{"id":3913,"date":"2009-04-29T09:08:10","date_gmt":"2009-04-29T07:08:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3913"},"modified":"2014-01-28T11:23:55","modified_gmt":"2014-01-28T10:23:55","slug":"raus-aus-dem-gen-mais-rein-in-die-gen-kartoffeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3913","title":{"rendered":"\u201eRaus aus dem Gen-Mais\u201c &#8211; \u201eRein in die Gen-Kartoffeln\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat zun&auml;chst den Anbau der Genmaissorte MON 810 (siehe auch: <a href=\"?p=2792\">&ldquo;Die Abstimmung &uuml;ber die Aufhebung des Genmais-Importverbots &Ouml;sterreichs zeigt die undemokratischen Strukturen der Europ&auml;ischen Union und der WTO&rdquo;<\/a>) untersagt. Horst Seehofer (CSU) hatte in seiner Eigenschaft als Landwirtschaftsminister den Anbau von Genmais MON 810 zugelassen. Der pl&ouml;tzliche Gesinnungswandel der CSU steht wohl in engem Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen f&uuml;r das Europaparlament und f&uuml;r den Bundestag. Nachdem die Christ-sozialen bei der Bayerischen Landtagswahl eine herbe Niederlage einstecken musste, versucht sich die CSU &ndash; zumindest bis &uuml;ber die Wahlen hinweg &ndash; b&uuml;rgernah zu geben. Die bayerischen W&auml;hler haben der CSU gezeigt, dass sie genug haben von einer Politik nach dem Motto &bdquo;Wir-wissen-schon-was-f&uuml;r-euch-gut-ist&ldquo;. Das Thema &bdquo;Gr&uuml;ne Gentechnik&ldquo; bewegt die Volksseele weit mehr als den Regierungen lieb ist. Nun gab die Landwirtschaftsministerin allerdings gr&uuml;nes Licht f&uuml;r den Anbau der Gen-Kartoffel Amflora. Die Kartoffel darf in Mecklenburg-Vorpommern angebaut werden. Das Land an der Ostsee ist ja weit weg von Bayern und den W&auml;hlerinnen und W&auml;hler der CSU. Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><\/p><p>Seit Jahren protestieren Bauern in Bayern gegen genmanipuliertes Saatgut. <a href=\"?p=2792\">Die Volksabstimmung im benachbarten &Ouml;sterreich, bei der &uuml;ber eine Million B&uuml;rger gegen den Genmais MON810 stimmten wurde von der bayerischen Staatsregierung einfach &uuml;bergangen<\/a>.  Das l&ouml;ste bei den Bayern Emp&ouml;rung aus. Viele vormals politisch weniger aktive B&uuml;rger organisieren inzwischen Protest- und Aufkl&auml;rungsaktionen. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass nur noch der Druck von unten auf Parteien und Konzerne hier noch ein Einlenken bewirken. Mit &Ouml;sterreich, Ungarn, Griechenland, Frankreich und Luxemburg haben bereits f&uuml;nf EU-Staaten den Anbau von Mon 810 untersagt, aber dennoch droht die EU-Kommission mit rechtlichen Schritten auch gegen das Anbauverbot der deutschen Landwirtschaftsministerin. Monsanto strengt eine Klage an.<\/p><p>Die Agrar-Konzerne wie Monsanto haben in vielen Teilen der Welt gezeigt, dass sie alle Mittel einsetzen, um ihre Produkte durchzusetzen. Ausf&uuml;hrlich beschreibt dies Naomi Klein in ihrem Buch &bdquo;Schockstrategie&ldquo;. Die Gentechnik, die mit dem Argument, das Hungerproblem in der Welt l&ouml;sen zu k&ouml;nnen, in nahezu allen Teilen der Welt propagiert wird und zugelassen werden soll, erweist sich zunehmend als &bdquo;B&uuml;chse der Pandora&ldquo;. <\/p><p>So zieht die &ouml;sterreichische Umweltorganisation GLOBAL 2000 in einer Studie aus dem Jahr 2008 eine vernichtende Bilanz. Die viel gepriesenen Vorteile der Genpflanzen h&auml;tten sich in der Praxis meist nicht bewahrheitet, der Verbrauch von Pestiziden in der Landwirtschaft sei sogar signifikant gestiegen. Amerikanische und kanadische Bauern, die &uuml;ber eine 10-j&auml;hrige Erfahrung mit genver&auml;nderten Pflanzen verf&uuml;gen, beklagten, dass die Ernteausbeute gesunken, der Pestizidbedarf hingegen gestiegen und die N&auml;hrstoffdichte der Produkte geringer geworden sei. Mehrere problematische Befunde der letzten Jahre zeigten, dass bei gentechnisch ver&auml;ndertem Mais, Reis oder Erbsen gesundheitliche Risiken nach wie vor nicht ausgeschlossen werden k&ouml;nnen. <\/p><p>Aufgrund besorgniserregender Ergebnisse verschiedener anderer Studien dr&auml;ngt GLOBAL 2000 gemeinsam mit dem Netzwerk &bdquo;Friends of the Earth&ldquo; europaweit auf eine Reform des Zulassungsverfahrens von Gentech-Pflanzen. Es wird immer augenf&auml;lliger, dass mit der Gentechnik ein unkalkulierbarer, risikobehafteter und irreversibler Eingriff in die Genstrukturen der Pflanzen stattfindet. Es wird ebenfalls mehr und mehr deutlich, dass gerade die &auml;rmeren L&auml;nder &uuml;berhaupt keinen Nutzen von der Gentechnik haben. Offenkundig ist jedenfalls, dass mit der Zulassung der Gentechnik vor allem die Interessen der Saatgutindustrie bedient werden. <\/p><p>Die Gewinnung und der Austausch von Saatgut liegen seit Menschengedenken vor allem in den H&auml;nden der Bauern. Transnationale Konzerne, immer auf der Suche nach neuen M&auml;rkten, haben inzwischen diese Tradition unterwandert und z.B. mit dem TRIPS-Abkommen (&Uuml;bereinkommen &uuml;ber handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums) einen Meilenstein auf dem Weg zur globalen Kommerzialisierung des Saatgutes platziert (mehr dar&uuml;ber: <a href=\"http:\/\/www.wto-runde.de\/themen\/trips\/index_alle.html\">wto-runde.de<\/a>). Die Entstehung und der Inhalt des TRIPS-Abkommens lassen deutlich erkennen, dass es dabei haupts&auml;chlich um den Schutz derjenigen geht, die bereits &ldquo;geistiges Eigentum&rdquo; in Form von Patenten etwa an bestimmtem Saatgut besitzen. Die einzelnen Regeln des Abkommens weisen eine deutliche Schlagseite zugunsten der Verwertungsinteressen der Konzerne in den Industriel&auml;ndern auf. Transnational agierende Konzernvertreter geben offen zu, dass das TRIPS wesentlich auf ihre Initiative zur&uuml;ckgeht. Tats&auml;chlich waren 13 US-Konzerne an der Ausarbeitung des Abkommens beteiligt, darunter Bristol Myers Squibb, DuPont und Monsanto. Die Patentierung von Saatgut ist untrennbar mit der Gentechnik verbunden. Die Verwendung dieser Saaten treibt die Bauern in die Abh&auml;ngigkeit von den Agrarkonzernen. In einigen Entwicklungsl&auml;ndern wurde so bereits die traditionelle agrarische Basis zerst&ouml;rt, Hunger und Armut breiteten sich noch weiter aus (mehr zu diesem Thema: <a href=\"?p=1141\">&ldquo;Nach dem TRIPS-Abkommen f&auml;llt auch die Patentierung von Saatgut und Pflanzensorten unter sch&uuml;tzenswertes geistiges Eigentum, damit wird traditionelles Wissen zu einer weltweit handelbaren Ware gemacht&rdquo;<\/a> ). Auch in der EU versuchen die Agrar-Konzerne jetzt ihre Saatgutoligopole zu etablieren. Ihre Lobbyisten arbeiten schon seit Jahren erfolgreich daran. Die Verflechtungen zwischen Europ&auml;ischer Union, EU-Kommission und WTO sind f&uuml;r den B&uuml;rger meist nur schwer durchschaubar. Trotz der &uuml;berwiegend ablehnenden Haltung der B&uuml;rger in der Europ&auml;ischen Union, wird dennoch von der EU-Kommission &ndash; nat&uuml;rlich mit vorheriger Zustimmung der Regierungen &ndash;  mit aller Macht versucht, genmanipulierte Lebens- und Futtermittel und Saatgut auf dem gesamten europ&auml;ischen Markt zuzulassen und das &ndash; wenn es sein muss &ndash; im Klagewege durchzusetzen. <\/p><p>Angesichts dieser Ohnmacht erwuchs zunehmender Widerstand auf B&uuml;rgerebene. Gerade die traditionell CSU-treuen bayerischen Bauern f&uuml;rchten um ihre wirtschaftliche Zukunft und sind alarmiert. &Uuml;ber die Grenzen Bayerns hinaus ist bisher wenig &uuml;ber die <a href=\"http:\/\/www.zivilcourage.ro\/wp\/pressestimmen\">&bdquo;Initiative Zivilcourage, Freie Bauern und B&uuml;rger AG gegen Agro-Gentechnik&ldquo;<\/a> bekannt geworden. Diese B&uuml;rgerbewegung setzt sich ein f&uuml;r den Erhalt der l&auml;ndlichen Struktur, f&uuml;r Artenvielfalt und Vielfalt der nat&uuml;rlichen Lebensmittel, f&uuml;r Aufkl&auml;rung der gesamten Bev&ouml;lkerung &uuml;ber die Gefahren der Gr&uuml;nen Gentechnik und f&uuml;r ein gentechnikfreies Bayern und Europa und damit auch f&uuml;r die St&auml;rkung des regionalen Marktes durch Aufkl&auml;rung &uuml;ber die positive &Ouml;kobilanz von regionalen Produkten. Die Initiative hat z.B. im Februar eine Veranstaltung gegen Agro-Gentechnik organisiert, die von 3500 B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern aus dem Chiemgauer Land besucht wurde. Der H&ouml;hepunkt der Gro&szlig;veranstaltung war der Besuch der Tr&auml;gerin des Alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, die in ihrem Vortrag ausf&uuml;hrte, dass die Agro-Gentechnik nicht nur ein Thema der armen L&auml;nder ist, sondern auch in den entwickelten L&auml;ndern zum gro&szlig;en Problem werden kann, weil in unser aller Lebensgrundlagen eingegriffen werde. Die indische Physikerin rief zu zivilem Widerstand auf, denn dies sei die einzige Chance gegen die Macht des Kapitals, da viele Politiker von den Agrarkonzernen abh&auml;ngig seien.  Christoph Fischer von der bayerischen Initiative konnte im Vorfeld keine Unterst&uuml;tzung von der etablierten Politik f&uuml;r seine Veranstaltung finden. Das ist zwar bezeichnend f&uuml;r die Gentechnikpolitik hierzulande, aber es war letztlich nicht weiter bedauerlich, denn so war die Veranstaltung mit Demonstration, Blasmusik, politischem Kabarett und Infotischen authentischer als die meisten politischen Veranstaltungen, auf denen Sonntagsreden gehalten werden und nur um die Gunst der W&auml;hler gebuhlt wird. Fischer stammt aus dem Umland, spricht die Sprache der Menschen auf dem Land, ist einer von ihnen, kennt ihre &Auml;ngste und Sorgen. Auch die Kleiderordnung auf der Einladung kam gut an: &bdquo;Wer die M&ouml;glichkeit hat kann seine Unterst&uuml;tzung und Solidarit&auml;t zeigen, indem er \/sie in Tracht zu diesem Abend kommt. Dies soll Zeichen unserer regionalen Verwurzelung sein.&ldquo; S&auml;tze wie &bdquo;Unsere Heimat und unsere Lebensmittel sind in Gefahr&ldquo; fielen auf fruchtbaren N&auml;hrboden. Mit Hintergrundinformationen &uuml;ber den Konzern Monsanto, der Gefahr, dass z.B. Honig als Sonderm&uuml;ll entsorgt werden m&uuml;sse und der Geschichte von dem kanadischen Bauern Percy Schmeiser, der von Monsanto verklagt wurde (siehe auch: <a href=\"?p=2955\">&ldquo;Was &auml;ndert das neue Gentechnik-Gesetz?&rdquo;<\/a>), obwohl er nie Produkte von Monsanto kaufte, konnte Fischer das Publikum f&uuml;r sich gewinnen. Die etablierten Parteien, allen voran die CSU, hat der Erfolg und das Echo dieser Veranstaltung v&ouml;llig &uuml;berrascht. Eine derart gro&szlig;e Resonanz auf ein &Ouml;kothema auf breiter Ebene und das gerade auf dem Land unter konservativen Stammw&auml;hlern hat die CSU alarmiert. Das Thema war der Kontrolle der offiziellen Politik entglitten, der Widerstand entwickelte sich von unten. Dies war keine dieser Veranstaltungen, auf denen alle Beteiligten aus einer politischen Ecke kommen und sich mit den immer gleichen Argumenten im Kreis drehen. Nein, hier wurden politisch bisher passive B&uuml;rger von Menschen ohne Partei- bzw. Verbandsabh&auml;ngigkeit &uuml;ber die Gefahren der &bdquo;Gr&uuml;nen Gentechnik&ldquo; informiert. Dies ist ein bayerisches Beispiel f&uuml;r erfolgreiche Graswurzelpolitik, das bisher keiner f&uuml;r m&ouml;glich hielt und dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden. Denn B&uuml;rger, die &uuml;ber das notwendige Hintergrundwissen verf&uuml;gen, lassen sich nicht so leicht von der &bdquo;Notwendigkeit&ldquo; der &bdquo;Gr&uuml;nen Gentechnik&ldquo; &uuml;berzeugen. <\/p><p><strong>Die Genkartoffel <\/strong><\/p><p>Der Anbau der Gentech-Kartoffel Amflora ist umstritten, da die Kartoffel ein antibiotikaresistentes Marker-Gen enth&auml;lt. Da Mediziner in der humanmedizinischen Therapie auf Antibiotika angewiesen sind, bef&uuml;rchten Kritiker, dass die massive Verbreitung von Resistenzgenen in der freien Natur &uuml;ber den extensiven landwirtschaftlichen Anbau die Wirksamkeit solcher Medikamente sehr bald erheblich beeintr&auml;chtigt. Laut Informationen der Umweltschutzorganisation Greenpeace enth&auml;lt Amflora eine ver&auml;nderte St&auml;rke. Normalerweise bestehe dieser Speicherstoff in der Knolle aus Amylopektin und Amylose. Der Hersteller BASF habe das Gen f&uuml;r die Amylose einfach ausgeknipst, so dass die St&auml;rke nur Amylopektin enthalte. F&uuml;r den BASF-Konzern sei die Kartoffel f&uuml;r den &bdquo;industriellen Einsatz optimal abgestimmt&ldquo; und biete viele Anwendungsm&ouml;glichkeiten. So werde zum Beispiel Garn rei&szlig;fester und Papier gl&auml;nzender, Spr&uuml;hbeton hafte besser an der Wand und Klebstoff bleibe l&auml;nger fl&uuml;ssig. <\/p><p>Mit der jetzt erfolgten Genehmigung eines Freilandversuchs mit der Gen-Kartoffel  Amflora, reiht sich erstmals eine Kartoffel in die Liste der gentechnisch ver&auml;nderten Pflanzen, die kommerziell angebaut werden. Diese Liste wird vom International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications (ISAAA) ver&ouml;ffentlicht. An erster Stelle stehen Sojabohnen, gefolgt von Mais und Baumwolle. Im Jahr 2008 war erstmals eine gentechnisch ver&auml;nderte Zuckerr&uuml;be kommerziell gepflanzt worden, die gegen ein Unkrautvernichtungsmittel resistent ist. Die weltweite Anbaufl&auml;che von gentechnisch ver&auml;nderten Pflanzen betrug laut ISAAA 125 Millionen Hektar, das ist eine Fl&auml;che, die rund 3,5 Mal so gro&szlig; ist wie Deutschland. Demnach bauten im vergangenen Jahr 13,3 Millionen Landwirte in 25 L&auml;ndern gentechnisch ver&auml;nderte Pflanzen an. Au&szlig;er den vier Hauptpflanzen st&uuml;nden in einzelnen kleineren Fl&auml;chen unter anderem noch gentechnisch ver&auml;nderte Papayas, Alfalfa (Luzerne) und Nelken auf den Feldern. China nutze zudem Pappeln.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.greenpeace-magazin.de\/index.php?id=55&amp;tx_ttnews[calendarYear]=2009&amp;tx_ttnews[calendarMonth]=4&amp;tx_ttnews[startingPoint]=24&amp;tx_ttnews[tt_news]=49536&amp;tx_ttnews[backPid]=54&amp;cHash=1d58ad5ffe\">Greenpeace<\/a><\/p><p><strong>Die Genkuh &ndash; ein Goldesel<\/strong><\/p><p>Der Patentexperte von Greenpeace, Christoph Thenn, bezeichnet es als alarmierend, dass bestimmte Gene von normalen K&uuml;hen und jede weitere Zucht mit K&uuml;hen, die dieses Gen besitzen, patentiert worden seien. Er sagte dazu: &ldquo;Das Patentamt weitet Schritt f&uuml;r Schritt die Patentierbarkeit in Richtung normaler Pflanzen und Tiere aus. F&uuml;r Thenn geh&ouml;rt der Kuhstall bald nicht mehr den Bauern sondern den Konzernen. Dutzende von Patenten auf normale Zucht, geklonte und genmanipulierte Tiere seien beantragt und viele schon vergeben. Das Patent (EP1330552) sichere seinen sieben Inhabern sowohl die Rechte an einem Zuchtverfahren f&uuml;r K&uuml;he, als auch auf K&uuml;he, die genmanipuliert wurden. Beide Teil-Patente zielen darauf ab, dass die K&uuml;he mehr Milch geben sollen. Laut den Regeln des europ&auml;ischen Patentrechtes habe der Patentinhaber auch das Recht an allen Folgegenerationen der Tiere und Pflanzen, selbst wenn nur das Verfahren <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/patente\/nachrichten\/artikel\/patent_auf_die_milchkuh_einspruch\/\">patentiert worden<\/a> ist.Der Agrarwissenschaftler, Landwirt und Initiator der <a href=\"http:\/\/www.zivilcourage-vogelsberg.de\/%20\">Zivilcourage Vogelsberg<\/a>. Dr. Peter Hamel, weist darauf hin, dass wenn mit Hilfe molekularbiologischer Analysemethoden und\/oder Gentechnik bei einem Z&uuml;chtungsschritt genau diejenigen Nachkommen selektiert werden, die diese Genvariante tragen, dann m&uuml;ssten Bauern Patentgeb&uuml;hren entrichten. Das gelte auch f&uuml;r die Folgegenerationen, da die Nachkommen von dem Z&uuml;chtungsschritt profitierten. Nach den Regeln des europ&auml;ischen Patentrechtes hat der Patentinhaber auch das Recht an allen Folgegenerationen der Tiere und Pflanzen, selbst wenn nur das Verfahren <a href=\"http:\/\/genfood.wordpress.com\/2008\/01\/03\/kuh-patent-soll-bauern-melken\/\">patentiert worden<\/a> sei. Im Oktober 2007 hat Greenpeace gemeinsam mit einem B&uuml;ndnis aus Milchviehhaltern, Bauern und weiteren Verb&auml;nden Einspruch gegen ein Patent auf Milchk&uuml;he eingelegt. Nach Ansicht der Verb&auml;nde verst&ouml;&szlig;t das Patent unter anderem gegen das Verbot der Patentierung von konventionellen Zuchtverfahren.<br>\nQuelle: Greenpeace<\/p><p>Wenn beispielsweise eine Kuh kalbt, bei deren Zucht, ohne Wissen des Bauern, die patentierte Selektion dieser Genauspr&auml;gung in der Zucht verwendet wurde, entsteht eine Lizenzpflicht. Der Bauer macht sich  strafbar, ein Albtraum f&uuml;r jeden Bauern. In der Schweinezucht lauern ganz &auml;hnliche Gefahren.<\/p><p><strong>Das Genschwein<\/strong><\/p><p>Gemeinsam mit der Organisation &bdquo;Kein Patent auf Leben&ldquo; und Schweinez&uuml;chtern aus D&auml;nemark enth&uuml;llte Greenpeace, dass der Konzern Monsanto ein Dutzend umfassend formulierter Patente bei der Weltpatentbeh&ouml;rde eingereicht hat. So Monsanto fordert beispielsweise mit dem Patent WO 2005\/078133, ganze Schweinebest&auml;nde und deren Nachkommen zu patentieren. Inzwischen hat Monsanto das Patent an einen anderen Konzern verkauft. Am 15. April 2009, einen Tag vor Ablauf der Einspruchsfrist, protestierten rund 1.000 Menschen in M&uuml;nchen gegen ein Patent zur Z&uuml;chtung von Schweinen. Greenpeace hat ausgehend von den im Patent beschriebenen Anspr&uuml;chen gepr&uuml;ft, wie h&auml;ufig die genannten Gene im Erbgut europ&auml;ischer Schweine vorkommen. Das Ergebnis: Von neun Schweinerassen fielen Tiere von acht Rassen unter die Patentanspr&uuml;che. Darunter seien Rassen, die in Deutschland h&auml;ufig zur Zucht genutzt w&uuml;rden, beispielsweise: Deutsche Landrasse (Large-White), Yorkshire und Hampshire (Duroc). Davon seien auch seltene Nutztierrassen wie Angler Sattelschwein, Rotbuntes Husumer Schwein oder Schw&auml;bisch-H&auml;llische Schweine betroffen, die jetzt nicht mehr frei gekreuzt werden k&ouml;nnten, ohne dem Patentinhaber Tribut zu zollen.<br>\nQuelle: Greenpeace <\/p><p><em>&ldquo;Wer das &Ouml;l kontrolliert, ist in der Lage, ganze Nationen zu kontrollieren; wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen&rdquo;<\/em>. (Henry Kissinger)<\/p><p>Mit der Entwicklung der Patente auf Tiere und Pflanzen sind Bauern den Patentinhabern k&uuml;nftig hilflos ausgeliefert, sie werden von multinationalen Konzernen geradezu teilweise enteignet. Denn ohne Lizenz haben sie keine Zuchterlaubnis bei diesen Sorten und sind von Strafen bedroht. <\/p><p>Wenn die Entwicklung schon Z&uuml;chtungs-Verfahren patentieren zu k&ouml;nnen, weiter fortschreitet, dann kontrollieren Agrar-, Chemie- und Biotechnologiekonzerne zunehmend die Tierzucht. Auch der Bundesverband der Deutscher Milchviehhalter e.V. bef&uuml;rchtet, dass bei Patentierung der Zucht normaler K&uuml;he, die Patentinhaber versuchen k&ouml;nnten, f&uuml;r jede Kuh, die das entsprechende Gen besitzt, eine Lizenzgeb&uuml;hr zu erheben, was eine dauerhafte lukrative Geldquelle w&auml;re, ohne eine zus&auml;tzliche Eigenleistung beisteuern zu m&uuml;ssen. Damit w&uuml;rde auch der Patentierung der Nahrungsmittel T&uuml;r und Tor ge&ouml;ffnet und niemand k&ouml;nnte der Vorherrschaft der Lizenzinhaber mehr entgehen. <\/p><p>Letztendlich entsteht eine vertikale Kette, vom Erzeuger bis zum Verbraucher, die von einigen wenigen multinationalen Konzernen gelenkt und &uuml;ber die Vergabe von Lizenzen kontrolliert wird. <\/p><p>Eine weitere Gefahr der fortschreitenden Patentierung auf Pflanzen und Nutztiere liegt in der Reduzierung der Artenvielfalt. Tiere und Saatgut sind das Ergebnis jahrhundertelanger Z&uuml;chtung der Landwirte, die ihre Pflanzen und Tiere im Laufe der Zeit den lokalen klimatischen Bedingungen und den Bedingungen des Bodens m&uuml;hsam angepasst haben. Hochgez&uuml;chtete Monokulturen von Tieren und Pflanzen sind hingegen anf&auml;llig, was den vermehrten Einsatz von Medikamenten, Spritz- und D&uuml;ngemitteln erfordert. Durch die weltweite Monopolisierung der Nahrungsmittel wird Konzernen eine Macht zuteil, deren Tragweite heute  noch nicht in vollem Umfang wahrgenommen wird. Die Unbedenklichkeit der Einf&uuml;hrung der &bdquo;Gr&uuml;nen Gentechnik&ldquo; kann von niemandem garantiert werden, umso wichtiger ist es, dass sich politische Entscheidungstr&auml;ger nicht auf einseitige Gutachten von Gentechnik-Konzernen verlassen. Wie wenig verl&auml;sslich solche Studien sind und wie lange es dauert bis die Wahrheit ans Licht kommt l&auml;sst sich an vielen Beispielen belegen.<\/p><p>So hat in einem besonders spektakul&auml;ren Beispiel Monsanto etwa Studien &uuml;ber die Gefahren von PCBs (Hydraulikfl&uuml;ssigkeiten) &uuml;ber Jahrzehnte unter Verschluss gehalten. Die verheerende toxische <a href=\"http:\/\/www.greenpeace-magazin.de\/index.php?id=4759\">Wirkung von PCBs<\/a> konnte zwar bereits 1968 an einem Chemieunfall in Japan belegt werden. Die 1300 Menschen, die infolge eines Lecks in einer K&uuml;hlanlage PCB-verseuchtes Reis&ouml;l zu sich nahmen, wurden von Krankheiten befallen. Die Betroffenen wurden in eine Langzeitstudie aufgenommen, die zu dem Ergebnis kam, dass Kinder, die w&auml;hrend der Schwangerschaftszeit kontaminiert wurden, eine h&ouml;here Sterblichkeitsrate bzw. schwere Geistes- und Verhaltensst&ouml;rungen aufwiesen. Des Weiteren war die Lebenserwartung der Kontaminierten betr&auml;chtlich k&uuml;rzer. Eine Studie an 2000 Menschen, die 1979 unter vergleichbaren Bedingungen wie in Japan, in Taiwan erstellt wurde, kam zum selben Ergebnis. Bereits 1937 wusste Monsanto, dass PCB ein schweres Gesundheitsrisiko darstellt und hat nichts dagegen unternommen. Erst als die Auswirkungen der PCBs in der US-amerikanischen Stadt Annington nicht mehr zu verheimlichen waren und die Bewohner vor Gericht zogen, kamen schockierende Details ans Tageslicht. Tausende von Studien erwiesen sich als gef&auml;lscht (Quelle: Marie-Monique Robin, Mit Gift und Genen, Wie der Biokonzern Monsanto unsere Welt ver&auml;ndert, Deutsche Verlagsanstalt M&uuml;nchen, 2009). Erst 1989 wurde der Einsatz von PCB in der EU verboten.<\/p><p><strong>&bdquo;Raus aus Gen-Mais&ldquo; und &bdquo;Rein in die Gen-Kartoffeln&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die von Seehofer nach Berlin geschickte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat vor wenigen Tagen den Anbau von genver&auml;ndertem Mais der Sorte Mon 810 von Monsanto untersagt. Zur Begr&uuml;ndung verwies die Aigner auf neue Studien aus Luxemburg. Demnach gebe es berechtigten Grund zu der Annahme, dass Mon 810 eine Gefahr f&uuml;r die Umwelt darstelle &ndash; etwa f&uuml;r Schmetterlinge, Wassertiere und Marienk&auml;fer. Das Anbauverbot sei <em>&ldquo;entgegen anders lautender Behauptungen keine politische Entscheidung&rdquo;<\/em>. <\/p><p>Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht dagegen nach wie vor in der gr&uuml;nen Gentechnik <em>&ldquo;eine wichtige Zukunftstechnologie, von der sich weder Deutschland noch Europa verabschieden d&uuml;rfen&rdquo;<\/em>. Schavan k&uuml;ndigte einen runden Tisch mit Wissenschaftlern und Politikern an, um &ldquo;klare Signale&rdquo; f&uuml;r die k&uuml;nftige Forschung an Genpflanzen zu geben. <\/p><p>Es bleibt also abzuwarten, wie die von der Forschungsministerin auserw&auml;hlten <em>&bdquo;Experten&ldquo;<\/em> votieren werden und wie dann nach der Bundestagswahl &uuml;ber die &bdquo;Gr&uuml;ne Gentechnik&ldquo; entschieden wird. Es ist zu bef&uuml;rchten: Bis vor der Wahl gilt <em>&bdquo;Raus aus dem Gen-Mais!&ldquo;<\/em> und zwischenzeitlich gehen wir schon mal <em>&bdquo;Rein in die Gen-Kartoffeln!&ldquo;<\/em> &ndash; Mecklenburg-Vopommern ist ja weit genug weg von Bayern. Mal sehen ob die bayerischen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler dieses T&auml;uschungsman&ouml;ver durchschauen. Dass Bayerns Umweltminister Markus S&ouml;der seine Parteifreundin in Berlin kritisierte, geh&ouml;rt mit zu diesem Verwirrspiel.<\/p><p><em>Siehe dazu auch:<\/em><\/p><p><strong>Aigner genehmigt Genkartoffel Amflora<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/wirtschaft\/aktuell\/1735153_Gentechnik-Aigner-genehmigt-Genkartoffel-Amflora.html%20\">FR<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat zun&auml;chst den Anbau der Genmaissorte MON 810 (siehe auch: <a href=\"?p=2792\">&ldquo;Die Abstimmung &uuml;ber die Aufhebung des Genmais-Importverbots &Ouml;sterreichs zeigt die undemokratischen Strukturen der Europ&auml;ischen Union und der WTO&rdquo;<\/a>) untersagt. Horst Seehofer (CSU) hatte in seiner Eigenschaft als Landwirtschaftsminister den Anbau von Genmais MON 810 zugelassen. Der pl&ouml;tzliche Gesinnungswandel der CSU<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3913\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[127,150,190],"tags":[538,540,530,282,539,583,582],"class_list":["post-3913","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-verbraucherschutz","category-wahlen","tag-aigner-ilse","tag-basf","tag-buergerentscheid","tag-buergerproteste","tag-gentechnik","tag-monsanto","tag-seehofer-horst"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3913","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3913"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3913\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20393,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3913\/revisions\/20393"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3913"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3913"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3913"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}