuml;nen gegen den rot-gr&uuml;nen Senat<\/strong><\/p><p>Wer sich dies nicht gefallen lassen will, der kann am Sonntag auf dem Fischmarkt mitdemonstrieren. Dort zeigt dann n&auml;mlich das B&uuml;ndnis &bdquo;<a href=\"http:\/\/hamburgzeigthaltung.de\">Hamburg zeigt Haltung<\/a>&ldquo;, wie man hanseatisch korrekt demonstriert. Getragen wird das B&uuml;ndnis von der evangelischen Kirche, der Hamburger SPD und den Hamburger Gr&uuml;nen. Und sp&auml;testens hier wird es wirklich grotesk. <strong>&bdquo;Einerseits bereiten SPD und Gr&uuml;ne also den G20-Gipfel vor, aber zugleich organisieren sie eine Gegendemonstration gegen sich selbst. Das ist v&ouml;llig absurd&ldquo;<\/strong> so Linken-Politiker Jan van Aken gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten. Zeitgleich findet &uuml;brigens die Gro&szlig;demonstration &bdquo;<a href=\"http:\/\/g20-demo.de\/de\/start\/\">Grenzenlose Solidarit&auml;t statt G20<\/a>&ldquo; statt, die von zahlreichen linken Gruppierungen veranstaltet wird.<\/p><p>Ziel der SPD und der Gr&uuml;nen ist es also auch, den Protest zu spalten. Das martialische Getrommel im Vorfeld geh&ouml;rt ebenfalls zu dieser Strategie. Man erweckt den Eindruck, als sei bei den &bdquo;echten&ldquo; Veranstaltungen mit brutaler Gewalt und Gegengewalt zu rechnen und lockt die Gipfelgegner, die sich davon noch nicht abschrecken lassen, auf zahme b&uuml;rgerliche Alibi-Demos &hellip; Pulse of Europe l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en.<\/p><p><strong>Campact geht es vor allem um verwertbare Fotos und Spenden<\/strong><\/p><p>Eine unr&uuml;hmliche Rolle spielen dabei einmal wieder auch die professionellen &bdquo;Bewegungen&ldquo; wie Campact. Denen geht es wohl nicht so sehr um die Sache selbst, sondern vor allem darum, PR-taugliches Material zu produzieren, um noch mehr &bdquo;Unterst&uuml;tzer&ldquo; und vor allem noch mehr Spenden abzugrasen. Und dies gehen diese &bdquo;Bewegungen&ldquo; durchaus professionell an. So setzte man bereits am Sonntag mit der &bdquo;Protestwelle&ldquo; ein erstes &ndash; wenn auch erfolgloses &ndash; Zeichen. Die taz <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5422577\/\">schrieb<\/a> dazu mit ungewohnt kritischem Unterton:<\/p><blockquote><p>\nEiner der Gr&uuml;nde f&uuml;r diesen mauen Auftakt liegt darin, dass sich das G-20-kritische B&uuml;ndnis auseinanderdividierte. Organisationen wie Campact, Greenpeace und der BUND wollten mit den vermeintlichen Schmuddelkindern, die zum Ende der Woche erwartet werden, nichts zu tun haben. Und so wirkte der Protest am Sonntag wie aus der Retorte, gepflastert mit Kampagnenf&auml;hnchen, die als Massenware verteilt wurden. Damit verabschiedeten sich die Nichtregierungsorganisationen aus einem Konfliktfeld, in dem gerade ihre Stimme gefragt gewesen w&auml;re. Denn wie derzeit die Bundesregierung aus Hamburg eine grundrechtsfreie Zone macht, ist bek&auml;mpfenswert.\n<\/p><\/blockquote><p>Dem ist wenig hinzuzuf&uuml;gen. Wann am Samstag bis zu 100.000 Menschen gegen den Gipfel demonstrieren, wird Campact &uuml;brigens nicht mehr vor Ort sein. Aus &bdquo;Campact nahen Kreisen&ldquo; hie&szlig; es, man wolle vermeiden, f&uuml;r die &bdquo;radikalen Forderungen&ldquo; von Teilen der Demonstranten mit in Haftung genommen zu werden und wolle auch nicht mit der zu erwartenden Gewalt in Verbindung gebracht werden. Das mag sogar so sein. Wichtiger d&uuml;rfte jedoch sein, dass auf der Gro&szlig;demo die Campact-F&auml;hnchen kaum zu sehen w&auml;ren und der Werbeeffekt damit pass&eacute; w&auml;re. Und so ein Fauxpas wird modernen Campaignern nat&uuml;rlich nie passieren. <\/p><p>In einer besseren Welt w&uuml;rden die G-20-Staatschefs auf einer &Ouml;lbohrinsel oder beispielsweise auf Helgoland tagen &ndash; das w&auml;re auch viel preiswerter. In der realen Welt treffen sich die G-20-Staatschefs jedoch mitten in Hamburg und der Senat tut so, als sollten die Gipfelgegner doch lieber auf einer &Ouml;lbohrinsel demonstrieren und auf Helgoland zelten. Das ist absurd, verfassungsfeindlich und undemokratisch. Hoffen wir, dass die Menschen diesen Schlag ins Gesicht auch so verstehen und nun umso zahlreicher nach Hamburg kommen!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/2c2c9460bc5b4306a277fb42dad8e151\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170704_HH.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Am Sonntag begann die Anti-G-20-Protestwoche mit einem Schaulaufen der konkurrierenden NGOs. Campact, Greenpeace und der BUND drapierten ihre Anh&auml;nger mit fototauglichen Kampagnenf&auml;hnchen und Bannern und fertig war der Protest aus der Retorte. Zeitgleich setzte der Hamburger Innensenator de facto das grundgesetzlich garantierte Versammlungsrecht au&szlig;er<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39045\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,37,60],"tags":[282,649,1690,593,541,418,820,2065,421],"class_list":["post-39045","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-globalisierung","category-innere-sicherheit","tag-buergerproteste","tag-bund","tag-campact","tag-g7820","tag-greenpeace","tag-grundgesetz","tag-hamburg","tag-ngo","tag-polizei"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39045","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39045"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39045\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39054,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39045\/revisions\/39054"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}