{"id":3934,"date":"2009-05-12T09:10:28","date_gmt":"2009-05-12T07:10:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3934"},"modified":"2014-01-28T11:01:26","modified_gmt":"2014-01-28T10:01:26","slug":"ein-vermutlich-inszenierter-konflikt-soll-die-durchsetzung-des-bad-bank-konzeptes-erleichtern-finanzkrise-xiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3934","title":{"rendered":"Ein vermutlich inszenierter Konflikt soll die Durchsetzung des Bad-Bank-Konzeptes erleichtern (Finanzkrise XIV)"},"content":{"rendered":"<p>Gestern kam <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,624035,00.html\">Spiegel Online mit einem l&auml;ngeren Artikel<\/a> und der Hauptaussage, die SPD-Fraktion, namentlich die Haush&auml;lter und die Parlamentarische Linke (PL), w&uuml;rden Steinbr&uuml;ck zu einem h&auml;rteren Kurs gegen&uuml;ber den Banken in Sachen Auslagerung toxischer Papiere dr&auml;ngen (siehe Ausz&uuml;ge in der Anlage). Der haushaltspolitische Sprecher Carsten Schneider wurde mit der Forderung zitiert, die Banken m&uuml;ssten &bdquo;die Hosen runterlassen&ldquo;. Die Argumentationsweise und auch die personelle Konstellation sind so schr&auml;g, dass ich nicht an einen echten Konflikt glaube. Der Konflikt ist verabredet, weil damit der skandal&ouml;se Vorgang als solcher, n&auml;mlich den Banken ihre schlechten Risiken zulasten der Steuerzahler abzunehmen, wie selbstverst&auml;ndlich erscheint. So ist das im Leben: Wenn man ein Vorhaben der Detailkritik unterzieht und dann dem Kritisierten auch noch die M&ouml;glichkeit gibt, Kompromissbereitschaft zu zeigen (so wird es n&auml;mlich kommen), dann erscheint das Vorhaben als solches akzeptabel. Auf die Nutzung dieses einfachen Tricks der Meinungsmache zielt der Konflikt. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Es folgen einige Indizien daf&uuml;r:<\/p><ol>\n<li>Schon die personelle Konstellation der Hauptmatadore spricht gegen einen ernsthaften Konflikt. Der Wortf&uuml;hrer der Haush&auml;lter in der SPD Fraktion Carsten Schneider sitzt zusammen mit dem Steinbr&uuml;ck-Staatssekret&auml;r J&ouml;rg Asmussen im Lenkungsausschuss des Soffin. Asmussen und Schneider sind auch schon als gemeinsame Autoren eines <a href=\"http:\/\/www.carsten-schneider.de\/dokumente\/11589117210211-positionspapier.pdf\">Positionspapiers zur Generationengerechtigkeit aufgetreten [PDF &ndash; 212 KB]<\/a>. Man kann getrost davon ausgehen, dass alle wichtigen Entscheidungen zum 480-Milliarden-Rettungsschirm, zur Geheimhaltung der Vorg&auml;nge bei der Vergabe der Mittel durch den Soffin und zu den gro&szlig;z&uuml;gigen Zahlungen an HRE und Commerzbank einvernehmlich zwischen Schneider, Asmussen und damit auch Steinbr&uuml;ck durchgesetzt wurden.\n<\/li>\n<li>Die verbalen Kraftakte (&bdquo;Hosen runterlassen&ldquo;) t&auml;uschen dar&uuml;ber hinweg, dass die Kritiker die Tatsache der &Uuml;bernahme von Risiken durch die &Ouml;ffentlichkeit und die Steuerzahler nicht infrage stellen.\n<\/li>\n<li>Im Gegenteil, die Kritiker k&uuml;ndigen in der Person des SPD-Haushaltsexperten Schneider gleich noch an, mehr Mittel f&uuml;r den Bankenrettungsfond Soffin oder andere staatliche Interventionen zur Verf&uuml;gung zu stellen. Um die Gro&szlig;z&uuml;gigkeit und zugleich die Arroganz sichtbar zu machen, ist es angebracht, Schneider w&ouml;rtlich zu zitieren: &ldquo;Ich bin gern bereit, daf&uuml;r die Mittel des Soffin deutlich aufzustocken. Auch 80 Milliarden &euro; mehr w&auml;ren kein Problem, wenn das das Problem l&ouml;st.&ldquo; Schneider pers&ouml;nlich ist bereit, 80 Milliarden &euro; zur Verf&uuml;gung zu stellen. So klingt das. Donnerwetter. Einfach mal so. Man sollte sich daran erinnern: Zwischen 10 und 20 Milliarden f&uuml;r ein Konjunkturprogramm zu Gunsten der Besch&auml;ftigten in der Wirtschaft jenseits der Banken l&ouml;sten bei den gleichen Personen Wehklagen aus.\n<\/li>\n<li>Nach den Vorstellungen der Kritiker soll es den Banken nicht freiwillig &uuml;berlassen sein, ob sie eine Bad Bank gr&uuml;nden. Der Finanzminister will freiwillige L&ouml;sungen, die Haush&auml;lter der SPD wollen alle Banken verpflichten, Schrottpapiere auszulagern. Soll Letzteres eine bessere L&ouml;sung sein? Wieso das? Das ist eindeutig ein Scheinkonflikt, so wie auch schon die Klage Merkels und Steinbr&uuml;cks dar&uuml;ber, dass die Banken nicht bereit sind, die Milliarden des Bundes anzunehmen, nur der Meinungsbildung diente. Die Banken sollten aus der Bittstellerrolle herausgebracht werden, wir Steuerzahler sollten in eine solche Rolle versetzt werden &ndash; nach dem Motto: Bitte bitte, liebe Banker, nehmt unsere Milliarden gn&auml;digst an.\n<\/li>\n<li>In dem gesamten Artikel und in den berichteten Positionen der angeblichen Streith&auml;hne kommt kein einziges Mal die Frage zur Sprache, wieso wir eigentlich alle Banken am Leben erhalten sollen. Das in den NachDenkSeiten am <a href=\"?p=3689\">7. Januar 2009<\/a> ausf&uuml;hrlich besprochene Problem der notwendigen Konversion der Finanzwirtschaft wird auch im Zusammenhang dieser wichtigen Frage des Umgangs mit hoch riskanten Papieren in den Bilanzen der Banken nicht angesprochen. Offensichtlich wollen die Verantwortlichen einschlie&szlig;lich der angeblichen Kritiker in der SPD-Fraktion alle Banken retten, konkret die schlechten Risiken auslagern und dann alle einfach weiterwurschteln lassen. Das hat mit einem sachlich richtigen Konzept nichts gemein. Denn es bleibt die wichtige Aufgabe, die Finanzwirtschaft von den spekulativen Elementen zu befreien. Zurzeit l&auml;uft offensichtlich alles weiter wie gehabt &ndash; an den Aktienm&auml;rkten wird spekuliert, es werden wahrscheinlich nach wie vor Derivate gehandelt, den Kunden wird an den Bankschaltern empfohlen, in Immobilien und Fonds einzusteigen. Wenn der haushaltspolitische Sprecher der SPD und die Parlamentarische Linke ihre Kritik am Steinbr&uuml;ck Entwurf mit einem Vorsto&szlig; zum Abbau der Casino-T&auml;tigkeit verbunden h&auml;tten, dann w&uuml;rden wir Ihnen gerne ihre Kritik abnehmen.\n<\/li>\n<\/ol><p>So ist das ganze ein unw&uuml;rdiges Spiel zur Verwirrung der &Ouml;ffentlichkeit und zur Erleichterung der Auslagerung schlechter Risiken auf den Steuerzahler. Siehe dazu auch <a href=\"?p=3887\">&bdquo;Steinbr&uuml;cks Osterhasen f&uuml;r seine Freunde&ldquo;<\/a>. <\/p><p><strong>Anlage:<\/strong><\/p><p><strong>SPD-Fraktion dr&auml;ngt Steinbr&uuml;ck zu h&auml;rterem Kurs<\/strong><br>\nBanken sollen Schrottpapiere auslagern d&uuml;rfen &ndash; freiwillig. So will es Finanzminister Steinbr&uuml;ck. Doch ausgerechnet die SPD-Fraktion h&auml;lt wenig von dem Konzept. Die Banken m&uuml;ssten schlicht dazu gezwungen werden, fordern Haushaltspolitiker. Auch der linke Fl&uuml;gel f&uuml;rchtet zu laxe Regeln (&hellip;)<\/p><p><strong>Finanzminister Steinbr&uuml;ck: Zwang oder Freiwilligkeit?<\/strong><br>\nBereits am Mittwoch will Finanzminister Peer Steinbr&uuml;ck ein Konzept im Kabinett verabschieden lassen, mit dem k&uuml;nftig Privatbanken sogenannte Schrottpapiere in Zweckgesellschaften auslagern k&ouml;nnen. Ein eigenes Modell f&uuml;r die angeschlagenen Landesbanken soll sp&auml;ter folgen. Dazu soll am Mittwoch eine Absichtserkl&auml;rung vom Kabinett beschlossen werden.<br>\nGegen Steinbr&uuml;cks Modell f&uuml;r die Privatbanken formiert sich unterdessen bei SPD-Haushaltsexperten und der Parlamentarischen Linken der Sozialdemokraten (PL) Widerstand. Der zentrale Unterschied vom Ansatz Steinbr&uuml;cks und dem der Haush&auml;lter: Die Frage, ob die Banken gezwungen werden sollen, eine Bad Bank zu gr&uuml;nden. W&auml;hrend der Finanzminister auf freiwillige L&ouml;sungen setzt, wollen die Haush&auml;lter alle Banken verpflichten, Schrottpapiere auszulagern. <\/p><p>In einem Positionspapier der Arbeitsgruppe Haush&auml;lter der SPD-Bundestagsfraktion, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, hei&szlig;t es: &ldquo;Die Konstruktion einer Bad Bank l&auml;sst sich nur rechtfertigen, wenn eine hinreichend breite Teilnahme der Banken und eine nahezu vollst&auml;ndige Auslagerung der toxischen Papiere sicher gestellt ist&rdquo; (&hellip;)<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,624035,00.html\">SPIEGEL<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern kam <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,624035,00.html\">Spiegel Online mit einem l&auml;ngeren Artikel<\/a> und der Hauptaussage, die SPD-Fraktion, namentlich die Haush&auml;lter und die Parlamentarische Linke (PL), w&uuml;rden Steinbr&uuml;ck zu einem h&auml;rteren Kurs gegen&uuml;ber den Banken in Sachen Auslagerung toxischer Papiere dr&auml;ngen (siehe Ausz&uuml;ge in der Anlage). 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