{"id":39505,"date":"2017-08-05T11:30:05","date_gmt":"2017-08-05T09:30:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39505"},"modified":"2017-08-07T07:55:44","modified_gmt":"2017-08-07T05:55:44","slug":"leserbriefe-zu-unserem-artikel-abgas-anarchie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39505","title":{"rendered":"Leserbriefe zu unserem Artikel \u201eAbgas-Anarchie\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das Thema &bdquo;Dieselgipfel&ldquo; war das Thema der Woche und auch unsere Leser interessiert dieses Thema sehr. So war es auch kaum verwunderlich, dass der Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39470\">Abgas-Anarchie<\/a>&ldquo; ein breites Feedback von unseren Lesern bekam. Dabei ging es von unverstandenen Vorgaben, notwendigen L&ouml;sungswegen, Anomie vs. Anarchie, handfestem Betrug bis zu den kleinen Kosten f&uuml;r Hersteller gegen gro&szlig;e Verluste f&uuml;r Verbraucher.<br>\n<!--more--><br>\nUnser Leser Dr.-Ing. Hermann Rochholz veranschaulicht die Auswirkungen unber&uuml;cksichtigter Zielkonflikte.<\/p><ol>\n<li><strong>Dr.-Ing. Hermann Rochholz: Abgase<\/strong>\n<p>Sehr geehrte Nachdenkseiten!<\/p>\n<p>Also ich bin kein Autospezialist, daf&uuml;r aber Ingenieur.<\/p>\n<p>Die Zahlen in Ihrem Artikel finde ich sehr interessant. Aber sie zeigen nicht nur die Kriminalit&auml;t der Automobilindustrie, sondern demonstrieren auch vortrefflich die pand&auml;monische Dummheit der Politik.<\/p>\n<p>Um technische Vorgaben zu machen, sollte man sie halbwegs verstehen. Aber wie es aussieht, sind technische Vorgaben in der Politik scheinbar eher einem Wunschkonzert beziehungsweise einem dem-W&auml;hler-gefallen-Konzert gleichzusetzen, als dass sie mit der Realit&auml;t zu tun h&auml;tten.<\/p>\n<p>Zwei Dinge muss man bei der Technik aber wissen: <\/p>\n<p>1) Der Aufwand, um die letzten Prozente herauszukitzeln, wird immer h&ouml;her, somit wird die Sache immer teurer.<\/p>\n<p>2) In der Technik gibt es klassische Zielkonflikte, die sich nicht aufl&ouml;sen lassen.<\/p>\n<p>In meinen Augen erkennt man hier das extreme Unverst&auml;ndnis der Politiker f&uuml;r diese technischen Grundlagen:<\/p>\n<p>Fangen wir bei 2) an: Ein niedriger Stickoxidaussto&szlig; ist gleichzusetzen mit niedrigen Verbrennungstemperaturen. Und niedrige Verbrennungstemperaturen sind gleichzusetzen mit einem schlechten Wirkungsgrad. <\/p>\n<p>Wenn es also Daten gibt, in denen steht, der spezifische Stickoxidaussto&szlig; soll auf soundsoviel reduziert werden dann in einer anderen Publikation steht, dass die Effizienz soundsoviel Prozent erreichen kann, dann muss man zwangsl&auml;ufig davon ausgehen, dass beide Anforderungen in einem einzigen technischen Produkt nicht erreichbar sind. Das ist in etwa so, als wenn man einen Ferrari mit 10 cm Bodenfreiheit auf Waldwegen einsetzt. Das geht nicht.<\/p>\n<p>Beim &Uuml;bergang von Euro drei auf vier wurde der Stickoxidaussto&szlig; halbiert, also um 50 % reduziert. Das ist ziemlich knackig. In der n&auml;chsten Stufe fand eine weitere Reduktion um 30 % statt. Hier ist die Anpassung an technische Realit&auml;ten gegeben. Bedenklich ist dann aber die weitere Reduktion um rund 60 %, die mir dann durchaus wirklichkeitsfremd erscheint. In meinen Augen ist diese einfach nicht zu erreichen. Wenn hier 120 gestanden h&auml;tte, w&auml;re es noch halbwegs real gewesen. <\/p>\n<p>Interessant ist auch in diesem Zusammenhang, dass der reale Aussto&szlig; an Stickoxiden von Euro vier auf Euro f&uuml;nf stieg (!). Warum tat er das? Meine Theorie hierzu ist folgenderma&szlig;en: Wie bereits oben erw&auml;hnt hat man einen klassischen Zielkonflikt. Und durch einen erh&ouml;hten Stickoxidaussto&szlig; erreicht man einen geringeren Verbrauch. Und da mittlerweile Strafen f&uuml;r den Flottenverbrauch zu zahlen sind, w&auml;hlte die Industrie das kleinere &Uuml;bel und betrog mit den Stickoxid-Werten. Die Einf&uuml;hrung von Euro 5 d&uuml;rfte ungef&auml;hr der Zeitpunkt gewesen sein, als begonnen wurde, mit Software zu betr&uuml;gen. Sie haben da sicher die Daten, ich wei&szlig; es nicht &ndash; das ist geraten.<\/p>\n<p>Dies soll keineswegs die Autoindustrie freisprechen.<\/p>\n<p>Weiterhin haben wir noch einen anderen Effekt: Durch die Reduktion der Stickoxide oder anderer Schadstoffe durch Abgasreinigung sind finanziell insbesondere die Hersteller von Kleinwagen betroffen; denn prozentual kostet eine solche Abgasreinigung bei einem Kleinwagen von 15.000 &euro; sicherlich das zehnfache wie bei einer Limousine f&uuml;r 100.000 &euro;. Beim Kleinwagen muss fast derselbe Aufwand getrieben werden wie beim Luxusschiff beziehungsweise Geltungstriebwagen. Zumal die Motorentechnologie nat&uuml;rlich billiger sein muss und damit der gesamte Verbrennungsprozess zwangsl&auml;ufig schlechter ist. Es ist halt billig.<\/p>\n<p>Und dies ist ein Problem und betrifft die kleinen Leute. <\/p>\n<p>Das Thema scheint also in meinen Augen viel komplexer zu sein, als Sie es darstellen. Trotzdem sind nat&uuml;rlich ihre Zahlen eine hervorragende Grundlage, die Situation nachzuvollziehen und zu bewerten.<\/p>\n<p>Also ich sehe das System dieses Diesel Skandales nicht alleine bei der Autoindustrie, sondern auch (ich bin ja Ingenieur) in der massiven Technikfeindlichkeit und somit dem Technikunverst&auml;ndnis in unserer Gesellschaft.<\/p>\n<p>Letztendlich ist es ein &auml;hnliches Ph&auml;nomen, wie sie es beim G36 berichtet hatten: Ein Gewehr, das besonders leicht ist, hat zwangsl&auml;ufig wenig Metall. Und ein Gewehr, das aus wenig Metall besteht, wird besonders schnell hei&szlig;. Und Metall, das lokal besonders schnell hei&szlig; wird, verzieht sich besonders schnell. <\/p>\n<p>Und ein leichtes Gewehr, das sich nicht verzieht und zudem billig ist, ist wieder ein klassischer Zielkonflikt. <\/p>\n<p>Wie Frau Dr. von der Leyen mit einer Sechs in Physik &uuml;berhaupt zum Studium zugelassen werden konnte, kann ich nicht nachvollziehen.<\/p>\n<p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nDr.-Ing. Hermann Rochholz<\/p>\n<p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong> Sehr geehrter Herr Rochholz,<\/em><\/p>\n<p><em>Ihre Einsch&auml;tzungen decken sich mit dem, was ich zum Thema recherchiert habe &ndash; als &bdquo;Nichttechniker&ldquo; kann ich da ohnehin nur Einsch&auml;tzungen Dritter zur Kenntnis nehmen. So sehr ich Ihre Analyse nachvollziehen kann; Ihr Fazit ist f&uuml;r mich nicht verst&auml;ndlich. Klassisch sind Diesel in der Anschaffung ja ohnehin teurer als Benziner und bis vor wenigen Jahren rentierten sie sich f&uuml;r den Endverbraucher auch nur ab einer bestimmten Laufleistung. In den 90ern hat man m.W. &uuml;ber den Daumen gepeilt, dass ein Diesel erst dann sinnvoll ist, wenn man mehr als 20.000 Kilometer pro Jahr f&auml;hrt. Diese Einschr&auml;nkung haben die PR-Experten der Konzerne in den letzten Jahren au&szlig;er Kraft gesetzt. Heute wird der Diesel als &bdquo;Jedermanns-Auto&ldquo; angeboten und auch in Segmenten, die eher auf &bdquo;Wenig-Fahrer&ldquo; ausgerichtet sind, werden Diesel-Fahrzeuge angeboten. Mir ist auch nicht ganz klar, wie viel teurer eine wirkungsvolle Filtration w&auml;re. Ein gr&ouml;&szlig;erer AdBlue-Tank schl&auml;gt mit 80 Euro zu Buche, eine AdBlue-Einspritzung kostet mit allen Extras bei einer Nachr&uuml;stung rund 1.500 Euro. Das ist viel Geld, aber auch nicht so viel, dass es unvorstellbar w&auml;re.<\/em><\/p>\n<p><em>Und nun komme ich mit einer &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo;. Ihnen ist ja sicher bekannt, dass die verabschiedeten CO2-Einsparungen in der Automobilbranche &uuml;ber den Flottenverbrauch bemessen werden. Wer den nicht senkt, muss k&uuml;nftig richtig hohe Strafen bezahlen. Ein h&ouml;herer Marktanteil von Diesel-Fahrzeugen halt, den Flottenverbrauch zu senken. Daher versucht man offenbar, Diesel-Fahrzeuge in neue Marktsegmente zu dr&uuml;cken und in den klassischen Marktsegmenten den Diesel-Marktanteil (auch) &uuml;ber den Preis zu erh&ouml;hen. Offenbar kalkuliert man dabei so knapp, dass die Abgasreinigung auf der Strecke bleibt. Oder um es zynisch zu sagen: Um den Strafen f&uuml;r mangelnde C02-Einsparungen aus dem Weg zu gehen, nimmt man h&ouml;here NOX-Emmisionnen in Kauf.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><\/li>\n<p><strong>Dass Nachbesserungen in gro&szlig;er Menge nicht gleichbedeutend mit hohen Kosten sind, erkl&auml;rt unser Leser M. E.<\/strong><\/p>\n<li><strong>M. E.: Kleine Anmerkung zum Softwareupdate der Autobauer<\/strong>\n<p>Hallo Nachdenkseiten,<\/p>\n<p>eine kleine Anmerkung zum Softwareupdate der Autobauer: In allen Zeitungen, auf allen Newswebseiten und in allen Nachrichtensendungen ist zurzeit zu lesen, wie viele Millionen Autos mit einem Update versorgt werden m&uuml;ssen. Als w&uuml;rde das irgendeine Rolle spielen. Wie lange dauert es dieses Update zu programmieren? Ich (selbst Programmierer) bin gro&szlig;z&uuml;gig und sage, dass ein Programmierer einen Monat daran arbeitet. Dieser Programmierer kostet seinem Arbeitgeber mit allem Drum und Dran maximal 7.000 Euro im Monat. Danach muss die neue Software getestet werden. Dies passiert i. d. R. zwar automatisch, aber tun wir mal so, als s&auml;&szlig;e da ein menschlicher Tester, der mit dem neuen Update ebenfalls ein Monat besch&auml;ftigt ist.<\/p>\n<p>Der Tester soll nicht hungern und es ist ein Spezialist, also kostet er ebenfalls 7.000 Euro im Monat. Wie kommt das Update nun zum Auto? Es wird auf einen Server gelegt! Moderne Autos (nicht nur der Oberklasse) m&uuml;ssen nicht mehr in die Werkstatt, um ein Update zu bekommen. Moderne Autos h&auml;ngen am Internet und holen ihre Updates automatisch vom Hersteller ab.<\/p>\n<p>Wenn das Update fertig ist und auf dem Server des Herstellers zum Download bereitsteht, welche Rolle spielt jetzt noch die Anzahl der Autos, die das Update bekommen sollen? Ob es von 10 Autos oder von 10 Mio. Autos heruntergeladen wird, egal.<\/p>\n<p>Die Kosten bleiben ann&auml;hernd gleich: Die Software wird nur 1x programmiert und nicht f&uuml;r jedes Auto immer wieder neu. Gut m&ouml;glich, dass dieses Update inkl. Ausrollung auf alle Fahrzeuge VW nicht mehr als 20.000 Euro kostet. Aber nat&uuml;rlich klingt es nach sehr viel mehr, wenn man in den Artikeln, Berichten und Blogs immer wieder die 8 Mio. Fahrzeuge betont, an die VW &amp; Co. jetzt handanlegen m&uuml;ssen.<\/p><\/li>\n<p><strong>Unser Leser Johannes Molitor wendet ein, dass Panik nicht weiter f&uuml;hrt, und kommt zum Fazit, dass die L&ouml;sung einstweilen Wasserstoff hei&szlig;t.<\/strong><\/p>\n<li><strong>Johannes Molitor: Kommentar zum Artikel &ldquo;Abgas-Anarchie&rdquo;<\/strong>\n<p>Sehr geehrte Redaktion,<\/p>\n<p>die Interessen am Thema sind vielf&auml;ltig und werden im Moment leider vielfach mit manipulativer Stimmungsmache diskutiert.<\/p>\n<p>Dass sie als seri&ouml;se Internetseite hier den rei&szlig;erischen Titel &bdquo;Abgas -Anarchie&ldquo; gew&auml;hlt haben, stimmt mich traurig. Schade. Eine Sau wird halt immer durchs Dorf getrieben und diese magere Sau lenkt von den ganz fetten ab. Unsere kollabierende Gesellschaft an diesem Thema festzumachen bringt uns keinen Deut weiter.<\/p>\n<p>Rational w&auml;re zu berichten:<\/p>\n<p>1. Abgasemissionen eines gebauten Fahrzeuges auf der Stra&szlig;e h&auml;ngen im Wesentlichen von der Gaspedalstellung ab und entsprechen logischerweise nicht den Ergebnissen der Typgenehmigung. Also jeder Fahrer kann individuell zu saubereren Luft beitragen.<\/p>\n<p>2. Die Ingenieurwissenschaft hat vor langer Zeit schon Kraftstoff entwickelt, der bei gleicher Diesel-Motorentechnik sauberere Abgase hinterl&auml;sst. Juckt keinen. Beispiel: &rdquo;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20090219143619\/http:\/\/www.shell.com\/static\/shellgasandpower-en\/downloads\/what_is_gas_to_liquids\/gtl_automotive_factsheet.pdf\">Gas to Liquids for Automotive Fuel<\/a>&rdquo; <\/p>\n<p>3. Nachhaltig bedeutet, die Ressourcen in der Produktion (diese Maschinen m&uuml;ssen auch mit Ressourcen hergestellt werden, die ganz sicher vom Planeten Erde stammen) und die produzierten Fahrzeuge m&ouml;glichst lang zu nutzen. Die Forderung nach vorzeitigem Wegwerfen (Verschrotten) ist geradezu zynisch.<\/p>\n<p>4. In der ganzen Diskussion geht es bisher um Autos. Demn&auml;chst um LKWs, dann um Bau- und Landmaschinen. Wie ersetzt man 800 PS Diesel-Maschinen durch eine andere Antriebstechnik? Oberleitungen im Feld?<\/p>\n<p>5. Alternativtechnik: Es gibt Wasserstoff. Dezentral herzustellen, jedes Windrad k&ouml;nnte es und jeder Benzin-Hubkolbenmotor k&ouml;nnte den Wasserstoff sofort verbrennen. Brachte BMW schon Anfang der 90er Jahre. Wurde abgelehnt mangels Infrastruktur. Die Alternativtechnik soll nun elektrisch sein mit Batterie. Zuk&uuml;nftige Kriege gehen dann nicht mehr um Erd&ouml;l, sondern um Batterierohstoffe.<\/p>\n<p>Fazit: Die einzige wirkliche Alternative ist Wasserstoff. Die heutige Motorentechnik muss weitergenutzt werden mit optimiertem Kraftstoff. Ein Euro 5 und -6 Diesel-Fahrzeug bekommt meinen K&ouml;rper aus eigner Erfahrungen besser als ein Ethanol Auto in Brasilien oder was auch sonst so auf s&uuml;damerikanischen oder afrikanischen Stra&szlig;en f&auml;hrt.<\/p>\n<p>Also bitte Angst- und Panikmodus aus und rational &uuml;berlegen, was wirklich die n&auml;chsten Schritte w&auml;ren.<\/p>\n<p>Andernfalls kommt etwas <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170805_Abgas-Traktor.jpg\">wie auf dem Bild<\/a> zu sehen heraus &ndash; ein batterieelektrisch angetriebener Traktor, maximale Fahrzeit 30 Minuten (Beispiel von einer Konferenz). Die Menschheit hatte kreative Phasen, die Menschheit hatte zerst&ouml;rerische Phasen, zur Zeit sind wir in der Demenzphase.<\/p>\n<p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nJohannes Molitor<\/p><\/li>\n<p><strong>Unsere Leserin Sabine Boersma richtet den Blick auf die Verluste der vielen Diesel-Fahrzeughalter.<\/strong><\/p>\n<li><strong>Sabine Boersma: Abgas Anarchie<\/strong><br>\nSehr geehrter Herr Berger,\n<p>mit gro&szlig;em Interesse habe ich heute Ihren Beitrag zum sogenannten &ldquo;Diesel Gipfel&rdquo; gelesen.<\/p>\n<p>Ich gebe zu, dass ich mich aus diesem Anlass nun erstmalig mit der Verordnung (EG) Nr. 715 \/2007 besch&auml;ftige.  <\/p>\n<p>Vor allem Ihre Darstellung der realen Abgasemissionen von Diesel-PKW in verschiedenen Schadstoffklassen (3 bis 6) hat mich nachdenklich gemacht.<\/p>\n<p>In verschiedenen Beitr&auml;gen der Mainstream-Medien zum Ergebnis des &ldquo;Diesel Gipfels&rdquo; wird nun &uuml;ber die m&ouml;gliche L&ouml;sung einer Schadstoffreduzierung mittels Update der Betriebssoftware f&uuml;r Euro 5 und Euro 6 Fahrzeuge von BMW, Daimler und VW philosophiert.<\/p>\n<p>Das bedeutet, hier werden zuk&uuml;nftig Fahrzeuge in die Werkst&auml;tten zur&uuml;ckgerufen, welche nach meinem Verst&auml;ndnis maximal 12 Monate alt sind und nur die Typen von VW, Daimler und BMW.<\/p>\n<p>Wie Sie in Ihrem Beitrag allerdings richtig feststellen, betrifft das Problem aber alle Fahrzeugtypen von allen Marken mit Dieselmotor, die in Deutschland zugelassen wurden und werden. Weiterhin auch die &auml;lteren Fahrzeuge, welche mit Euro 3 und Euro 4 Norm zugelassen wurden.<\/p>\n<p>Herr M&uuml;ller von VW betonte w&auml;hrend einer Pressekonferenz, dass er sich mit einem Update f&uuml;r &auml;ltere Fahrzeuge nicht belasten m&ouml;chte, sondern lieber nach vorne schaue. Aber was bedeutet eigentlich &auml;ltere Fahrzeuge? Wir haben uns im Juni 2015 einen fabrikneuen Fiat Ducato (Wohnmobil) gekauft. Dieses Fahrzeug ist auch mit der Euro 4 Norm zugelassen.  <\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich finde ich das im Nachhinein erstaunlich, denn unser PKW Typ SEAT IBIZA mit Baujahr 2010 (&uuml;brigens mit Schummelsoftware) ist auch mit der Euro 4 Norm zugelassen.<\/p>\n<p>Nun bin ich heute sehr aufmerksam &uuml;ber die Parkpl&auml;tze unserer Discounter, Superm&auml;rkte und Einkaufsstra&szlig;en gelaufen und konnte bei allen abgestellten Diesel-Fahrzeugen, auch neueren Typs, fast ausschlie&szlig;lich nur gr&uuml;ne Plaketten (Euro 4) entdecken.<\/p>\n<p>Das Urteil des Verwaltungsgerichtes in Stuttgart begr&uuml;&szlig;e ich. Eventuelle Fahrverbote in Ballungszentren m&uuml;ssen wir hierf&uuml;r in Kauf nehmen, das bedeutet, ich werde diese m&ouml;glichst meiden. <\/p>\n<p>F&uuml;r mich bedeutet diese Entwicklung weiterhin, dass ich mit einer Euro-4-Zulassung im Besitz zweier Fahrzeuge bin, die Politik und Autoindustrie heute schon als abgeschrieben beurteilen. Der finanzielle Schaden f&uuml;r mich ist enorm, vor allem weil diese Diesel- Fahrzeuge im Wert rapide fallen werden und in der Zukunft gar nicht oder nur schwer verk&auml;uflich sind, bzw. Autoh&auml;user diese nicht in Zahlung nehmen werden.  <\/p>\n<p>Wenn ich nun hochrechne, wie viele Fahrzeugbesitzer auch diese Probleme haben werden, bin ich ersch&uuml;ttert, wie kurzsichtig und lobbylastig unsere Politiker mit dieser Thematik umgehen. Ein wiederholter Beweis, dass die derzeitige Bundesregierung den Verbraucherschutz ihrer B&uuml;rger mit den F&uuml;&szlig;en tritt. <\/p>\n<p>Mit freundlichem Gru&szlig;<br>\nSabine Boersma<\/p>\n<p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong> Liebe Frau Boersma,<\/em><\/p>\n<p><em>ich verstehe nicht ganz, was Sie mit &bdquo;nur gr&uuml;ne Plaketten&ldquo; meinen. Gibt es denn &bdquo;bessere&ldquo; Plaketten? Ich fahre selbst einen Euro-6-Diesel und habe auch &bdquo;nur&ldquo; eine gr&uuml;ne Plakette. Zu den &bdquo;&auml;lteren&ldquo; Wagen kann ich allerdings was sagen: Ein wenig untergegangen ist, dass die Autobauer beim Dieselgipfel auch zugesagt haben, Besitzern &auml;lterer Diesel &bdquo;finanzielle Anreize&ldquo; zu bieten, wenn sie sich einen neuen Diesel kaufen. Also ein Art &bdquo;Abwrackpr&auml;mie&ldquo; f&uuml;r Diesel, bezahlt von der Industrie. Wenn man die &uuml;blichen Rabatte bei Neuwagen kennt, ahnt man nat&uuml;rlich schon, dass dieses &bdquo;Angebot&ldquo; die Konzerne nichts kosten wird. Ob so was die Gerichte beeindrucken wird, ist aber eher unwahrscheinlich.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Ihre Sorgen teile ich &uuml;brigens auch aus dem Grund, da die angedachten &bdquo;L&ouml;sungen&ldquo; alles andere als sozial ausgewogen sind. Besitzer sehr alter Diesel-PKW k&ouml;nnen sich halt in den seltensten F&auml;llen mal flugs einen neuen Diesel eines deutschen Premiumherstellers leisten.<\/em><\/p>\n<p><em>beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><\/li>\n<p><strong>Mehrfach wurden wir darauf hingewiesen, dass die rigorose Missachtung von Gesetzen die Anomie kennzeichne, nicht die Anarchie. Folgend erl&auml;utert durch unseren Leser Matthias Mansfeld.<\/strong><\/p>\n<li><strong>Matthias Mansfeld: Abgas-&ldquo;Anarchie&rdquo;..<\/strong>\n<p>Liebes NDS-Team, lieber Herr Berger,<\/p>\n<p>Bitte etwas achtsamer mit der Verwendung von plakativen Schlagworten verfahren. &Uuml;berschrift: &ldquo;Abgas-Anarchie&rdquo;. Bitte benutzen Sie den Begriff &ldquo;Anarchie&rdquo; nicht als Synonym f&uuml;r das negative &ldquo;Chaos v&ouml;lliger Regellosigkeit&rdquo;. Daf&uuml;r gibt es einen eigenen Begriff, n&auml;mlich Anomie.<\/p>\n<p>Anarchie beschreibt eigentlich ein interessantes m&ouml;glicherweise tats&auml;chlich zukunftsweisendes Gesellschaftsmodell und sollte eben genau deswegen NICHT auf die  gutb&uuml;rgerlich-mainstreamm&auml;&szlig;ige Definition des Chaos reduziert werden, auch wenn der Duden typisch deutsch v. a. diese Deutung vorschl&auml;gt.<\/p>\n<p>Ich befasse mich schon l&auml;nger mit Anarchie, Anarchismus und Anarchisten und finde, dass mit dieser Verwendung des Begriffes synonym zu &ldquo;Chaos&rdquo; vielen Menschen einfach ins Gesicht geschlagen wird; diese Synonymsetzung ist einfach falsch. Die R&auml;terepubliken nach dem 1. WK, Menschen und Vordenker wie Bakunin, Kropotkin, Emma Goldman, M&uuml;hsam, Toller, Eisner etc., oder auch ein Murray Bookchin; weiter die Menschen von Kronstadt, die Anarchisten aus allen L&auml;ndern, die im spanischen B&uuml;rgerkrieg gegen Franco gek&auml;mpft haben, die Zapatisten in Mexiko, die Kurden, die zum Entsetzen der Feudalherren und der Geostrategen rundherum unter massivem Beschuss versuchen, in Rojava ein basisdemokratisches offenes Gesellschaftsmodell zu verwirklichen. All diesen historischen und jetzt existierenden Versuchen und den Menschen dahinter schl&auml;gt man mit dieser Nutzung von &ldquo;Anarchie&rdquo; einfach ins Gesicht.<\/p>\n<p>Vielen Dank f&uuml;r hink&uuml;nftig etwas achtsameren, korrekten Umgang mit solchen Begriffen &ndash; auch DAS ist Meinungsmache.<\/p>\n<p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nMatthias Mansfeld<\/p>\n<p><em><strong>Anmerkung Jens Berger:<\/strong> Herr Mansfeld und viele andere Leser, die die bem&auml;ngelten haben nat&uuml;rlich Recht. Die Umgangssprache ist nicht immer die beste L&ouml;sung, wenn es um wissenschaftlich korrekte Ausdrucksweise geht.<\/em><\/p><\/li>\n<p><strong>Zu guter Letzt erinnert unserer Leser Andreas Chowanetz  daran, dass Sprachmanipulationen nicht &uuml;bernommen werden sollten.<\/strong><\/p>\n<li><strong>Andreas Chowanetz: Abgas-Anarchie von Jens Berger vom 03.08.2017<\/strong>\n<p>Lieber Herr Berger,<\/p>\n<p>sie schreiben: &ldquo;Bei all dem Trubel um VW, Schummelsoftware &hellip;&rdquo;<\/p>\n<p>BITTE MIT &ldquo;NEUSPRECH&rdquo; AUFH&Ouml;REN!<\/p>\n<p>Noch immer wird der &ldquo;Neusprech&rdquo; der Lohnschreiber unserer &ldquo;Qualit&auml;tsmedien&rdquo; verwendet und von Schummeln gesprochen. Geschummelt wird von ungezogenen Kindern beim Brettspiel. Und hier gew&ouml;hnen wir es ihnen in der Regel konsequent ab. Wir treffen hier auf Betrug mit kaum &uuml;berbietbarer krimineller Energie! <\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nAndreas Chowanetz<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema &bdquo;Dieselgipfel&ldquo; war das Thema der Woche und auch unsere Leser interessiert dieses Thema sehr. So war es auch kaum verwunderlich, dass der Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39470\">Abgas-Anarchie<\/a>&ldquo; ein breites Feedback von unseren Lesern bekam. 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