{"id":39335,"date":"2017-07-25T13:45:53","date_gmt":"2017-07-25T11:45:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39335"},"modified":"2017-07-26T07:53:03","modified_gmt":"2017-07-26T05:53:03","slug":"autoland-ist-abgebrannt-wir-haben-ein-elitenproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39335","title":{"rendered":"Autoland ist abgebrannt \u2013 wir haben ein Elitenproblem"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170725_autoland.jpg\" alt=\"Autoland ist abgebrannt &ndash; wir haben ein Elitenproblem\" title=\"Autoland ist abgebrannt &ndash; wir haben ein Elitenproblem\"><\/div><p>Deutschland ist eine Autonation. Bekanntlich nehmen wir Deutschen die Begeisterung f&uuml;r die ingenieurstechnischen Meisterwerke unserer Premiumhersteller bereits mit der Muttermilch auf. Umso verst&ouml;render ist der nun ans Licht gekommene &bdquo;<a href=\"https:\/\/magazin.spiegel.de\/SP\/2017\/30\/152270400\/index.html\">Kartellskandal<\/a>&ldquo; f&uuml;r unser nationales Selbstverst&auml;ndnis. Kann es etwa sein, dass die geballte deutsche Ingenieurskunst vor allem daf&uuml;r eingesetzt wurde, ohnehin zu lasche Grenzwerte trickreich zu umgehen und Kunden, Zulieferer und Beh&ouml;rden zu betr&uuml;gen? Geht es Audi, BMW, Porsche, Mercedes und VW etwa nicht um die Qualit&auml;t ihrer Produkte und die Zufriedenheit der Kunden, sondern nur um die nackte Rendite? Regelm&auml;&szlig;ige Leser der NachDenkSeiten wird es kaum &uuml;berraschen, dass man diese Fragen ohne Wenn und Aber bejahen muss. Das ist alles nicht wirklich neu. Doch wenn man nun liest, dass die Spitzen der deutschen Wirtschaft ihre Konzerne wegen &bdquo;lumpiger&ldquo; 80 Euro Materialkosten zu einer Art &bdquo;Automafia&ldquo; gemacht haben, kommt man dennoch aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ja, Deutschland hat ein Elitenproblem. Nicht nur die Autokonzerne, sondern wir &ndash; als Gesellschaft &ndash; m&uuml;ssen uns umorientieren. Ob uns die Politik dabei helfen kann, ist jedoch mehr als fraglich. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_160\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39335-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170725_Autoland_ist_abgebrannt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170725_Autoland_ist_abgebrannt_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170725_Autoland_ist_abgebrannt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170725_Autoland_ist_abgebrannt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39335-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170725_Autoland_ist_abgebrannt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170725_Autoland_ist_abgebrannt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wenn sich best&auml;tigt, was der SPIEGEL in seiner j&uuml;ngsten Ausgabe herausgefunden haben will, hat dies das Zeug, das deutsche Selbstbildnis in seinen Grundfesten zu zerst&ouml;ren. Deutschlands wirtschaftliches R&uuml;ckgrat war &uuml;ber Jahrzehnte die scherzhaft so genannte &bdquo;Deutschland AG&ldquo; &ndash; ein Netzwerk der gro&szlig;en Finanz- und Industriekonzerne der Nachkriegszeit, das mit dem Siegeszug des Finanzkapitalismus erodierte. Einst stolze Konzerne wie Grundig, Neckermann, Quelle oder die Dresdner Bank gibt es nicht mehr, andere Konzerne sind kaum mehr wiederzuerkennen: Der Stahlkonzern Mannesmann ist heute Teil eines weltweiten Mobilfunkkonzerns, das Industriekonglomerat Preussag firmiert heute als Touristikkonzern Tui. Einzig und alleine auf die gro&szlig;en alten Automobilkonzerne schien Verlass zu sein &ndash; VW l&auml;uft und l&auml;uft und ist immer noch im Besitz des Industriellenclans Porsche-Piech mit einer Sperrminorit&auml;t des Landes Niedersachsen, bei BMW hat der Quandt-Klatten-Clan das Sagen und die Daimler AG ist zwar mehrheitlich im verwalteten Besitz von Fonds, Versicherungen und Banken, aber auch unabh&auml;ngig und immer noch vermeintlicher Branchenprimus im Autobau. <\/p><p>Jeder siebte Job in Deutschland h&auml;ngt &ndash; so will es zumindest eine <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/statistik-trick-in-der-autoindustrie-maechtig-gerechnet-a-625945.html\">gef&auml;lschte Statistik<\/a> &ndash; von der Autobranche ab. Kein anderer Industriezweig ist derart gut mit der Politik vernetzt. Der Cheflobbyist der Autokonzerne ist ein ehemaliger Verkehrsminister und guter Freund der Kanzlerin und die Bundesumweltministerin hat ausgerechnet den &bdquo;schmutzigsten Diesel&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.duh.de\/pressemitteilung\/der-schmutzigste-diesel-ist-ein-audi-a8-der-abgasstufe-euro-6-deutsche-umwelthilfe-misst-bei-strasse\/\">auf Deutschlands Stra&szlig;en<\/a> zu ihrem Dienstwagen auserkoren &ndash; ja, so etwas ist wohl nur in Deutschland m&ouml;glich. Doch auch etwas anderes ist wohl nur in Deutschland m&ouml;glich &ndash; und zwar tolldreiste Betr&uuml;gereien mitten unter den Augen der Aufsichtsbeh&ouml;rden. Dies zeigt ein Beispiel aus der SPIEGEL-Enth&uuml;llungsstory, das bislang noch gar nicht genug gew&uuml;rdigt wurde.<\/p><p><strong>Der AdBlue-Betrug<\/strong><\/p><p>Wer sagt, Diesel h&auml;tten keine Zukunft und seien ein technisches Auslaufmodell, erz&auml;hlt Unsinn. Wie kann es sonst sein, dass ein 40-Tonnen-LKW weniger Stickstoff ausst&ouml;&szlig;t, als <a href=\"http:\/\/www.automobilwoche.de\/article\/20170106\/NACHRICHTEN\/170109945\/neue-icct-studie-diesel-lkw-sauberer-als-diesel-pkw\">fast alle Diesel-PKW<\/a>, die auf Deutschlands Stra&szlig;en fahren? Die Antwort k&ouml;nnte simpler sein, als es die meisten denken. Stickoxide werden bei den allermeisten Diesel-Fahrzeugen heutzutage in einem Verfahren aus den Abgasen gefiltert, das sich &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Selektive_katalytische_Reduktion\">selektive katalytische Reduktion<\/a>&ldquo; nennt. Dabei werden die Abgase &ndash; vereinfacht gesagt &ndash; unter Zugabe einer Harnstoffl&ouml;sung gereinigt. Diese L&ouml;sung wird in Deutschland unter dem Namen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/AdBlue\">AdBlue<\/a> vertrieben und LKWs k&ouml;nnen dieses &bdquo;Wundermittel&ldquo; sogar an Tanks&auml;ulen tanken. Das ist preiswert und eigentlich problemlos. Dennoch setzen fast alle PKW-Hersteller stattdessen auf ein System, bei dem AdBlue im Rahmen der &uuml;blichen Inspektionen von der Fachwerkstatt nachgef&uuml;llt wird. Daf&uuml;r gibt es zwei Gr&uuml;nde. Offiziell will man dem Fahrer nicht &bdquo;zumuten&ldquo;, auch noch eine zweite Fl&uuml;ssigkeit zu tanken. Inoffiziell darf man jedoch auch annehmen, dass dies ein wunderbares Zubrot f&uuml;r die Vertragswerkst&auml;tten ist &ndash; immerhin zahlt der Kunde in der Regel fast 100 Euro f&uuml;r das Auff&uuml;llen von ein paar Liter Fl&uuml;ssigkeit, die an der Zapfs&auml;ule pro Liter 50 Cent kostet. <\/p><p>Daf&uuml;r zeigen sich die Hersteller jedoch an ganz anderer Stelle auff&auml;llig geizig. <strong>Die Tanks f&uuml;r AdBlue sind n&auml;mlich au&szlig;ergew&ouml;hnlich klein. So klein, dass das Nachtank-Konzept beim Service-Intervall gar nicht aufgehen kann.<\/strong> Das &bdquo;kraftfahrttechnische Taschenbuch&ldquo; der Robert Bosch GmbH &ndash; eine Art Standardwerk f&uuml;r KFZ-Technik, das nun bereits in der 26. Auflage erschienen ist &ndash; beziffert den Verbrauch von AdBlue bei einer wirkungsvollen Katalyse der Stickoxide auf rund 5% des Kraftstoffverbrauchs. Nehmen wir einmal an, dass ein Diesel-PKW mit AdBlue-Technik im Schnitt sieben Liter Treibstoff auf 100 Kilometer verbraucht. Ein moderner Diesel muss mindestens alle 15.000 Kilometer zum Serviceintervall in die Werkstatt. W&auml;hrenddessen m&uuml;sste er bei normaler Betriebsweise also laut der Bosch-Rechnung rund 52 Liter AdBlue verbraucht haben. Das ist jedoch praktisch unm&ouml;glich, da die Tanks, die in modernen Dieselfahrzeugen verbaut werden, nur zwischen 8,5 Liter (Mercedes-C-Klasse) und 38,5 Liter (Mercedes GLS, der jedoch auch weit mehr verbraucht) liegen. Standardwagen aus dem gro&szlig;en Marktsegment der Mittelklasse wie Audi A6, 5er BMW und Passat haben meist <a href=\"http:\/\/www.auto-hirsch.eu\/2016\/08\/adblue-nachfuellen-wieviel-passt-in-den-tank\/\">einen Tank<\/a> zwischen 13 und 17 Litern.<\/p><p><strong>Der Tank der Premiumfahrzeuge fasst also nur ein Viertel des ben&ouml;tigten AdBlue.<\/strong> Wie kann das gehen? Gar nicht! In der Realit&auml;t wird AdBlue ganz einfach durch eine &bdquo;intelligente Motorsteuerung&ldquo; (aka Schummelsoftware) massiv unterdosiert. Damit reicht zwar der Tankinhalt bis zum n&auml;chsten Serviceintervall, die Filtration der Stickstoffe funktioniert jedoch aufgrund der zu niedrigen Dosierung in der Praxis nicht korrekt. Und warum baut man dann keinen gr&ouml;&szlig;eren Tank ein? 50 Liter Stauraum sollten ja wohl in einem Mittelklassewagen zur Verf&uuml;gung stehen. Die Antwort bieten die geheimen Absprachen, &uuml;ber die der SPIEGEL berichtet. <strong>Ein ausreichend gro&szlig;er AdBlue-Tank h&auml;tte die Hersteller <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/auto\/aktuell\/abgasskandal-was-der-kartell-vorwurf-mit-dem-diesel-skandal-zu-tun-hat-a-1159436.html\">ganze 80 Euro<\/a> mehr gekostet<\/strong>. Wir reden hier &uuml;brigens &uuml;ber Autos wie den A7, die ab Werk gerne schon mal mindestens 70.000 Euro kosten. <\/p><p><strong>Was muss in den K&ouml;pfen hochbezahlter Manager vorgehen, eine derartige kriminelle Energie zu entwickeln, nur um den St&uuml;ckpreis ihrer Premiumartikel um rund ein Promille zu senken?<\/strong> Ganz ehrlich &ndash; dazu fehlt selbst mir die Vorstellungskraft. <\/p><p><strong>Elitend&auml;mmerung<\/strong><\/p><p>Offenbar sind die Eliten der deutschen Wirtschaft in einem Denkgeb&auml;ude gefangen, das mit dem gesunden Menschenverstand nicht mehr greifbar ist. Wir haben es mit einer Parallelgesellschaft zu tun, die ihre eigenen Werte und Normen entwickelt hat, die auch mit unseren Gesetzen nicht mehr in Einklang stehen. Kaum wer w&uuml;rde sich wohl dar&uuml;ber wundern, wenn ein Amazon- oder eBay-Verk&auml;ufer es mit der CE-Kennzeichnung seiner billigen Importwaren nicht ganz so ernst nimmt. Aber dass die Cr&egrave;me de la Cr&egrave;me der deutschen Industrie Zulassungsnormen f&uuml;r ihre Premiumprodukte freier interpretiert als jeder Raser ein Tempo-30-Schild, ist doch &hellip; wenn auch nicht &uuml;berraschend, dann doch zumindest ern&uuml;chternd. <\/p><p>Jetzt &bdquo;nur&ldquo; auf die Eliten der Industrie zu schimpfen, w&auml;re jedoch zu kurz gegriffen. Denn die Politik hat wirklich alles in ihrer Macht Stehende getan, um den Autokonzernen derartige kriminelle Taten durchgehen zu lassen &ndash; ja, man hat sie sogar dazu animiert.<\/p><p><em>Schauen Sie sich dazu bitte auch &ndash; sofern noch nicht geschehen &ndash; <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/comedy\/die-anstalt\/die-anstalt-vom-7-maerz-2017-100.html\">die Folge der Anstalt vom 7. M&auml;rz an<\/a>, in der Max Uthoff, Claus von Wagner und ihre <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37477\">G&auml;ste das Thema trefflich aufspie&szlig;en<\/a>.<\/em><\/p><p>An ihren Taten sollt ihr sie messen. Doch was die Bundesregierung in den letzten Jahrzehnten in Sachen Umwelt- und Verkehrspolitik tats&auml;chlich umgesetzt hat, ist bestenfalls l&auml;cherlich, schlimmstenfalls skandal&ouml;s. Tonnenschwere SUVs k&ouml;nnen immer noch dank <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/dienstwagenprivileg-vorfahrt-fuer-spritfresser-zu-lasten.724.de.html?dram:article_id=342036\">Dienstwagenprivileg<\/a> voll von der Steuer abgesetzt werden &ndash; je schwerer, schneller und teurer, desto mehr Steuern lassen sich sparen. <\/p><p><strong>Schneller, schwerer und sparsamer?<\/strong><\/p><p>Und wie sieht es mit den CO2-Ausst&ouml;&szlig;en aus, die ja direkt mit dem Kraftstoffverbrauch korrelieren? Da hat die Klimakanzlerin doch ganz bestimmt ordentlich auf den Tisch gehauen und den Autobossen strenge Vorschriften gemacht! Mitnichten; zwar verbrauchen Neuwagen offiziell immer weniger Kraftstoff, aber daf&uuml;r wurden die Messmethoden auch immer phantasievoller. Insider nehmen die offiziellen Verbrauchs- und Emissionswerte daher auch schon lange <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27635\">nicht mehr ernst<\/a>. So stiegen laut <a href=\"http:\/\/www.theicct.org\/laboratory-road-2016-update\">den Messungen des unabh&auml;ngigen ICCT<\/a> die durchschnittlichen Abweichungen zwischen angegebenen und realen Verbrauchswerten von 9% im Jahre 2001 auf 42% im Jahre 2015. Die Motoren werden zwar in der Tat immer sauberer, daf&uuml;r werden die Autos jedoch von Jahr zu Jahr gr&ouml;&szlig;er, schwerer und damit durstiger. Ein 3er-BMW aus den fr&uuml;hen 90er-Jahren (Modell E30) wog noch zwischen 990 und 1330 Kilogramm. Aktuelle 3er-Modelle (Modell F30) wiegen hingegen bereits zwischen 1490 und 1725 Kilogramm. Da muss man sich nat&uuml;rlich schon anstrengen, wenn man den Flottenverbrauch von Jahr zu Jahr reduzieren will. Vor allem wenn man die Eselei perfektioniert hat, sinnfreie hochgelegte Blechunget&uuml;me, genannt SUVs, als Lifestyle-Produkte zu pushen, die bei einem Leergewicht von weit &uuml;ber der 2-Tonnen-Marke nat&uuml;rlich bereits rein physikalisch mehr Kraftstoff verbrauchen und damit mehr Abgase aussto&szlig;en m&uuml;ssen. Wir haben immer mehr Autos, die immer schwerer werden und mit denen wir immer mehr Kilometer zur&uuml;cklegen &hellip; da br&auml;uchte es schon einen Super-Ingenieur, eine Mischung aus Daniel D&uuml;sentrieb und Tony Stark, um die Klimaversprechungen der Kanzlerin umsetzbar zu machen. Und da deutsche Ingenieure zwar verdammt gut, aber auch keine Comic-Gestalten sind, bleiben die W&uuml;nsche der Kanzlerin unerf&uuml;llbar und statt den Verbrauch zu minimieren, t&uuml;fteln die Entwicklungsabteilungen auf Weisung von oben lieber an betr&uuml;gerischen Tricksereien.<\/p><p><strong>Alternative Elektromobilit&auml;t?<\/strong><\/p><p>Wer einmal erahnen will, wie weit Deutschlands Premiummarken technisch zur&uuml;ckliegen, dem sei ein Besuch in Norwegen, &Ouml;sterreich oder Frankreich empfohlen. In Norwegen wurden in diesem Jahr erstmals mehr Elektro- und Hybridautos <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/autoindustrie\/norwegen-elektroauto-anteil-steigt-auf-53-prozent-a-1157126.html\">zugelassen<\/a> als Fahrzeuge mit konventionellem Verbrennungsmotor. Das liegt nat&uuml;rlich an den niedrigen Stromkosten im Land der Fjorde, aber auch an der Infrastruktur. In unseren westlichen, n&ouml;rdlichen und s&uuml;dlichen Nachbarl&auml;ndern liegt der Anteil von Elektroautos bei den Neuzulassungen im Schnitt <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/auto\/nachrichten\/e-auto-neuzulassungen-deutschland-faehrt-hinterher\/13890960.html\">doppelt so hoch wie Deutschland<\/a>. Das ist auch kein Wunder, da ausgerechnet im Autoland Deutschland Elektroautos nur unzureichend gef&ouml;rdert werden.<\/p><p>W&auml;hrend Deutschlands Premiummarken Milliarden in betr&uuml;gerische Manipulationen gesteckt haben, hat das s&uuml;dafrikanische Wunderkind Elon Musk mit seinem Tesla-Konzern vom Silicon Valley aus <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/d9403324-6d33-11e7-bfeb-33fe0c5b7eaa\">die Branche im Alleingang revolutioniert<\/a>. Richtig ist jedoch auch: Elektroautos ergeben nur dann einen Sinn, wenn der Strom umweltfreundlich erzeugt wird und genau das ist im Kohleparadies Deutschland noch nicht einmal gegeben. Je tiefer man in das Thema einsteigt, desto hoffnungsloser wird es.<\/p><p><strong>Es ist hoffnungslos<\/strong><\/p><p>Wie hoffnungslos der Status quo ist, zeigt die Aufarbeitung des &bdquo;VW-Skandals&ldquo;, der ja keinesfalls nur den Wolfsburger Konzern betraf. Der Rest der Branche rettet sich jedoch &ndash; zumindest in Deutschland &ndash; ohne Konsequenzen seitens der Politik aus der Aff&auml;re. Im Weggucken waren deutsche Politiker schon immer gut. W&auml;hrend es in den USA Milliardenstrafen hagelte und die betroffenen Autos kurzerhand stillgelegt wurden, passierte in Deutschland nichts. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigte nach langem Hin und Her eine Softwarel&ouml;sung(!) von VW, bei der bereits der Stickoxid-Zielwert eine &Uuml;berschreitung des zul&auml;ssigen Grenzwerts um das Drei- bis F&uuml;nffache <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/diesel-skandal-ein-ungeheuerlicher-verdacht.720.de.html?dram:article_id=391730\">beinhaltete<\/a>. Das alles einen schlechten Witz zu nennen, w&auml;re wohl eine massive Untertreibung.<\/p><p>Gelernt haben die Vorst&auml;nde der Automobilbauer &uuml;brigens &uuml;berhaupt nichts. VW-Chef M&uuml;ller verbreitet gebetsm&uuml;hlenartig seine Verschw&ouml;rungstheorie, es g&auml;be &bdquo;eine Kampagne gegen den Diesel&ldquo; und auch BMW phantasiert lieber von einer &bdquo;Skandalisierung des Dieselantriebs&ldquo;, anstatt Fehler einzugestehen und ernsthaft die Lehren daraus zu ziehen. <\/p><p>Aber was soll&acute;s, die Parallelwelt der Automafia funktioniert ja auch weiterhin blendend. In branchennahen &bdquo;Fachzeitungen&ldquo; wie AutoBILD oder Auto Motor und Sport werden auch weiterhin nach dem Motto &bdquo;schneller, schwerer, teurer&ldquo; die Innovationen deutscher Premiumhersteller &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee gelobt und Kritik an der Branche als Gepl&auml;rre der &uuml;blichen Gr&uuml;nfinken bel&auml;chelt. Das Management wird sich auch weiterhin feiern lassen, weiterhin die Kunden und die Zulieferer betr&uuml;gen und daf&uuml;r weiterhin von den Aktion&auml;ren begl&uuml;ckw&uuml;nscht werden. Und die Politik wird weiterhin ihre sch&uuml;tzende Hand &uuml;ber die Machenschaften legen und den Lobbyisten jeden Wunsch von den Lippen ablesen. <\/p><p>N&auml;chste Woche l&auml;dt Verkehrsminister Dobrindt zum &bdquo;Dieselgipfel&ldquo; ein. Die Pressemeldungen liegen sicher jetzt schon vor: Zerknirscht werden sich die Manager zeigen und Besserung geloben. Und wer wird schon den Schw&uuml;ren der Autoelite misstrauen? Die Politik wird &ndash; so viel ist jetzt schon klar &ndash; unbeschadet aus der Aff&auml;re gehen. Im September sind Wahlen und dann wird ein neuer Parteisoldat Verkehrsminister und der r&auml;umt dann so richtig auf. Versprochen!<\/p><p>Ein echter Wandel scheint weder politisch noch gesellschaftlich gewollt zu sein. Schauen wir mal, wie lange die B&uuml;rger noch an die &Uuml;berlegenheit deutscher Premiummarken glauben und sich zum Preis eines kompletten Jahresgehalts ein tonnenschweres, h&ouml;hergelegtes Unget&uuml;m im Gel&auml;ndewagenlook andrehen lassen, obwohl sie doch in der Stadt leben und so etwas eigentlich gar nicht brauchen. Vielleicht wird ja auch das laufende Gerichtsverfahren, bei dem die Deutsche Umwelthilfe Fahrverbote in Stuttgart <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/news\/2017-07\/19\/verkehr-ordnet-gericht-fahrverbote-in-stuttgart-an-19053402\">einklagen will<\/a>, eine Weichenstellung sein. Denn wenn die Rechtssprechung bis in die letzte Instanz hinein den Grundsatz anerkennt, dass die Gesundheit der Menschen ein h&ouml;heres Gut darstellt als die Profitinteressen der Industrie, k&ouml;nnten die Eliten der deutschen Industrie schon bald in die Bredouille kommen.  Und wer wei&szlig; &ndash; vielleicht kann sich dann in zwanzig, drei&szlig;ig Jahren auch niemand mehr so richtig daran erinnern, was BMW und Mercedes fr&uuml;her einmal gemacht haben; so wie es heute bei Mannesmann und der Preussag der Fall ist. Dinosaurier sterben &hellip; manchmal dauert es etwas l&auml;nger.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/c9ec8298eb0a4cb89ffc6c5dfe11eabb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170725_autoland.jpg\" alt=\"Autoland ist abgebrannt &ndash; wir haben ein Elitenproblem\" title=\"Autoland ist abgebrannt &ndash; wir haben ein Elitenproblem\"\/><\/div>\n<p>Deutschland ist eine Autonation. 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Umso verst&ouml;render ist der nun ans Licht gekommene &bdquo;<a<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39335\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,131,127,179,73],"tags":[2125,1565,1699,1502,1886,2126,1563,1412,394,1371],"class_list":["post-39335","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-oekonomie","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-schadstoffe","category-verkehrspolitik","tag-audi","tag-automobilindustrie","tag-bmw","tag-daimlermercedes","tag-dobrindt-alexander","tag-elektromobilitaet","tag-kartell","tag-porsche","tag-subventionen","tag-volkswagen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39335","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39335"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39335\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39344,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39335\/revisions\/39344"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}