{"id":39349,"date":"2017-07-26T13:22:58","date_gmt":"2017-07-26T11:22:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39349"},"modified":"2018-12-30T17:51:42","modified_gmt":"2018-12-30T16:51:42","slug":"brasilien-die-privilegierteste-teuerste-und-ehrloseste-justiz-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39349","title":{"rendered":"Brasilien &#8211; Die privilegierteste, teuerste und ehrloseste Justiz der Welt."},"content":{"rendered":"<p>Zwei Justizskandale l&ouml;sten im vergangenen Juni landesweite Emp&ouml;rung in der brasilianischen &Ouml;ffentlichkeit, einschlie&szlig;lich konservativer Medien, aus. Zum einen sprach das Oberste Wahlgericht des Landes am 9. Juni den u.a. wegen schwerer Korruption und Justizbehinderung angeklagten, brasilianischen de-facto-Pr&auml;sidenten Michel Temer von der Anklage begangener Verst&ouml;&szlig;e gegen das Wahlgesetz frei. Zum anderen gab Richter Marco Aurelio de Mello vom Obersten Gerichtshof am 30. Juni das Senatoren-Mandat an den von der Polizei in flagranti &uuml;berf&uuml;hrten, ebenfalls wegen schwerer Korruption und Justizbehinderung Wochen zuvor seines Amtes enthobenen und angeklagten Politiker A&eacute;cio Neves zur&uuml;ck. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nBeide Episoden sind Paradebeispiele f&uuml;r die als zunehmend ehrlos erkannte brasilianische Justiz, neben der korrupten Exekutive und Legislative ein Moloch der Ineffizienz und himmelschreiender Privilegien, sowie ferner, der politischen Protektion alteingesessener Eliten.<\/p><p>Juristen und Politikwissenschaftler verschiedenster Nationalit&auml;ten und politischer Couleur bef&uuml;rchten &uuml;berdies, dass die vor 25 Jahren nach Ende der Milit&auml;rdiktatur eingeleitete Demokratisierung in Brasilien an der unterlassenen, moralischen und politischen Reinigung des von Vetternwirtschaft, Privilegien, Korruption und autorit&auml;ren Gedankenguts durchsetzten brasilianischen Justizapparates gescheitert ist. <\/p><p><strong>Teuer und ineffizient<\/strong><\/p><p>Im Jahr 2015 kostete das mit 400.000 Besch&auml;ftigten aufgeblasene brasilianische Justizsystem den Staat umgerechnet 21 Milliarden Euro, rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts, und somit das Dreifache im Kostenvergleich mit der deutschen Justiz. Nicht zu Unrecht wird das Unget&uuml;m in Brasilien mit einer geheimgehaltenen <em>Blackbox<\/em> verglichen, die ein weit gesponnenes Netz von eigenn&uuml;tzigen Gesetzesinitiativen, illegalen Privilegien und der Deckung krimineller Handlungen von Richtern verberge.<\/p><p>Doch der Apparat ist auf leidliche Weise auch ineffizient. Ein 2012 von der Weltbank in 181 L&auml;ndern angestellter Vergleich von gerichtlicher Prozessdauer setzte Brasilien auf den wenig r&uuml;hmlichen 100. Platz der schwerf&auml;lligsten Justizapparate der Welt. Anfang 2015 stapelten sich auf den Schreibtischen der 90 brasilianischen Tribunale 99,7 Millionen Gerichtsverfahren, wovon die meisten seit Jahren verhandelt werden und ohne definitives Urteil im Dickicht der Instanzen versickern. Der Apparat verletzt massenhaft die Menschenrechte: Sechzig Prozent der 600.000 brasilianischen Gefangenen &ndash; die viertgr&ouml;&szlig;te Insassenzahl der Welt &ndash; fristen ein Elendsdasein in &uuml;berf&uuml;llten und von brutaler Gewalt beherrschten Gef&auml;ngniszellen, ohne Aussicht auf eine Vorf&uuml;hrung vor den Richter.<\/p><p><strong>Korruption und Korporatismus<\/strong><\/p><p>Bestechlichkeit und K&auml;uflichkeit sind kein exklusiver Makel von Exekutive und Legislative. Im Jahr 2016 wurden 46 brasilianische Richter wegen Beg&uuml;nstigung reicher Angeklagter und Mauscheleien bei Urteilen verurteilt; brasilianische Fachpublikationen sch&auml;tzen die Zahl der anr&uuml;chigen Rechtsdiener auf mindestens das Dreifache. <\/p><p>Ein besonderer Fall erregte jedoch in den vergangenen Monaten das &ouml;ffentliche Aufsehen: selbst der von der US-amerikanischen <em>Time<\/em> als Einsatzleiter der Korruptionsermittlungen im Petrobras-Skandal ger&uuml;hmte Richter in erster Instanz, S&eacute;rgio Moro, nimmt es nicht so ernst mit Gesetz und Anstand. Ausz&uuml;ge aus dem von der Justiz monatlich ver&ouml;ffentlichten Gehaltspiegel belegten, dass der Star-Richter sich erwiesenerma&szlig;en bis zum Dreifachen des vom Gesetz vorgeschriebenen Gehalt-H&ouml;chstsatzes <a href=\"http:\/\/www.quantoganha.org\/quanto-ganha-o-juiz-sergio-moro\/\">auszahlen l&auml;sst<\/a>.<\/p><p>Mit Monatsgeh&auml;ltern um die 25.000 Euro und exklusiven Limousinen samt Fahrern ausgestattet, bedienen sich die 16.500 Richter im Lande an der Staatskasse mit allerlei undurchsichtigen &bdquo;Leistungspr&auml;mien&rdquo;, wie &bdquo;Miet-&rdquo;, &bdquo;Ausbildungs-&rdquo; oder gar &bdquo;Essens-Zusch&uuml;ssen&rdquo;. Angehende Staatsanw&auml;lte verdienen dreimal mehr als ein promovierter Universit&auml;tsprofessor und fast das Doppelte wie ein Botschafter oder ein F&uuml;nf-Sterne-General.<\/p><p><strong>Gef&auml;hrliche Politisierung und Medialisierung der Justiz<\/strong><\/p><p>Als besorgniserregend bezeichnet Eug&ecirc;nio de Arag&atilde;o &ndash; an der Ruhr-Universit&auml;t Bochum promovierter Jurist, ehemaliger stellvertretender Generalstaatsanwalt und Justizminister im Kabinett Dilma Rousseff &ndash;  die zunehmende Elitisierung und Politisierung von Staatsanwaltschaft und Justiz. Ihre Durchsetzung mit Vertretern der oberen Mittelschicht und der herrschenden Geldelite habe den Korpsgeist geweckt und eine unzul&auml;ssige und einseitige Politisierung bewirkt.<\/p><p>Als Exponenten der Politisierung gelten Gilmar Mendes &ndash; Richter am Obersten Gerichtshof (STF) in Bras&iacute;lia &ndash; und der im In- und Ausland umstrittene Ermittlungsrichter Sergio Moro im s&uuml;dbrasilianischen Curitiba. Als von der dominierenden, brasilianischen Mediengruppe Globo vielausgezeichneter &ldquo;Mann des Jahres&rdquo; tritt Moro als Schl&uuml;sselfigur und Schrittmacher der seit 2014 agierenden Anti-Korruptions-Sondereinsatzgruppe &bdquo;Lava Jato&rdquo; (&bdquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo;) auf. Die Einsatzgruppe wurde bekanntlich (<a href=\"https:\/\/wikileaks.org\/plusd\/cables\/09BRASILIA1282_a.html\">WikiLeaks-Cable<\/a>) auf Anregung des US-amerikanischen State Department gebildet.<\/p><p>In drei Jahren Korruptionsermittlungen gelang der Einsatzgruppe ein historisches Unikum: die Verhaftung mehrerer Dutzend Konzernchefs und Multimillion&auml;re, aber auch die Anklage und Verhaftung einer Handvoll Politiker der von 2003 bis 2015 regierenden Arbeiterpartei (PT).<\/p><p>Moro pflegt jedoch eine Vorliebe f&uuml;r Medienspektakel. Unter Berufung auf das gescheiterte italienische Mani-Pulite-Massenverfahren der Korruptionsbek&auml;mpfung fordert der Provinzrichter die haneb&uuml;chene &bdquo;Unterst&uuml;tzung der Medien und der Stra&szlig;en&rdquo;, wof&uuml;r er aufs Sch&auml;rfste vom weltweit renommierten Juristen Luigi Ferrajoli vor dem italienischen Parlament kritisiert wurde.<\/p><p>Sein fragw&uuml;rdigster Einsatz war die spektakul&auml;re Festnahme des PT-Gr&uuml;nders, Ehrenvorsitzenden und von 2003 bis 2010 mit 80 Prozent W&auml;hlerzustimmung amtierenden brasilianischen Pr&auml;sidenten, Luis In&aacute;cio Lula da Silva, dem seit &uuml;ber einem Jahr bisher unbewiesene Delikte vorgeworfen werden. Ohne vorschriftsm&auml;&szlig;ige gerichtliche Vorladung lie&szlig; der Richter Lula da Silva im M&auml;rz durch ein l&auml;cherliches, doch schwerbewaffnetes Kommando der Bundespolizei um 6 Uhr morgens illegal aus dem Bett rei&szlig;en und zum Stadtflughafen &bdquo;Congonhas&rdquo; von S&atilde;o Paulo abf&uuml;hren. &bdquo;Zur eigenen Sicherheit des Pr&auml;sidenten&rdquo;, erkl&auml;rte Moro fadenscheinig. Mit dem Zweck der medialen Ausschlachtung waren Ort und Uhrzeit vorab mit TV Globo als einzigem Medium abgesprochen.<\/p><p>Auf dem Flughafen wurde der popul&auml;re Ex-Staatschef stundenlang verh&ouml;rt. Moro h&auml;tte jedoch um ein Haar ein Blutbad angerichtet: Auf dem Rollfeld stand eine startbereite Maschine zu da Silvas Abtransport ins s&uuml;dbrasilianische Curitiba, dem Kommandositz von &bdquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo;. Der Start wurde jedoch durch eine schussbereite Patrouille der brasilianischen Luftwaffe verhindert, deren Kommandant die Bundespolizei mit den Worten zusammenstauchte, &bdquo;hier gebe ich die Befehle!&rdquo;.<\/p><p>Lula da Silva wurde sofort freigelassen, durchlebte jedoch zwei Wochen sp&auml;ter einen zweiten Anschlag auf Anordnung Moros, diesmal als Telefon-Spionage. Auf dem Weg zu seiner Amts&uuml;bernahme als Kanzleramtschef von Pr&auml;sidentin Rousseff wurde ein privates Telefongespr&auml;ch zwischen beiden von Moro abgeh&ouml;rt. In Bras&iacute;lia erkl&auml;rte Richter Gilmar Mendes sofort die Nominierung f&uuml;r null und nichtig. Doch anstatt, wie vom Gesetz vorgeschrieben, den Gespr&auml;chs-Mitschnitt an Richter Teori Zavascki &ndash; im STF zust&auml;ndiger Berichterstatter in Sachen &bdquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; &ndash; weiterzuleiten, schickte Moro den Mitschnitt an TV Globo. Daraufhin wurde mittels einer konzertierten Medienkampagne die &Ouml;ffentlichkeit mit der Unterstellung konfrontiert, Lula da Silva und die Staatschefin h&auml;tten &bdquo;Justizbehinderung&rdquo; geplant. <\/p><p>Die Abh&ouml;rung, obendrein die Weitergabe an den TV-Sender, sei ein &bdquo;illegales Spektakel&rdquo;, r&uuml;gte Richter Zavascki den ihm untergebenen Provinzrichter in aller &Ouml;ffentlichkeit und sah Tage sp&auml;ter seine Wohnung von rechtsradikalen und gewaltt&auml;tigen Moro-Anh&auml;ngern umstellt. Seitdem stand Zavascki unter Polizeischutz, kam jedoch bei einem bisher nicht aufgekl&auml;rten Flugzeugungl&uuml;ck an der K&uuml;ste Rio de Janeiros im Januar 2017 ums Leben.<\/p><p>Moros wiederholte Beschwichtigung, er sei &bdquo;unpolitisch&rdquo; und handle als Richter &bdquo;unparteilich&rdquo;, ist unredlich. Von den mehr als 50 wegen schwerer Korruption von Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot angeklagten brasilianischen Parlamentariern geh&ouml;ren gerade 6 zur von Moro gern verfolgten Arbeiterpartei. Mit Ausnahme des wegen vielfacher Korruption und Geldw&auml;sche verurteilten Pr&auml;sidenten der Abgeordnetenkammer, Eduardo Cunha, sitzt kein einziger der zu Dutzenden angeklagten Politiker der konservativen Parteien in Haft.<\/p><p>In seinen promisken Medienauftritten und an der Seite korrupter und angeklagter Politiker sieht der Richter keine Anst&ouml;&szlig;igkeit. Indes war im Dezember 2016 ein peinliches Foto des Richters Trendsetter in den sozialen Netzwerken. Ein Fotograf &uuml;berraschte Moro beim heiteren Techtelmechtel mit Senator A&eacute;cio Neves, dem 2014 gegen Dilma Rousseff unterlegenen Pr&auml;sidentschaftskandidaten der konservativen Opposition und militanten Anf&uuml;hrer ihrer Amtsenthebung. Schlimmere Gesellschaft konnte Moro sich nicht ausdenken: Neves ist bekannt f&uuml;r den Konsum harter Drogen, Frauenmisshandlung und in vielf&auml;ltigen Korruptionsf&auml;llen involvierter, doch von Moro bisher gesch&uuml;tzter Straft&auml;ter.<br>\nAuf Anordnung der Generalstaatsanwaltschaft wurde Neves im M&auml;rz 2017 abgeh&ouml;rt und der Justiz &uuml;berf&uuml;hrt. Der Senator musste sein Mandat niederlegen, den Reisepass abgeben und erwartet seine baldige Verhaftung. Von den Millionen Euro schweren Bestechungs- und Geldw&auml;sche-Skandalen Neves&acute; will Moro nichts gewusst haben.<\/p><p><strong>Gilmar Mendes &ndash; ein Richter von fragw&uuml;rdiger Reputation<\/strong><\/p><p>Vorreiter vergleichbarer Unsittlichkeit und parteipolitischer Vereinnahmung des Justizapparates ist jedoch Richter Gilmar Mendes. Seine Stimme besiegelte am vergangenen 9. Juni den Freispruch und die Best&auml;tigung von Pr&auml;sident Michel Temer im Amt des Staatspr&auml;sidenten.<\/p><p>Der 1990 an der Universit&auml;t M&uuml;nster promovierte Jurist ist Mitglied im 11-k&ouml;pfigen Obersten Gerichtshof, agiert jedoch zugleich als Vorsitzender des Obersten Wahlgerichts (STE); ein in soliden Demokratien unzul&auml;ssiger, doch in Brasilien landesweit &uuml;blicher Interessenkonflikt. Dennoch, von Interessengegens&auml;tzen und Befangenheit l&auml;sst sich der Hohe Richter nicht beirren. <\/p><p>Der Spr&ouml;ssling einer Gro&szlig;grundbesitzerfamilie aus dem zentralbrasilianischen Mato Grosso ist bekannt f&uuml;r Wortgefechte und Beleidigungen seiner Amtskollegen im Obersten Gerichtshof und behandelt das Primat amtlicher Zur&uuml;ckhaltung, Verschwiegenheit und Unabh&auml;ngigkeit mit ausgepr&auml;gter Indifferenz, ja, er scheint gar eine Vorliebe f&uuml;r freche, &bdquo;ich-schere-mich-einen-Dreck&rdquo;-Haltungen zu pflegen. <\/p><p>Sein j&uuml;ngster Coup: ein Dinner f&uuml;r Michel Temer. Im Auge des Orkans krimineller Anklagen gegen den de-facto-Pr&auml;sidenten und Senator A&eacute;cio Neves fiel dem extravaganten und gro&szlig;m&auml;uligen Richter nichts Besseres ein, als beide Mitte M&auml;rz 2017 zu einem privaten Dinner &bdquo;f&uuml;r einen Meinungsaustausch &uuml;ber politische Reformen&rdquo; einzuladen; obendrein als zust&auml;ndiger Berichterstatter im Obersten Gerichtshof f&uuml;r die Ermittlungen gegen ebendiese wegen Korruption und Justizbehinderung angeklagten Politiker. Ein Skandal ersten Ranges, doch Mendes ist &bdquo;Wiederholungst&auml;ter&rdquo;.<\/p><p>In den brasilianischen Medien wimmelt es an Beispielen f&uuml;r seine Fehltritte und &Uuml;bergriffe. Mitte 2016 war der Magistrat zu einem Juristentreffen seines privaten &bdquo;Instituts f&uuml;r &Ouml;ffentliches Recht&rdquo; (IDP) nach Lissabon geflogen und hatte niemand Anderen zum Fluggast als ausgerechnet den von seinem Gericht angeklagten de-facto-Pr&auml;sidenten Michel Temer. Das Treffen war ein nackter juristisch-politischer Komplott, es diente der Vorbereitung f&uuml;r die Amtsenthebung Dilma Riousseffs. Doch da flog ein neuer Interessenkonflikt auf: das IDP wird von der Regierung sowohl finanziell gef&ouml;rdert als auch von ihr beauftragt.<\/p><p><strong>Entmachtung der Korruptionsermittler<\/strong><\/p><p>Mit der Freisprechung Temers handelte Mendes eindeutig politisch und nicht juristisch. Was ihn von Richter S&eacute;rgio Moro unterscheidet, sind un&uuml;bersehbare, parteipolitische Motive. W&auml;hrend der Star-Richter offenbar auf die Zerschlagung des gesamten politischen Systems &ndash; mit Vorrang der Linken &ndash; setzt, agiert Mendes als politischer Drahtzieher der sich &bdquo;sozialdemokratisch&rdquo; nennenden, rechtsliberalen PSDB-Partei.<\/p><p>Als Richter am Obersten Gerichtshof ermutigte er &uuml;ber drei Jahre hinweg den Kreuzzug Moros gegen die Arbeiterpartei. Doch als &bdquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; auch gegen Politiker der PSDB &ndash; allen voran A&eacute;cio Neves, Senator und F&uuml;hrer des Putsches gegen Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff &ndash;  Anklage erhob, scheute der Richter keine &bdquo;privaten&rdquo; Treffen mit der Parteispitze und selbstnicht die Zusage an Neves, die vielf&auml;ltigen Verfahren gegen ihn abzublocken. Ein entsprechendes Telefongespr&auml;ch wurde von der Polizei abgeh&ouml;rt, offenbar auf Anordnung von Generalstaatsanwalt Janot, der im Vergleich zu Moro diskret agierende Chef von &bdquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; in der Hauptstadt Bras&iacute;lia. Nun mobilisiert Mendes seine Freunde in der Justiz, der Legislative und den Medien, um die &bdquo;Exzesse von Unternehmen Waschanlage zu unterbinden&rdquo;.<\/p><p>Gleichwohl sieht es nicht gut aus f&uuml;r die Zukunft des Doktors der Rechtswissenschaften an der Universit&auml;t M&uuml;nster: am 14. Juni protokollierte der pensionierte Staatsanwalt Claudio Fonteles vor dem brasilianischen Senat einen Antrag auf die Amtsenthebung sowie auf die Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen gegen Mendes. Der Antrag wird von hunderten von Unterschriften namhafter Juristen, Professoren, Beamten und Jura-Studenten bekr&auml;ftigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Justizskandale l&ouml;sten im vergangenen Juni landesweite Emp&ouml;rung in der brasilianischen &Ouml;ffentlichkeit, einschlie&szlig;lich konservativer Medien, aus. Zum einen sprach das Oberste Wahlgericht des Landes am 9. Juni den u.a. wegen schwerer Korruption und Justizbehinderung angeklagten, brasilianischen de-facto-Pr&auml;sidenten Michel Temer von der Anklage begangener Verst&ouml;&szlig;e gegen das Wahlgesetz frei. 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