{"id":39500,"date":"2017-08-06T09:30:38","date_gmt":"2017-08-06T07:30:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500"},"modified":"2017-08-04T13:24:08","modified_gmt":"2017-08-04T11:24:08","slug":"hinweise-der-woche-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500","title":{"rendered":"Hinweise der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Am Wochenende pr&auml;sentieren wir Ihnen einen &Uuml;berblick &uuml;ber die lohnenswertesten Beitr&auml;ge, die wir im Laufe der vergangenen Woche in unseren Hinweisen des Tages f&uuml;r Sie gesammelt haben. Nehmen Sie sich ruhig auch die Zeit, unsere werkt&auml;gliche Auswahl der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=19\">Hinweise des Tages<\/a> anzuschauen. Wenn Sie auf &ldquo;weiterlesen&rdquo; klicken, &ouml;ffnet sich das Angebot und Sie k&ouml;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (CW)<br>\n<!--more--><br>\nHier die &Uuml;bersicht; Sie k&ouml;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:<\/p><ol>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h01\">Diesel-Gipfel<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h02\">Freundliche Industrie f&ouml;rdert Parteien durch Spenden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h03\">Der finale Sieg &uuml;ber den IS in Mossul? Noch lange nicht!<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h04\">Die humanit&auml;re Katastrophe im Jemen: Verdr&auml;ngt und nicht wichtig genug<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h05\">Fl&uuml;chtlingspolitik am Nullpunkt: die Orbanisierung Europas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h06\">Mali: Debatte<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h07\">Zypries droht den USA<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h08\">Griechenland: Verordnete Verarmung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h09\">EZB-Niedrigzinspolitik: Es gibt kein Recht auf Rendite &ndash; auch nicht f&uuml;r deutsche Sparer<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h10\">Bundeskabinett verabschiedet Sozialbericht 2017<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h11\">Arbeitsmarktforscher: &bdquo;Viele Jobs sind schlechter bezahlt&ldquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500#h12\">Neustart in der Arbeitsmarktpolitik ist notwendig<\/a><\/li>\n<\/ol><p><em><strong>Vorbemerkung:<\/strong> Urspr&uuml;nglich hatten wir geplant, in unserer Wochen&uuml;bersicht auch auf die lohnendsten redaktionellen Beitr&auml;ge der NachDenkSeiten zu verweisen. Wir haben jedoch schnell festgestellt, dass eine daf&uuml;r n&ouml;tige Vorauswahl immer damit verbunden ist, Ihnen wichtige Beitr&auml;ge vorzuenthalten. Daher m&ouml;chten wir Ihnen raten, am Wochenende doch einfach die Zeit zu nutzen, um sich unsere Beitr&auml;ge der letzten Wochen (noch einmal) anzuschauen. Vielleicht finden Sie dabei ja noch den einen oder anderen Artikel, den es sich zu lesen lohnt. Wenn Sie diese &Uuml;bersicht f&uuml;r hilfreich halten, dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&ouml;glichkeit der schnellen Information hin.<\/em><\/p><ol>\n<li><a name=\"h01\"><\/a><strong>Diesel-Gipfel<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li><strong>Sieg der Autolobby<\/strong><br>\nDer Dieselgipfel hat nochmal vor Augen gef&uuml;hrt, was Sache ist: Deutschland hat ein massives Lobbyismus-Problem. Da haben die Autokonzerne jahrelang Verbraucher und &Ouml;ffentlichkeit betrogen und belogen, gegen Gesetze versto&szlig;en, die Luft verdreckt und Menschen krank gemacht &ndash; und die Bundesregierung l&auml;dt die Unternehmer zum freundlichen Gespr&auml;ch. &bdquo;F&uuml;r die einen gelten Gesetze, f&uuml;r die anderen werden Gipfel veranstaltet&ldquo;, urteilte &bdquo;Die Zeit&ldquo; treffend.<br>\nAngesichts der engen Verflechtungen zwischen Politik und Industrie ist das Resultat des &bdquo;Dieselgipfels&ldquo; ebenso erwartbar wie besch&auml;mend: Die Bundesregierung l&auml;sst die Autokonzerne mal wieder viel zu billig davonkommen. Statt teurer technischer Nachr&uuml;stungen soll es lediglich Software-Updates geben. Die kosten die Autobauer schlappe 50 Euro pro Wagen. Klar ist: Die dadurch erwartete Minderung des Stickoxidaussto&szlig;es um 25 bis 30 Prozent reicht nicht, um die Belastung in St&auml;dten wie M&uuml;nchen, Stuttgart oder Hamburg ausreichend zu senken. Aufatmen dagegen bei den B&ouml;rsianern: Die Aktienkurse von BMW, Daimler und VW legten nach dem Gipfel wieder zu.<br>\nDoch es regt sich Widerstand. In Umfragen bef&uuml;rworten drei Viertel der Deutschen einen h&auml;rteren Kurs gegen die Autoindustrie. Auch viele Journalisten sind entsetzt. Das Handelsblatt kritisiert das &bdquo;Doppelkartell&ldquo; von Autoindustrie und Politik, Spiegel Online wirft der Politik vor, als Kontrollorgan der Industrie zu versagen und die S&uuml;ddeutsche Zeitung spricht von &bdquo;der Arroganz der Macht&ldquo;. (&hellip;)<br>\nUnsere Botschaft: Angesichts der starken personellen und finanziellen Verflechtungen zwischen Politik und Autoindustrie ist auf eine Einsicht bei den Verantwortlichen nicht zu setzen. Nur &ouml;ffentlicher Druck wird sie bewegen.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/2017\/08\/dieselgipfel-sieg-der-autolobby\/\">LobbyControl<\/a>\n<p><strong>dazu: So verflochten sind Autoindustrie und Politik<\/strong><br>\nBetrogen hat die Industrie. Es waren die deutschen Autokonzerne, die &uuml;ber Jahre ihre unerlaubt hohen Abgaswerte durch manipulierte Software vertuscht und sich dabei wohl auch unerlaubt abgesprochen hat. M&ouml;glich ist dieser Skandal aber nur, weil die Politik den Herstellern seit vielen Jahren den R&uuml;cken freih&auml;lt. Die Bundesregierung verhinderte in Br&uuml;ssel strengere Grenzwerte und sch&auml;rfere Kontrollen. Und auch in der Aufarbeitung des Diesel-Skandals zeigen deutsche Beh&ouml;rden bei weitem nicht die H&auml;rte wie etwa in Amerika.<br>\nDas liegt wom&ouml;glich auch daran, dass Berlin und die Konzerne personell h&auml;ufig eng verwoben sind. Immer wieder wechseln Spitzenpolitiker und Regierungsbeamte auf Positionen in der Autolobby. Und manchen gelingt nach einigen gut bezahlten Jahren in der Industrie gar der Sprung zur&uuml;ck in ein Regierungsamt.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/lobbyismus-so-verflochten-sind-autoindustrie-und-politik-1.3611241\">S&uuml;ddeutsche<\/a><\/p><\/li>\n<li><strong>Mit Abgas in den Abgrund<\/strong><br>\nDie Autohersteller sind angeschlagen, ihre Diesel-Verk&auml;ufe sinken dramatisch. Mit dem Gipfel sollte hektisch Vertrauen zur&uuml;ckgewonnen werden, doch das Gegenteil ist der Fall. So ist die Branche dem Untergang geweiht.<br>\nDie &bdquo;Auto Bild&ldquo; galt bislang nicht als Speerspitze umweltbewusster Mobilit&auml;t. Sie war im Gegenteil ein Refugium gusseiserner Auto-Ideale: Beschleunigung, Stra&szlig;enlage, das z&auml;hlte. Vernunft war vor allem gefragt, wenn es um das Ausmessen des Kofferraumvolumens ging. Anfang Juli hat die Fachzeitschrift einen Sieben-Punkte-Plan ver&ouml;ffentlicht mit Vorschl&auml;gen, wie man angesichts der Dieselkrise das Vertrauen der Kunden zur&uuml;ckgewinnen und die deutsche Autobranche retten k&ouml;nne.<br>\nDieser Plan der PS-Postille hatte mehr Substanz als alle Ma&szlig;nahmen, die Autohersteller und Politik auf dem sogenannten Dieselgipfel beschlossen haben. Neben verschiedenen sinnvollen Forderungen wie der Schaffung einer industrieunabh&auml;ngigen Kontrollbeh&ouml;rde (statt des industrienahen KBA) und einer Abschaffung der Diesel-Subventionen beinhaltete der Plan im Kern, was Experten schon l&auml;nger fordern: eine echte Umr&uuml;stung aller Euro-5-Diesel mit einem sogenannten SCR-System, einer Abgasreinigung mit Harnstoffeinspritzung. Dieses System ist erh&auml;ltlich, es ist getestet, es senkt die Stickoxidemissionen (Nox) auch im Realbetrieb auf Euro-6-Norm-Werte ab. Das einzige Problem: Es ist teuer.<br>\nDeutlich teurer zumindest als die nun von Herstellern und Politik beim &bdquo;Nationalen Forum Diesel&ldquo; ausgehandelte &bdquo;Umr&uuml;stung&ldquo;. Wobei &bdquo;Umr&uuml;stung&ldquo; f&uuml;r das, was die Hersteller dort anbieten, ein unzutreffender Begriff ist, der schleunigst aus dem Sprachgebrauch getilgt werden sollte. &bdquo;Umr&uuml;stung&ldquo; klingt nach Schraubenschl&uuml;ssel, dem Einbau von Teilen und damit verbundenen Kosten, aber genau die scheuen die Hersteller. Millionen von Pkw wollen sie heilen, indem sie ein Software-Update aufspielen, an dessen Wirkung Experten zweifeln. Im IT-Bereich w&uuml;rde so was h&ouml;chstens &bdquo;Patch&ldquo; hei&szlig;en. Flickwerk.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/auto\/aktuell\/dieselgipfel-mit-abgas-in-den-abgrund-kommentar-a-1161116.html\">Spiegel Online<\/a><\/li>\n<li><strong>Sondersitzung des Verkehrsausschusses ist n&ouml;tig<\/strong><br>\n&bdquo;&lsquo;Weiter so&lsquo; hei&szlig;t die Devise der Bundesregierung nach dem Gespr&auml;ch mit der Automobilindustrie. Verkehrsminister Dobrindt bleibt das Sprachrohr der Industrie, Umweltministerin Hendricks akzeptiert das &ndash; zwar murrend, aber ohne Konsequenzen. Die von Schadstoffen geplagten B&uuml;rger und die geprellten Autofahrer bleiben auf ihrem Schaden sitzen&ldquo;, erkl&auml;rt Herbert Behrens, Verkehrsexperte der Fraktion DIE LINKE und Leiter des fr&uuml;heren Abgas-Untersuchungsausschusses, mit Blick auf den Diesel-Gipfel. Behrens weiter:<br>\n&bdquo;Der Gipfel diente ausschlie&szlig;lich dem Ziel, Fahrverbote und die damit verbundenen Nachteile f&uuml;r die Automobilkonzerne zu verhindern. Minister sind nicht dazu da, die Vorgaben der Automobilindustrie umzusetzen. Wer sein Amt so versteht, der muss seinen Sessel r&auml;umen. Die Informierung ausschlie&szlig;lich der Obleute der Aussch&uuml;sse f&uuml;r Wirtschaft, Umwelt und Verkehr am heutigen Donnerstag reicht nicht aus. Eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses ist n&ouml;tig: Fragen zu Gew&auml;hrleistungsanspr&uuml;chen, Kontrollen der Abgaswerte nach einem Software-Update, die Dauer der Verfahren und den Umgang mit zu erwartenden Fahrverboten sind ungekl&auml;rt. Ich unterst&uuml;tze die Forderung des Bundesverbandes Verbraucherzentralen nach einem weiteren Auto-Gipfel, wo unter anderem Fragen von Entsch&auml;digungen und Schutz der Verbraucher auf die Tagesordnung gesetzt werden.&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.linksfraktion.de\/presse\/pressemitteilungen\/detail\/sondersitzung-des-verkehrsausschusses-ist-noetig\/\">Linksfraktion<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><a name=\"h02\"><\/a><strong>Freundliche Industrie f&ouml;rdert Parteien durch Spenden<\/strong><br>\nDie Auswertung aller Gro&szlig;spenden an Parteien seit Beginn der Wahlperiode zeigt: Mehr als 50% stammen von BMW, Daimler und den Verb&auml;nden der Metall- und Elektroindustrie. Auf treue Einzelspender kann sich besonders die CDU verlassen, Platz 2 nimmt die FDP ein. Doch die Einzelspenden sind nur ein Bruchteil der Spenden, die den Parteien insgesamt zuflie&szlig;en. Die Bundestagsverwaltung macht Empfehlungen zur Verbesserung der Transparenz dieser Finanzierung. Die Umsetzung steht jedoch noch aus &hellip;<br>\nEin letztes Mal vor der Bundestagswahl hat die Bundestagsverwaltung die Liste der Gro&szlig;spenden vorgelegt, die Parteien im Zeitraum von Januar bis Juli diesen Jahres erhalten haben. Nach dem Parteienfinanzierungsgesetz sind sie verpflichtet, alle Einzelspenden von 50.000&euro; oder mehr unverz&uuml;glich bei der Bundestagsverwaltung anzugeben. Und die Bundestagsverwaltung ver&ouml;ffentlicht diese Angaben l&uuml;ckenlos seit 2002 [1]. Dies gab die M&ouml;glichkeit, die Spenden auszuwerten, die seit 2013, also w&auml;hrend der zu Ende gehenden 18. Wahlperiode, aufgelaufen sind.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/cives.de\/freundliche-industrie-foerdert-parteien-5824\">Cives<\/a>\n<p><strong>dazu: (Auto-) Konzerne und Verb&auml;nde kaufen sich Schwarz-Gelb<\/strong><br>\nZu den im Jahr 2017 von Konzernen und Verb&auml;nden insbesondere an die CDU (1,9 Millionen Euro) und die FDP (1,5 Millionen Euro) gezahlten Gro&szlig;spenden erkl&auml;rt der Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Partei DIE LINKE, Matthias H&ouml;hn:<br>\nKonzerne und Lobbyverb&auml;nde versuchen sich im Bundestagswahljahr die ihnen genehme Koalition von Union und FDP zusammenzukaufen. Mit insgesamt 3,4 Millionen Euro werden Konservative und Liberale von Konzernen und Milliard&auml;ren hofiert. Mit der Annahme dieser betr&auml;chtlichen Summen begeben sich CDU und FDP in Abh&auml;ngigkeiten moralischer und struktureller Natur. Denn auch in der Politik wollen die, die das Orchester bezahlen, schlie&szlig;lich auch bestimmen, welche Musik gespielt wird.<br>\nBesonders abstrus ist die Bereitschaft von CDU, FDP und SPD, inmitten des Diesel-Skandals Riesensummen von Autokonzernen und Metallunternehmensverb&auml;nden in Empfang zu nehmen. Die BMW-Gro&szlig;aktion&auml;rsfamilie Quandt zahlte 200 000 Euro, die jeweils zur H&auml;lfte an die CDU und FDP gingen. Daimler schrieb einen Scheck &uuml;ber zwei Mal 100 000 Euro f&uuml;r SPD und CDU aus.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/start\/presse\/detail\/auto-konzerne-und-verbaende-kaufen-sich-schwarz-gelb\/\">Die Linke<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h03\"><\/a><strong>Der finale Sieg &uuml;ber den IS in Mossul? Noch lange nicht!<\/strong><br>\nDer IS wird nun zu seinen Wurzeln des Guerillakriegs zur&uuml;ckkehren. (&hellip;) Am 17. Oktober 2016 begannen in Mossul blutigste K&auml;mpfe, die mehr als acht Monate andauern sollten und die meisten Viertel der Stadt in ein Tr&uuml;mmerfeld verwandelten. Am 10. Juli schlie&szlig;lich verk&uuml;ndete der irakische Premierminister Haider al-Abadi den Sieg &uuml;ber den Islamischen Staat (IS).<br>\nNach dem v&ouml;lligen Kollaps der irakischen Armee sowie der irakischen Polizeikr&auml;fte und nach deren Flucht am 10. Juni 2014 konnte der IS innerhalb von acht Stunden Mossul &uuml;bernehmen, mit minimalem Aufwand an Kombattanten und Ausr&uuml;stung.<br>\nDie Eroberung der Stadt f&uuml;hrte zu zwei wichtigen Entwicklungen. Erstens erlie&szlig; der h&ouml;chste schiitische Kleriker des Iraks, Gro&szlig;ayatollah Ali al-Sistani, am 13. Juni 2014 eine heilige Fatwa &ndash; &bdquo;Jihad al-Kafai&ldquo; &ndash;, die zur Unterst&uuml;tzung von Armee und Polizeikr&auml;ften die Gr&uuml;ndung einer Schiiten-Miliz forderte. Und zweitens wurde im September 2014 die von den USA gef&uuml;hrte Internationale Anti-ISIS Allianz ins Leben gerufen mit dem Ziel, den IS aus Mossul und anderen St&auml;dten zu vertreiben, die er im Irak und Syrien kontrolliert.<br>\nSichtlich gl&uuml;cklich &uuml;ber die Niederlage des IS verk&uuml;ndete Pr&auml;sident Abadi Ende Juni und bei seinem Besuch in Mossul diese Woche das &bdquo;Ende der Terroristen vom IS&ldquo; und versicherte, dass die irakischen Streitkr&auml;fte den IS auch weiter bis zum letzten Mitglied im Land verfolgen werden.<br>\nDie IS-Bombardierung der al-Nuri-Moschee und des al-Hadba-Minaretts, so sagte er, seien &bdquo;vielmehr das Einl&auml;uten des Endes des kleinen und nichtigen IS-Staats&ldquo;.<br>\nDie Realit&auml;t zeigt jedoch, wie unglaubw&uuml;rdig Abadis Aussagen sind. Die Niederlage und Vertreibung des IS aus Mossul bedeutet noch lange nicht das Ende des IS. Angesichts des politischen Tauziehens im Lande scheint es viel zu fr&uuml;h f&uuml;r Abadi, davon zu reden.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/der-finale-sieg-ueber-den-is-in-mossul-noch-lange-nicht\/\">Justice Now!<\/a>\n<p><strong>dazu: A Shameful Silence: Where is the Outrage Over the Slaughter of Civilians in Mosul?<\/strong><br>\nThe catastrophic number of civilian casualties in Mosul is receiving little attention internationally from politicians and journalists. This is in sharp contrast to the outrage expressed worldwide over the bombardment of east Aleppo by Syrian government and Russian forces at the end of 2016. Hoshyar Zebari, the Kurdish leader and former Iraqi finance and foreign minister, told me in an interview last week: &ldquo;Kurdish intelligence believes that over 40,000 civilians have been killed as a result of massive firepower used against them, especially by the Federal Police, air strikes and Isis itself.&rdquo; (&hellip;) The US-dominated coalition said that it tried to avoid carrying out air strikes where civilians were present, and its planes dropped leaflets telling them to move away from Isis positions. People on the ground in Mosul regarded this as a cruel joke, because they had nowhere else to go to and Isis would shoot them if they tried to run away.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.counterpunch.org\/2017\/07\/24\/a-shameful-silence-where-is-the-outrage-over-the-slaughter-of-civilians-in-mosul\/\">Patrick Cockburn in Counterpunch<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h04\"><\/a><strong>Die humanit&auml;re Katastrophe im Jemen: Verdr&auml;ngt und nicht wichtig genug<\/strong><br>\nIm Jemen entfalte sich lautlos eine menschliche Trag&ouml;die, die au&szlig;erhalb des Landes kaum auf Interesse sto&szlig;e, kommentiert J&uuml;rgen Stryjak im Dlf. An Krieg und Elend seien zwar alle Konfliktparteien schuld, aber Saudi-Arabien spielte eine besondere Rolle. Denn mit dem K&ouml;nigreich bombardiere eines der reichsten L&auml;nder der Welt eines der &auml;rmsten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/die-humanitaere-katastrophe-im-jemen-verdraengt-und-nicht.720.de.html?dram:article_id=392592\">Deutschlandfunk<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung JK.:<\/strong> Einer der wichtigsten Verb&uuml;ndeten der USA, die islamische Diktatur Saudi-Arabien, ist wesentlicher Antreiber des Krieges im Jemen. Dieser wird, bis auf Ausnahmen, wie obigen Kommentar, durch die &bdquo;Qualit&auml;tsmedien&ldquo; einfach totgeschwiegen. Man vergleiche dagegen etwa die aktuelle Berichterstattung &uuml;ber die Lage in Venezuela und deren Tenor, womit sich zweifellos publizistisch ein Regime Change ank&uuml;ndigt oder man stelle sich vor im Jemen w&auml;re Russland engagiert, die Meldungen w&uuml;rden sich &uuml;berschlagen.<\/em>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h05\"><\/a><strong>Fl&uuml;chtlingspolitik am Nullpunkt: die Orbanisierung Europas<\/strong><br>\nGibt es noch ein Tabu in der Europ&auml;ischen Fl&uuml;chtlingspolitik? Unterhalb vom &raquo;Schie&szlig;befehl&laquo; an den Grenzen oder der Forderung, Fl&uuml;chtlingsboote direkt im Mittelmeer zu versenken, scheint fast jeder Vorschlag diskussionsw&uuml;rdig.<br>\nDie wenigen Momente der Selbstkritik, etwa nach dem 360-fachen Tod vor Lampedusa im Oktober 2013, sind passe. Es gibt keine offizielle Schweigeminute mehr f&uuml;r ertrunkene Fluchtlinge. Stattdessen: Fl&uuml;chtlingsdeal mit Erdogan (Marz 2016), mit dem zerfallenen B&uuml;rgerkriegsland Libyen (Februar 2017), das EU-Abkommen mit Afghanistan (Oktober 2016), die Endlosdebatte &uuml;ber &raquo;Lager in Nordafrika&laquo;, &raquo;Migrationspartnerschaften&laquo; mit diktatorischen Regimen. Es droht die Orbanisierung Europas.<br>\nSeit Lampedusa starben &uuml;ber 13.000 Menschen im Mittelmeer. Ohne den unerm&uuml;dlichen Einsatz von zivilen Seenotrettungsorganisationen waren es noch viel mehr. Ihr Anteil an der Seenotrettung stieg von f&uuml;nf Prozent im Jahre 2015 auf 40 Prozent im Jahr 2016. Dieser Einsatz ist den Festungsbauern jedoch zunehmend ein Dorn im Auge. Osterreichs Au&szlig;enminister Kurz hetzt am 24. Marz 2017: &raquo;Der NGO-Wahnsinn muss beendet werden&laquo;. Die freiwilligen Seenotretter*innen w&uuml;rden sich zu Partnern der Schlepperbanden machen. Der Frontex-Chef Leggeri erhob &auml;hnliche Vorw&uuml;rfe. Derartige &Auml;u&szlig;erungen sind alarmierend, da die Hilfsorganisationen zudem die einzigen sind, die auf hoher See das Handeln der EU und ihrer &raquo;neuen Partner&laquo; zumindest ansatzweise &uuml;berwachen k&ouml;nnen.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/hintergrund\/fluechtlingspolitik-am-nullpunkt-die-orbanisierung-europas\/\">Pro Asyl<\/a>\n<p><strong>dazu: Fl&uuml;chtlingsrettung: &bdquo;Italien wird mit der Verantwortung allein gelassen&ldquo;<\/strong><br>\nFlorian Westphal, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von &Auml;rzte ohne Grenzen, hat das Verhalten der europ&auml;ischen Staaten in puncto Seenotrettung im Mittelmeer kritisiert. Das Problem sei, dass Italien mit dieser Verantwortung alleingelassen werde. &bdquo;Die &uuml;brigen Staaten k&ouml;nnen sich dieser Verantwortung nicht entziehen&ldquo;, sagte Westphal im Dlf. [&hellip;]<br>\nB&uuml;&uuml;sker: Finden Sie das denn grunds&auml;tzlich nachvollziehbar, dass Italien die Eins&auml;tze der Hilfsorganisationen reglementieren will?<br>\nWestphal: Italien hat in punkto Seenotrettung wirklich extrem viel geleistet. Die italienische K&uuml;stenwache hat sehr viele Menschenleben selbst retten k&ouml;nnen. Die Koordinationsstelle, die Leitstelle ist wirklich wesentlich in der Koordination dieser Eins&auml;tze. Aber das Problem ist ja, dass Italien mit dieser Verantwortung weitestgehend alleingelassen wird vom Rest der Europ&auml;ischen Union, von den anderen Mitgliedsstaaten. Dass die Europ&auml;ische Union und ihre Staaten sich weigert, die ja eigentlich staatliche Verantwortung Seenotrettung durchzuf&uuml;hren, endlich wahrzunehmen und stattdessen, weil das eben nicht geschah, sind wir und andere Nichtregierungsorganisationen dort angetreten, um das zu tun. Aber die Staaten k&ouml;nnen sich dieser Verantwortung nicht entziehen und sozusagen uns aufzufordern, transparent zu sein &uuml;ber das, was wir tun und wie wir das tun, ist absolut in Ordnung. Aber das &auml;ndert nichts daran, dass wir &uuml;berhaupt nicht dort pr&auml;sent sein sollten, sondern dass das die Verantwortung der Staaten ist, dort daf&uuml;r zu sorgen, dass nicht Tausende von Menschen ertrinken.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/fluechtlingsrettung-italien-wird-mit-der-verantwortung.694.de.html?dram:article_id=392617\">Deutschlandfunk<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h06\"><\/a><strong>Mali: Debatte<\/strong><br>\nIn der ZDF-Talkshow Dunja Hayali wurde ausf&uuml;hrlich &uuml;ber den Mali-Einsatz diskutiert &ndash; und mehr nat&uuml;rlich noch &uuml;ber &bdquo;Ausr&uuml;stungsm&auml;ngel&ldquo; und &bdquo;fehlende Anerkennung&ldquo; der Soldaten. Die Moderatorin war selbst zuvor im Camp Castor, wie ein relativ ausf&uuml;hrlicher Bericht zur Einstimmung darstellt. Auch hier sieht man nat&uuml;rlich deutsche Soldaten mit Kindern, eine Sanit&auml;tssoldatin, einen Transporthubschrauber und die Drohne Luna, zu der dann ausdr&uuml;cklich betont wird, dass sie keine Waffen trage, da &bdquo;Kampfeins&auml;tze&ldquo; ja nicht zum Auftrag geh&ouml;rten. Vom Kampfhubschrauber Tiger war dann wegen des k&uuml;rzlichen Absturzes doch die Rede &ndash; vom K&auml;mpfen aber nat&uuml;rlich nicht.<br>\nUrspr&uuml;nglich sollte auch die Verteidigungsministerin an der Diskussion teilnehmen, hat sich jedoch wohl wegen einer Fieberattacke zur&uuml;ckgezogen. Vertreten wurde sie von einer Soldatin, die sich vehement f&uuml;r die Auslandseins&auml;tze und eine entsprechende Aufr&uuml;stung aussprach.<br>\nDeutlich wurde in der Debatte insgesamt, dass das Thema Flucht und Verhinderung von Flucht sich mittlerweile zu einem der wichtigsten Argumente der Bef&uuml;rworter_innen von Auslandseins&auml;tzen geworden ist.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2017\/08\/03\/mali-debatte-2\/\">Informationsstelle Militarisierung e.V.<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Christian Reimann:<\/strong> Der Wahrheitsgehalt f&uuml;r die offizielle Begr&uuml;ndung des Bundeswehr-Einsatzes &ndash; Flucht und Verhinderung von Flucht &ndash; d&uuml;rfte bei Null liegen. Viel wichtiger d&uuml;rften &ouml;konomische Interessen sein, denn Mali gilt als rohstoffreich. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/mali-frankreich-kaempft-gegen-islamisten-und-um-bodenschaetze-a-877679.html\">Anfang 2013 schrieb &bdquo;SPON&ldquo;<\/a> u.a.:<\/em><br>\n<em>&bdquo;So liegen rund um Nordmali viele der von Frankreich ausgebeuteten Uranminen, die das Land dringend f&uuml;r seine Atomkraftwerke braucht. Der staatliche franz&ouml;sische Atomkonzern Areva f&ouml;rdert Uran in Malis Nachbarland Niger, das inzwischen der gr&ouml;&szlig;te Uranproduzent des Kontinents ist. Auch in Mali selbst wurde Uran gefunden. Die atomare Unabh&auml;ngigkeit ist in Frankreich mehr oder minder eine Frage der Staatsr&auml;son und ganz oben auf der Agenda jeder Regierung. Entsprechend kam in den vergangenen Tagen bei Kritikern der franz&ouml;sischen Intervention schnell der Verdacht auf, es gehe Paris nicht allein um die Bek&auml;mpfung von Terroristen. Das milit&auml;rische Engagement Frankreichs diene &bdquo;auch der Sicherung seiner eigenen Energieversorgung mit preiswertem Uran aus Malis Nachbarland Niger&ldquo;, erkl&auml;rte etwa die Gesellschaft f&uuml;r bedrohte V&ouml;lker.&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h07\"><\/a><strong>Zypries droht den USA<\/strong><br>\nDie US-Sanktionen gegen Russland sorgen nicht nur zwischen den Regierungen in Moskau und Washington f&uuml;r Streit, auch in Berlin ist man ver&auml;rgert. Wirtschaftsministerin Zypries wirft den USA &bdquo;v&ouml;lkerrechtswidriges&ldquo; Verhalten vor und droht mit Gegenma&szlig;nahmen.<br>\nBundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat den USA wegen ihrer sch&auml;rferen Russland-Sanktionen, die auch deutsche Firmen treffen k&ouml;nnten, mit Gegenma&szlig;nahmen gedroht. Sie nannte die Strafma&szlig;nahmen wegen ihrer Wirkung auch auf nicht-amerikanische Firmen &bdquo;schlicht und ergreifend v&ouml;lkerrechtswidrig&ldquo;. &bdquo;Die Amerikaner k&ouml;nnen nicht deutsche Unternehmen bestrafen, weil die sich in einem anderen Land wirtschaftlich bet&auml;tigen&ldquo;, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/zypries-usa-russland-101.html\">Tagesschau<\/a>\n<p><strong>dazu: &bdquo;Jetzt klare Kante gegen&uuml;ber Washington&ldquo;<\/strong><br>\nWirtschaftsministerin Zypries h&auml;lt die US-Sanktionen gegen Russland f&uuml;r inakzeptabel und ruft Washington zu Verhandlungen auf. Das wird kaum Wirkung zeigen. Berlin muss Gegenma&szlig;nahmen ergreifen. Ein Gastbeitrag.<br>\nDie neuen Sanktionen der USA gegen Russland zielen vor allem auf europ&auml;ische und deutsche Unternehmen. Gerade die Gaspipelines und die geplante Leitung Nord Stream 2 will man damit treffen. Statt mit russischem Gas soll Europa k&uuml;nftig vorrangig mit teurem und dem &ouml;kologisch katastrophalen Fracking-Gas aus den USA versorgt werden. Die US-Sanktionen sind daher nichts weiter als die Anbahnung eines Riesengesch&auml;fts f&uuml;r die US-Fracking-Konzerne.<br>\nMit dieser Attacke, die einen Bruch internationalen Rechts bedeutet, m&uuml;ssen sich die USA den Vorwurf gefallen lassen, auf diplomatischem Parkett wie ein Schurkenstaat zum billigen Vorteil der eigenen Gasindustrie zu agieren. Die Bundesregierung ist gefordert, ihrer richtigen Verurteilung des V&ouml;lkerrechtsbruchs jetzt auch Taten folgen zu lassen, um Gegendruck zu entfalten. Dies kann nicht allein der EU-Kommission &uuml;berlassen werden.<br>\nDen ersten politischen Kollateralschaden in Deutschland gibt es im &Uuml;brigen auch schon, denn es kommt einem politischen Bankrott der Gr&uuml;nen gleich, dass sich f&uuml;hrende Gr&uuml;nen-Politiker hinter diese Profitmaximierung der Umweltzerst&ouml;rer stellen und die US-Sanktionen unterst&uuml;tzen. Wer sich de facto f&uuml;r die Interessen der US-Frackingindustrie einsetzt, verspielt jede Glaubw&uuml;rdigkeit im Hinblick auf einen &ouml;kologischen Politikwechsel in Deutschland.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/gastbeitraege\/gastbeitrag-von-sahra-wagenknecht-jetzt-klare-kante-gegenueber-washington\/20135178.html\">Sahra Wagenknecht im Handelsblatt<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h08\"><\/a><strong>Griechenland: Verordnete Verarmung<\/strong><br>\nW&auml;hrend Angela Merkel nach au&szlig;en &ndash; und im Wahlkampf &ndash; die Europ&auml;ische Union zur Schicksalsfrage erkl&auml;rt, nehmen im Innern der EU die Auseinandersetzungen wieder zu. Im Brennpunkt steht dabei erneut der Umgang mit Griechenland. Die Koalition um Ministerpr&auml;sident Alexis Tsipras stimmte am 19. Mai f&uuml;r ein weiteres Sparpaket, das als Voraussetzung f&uuml;r neue &bdquo;Hilfen&ldquo; von Griechenlands Gl&auml;ubigern gefordert wurde. Athen ist darauf angewiesen, weil R&uuml;ckzahlungen f&auml;llig werden, die aus eigener Kraft nicht gestemmt werden k&ouml;nnen. Dagegen gab es massive Proteste vor dem griechischen Parlament &ndash; Ausdruck einer zunehmend verzweifelten Gesellschaft.<br>\nUm die Absurdit&auml;t der bisherigen &bdquo;Rettungsversuche&ldquo; zu verstehen, hilft zun&auml;chst ein Blick auf die blo&szlig;en Summen, die bisher zwischen Gl&auml;ubigern und Griechenland geflossen sind: Addiert man alle drei bisherigen Hilfspakete, wurde Griechenland ein Kreditrahmen von 368,6 Mrd. Euro gew&auml;hrt &ndash; eine gewaltige Summe, gemessen am griechischen BIP von 176 Mrd. Euro im Jahr 2015. Allerdings wurde dieser Kreditrahmen bis 2015 nur im Umfang von 215,9 Mrd. Euro ausgesch&ouml;pft, und davon sind weniger als f&uuml;nf Prozent, n&auml;mlich 10,8 Mrd. Euro, wirklich in den griechischen Staatshaushalt geflossen &ndash; wohlgemerkt als r&uuml;ckzahlbare, verzinsliche Kredite. Der weit &uuml;berwiegende Teil floss entweder in Zinszahlungen, in die Schuldentilgung bzw. in die Umschuldung &ndash; das hei&szlig;t in einen Risikotransfer von privaten Banken hin zu &ouml;ffentlichen Tr&auml;gern (EU, EZB, IWF, ESM) &ndash; oder, jedenfalls teilweise, in die Finanzierung von Anreizen f&uuml;r private Gl&auml;ubiger, sich am Umschuldungsprogramm zu beteiligen.<br>\nUmgekehrt hat Griechenland im Zeitraum von 2010 bis 2015 aber 52,3 Mrd. Euro an Zinsen an seine Gl&auml;ubiger gezahlt, vor allem an EU, EZB und IWF. Bis 2018, wenn das dritte Programm ausl&auml;uft, werden es sogar 70,1 Mrd. Euro sein. Der Saldo des Kapitalflusses war und ist f&uuml;r Griechenland also negativ &ndash; trotz aller &bdquo;Hilfen&ldquo;. Damit wird deutlich, dass es sich letztendlich um die Ausbeutung des griechischen Staates handelt: Diese 70,1 Mrd. Euro Zinsen entsprechen etwa 40 Prozent des gesamten griechischen BIP des Jahres 2015.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2017\/juli\/griechenland-verordnete-verarmung\">Egbert Scheunemann in den Bl&auml;ttern f&uuml;r deutsche und internationale Politik<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung JK:<\/strong> Ein exzellenter Beitrag, der den v&ouml;lligen Irrsinn des deutschen Austerit&auml;tsdiktates gegen Griechenland verdeutlicht und der eine m&ouml;glichst breite Verbreitung verdient. Der Beitrag entlarvt auch, um was bei der Privatisierung &ouml;ffentlicher Infrastruktur geht: nicht darum, den B&uuml;rgern &ouml;ffentliche Dienstleistungen effizient und kosteng&uuml;nstig anzubieten, sondern ausschlie&szlig;lich darum, privaten Investoren neue Renditem&ouml;glichkeiten zu er&ouml;ffnen. Also letztlich darum, die Taschen der Reichen und Superreichen noch praller zu f&uuml;llen. Zugleich handelt es sich bei Griechenland um das neoliberale Freiluftlabor der EU. Man testet in Griechenland offenbar aus, wie weit sich der Wunschtraum der Neoliberalen, den Staat soweit wie m&ouml;glich zu zerst&ouml;ren, realisieren l&auml;sst.<\/em><\/p>\n<p><strong>dazu: Griechenlands krankes Gesundheitssystem<\/strong><br>\nDas griechische Gesundheitssystem steckt in der Krise: Tausende medizinische Fachkr&auml;fte haben das Land verlassen, die Ausgaben f&uuml;r Gesundheit wurden halbiert und drei Millionen Griechen sind nicht krankenversichert. Sie f&uuml;hlen sich vom Staat im Stich gelassen.<br>\nEin Lichtblick f&uuml;r krisengebeutelte Griechen ohne Versicherungsschutz sind die Sozialkliniken des Landes. Eine davon ist das Ellinik&oacute; im gleichnamigen Athener Stadtteil. Die arte-Reportage von Tanja Dammertz zeigt den ehrenamtlichen Einsatz der Helfer im Ringen um die Gesundheitsversorgung f&uuml;r die sozial Schw&auml;chsten des Landes.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.tv\/videos\/633831-griechenlands-krankes-gesundheitssystem\/\">Spiegel.TV<\/a><\/p>\n<p><strong>und: Widerstand in Wei&szlig;<\/strong><br>\nSeit Beginn der Krise ist das griechische Gesundheitssystem in katastrophalem Zustand. Hunderte &Auml;rzte und Freiwillige wollen das &auml;ndern: mit solidarischen Kliniken, kostenlosen Behandlungen &ndash; und Druck auf die Politik.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/griechenland-das-griechische-gesundheitssystem-ist-in-einem-katastrophalen-zustand-a-1139118.html\">SPON<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h09\"><\/a><strong>EZB-Niedrigzinspolitik: Es gibt kein Recht auf Rendite &ndash; auch nicht f&uuml;r deutsche Sparer<\/strong><br>\nOhne die Intervention der EZB w&auml;re der Euro l&auml;ngst Geschichte. Das sollten alle, die dauernd &uuml;ber die niedrigen Zinsen meckern, nie vergessen.<br>\nEs gibt nur sehr wenige Menschen, die mit einem einzigen Satz Geschichte geschrieben haben. Einer von ihnen ist Mario Draghi, der Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Zentralbank. &bdquo;Die EZB ist bereit, zu tun, was immer n&ouml;tig ist, um den Euro zu bewahren&ldquo;, erkl&auml;rte er am 26. Juli 2012 &ndash; und bewahrte Europa so vor einer wirtschaftlichen Katastrophe.<br>\nVon einer Minute zur anderen &uuml;berbr&uuml;ckte Draghi damals den zentralen Konstruktionsfehler der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion. Deren Mitgliedsl&auml;nder sind zwar wirtschaftlich und monet&auml;r auf Gedeih und Verderb miteinander verflochten. Aber sie agieren nicht als gemeinsamer Staat und stehen nicht f&uuml;reinander ein. Darum drohte den wirtschaftlich schw&auml;cheren Mittelmeerl&auml;ndern der Staatsbankrott. Der Zerfall der Euro-Zone w&auml;re die unvermeidliche Konsequenz gewesen. Dagegen setzte Draghi die ganze Macht einer Notenbank: Ausgestattet mit dem Recht zur Geldsch&ouml;pfung stellte er klar, dass keine Staatsanleihe in Euroland unbezahlt ausfalle, weil im Notfall die Zentralbank daf&uuml;r einsteht. Allein die Ank&uuml;ndigung reichte, um die Zinsen zur Erneuerung der auslaufenden Anleihen in den Krisenstaaten wieder auf Normalniveau zu senken. Gegen die Notenbank sind alle Spekulanten machtlos.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/ezb-niedrigzinspolitik-es-gibt-kein-recht-auf-rendite-auch-nicht-fuer-deutsche-sparer\/20134912.html\">Harald Schumann im Tagesspiegel<\/a>\n<\/li>\n<li><a name=\"h10\"><\/a><strong>Bundeskabinett verabschiedet Sozialbericht 2017<\/strong><br>\nDie zentralen Ergebnisse f&uuml;r 2016 sind:\n<ul>\n<li>Der Sozialschutz ist auf einem soliden Niveau: F&uuml;r Sozialleistungen wurden insgesamt 918 Mrd. Euro ausgegeben. Gegen&uuml;ber 2015 stiegen die Leistungen um rund 33 Mrd. Euro bzw. rund. 3,7 %.<\/li>\n<li>Der Zuwachs f&auml;llt etwas h&ouml;her aus als das Wirtschaftswachstum. Die Sozialleistungsquote &ndash; das Verh&auml;ltnis der Leistungen zum BIP &ndash; ist mit 29,3 % gegen&uuml;ber dem Vorjahr (29,2 %) leicht gewachsen.<\/li>\n<li>Im Mittelpunkt steht der Schutz vor den zentralen Lebensrisiken: Mehr als 80 % der Sozialleistungen bzw. gut 720 Mrd. Euro dienten zur Absicherung der Risiken Krankheit, Pflegebed&uuml;rftigkeit, Invalidit&auml;t, Alter und Tod.<\/li>\n<li>Der Sozialschutz in Deutschland ist auch im europ&auml;ischen Vergleich angemessen: Deutschland lag 2014 (letzte verf&uuml;gbare Daten) auf dem neunten Platz der EU-28 L&auml;nder mit einer Sozialleistungsquote leicht &uuml;ber dem EU-Durchschnitt. Deutlich h&ouml;here Sozialleistungsquoten wiesen z. B. Frankreich oder D&auml;nemark auf.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach den Ergebnissen einer Modellrechnung zur Entwicklung der Sozialleistungen bis 2021 wird die Sozialleistungsquote im Jahr 2017 um 0,5 Prozentpunkte auf 29,8 % steigen. Dieser Anstieg ist Folge von gesetzlich geregelten Leistungsverbesserungen in verschiedenen Bereichen der gesetzlichen Krankenversicherung, mit denen eine gut erreichbare Versorgung der Patientinnen und Patienten auf hohem Niveau gest&auml;rkt wird. Dazu kommt die Neuregelung in der Pflegeversicherung durch das zweite Pflegest&auml;rkungsgesetz 2016, mit der ein neuer Pflegebed&uuml;rftigkeitsbegriff eingef&uuml;hrt wurde. Zudem hat die hohe Rentenanpassung zum 1. Juli 2016 zum Anstieg der Sozialleistungen beigetragen, da sie 2017 als volles Jahr wirkt.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bmas.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2017\/bundeskabinett-verabschiedet-sozialbericht-2017.html;jsessionid=17E701E933AEC535007B0D3604B01860\">BMAS<\/a><\/p>\n<p><strong>dazu: Bundesregierung versagt bei Armutsbek&auml;mpfung<\/strong><br>\n&bdquo;Die hohen Sozialausgaben belegen, dass sowohl die sozialen Sicherungssysteme als auch Arbeit in vielen F&auml;llen nicht mehr existenzsichernd sind. An den Sozialhilfeausgaben kann man klar erkennen, dass die soziale Sicherung f&uuml;r immer mehr Menschen nicht mehr greift. Vorgelagerte Systeme wie die Renten- oder die Pflegeversicherung sind nicht mehr in der Lage, soziale Sicherheit zu gew&auml;hrleisten, so dass die Betroffenen eine Sozialhilfeleistung in Anspruch nehmen m&uuml;ssen. Immer noch 1,1 Millionen Besch&auml;ftigte beziehen erg&auml;nzende Hartz IV-Leistungen, da sie von ihrer Arbeit nicht leben k&ouml;nnen. Millionen Menschen leben in Armut, daran hat diese Bundesregierung nichts ge&auml;ndert. Bei der Armutsbek&auml;mpfung hat sie versagt&ldquo;, erkl&auml;rt die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Sabine Zimmermann, zum aktuellen Sozialbericht. Sabine Zimmermann weiter:<br>\n&bdquo;Ein Kurswechsel in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik ist dringend notwendig. Arbeit muss wieder existenzsichernd werden. Dazu ist unter anderem der Mindestlohn auf zw&ouml;lf Euro die Stunde zu erh&ouml;hen, systematische Niedriglohnbesch&auml;ftigung wie Leiharbeit muss abgeschafft werden. Vor allem muss auch der Altersarmut endlich der Kampf angesagt werden. Die gesetzliche Rente muss gest&auml;rkt und armutsfest gemacht werden. Die Abschl&auml;ge bei der Erwerbsminderungsrente m&uuml;ssen weg. Das Sozialversicherungssystem bietet zunehmend weniger Schutz und franst aus. Dieser Entwicklung muss endlich Einhalt geboten werden.&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.linksfraktion.de\/presse\/pressemitteilungen\/detail\/bundesregierung-versagt-bei-armutsbekaempfung-1\/\">Die Linke im Bundestag<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h11\"><\/a><strong>Arbeitsmarktforscher: &bdquo;Viele Jobs sind schlechter bezahlt&ldquo;<\/strong><br>\nTrotzdem ist die Arbeitslosigkeit r&uuml;ckl&auml;ufig. Die Zahl der Arbeitspl&auml;tze hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Was sind das f&uuml;r Arbeitspl&auml;tze?<br>\nSell: Wir haben tats&auml;chlich einen Besch&auml;ftigungsrekord. Aber bei den neuen Jobs handelt es sich nur zu einem kleineren Teil um Vollzeitstellen. Deutlich st&auml;rker zugenommen haben Teilzeitarbeitspl&auml;tze oder Minijobs. Allein 5,1 Millionen Menschen waren 2016 ausschlie&szlig;lich geringf&uuml;gig besch&auml;ftigt. Daneben gab es 2,6 Millionen Menschen, die nebenbei einen Minijob hatten, weil sie entweder mit dem Geld aus ihrem Vollzeitjob nicht &uuml;ber die Runden kamen, oder weil sie ihren Lebensstandard aufbessern wollten.<br>\nSelbst Selbstst&auml;ndige, die nur f&uuml;r ein paar Stunden Arbeit haben, tauchen in der Statistik als Erwerbst&auml;tige auf. So l&auml;sst sich auch zu erkl&auml;ren, dass in den vergangenen sechs Jahren die Zahl der Erwerbst&auml;tigen deutlich st&auml;rker gestiegen ist als die Zahl der in Deutschland geleisteten Arbeitsstunden.<br>\nSind sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen automatisch gute, ordentlich entlohnte Arbeitspl&auml;tze?<br>\nSell: Nein. Nur rund 60 Prozent der Vollzeitjobs entstehen in Bereichen, in denen das Lohnniveau halbwegs ordentlich ist. 40 Prozent dieser Arbeitspl&auml;tze werden hingegen deutlich schlechter bezahlt als fr&uuml;her. Wir beobachten eine deutliche Spreizung bei den L&ouml;hnen.<br>\nWoran liegt das?<br>\nSell: Das ist Folge der nachlassenden Tarifbindung. Nehmen wir als Beispiel den Einzelhandel. Nur noch 30 Prozent der Unternehmen zahlen Tariflohn. Der Rest ist aus der Tarifbindung ausgestiegen. Wenn in der Branche neue Jobs entstehen, sind sie deutlich schlechter entlohnt als noch vor zehn oder 15 Jahren. &Auml;hnliches ist in anderen Berufsbereichen zu beobachten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.aachener-nachrichten.de\/news\/politik\/arbeitsmarktforscher-viele-jobs-sind-schlechter-bezahlt-1.1684236\">Aachener Nachrichten<\/a>\n<p><strong>dazu: Mittleres Bruttomonatsentgelt Vollzeitbesch&auml;ftigter<\/strong><br>\nDas &bdquo;mittlere sozialversicherungspflichtige Bruttomonatsentgelt der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbesch&auml;ftigten der Kerngruppe&ldquo;1 (Median2) in der Bundesrepublik Deutschland betrug Ende 2016 nach Berechnung der Statistik der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit 3.133 Euro. (&hellip;) Die Betrachtung der 401 Kreise zeigt: Das (&hellip;) Bruttomonatsentgelt (&hellip;) reichte 2016 von 4.579 Euro in Ingolstadt bis 2.103 Euro im Landkreis Vorpommern-R&uuml;gen. (&hellip;) Anmerkung: In diversen Presseberichten &uuml;ber die Ergebnisse der j&uuml;ngsten Entgeltstatistik der Statistik der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit wurde ausgerechnet der Landkreis Vorpommern-R&uuml;gen vergessen (&hellip;). Dies verwundert in diesen Tagen besonders, denn beim Landkreis Vorpommern-R&uuml;gen handelt es sich nicht nur um eine beliebte Urlaubsregion sondern auch um den Wahlkreis der Bundeskanzlerin.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.biaj.de\/archiv-materialien\/949-mittleres-bruttomonatsentgelt-vollzeitbeschaeftigter-laender-und-kreisvergleich-wohnort-arbeitsort.html\">BIAJ<\/a><\/p>\n<p><em><strong>Anmerkung Paul Schreyer:<\/strong> Dass in Merkels Wahlkreis die Menschen bundesweit am schlechtesten verdienen, &bdquo;verga&szlig;&ldquo; insbesondere die Bild-Zeitung zu erw&auml;hnen. <a href=\"http:\/\/www.waz-online.de\/Nachrichten\/Wirtschaft\/Uebersicht\/Hier-verdienen-die-Deutschen-am-meisten\">Dort hie&szlig; es<\/a> stattdessen, in den Kreisen Prignitz und G&ouml;rlitz verdiene man am wenigsten. Das Schlusslicht ist aber laut Statistik Vorpommern-R&uuml;gen. <\/em>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h12\"><\/a><strong>Neustart in der Arbeitsmarktpolitik ist notwendig<\/strong>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170803-hdt-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170803-hdt-01-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p>\n<p>&bdquo;Die Wahlperiode neigt sich dem Ende zu, die strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt sind nach wie vor ungel&ouml;st. Noch immer sind viel zu viele Besch&auml;ftigte arm trotz Arbeit. 1,1 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beziehen erg&auml;nzende Hartz IV-Leistungen, 2,7 Millionen gehen einem Zweitjob nach, um &uuml;ber die Runden zu kommen. Langzeiterwerbslose bekommen nur selten einen Job am ersten Arbeitsmarkt. Insbesondere das Hartz-IV-System ist gekennzeichnet von Perspektivlosigkeit und Sanktionen. F&uuml;r Millionen von Menschen ist gute Arbeit ein leeres Versprechen dieser Bundesregierung geblieben. Deshalb braucht es einen Neustart in der Arbeitsmarktpolitik, f&uuml;r gute Arbeit und eine soziale Sicherung, die Armut verhindert&ldquo;, erkl&auml;rt Sabine Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende und arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zum aktuellen Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.linksfraktion.de\/presse\/pressemitteilungen\/detail\/neustart-in-der-arbeitsmarktpolitik-ist-notwendig\/\">Die Linke im Bundestag<\/a><\/p>\n<p><strong>dazu auch: Langzeitarbeitslose &ndash; gefangen auf der Schulbank<\/strong><br>\nSeminare und Trainings f&uuml;r Menschen ohne Job sind seit vielen Jahren ein wichtiger Gesch&auml;ftsbereich in der Bildungsindustrie. Obwohl die Zahl der Arbeitslosen gesunken ist, so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung einen Job haben und teilweise Fachkr&auml;ftemangel herrscht, gibt es immer noch etwa 900 000 Langzeitarbeitslose, die seit mindestens einem Jahr ohne Job sind. Hinzu kommen Hunderttausende, die ebenfalls seit Jahren auf Arbeitssuche sind, aber in der Statistik gerade nicht mitgez&auml;hlt werden, zum Beispiel, weil sie gerade einen F&ouml;rderkurs belegen. Rund um sie gibt es mehrere tausend Seminar-Anbieter, die von den Auftr&auml;gen der Jobcenter und Arbeitsagenturen leben und Erwerbslose so qualifizieren sollen, dass sie m&ouml;glichst den Sprung auf den regul&auml;ren ersten Arbeitsmarkt schaffen.<br>\nDer Markt ist riesig, Arbeitslosigkeit ist ein Milliardengesch&auml;ft. Doch jahrelang litten die F&ouml;rder- und Trainingskurse unter einem miserablen Ruf. Zu Recht? Wird immer noch Geld des Steuerzahlers und der Beitragszahler f&uuml;r unsinnige Schulungen verbrannt? (&hellip;)<br>\nDirk Kratz hat in einer Doktorarbeit untersucht, was Langzeitarbeitslosen wirklich hilft. Der Universit&auml;tsdozent und Leiter eines Therapieverbunds in Ludwigsm&uuml;hle in Rheinland-Pfalz, sagt, in den Jobcentern werde zu wenig auf vorhandene F&auml;higkeiten geachtet. Oft w&uuml;ssten Langzeitarbeitslose ziemlich genau, was sie tun m&ouml;chten, worauf sie hinarbeiten wollten, bek&auml;men aber die gew&uuml;nschte Weiterbildung nicht, weil ihnen die formalen Voraussetzungen fehlen, das Geld f&uuml;r das Wunschangebot nicht da ist oder ihr Betreuer das f&uuml;r nicht passend h&auml;lt.<br>\n&Auml;hnlich sieht es Stefan Sell, Professor f&uuml;r Sozialpolitik an der Hochschule Koblenz: Er kritisiert, dass Jobcenter noch zu viele Arbeitslose in kurzfristige Ma&szlig;nahmen steckten, ohne auf die Vorkenntnisse der Teilnehmer zu achten. &bdquo;Da dr&uuml;cken in einem Kurs &uuml;ber Online-Bewerbungen neben einem Akademiker Menschen die Schulbank, die kaum Deutsch k&ouml;nnen.&ldquo;<br>\nSell empfiehlt stattdessen nach der Devise vorzugehen: &bdquo;Weniger, aber mehr, das lohnt sich.&ldquo; Also statt Arbeitslose wom&ouml;glich noch gegen ihren Willen und mehrmals in vierw&ouml;chige oder zwei, drei Monate lange kurzfristige Ma&szlig;nahmen zu verschieben, lieber in langfristige Weiterbildungskurse zu investieren. Denn die steigern auf jeden Fall die Jobaussichten, vor allem, wenn sie in einem Betrieb stattfinden oder am Ende mit einem beruflichen Abschluss verbunden sind.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/jobsuche-langzeitarbeitslose-gefangen-auf-der-schulbank-1.3607230\">S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/a><\/p>\n<p><em><strong>Anmerkung Christian Reimann:<\/strong> Nicht Wenige nennen diesen Zweig der Bildungsindustrie nicht ganz zu Unrecht &bdquo;Sozialindustrie&ldquo;. Die ALG-II-Gelder beziehenden Personen haben kaum eine Wahl und f&uuml;hlen sich meist implizit gezwungen, an den Ma&szlig;nahmen teilzunehmen, denn eine unbegr&uuml;ndete Ablehnung\/Nichtteilnahme kann mit Sanktionen verbunden sein. Vorteilhaft k&ouml;nnte hierbei ein (gewerkschaftlicher) Rechtsschutz sein.<\/em><br>\n<em>Bitte lesen Sie dazu auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39175#h06\">766 Millionen Euro Umschichtung: Jobcenter stopfen L&ouml;cher im Verwaltungshaushalt mit F&ouml;rdergeldern<\/a>.<\/em>\n<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Wochenende pr&auml;sentieren wir Ihnen einen &Uuml;berblick &uuml;ber die lohnenswertesten Beitr&auml;ge, die wir im Laufe der vergangenen Woche in unseren Hinweisen des Tages f&uuml;r Sie gesammelt haben. Nehmen Sie sich ruhig auch die Zeit, unsere werkt&auml;gliche Auswahl der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=19\">Hinweise des Tages<\/a> anzuschauen. Wenn Sie auf &ldquo;weiterlesen&rdquo; klicken, &ouml;ffnet sich das Angebot und Sie k&ouml;nnen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39500\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-39500","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hinweise-des-tages"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39500","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39500"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39500\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39504,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39500\/revisions\/39504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39500"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39500"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39500"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}