{"id":39113,"date":"2017-07-10T09:41:59","date_gmt":"2017-07-10T07:41:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39113"},"modified":"2017-07-10T15:51:36","modified_gmt":"2017-07-10T13:51:36","slug":"linker-hass-wie-die-hamburger-krawalle-schamlos-instrumentalisiert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39113","title":{"rendered":"\u201eLinker Hass\u201c? Wie die Hamburger Krawalle schamlos instrumentalisiert werden"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\">\n<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170710_g20_3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170710_g20_3_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p>F&uuml;r die BILD ist die Welt traditionell schlicht zu deuten: &bdquo;Linker Hass&ldquo; sei f&uuml;r den &bdquo;G20-Terror in Hamburg&ldquo; verantwortlich. Ins gleiche Horn bl&auml;st auch CDU-Nachwuchshoffnung Jens Spahn, der auf Facebook von &bdquo;vermummten Linksfaschisten&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/jensspahn\/posts\/10155543235844044\">fantasiert<\/a>, die &bdquo;Applaus von den Linken&ldquo; bek&auml;men. SPIEGEL-Hauptstadtb&uuml;ro-Leiter Ren&eacute; Pfister <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/news-g20-gipfel-olaf-scholz-angela-merkel-horst-seehofer-a-1156919.html\">dr&uuml;ckt<\/a> den gleichen Gedanken etwas geschliffener aus: ein Grund f&uuml;r die Ausschreitungen liege darin, &bdquo;dass die deutsche Linke es immer noch schafft, blinder Zerst&ouml;rungsgeilheit ein politisches M&auml;ntelchen umzuh&auml;ngen.&ldquo; All dies ist erstaunlich, diskreditieren die Gewaltexzesse von Hamburg doch vor allem die echte Kritik am Gipfel, die von der politischen Linken kommt. Wer die Krawalle als &bdquo;links&ldquo; einordnet, verfolgt vielmehr selbst die Agenda, gesellschaftspolitische Kritik zu diskreditieren und die politische Linke zu stigmatisieren. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6885\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39113-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170710_Linker_Hass_schamlos_instrumentalisiert_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170710_Linker_Hass_schamlos_instrumentalisiert_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170710_Linker_Hass_schamlos_instrumentalisiert_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170710_Linker_Hass_schamlos_instrumentalisiert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39113-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170710_Linker_Hass_schamlos_instrumentalisiert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170710_Linker_Hass_schamlos_instrumentalisiert_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170710_g20_2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Wer genau die T&auml;ter waren, die im Hamburger Schanzenviertel w&uuml;teten, ist nicht zu 100% gekl&auml;rt. Zahlreiche Befragungen von Anwohnern und Gipfelgegnern, die vor Ort waren, zeichnen jedoch ein ungef&auml;hres Bild, das sich mit den allermeisten <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/g20-gipfel-wer-hat-in-der-krawallnacht-wirklich-randaliert-a-1156854.html\">Reporterberichten<\/a> in den klassischen Medien erg&auml;nzt. Den harten Kern der Gewaltt&auml;ter bildete offenbar eine mehrere hundert Mann starke Gruppe schwarz gekleideter und vermummter Autonomer, die zu einem gro&szlig;en Teil aus dem S&uuml;den Europas kamen. Vor allem Griechen, Italiener und Franzosen sollen hierbei zu den R&auml;delsf&uuml;hrern geh&ouml;rt haben. Unterst&uuml;tzt wurde dieser harte Kern von einer zahlenm&auml;&szlig;ig gr&ouml;&szlig;eren, sehr heterogenen Gruppe oft sehr junger Randalierer &ndash; meist vermummt und oft in teuren Markenklamotten, darunter den meisten Schilderungen zufolge sehr viele junge Frauen. Die interessante Frage ist: Kann man diese beiden Gruppierungen tats&auml;chlich der politischen Linken zurechnen?<\/p><p>Bei den gut organisierten Autonomen ist die Beantwortung dieser Frage nicht so einfach. Einige von ihnen sind weitestgehend apolitisch, viele sympathisieren aber auch mit Ideologien wie dem &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Insurrektionalismus\">Insurrektionalismus<\/a>&ldquo;, einer gewaltt&auml;tigen Str&ouml;mung des Anarchismus, bei der die Rebellion im Vordergrund steht. Klassisch linke Interessenvertretungen wie linke Parteien oder Gewerkschaften werden von dieser Form des Anarchismus genauso abgelehnt wie klassisch linke Politik. Ob man diese Str&ouml;mungen &uuml;berhaupt der politischen Linken zurechnen kann, ist selbst unter Politikwissenschaftlern mehr als umstritten.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170710_g20_7.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Noch verworrener wird das Bild, wenn man sich die &bdquo;Krawall-Kiddies&ldquo; anschaut. In der Tat spielen einige von ihnen auch mit &bdquo;linker Symbolik&ldquo;, echte politische Ziele sind ihnen jedoch in der Regel fremd. Meist geht es den gelangweilten Kindern aus &bdquo;besserem Hause&ldquo; eher um eine perverse Triebbefriedigung durch Randale und Gewalt. Hamburg war f&uuml;r sie eher ein Abenteuerspielplatz, der G20-Protest ein &bdquo;Event&ldquo;; apolitisch und inhaltsleer. So sinnvoll es w&auml;re, diese moderne Gewaltkultur n&auml;her zu betrachten, so sinnlos ist es, sie pauschal ins &bdquo;linke Lager&ldquo; zu verschieben. Denn was ist bittesch&ouml;n links daran, wenn ein junger Schn&ouml;sel am Wochenende zum Randale machen nach Hamburg f&auml;hrt und dort Kleinwagen anz&uuml;ndet und Gesch&auml;fte verw&uuml;stet? Noch nicht einmal der Randalierer selbst denkt im Traum daran, dass die Welt gerechter wird, wenn er einen Twingo ansteckt. Warum aber stecken ihn Teile der Medien dann in die &bdquo;linke Schublade&ldquo;?<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170710_g20_4.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich gab es in Hamburg auch linken Protest. Bunt, kritisch und nat&uuml;rlich friedlich &hellip; so wie es eigentlich selbstverst&auml;ndlich ist. Der Hamburger Gespr&auml;chskreis der NachDenkSeiten war auch mit dabei. An der Gro&szlig;demonstration &bdquo;Grenzenlose Solidarit&auml;t statt G20&ldquo; nahmen immerhin rund 76.000 Menschen teil, weitere 3.000 bis 5.000 Menschen kamen zur rot-gr&uuml;nen Alibi-Veranstaltung &bdquo;Hamburg zeigt Haltung&ldquo;. Diese 80.000 Demonstranten hatten sehr wohl politische Forderungen und waren selbstverst&auml;ndlich friedlich. Dumm nur, dass ihr legitimer Protest in der Dauerberichterstattung &uuml;ber die Ausschreitungen fast vollkommen unterging. Wenn BILD, Spahn und SPIEGEL linke Demonstranten suchen, dann w&auml;ren sie bei diesen friedlichen Demonstrationen f&uuml;ndig geworden. Aber das war ja offenbar gar nicht ihr Ziel. Die fragw&uuml;rdige Verortung der Randalierer als &bdquo;Linke&ldquo; folgt wohl vielmehr einer klaren Agenda.<\/p><p>&bdquo;Wie konnte es &uuml;berhaupt zu derartigen Ausschreitungen kommen?&ldquo;, wird seit Freitag stetig gefragt. Eine plausible Erkl&auml;rung liefern einige Anwohner des Schanzenviertels selbst (z.B. <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article166457000\/Die-Polizei-hat-uns-geopfert-fuer-das-Elbphilharmonie-Konzert.html\">in der WELT<\/a>) &ndash; damit die Staatschefs ungest&ouml;rt ihr Beethoven-Konzert in der Elbphilharmonie genie&szlig;en konnten, mussten offenbar tausende Polizisten samt schwerem Ger&auml;t in den S&uuml;den der Innenstadt verlegt werden und fehlten daher stundenlang im nordwestlich des Zentrums gelegenen Schanzenviertel. Man muss jedoch auch feststellen, dass der Krawall im Schanzenviertel zahlreichen Akteuren sehr gut ins Bild passt. Nun ging es nur noch um Gewalt und Zerst&ouml;rung und nicht mehr um die legitime inhaltliche Kritik am Gipfel. Und die gesamte politische Linke konnte man gleich mit in die Schublade mit der Aufschrift &bdquo;Krawallbr&uuml;der&ldquo; stecken. Daher sollte man auch zumindest im Hinterkopf haben, dass das viel zu sp&auml;te Eingreifen von viel zu wenig Polizisten vor Ort auch genau so gewollt sein kann. Erfahren wird man dies wohl nie.<\/p><p>Daf&uuml;r spielen Teile der Politik und der Medien bereits <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/g20-ausschreitungen-in-hamburg-die-linke-muss-sich-entscheiden-a-1156717.html\">verr&uuml;ckt und skandieren<\/a>, &bdquo;die Linke&ldquo; solle sich doch viel st&auml;rker von Gewalt distanzieren. Da scheint bei den Kollegen aber einiges durcheinanderzugeraten. Oder haben Sie jemals auch nur im Ansatz mitbekommen, dass Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch, Bernd Riexinger, Katja Kipping, Gregor Gysi oder auch Toni Hofreiter, Katrin G&ouml;ring-Eckardt, Martin Schulz oder Sigmar Gabriel (so man sie zur erweiterten politischen Linken z&auml;hlen will) sich mit derartiger Gewalt solidarisiert h&auml;tten? Warum soll man sich von etwas distanzieren, mit dem man sich nie solidarisiert hat? Haben Horst Seehofer und Peter Altmeier sich eigentlich schon mal von den Rechtsradikalen distanziert, die Fl&uuml;chtlingsheime anz&uuml;nden? Nein und das m&uuml;ssen sie auch nicht; genau so wenig, wie die politische Linke sich von verwirrten Teilen der autonomen Szene und Krawall-Kiddies distanzieren muss. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170710_g20_6.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Wenn man schon unbedingt einen Vergleich anstellen und eine Schublade suchen muss, dann findet man sie wohl am ehesten beim Hooligan-Problem des Fu&szlig;balls. Niemand k&auml;me auf die Idee, den Familienvater, der sich mit Sohnemann und T&ouml;chterchen ein Fu&szlig;ballspiel im Stadion anschaut, direkt oder indirekt f&uuml;r Ausschreitungen verantwortlich zu machen, die gewaltt&auml;tige Hooligans im Umfeld des Spiels anrichten. Auch den Hooligans geht es nur um die Gewaltgeilheit und die pure Lust an der Zerst&ouml;rung. Damit haben wir uns unwillig abgefunden. Dass Hooligans keine Fans sind und den Fu&szlig;ball nur als Mittel zum Zweck missbrauchen, ist heutzutage gr&ouml;&szlig;tenteils akzeptiert. Warum machen wir diese Unterscheidung dann aber nicht auch bei den Krawallen im Umfeld politischer Demonstrationen? Hat der DFB eine bessere politische Lobby als die Gipfelgegner? Oder z&auml;hlen Gipfelgegner ohnehin nicht zu den Merkel-W&auml;hlern, Fu&szlig;ballfans jedoch schon?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"> <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170710_g20_3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170710_g20_3_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/a><\/div>\n<p>F&uuml;r die BILD ist die Welt traditionell schlicht zu deuten: &bdquo;Linker Hass&ldquo; sei f&uuml;r den &bdquo;G20-Terror in Hamburg&ldquo; verantwortlich. Ins gleiche Horn bl&auml;st auch CDU-Nachwuchshoffnung Jens Spahn, der auf Facebook von &bdquo;vermummten Linksfaschisten&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/jensspahn\/posts\/10155543235844044\">fantasiert<\/a>, die &bdquo;Applaus von den Linken&ldquo; bek&auml;men. 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