{"id":3939,"date":"2009-05-13T09:08:01","date_gmt":"2009-05-13T07:08:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3939"},"modified":"2015-12-16T14:56:08","modified_gmt":"2015-12-16T13:56:08","slug":"warum-linke-keinen-humor-haben-spiegel-online-weiss-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3939","title":{"rendered":"\u201eWarum Linke keinen Humor haben\u201c &#8211; Spiegel Online wei\u00df das"},"content":{"rendered":"<p>Spiegel Online trumpft mit neuen Erkenntnissen &uuml;ber die politische Landkarte auf. Der fr&uuml;here stellvertretende Leiter des Berliner Spiegel-B&uuml;ros, Jan Fleischhauer, hat ein Buch geschrieben, und Spiegel Online gibt wie &uuml;blich bei Produkten der eigenen Redakteure Ausz&uuml;ge wieder. Ich habe ein St&uuml;ck, jenes zum fehlenden Humor der Linken, gelesen. Wow! Dem Mann muss irgendwann in seiner Jugend ein linkes M&auml;dchen den begehrten Flirt verweigert haben. Ohne einen solchen gef&uuml;hlsgest&ouml;rten Hintergrund kann man die Texte nicht fassen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--> <\/p><p>Meine Empfehlung: Sie sollten dieses Buch nur dann kaufen, wenn Sie einem rechtskonservativen Bekannten etwas zum Besuch oder zum Geburtstag schenken wollen. Dann aber mit der Widmung: &bdquo;F&uuml;r so flach h&auml;lt man euch! Viel Spa&szlig;!&ldquo;.<br>\nBevor ich noch ein paar Anmerkungen dazu mache, geben wir Ihnen die Mail eines NachDenkSeiten-Lesers zur Kenntnis. Sie enth&auml;lt auch die notwendigen Links.<\/p><p><strong>F.K. zu den Texten von Fleischhauer und zu Spiegel Online:<\/strong><\/p><p><strong>&bdquo;Heidewitzka!<\/strong><\/p><p>Man k&ouml;nnte meinen, ein Gespenst ginge um in der Redaktion von Spiegel Online. Da wagen die ersten Journalisten und Kommentatoren der Republik doch tats&auml;chlich nach Jahrzehnten erstmals zaghaft einen kritischen Blick durch das neoliberale Schl&uuml;sselloch, da wird die T&uuml;r von der anderen Seite schon mit Brettern und N&auml;geln versperrt und eifrig feuchte Handt&uuml;cher unter den T&uuml;rschlitz geschoben. <\/p><p>Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben: Wir haben eine Krise! So eine richtige, grunds&auml;tzliche Krise. Und der Spiegel bew&auml;hrt sich einmal mehr als Stein in der ideologischen Brandung: Endlich wird aufger&auml;umt mit alten Irrt&uuml;mern, krummen Paradigmen und gescheiterter Politik. Endlich werden Hintergr&uuml;nde erl&auml;utert und komplizierte Zusammenh&auml;nge investigativ aufgedeckt. Endlich, die neuerliche Sternstunde des deutschen Journalismus. <\/p><p>Und wenn Sie die Nachdenkseiten lesen, dann stecken Sie vermutlich bis zum Hals mit drin, sind unter Umst&auml;nden sogar mitverantwortlich! F&uuml;r was? F&uuml;r die Krise! Sie sind die Krise! Die Linke ist in der Krise, ganz tief drin, haben Sie es denn noch nicht mitbekommen? Man kann nur froh sein, dass in einer Zeit der Korruption und wirtschaftlicher Unsicherheit Verlass ist auf die Bl&auml;tter der Aufkl&auml;rung und Demokratie. Lesen Sie selbst: <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/0,1518,622703,00.html\">&ldquo;Unter Linken &ndash; Wie man aus Versehen konservativ wird&rdquo; <\/a><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,623961,00.html\">&ldquo;Ideologie-Debatte &ndash; Warum die Linken die Krise nicht l&ouml;sen k&ouml;nnen&rdquo; <\/a><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,624288,00.html\">&ldquo;Ideologie-Krise &ndash; Warum Linke keinen Humor haben&rdquo; <\/a><\/p><p>Um noch einen ernsthaften Kommentar, der &uuml;ber die Artikel hinausgeht, anzuh&auml;ngen: Interessant hierbei ist wie so oft der sprachliche Gebrauch von W&ouml;rtern wie &ldquo;Ideologie&rdquo; oder &ldquo;Realit&auml;t&rdquo;. &ldquo;Ideologisch&rdquo; sind immer nur Linke, ist immer nur links. Andere Positionen dagegen beinhalten die &ldquo;realistischen&rdquo;, &ldquo;objektiv richtigen&rdquo; Antworten auf bestehende &ldquo;Sachzw&auml;nge&rdquo;. F&uuml;r mich als Student der Politologie liegt darin die eigentliche Krise unserer Zeit: Es wird versucht, eine bestimmte Perspektive durchzusetzen, jedoch nicht innerhalb eines diskursiven Prozesses, indem Argumente ausgetauscht werden, sondern durch den Versuch, genau dieses zu verhindern. Der Versuch, die eigene Position oder Partei inhaltlich als die &ldquo;einzig korrekte&rdquo; darzustellen, also zu proklamieren, man h&auml;tte den einzigen neutralen, unwiderlegbaren Zugang zur Wahrheit, ist f&uuml;r mich im Kern antidemokratisch. Jeder Mensch mit dem Hauch eines Verstandes ist sich dar&uuml;ber im Klaren, dass hinter jeder politischen Partei eine ganz bestimmte normative Vorstellung von Gesellschaft steht, auf deren Grundlage die Parteigr&uuml;ndung stattgefunden hat. Gleichzeitig sollte klar sein, dass Begriffe wie &ldquo;objektiv&rdquo; in einer politischen Debatte h&ouml;chstens mit einem Schmunzeln zu gebrauchen sind. Doch genau dieser Prozess, eine normative\/ ideologische Diskursposition als neutral verkaufen zu wollen, f&uuml;hrt meiner Meinung nach zu fortschreitender Politikverdrossenheit. Wenn man diesen Gedanken fortsetzt, gelangt man n&auml;mlich zu folgender Frage: Wenn tats&auml;chlich eine Partei die &ldquo;einzigen objektiv korrekten&rdquo; Antworten auf die Fragen unserer Zeit hat &ndash; wozu braucht es dann eigentlich noch Demokratie? Alle anderen Parteien h&auml;tten doch nachweislich faktisch unrecht. Hieran wird f&uuml;r mich deutlich, wie sich die politischen Debatten in der &Ouml;ffentlichkeit radikalisiert haben, obwohl das Gegenteil behauptet wird. <\/p><p>Aus Versehen, aber mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\n<em>ein wahrscheinlich ziemlich humorloser F. K.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Erg&auml;nzung Albrecht M&uuml;ller zum <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/0,1518,624288,00.html\">St&uuml;ck &uuml;ber den fehlenden Humor<\/a>:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Bei jedem der Wahlk&auml;mpfe, die ich von 1968 bis 1985 mitgemacht, miterlebt oder gut beobachtet habe, hatte es die damalige Linke im Vorfeld des Wahltermins in der Regel mit neu erschienenen B&uuml;chern zu tun, die dazu gedacht waren, das rechtskonservative Publikum zu befriedigen und kampff&auml;hig zu machen. Einmal wurde zum Beispiel in einem solchen Buch geschrieben, bei der Flucht des jungen Willy Brandt, alias Herbert Frahm, sei ein Deutscher zu Tode gekommen, beim n&auml;chsten Mal erschien ein Schriftwerk mit dem Vorwurf an Herbert Wehner, eigene Freunde verraten zu haben, usw.. Es ist immer das gleiche Spiel. Eine &auml;hnliche Funktion, wenn auch nicht so martialisch aufgedonnert, hat jetzt das Buch von Fleischhauer.\n<\/li>\n<li>Das Buch wird sich im rechtskonservativen Milieu vermutlich gut verkaufen, weil es das Selbstbewusstsein dieser Gruppe hebt: &bdquo;Die Linken sind humorlos. Wir verstehen etwas vom Leben.&ldquo; usw.. In diesem Milieu st&ouml;ren die Flachheit der Texte, der Mangel an Belegen, ihre willk&uuml;rlichen Gedankenverbindungen und ihre Undifferenziertheit nicht. Diese Kreise sind an solches gew&ouml;hnt worden. Dort erzielten zum Beispiel auch die B&uuml;cher des Historikers Nolte, des SPIEGEL-Kollegen Steingart, das Zeug von Olaf Henkel &uuml;ber die Dresdner Frauenkirche und jenes von McKinsey-Kluge &uuml;ber Bildung hohe Auflagen. Die Mehrheit des rechtskonservativen Publikums ist erstaunlich ungebildet und liest BILD mindestens so intensiv wie die FAZ oder die ZEIT. Hier hat sich einiges zum schlechteren ver&auml;ndert. Schon 1998 berichtete ein f&uuml;hrender Kenner und Macher von PR, die PR- und Werbe-Agenturen h&auml;tten seit den achtziger Jahren das Niveau ihrer Texte massiv nach unten anpassen m&uuml;ssen, weil das Publikum auch nur etwas anspruchsvolle Texte nicht mehr versteht. (Von diesem Gespr&auml;ch habe ich in einer Studie mit dem Titel &bdquo;Von der Parteiendemokratie zur Mediendemokratie&ldquo;, erschienen 1999, berichtet).\n<\/li>\n<li>Wie gesagt: Nach Kenntnis dieses einen Textes kann ich mir nicht vorstellen, dass sich die Lekt&uuml;re des Buches wie auch der anderen, von Spiegel Online &uuml;bernommen Teile, lohnt. Damit will ich Sie nicht davon abhalten, sich diesen Tort anzutun. Jeder nach seiner Facon.\n<\/li>\n<li>Dass der Spiegel Personen wie Fleischhauer als stellvertretenden Leiter des Berliner B&uuml;ros und Gabor Steingart als Leiter des Berliner B&uuml;ros besch&auml;ftigt hatte (und ihre Texte immer noch abdruckt beziehungsweise ins Netz stellt), erkl&auml;rt einiges zur Entwicklung des Spiegel. Im Vergleich zum Beispiel mit J&uuml;rgen Leinemann oder Erich B&ouml;hme, die beide auch die Funktion von Steingart inne hatten, sind Fleischhauer und Steingart nicht nur ein Signal f&uuml;r eine politische Positions&auml;nderung, sie sind auch Beleg f&uuml;r einen betr&auml;chtlichen Niveauverlust.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spiegel Online trumpft mit neuen Erkenntnissen &uuml;ber die politische Landkarte auf. Der fr&uuml;here stellvertretende Leiter des Berliner Spiegel-B&uuml;ros, Jan Fleischhauer, hat ein Buch geschrieben, und Spiegel Online gibt wie &uuml;blich bei Produkten der eigenen Redakteure Ausz&uuml;ge wieder. 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