{"id":39153,"date":"2017-07-12T17:00:56","date_gmt":"2017-07-12T15:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39153"},"modified":"2017-07-13T16:43:40","modified_gmt":"2017-07-13T14:43:40","slug":"uns-faellt-es-in-anbetracht-der-wahllosigkeit-der-zerstoerung-schwer-darin-die-artikulation-einer-politischen-ueberzeugung-zu-erkennen-noch-viel-weniger-die-idee-einer-neuen-besseren-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39153","title":{"rendered":"\u201eUns f\u00e4llt es in Anbetracht der Wahllosigkeit der Zerst\u00f6rung schwer, darin die Artikulation einer politischen \u00dcberzeugung zu erkennen, noch viel weniger die Idee einer neuen, besseren Welt.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Auf unsere Beitr&auml;ge zu G 20 kamen viele, auch weiterf&uuml;hrende Lesermails. Diese werden wir zusammenstellen und den NachDenkSeiten-Leserinnen und -Lesern zug&auml;nglich machen. Vorweg heute die Stellungnahme einer Reihe von Gesch&auml;fts- und Gewerbetreibenden des Hamburger Schanzenviertels, die <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/CantinaPopularHamburgo\/posts\/2009834439251557\">auf Facebook gepostet<\/a> worden war. Es ist ein interessantes Dokument, das zu lesen sich lohnt. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1938\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39153-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170713_G20_Wahllosigkeit_der_Zerstoerung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170713_G20_Wahllosigkeit_der_Zerstoerung_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170713_G20_Wahllosigkeit_der_Zerstoerung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170713_G20_Wahllosigkeit_der_Zerstoerung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39153-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170713_G20_Wahllosigkeit_der_Zerstoerung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170713_G20_Wahllosigkeit_der_Zerstoerung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/CantinaPopularHamburgo\/posts\/2009834439251557\">STELLUNGNAHME ZU DEN EREIGNISSEN VOM WOCHENENDE<\/a><\/strong><\/p><p>Wir, einige Gesch&auml;fts- und Gewerbetreibende des Hamburger Schanzenviertels, sehen uns gen&ouml;tigt, in Anbetracht der Berichterstattung und des &ouml;ffentlichen Diskurses, unsere Sicht der Ereignisse zu den Ausschreitungen im Zuge des G20-Gipfels zu schildern.<\/p><p>In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 2017 tobte eine Menge f&uuml;r Stunden auf der Stra&szlig;e, pl&uuml;nderte einige L&auml;den, bei vielen anderen gingen die Scheiben zu Bruch, es wurden brennende Barrikaden errichtet und mit der Polizei gerungen.<\/p><p>Uns f&auml;llt es in Anbetracht der Wahllosigkeit der Zerst&ouml;rung schwer, darin die Artikulation einer politischen &Uuml;berzeugung zu erkennen, noch viel weniger die Idee einer neuen, besseren Welt.<\/p><p>Wir beobachteten das Geschehen leicht ver&auml;ngstigt und skeptisch vor Ort und aus unseren Fenstern in den Stra&szlig;en unseres Viertels. <\/p><p>Aber die Komplexit&auml;t der Dynamik, die sich in dieser Nacht hier Bahn gebrochen hat, sehen wir weder in den Medien noch bei der Polizei oder im &ouml;ffentlichen Diskurs angemessen reflektiert.<\/p><p>Ja, wir haben direkt gesehen, wie Scheiben zerbarsten, Parkautomaten herausgerissen, Bankautomaten zerschlagen, Stra&szlig;enschilder abgebrochen und das Pflaster aufgerissen wurde.<\/p><p>Wir haben aber auch gesehen, wie viele Tage in Folge v&ouml;llig unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig bei jeder Kleinigkeit der Wasserwerfer zum Einsatz kam. Wie Menschen von uniformierten und behelmten Beamten ohne Grund geschubst oder auch vom Fahrrad geschlagen wurden. <\/p><p>Tagelang.<\/p><p>Dies darf bei der Ber&uuml;cksichtigung der Ereignisse nicht unter den Teppich gekehrt werden.<\/p><p>Zum H&ouml;hepunkt dieser Auseinandersetzung soll in der Nacht von Freitag und Samstag nun ein &bdquo;Schwarzer Block&ldquo; in unserem Stadtteil gew&uuml;tet haben.<\/p><p>Dies k&ouml;nnen wir aus eigener Beobachtung nicht best&auml;tigen, die au&szlig;erhalb der direkten Konfrontation mit der Polizei nun von der Presse beklagten Sch&auml;den sind nur zu einem kleinen Teil auf diese Menschen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren.<\/p><p>Der weit gr&ouml;&szlig;ere Teil waren erlebnishungrige Jugendliche sowie Voyeure und Partyvolk, denen wir eher auf dem Schlagermove, beim Fu&szlig;ballspiel oder Bushido-Konzert &uuml;ber den Weg laufen w&uuml;rden als auf einer linksradikalen Demo. <\/p><p>Es waren betrunkene junge M&auml;nner, die wir auf dem Bauger&uuml;st sahen, die mit Flaschen warfen &ndash; hierbei von einem geplanten &bdquo;Hinterhalt&ldquo; und Bedrohung f&uuml;r Leib und Leben der Beamten zu sprechen, ist f&uuml;r uns nicht nachvollziehbar.<\/p><p>&Uuml;berwiegend diese Leute waren es auch, die &ndash; nachdem die Scheiben eingeschlagen waren &ndash; in die Gesch&auml;fte einstiegen und beladen mit Diebesgut das Weite suchten. <\/p><p>Die besoffen in einem Akt sportlicher Selbst&uuml;bersch&auml;tzung mit nacktem Oberk&ouml;rper aus 50 Metern Entfernung Flaschen auf Wasserwerfer warfen, die zwischen anderen Menschen herniedergingen, w&auml;hrend Herumstehende mit Bier in der Hand sie anfeuerten und Handyvideos machten. <\/p><p>Es war eher die Mischung aus Wut auf die Polizei, Enthemmung durch Alkohol, der Frust &uuml;ber die eigene Existenz und die Gier nach Spektakel &ndash; durch alle anwesenden Personengruppen hindurch &ndash;, die sich hier Bahn brach. <\/p><p>Das war kein linker Protest gegen den G20-Gipfel. Hier von linken AktivistInnen zu sprechen w&auml;re verk&uuml;rzt und falsch.<\/p><p>Wir haben neben all der Gewalt und Zerst&ouml;rung gestern viele Situationen gesehen, in denen offenbar gut organisierte, schwarz gekleidete Vermummte teilweise gemeinsam mit Anwohnern eingeschritten sind, um andere davon abzuhalten, kleine, inhabergef&uuml;hrte L&auml;den anzugehen. Die anderen Vermummten die Eisenstangen aus der Hand nahmen, die Nachbarn halfen, ihre Fahrr&auml;der in Sicherheit zu bringen und sinnlosen Flaschenbewurf entschieden unterbanden. Die auch ein Feuer l&ouml;schten, als im verw&uuml;steten und gepl&uuml;nderten &bdquo;Flying Tiger Copenhagen&ldquo; Jugendliche versuchten, mit Leuchtspurmunition einen Brand zu legen, obwohl das Haus bewohnt ist. <\/p><p>Es liegt nicht an uns zu bestimmen, was hier falsch gelaufen ist, welche Aktion zu welcher Reaktion gef&uuml;hrt hat.<\/p><p>Was wir aber sagen k&ouml;nnen: Wir leben und arbeiten hier, bekommen seit vielen Wochen mit, wie das &bdquo;Schaufenster moderner Polizeiarbeit&ldquo; ein Klima der Ohnmacht, Angst und daraus resultierender Wut erzeugt.<\/p><p>Dass diese nachvollziehbare Wut sich am Wochenende nun wahllos, blind und stumpf auf diese Art und Weise artikulierte, bedauern wir sehr. Es l&auml;sst uns auch heute noch vollkommen ersch&uuml;ttert zur&uuml;ck.<\/p><p>Dennoch sehen wir den Ursprung dieser Wut in der verfehlten Politik des Rot-Gr&uuml;nen Senats, der sich nach Au&szlig;en im Blitzlichtgewitter der internationalen Presse sonnen m&ouml;chte, nach Innen aber vollkommen weggetaucht ist und einer hochmilitarisierten Polizei das komplette Management dieses Gro&szlig;ereignisses auf allen Ebenen &uuml;berlassen hat. <\/p><p>Dieser Senat hat der Polizei eine &bdquo;Carte Blanche&ldquo; ausgestellt &ndash; aber dass die im Rahmen eines solchen Gipfels mitten in einer Millionenstadt entstehenden Probleme, Fragen und sozialen Implikationen nicht nur mit polizeitaktischen und repressiven Mitteln beantwortet werden k&ouml;nnen, scheint im besoffenen Taumel der quasi monarchischen Inszenierung von Macht und Glamour vollkommen unter den Tisch gefallen zu sein.<\/p><p>Dass einem dies um die Ohren fliegen muss, w&auml;re mit einem Mindestma&szlig; an politischem Weitblick absehbar gewesen.<\/p><p>Wenn Olaf Scholz jetzt von einer inakzeptablen &bdquo;Verrohung&ldquo;, der wir &bdquo;uns alle entgegenstellen m&uuml;ssen&ldquo;, spricht, k&ouml;nnen wir dem nur beizupflichten.<\/p><p>Dass die Verrohung aber auch die Konsequenz einer Gesellschaft ist, in der jeglicher abweichende politische Ausdruck pauschal kriminalisiert und mit Sondergesetzen und militarisierten Einheiten polizeilich bek&auml;mpft wird, darf dabei nicht unber&uuml;cksichtigt bleiben. <\/p><p>Aber bei all der Ersch&uuml;tterung &uuml;ber die Ereignisse vom Wochenende muss auch gesagt werden: <\/p><p>Es sind zwar apokalyptische, dunkle, ru&szlig;geschw&auml;rzte Bilder aus unserem Viertel, die um die Welt gingen.<\/p><p>Von der Realit&auml;t eines B&uuml;rgerkriegs waren wir aber weit entfernt.<\/p><p>Anstatt weiter an der Hysterieschraube zu drehen sollte jetzt Besonnenheit und Reflexion Einzug in die Diskussion halten. <\/p><p>Die Stra&szlig;e steht immer noch, ab Montag &ouml;ffneten die meisten Gesch&auml;fte ganz regul&auml;r, der Schaden an Personen h&auml;lt sich in Grenzen. <\/p><p>Wir hatten als Anwohner mehr Angst vor den mit Maschinengewehren auf unsere Nachbarn zielenden bewaffneten Spezialeinheiten als vor den alkoholisierten Halbstarken, die sich gestern hier ausgetobt haben.<\/p><p>Die sind dumm, l&auml;stig und schlagen hier Scheiben ein, erschie&szlig;en dich aber im Zweifelsfall nicht.<\/p><p>Der f&uuml;r die Meisten von uns Gewerbetreibende weit gr&ouml;&szlig;ere Schaden entsteht durch die Landflucht unserer Kunden, die keine Lust auf die vielen Eingriffe und Einschr&auml;nkungen durch den Gipfel hatten &ndash; durch die Lieferanten, die uns seit vergangenem Dienstag nicht mehr beliefern konnten, durch das Ausbleiben unserer G&auml;ste. <\/p><p>An den damit einhergehenden Umsatzeinbu&szlig;en werden wir noch sehr lange zu knapsen haben.<\/p><p>Wir leben seit vielen Jahren in friedlicher, oft auch freundschaftlich-solidarischer Nachbarschaft mit allen Formen des Protestes, die hier im Viertel beheimatet sind, wozu f&uuml;r uns selbstverst&auml;ndlich und nicht-verhandelbar auch die Rote Flora geh&ouml;rt. <\/p><p>Daran wird auch dieses Wochenende rein gar nichts &auml;ndern.<\/p><p>In dem Wissen, dass dieses &uuml;berfl&uuml;ssige Spektakel nun vorbei ist, hoffen wir, dass die Polizei ein ma&szlig;volles Verh&auml;ltnis zur Demokratie und den in ihr lebenden Menschen findet, dass wir alle nach Wochen und Monaten der Hysterie und der Einschr&auml;nkungen zur Ruhe kommen und unseren Alltag mit all den gro&szlig;en und kleinen Widerspr&uuml;chen wieder gemeinsam angehen k&ouml;nnen.<\/p><p>Einige Gesch&auml;ftstreibende aus dem Schanzenviertel<\/p><ul>\n<li>BISTRO CARMAGNOLE<\/li>\n<li>CANTINA POPULAR<\/li>\n<li>DIE DRUCKEREI &ndash; SPIELZEUGLADEN SCHANZENVIERTEL<\/li>\n<li>ZARDOZ SCHALLPLATTEN<\/li>\n<li>EIS SCHMIDT<\/li>\n<li>JIM BURRITO&rsquo;S<\/li>\n<li>TIP TOP KIOSK<\/li>\n<li>JEWELBERRY<\/li>\n<li>SPIELPLATZ BASCHU e.V.<\/li>\n<li>MONO CONCEPT STORE<\/li>\n<li>BLUME 1000 &amp; EINE ART<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf unsere Beitr&auml;ge zu G 20 kamen viele, auch weiterf&uuml;hrende Lesermails. Diese werden wir zusammenstellen und den NachDenkSeiten-Leserinnen und -Lesern zug&auml;nglich machen. Vorweg heute die Stellungnahme einer Reihe von Gesch&auml;fts- und Gewerbetreibenden des Hamburger Schanzenviertels, die <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/CantinaPopularHamburgo\/posts\/2009834439251557\">auf Facebook gepostet<\/a> worden war. Es ist ein interessantes Dokument, das zu lesen sich lohnt. <\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39153\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,60,123,183],"tags":[593,1760,421,1932],"class_list":["post-39153","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-innere-sicherheit","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-g7820","tag-kriminalitaet","tag-polizei","tag-randale"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39153"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39153\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39170,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39153\/revisions\/39170"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}