{"id":3932,"date":"2009-05-11T08:09:40","date_gmt":"2009-05-11T06:09:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3932"},"modified":"2014-01-28T11:02:38","modified_gmt":"2014-01-28T10:02:38","slug":"das-che-hochschulranking-200910-ist-alles-andere-als-ein-studienfuehrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3932","title":{"rendered":"Das CHE-Hochschulranking 2009\/10 ist alles andere als ein Studienf\u00fchrer"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Zeit&ldquo; als Medienplattform f&uuml;r <a href=\"http:\/\/ranking.zeit.de\/che10\/CHE\">dieses Ranking<\/a> begibt sich mit der Ver&ouml;ffentlichung in den Graubereich der Vermischung von Journalismus und PR. Der &bdquo;ZEIT-Studienf&uuml;hrer&ldquo; dient eher der Imagepflege des CHE und der Bertelsmann-Stiftung als neutralen und gemeinn&uuml;tzigen Einrichtungen. Das Ranking selbst dient dem CHE, um seine Ideologie vom Wettbewerb als Steuerungsinstrument f&uuml;r die Hochschulen zu propagieren. Die dem Ranking zugrundeliegenden Kriterien werfen mehr Fragen als Antworten auf, aus kaum einem Kriterium l&auml;sst sich wirklich auf die Qualit&auml;t des Studienangebotes schlie&szlig;en. Dar&uuml;ber hinaus ist h&ouml;chst fraglich, ob die Bewertungen repr&auml;sentativ sind. Der &bdquo;Zeit Studienf&uuml;hrer&ldquo; ist f&uuml;r die weit &uuml;berwiegende Zahl der Studierwilligen irrelevant, ja sogar eine Frust ausl&ouml;sende Irref&uuml;hrung, denn angesichts der um sich greifenden Zulassungsbeschr&auml;nkungen kann sich ohnehin kaum noch ein Studienanf&auml;nger seinen Studienort ausw&auml;hlen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nWieder einmal dient &bdquo;Die Zeit&ldquo; als Medienplattform f&uuml;r das Hochschulranking des Centrums f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE) der Bertelsmann Stiftung.<br>\nF&uuml;r diese Kooperation der nicht zum Bertelsmann Konzern geh&ouml;renden &bdquo;Zeit&ldquo; mit dem privaten Think-Tank CHE gibt die Wochenzeitung folgende Gr&uuml;nde an:<\/p><ul>\n<li>das CHE-Ranking sei der gr&ouml;&szlig;te Hochschulvergleich; die Urteile von 15.000 Professoren und rund 200.000 Studierenden an 2.000 Fachbereichen in mehr als 250 Hochschulen seien &bdquo;getestet&ldquo; worden,<\/li>\n<li>es sei der &bdquo;seri&ouml;seste Hochschulvergleich, weil er in enger Zusammenarbeit mit Professoren aus den jeweiligen Fachgebieten entstehe und von Jahr zu Jahr weiterentwickelt werde&ldquo;,<\/li>\n<li>es sei der differenzierteste Hochschulvergleich, denn bis zu 34 Kriterien fl&ouml;ssen in die Bewertung ein,<\/li>\n<li>zudem b&uuml;rgten &bdquo;die Tr&auml;ger des CHE, die Hochschulrektorenkonferenz und die Bertelsmann Stiftung, f&uuml;r Qualit&auml;t&ldquo; (so schreibt Thomas Kerstan).<\/li>\n<\/ul><p>Wer den &bdquo;ZEIT-Studienf&uuml;hrer&ldquo; ausschlie&szlig;lich als hilfreiches Angebot und objektive Information f&uuml;r Studierende und Studierwillige betrachtet, sollte Folgendes mit bedenken: <\/p><ol>\n<li>Die sich einen ach so seri&ouml;sen Anstrich gebende Wochenzeitung &bdquo;Die Zeit&ldquo; begibt sich mit ihrer Berichterstattung, mit der Herausgabe der Brosch&uuml;re eines &bdquo;ZEIT- Studienf&uuml;hrers&ldquo; und mit ihrem Internetportal www.zeit.de\/hochschulranking in den Graubereich der Vermischung von Journalismus und Public Relation.<\/li>\n<li>&bdquo;Die Zeit&ldquo; f&ouml;rdert das gezielt gepflegte Image von CHE und Bertelsmann-Stiftung als gesellschaftspolitisch neutrale, gemeinn&uuml;tzige Think Tanks, die sich angeblich f&uuml;r das Gemeinwohl engagieren und mit dem Hochschulranking der gro&szlig;en Gruppe der Studierenden eine gro&szlig;m&uuml;tige Hilfestellung bei der Auswahl ihres Studienortes anbieten.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Bis auf den einschr&auml;nkenden Hinweis, dass das Ranking &bdquo;nat&uuml;rlich nicht andere Informationsquellen&ldquo; ersetze, gibt es keinen relativierenden oder kritischen Hinweis auf Sinn und Unsinn von Rankings generell oder auf den Stellenwert von Rankings f&uuml;r die Mission der Bertelsmann-Stiftung.<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die &Uuml;bernahme der Rolle einer Medienplattform f&uuml;r das CHE ist es f&uuml;r die ZEIT offenbar eine ausreichende Legitimation, dass der &bdquo;ZEIT-Studienf&uuml;hrer&ldquo; eine &bdquo;gro&szlig;e Nachfrage&ldquo; erf&auml;hrt. <\/p><p>Ein eher kommerzielles Interesse also &ndash; und warum verkauft eigentlich das CHE dieses Ranking nicht unter seinem Namen?<\/p><p>Au&szlig;erdem st&uuml;tzt sich die ZEIT auf das Urteil &bdquo;internationaler Experten&ldquo; und zitiert eine Studie der Vereinigung Europ&auml;ischer Hochschulen. Dieser &bdquo;Association of European Universities&ldquo; (EUA) geh&ouml;rt auch die deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK) an, und diese hat wiederum als ihren &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Schreibtisch das CHE. HRK und CHE ver&ouml;ffentlichen etwa ihre Reformvorschl&auml;ge unter einem Kopfbogen. So schlie&szlig;t sich der Kreis. <\/p><p>Dass von der EUA mit Zustimmung der HRK das CHE und seine Aktivit&auml;ten kritisiert w&uuml;rden, darf man getrost ausschlie&szlig;en. Im &Uuml;brigen: So politisch neutral ist das Expertentum der EUA gewiss nicht. Sie hat ihren Sitz in Br&uuml;ssel und ist eine der treibenden Lobbyorganisationen f&uuml;r den sog. Bologna-Prozess, d.h. der historisch tiefgreifendsten Umgestaltung der Studienorganisation und der Studieninhalte auf europ&auml;ischer Ebene.<\/p><p>Aussagen kritischer Experten gegen&uuml;ber dem CHE-Ranking wie etwa Alexander Kohler, dem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Austrian Agency for Quality Assurance (AQA), f&uuml;hrt &bdquo;Die Zeit&ldquo; selbstredend nicht an. Kohler hat wesentlich dazu beigetragen, dass die &ouml;sterreichischen Hochschulen sich nicht mehr an dem CHE-Hochschulranking beteiligten. Er f&uuml;hrte methodische Kritikpunkte als Grund f&uuml;r den Ausstieg an. &Uuml;ber Uni-Rankings sagte er: <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/?url=\/?id=3002680\">&ldquo;Sie bieten keine umfassende Information &uuml;ber die Qualit&auml;t einer Universit&auml;t. Sie stellen nur einen Ausschnitt des Leistungsspektrums dar.&rdquo;<\/a><\/p><p>Die Schweizer Rektorenkonferenz hat sich schon l&auml;ngst wieder aus dem grenz&uuml;berschreitenden CHE-Ranking verabschiedet. Dass auch unter Deutschlands Studierenden das CHE-Ranking keineswegs unumstritten ist und vielerorts &ndash; wie etwa in Berlin &ndash; <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/26\/26469\/1.html\">zum Boykott aufgerufen wird<\/a>, ist der &bdquo;Zeit&ldquo; auch keinen einschr&auml;nkenden Hinweis wert.<br>\nIn den USA haben sich mehrere Elitehochschulen, wie etwa Harvard und Wharton, den dort &uuml;blichen Hochschulrankings entzogen. &Uuml;ber die kritische Debatte bei uns (Vgl. etwa Konrad Liessmann, Theorie der Unbildung) &uuml;ber die Manie der Rankings findet sich in der Zeit gleichfalls kein Wort.<\/p><p><strong>Vermischung von Journalismus und Public Relation<\/strong><br>\nWir m&uuml;ssen in Deutschland einen zunehmenden Einfluss von PR auf journalistische Medien <a href=\"?p=315\">beobachten<\/a>. Dieser Einfluss reicht von vorgefertigten Werbetexten, die unkritisch und ohne Kennzeichnung als journalistische Beitr&auml;ge &uuml;bernommen werden, es gibt aber auch Grauzonen, und dazu z&auml;hlt meines Erachtens das Zeit-Hochschulranking. <\/p><p>Um die Grenz&uuml;berschreitung deutlich zu machen, braucht man sich nur zu fragen, ob die ZEIT z.B. auch das &bdquo;Internationale Standort-Ranking&ldquo; der Bertelsmann Stiftung als Medienplattform vertreiben w&uuml;rde. Das w&uuml;rde sich die ZEIT gewiss nicht erlauben, es w&auml;re zu offensichtlich, das die Vergleichsma&szlig;st&auml;be, die dort angelegt sind, an einem einseitigen und eindimensionalen <a href=\"?p=1833\">wirtschaftspolitischen Paradigma ausgerichtet sind<\/a>. Die ZEIT w&uuml;rde ja genauso wenig den Verteilungsbericht des Deutschen Gewerkschaftsbundes unter ihrem Namen anbieten.<\/p><p>Beim CHE-Hochschulranking bestehen diese Ber&uuml;hrungs&auml;ngste offenbar nicht. Man rechtfertigt sich mit dem Hinweis: &bdquo;die Tr&auml;ger des CHE, die Hochschulrektorenkonferenz und die Bertelsmann-Stiftung, (b&uuml;rgen) f&uuml;r Qualit&auml;t&ldquo;. Man tut also so, als w&auml;ren CHE und Bertelsmann Stiftung neutrale, wom&ouml;glich sogar wissenschaftlich unabh&auml;ngige Instanzen, und man verschweigt dar&uuml;ber hinaus, dass die Hochschulrektorenkonferenz und das CHE ihre Studien unter &bdquo;einem Kopfbogen&ldquo; publizieren.<\/p><p><strong>Die ZEIT poliert das Image des CHE auf<\/strong><br>\nDas CHE hatte fr&uuml;her einmal den &bdquo;stern&ldquo; als Medienplattform f&uuml;r seine Hochschulrankings. Der &bdquo;stern&ldquo; geh&ouml;rt zum Gruner+Jahr-Verlag, und dieser geh&ouml;rt wiederum zu 74,9% der Bertelsmann AG. Damit die N&auml;he zum Mutterkonzern der Bertelsmann Stiftung nicht ganz so offensichtlich ist, griff man gerne auf die ZEIT als kommunikative Plattform zur&uuml;ck. Und diese Wochenzeitung, die gerade die akademische Leserschaft erreicht, ist f&uuml;r das CHE der ideale Partner, um seine Klientel besser zu erreichen. Zumal wenn man nicht bef&uuml;rchten muss, dass auch nur der kleinste Hinweis dar&uuml;ber erfolgt, welche Rolle das CHE in der Hochschulpolitik spielt und welche Ziele Bertelsmann mit dem CHE verfolgt. &bdquo;Die Zeit&ldquo; hilft somit, das Image des CHE als einer am Gemeinwohl oder am Beispiel des Hochschulrankings als einer am allgemeinen Informationsinteresse der Studierwilligen ausgerichteten Institution zu pflegen. <\/p><p>Es besteht eine &ndash; wie man das neudeutsch nennt &ndash; wunderbare &bdquo;Win-win-Situation&ldquo;, und deshalb braucht wohl die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die die ZEIT verlegt, vermutlich nur einen geringen Betrag f&uuml;r das ziemlich aufw&auml;ndige CHE-Ranking zu bezahlen. <\/p><p><strong>Wozu CHE-Hochschulrankings?<\/strong><br>\nDas CHE hat die aus den USA stammenden Hochschulrankings in Deutschland hoff&auml;hig gemacht. Zus&auml;tzlich zu den Hochschulrankings gibt es noch ein CHE-ForschungsRanking, ein CHE-L&auml;nderRanking und sogar noch ein CHE-AlumniRanking.<\/p><p>&Uuml;berall, wo sich Bertelsmann und das CHE einmischen, geht es um Wettbewerb als Steuerungsinstrument f&uuml;r mehr Effizienz und f&uuml;r die Ausrichtung der Angebote der jeweils &bdquo;gerankten&ldquo; Institutionen auf den Markt.<br>\nDa Wettbewerb und Konkurrenz nach der Grundphilosophie der Bertelsmann-Stiftung das beste und effizienteste Steuerungsinstrument ist, muss mit Ranglisten auch dort ein Wettbewerb fingiert und inszeniert werden, wo &ndash; wie etwa bei den Hochschulen &ndash; gar kein Markt existiert. <\/p><p>Die Hochschulrankings kommen aus den USA und haben dort einen gewissen Einfluss auf den Marktpreis f&uuml;r ein Studium, d.h. f&uuml;r die H&ouml;he der Studiengeb&uuml;hren. Das liegt auch ganz auf der Logik des CHE &ndash; sozusagen des &bdquo;Sturmtrupps&ldquo; f&uuml;r die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren -, und konsequent zu Ende gedacht, m&uuml;ssten die deutschen Hochschulen gleichfalls die H&ouml;he ihrer Studiengeb&uuml;hren an ihrem Rangplatz ausrichten k&ouml;nnen. Dem schiebt die gesetzlich festgeschriebene H&ouml;chstgrenze auch in den L&auml;ndern mit Studiengeb&uuml;hren &ndash; noch &ndash; einen Riegel vor.<\/p><p>Deshalb verfolgt das CHE zun&auml;chst noch ein mittelbares Ziel: Durch die Vergleiche soll nicht etwa nur eine Selbsteinsch&auml;tzung der einzelnen Hochschule erm&ouml;glicht werden, sondern vor allem ein Konformit&auml;ts- und Anpassungsdruck auf alle Hochschulen ausgehen.<br>\nAus den Rankings sollen sich Qualit&auml;tsvergleiche ergeben, und wer am besten abschneidet, soll nach den Vorstellungen der Veranstalter solcher Rankings die Qualit&auml;tsma&szlig;st&auml;be vorgeben. Das Ziel ist, dass sich die schlechter Platzierten im Wettbewerb an den besser Platzierten messen und dadurch eine Qualit&auml;tskonkurrenz zur vom CHE propagierten &bdquo;Entfesselung&ldquo; der Hochschulen angesto&szlig;en wird.<\/p><p>Man kann nun lange &uuml;ber die Sinnhaftigkeit von Benchmarks oder Rankings streiten. &Uuml;ber eine Tatsache f&uuml;hrt nichts hinweg: Wie bei allen Vergleichsmessungen geht es bei Rankings darum, dass Qualit&auml;t quantifiziert werden muss. Oder anders: Man muss Qualit&auml;t in Quantit&auml;ten ausdr&uuml;cken, denn nur so l&auml;sst sich vergleichen und messen. <\/p><p>Ich will gar nicht bestreiten, dass manche dieser erhobenen Daten eine gewisse Aussagekraft besitzen. Wer jedoch den verobjektivierenden Eindruck erwecken will, mit solchen Umfragen und Zahlenangaben sei etwas &uuml;ber die Qualit&auml;t von Forschung oder &uuml;ber die Qualit&auml;t des Studiums oder gar etwas &uuml;ber die hoffentlich damit verbundene Bildung ausgesagt, der t&auml;uscht Qualit&auml;t vor und t&auml;uscht damit diejenigen, die daran glauben.<\/p><p>Rankings sollen Objektivit&auml;t vorspiegeln, und deshalb heben sich solche Messungen ganz bewusst von der Urteilsf&auml;higkeit der Scientific Community, also dem Urteil der Fachkollegen &uuml;bereinander oder der Einsch&auml;tzung Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden ab.<br>\nDie Fetischisierung der Rangliste sei Ausdruck und Symptom einer &bdquo;spezifischen Erscheinungsform von Unbildung&ldquo;, n&auml;mlich mangelnder Urteilskraft, schreibt der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann in seinem Buch &bdquo;Theorie der Unbildung&ldquo;.<br>\n&bdquo;Tats&auml;chlich ersetzt jede Reihung ein qualifiziertes Urteil, da sie besessen ist von der falschen Vorstellung, Urteilen hie&szlig;e Quantifizieren&ldquo;, meint Liessmann.<br>\nNun muss man den neuhumanistischen Bildungsbegriff des Philosophen nicht teilen, aber recht hat Liessman, wenn er schreibt, dass der Gedanke des Vergleichens und der Reihung in Verbindung mit dem Paradigma betriebswirtschaftlichen Denkens steht, das den Betriebsablauf von Hochschulen eher mit dem von Unternehmen vergleicht.<\/p><p><strong>34 Kriterien als Ma&szlig;stab von Qualit&auml;t?<\/strong><br>\nDas CHE-Ranking wird als besonders hochwertig eingestuft, weil bei ihm 34 Kriterien &ndash; also mehr als in anderen Rankings &ndash; als Messgr&ouml;&szlig;en eingehen. Motto: Je mehr Kriterien, desto eher schl&auml;gt Quantit&auml;t in Qualit&auml;t um.<\/p><p>Schauen wir uns einige <a href=\"http:\/\/ranking.zeit.de\/che10\/CHE?module=Baustein&amp;do=showIndik&amp;id=308\">&bdquo;Qualit&auml;tsmerkmale&ldquo;<\/a> genauer an:<\/p><ul>\n<li><strong>Arbeitsmarkt und Berufsbezug.<\/strong> <em>&bdquo;Ermittelt wurden die Angebote f&uuml;r berufsbezogene Veranstaltungen und die Studierendenurteile zu diesem Angebot.&ldquo;<\/em><br>\nWas sind eigentlich berufsbezogene Veranstaltungen? F&uuml;r welchen &bdquo;Beruf&ldquo; wird ein Biologe, eine Chemikerin, eine Physikerin oder ein Informatiker ausgebildet? Soll ein Studium Berufsbef&auml;higung oder Berufsfertigkeit vermitteln? Wie sollen nun gerade Studierende, die in der Regel nun gewiss keine breite Berufserfahrung haben, beurteilen (k&ouml;nnen), ob solche Angebote berufsbezogen sind? Wer bietet solche Veranstaltungen an, die Hochschule oder Berufsverb&auml;nde oder Unternehmen? Wie wird die Qualit&auml;t solcher Angebote beurteilt? Z&auml;hlt allein die Zahl der Angebote?<\/li>\n<li><strong>Ausstattung.<\/strong> <em>&bdquo;Die Bibliothek ist wichtig f&uuml;r die Recherche bei Klausuren und Referaten. Auch die Zahl und die Ausstattung der Computer- und Laborpl&auml;tze entscheiden dar&uuml;ber, wie z&uuml;gig man studieren kann.&ldquo;<\/em><br>\nSo begr&uuml;&szlig;enswert solche Ausstattungen sein m&ouml;gen, sind Lehrveranstaltungen besser oder schlechter, wenn die Zahl der Computer gr&ouml;&szlig;er ist? Haben die heutigen Studierenden nicht inzwischen alle ihren Laptop? Ist eine Lehrveranstaltung besser oder schlechter, weil dort E-Learning oder AV-Medien eingesetzt werden?<br>\nWird der Lehrstoff didaktisch besser aufbereitet, weil die IT-Infrastruktur besser ist?<\/li>\n<li><strong>Forschung.<\/strong> <em>&bdquo;Es gibt Studieninteressierte, die eine besonders forschungsaktive Hochschule suchen, weil sie sp&auml;ter promovieren wollen oder hier gute Aussichten bestehen, als studentische Hilfskraft zu arbeiten. Es wurde u.a. ermittelt, wie viele Drittmittel zur Verf&uuml;gung stehen, wo am meisten promoviert und publiziert wird und wie viele Erfindungen gemeldet wurden.&ldquo;<\/em><br>\nIst die Drittmitteleinwerbung ein Ausweis von Forschungsqualit&auml;t? Hier wird z.B. die Wettbewerbsideologie des CHE ganz deutlich erkennbar. Forschung soll n&auml;mlich danach gesteuert werden, was sich auf dem Drittmittelmarkt am besten durchsetzt. \n<p>Was haben Erfindungen (Patente) etwa mit Grundlagenforschung zu tun? Dazu nur ein Beispiel: Die Ukraine hat mehr als doppelt so viele einheimische Patentanmeldungen wie Frankreich, Schweden und fast doppelt so viele wie Gro&szlig;britannien. Indien weit abgeschlagen. Will sagen: Patente sagen ziemlich wenig aus &uuml;ber die Bedeutung des gesch&uuml;tzten Eigentums.<\/p>\n<p>Auch die Zahl der Publikationen oder wom&ouml;glich gar die Seitenzahl der Publikationen sind ein h&ouml;chst zweifelhafter Qualit&auml;tsma&szlig;stab. Kleinste Forschungsergebnisse lassen sich mit dem richtigen Marketing leichter publizieren als fundierte neue Ergebnisse, die den herrschenden Lehren widersprechen. Ein Wolfgang Franz von der Uni Mannheim etwa wird als Vorsitzender des Sachverst&auml;ndigenrats aufgrund der Mitarbeiter, die ihm zuarbeiten, und aufgrund seines Netzwerks auch in wissenschaftlichen Verlage nat&uuml;rlich mehr unter seinem Namen publizieren k&ouml;nnen als ein Wissenschaftler, der Franzens herrschende Arbeitsmarkttheorien mit empirischen Untersuchungen widerlegt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Internationale Ausrichtung.<\/strong> <em>&bdquo;Wo werden fremdsprachige Studieng&auml;nge angeboten?&ldquo;<\/em><br>\nSo wichtig Fremdsprachenkenntnisse sind, welcher Gewinn an Qualit&auml;t ist darin zu erkennen, dass an einer hiesigen Hochschule ein deutscher Professor sich seine Vorlesung in englisch radebricht, oder &ndash; noch schlimmer &ndash; dass man irgendeinen native Speaker anwirbt, &uuml;ber dessen Lehrbef&auml;higung man vor seiner Berufung nur wei&szlig;, dass er englisch und kein deutsch kann.<\/li>\n<li><strong>Studienergebnis.<\/strong> <em>&bdquo;Wer sich f&uuml;r eine Hochschule entscheidet, m&ouml;chte wissen, wie gut die Chancen auf einen erfolgreichen und schnellen Abschluss sind. Deshalb wurden u.a. die mittlere Studiendauer und die Durchschnittsnote beim Examen untersucht.&ldquo;<\/em><br>\nW&auml;re die Studienabbrecherquote nicht viel aufschlussreicher f&uuml;r die Studienqualit&auml;t als die mittlere Studiendauer? Was besagt die Durchschnittnote? Gab es nicht schon immer Hochschulen, die besser bewerteten und solche, die strengere Bewertungsma&szlig;st&auml;be anlegten?<\/li>\n<li><strong>Neubesetzungen.<\/strong> <em>&bdquo;Anzahl der im Jahr der Ver&ouml;ffentlichung der Daten geplanten Neubesetzungen von Professorenstellen. Gibt zum einen einen Einblick in die Fluktuation des Personals am Fachbereich und &uuml;ber die ggf. damit erfolgende &ldquo;Verj&uuml;ngung&rdquo;.&ldquo;<\/em><br>\nIst es aber nicht gerade so, dass Hochschullehrer an Hochschulen mit nicht so gutem Ruf oder mit geringer Standortqualit&auml;t sich gerne weiter bewerben und gerade an solchen nicht so gut beleumundeten Hochschulen &ouml;fters Stellen frei werden und neu besetzt werden m&uuml;ssen? Bedeuten Neuberufungen in aller Regel wegen der lang andauernden Berufungsverfahren nicht eher eine Reduzierung des Lehrangebots?<\/li>\n<\/ul><p><strong>Vom vielen Wiegen wird die Sau nicht fetter<\/strong><br>\nMan k&ouml;nnte ein Kriterium nach dem anderen durchgehen, fast &uuml;berall werfen die Kriterien mehr Fragen als Antworten auf. Aus kaum einem Kriterium l&auml;sst sich aber wirklich auf die Qualit&auml;t des Studienangebotes schlie&szlig;en. Und man k&ouml;nnte die Zahl der Indikatoren noch so sehr erh&ouml;hen, sie w&uuml;rden vielleicht von Laien als Ausweis f&uuml;r die Qualit&auml;t eines Rankings angesehen werden, sie d&uuml;rften aber &uuml;ber die Qualit&auml;t des zu Beurteilenden nicht viel mehr aussagen.<\/p><p>W&uuml;rden sich solche Rankings auf ihre begrenzte Aussagekraft beschr&auml;nken, k&ouml;nnte man ihnen ja noch einen begrenzten Sinn zuerkennen. Doch auch die Bewertungen etwa durch die Studierenden sind insoweit h&ouml;chst zweifelhaft, weil sie in aller Regel keine Vergleichsma&szlig;st&auml;be haben. Wer hat schon an mehreren Universit&auml;ten studiert und kann wirklich ein Urteil abgeben, ob etwa die Betreuungssituation besser oder schlechter ist. So h&auml;ngen die Bewertungen von vielen Faktoren ab, die weniger mit den Tatsachen als z.B. mit dem allgemeinen Klima an einer Hochschule oder mit dem vermittelten Image des jeweiligen Hochschulstandorts zusammen h&auml;ngen.<\/p><p>Ich habe w&auml;hrend der Umfrage viele Universit&auml;ten zu Vortr&auml;gen besucht. Wenn wir in den nachfolgenden Diskussionen auf die CHE-Rankings zu sprechen gekommen sind, so haben sich viele Studierende ge&auml;u&szlig;ert, die sich aufgrund ihrer Kritik am CHE niemals an einem solchen Ranking beteiligen w&uuml;rden. Die Frage ist also, sind die Bewertungen &uuml;berhaupt repr&auml;sentativ?<\/p><p>Ich habe lange danach gesucht, wie viel Prozent der eingeschriebenen Studierenden in den jeweiligen &bdquo;gerankten&ldquo; F&auml;chern sich an den Bewertungen beteiligt haben. Leider bin ich nicht f&uuml;ndig geworden. W&auml;re die R&uuml;cklaufquote sehr hoch gewesen, so nehme ich an, dass dies auch dick unterstrichen worden w&auml;re.<br>\nMeine Vermutung ist daher eher, dass die Ranking-Veranstalter selbst nicht behaupten, dass die eingegangenen Bewertungen repr&auml;sentativ seien. <\/p><p>Die ZEIT schreibt, es seien 15.000 Urteile von Professoren eingegangen. Haben die teilnehmenden Professoren eine Kontrolle dar&uuml;ber, ob Vergleichbares verglichen worden ist?<\/p><p>Fazit: Entgegen dem Anschein, den die ZEIT und das CHE zu erwecken versuchen, haben die Rankings eine &auml;u&szlig;erst begrenzte Aussagekraft.<\/p><p><strong>Sind Rankings wirklich Studienf&uuml;hrer<\/strong><br>\nNach einer zwar schon etwas &auml;lteren Studie (2005) &uuml;ber das Informationsverhalten und die <a href=\"http:\/\/www.his.de\/pdf\/pub_fh\/fh-200603.pdf\">Entscheidungsfindung bei der Studienauswahl durch das Hochschul Information System (HIS) [PDF &ndash; 430 KB]<\/a> haben sich immerhin 57% der Studierwilligen durch Rankings einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Rangfolge verschiedener Hochschulen verschafft. Aber nur etwa ein Drittel (35%) gab an, dass diese Rankings ihm bei der Planung des Studiums weitergeholfen hat.<\/p><p>Der doch relativ geringe Einfluss auf die Entscheidungsfindung f&uuml;r eine Wahl des Studienstandorts l&auml;sst erkennen, dass die Studierwilligen nach ganz anderen Kriterien entscheiden. <\/p><p>Wenn sie denn etwa bei einem Medizinstudium &uuml;berhaupt eine Entscheidung haben. Wer dort unterhalb eines Abiturnotendurchschnitts von 1,3 liegt, hat ohnehin keine Wahlm&ouml;glichkeit, sondern muss &ndash; nach f&uuml;nfj&auml;hriger Wartezeit, wenn er oder sie &uuml;berhaupt noch durchh&auml;lt &ndash; den Studienplatz nehmen, den er oder sie nach zahllosen Bewerbungsrunden angeboten bekommt.<\/p><p>Inzwischen besteht in zwei Dritteln aller Bachelor-Studieng&auml;nge ein Numerus Clausus. Die Zulassung zu einem Studiengang an einem bestimmten Studienort geschieht eher zuf&auml;llig oder nach Auswahl durch die Hochschule denn aus eigener Entscheidung. <\/p><p>Allein diese Studienwirklichkeit f&uuml;hrt den Rummel um das CHE-Ranking jedenfalls f&uuml;r die ganz &uuml;berwiegend Zahl der Studienanf&auml;nger ad absurdum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Zeit&ldquo; als Medienplattform f&uuml;r <a href=\"http:\/\/ranking.zeit.de\/che10\/CHE\">dieses Ranking<\/a> begibt sich mit der Ver&ouml;ffentlichung in den Graubereich der Vermischung von Journalismus und PR. Der &bdquo;ZEIT-Studienf&uuml;hrer&ldquo; dient eher der Imagepflege des CHE und der Bertelsmann-Stiftung als neutralen und gemeinn&uuml;tzigen Einrichtungen. Das Ranking selbst dient dem CHE, um seine Ideologie vom Wettbewerb als Steuerungsinstrument f&uuml;r die Hochschulen zu<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3932\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[17,129,41],"tags":[232,231,236,457],"class_list":["post-3932","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-medienanalyse","tag-bertelsmann","tag-che","tag-hrk","tag-zeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3932"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3932\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20386,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3932\/revisions\/20386"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}