{"id":3909,"date":"2009-04-28T08:56:00","date_gmt":"2009-04-28T06:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3909"},"modified":"2014-01-28T11:26:47","modified_gmt":"2014-01-28T10:26:47","slug":"che-zwei-jahre-hochschulpakt-eine-halbzeitbilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3909","title":{"rendered":"CHE: Zwei Jahre Hochschulpakt \u2013 eine Halbzeitbilanz"},"content":{"rendered":"<p>Das Bertelsmann Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung hat eine Studie &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.che.de\/downloads\/CHE_AP118_Laenderberichte_Hochschulpakt.pdf\">&bdquo;Herausforderungen, Ma&szlig;nahmen und (Miss-)Erfolge&ldquo; [PDF &ndash; 241 KB]<\/a> nach zwei Jahren des Hochschulpaktes 2020 vorgelegt. Die Studie birgt viele Informationen &uuml;ber die Umsetzung in den 16 L&auml;ndern. Sie ist insofern spannend, weil das CHE in vielen Punkten mit den von ihm selbst propagierten Vorschl&auml;gen konfrontiert wird.<br>\nDie Befunde m&uuml;ssten eigentlich auch f&uuml;r das CHE an vielen Stellen Anlass zu Selbstkritik sein. Doch das vorausgegangene Tun und die ideologischen Scheuklappen verstellen besserer Einsicht den Blick. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Interessant ist etwa, dass das CHE inzwischen die &bdquo;gesamtstaatliche Perspektive&ldquo; der h&ouml;heren Bildung wieder betont:<\/p><blockquote><p>Man wird festhalten m&uuml;ssen, dass die Mehrzahl der L&auml;nder nicht oder nicht in diesem Ausma&szlig; auf die Herausforderungen reagiert h&auml;tte, wenn der Bund nicht mit erheblichen finanziellen Vorleistungen in diesen Pakt eingestiegen w&auml;re. Gerade in diesem Teil des Hochschulpaktes, um den es hier in erster Linie geht &ndash; die Realisierung von zus&auml;tzlichen Studienanf&auml;nger\/- innen &ndash; engagiert sich der Bund etwa zur H&auml;lfte auf einem Gebiet, auf dem ihm die F&ouml;deralismusreform I just die Kompetenzen entzogen hatte, n&auml;mlich der Mitfinanzierung der Lehre.<\/p><\/blockquote><p>Das CHE war ja bisher ein gl&uuml;hender Verfechter des Wettbewerbsprinzips zur Steuerung der Hochschulen und die Bertelsmann Stiftung hat mit allen ihren Mitteln den Wandel vom kooperativen F&ouml;deralismus zum Wettbewerbsf&ouml;deralismus und die Dezentralisierung auch der Bildungspolitik vorangetrieben. <\/p><p>Als Ausweg aus der Kleinstaaterei in der Hochschulpolitik soll nun die Konkurrenz um Bundesmittel wieder korrigieren, was vorher zerst&ouml;rt wurde.<\/p><p>Die Bertelsmann Stiftung geh&ouml;rte zu den Think-Tanks, die Katastrophengem&auml;lde &uuml;ber die demografische Entwicklung an die Wand gemalt und daraus sofortige &bdquo;Reformen&ldquo; etwa bei den sozialen Sicherungssystemen angemahnt hat. Nun muss man in der Studie pl&ouml;tzlich eine <em>&bdquo;widerspr&uuml;chliche Entwicklung&ldquo;<\/em> konstatieren:<\/p><blockquote><p>Im Westen &ndash; und damit dann auch in der Summe in Deutschland insgesamt &ndash; wird die Zahl der studienberechtigten Schulabg&auml;nger\/-innen noch mehr als 15 Jahre deutlich &uuml;ber dem Niveau von 2005 liegen.<\/p><\/blockquote><p>F&uuml;r diesen demografischen Trend an den Hochschulen hatte man leider, anders als bei den sozialen Sicherungssystemen, vor einigen Jahren keinen Alarm geschlagen.<\/p><p>Die Studie stellt selbstkritisch fest, dass es f&uuml;r ein Lob noch zu fr&uuml;h sei, da die Ergebnisse nur die erste Phase des Hochschulpaktes erfassten:<\/p><p><em>In der ersten H&auml;lfte dieser ersten Phase waren daher nur 37.000 der 91.000 zus&auml;tzlichen Anf&auml;nger\/-innen vorgesehen, der gr&ouml;&szlig;te Teil der zus&auml;tzlichen Studienanf&auml;nger\/-innen kommt also noch. Insofern darf diese positive Zwischenbilanz nicht &uuml;berbewertet werden, man kann noch immer schwer absch&auml;tzen, ob die Ziele der zweiten  H&auml;lfte der ersten Phase denn auch erreicht werden d&uuml;rften.<\/em><\/p><p>Berechtigt ist die Kritik des CHE, dass Planzahlen f&uuml;r den Hochschulpakt von Anfang an zu gering angesetzt waren: <\/p><p>Die &Uuml;berf&uuml;llung des Jahres 2008 entspreche gerade der Tatsache, <em>&bdquo;dass die Planungen des Hochschulpaktes zu gering angesetzt waren und sich nun f&uuml;r die kommenden Jahre auch ein h&ouml;herer Trend, analog zu den Studienberechtigtenprognosen, fortschreibt.&ldquo;<\/em><\/p><p>Zustimmen kann man der Studie auch bei ihrer Kritik an der nach wie vor bestehenden Planungsunsicherheit:<\/p><p><em>&bdquo;Der Pakt ist in Phasen zerlegt&ldquo;<\/em> und man verhalte sich noch immer so, als gehe es um eine <\/p><blockquote><p>Notma&szlig;nahme zur Bew&auml;ltigung eines vor&uuml;bergehenden Problems&hellip;Die deutschen Hochschulen und die dahinter stehende Finanzierungslogik verhalten sich im Wesentlichen noch immer so, als m&uuml;ssten sie eine &uuml;berbordende Nachfrage nach Studienangeboten verwalten und k&ouml;nnten mit Hilfe von Zulassungsbeschr&auml;nkungen den Einlass kontrollieren.<\/p><\/blockquote><p>Durch diese Zerlegung des Paktes in Phasen bleibe das Finanzierungsrisiko f&uuml;r eine Lebenszeiteinstellung von Professoren oder f&uuml;r l&auml;ngerfristige Investitionsvorhaben bei den Hochschulen:<\/p><blockquote><p>Die so genannten hochschulspezifischen Aufwuchsplanungen in einzelnen L&auml;ndern zeigen, dass der Hochschulpakt st&auml;rker als Pr&auml;mienmodell zur Verbesserung der Auslastung bereits vorhandener Kapazit&auml;ten interpretiert wird. Ein systematischer Kapazit&auml;tsaufbau tritt demgegen&uuml;ber teilweise deutlich in den Hintergrund.\n<\/p><\/blockquote><p>Zurecht bef&uuml;rchten die Autoren, dass die Finanzkrise <em>&bdquo;Einsparungen bei den konsumtiven Mitteln im Hochschulsektor zur Folge haben k&ouml;nnte.&rdquo;<\/em><\/p><p>Berechtig ist auch die Kritik, an den viel zu geringen Kostenans&auml;tzen je neuen Studienplatz. Bei der Ermittlung der Werte sei dar&uuml;ber hinaus von vorneherein die Medizin unbeachtet geblieben.  Offenbar sollte die Medizin nicht ausgebaut werden: <em>&bdquo;Das ist vor dem Hintergrund des akut drohenden &Auml;rztemangels nicht recht verst&auml;ndlich&ldquo;<\/em>, hei&szlig;t es dazu in der Studie. Zu beachten sei ferner, <\/p><blockquote><p>dass die Hochschulen f&uuml;r die Umstellung auf die Bachelor- und Masterstrukturen keinerlei finanziellen Ausgleich erhalten hatten &ndash; obgleich der Wissenschaftsrat einen finanziellen Mehrbedarf in Folge der Reform von mindestens 15 % feststellt.<\/p><\/blockquote><p>Das CHE war der Sturmtrupp f&uuml;r die Einf&uuml;hrungen von Studiengeb&uuml;hren. Kein Wunder, dass nun die Studie um diese Frage herumeiern muss:<\/p><blockquote><p>Immerhin k&ouml;nnte man meinen, dass Rheinland-Pfalz gerade deshalb die Zielzahlen des Hochschulpaktes so deutlich &uuml;bererf&uuml;llt hat, weil es eben keine Studienbeitr&auml;ge erhebt und von L&auml;ndern umgeben ist, die solche Geb&uuml;hren eingef&uuml;hrt haben (&hellip;)<\/p>\n<p>In der Summe geht aus dieser Befragung (durch das <a href=\"http:\/\/www.his.de\/pdf\/pub_fh\/fh-200815.pdf\">Hochschulinformationssystem HIS [PDF &ndash; 662 KB]<\/a>) also ein zu vernachl&auml;ssigender Effekt auf die Studieninteressenten hervor. Allerdings wurde die Befragung zu einem Zeitpunkt durchgef&uuml;hrt, als erst zwei L&auml;nder Geb&uuml;hren eingef&uuml;hrt hatten (&hellip;)<\/p>\n<p>Gleichzeitig werben die neuen L&auml;nder zurzeit massiv mit der Geb&uuml;hrenfreiheit &ndash; und dem entspricht ein vergleichsweise h&ouml;herer Anteil von westdeutschen Studienanf&auml;ngern an ostdeutschen Hochschulen, die angeben, die Geb&uuml;hrenfreiheit sei f&uuml;r sie ein relevantes Motiv<br>\ngewesen.\n<\/p><\/blockquote><p>Selbst wenn man den Verzicht von 18.000 Studierenden (meist aus sozial schw&auml;cheren Schichten, so die HIS-Befragung) f&uuml;r vernachl&auml;ssigbar h&auml;lt, so muss sich das CHE fragen lassen, wie es die Barriere Studiengeb&uuml;hren mit der nachdr&uuml;cklichen Forderung nach verst&auml;rkter Werbung f&uuml;r ein Studium in Einklang bringt. <\/p><p>Der Blick auf die Entwicklung der Humankapitalrate (diese Kenngr&ouml;&szlig;e misst den zeitlichen Verbleib im Bildungssystem) zeige, <\/p><blockquote><p>dass Deutschland hier seit Mitte der 1990er Jahre gegen&uuml;ber den meisten Industrie- und Schwellenl&auml;ndern an Boden verliert.&ldquo; Deutschland k&ouml;nne die Akademikerquote &bdquo;seit etwa 40 Jahren nicht mehr steigern, w&auml;hrend in den meisten Vergleichsl&auml;ndern ein deutlicher Anstieg zu beobachten ist.<\/p><\/blockquote><p>Dieser n&uuml;chternen Bilanz hochschul- und bildungspolitischen Versagens ist nichts hinzuzuf&uuml;gen.<\/p><p>Fazit: Eine materialreiche und teilweise interessante Studie, deren Befunde f&uuml;r das CHE Anlass zu Selbstkritik sein m&uuml;ssten. Das eigene, vorausgegangene Tun und ideologische Scheuklappen verhindern dies.<\/p><p><em>Siehe dazu auch<\/em><\/p><p><strong> &bdquo;Vor dem Sturm&ldquo;<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/jetzt.sueddeutsche.de\/texte\/anzeigen\/473583\">SZ<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bertelsmann Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung hat eine Studie &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.che.de\/downloads\/CHE_AP118_Laenderberichte_Hochschulpakt.pdf\">&bdquo;Herausforderungen, Ma&szlig;nahmen und (Miss-)Erfolge&ldquo; [PDF &ndash; 241 KB]<\/a> nach zwei Jahren des Hochschulpaktes 2020 vorgelegt. Die Studie birgt viele Informationen &uuml;ber die Umsetzung in den 16 L&auml;ndern. Sie ist insofern spannend, weil das CHE in vielen Punkten mit den von ihm selbst propagierten Vorschl&auml;gen konfrontiert<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3909\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,17,129],"tags":[232,320,231,523,428,234],"class_list":["post-3909","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demografische-entwicklung","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-bertelsmann","tag-bolognaprozess","tag-che","tag-his","tag-hochschulpakt","tag-studiengebuehren"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3909","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3909"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3909\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20396,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3909\/revisions\/20396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3909"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}