{"id":3935,"date":"2009-05-12T09:20:35","date_gmt":"2009-05-12T07:20:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3935"},"modified":"2014-01-28T11:00:50","modified_gmt":"2014-01-28T10:00:50","slug":"zum-bundestagswahlprogramm-der-partei-der-linken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3935","title":{"rendered":"Zum Bundestagswahlprogramm der Partei der Linken"},"content":{"rendered":"<p>In letzter Zeit liest man allenthalben die oft nur vorgespiegelt f&uuml;rsorgliche Frage, warum die Krise der Linken nicht in die H&auml;nde spielt. Heribert Prantl begr&uuml;ndet dieses erkl&auml;rungsbed&uuml;rftige Ph&auml;nomen in der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/627\/467202\/text\/\">S&uuml;ddeutschen Zeitung damit<\/a>: &bdquo;<em>Wenn die Leute in der Klemme sitzen, dann wollen sie nicht immer nur h&ouml;ren, warum das so ist. Sie wollen wissen, wie sie da wieder herauskommen. Dazu ist von der Linkspartei nicht viel zu h&ouml;ren.<\/em>&ldquo; Ein ausgewiesener Realo aus der Linkspartei, das Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus Carl Wechselberg, wirft seiner eigenen Partei im <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,623697,00.html\">Spiegel<\/a> vor, sie biete den &bdquo;<em>B&uuml;rgern und W&auml;hlern, die sich in der Krise existentiell bedroht sehen<\/em>&ldquo; keine &bdquo;<em>echte Antworten und Konzepte<\/em>&ldquo; und keine &bdquo;<em>politische Strategie zu deren Umsetzung<\/em>&ldquo;.<br>\nAuch der SPD-Vorsitzende Franz M&uuml;ntefering schl&auml;gt <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/\">im ZDF<\/a> in die gleiche Kerbe: Die Linke habe ihren H&ouml;hepunkt &uuml;berschritten, sie &bdquo;<em>hat keine Orientierung an den Lebenswirklichkeiten, sie versucht sozialpopulistischer sein als die anderen.<\/em>&ldquo;<br>\nUmso interessanter ist es, das <a href=\"upload\/pdf\/090512_linke_entwurf_bundestagswahlprogramm.pdf\">Bundestagswahlprogramm [PDF &ndash; 320 KB]<\/a> einmal danach abzuklopfen, ob die Linke tats&auml;chlich keine Antworten und Konzepte oder keine Orientierung an der Lebenswirklichkeit hat. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>&bdquo;<em>Konsequent sozial. F&uuml;r Demokratie und Frieden.<\/em>&ldquo; ist das Programm &uuml;berschrieben. Das ist nun wirklich keine abgrenzende Schlagzeile, denn f&uuml;r sozial halten sich selbst die FDP, die CDU und die SPD ohnehin. Und Demokratie und Frieden ist f&uuml;r die anderen so selbstverst&auml;ndlich, dass sie das gar nicht mehr f&uuml;r erw&auml;hnenswert halten &ndash; und f&uuml;r Frieden k&auml;mpft nach Auffassung selbst der Gr&uuml;nen die Bundeswehr schlie&szlig;lich auch im Afghanistan, im Kosovo und anderswo in der Welt. Die von der Linkspartei gew&auml;hlten Worte sind also auch von den anderen schon l&auml;ngst besetzt.<\/p><p>&Auml;hnlich wie das Lafontaine h&auml;ufig tut, st&uuml;tzt sich das Programm gleich zu Beginn auf ein Zitat einer unverf&auml;nglichen Autorit&auml;t. Diesmal muss der Nobelpreistr&auml;ger f&uuml;r &Ouml;konomie Joseph Stiglitz herhalten: &bdquo;<em>Der neoliberale Marktfundamentalismus war immer eine politische Doktrin, die gewissen Interessen diente&hellip;<\/em>&ldquo; Gegen solche Zitate, wie auch sp&auml;ter etwa noch der Rekurs auf das Ahlener Programm der CDU aus dem Jahre 1949, auf Antoine de St. Exup&eacute;ry, auf Karl Marx oder Jane Fonda ist in der Sache nichts zu sagen, doch sie belegen das immer wieder durchschimmernde schlechte Gewissen der Linken. Sie meinen offenbar ihre Glaubw&uuml;rdigkeit unter Berufung auf anerkannte Autorit&auml;ten st&uuml;tzen zu m&uuml;ssen.<\/p><p>Die Linke fordert einen <em>&bdquo;Schutzschirm f&uuml;r die Menschen&ldquo;<\/em> (bzw. <em>&bdquo;einen Schutzschirm zur Rettung von Arbeitspl&auml;tzen, L&ouml;hnen und Sozialeinkommen&ldquo;<\/em>) und weitet damit die DGB-Forderung nach einem<em> &bdquo;Schutzschirm f&uuml;r Arbeit&ldquo;<\/em> ins Allgemeine aus.<\/p><p>In der Krisenanalyse d&uuml;rften die Kritiker der Linken kaum Ansatzpunkte finden, bis auf die Tatsache, dass hier eine etwas h&auml;rtere Tonart angeschlagen wird. Den anderen Parteien wird in ihrer praktischen Politik pauschal ein &bdquo;<em>Weiter-So<\/em>&ldquo; vorgehalten, was diese &ndash; zumindest verbal -heftig bestreiten. (Leider) etwas neben der Stimmungslage der gesamten Bev&ouml;lkerung liegt die Einsch&auml;tzung, dass es gro&szlig;e Sorge g&auml;be, dass die Ma&szlig;nahmen der Bundesregierung nicht ausreichten, oder dass gar Wut herrsche. Sorge und Wut gibt es in der Bev&ouml;lkerung sicherlich, doch sie richten sich (noch) nicht gegen die Regierenden oder die regierenden Parteien oder gar gegen die FDP &ndash; und das ist gerade das Mobilisierungsproblem f&uuml;r die Linke. Sie muss &ndash; machtpolitisch notgedrungen &ndash; auf ihren indirekten Einfluss setzen: &bdquo;<em>Je st&auml;rker DIE LINKE, desto sozialer unser Land.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Die Linke beansprucht f&uuml;r sich, die &bdquo;<em>einzige konsequent soziale Schutzmacht<\/em>&ldquo; zu sein und greift mit dem Wort &bdquo;<em>Schutzmacht<\/em>&ldquo; auf ein altes Motiv aus Johannes Raus Zeiten zur&uuml;ck (die SPD sei die Schutzmacht der kleinen Leute).<\/p><p>Wie die Gewerkschaften unterstellt Die Linke als Ursache f&uuml;r die Finanzkrise die Umverteilung der Finanzverm&ouml;gen von unten nach oben: &bdquo;<em>Diese privaten Reicht&uuml;mer wurden zum Treibstoff f&uuml;r den raketenhaften Aufstieg der Investmentfonds, der Hedgefonds, f&uuml;r die Weltmacht Finanzwirtschaft. Weil diese Fonds Hunderte von Milliarden Euro einsammelten, gewannen sie Macht &uuml;ber die Politik.<\/em>&ldquo; <\/p><p>So sehr man die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich beklagen muss &ndash; wir haben das auf den NachDenkSeiten des &Ouml;fteren beschrieben -, die Finanzkrise ist jedoch ganz wesentlich eine Folge des von der Politik gef&ouml;rderten Eindringens von Wetten, Gl&uuml;cksspiel und Kettenbriefen in <a href=\"?p=3615\">die angeblich so solide Finanzwirtschaft<\/a>.<\/p><p>Die Linke macht sich f&uuml;r die gro&szlig;e Zahl der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger nicht verst&auml;ndlicher (und sympathischer), wenn sie formuliert, dass &bdquo;<em>gerade in den letzten zehn Jahren &hellip; sich die Regierungen in den Dienst des Kapitals gestell<\/em>t&ldquo; h&auml;tten. Der Begriff des &bdquo;<em>Kapitals<\/em>&ldquo; ist ein viel zu abstrakter, als dass der &bdquo;<em>Normalb&uuml;rger<\/em>&ldquo; (jedenfalls im Westen Deutschlands) damit wirklich etwas anfangen k&ouml;nnte. Warum belegt man nicht an Hand von ganz konkreten Beispielen, dass mindestens seit der Wende 1982 eine falsche Wirtschaftspolitik betrieben wurde, die auf der Ideologie basierte, dass es &bdquo;<em>der Wirtschaft<\/em>&ldquo; besser gehen und der Staat sich heraushalten solle? Und dass schlie&szlig;lich alle Politikfelder nach dieser Ideologie ausgerichtet worden sind.<\/p><p>Immer wieder hei&szlig;t es &bdquo;<em>der Kapitalismus<\/em>&ldquo; (sp&auml;ter jedoch abgeschw&auml;cht nur noch &bdquo;<em>der Finanz-Kapitalismus<\/em>&ldquo;) habe dieses und jenes &Uuml;bel bewirkt. Zwar sind die &Uuml;bel (Lohndruck, Profitgier, &ouml;konomische Ungleichgewichte, Zerst&ouml;rung von Arbeitspl&auml;tzen etc.) korrekt beschrieben, doch wird mit &bdquo;<em>dem<\/em>&ldquo; Kapitalismus nur ein verbaler Kampfbegriff, sozusagen als Drohkulisse, aufgebaut, ohne dass man bereit w&auml;re (oder das auch nur will), die Systemfrage klar zu benennen. <\/p><p>Vermutlich ist es diese L&uuml;cke, in die die Gegner der Linken locker hineinsto&szlig;en und ihr vorwerfen k&ouml;nnen, sie habe keine Alternative zur herrschenden Politik, oder noch h&auml;rter, sie wolle doch nur zur&uuml;ck zum historisch gescheiterten (realen) Sozialismus.<\/p><p>Was n&auml;mlich als &bdquo;<em>klare<\/em>&ldquo; oder &bdquo;<em>echte Alternative<\/em>&ldquo; angeboten wird, n&auml;mlich &bdquo;<em>eine andere Gesellschaft, in der die Bed&uuml;rfnisse der Menschen im Mittelpunkt stehen<\/em>&ldquo; h&ouml;rt sich zwar gut an, es ist jedoch kein greifbares (Alternativ-)Projekt, mit dem sich eine gro&szlig;e Zahl von Menschen mit Herz und Verstand identifizieren k&ouml;nnte. Es wird zurecht kritisiert und attackiert, doch es fehlt die konkrete Utopie einer menschlicheren Gesellschaft, auf die die Menschen ihre Hoffnungen projizieren k&ouml;nnten.<\/p><p>Das Bundestagswahlprogramm der Linken bricht bei der Ausformulierung einer Zukunftsvision abrupt ab und geht unmittelbar zu den &bdquo;<em>Sofortma&szlig;nahmen<\/em>&ldquo; &uuml;ber: Einem &bdquo;<em>Zukunftsfonds Arbeitspl&auml;tze<\/em>&ldquo;, &bdquo;<em>einem &ouml;ffentlichen Investitionsprogramm Arbeitspl&auml;tze<\/em>&ldquo;, der Befestigung der sozialen Sicherungssysteme, der St&auml;rkung des &ouml;ffentlichen Eigentums bis zur Million&auml;rsteuer und der Vergesellschaftung von Banken&ldquo;. Diese Forderungen m&ouml;gen viele unterschreiben, sie wirken jedoch unverbunden. Es fehlt sozusagen der Kitt, der sie zusammenh&auml;lt.<\/p><p>Die zahlreichen Einzelvorschl&auml;ge kann man an dieser Stelle beim besten Willen gar nicht alle auff&uuml;hren, man muss sie von Seite 6 bis Seite 40 selbst &uuml;berfliegen. Da ist von einem 100 Milliarden Investitionsprogramm, einem 100 Milliarden Zukunftsfonds f&uuml;r Unternehmen zur Weiterentwicklung von sozialen und &ouml;kologischen Produkten, von der Erh&ouml;hung des Hartz-Regelsatzes auf 500 Euro bis zum gesetzlichen Mindestlohn von 10 Euro geradezu akribisch alles angesammelt, was das linke Herz begehrt.<\/p><p>Mit Blick auf den DGB fordert auch die Linke &bdquo;<em>Gute Arbeit<\/em>&ldquo; und mehr &bdquo;<em>Wirtschaftsdemokratie<\/em>&ldquo;, dar&uuml;ber hinaus wird ein &bdquo;<em>Verbot von Massenentlassung bei allen Unternehmen, die nicht insolvenzgef&auml;hrdet sind<\/em>&ldquo;, gefordert. Beim Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 und beim Atomausstieg &uuml;berholt die Linke gar die Gr&uuml;nen. Von der Verkehrspolitik, der Demokratisierung aller gesellschaftlichen Bereiche, der Familienpolitik, einer neuen Politik f&uuml;r den Osten Deutschlands, einem Pakt f&uuml;r eine Sozialstaatsgarantie und dem massiven Ausbau der Sozialsysteme, der Wohnungspolitik bis hin zur sozialen Integration, zur Bildungs- und Medienpolitik wird kaum eine andere Partei so viele Einzelforderungen zusammentragen k&ouml;nnen, wie sie im Wahlprogramm der Linken aufgelistet wurden.<\/p><p>Die Linke bietet aus schlechter Erfahrung gewieft auch eine Gegenfinanzierung ihrer zahlreichen Forderungen an. Es ist ein radikales Umverteilungsprogramm (man k&ouml;nnte auch von einem R&uuml;ckverteilungsprogramm sprechen) von oben nach unten:<\/p><p>Bis 12.000 Euro brutto steuerfrei, Kapitalertr&auml;ge statt mit 25 % Pauschalsteuer zum pers&ouml;nlichen Steuersatz versteuern, Spitzensteuersatz ab 84.000 Euro auf 53% anheben, Ehegattensplitting abschaffen, Erh&ouml;hung der Erbschaftssteuer, Verm&ouml;genssteuer als Million&auml;rssteuer f&uuml;r Privatverm&ouml;gen von &uuml;ber einer Million in H&ouml;he von 5%, B&ouml;rsenumsatzsteuer oder R&uuml;cknahme der Senkung der K&ouml;rperschaftssteuer. Damit sollen rund 260 Milliarden Euro eingenommen werden, mit denen die Vielzahl der Projekte finanziert werden k&ouml;nnten, so hei&szlig;t es.<\/p><p>In der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik soll die NATO durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Beteiligung Russlands ersetzt werden, und bis dahin soll jedenfalls keinem Ausweitungsversuch der NATO zugestimmt werden. Es sollen keine Auslandskriegseins&auml;tze der Bundeswehr mehr zugelassen werden, auch nicht unter UN-Mandat. In die europ&auml;ischen Vertr&auml;ge solle eine soziale Fortschrittsklausel aufgenommen und die europ&auml;ische Verfassung soll durch die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger mitgestaltet und zur Abstimmung vorgelegt werden.<\/p><p>Man mag viele der Forderungen der Linken in ihrem Bundestagswahlkampf f&uuml;r falsch halten, aber dann m&uuml;sste man sich der M&uuml;he unterziehen und dagegen argumentieren. Man mag viele der Forderungen zumal in ihrer Gesamtheit f&uuml;r unrealistisch halten, aber dann m&uuml;sste man deutlich machen, dass die politischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse nicht so sind, dass sie durchsetzbar sind.<\/p><p>Man mag viele der Forderungen im Gro&szlig;en wie im Detail f&uuml;r populistisch halten, aber dann d&uuml;rften Parteien keine Wunschkataloge unabh&auml;ngig von ihrer Durchsetzbarkeit mehr vorlegen, sondern m&uuml;ssten von vorneherein auf m&ouml;gliche Koalitionspartner schielen. Und gerade dieses Schielen auf Regierungsbeteiligungen und Koalitionsm&ouml;glichkeiten hat die &uuml;brigen Parteien doch so konturlos und so angepasst werden lassen. Es gab an der Basis der SPD und bei den Gr&uuml;nen, ja sogar ein St&uuml;ck weit auch in der CDU gar nicht mehr den Mut, einmal unabh&auml;ngig von Machtkalk&uuml;len zu formulieren, was man eigentlich will und wof&uuml;r man steht. <\/p><p>(Der Populismus-Vorwurf von Franz M&uuml;ntefering an die Linke ist &ndash; nebenbei bemerkt &ndash; ein bemerkenswertes Eingest&auml;ndnis: Wenn er der Linken vorh&auml;lt, sie versuche populistischer zu sein als die anderen, so gibt er immerhin zu, dass die anderen eben auch populistisch sind, die Linke eben nur populistischer.)<\/p><p>Auf solche pragmatischen Kalk&uuml;le nimmt das Bundestagswahlprogramm der Linken kaum R&uuml;cksicht, insofern ist es ein eindeutiges Oppositionsprogramm. Es gibt keine andere Partei, mit der nur ein Bruchteil der dort aufgelisteten Forderungen durch- und umgesetzt werden k&ouml;nnte. <\/p><p>Das ist wohl auch der F&uuml;hrungsspitze der Partei klar. Sie hat die radikale Konsequenz daraus gezogen, dass es im kommenden Bundestag weder zu einer Koalition noch zu einer sonst wie gearteten Zusammenarbeit mit der SPD und damit auch nicht zu Rot-rot-Gr&uuml;n kommen wird.<\/p><p>Deshalb war Die Linke frei von R&uuml;cksichtnahmen auf Realisierungschancen des &uuml;berwiegenden Teils ihrer Vorschl&auml;ge. Das wird zwar f&uuml;r die konkrete Regierungspolitik in der kommenden Legislaturperiode nicht viel bewirken, aber dennoch kann das Programm wirken, weil es Alternativen in einer schier unendlichen Zahl von Ma&szlig;nahmen aufzeigt, von denen wohl selbst Die Linke nicht erwartet, dass sie auf absehbare Zeit verwirklicht werden k&ouml;nnten. In die gesellschaftliche Debatte eingebracht k&ouml;nnten diese Vorschl&auml;ge jedoch die anderen Parteien zur Auseinandersetzung zwingen. Die Linke will einen Pflock in die politische Landschaft einrammen, an dem sich die anderen Parteien messen lassen sollen, wenn sie auf absch&uuml;ssigem Gel&auml;nde in den Alltagsauseinandersetzungen immer weiter talabw&auml;rts trudeln.<\/p><p>Es gibt im politischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnis immer eine Art Gummiband-Effekt, d.h. wenn auf der Linken ein St&uuml;ck des Gummibandes gekappt wird, rutscht das politische Spektrum nicht nur um das abgeschnittene St&uuml;ck nach rechts, sondern die Vielfalt verengt sich insgesamt um ein Mehrfaches. Das konnte man beobachten, als die SPD ihren Kurswechsel hin zur Agenda-Politik vollzog. Da war nicht nur die SPD nach &bdquo;<em>rechts<\/em>&ldquo; ger&uuml;ckt, sondern die Gr&uuml;nen und die Union gleich mit, und nur die FDP hat ihren Pol auf der wirtschaftsliberalen Seite verteidigt und die anderen Parteien zu sich hingezogen.<\/p><p>Warum sollte dies nicht umgekehrt eine Partei auf der Linken genauso betreiben? Sie hat mit dieser Vorgehensweise bisher schon &ndash; auch dank der Krise &ndash; das politische Spektrum wieder erheblich erweitert. Konjunkturprogramme, Mindestlohn, ja sogar der Ausbau des Sozialstaats sind wieder zu politischen Themen, ja in einzelnen Elementen sogar zur Regierungspolitik geworden. Gysi hat ja nicht Unrecht, wenn er sagt &bdquo;<em>Links wirkt<\/em>&ldquo;. <\/p><p>Die Linke wird mit ihrem Bundestagswahlprogramm vielleicht nicht diejenigen ansprechen, die von dieser Partei praktische Politik erhoffen oder erwarten. Insofern ist es unsicher, ob sie solche Menschen erreichen wird, die von der Politik eine konkrete Verbesserung ihrer Situation einfordern. Aber sie kann diejenigen erreichen, die nicht resignieren, sondern darauf bauen, dass &uuml;ber eine Ver&auml;nderung des gesellschaftlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisses auf Dauer eine andere Politik als die vorausgegangene wieder m&ouml;glich wird.<\/p><p>Jedenfalls kann niemand der Linken mehr vorwerfen, sie habe keine Vorschl&auml;ge.<\/p><p>Sie hat eher so viele, dass sie kaum mehr ein geschlossenes Bild abgeben. Sie hat zwar nicht auf einen Realit&auml;tsbezug (schon gar nicht in ihrer Analyse der Krise) verzichtet, aber auf einen Bezug zu irgendeiner Regierungsbeteiligung. Doch wer dem Programm das vorwirft, verkennt, dass es dieses Ziel gar nicht verfolgt. <\/p><p>Die Linke setzt auf eine ganz andere Strategie: Sie setzt auf eine St&auml;rkung, damit die anderen Parteien reagieren, weil sie um ihre W&auml;hlerinnen und W&auml;hler f&uuml;rchten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In letzter Zeit liest man allenthalben die oft nur vorgespiegelt f&uuml;rsorgliche Frage, warum die Krise der Linken nicht in die H&auml;nde spielt. Heribert Prantl begr&uuml;ndet dieses erkl&auml;rungsbed&uuml;rftige Ph&auml;nomen in der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/627\/467202\/text\/\">S&uuml;ddeutschen Zeitung damit<\/a>: &bdquo;<em>Wenn die Leute in der Klemme sitzen, dann wollen sie nicht immer nur h&ouml;ren, warum das so ist. Sie wollen wissen,<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3935\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[1,195,132,190],"tags":[288,291],"class_list":["post-3935","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-das-kritische-tagebuch","category-die-linke","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wahlen","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3935"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3935\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20383,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3935\/revisions\/20383"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}