{"id":39084,"date":"2017-07-07T09:58:43","date_gmt":"2017-07-07T07:58:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39084"},"modified":"2018-12-03T09:22:08","modified_gmt":"2018-12-03T08:22:08","slug":"die-legende-des-umstrittenen-koelner-kardinals-joachim-meisner-ein-realistisches-portraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39084","title":{"rendered":"Die Legende des \u201eumstrittenen\u201c K\u00f6lner Kardinals Joachim Meisner. Ein realistisches Portr\u00e4t von Werner R\u00fcgemer."},"content":{"rendered":"<p>Das gegenw&auml;rtige Deutschland braucht in seiner geistigen Not Legenden &ndash; auf Teufel komm raus. Wenn Prominente sterben, entfesseln die herrschenden Medien einen Legenden-Furor: Adenauer, Kohl, jetzt der K&ouml;lner Erzbischof und Kardinal Joachim Meisner. Der erzreaktion&auml;re Theologe, vom polnischen Papst Wojtyla berufen, hetzte bis in seine letzten Tage, schon nicht mehr im Amt, gegen den Reformpapst Franziskus. Seine Stiftung mischte auf dem Maidan in der Ukraine mit. Aber der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, macht ihn zum &bdquo;mutigen K&auml;mpfer gerade wegen seiner Erfahrungen in der DDR&ldquo;. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3738\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39084-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170707_Legende_des_umstrittenen_Kardinals_Joachim_Meisner_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170707_Legende_des_umstrittenen_Kardinals_Joachim_Meisner_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170707_Legende_des_umstrittenen_Kardinals_Joachim_Meisner_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170707_Legende_des_umstrittenen_Kardinals_Joachim_Meisner_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39084-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170707_Legende_des_umstrittenen_Kardinals_Joachim_Meisner_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170707_Legende_des_umstrittenen_Kardinals_Joachim_Meisner_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Den Leitmedien, die seine Spr&uuml;che gegen Homosexuelle und Abtreibung gern zur Unterhaltung aufgriffen, gilt er als &bdquo;umstritten&ldquo;, &bdquo;streitbar&ldquo;, &bdquo;konservativ&ldquo;. Au&szlig;enminister Gabriel betrachtet ihn als &bdquo;bleibende Mahnung auch f&uuml;r mich als lutherischer Christ&ldquo; und w&uuml;rdigt ihn als &bdquo;pr&auml;gende Gestalt der deutsch-deutschen Geschichte&ldquo;. <\/p><p><strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong> hat bei Meisners R&uuml;cktritt 2014 ein realistisches Portr&auml;t verfasst. NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser sind vermutlich offen und tolerant genug, ein solches Portr&auml;t zu w&uuml;rdigen, jedenfalls wahrzunehmen:<\/p><p><strong>Un-Heiligsprechung des Kardinal-Erzbischofs<\/strong><\/p><p>Ende Februar 2014 trat der K&ouml;lner Erzbischof und Kardinal Joachim Meisner nach 25 Jahren von seinem Amt zur&uuml;ck. Der enge Freund der P&auml;pste Karol Wojtyla (Johannes Paul II) und Josef Ratzinger (Benedikt XVI) wurde in den Medien bekannt als Schwulenhasser und Abtreibungsgegner. &bdquo;Er war umstritten, aber nie langweilig&ldquo;, besch&ouml;nigt Die ZEIT. Seine zugespitzten Formulierungen auf diesem Gebiet sorgten f&uuml;r sichere Unterhaltung. Der bekennende Schwule Volker Beck, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Gr&uuml;nen im Bundestag, titulierte ihn als &bdquo;Hassprediger&ldquo; wegen seiner Ausf&auml;lle gegen Homosexuelle. Die alternativen K&ouml;lner Karnevalisten von der Stunksitzung riskierten die Bezeichnung &bdquo;Sakralstalinist&ldquo;. Muslimen-Verb&auml;nde kritisierten ihn wegen anti-muslimischer Spr&uuml;che. Die kritische &bdquo;K&ouml;lner Kirchen-Initiative&ldquo; verzichtet ausdr&uuml;cklich auf eine Bilanz seiner Amtszeit. Meisner hatte es also sehr leicht mit seinen &bdquo;Kritikern&ldquo;. Eine gewiss unvollst&auml;ndige Bilanz wird hier nachgereicht. <\/p><p><strong>Beten und schie&szlig;en<\/strong><\/p><p>Sie verstanden sich pr&auml;chtig: Der gegelte CSU-Hoffnungstr&auml;ger Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg und der K&ouml;lner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner. Der hatte 1.500 Soldaten, Offiziere, Gener&auml;le aus Bundeswehr und anderen NATO-Armeen und den deutschen Verteidigungsminister 2011 in den K&ouml;lner Dom eingeladen, zur j&auml;hrlichen Soldatenmesse. Der Kardinal predigte, dass die Religionsfreiheit &bdquo;das fundamentalste aller Menschenrechte&ldquo; ist. <\/p><p>Nach der Messe w&uuml;rdigte der freiherrliche Wehrf&uuml;hrer, dass die kirchliche Milit&auml;rseelsorge bei den Auslandseins&auml;tzen &bdquo;Gro&szlig;artiges leiste&ldquo;. Unter Guttenberg, der als erster Verteidigungsminister von Krieg sprach, den die Bundeswehr in Afghanistan f&uuml;hre, war die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft worden. Meisner fragte scherzhaft, ob sein Dom auch bei zuk&uuml;nftigen Soldatenmessen noch voll werde. Der junge Kriegsminister: Er werde die Soldaten daf&uuml;r notfalls &bdquo;pers&ouml;nlich rekrutieren&ldquo;. <\/p><p>Das braucht der Plagiator nach unfreiwillig beendeter Dienstzeit nun nicht zu tun. Trotzdem war im Januar 2012, 2013 und auch 2014 der Dom zur Soldatenmesse nat&uuml;rlich wieder voll. Kirchgang ist Dienstpflicht. Der selbsternannte geistliche NATO-Oberkommandierende aktualisierte seine letzte Soldaten-Predigt zeitgem&auml;&szlig;. Im Gleichklang mit Bundespr&auml;sident Gauck und Bundesregierung sprach er vor den 1.500 Milit&auml;rs und den vier niederknienden Staatssekret&auml;ren: &bdquo;Liebe Schwestern und Br&uuml;der!&ldquo; Dank geb&uuml;hre Gott f&uuml;r den Fall des Eisernen Vorhangs! Westeuropa trage nun &bdquo;eine globale Verpflichtung f&uuml;r den Frieden&ldquo;. &bdquo;Aktive Zuwendung&ldquo; sei das Gebot der Stunde: So orakelte er ebenso dunkel wie unmissverst&auml;ndlich. &bdquo;Aktive Zuwendung&ldquo;! Fast schleimiger und noch zynischer als des anderen, des evangelischen Oberpfaffen Botschaft, Deutschland m&uuml;sse sich nachhaltiger in die Welt &bdquo;einbringen&ldquo;!<\/p><p>Schon Vorg&auml;nger Joseph H&ouml;ffner richtete 1977 den Internationalen Soldatengottesdienst im K&ouml;lner Dom ein. Daf&uuml;r wurde eigens das Katholische Milit&auml;rdekanat K&ouml;ln eingerichtet. Die Weihe findet, so berichten es auch die journalistischen Hofschranzen des K&ouml;lner Stadt-Anzeigers, am &bdquo;Weltfriedenstag&ldquo; statt. Weltfriedenstag? Es gibt mindestens drei: 1. September (Bundesrepublik Deutschland), 21. September (UNO), der 1. Januar ist der selbsternannte katholische &bdquo;Weltfriedenstag&ldquo;, bei m&ouml;glicher Abweichung um einige Wochen. <\/p><p>Meisner f&uuml;hrte also eine Tradition fort. Daf&uuml;r war er von seinem Protektor Karol Wojtyla 1989 der Erzdi&ouml;zese K&ouml;ln gegen (lauen) Widerstand aufoktroyiert worden. 2012 schickte er vom Soldatengottesdienst eine &bdquo;Weltfriedenstagskerze&ldquo; zur Bundeswehr nach Afghanistan. Er versch&auml;rfte wie sein Mitbruder im allerrechtesten Glauben, Milit&auml;rbischof Johannes Dyba, den Ton: &bdquo;Einem gottlobenden Soldaten kann man guten Gewissens die Verantwortung &uuml;ber Leben und Tod anderer &uuml;bertragen, weil sie bei ihm gleichsam von der Heiligkeit Gottes abgesegnet wurde.&ldquo; Oder pr&auml;ziser: &bdquo;In betenden H&auml;nden ist die Waffe vor Missbrauch sicher.&ldquo; Beten und Schie&szlig;en!<\/p><p><strong>Adenauer: ein Geschenk Gottes<\/strong><\/p><p>So geh&ouml;rte Konrad Adenauer, der heimlich und gegen alle Friedensschw&uuml;re die bundesrepublikanische Wiederbewaffnung durchdr&uuml;ckte, zu Meisners Lieblingen. Er predigte im Dom beim Pontifikalamt zum 125. Geburtstag Adenauers:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir danken heute Gott, dass er uns Konrad Adenauer geschenkt hat.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Er f&uuml;gte f&uuml;r die fromm lauschenden Fans aus CDU, Industrie- und Handelskammer, sowie der Stadtverwaltung und Vertretern der Landes- und Bundesregierung hinzu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ein Volk kann sich gl&uuml;cklich preisen, das von einem Kanzler regiert wird, &uuml;ber dessen Bett wie in Adenauers Schlafzimmer das Jesus-Kreuz h&auml;ngt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ich hatte damals dem intimen Kenner von des Bundeskanzlers Schlafzimmer einen Brief geschickt mit Belegen, wie sich Adenauer als Oberb&uuml;rgermeister von K&ouml;ln hemmungslos aus der Stadtkasse bedient hatte und wie er auch als Bundeskanzler und Vorsitzender einer christlichen Partei bekanntlich schwarze Kassen gef&uuml;hrt habe, gef&uuml;llt mit Unternehmensspenden, mit denen die CDU gekauft wurde. Sodass also wohl die Bezeichnung Adenauers als Geschenk Gottes doch wohl eine Gottesl&auml;sterung bedeute? <\/p><p>Meisner antwortete, dass die Kirche nicht die eventuellen S&uuml;nden der Menschen beurteilen k&ouml;nne, sondern dies Gott &uuml;berlasse. Und Gott werde schlie&szlig;lich alle S&uuml;nden vergeben. Der Nachfrage nach der dann ja auch logisch notwendigen Vergebung der S&uuml;nden eines gewissen Adolf Hitler wich er aus. Meisner umging die Aufgabe jeder Philosophie und Religion, das Verh&auml;ltnis von Gut und B&ouml;se zu thematisieren. Da entstand notwendigerweise ein ungel&ouml;ster Widerspruch: Wie konnte dann Meisner gnadenlos zum Beispiel Homosexuelle als S&uuml;nder beurteilen? Meisner hat aus seiner DDR-Zeit einen Doktortitel in Theologie; m.E. m&uuml;sste der ihm aberkannt werden, wegen Verhunzung der Dialektik. <\/p><p>So verdr&auml;ngt der fragw&uuml;rdige Theologe auch den kirchlichen Widerstand gegen das Hitler-Regime. 2001 sollte das im Krieg besch&auml;digte und nur provisorisch reparierte S&uuml;dfenster des Doms erneuert werden. Die urspr&uuml;ngliche Idee war, hier sechs K&ouml;lner katholische M&auml;rtyrer darzustellen, die Widerstand gegen die Nazis praktiziert hatten, &uuml;brigens ohne Unterst&uuml;tzung der Kirche. Doch unter Meisners Episkopat verschwanden die bereits fertiggestellten Entw&uuml;rfe in der Versenkung. Er war wohl inspiriert von der gleichzeitigen Seligsprechung von Klerikalfaschisten aus Franco-Spanien und Kroatien durch Bruder Benedikt XVI. <\/p><p>Stattdessen durfte der teuerste Maler der Gegenwart, der den Katholizismus lobende Gerhard Richter, ein h&uuml;bsches, nichtssagendes Fenster gestalten: Es besteht, vom Zufallsgenerator zusammengew&uuml;rfelt, aus 11.263 quadratischen Glaspl&auml;ttchen unterschiedlicher Farbe. Finanziert wurde es von K&ouml;lner Banken und Gesch&auml;ftsleuten. (<em>Siehe das Kapitel G&ouml;ttliches Licht und kapitalistischer Realismus &ndash; Gerhard Richters Domfenster, Seite XXX<\/em>)<\/p><p><strong>Schwule, Drogen, Antibaby-Pille<\/strong><\/p><p>Wie gesagt, die christliche Milde galt nur eingeschr&auml;nkt. Homosexualit&auml;t dagegen sei &bdquo;im Kern verderblich&ldquo;, die Menschheit richte sich damit &bdquo;selbst zugrunde.&ldquo; Ebenso gnadenlos und fundamentalistisch hetzte der Kardinal gegen abtreibende Frauen und gegen Drogen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Mittelalter hatten wir viel Religion und keine Drogen &ndash; heute haben wir keine Religion und viele Drogen&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das ist eine seiner beliebten Diagnosen. Die europ&auml;ische Werteordnung sei in gleicher Weise noch durch Terroristen und Wissenschaftsgl&auml;ubige bedroht: &Uuml;berall fehle der Gottesbezug.<\/p><p>Das Mittelalter dagegen liebt er: Da herrschten nach Gottes Gnaden eine reiche Kirche und kriegf&uuml;hrende Feudalherren &uuml;ber Bauern und St&auml;dter. Die Herz&ouml;ge von J&uuml;lich und die Grafen von Berg lieferten sich blutige Kriege, um Bischof im reichen K&ouml;lner Erzbistum zu werden. Es war eng mit dem Adelsclan der Staufer verbunden. Da konnte der K&ouml;lner Erzbischof Rainald von Dassel, zugleich Kanzler des antiislamischen Kreuzz&uuml;glers Kaiser Barbarossa, im Mail&auml;nder Dom die Gebeine der Heiligen Drei K&ouml;nige rauben und damit K&ouml;ln zur reichsten Pilgerst&auml;tte Europas machen. <\/p><p>Meisner verglich die Abtreibung mit dem Judenmord unter Hitler. &bdquo;In unserer Zeit werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht. Abtreibung und Euthanasie hei&szlig;en die Folgen dieses anma&szlig;enden Aufbegehrens gegen Gott&ldquo;. Seine Kritik am NS-Regime war aber nicht besonders glaubw&uuml;rdig, denn er rutschte schon mal selbst in dessen Sprachgebrauch: Ohne Gottesbezug sei heute die Kultur &bdquo;entartet&ldquo;.<\/p><p>Nat&uuml;rlich wetterte der sexuell Obsessive auch gegen die Anti-Babypille. Die Ehe zwischen Mann und Frau mit m&ouml;glichst vielen Kindern sei die &bdquo;Keimzelle des Staates&ldquo;. In Ostdeutschland sei die Geburtenrate sogar noch niedriger als in Westdeutschland, klagte er und fantasierte: Das komme, weil es im gottlosen Osten zu viele Kinderkrippen gebe, als sozialistisches Erbe sozusagen. <\/p><p>Und wenn schon keine Kinder, so m&uuml;ssten Mann und Frau zumindest kirchlich verheiratet sein. So konnte er in die CDU hineinregieren: Er zwang Angela Merkel, ihre &bdquo;wilde Ehe&ldquo; zu verlassen, bevor sie nach ihrem F&ouml;rderer Helmut Kohl CDU-Vorsitzende werden durfte. (Merkel war auch hier folgsam)<\/p><p>Durch diese Zw&auml;nge wollen Meisner und seinesgleichen das schlechte Gewissen der kirchlichen Sch&auml;fchen zur Gewohnheit machen &ndash; so bleiben sie folgsam und beherrschbar, nicht nur in der Kirche selbst. Dazu geh&ouml;rt Meisners extrem autorit&auml;rer F&uuml;hrungsstil. Den gottgewollten &bdquo;Gehorsam&ldquo; begr&uuml;ndet er mit einem seiner Lieblingsspr&uuml;che: Die Menschen haben zwei Ohren, aber sie haben nur einen Mund! Will sagen: Die Menschen sollen ihren Oberen gut zuh&ouml;ren, aber ansonsten die Klappe halten!<\/p><p><strong>McKinsey, Immobilien, R&uuml;stungsaktien<\/strong><\/p><p>Meisner, gelernter Bankkaufmann, predigte seinen Sch&auml;fchen und auch immer wieder den Milit&auml;rs das Leben in Einfachheit. Der mit einem Generalsgehalt alimentierte Prediger der Einfachheit, der sich im 7erBMW bis knapp vor das Domportal chauffieren lie&szlig;, hat dagegen ein inniges, weitgehend geheimes Verh&auml;ltnis zum Reichtum.<\/p><p>Dass er seinen Bruder im Geiste, den meineidigen Protzbauten-Bischof von Limburg, Tebartz van Elst, unterst&uuml;tzte (&bdquo;Er ist der &auml;rmste Hund unter den Bisch&ouml;fen&ldquo;), war selbstverst&auml;ndlich. Zur Umstrukturierung der Verwaltung &ndash; das gr&ouml;&szlig;te deutsche Bistum hat 50.000 hauptamtlich Besch&auml;ftigte &ndash; engagierte Meisner die Unternehmensberater von McKinsey. Arbeitspl&auml;tze in Schulen, Caritas und Kinderg&auml;rten waren abzubauen. Zum Ausgleich sprang der Protzbau des bisch&ouml;flichen Kolumba-Museums heraus &ndash; mit 43 Millionen teurer als Tebartz&rsquo;s Palastanlage. <\/p><p>Unter Meisner explodierten die Geldanlagen des Erzbistums, getarnt durch Briefkastenfirmen. Hochpreisige Seniorenresidenzen wie die neben dem Dom, Luxus-Immobilien auf der D&uuml;sseldorfer K&ouml;nigsallee, am Hamburger Neuen Wall und im K&ouml;lner Einkaufszentrum bringen hohe Renditen. Die Mieter Gucci, Armani, Mediamarkt, C&amp;A, H&amp;M und Tamaris zahlen hohe Mieten. Die &bdquo;BRD Domkloster Cologne B.V.&ldquo; wird vom Briefkasten-Treuh&auml;nder TMF in Amsterdam verwaltet, wo auch die US-Investmentbanken J.P. Morgan und Morgan Stanley ihre Steuern hinterziehen, pardon &bdquo;gestalten&ldquo;. Das nutzt auch das K&ouml;lner Erzbistum, einer der gro&szlig;en Abgreifer von Steuermitteln in Deutschland. <\/p><p>Die traditionelle Bank des Bistums, die PAX-Bank, gen&uuml;gt seit Meisners Regiment den Anforderungen nicht mehr. Sie arbeitet zusammen mit einem global player, der Privatbank M.M Warburg &ndash; nat&uuml;rlich nach den &bdquo;ethischen und moralischen Normen der katholischen Kirche&ldquo;. Danach sind Pornoshops als Mieter ausgeschlossen. Die Moral sieht dann so aus: Die diversen Fonds, gemanagt von einem Ex-Deutschbanker, sind gef&uuml;llt u.a. mit Aktien des US-R&uuml;stungskonzerns Lockheed Martin, der Bank of America und der Allianz (Rohstoff- und Agrarspekulationen), von McDonald&rsquo;s, VW und Daimler. Auch Aktien der Pharmakonzerne Novartis und Sanofi geh&ouml;ren schon mal zum Portfolio: Sie stellen die so verteufelten Antibaby-Pillen und die &bdquo;Pille danach&ldquo; her. <\/p><p><strong>Mit dem Papst empfangen von der Bankiersfamilie Oppenheim<\/strong><\/p><p>Wohin flie&szlig;en die Ertr&auml;ge? In die vielen Stiftungen des Erzbistums? Der ver&ouml;ffentlichte Haushalt des Erzbistums ist vom nicht ver&ouml;ffentlichten Haushalt des &bdquo;Bisch&ouml;flichen Stuhls&ldquo; getrennt: Der ist zust&auml;ndig z.B. f&uuml;r Stiftungen und Erbschaften. Da geht&rsquo;s wohl &auml;hnlich zu wie in der Vatikanbank: Seit 1991 war Meisner Mitglied der Pr&auml;fektur f&uuml;r die &ouml;konomischen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls. <\/p><p>Bei Multimillion&auml;ren verzichtet die von McKinsey aufs K&uuml;rzen getrimmte Kirche gern auf Einnahmen. Klaus Esser, Ex-Vorstandschef des Mannesmann-Konzerns, hatte durch seine Verhandlungsf&uuml;hrung dem K&auml;ufer von Mannesmann, dem Vodafon-Gro&szlig;aktion&auml;r Li Kascheng aus Hongkong, einen Gewinn von 8 Milliarden verschafft. Der gute Li zeigte sich mit einem 30 Millionen-Bonus an Esser erkenntlich. Da Esser auch ein treues Mitglied der Kirche ist, wurde ihm &ndash; zun&auml;chst &ndash; darauf auch die Kirchensteuer abgezogen, 500.000 Euro. Er empfand das aber als Ungleichbehandlung, denn entlassene Verk&auml;uferinnen bei Karstadt bek&auml;men auf ihre Abfindungen einen Kirchensteuer-Rabatt, so Esser. <\/p><p>Sofort lie&szlig; der Kirchensteuer-Rat des Erzbistums Esser die H&auml;lfte r&uuml;ckerstatten, 250.000 Euro. Das h&auml;tte mehreren Erzieherinnen zu einem Arbeitsplatz verholfen. Aber wesentlich war: Es verhalf dem mit der Karstadt-Verk&auml;uferin nun Gleichgestellten zum &ouml;ffentlich vor Gericht ge&auml;u&szlig;erten Bekenntnis (er stand zusammen mit Deutschbanker Josef Ackermann wegen Untreue unter Anklage):<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich bin mit mir und dem lieben Gott im Reinen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Als Papst Benedikt in K&ouml;ln den Weltjugendtag feierte, gab das Bistum den Empfang im Schlo&szlig; des Gest&uuml;ts Schlenderhahn bei K&ouml;ln. Dort z&uuml;chtet die Familie der damals noch nicht vor Gericht stehenden Bank Sal. Oppenheim seit 150 Jahren erfolgreiche Rennpferde. Einen Teil des erzbist&uuml;mlichen Verm&ouml;gens lie&szlig; Meisner bei der Bank verwalten. <\/p><p>Und als der langj&auml;hrige Chef der Bank, Alfred Freiherr von Oppenheim, 2005 starb, stellte Meisner der Familie den Dom f&uuml;r eine &uuml;ppige Trauerfeier zur Verf&uuml;gung. Ansonsten verbietet er &ouml;kumenische Feiern grunds&auml;tzlich. Dabei war der Bankier nicht einmal evangelisch, vielmehr war er schon vor Jahren aus der evangelischen Kirche ausgetreten, und zwar wegen des Engagements seiner Kirche in der Friedensbewegung. Sowas gefiel dem Meisner.<\/p><p><strong>Ausweg: Elitenkirche<\/strong><\/p><p>Meisner tat gern volksnah. Kein Kind in erreichbarer N&auml;he konnte sich vor dem T&auml;tscheln des Hinterkopfs retten. Die K&ouml;lner Karnevalistenvereine lie&szlig; er im Dom &ndash; trotz Verbots jeglicher Kopfbedeckung und auff&auml;lliger Kleidung &ndash; in vollem Jecken-Wichs antreten, mit Narrenkappe und kurzr&ouml;ckigem Tanzmariechen. <\/p><p>Doch Meisner wu&szlig;te, dass die Kirche, wie sie ist, auf einem sterbenden Ast sitzt. Das Befragungsinstitut Sinus Sociovision stellte fest: Das untere Drittel der Bev&ouml;lkerung hat sich von der Kirche ganz verabschiedet. Getragen wird sie von Menschen, die irgendwie konservativ, meist akademisch gebildet und einigerma&szlig;en verm&ouml;gend sind, dazu &uuml;ber 50 und vor allem &uuml;ber 60 Jahre alt. Mit anderen Worten: missmutige CDU-Stammw&auml;hler.<\/p><p>Der K&ouml;lner Dom lebt vor allem als Marketing-Symbol der Stadt und ihrer Unternehmen. Die umworbenen t&auml;glich etwa 10.000 Touristen aus christlichen und unchristlichen Weltregionen bringen Geld. Mit Hund, Currywurst, Eist&uuml;te und klingelnden Handys latschen sie respektlos und hastig fotografierend im Dom herum. Die Einnahmen gefielen dem Kardinal, aber er wu&szlig;te: Die Zukunft der von ihm, Wojtyla und Ratzinger erstrebten Christlichkeit liegt woanders. <\/p><p>Seit seinem Antritt organisierte er die Gegenbewegung. Wer nicht aktiv der neuen Linie diente, musste raus. Er nahm das Katholisch-Soziale Institut (KSI) an die Kandarre, nachdem dort vorsichtige Kritik an der Kluft zwischen arm und reich ge&auml;u&szlig;ert wurde. Er sperrte der lammfrommen Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung das Geld ebenso wie der betulichen Karl Rahner-Akademie.<\/p><p>Der schon von seinen Vorg&auml;ngern aufgenommenen Elitentuppe Opus Dei wies der populistische Elitenchrist eine gro&szlig;e K&ouml;lner Kirchengemeinde mit einer der sch&ouml;nsten romanischen Kirchen zu: St. Pantaleon. Inzwischen werden 30 kleinere fundamentalistische &bdquo;Gemeinschaften&ldquo; aus Bistumsgeldern &uuml;ppig gef&ouml;rdert: Monastische Gemeinschaft von Jerusalem, Omnia Christo\/Legio Mariens, Legion&auml;re Christi, Regnum Christi, Neokatechumenaler Weg, Laienspiritaner, Kapuziner-Terzianerinnen, Fokolar-Bewegung, Nightfever, Gemeinschaft Emmanuel und andere. <\/p><p>Sie bestehen vielfach aus Laien, sind aber direkt der rechten, sehr rechten Hand Meisners, Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, unterstellt. Sie leben entweder in m&ouml;nchischer Gemeinschaft oder konkurrieren als Ehepaare um die h&ouml;chste Zahl der Kinder. Gemeinsam ist ihnen: Sie feiern die mystische Verwandlung des Leichnams Christi und das Bu&szlig;sakrament und pflegen den Marienkult: Gottesmutter Maria, die von keinem Manne &bdquo;ber&uuml;hrt&ldquo; und somit ohne S&uuml;nde ist (&bdquo;unbefleckte Empf&auml;ngnis&ldquo;), wird bei den Ritualen von Opus Dei &amp; &auml;hnlichen ohne das Jesulein dargestellt. Bei einer Feier des Neokatechumenalen Wegs gab Meisner das Programm bekannt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine Familie von Euch ersetzt mir drei muslimische Familien.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Beten auf dem Maidan<\/strong><\/p><p>Auch auf andere Weise setzt das Erzbistum Meisners Erbe fort. Seit zwei Jahrzehnten organisiert es den katholischen Ritt nach Osten. Daf&uuml;r bekam er die Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen und wurde Ehrenritter des Deutschen Ordens. 2013 gr&uuml;ndete das Erzbistum die Kardinal Meisner-Stiftung. Sie soll die Priesterausbildung in Osteuropa finanzieren. <\/p><p>Meisner leitete seit 1993 die Katholische Stiftung RENOVABIS (Psalm 104: Renovabis faciem terrae = du wirst das Gesicht der Erde erneuern). Sie wurde vom Zentralkomittee (!) der deutschen Katholiken gegr&uuml;ndet, Ziel: &bdquo;christlicher Neuanfang&ldquo; in den ex-sozialistischen Staaten. Bisher wurden 19.000 Projekte mit gut 500 Millionen Euro finanziert. <\/p><p>Am 9.12.2013 schickte RENOVABIS eine Solidarit&auml;tsadresse an die katholischen Bisch&ouml;fe in der Ukraine: Der &bdquo;Weg nach Europa&ldquo; m&uuml;sse offenbleiben. Am 19.12.2013 verbreitete RENOVABIS den bedauernden Bericht ihres ukrainischen Korrespondenten: &bdquo;Maidan verliert an Schwung.&ldquo; Am 20.2.2014 die Wende: &bdquo;Kirchen sind auf dem Maidan sehr pr&auml;sent &ndash; Interview mit Erzbischof Vijtyshyn zur aktuellen Situation in der Ukraine&ldquo;. Der Bischof teilte begeistert mit, seine Kirche unterst&uuml;tzte die Demonstranten, die Priester beteten mitten unter ihnen. Von neofaschistischen und antisemitischen Demonstranten sagte der westlich subventionierte Erneuerungschrist nichts. <\/p><p>Dass der Rabbi von Kiew die Juden aufruft, so schnell wie m&ouml;glich zu fl&uuml;chten &ndash; das soll RENOVABIS&lsquo; Ostritt nicht aufhalten. <\/p><p><strong>Nachsatz:<\/strong> Nach eigenem Bekunden geht Meisner alle vier Wochen zur Beichte. Seinen Beichtvater hat er selbst ausgew&auml;hlt. Wenn wir uns vergegenw&auml;rtigen, was er selbst als S&uuml;nde bezeichnet &ndash; was beichtet er dann wohl? Und was nicht? Und warum so oft?<\/p><p><em>Aus: Werner R&uuml;gemer: Bis diese Freiheit die Welt erleuchtet. Papyrossa Verlag, K&ouml;ln 2017, 2. Auflage<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gegenw&auml;rtige Deutschland braucht in seiner geistigen Not Legenden &ndash; auf Teufel komm raus. Wenn Prominente sterben, entfesseln die herrschenden Medien einen Legenden-Furor: Adenauer, Kohl, jetzt der K&ouml;lner Erzbischof und Kardinal Joachim Meisner. Der erzreaktion&auml;re Theologe, vom polnischen Papst Wojtyla berufen, hetzte bis in seine letzten Tage, schon nicht mehr im Amt, gegen den Reformpapst<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39084\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,199,11,161],"tags":[1114,1968,358,1899,1256,1031,911,275,315,747,2112,525,604,1656,348],"class_list":["post-39084","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-kirchen-religionen","category-strategien-der-meinungsmache","category-wertedebatte","tag-adenauer-konrad","tag-briefkastenfirmen","tag-bundeswehr","tag-esser-klaus","tag-homosexualitaet","tag-investmentfonds","tag-maidan","tag-mckinsey","tag-merkel-angela","tag-nachruf","tag-opus-dei","tag-papst","tag-ruegemer-werner","tag-sal-oppenheim","tag-von-und-zu-guttenberg-karl-theodor"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39084","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39084"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39084\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":47596,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39084\/revisions\/47596"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39084"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}