{"id":39256,"date":"2017-07-20T11:59:19","date_gmt":"2017-07-20T09:59:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39256"},"modified":"2018-12-30T17:52:17","modified_gmt":"2018-12-30T16:52:17","slug":"venezuela-mit-generalstreik-und-parallelregierung-gegen-nicolas-maduro-testet-opposition-die-reaktion-des-militaers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39256","title":{"rendered":"Venezuela \u2013 Mit Generalstreik und \u201eParallelregierung\u201d gegen Nicol\u00e1s Maduro testet Opposition die Reaktion des Milit\u00e4rs"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170720-Venezuela-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Am vergangenen Sonntag, 16. Juli, folgten 7,18 Millionen Venezolaner &ndash; davon rund 650.000 im Ausland &ndash; dem Aufruf der Opposition zu einer Volksbefragung &uuml;ber die von der Regierung Nicol&aacute;s Maduro geplanten verfassungsgebenden Versammlung, ferner zur Frage, ob die Streitkr&auml;fte der Verfassung von 1999 und dem Parlament gehorchen sollen und schlie&szlig;lich ob die W&auml;hler mit &ldquo;der Erneuerung&rdquo; der Staatsorgane und der Abhaltung freier Wahlen einverstanden sind. Das Wochen zuvor lautstark, mit schallender Unterst&uuml;tzung in- und ausl&auml;ndischer konservativer Regierungen und Medien und als &bdquo;ultimativ&rdquo; angek&uuml;ndigte Plebiszit entpuppte sich jedoch als politischer Reinfall. Auf die 19,5 Millionen Wahlberechtigten des Landes berechnet, erzielte die Opposition kaum 36 Prozent, also wenig mehr als ein Drittel der Stimmen; rund 500.000 Stimmen weniger als zur Parlamentswahl von 2015. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas nach geltendem Wahlrecht in der Tat gesetzwidrige Referendum wurde von der Nationalen Wahlbeh&ouml;rde (CNE) als &bdquo;nicht bindend&rdquo; und daher von &bdquo;blo&szlig;er symbolischer Bedeutung&rdquo; erkl&auml;rt, doch von der Regierung Maduro als &bdquo;Betrug&rdquo; scharf angegriffen. <\/p><p>Gewiss zeigte die f&uuml;r die Beschw&ouml;rung s&auml;mtlicher Tugenden der Rechtschaffenheit bekannte Opposition ihre unfeine Seite mit vielf&auml;ltigen Hinweisen auf grobe Wahlf&auml;lschungsversuche. So wurden beispielsweise die regionalen Oppositionsf&uuml;hrer Filiberto Colmenares und Jos&eacute; Gregorio Hern&aacute;ndez in der Provinz Aragua durch ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=K7s1_Ih8C64\">abgeh&ouml;rtes Telefongespr&auml;ch<\/a> bei der Pr&auml;parierung gef&auml;lschter Abstimmungsergebnisse mit der Addierung von 50.000 Scheinstimmen ertappt, die u.a. Oppositionssprecher Fredy Guevara dazu &bdquo;legitimieren&rdquo; sollten, die erschwindelte Zahl von &bdquo;7,6 Millionen Stimmen&rdquo; als Abstimmungs-Gesamtergebnis in den Medien festzusetzen. <\/p><p>Jorge Rodr&iacute;guez, B&uuml;rgermeister von Caracas, erinnerte in einer Fernsehsendung vom 17. Juli daran, dass die Opposition sich wochenlang mit der angeblichen Zustimmung von 11 Millionen W&auml;hlern br&uuml;stete, doch er wette, dass &bdquo;h&ouml;chstens 1 Million&rdquo; W&auml;hler sich an einem Referendum mit 40 Prozent ung&uuml;ltiger Stimmen beteiligt h&auml;tten. Bezeichnenderweise verschwand unmittelbar nach Bekanntwerden des angeblichen Abstimmungsergebnisses auch die Publizit&auml;t dar&uuml;ber in in- wie ausl&auml;ndischen konservativen Medien. <\/p><p>Der Oppositions-Abgeordnete Jos&eacute; Manuel Olivares gab sich scheinkonziliant: der Regierung solle eine &bdquo;Denkpause&rdquo; einger&auml;umt werden. Hingegen verlangte Ex-Maduro-Herausforderer Enrique Capriles vom Pr&auml;sidenten, er solle die geplante verfassungsgebende Versammlung &bdquo;in den n&auml;chsten Stunden&rdquo; widerrufen.<\/p><p><strong>&bdquo;Parallelregierung&rdquo;: das Umsturzprogramm der Opposition<\/strong><\/p><p>Die Opposition betreibt Falschspiel. Sie blufft mit einer W&auml;hlerzahl, die sie nicht besitzt und kompensiert ihr Defizit mit der Androhung fl&auml;chendeckender Destabilisierung. Auff&auml;llig ist, dass l&auml;ngst vor der Abhaltung des Referendums von der Opposition eine sogenannte &bdquo;Stunde Null&rdquo; mit der Ausrufung eines &bdquo;Generalstreiks&rdquo; gegen die f&uuml;r den 30. Juli von der Regierung geplante Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung verk&uuml;ndet worden war.<\/p><p>Zwei Tage nach dem gescheiterten Referendum wurden nun Einzelheiten des Destabilisierungs-Plans bekannt, der das Land lahmlegen und die Regierung Maduro in die Knie zwingen soll. Schon am 18. Juli begann die von der Opposition seit 2015 kontrollierte Nationalversammlung mit der Benennung der 33 Richter, die die von der Regierung 2015 angeblich &bdquo;illegal&rdquo; ernannten Mitglieder des Obersten Gerichtshofs ersetzen und bis zum 21. Juli bekanntgegeben werden sollen. Im Licht der Rechtsstaatlichkeit bedeutet der Schritt einen frontalen Verfassungsbruch mit der Nicht-Anerkennung der immerhin demokratisch gew&auml;hlten Regierung Nicol&aacute;s Maduro, die die Opposition, so &ouml;ffentlich verk&uuml;ndet, durch eine &bdquo;Parallel-Regierung&rdquo; ersetzen will. &bdquo;All diese Mechanismen dienen der Druckaus&uuml;bung und Vorbereitung auf die endg&uuml;ltige Eskalierung&rdquo;, drohte Oppositionssprecher Fredy Guevara. <\/p><p>Nach der offenkundigen kalten Schulter, die die Regierung Maduro dem dramatischen Appell an eine politische Deeskalierung zeigte, setzt nun die Opposition mit ihren extremistischen Schritten unmissverst&auml;ndlich auf die gewaltsame Konfrontation, mit der menschenverachtenden Inkaufnahme zus&auml;tzlichen Blutvergie&szlig;ens. Mit einem eventuellen Eingreifen der Streitkr&auml;fte, so das zugrundeliegende Kalk&uuml;l, k&ouml;nnte ein zumutbares Blutbad der Regierung samt Streitkr&auml;ften in die Schuhe geschoben und eine ausl&auml;ndische Intervention gerechtfertigt werden.<\/p><p><strong>Reaktionen im Ausland<\/strong><\/p><p>Die Stimmung wird sichtlich mit der Mobilisierung konservativer Medien und Regierungen in und au&szlig;erhalb Lateinamerikas angeheizt.<\/p><p>Eine herausragende Rolle bei der Stimmungsbildung der vergangenen Monate hatte der Generalsekret&auml;r der in Washington beheimateten Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS), Luis Almagro. Der konservative Uruguayer erwies sich nicht nur als Schlichter unf&auml;hig, sondern stachelte in unverantwortlicher Weise die innenpolitische Krise mit unverbl&uuml;mter Umarmung der unberechenbaren und gewaltbereiten venezolanischen Opposition an. Mit unverfrorener Tatsachen-Verdrehung behauptete Almagro auf Twitter, &bdquo;die Mehrheit Venezuelas hat sich gegen die verfassungsgebende Versammlung ausgesprochen&rdquo;, und verk&uuml;ndete seinen Auftritt vor dem US-Senat, dem er ein hartes Vorgehen der USA gegen die Regierung Maduro abgewinnen will.<\/p><p>Die Reaktion der US-Regierung vollzog sich bereits weniger als 24 Stunden nach dem Referendum. Regierungssprecher Sean Spicer verurteilte wie gehabt &bdquo;die Gewaltt&auml;tigkeit der Regierungs-Killer gegen unschuldige W&auml;hler&rdquo;. Der Anklage Spicers folgte die Drohung von Pr&auml;sident Donald Trump. Man werde mit &bdquo;unmittelbaren und harten Sanktionen&rdquo; reagieren, falls Maduro nicht den Plan einer verfassungsgebenden Versammlung aufgebe. &bdquo;Die USA werden nicht tatenlos zusehen, w&auml;hrend Venezuela zusammenbricht&rdquo;, warnte Trump.<\/p><p>Gleichwohl konnte die Resonanz im Lager konservativer und illegitimer Regime kaum heuchlerischer ausfallen. Ausgerechnet das Au&szlig;enministerium der illegitimen Regierung des wegen schwerer Korruption angeklagten Pr&auml;sidenten Brasiliens, Michel Temer, konnte es nicht unterlassen, Venezuela mit der Einberufung der verfassungsgebenden Versammlung den &bdquo;Bruch des universellen Wahlrechts und des Prinzips der Volks-Souver&auml;nit&auml;t&rdquo; vorzuwerfen. <\/p><p><strong>Die Stunde der Milit&auml;rs<\/strong><\/p><p>Venezuelas Streitkr&auml;fte z&auml;hlen 165.000 regul&auml;re Soldaten, 25.000 Reservetruppen sowie mindestens 200.000 Mitglieder einer noch unter Hugo Ch&aacute;vez gebildeten zivilen Miliz.<\/p><p>Seit dem Tod Ch&aacute;vez&acute; verstand es Maduro, das Milit&auml;r st&auml;rker in die allgemeine Verwaltung des Staatsapparates einzubinden, dessen Macht auszubauen und sich politisch-bewaffnete R&uuml;ckendeckung zu sichern. Ein aktiver und 10 pensionierte Milit&auml;rs besetzen gegenw&auml;rtig 11 von 32 Ministerien, vom Verteidigungs-Ressort abgesehen, strategisch relevante Ressorts wie das der Landwirtschaft und der Ern&auml;hrung.<\/p><p>Die Streitkr&auml;fte, die Maduro &bdquo;bedingungslose Loyalit&auml;t&ldquo; geschworen haben, steuern ferner die Herstellung und den landesweiten Vertrieb von Grundnahrungsmitteln sowie eine &Ouml;lgesellschaft, eine Bank, ein Kfz-Montagewerk, eine Fernsehstation und ein Gro&szlig;bau-Unternehmen. Einzelne Offiziere sitzen auch im Vorstand von Luftfahrtgesellschaften sowie der staatlichen Eisenbahnen und des Zolls.<\/p><p>Hochrangige Milit&auml;rs, vor allem Gener&auml;le &ndash; von denen es nach unbest&auml;tigten Angaben 1.500 an der Zahl geben soll &ndash; sind aber auch in der politischen Exekutive vertreten und regieren als Gouverneure in 16 der 24 Bundesstaaten Venezuelas; die pensionierten Offiziere in der Justiz und der Nationalversammlung nicht mitgez&auml;hlt. Als besonderes Geschenk an die Uniformierten war im Dezember 2016 Maduros Gr&uuml;ndung der &bdquo;Milit&auml;r-Gesellschaft der Bergbau-und Erd&ouml;lf&ouml;rderungs-Unternehmen&rdquo; (Camimpeg) zu werten.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich verfolgt die Macht-Konzentration in den H&auml;nden der Milit&auml;rs das Ziel der Abschirmung der Regierung. Sie bildet den Hintergrund f&uuml;r die gewagte, wenn nicht gar hirnrissige Phrase Maduros, &bdquo;was nicht mit der Stimmabgabe erreicht werden konnte, k&ouml;nnten wir mit den Waffen erzwingen, unser Vaterland mit Waffengewalt befreien&ldquo;.<\/p><p>Konservative Sicherheitsexperten wie Roc&iacute;o San Miguel haben wiederholt der Gefahr eines Milit&auml;rputschs widersprochen, spekulieren jedoch mit der zunehmenden Meuterei niederer Offizierschargen, die sich sowohl gegen die unwidersprochene Gewaltaus&uuml;bung gegen rechte Demonstranten als auch einen angeblichen und unzumutbaren &bdquo;kubanischen Einfluss&rdquo; bestimmter Gener&auml;le sowie die mit der Machkonzentration verbundenen Korruption wenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170720-Venezuela-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Am vergangenen Sonntag, 16. Juli, folgten 7,18 Millionen Venezolaner &ndash; davon rund 650.000 im Ausland &ndash; dem Aufruf der Opposition zu einer Volksbefragung &uuml;ber die von der Regierung Nicol&aacute;s Maduro geplanten verfassungsgebenden Versammlung, ferner zur Frage, ob die Streitkr&auml;fte der Verfassung von 1999 und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39256\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,123,20],"tags":[2071,663,1176,1976,1800,1333,2128,1464,2121],"class_list":["post-39256","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","tag-maduro-nicolas","tag-putsch","tag-streik","tag-temer-michel","tag-trump-donald","tag-venezuela","tag-verfassung","tag-volksabstimmung","tag-wahlfaelschung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39256"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48132,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39256\/revisions\/48132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}