{"id":3905,"date":"2009-04-24T09:10:34","date_gmt":"2009-04-24T07:10:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3905"},"modified":"2014-01-28T11:29:24","modified_gmt":"2014-01-28T10:29:24","slug":"fruehjahrsprognose-die-deutsche-wirtschaft-befindet-sich-im-fruehjahr-2009-in-der-tiefsten-rezession-seit-der-gruendung-der-bundesrepublik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3905","title":{"rendered":"Fr\u00fchjahrsprognose: \u201eDie deutsche Wirtschaft befindet sich im Fr\u00fchjahr 2009 in der tiefsten Rezession seit der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Alles in allem wird sich das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2009 voraussichtlich um 6%verringern. Dies d&uuml;rfte zu einem sich beschleunigenden Abbau der Besch&auml;ftigung f&uuml;hren. Zwar wird der Einsatz von Kurzarbeit den Besch&auml;ftigungsabbau zun&auml;chst abfedern, doch werden sich Unternehmen zunehmend gezwungen sehen, den Personalbestand zu reduzieren, je l&auml;nger die Kapazit&auml;ten unterausgelastet sind. Im Jahresverlauf 2009 ist mit einem Verlust von mehr als 1 Mill. Arbeitspl&auml;tzen zu rechnen. Spiegelbildlich wird die Arbeitslosigkeit hochschnellen und im Herbst die Marke von 4 Mill. &uuml;berschreiten.<br>\nF&uuml;r 2010 erwarten die Institute keine durchgreifende Erholung. Das Bruttoinlandsprodukt d&uuml;rfte um 0,5% sinken. Zum Jahresende ist mit knapp unter 5 Mill. Arbeitslosen zu rechnen.&ldquo; So fassen das Ifo-Institut, das Institut f&uuml;r Weltwirtschaft Kiel, das Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung Halle, das &Ouml;sterreichische Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung und das Rheinisch-Westf&auml;lische Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung in ihrem <a href=\"http:\/\/www.cesifo-group.de\/portal\/page\/portal\/ifoContent\/N\/data\/forecasts\/forecasts_container\/GD20090423\/GD-20090423-SUMMARY-e.pdf\">Gemeinschaftsgutachten [PDF &ndash; 86,1 KB]<\/a>  die Aussichten der Wirtschaft f&uuml;r die Jahre 2009 und 2010 zusammen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/090424_reales_bip.jpg\" alt=\"Reales BIP\"><\/p><div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p class=\"reference\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.cesifo-group.de\/portal\/page\/portal\/ifoHome\/a-winfo\/d2kprog\/20kproggd\">CESifo<\/a><\/p><p>Da die deutsche Wirtschaft besonders exportabh&auml;ngig ist, wird sie von der Krise &bdquo;in besonderem Ma&szlig;e betroffen, weil die Nachfrage nach diesen Waren im Zuge der Weltrezession au&szlig;erordentlich zur&uuml;ckgeht.&ldquo;<\/p><p>Nun lagen die Fr&uuml;hjahrsgutachten schon immer in ihren Prognosen schon immer zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betr&uuml;bt. Dieses Jahr sind die Forschungsinstitute besonders depressiv. Auf die Prozentangaben, sollte man &ndash; wie in der Vergangenheit &ndash; nicht besonders viel geben. Dennoch ist der Ausschlag nach unten bemerkenswert und sollte jedenfalls ein deutliches Alarmzeichen sein.<\/p><p>Wer nun allerdings erwartet hat, er w&uuml;rde angesichts der dramatischen Situation von den Instituten, mutige, neue oder unkonventionelle Vorschl&auml;ge h&ouml;ren, sieht sich entt&auml;uscht.<\/p><p>Im Gro&szlig;en und Ganzen (bis auf die Kritik an der Abwrackpr&auml;mie) haben nach Einsch&auml;tzung der Forscher die Bundesregierung und die Zentralbank in der Krise alles richtig gemacht.<\/p><p>Die dringendste Aufgabe der Politik sei, <em>&bdquo;die Rekapitalisierung der Banken voranzubringen.&ldquo;<\/em> <\/p><p>Erstaunlich f&uuml;r die ganz &uuml;berwiegend der neoliberalen Ausrichtung der Wirtschaftstheorie anh&auml;ngenden Institute sind da schon S&auml;tze wie: <\/p><blockquote><p>Es scheint jedoch unumg&auml;nglich, dass die Bundesregierung den Druck auf die Banken erh&ouml;ht und sie notfalls zwingt, staatliche Hilfen anzunehmen. Selbst eine Verstaatlichung stellt ein geringeres &Uuml;bel dar als ein Andauern der Schwierigkeiten.<\/p><\/blockquote><p>Aber ansonsten wird nicht einmal eine eindeutige Aussage &uuml;ber die derzeit diskutierten Bad Bank-Konzepte gewagt. Mit den &Uuml;berlegungen zu einer kontrollierten Insolvenz von Banken und mit der Frage einer Restrukturierung des gesamten Bankenwesens auf seine eigentliche Funktion setzt sich das Gutachten nicht einmal auseinander. F&uuml;hrt der Staat den Banken nur ausreichend Kapital zu, dann k&ouml;nnen sie irgendwann ihre bisherigen Gesch&auml;fte weiter betreiben wie bisher. Es bed&uuml;rfe <em>&bdquo;Ma&szlig;nahmen, die das &Uuml;bel an der Wurzel packen, entweder durch eine Herausl&ouml;sung der Risikoaktiva aus den Banken oder durch eine Zuf&uuml;hrung frischen Kapitals (oder einer Kombination beider Ma&szlig;nahmen).&ldquo;<\/em> Was das Versagen der Prognostiker bei der Warnung vor der jetzigen Krise anbetrifft,  fl&uuml;chten sich die Forscher in die Ausrede, dass <em>&bdquo;die Wechselwirkungen zwischen Finanzm&auml;rkten und G&uuml;term&auml;rkten sowie die Ursachen und Abl&auml;ufe von Finanzkrisen in der &Ouml;konomie insgesamt nicht soweit verstanden sind.&ldquo;<\/em><\/p><p>Ach h&auml;tte man diese Selbstbescheidenheit schon fr&uuml;her an den Tag gelegt und &ndash; vor allem &ndash; w&uuml;rde man diese Tugend doch auch gegen&uuml;ber sonstigen Vorschl&auml;gen &uuml;ben. Aber davon ist leider nichts zu sp&uuml;ren. Da wird die alte Leier gespielt.<\/p><ul>\n<li>Zu Opel etwa, hei&szlig;t es allgemein:<br>\n<blockquote><p>Es l&auml;sst sich ordnungspolitisch nicht rechtfertigen, dass Unternehmen, die Fehler gemacht haben, vom Staat unterst&uuml;tzt werden, w&auml;hrend sich andere Unternehmen ohne staatliche Hilfe am Markt behaupten m&uuml;ssen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(S. 78 der <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_37_2009.pdf\">Langfassung [PDF &ndash; 7,9 MB]<\/a>)\n<\/p><\/li>\n<li>Zu einem weiteren Konjunkturpaket meinen die Institute:<br>\n<blockquote><p>Vor allem vor dem Hintergrund der absehbaren Zunahme des Budgetdefizits ist ein weiteres Konjunkturpaket unter den derzeitigen Umst&auml;nden abzulehnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(S. 78 der Langfassung) <\/p>\n<p>Bei der Rekapitalisierung der Banken ist also das Budgetdefizit unausweichlich, bei der Konjunktur wird nur auf die Neuverschuldung geschaut. Insgesamt besteht bei der Mehrheit der Institute nach wie vor eine gro&szlig;e Skepsis gegen&uuml;ber Konjunkturprogrammen, sie seien mit &bdquo;<em>gro&szlig;er Unsicherheit behaftet<\/em>&ldquo; (S. 12 der Langfassung). <\/p>\n<p>Das gilt aber offenbar nur f&uuml;r die deutsche Wirtschaft, denn f&uuml;r die USA gilt: <\/p>\n<blockquote><p>Angesichts des gro&szlig;en Volumens in den USA d&uuml;rften von dem Konjunkturpaket insgesamt sp&uuml;rbare Wirkungen auf die konjunkturelle Entwicklung ausgehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und noch ein Widerspruch: Da halten die besserwisserischen Wissenschaftler der Bundesregierung, die bis dato von einem viel geringeren Konjunktureinbruch ausgegangen ist, vor, dass das Timing der bisherigen Konjunkturprogramme &bdquo;<em>problematisch<\/em>&ldquo; sei und viele der Ma&szlig;nahmen erst im kommenden Jahr wirkten (S. 90 der Langfassung). Sie selbst, die die &bdquo;<em>tiefste Rezession<\/em>&ldquo; prognostizieren, z&ouml;gern jedoch mit ihren Vorschl&auml;gen ein weiteres rechtzeitiges Gegensteuern hinaus.<\/p>\n<p>(Nirgendwo erscheint &uuml;brigens die Forderung des mit dem Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung Halle kooperierenden Institut f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK), das noch im M&auml;rz ein drittes Konjunkturprogramm f&uuml;r 2010 mit <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/37883_94510.html\">2 Prozent des Bruttoinlandproduktes angemahnt hat.<\/a>)\n<\/p><\/li>\n<li>Wie nicht anders zu erwarten, wird die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; begr&uuml;&szlig;t und es wird ganz offen mit der Androhung verbunden:<br>\n<blockquote><p>Allerdings bedeutet das Konsolidierungsziel, dass die Gebietsk&ouml;rperschaften und die Sozialversicherungen vor harten Entscheidungen stehen werden, denn die Rahmenbedingungen sind auf die mittlere Sicht alles andere als g&uuml;nstig.<\/p><\/blockquote>\n<p>(S. 79 der Langfassung). Die Rentner, die Arbeitslosen und die Kranken bekommen wenigstens ungeschminkt gesagt, was auf sie zukommt.\n<\/p><\/li>\n<li>Die Konjunkturforschungsinstitut haben regelm&auml;&szlig;ig m&auml;&szlig;ige Lohnabschl&uuml;sse gefordert, also jetzt auch in der Krise. Die Tariflohnerh&ouml;hungen sollen verschoben werden. Geradezu erleichtert hei&szlig;t es da:<br>\n<blockquote><p>Vor dem Hintergrund der Rezession und der zunehmenden Erwerbslosigkeit d&uuml;rfte sich die Verhandlungsposition der Gewerkschaften verschlechtern; insofern d&uuml;rfte der Lohnkostendruck abnehmen<\/p><\/blockquote>\n<p>Und weiter im alten Trott werden weitere Arbeitsmarktreformen gefordert: <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Allerdings spielt auch eine Rolle, dass die Reformen auf dem Arbeitsmarkt nicht fortgesetzt werden. Dadurch vermindert sich der Anreiz, niedrigere L&ouml;hne zu akzeptieren.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>(S. 79 der Langfassung)<\/p>\n<p>Niedrigere L&ouml;hne also als Ausweg von der Exportabh&auml;ngigkeit und das sehenden Auges, dass auch die Binnennachfrage absackt.\n<\/p><\/li>\n<li>F&uuml;r die Forscher, die alle vom Bild des Arbeitsmarktes als eines Kartoffelmarktes ausgehen, ist nat&uuml;rlich der Mindestlohn Gift:<br>\n<blockquote><p>Ebenso erweist sich die Ausweitung der Mindestlohngesetzgebung als sch&auml;dlich f&uuml;r die Besch&auml;ftigungschancen, zumal die Anspruchsl&ouml;hne ebenfalls steigen d&uuml;rften. Mit solchen Ma&szlig;nahmen tr&auml;gt die Wirtschaftspolitik dazu bei, dass Lohnforderungen sich von dem entfernen, was f&uuml;r eine h&ouml;here Besch&auml;ftigung notwendig w&auml;re.<\/p><\/blockquote>\n<p> L&ouml;hne unterhalb des Existenzminimums werden also weiter als Rezept zur Bek&auml;mpfung der Arbeitslosigkeit angesehen, obwohl doch gerade das prognostizierte Ansteigen der Arbeitslosigkeit auf bis zu 5 Millionen gewiss am allerwenigsten mit der Lohnh&ouml;he zu tun hat.\n<\/p><\/li>\n<li>Im Gegensatz zu der Forderung nach niedrigeren und niedrigsten L&ouml;hnen ist man bei den Managergeh&auml;ltern &auml;u&szlig;erst zur&uuml;ckhaltend:<br>\n<blockquote><p>Auflagen hinsichtlich der Verg&uuml;tung von Organen, Angestellten und wesentlichen Erf&uuml;llungsgehilfen der Banken k&ouml;nnen dagegen unter Umst&auml;nden problematisch sein.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>(S. 81 der Langfassung)<\/p>\n<\/li>\n<\/ul><p>Sucht man nach sonstigen Neuigkeiten, so gilt &bdquo;the same procdure as every year&ldquo;. Zum Schmunzeln gibt jedoch das Ritual des Fr&uuml;hjahrsgutachtens wenig Anlass, es sei denn, man am&uuml;siert sich &uuml;ber die Einfallslosigkeit der Forschungsinstitute. Dazu m&uuml;sste man allerdings ein Anh&auml;nger des tragisch-komischen Humors sein. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Alles in allem wird sich das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2009 voraussichtlich um 6%verringern. Dies d&uuml;rfte zu einem sich beschleunigenden Abbau der Besch&auml;ftigung f&uuml;hren. Zwar wird der Einsatz von Kurzarbeit den Besch&auml;ftigungsabbau zun&auml;chst abfedern, doch werden sich Unternehmen zunehmend gezwungen sehen, den Personalbestand zu reduzieren, je l&auml;nger die Kapazit&auml;ten unterausgelastet sind. Im Jahresverlauf 2009 ist mit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3905\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,141,1,133,30],"tags":[223,380,299,289,588,392,455],"class_list":["post-3905","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-das-kritische-tagebuch","category-wichtige-wirtschaftsdaten","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-bad-bank","tag-export","tag-konjunkturprogramme","tag-kurzarbeit","tag-personalabbau","tag-schuldenbremse","tag-wirtschaftsweise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3905","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3905"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3905\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20398,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3905\/revisions\/20398"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3905"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3905"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3905"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}