{"id":39508,"date":"2017-08-06T11:30:37","date_gmt":"2017-08-06T09:30:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39508"},"modified":"2017-08-18T10:57:40","modified_gmt":"2017-08-18T08:57:40","slug":"zur-zukunft-der-europaeischen-union-deutsche-debatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39508","title":{"rendered":"Zur Zukunft der Europ\u00e4ischen Union: Deutsche Debatten"},"content":{"rendered":"<p>Zur Zukunft der Europ&auml;ischen Union f&uuml;hren Politik und Leitmedien in Deutschland Diskurse &uuml;ber die Ursachen des Auseinanderdriftens der Staatengemeinschaft. Als Hauptursachen registriert und analysiert werden neoliberale Dominanz mit vor allem von der deutschen Regierung gepr&auml;gter restriktiver Finanzpolitik, Globalisierungs&auml;ngste mit St&auml;rkung rechtspopulistischer bis rechtsextremistischer Kr&auml;fte, auch durch Versagen der Sozialdemokratie, sowie Umbruch internationaler Konstellationen. Zur Therapie werden L&ouml;sungen vorgeschlagen, die sich entweder bereits als wirkungslos erwiesen haben (Europa verschiedener Geschwindigkeiten\/Kerneuropa) oder aber als R&uuml;ckfall in die Zeiten des Kalten Krieges brandgef&auml;hrlich sind (Milit&auml;rische St&auml;rke, sogar v&ouml;lkerrechtswidrig mit deutschen Atomwaffen). Notwendig sind jedoch mutige politische Entscheidungen, die sich endlich an die Beseitigung von Ursachen der Krisen in Europa und weltweit wagen. Ein dokumentarischer Beitrag[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39508#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] von <strong>Peter Munkelt<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3908\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39508-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170808__Zur_Zukunft_der_Europaeischen_Union_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170808__Zur_Zukunft_der_Europaeischen_Union_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170808__Zur_Zukunft_der_Europaeischen_Union_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170808__Zur_Zukunft_der_Europaeischen_Union_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39508-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170808__Zur_Zukunft_der_Europaeischen_Union_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170808__Zur_Zukunft_der_Europaeischen_Union_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Situation<\/strong><\/p><p>Der Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Kommission, Jean-Claude Juncker, zog im September 2016 in seiner j&auml;hrlichen Rede vor dem Europ&auml;ischen Parlament zur Lage der Union, unter dem Eindruck der Entscheidung Gro&szlig;britanniens, die EU zu verlassen, diese Bilanz:<\/p><blockquote><p>\n<em>Lassen Sie uns eine ganz ehrliche Diagnose stellen. Unsere Europ&auml;ische Union befindet sich &ndash; zumindest teilweise &ndash; in einer existenziellen Krise.<\/em><br>\n[Rede zur Lage der Union 2016, Luxemburg: Amt f&uuml;r Ver&ouml;ffentlichungen der Europ&auml;ischen Union,<br>\n2016, S. 6]\n<\/p><\/blockquote><p>Martin Schulz, Pr&auml;sident des Europ&auml;ischen Parlaments bis Januar 2017, warnte:<\/p><blockquote><p>\n<em>Ja, die EU kann scheitern. Wenn wir nicht aufpassen, f&auml;llt sie auseinander.2<\/em><br>\n[Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 18.9.2016]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Nur vier Monate sp&auml;ter ist f&uuml;r die Wochenzeitung DIE ZEIT aus der existenziellen Krise bereits ein &Uuml;berlebenskampf geworden.<\/em><br>\n[Ulrich Ladurner: Der Brexit wird existenziell f&uuml;r die EU, Zeit Online, 17.1.2017; italienischer Journalist, arbeitet in Deutschland]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Versch&auml;rft habe sich die Lage durch den Gl&uuml;ckwunsch Donald Trumps noch vor Amtsantritt f&uuml;r die Britten nach ihrer Entscheidung gegen die EU und seiner Prognose: Es werden weitere L&auml;nder austreten.4<\/em><br>\n[Interview mit Bild-Zeitung und The Times, Bild, 16.1.2017]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Die ZEIT dazu: Seitdem denken nicht wenige in Br&uuml;ssel, dass Trump die EU zerst&ouml;ren will.<\/em><br>\n[Ulrich Ladumer: Der Brexit &hellip;]\n<\/p><\/blockquote><p>Die Tageszeitung DIE WELT l&auml;utete bereits mit der Totenglocke:<\/p><blockquote><p>\n<em>Diese EU ist in Teilen dysfunktional und im Kern nicht mehr reformf&auml;hig. Sie hat ausgedient. Sie muss neu aufgebaut werden. Sie muss deutlich kleiner, effizienter und wettbewerbsorientierter werden.<\/em><br>\n[Christoph B. Schiltz: Diese EU hat ausgedient, Leitartikel, Die Welt, 3.2.2017; im Br&uuml;sseler B&uuml;ro]\n<\/p><\/blockquote><p>Joschka Fischer, Bundesau&szlig;enminister und Vizekanzler von 1998 bis 2005 in der Koalitionsregierung von SPD und Gr&uuml;nen, blickte bereits &uuml;ber Europa hinaus in einen globaleren Abgrund: <\/p><blockquote><p>\n<em>Europa (..) ist (&hellip;) viel zu schwach und zu zerrissen. Und so wird die westliche Welt, wie wir sie kannten, vor unseren Augen versinken.<\/em><br>\n[Joschka Fischer: Das Ende des Westens, Au&szlig;enansicht, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 12.12.2016]\n<\/p><\/blockquote><p>Beschrieben werden die Krisen von Medien, die &ouml;ffentliche Diskussionen pr&auml;gen, aber auch von Politikern sozusagen als Schicksalsschl&auml;ge wie Naturgewalten: <\/p><blockquote><p>\n<em>In der Tat befindet sich die EU seit nunmehr acht Jahren im permanenten Krisenmodus &ndash; von der Euro- und Fl&uuml;chtlingskrise &uuml;ber den Umgang mit Russland in der Ukraine und Syrien bis hin zum Brexit-Votum und den Verhandlungen &uuml;ber gro&szlig;e Handelsvertr&auml;ge wie Ceta und TTIP.<\/em><br>\n[Oliver Geden, Nicolai von Ondarza: Jetzt gilt es f&uuml;r Europa, Zeit Online, 14.1.2017; Leiter und der Stellvertreter der Forschungsgruppe EU\/Europa der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Jetzt fallen Kriege und Krisen mit der T&uuml;r ins Haus, erzeugen V&ouml;lkerwanderungen<\/em><br>\n[Michael St&uuml;rmer: Illusionen von Sicherheit, Die Welt, 16.11.2016; Historiker und Journalist, 1980-86 au&szlig;enpolitischer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl]\n<\/p><\/blockquote><p>Sogar Politiker, trotz Gestaltungsmacht, pr&auml;sentieren sich, als ob sie h&ouml;heren Gewalten ausgesetzt seien: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Krisen und Konflikte st&uuml;rmen mit unheimlicher Dichte und Wucht auf uns ein. Das gilt mit Blick auf Syrien, Jemen, Libyen, Irak oder Afghanistan. Unruhig sind die Zeiten aber auch bei uns in Europa.<\/em><br>\n[Frank-Walter Steinmeier, Sebastian Kurz, Paolo Gentiloni: Eine starke OSZE f&uuml;r ein sicheres Europa, Fremde Federn, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.12.2016; Au&szlig;enminister Deutschlands, &Ouml;sterreichs und Italiens]\n<\/p><\/blockquote><p>Bei solchen Deutungen k&ouml;nnen die Ursachen von Krisen und Konflikten im Nebel bleiben. <\/p><p>Dabei hat Steinmeier als Chef des Bundeskanzleramtes erlebt und wohl auch mitgepr&auml;gt, wie viel eigener Spielraum bei einer Entscheidung selbst des m&auml;chtigsten Verb&uuml;ndeten noch m&ouml;glich bleibt, als Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der 2002\/03 Nein zum v&ouml;lkerrechtswidrigen Irak-Krieg der USA mit Gro&szlig;britannien samt ihrer &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; sagte:<\/p><blockquote><p>\nEs bleibt dabei: Deutschland beteiligt sich nicht an diesem Krieg. (&hellip;) Ich sagte, es ist eine falsche Entscheidung getroffen worden. Dies ist unsere &Uuml;berzeugung, die klar ausgesprochen werden muss.<br>\n[Fernsehansprache am 20.3.2003, Bulletin der Bundesregierung, Nr. 25-1]\n<\/p><\/blockquote><p>Selbstbewusste Au&szlig;enpolitik bewies die Bundesregierung auch unter Au&szlig;enminister Steinmeier, als sie bei den Auseinandersetzungen in der Ukraine die F&uuml;hrung im Konfliktmanagement &uuml;bernahm.<\/p><p>Krisen fallen in der vermittelten Meinungsbildung nicht nur schicksalhaft vom Himmel, sie werden am liebsten mit nahezu tagesaktueller Deutung beschrieben und kommentiert. Dank solcher Verk&uuml;rzung kann die Genese von Konflikten ausgeklammert, zumindest vernachl&auml;ssigt werden. <\/p><p>Als weitere &bdquo;Ph&auml;nomene&ldquo; in der neueren Entwicklung der EU und Europas insgesamt werden nationalkonservative bis rechtspopulistische Wahlerfolge sowie Renationalisierung zu Lasten gemeinschaftlicher Politik der Union registriert.<\/p><p>Wichtiger als solche Ph&auml;nomenologie der Symptome ist jedoch die Erforschung der Ursachen. Analysen haben als Hauptursachen neoliberale Dominanz, damit verbundene Sparpolitik und Globalisierungs&auml;ngste, Versagen der Sozialdemokratie und  Umbruch internationaler Konstellationen herausgearbeitet. <\/p><p><strong>Ursache: Neoliberale Dominanz<\/strong><\/p><p>Als eine der entscheidenden Ursachen f&uuml;r die ansteigende Krisenanf&auml;lligkeit von Wirtschaftsordnung, gesellschaftlichem Zusammenhalt, Demokratieverst&auml;ndnis,<br>\nAkzeptanz politischer und &ouml;konomischer Eliten wird inzwischen die lang andauernde Vorherrschaft des Neoliberalismus gesehen. Diese Erkenntnis reicht bis in die h&ouml;chsten Kreise einstiger Propagandisten neoliberaler Ideologie:<\/p><blockquote><p>\n<em>Brutst&auml;tten des sogenannten Neoliberalismus mutieren zu Zentren der Kapitalismuskritik. Wer h&auml;tte sich noch vor wenigen Jahren vorstellen k&ouml;nnen, dass der Internationale W&auml;hrungsfonds, der f&uuml;r seine neoliberalen Sanierungsagenden vielfach kritisiert wurde, zu mehr Staatsverschuldung und Stimulierung der Nachfrage aufruft?<\/em><br>\n[Julian Nida-R&uuml;melin: Ungleich ist nicht immer ungerecht, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2016; Professor f&uuml;r Philosophie und Politische Theorie an der Universit&auml;t M&uuml;nchen, Kulturstaatssekret&auml;r im ersten Kabinett von Bundeskanzler Schr&ouml;der]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Neoliberal war einmal, Immer mehr internationale Organisationen sorgen sich um die Ungleichheit, Eine L&ouml;sung: h&ouml;here Steuern f&uuml;r Reiche<\/em><br>\n[S&uuml;ddeutsche Zeitung, 11.4.2017]\n<\/p><\/blockquote><p>Aber nicht etwa Erkenntnisgewinn oder moralische Skrupel h&auml;tten diesen Umschwung bewirkt, sondern schlichtweg Angst: <\/p><blockquote><p>\n<em>Die Rechtspopulisten haben geschafft, was linken Politikern und Publizisten seit Jahren nicht gelungen ist: Die Elite debattiert &uuml;ber Ungleichheit. Nicht aus Anstand &ndash; sondern aus Angst. (&hellip;) Die Rechten verderben den Eliten den ganzen Spa&szlig; am Kapitalismus. Und auch wenn jetzt viel &uuml;ber die kulturellen Wurzeln der rechten Revolution ger&auml;tselt wird (&hellip;) in Wahrheit wei&szlig; jeder, dass die Ursachen auch &ouml;konomische sind.<\/em><br>\n[Jakob Augstein: Debatte &uuml;ber Ungleichheit, Liberale L&uuml;gen, Kolumne, Spiegel Online, 29.12.2016]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Ursache: Sparpolitik<\/strong><\/p><p>Deutschland gelang es, als st&auml;rkste &ouml;konomische Kraft in der EU und in Europa insgesamt die finanzpolitische Richtung vorzugeben und teils brachial durchzusetzen. <\/p><blockquote><p>\n<em>Allerdings hat die Merkel-Regierung seit Anfang der Eurokrise derart massiv versucht, im Namen der &bdquo;Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; deutsche Vorstellungen im Rest Europas durchzusetzen, dass der deutsche Neoliberalismus noch radikaler erscheint &ndash; und damit nicht &bdquo;weicher&ldquo; sondern sogar &bdquo;h&auml;rter&ldquo; &ndash; als der angels&auml;chsische.<\/em><br>\n[Hans Kudnani: Der deutsche Neoliberalismus und die Krise Europas, Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik, 9\/2016, S. 75-84, hier S. 76; Journalist und Philosoph, Senior Transatlantic Fellow beim German Marshall Fund und Fellow am Institute for German Studies der Universit&auml;t Birmingham]\n<\/p><\/blockquote><p>Opfer sind vor allem s&uuml;deurop&auml;ische L&auml;nder. Der Preis der aufgezwungenen rigorosen Sparvorschriften war f&uuml;r weite Teile der Bev&ouml;lkerung hoch. Ihnen wurden sinkende L&ouml;hne, Rentenk&uuml;rzungen, trotzdem steigende Abgaben aufgeb&uuml;rdet.<\/p><p>Die absehbaren Folgen:<\/p><blockquote><p>\n<em>Ohne Wiederherstellung monet&auml;rer Handlungsf&auml;higkeit auf nationaler Ebene oder, alternativ, die Einwilligung des Nordens in eine Umverteilung zugunsten des S&uuml;dens wird die Verwandlung des Mittelmeerraums in ein Armenhaus weitergehen, mit den sich l&auml;ngst abzeichnenden, die europ&auml;ischen V&ouml;lker katastrophal spaltenden Folgen. Ob &bdquo;Europa&ldquo; dann schon tot sein oder noch im Koma liegen wird, wird dann niemanden mehr interessieren.<\/em><br>\n[Wolfgang Streeck: Wenn die EU untergeht, wird keiner weinen, ZEIT Online, 27.10.2016; Soziologe, bis 2014 Direktor des Max-Planck-Instituts f&uuml;r Gesellschaftsforschung in K&ouml;ln]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Ursache: Globalisierungs&auml;ngste<\/strong><\/p><p>Hierzu eine Auswahl aus der F&uuml;lle j&uuml;ngerer Bilanzen: <\/p><blockquote><p>\n<em>Dazu kommt die Globalisierung, die das Tempo erh&ouml;ht und beruhigende Gewissheiten wie die lebenslange sozialversicherte Vollzeitstelle angreift, Ab der Jahrtausendwende verzichteten die Arbeitnehmer jahrelang auf nennenswerte Lohnsteigerungen. Sie feuerten so die Exporte an. (&hellip;) Dazu kam auch noch die Finanzkrise, die eine groteske Umverteilung manifestierte. Die Banken sch&uuml;tteten Milliarden an Boni f&uuml;r Gesch&auml;fte aus, deretwegen sie anschlie&szlig;end der Steuerzahler retten musste. &Ouml;konomen beziffern die Kosten nur f&uuml;r den Bundeshaushalt allein in den ersten zwei Jahren auf 200 Milliarden Euro oder 2500 Euro pro B&uuml;rger.<\/em><br>\n[Alexander Hagel&uuml;ken: Das gespaltene Land, Wie Ungleichheit unsere Gesellschaft zerst&ouml;rt &ndash; und was die Politik &auml;ndern muss, M&uuml;nchen: Knaur, 2017, S. 126; Leitender Redakteur der S&uuml;ddeutschen Zeitung, f&uuml;r Wirtschaftspolitik zust&auml;ndig]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Die Angst vor der Globalisierung spielt beim Erfolg von rechtspopulistischen Parteien in Europa (&hellip;) die entscheidende Rolle.<\/em><br>\n<em>Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.<\/em><br>\n[Zeit Online, 30.11.2016]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Die Revolte der Abgeh&auml;ngten an den Wahlurnen wird anhalten. Die Verlierer der Globalisierung und mit ihnen viele, die dieses Schicksal f&uuml;rchten, sie stellen die Systemfrage.<\/em><br>\n[Harald Schumann: Nur die Sozialdemokratie kann Europa vor den Nationalisten retten, Der Tagesspiegel, 26.11.2016; Redakteur dieser Zeitung und Autor]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Revolte gegen die Globalisierung<\/em><br>\n[Peter Bofinger: Entsch&auml;digt die Verlierer der Globalisierung!, Die Zeit, Nr. 51, 8.12.2016; Professor f&uuml;r Volkswirtschaftlehre an der Universit&auml;t W&uuml;rzburg, dienst&auml;ltestes Mitglied des Sachverst&auml;ndigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Auf der ganzen Welt formieren sich die Abgeh&auml;ngten des globalen Kapitalismus zum Widerstand. Es ist die rechte Revolution, die diesem Widerstand eine politische Stimme gibt &ndash; eine Stimme der Wut und des Ressentiments.<\/em><br>\n[Jakob Augstein: SPD-Kanzlerkandidat Schulz, Und ob he can!, Spiegel Online, 9.2.2017; Journalist, Chefredakteur der Wochenzeitung der Freitag, Verleger, Autor]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Ursache: Versagen der Sozialdemokratie<\/strong><\/p><p>Sozialdemokratische Parteien haben als angebliches Modernisierungskonzept ihre traditionellen Positionen aufgegeben. Sie wollten sich als &bdquo;Neue Mitte&ldquo; neu aufstellen und einen &bdquo;Dritten Weg&ldquo; zwischen neoliberaler und klassischer sozialdemokratischer Orientierung verfolgen. Hierzu legte Anfang Juni 1999 Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der, bald nach seinem Amtsantritt Ende 1998, ein gemeinsames Papier mit dem britischen Premierminister Tony Blair (&bdquo;New Labour&ldquo;) vor, Titel: Der Weg nach vorne f&uuml;r Europas Sozialdemokraten\/ Europe: The Third Way.<\/p><p>Die Auswirkungen:<\/p><blockquote><p>\n<em>Unter Blair und Schr&ouml;der verwandelte sich die einstige Arbeiterpartei in eine Partei des Marktes. Es war die SPD, die in den 90er-Jahren die Finanzm&auml;rkte liberalisierte und den Hedgefonds den Weg bereitete. Die Sozialdemokraten senkten das Rentenniveau, erfanden die Riester-Rente und vermarktlichten so die Sozialpolitik. Vor allem aber schufen sie die Agenda 2010, welche die FAZ als &bdquo;die gr&ouml;&szlig;te K&uuml;rzung von Sozialleistungen seit 1949&ldquo;  bezeichnete. Angesichts dieser Programmatik muss sich niemand fragen, warum es Rechtspopulisten gelingt, die Verdrossenen und W&uuml;tenden f&uuml;r eine Politik der Abschottung und des Sozialprotektionismus zu mobilisieren: Links gibt es einfach keine glaubw&uuml;rdige und offensiv vertretene Perspektive.<\/em><br>\n[Catherine Hoffmann: Linke Politik, Aufwachen, bitte, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 30.12.2016; in der Wirtschaftsredaktion der SZ]\n<\/p><\/blockquote><p>In einstigen sozialdemokratischen und von sonstigen linken Kr&auml;ften dominierten Feldern <em>wildern<\/em> inzwischen <em>autorit&auml;re Nationalisten<\/em>:<\/p><blockquote><p>\n<em>Der Antikapitalismus ist heimatlos geworden und hat in der Xenophobie (von der die Arbeiterbewegung niemals frei war) seinen Auslauf gefunden. Wenn die Sozialisten einen nicht vor der Globalisierungskonkurrenz bewahren, will man die &bdquo;Ortsrente&ldquo; im reichen Europa mittels autorit&auml;rer Fremdenfeindlichkeit gesch&uuml;tzt wissen.<\/em><br>\n[Claus Leggewie: Die neue Machtperspektive, Gastkommentar, Handelsblatt, 6.2.2017; Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) in Essen, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltverbesserungen]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Ursache: Umbruch internationaler Konstellationen<\/strong><\/p><p>Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fasst zusammen, welche Bedrohungen die EU unter dem neuen amerikanischen Pr&auml;sidenten zu erwarten hat:<\/p><blockquote><p>\n<em>Es ist eine Zeitenwende &ndash; f&uuml;r die Vereinigten Staaten, f&uuml;r ihre Partner und Freunde, f&uuml;r die Welt. Und diese Wende sieht so aus: Die Atlantische Allianz wird f&uuml;r obsolet erkl&auml;rt &ndash; und gleichsam wird sie irgendwie, aber das bleibt unspezifiziert, f&uuml;r wichtig gehalten. Der Brexit wird bejubelt, die EU als Werkzeug der Deutschen bezeichnet und deren Gr&uuml;ndung als eine Art Komplott interpretiert, um Amerika im Handel zu schlagen. Dass Trump eine ganz spezielle Interpretation von Freihandel hat, bekommen jetzt auch die Deutschen in Gestalt der deutschen Autobauer zu sp&uuml;ren: Produziert bei uns, oder es setzt Strafz&ouml;lle! Der Boss straft, der Boss belohnt &ndash; ganz so wie im Feudalismus oder in autorit&auml;ren Regimen. <\/em><br>\n[Klaus-Dieter Frankenberger: Zeitenwende in Amerika, Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ.NET, 16.1.2017; verantwortlicher Redakteur f&uuml;r Au&szlig;enpolitik]\n<\/p><\/blockquote><p>Die F&auml;den f&uuml;r dieses Szenario w&uuml;rden l&auml;ngst in Moskau gezogen. Der neue Zar habe seine <em>Marionette<\/em> in der Hand, nachdem er ihn zum Wahltriumph verholfen hat:<\/p><blockquote><p>\n<em>Zwischen dem erstarkten Selbstbewusstsein Wladimir Putins als Trumps Mentor, der wachsenden Unberechenbarkeit der T&uuml;rkei und der anhaltendenden Terrorgefahr auch aufgrund der Dauerkrise in der EU-Nachbarschaft, sitzt Europa in der Klemme. Sp&auml;testen seit Bekanntwerden der russischen Beeinflussungsversuche w&auml;hrend der US-Wahlen und der Enth&uuml;llung der Existenz eines belastenden Trump-Dossiers, d&auml;mmert auch wohlwollenden Beobachtern, dass Trump ein Pr&auml;sident von Putins Gnaden ist und weithin zu einer Marionette des Kremls verkommen k&ouml;nnte.<\/em><br>\n[Thomas Hen&ouml;kl: EU nach Trump und Brexit, Ground Zero des Multilateralismus, Cicero, Magazin f&uuml;r Politische Kultur, Newsletter, 19.1.2017; Senior Researcher am Deutschen Institut f&uuml;r Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn und Associate Professor an der Universit&auml;t von Agder, Kristiansand in Norwegen]&nbsp;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Berthold Kohler argw&ouml;hnt in einem Kommentar:<\/p><blockquote><p>\n<em>Pr&auml;sident von Putins Gnaden? (&hellip;) Wenn es diese Operation tats&auml;chlich gab (die nicht ohne Billigung von oberster Stelle m&ouml;glich gewesen w&auml;re), dann m&uuml;ssten die russischen Geheimdienstler ihrem Herrn, der anders als Trump vom Fach ist, untert&auml;nigst zu seinem Coup gratulieren: Der Kreml bekam den amerikanischen Pr&auml;sidenten, den er sich w&uuml;nschte<\/em><br>\n[FAZ.NET, 8.1.2017]\n<\/p><\/blockquote><p>Bald nach Trumps Amts&uuml;bernahme warnte z.B. DIE WELT:<\/p><blockquote><p>\n<em>Der Beginn einer gef&auml;hrlichen Freundschaft (&hellip;) Jetzt w&auml;chst aus dieser Seelenverwandtschaft eine Freundschaft, die dem Rest der Welt nichts Gutes verhei&szlig;t.<\/em><br>\n[Julia Smirnova; Welt, N24.de, 29.1.2017; Korrespondentin]\n<\/p><\/blockquote><p>Solcher Spekulations-Journalismus setzt Bausteine wie in einer &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo;. Diesen Kampfbegriff benutzen Leitmedien gerne gegen kritischen Journalismus. Diesmal verfangen sie sich offensichtlich im selbstgekn&uuml;pften Netz. Inzwischen werden Kampagnen von meinungsbildenden Medien gestartet, bevor Belege und Ergebnisse eingeleiteter Untersuchungen vorliegen. Mangels Faktenlage wird mit Fragezeichen gearbeitet. Diese Technik war einst der Boulevard-Presse vorbehalten, bis zu Vorverurteilungen. Die Schmierenkom&ouml;dien in Serie des angeblich m&auml;chtigsten Mannes der Welt sollen nicht besch&ouml;nigt und verteidigt werden. Offensichtlich f&auml;rbt aber die Besch&auml;ftigung mit der Marionette auf die schreibenden Z&uuml;nftlinge ab.<\/p><p>DIE ZEIT kommt bei den bisher bekannt gewordenen Fakten zu dem Ergebnis:<\/p><blockquote><p>\n<em>Der US-Pr&auml;sident eine Marionette Moskaus? Belegen l&auml;sst sich dieser Vorwurf nicht. Doch seit den Hacks im Wahlkampf wird russischer Einfluss St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck sichtbarer. (&hellip;) Einen Beleg f&uuml;r eine unmittelbare Kooperation zwischen dem Team Trump und dem Kreml gibt es bisher nicht. Auch ist unklar, ob es direkte Kontakte zwischen Trump und der russischen Regierung w&auml;hrend dessen Kandidatur gab.<\/em><br>\n[Heike Buchter: Wie viel Einfluss hat Russland auf Trump?, Zeit Online, 10.3.2017; Auslandskorrespondentin im B&uuml;ro New York]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Reaktionen<\/strong><\/p><p>Politik, Medien, Wissenschaft reagieren mit diversen Vorschl&auml;gen zur Zukunft der Europ&auml;ischen Union und zur politischen Entwicklung in den Mitgliedsstaaten. Integrationsfortschritte der EU sollen in <em>verschiedenen Geschwindigkeiten<\/em> erfolgen, die selbsternannte Vorhut will als <em>Kerneuropa<\/em> agieren. Ein R&uuml;ckzug der USA aus Europa soll mit eigener milit&auml;rischer, sogar atomarer St&auml;rke beantwortet werden.<\/p><p><strong>Vorschlag: Verschiedene Geschwindigkeiten\/Kerneuropa<\/strong><\/p><p>Bundeskanzlerin Merkel spricht seit Ende Januar 2017 von <em>verschiedenen<\/em> oder <em>unterschiedlichen<\/em> Geschwindigkeiten beim Ausbau der EU. Aber<\/p><blockquote><p>\n<em>anders als Merkel suggeriert, ist die EU der verschiedenen Geschwindigkeiten nichts Neues. Immer wieder verst&auml;ndigten sich Staaten auf bedeutende Projekte, die nicht alle Mitglieder mittrugen. Das Schengener Abkommen ist so ein Fall und nat&uuml;rlich die Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion.<\/em><br>\n[Alexander M&uuml;hlauer: Europa, Tempo und Risiko, S&uuml;ddeutsche Zeitung, 8.3.2017; Europa-Korrespondent dieser Zeitung in Br&uuml;ssel]\n<\/p><\/blockquote><p>Was in Europa also l&auml;ngst Realit&auml;t ist, ist auch im politischen Diskurs in Deutschland nicht mehr originell. Der CDU-Europapolitiker Karl Lamers brauchte nur das Positionspapier hervor zu holen, das er im September 1994 mit Wolfgang Sch&auml;uble, damals Vorsitzender der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion, als Konzept eines Kerneuropas ausgearbeitet hatte: <\/p><blockquote><p>\n<em>Wenn eine Gruppe von L&auml;ndern, die mit einem ausreichenden Gewicht ausgestattet sind, eine gemeinsame Politik machen, dann engt sich der Spielraum der drau&szlig;en stehenden ein und er hat, der Kern, eine magnetische Wirkung. Und das war die Idee, die Wolfgang Sch&auml;uble und ich vor nunmehr ja, ich glaube, 21 Jahren in die Welt gebracht haben. Und es gibt ja schon Ans&auml;tze daf&uuml;r. Es gibt die verst&auml;rkte Zusammenarbeit, und wenn Sie so wollen, ist auch die W&auml;hrungsunion eine solche Kerngruppe.<\/em><br>\n[Interview mit dem Deutschlandfunk, 7.2.2017]\n<\/p><\/blockquote><p>Merkels angeblich aktueller Vorschlag &uuml;berzeugt schlie&szlig;lich auch deshalb nicht, weil er im Widerspruch zu ihrer praktizierten Politik steht: <\/p><blockquote><p>\nDie Kanzlerin h&auml;tte genug Zeit gehabt, die Vertiefung der Euro-Zone voranzutreiben. Sie hat es nicht getan. Merkel ist den Beweis schuldig geblieben, dass die W&auml;hrungsunion, das Paradeprojekt eines Europas verschiedener Geschwindigkeiten, funktioniert. Nun will sie es bei anderen Themen versuchen: Migration, Sicherheit, Verteidigung.<br>\n[Alexander M&uuml;hlauer: Europa &hellip;]\n<\/p><\/blockquote><p>Nach der Osterweiterung der EU ist dieser Plan vor allem den neuen Mitgliedern suspekt und bei ihnen diskreditiert:<\/p><blockquote><p>\n<em>Die Formel von den zwei Geschwindigkeiten ist mit der Vorstellung eines franz&ouml;sisch-deutschen Motors der EU verbunden, auch mit einem &bdquo;Kerneuropa&ldquo; (&hellip;) Als Frankreichs Pr&auml;sident Jacques Chirac vor nun bald 15 Jahren die neuen EU-Mitglieder &ouml;stlich Deutschlands einmal br&uuml;sk in die Schranken wies und verlangte, sie sollten erst einmal zuh&ouml;ren, statt Forderungen zu stellen &ndash; sp&auml;testens da war die Idee eines solchen Kerneuropas politisch tot.<\/em><br>\n[Torsten Krauel: Wie Merkel die EU zukunftsf&auml;hig machen will, Die Welt, welt.de, N 24, 9.2.2017; Chefkommentator]\n<\/p><\/blockquote><p>Vor den Auswirkungen dieses Vorschlags wird sogar gewarnt: <\/p><blockquote><p>\n<em>Merkels Mantra von den unterschiedlichen Geschwindigkeiten ist daher keine L&ouml;sung, sondern eine Gefahr f&uuml;r die EU, die weiter auseinanderzudriften verspricht. Gerade kleinere Staaten empfinden Merkels Formel als Drohung.<\/em><br>\n[Alexander M&uuml;hlauer: Europa &hellip;]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Auch am Exempel Euro-Zone wird diese Debatte weiter forciert. Die f&uuml;r den Euro-Raum bereits reduzierte Gemeinschaft soll noch weiter schrumpfen.<\/em><br>\n<em>So fordert z.B. der Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, den Austritt Italiens aus dem Euro.<\/em><br>\n[Interview mit Der Tagesspiegel, 2.1.2017]\n<\/p><\/blockquote><p>Griechenland soll ebenfalls vor die T&uuml;r gesetzt werden, aber nicht ganz:<\/p><blockquote><p>\n<em>Wir m&uuml;ssen so schnell wie m&ouml;glich einen Weg finden, wie wir Griechenland zwar in der EU und ihrer Solidargemeinschaft halten, aber aus der Eurozone hinaus begleiten.<\/em><br>\n[Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Interview, Heilbronner Stimme, 7.2.2017; Vizepr&auml;sident des Europaparlaments]\n<\/p><\/blockquote><p>Eine erfolgversprechendere L&ouml;sung haben US-&Ouml;konomen bereits 2015 gefordert:<\/p><blockquote><p>\n<em>Prominente US-&Ouml;konomen sehen im Austritt Deutschlands die einzige Chance f&uuml;r die nachhaltige L&ouml;sung der Euro-Krise. (&hellip;) F&uuml;hrende US-&Ouml;konomen sehen nicht Griechenland, sondern Deutschland als das gr&ouml;&szlig;te Problem der Euro-Zone. (&hellip;) Deutschland habe vom Euro am meisten profitiert und schaffe wegen seiner wirtschaftlichen St&auml;rke ein Ungleichgewicht.<\/em><br>\n[Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 19.7.2015]\n<\/p><\/blockquote><p>Friedhelm Hengsbach, Jesuitenpater, Wirtschafts- und Sozialethiker, zieht zur Eurozone als Beispiel f&uuml;r eine EU der zwei Geschwindigkeiten diese vernichtende Bilanz:<\/p><blockquote><p>\n<em>Das Gerede von einem Europa zweier Geschwindigkeiten ist eine Kampfformel. Soll die eine Zone aufholen oder die andere noch schneller werden? Eine deutsch-franz&ouml;sische Achse wirkt imperial und l&ouml;st Widerst&auml;nde aus. Die Eurozone als eine Art Kerneuropa schreckt ab, denn die sozialen Verwerfungen nehmen zu. Die Distanz zwischen denen, die drinnen und drau&szlig;en sind, erzeugt Spannungen, daraus entsteht Rivalit&auml;t und &bdquo;Exit&ldquo;. Sp&auml;testens dann er&uuml;brigen sich Integrations- oder Tempovergleiche.<\/em><br>\n[Europa ist eine Sozialunion, Beitrag, Frankfurter Rundschau, 25.\/26.3.2017]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Vorschlag: Milit&auml;rische St&auml;rke<\/strong><\/p><p>Nach dem Ende des Kalten Krieges hat Deutschland seit 1989 seinen Wehretat von 2,7 % auf 1,2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) reduziert. W&auml;hrend der &bdquo;Ukraine-Krise&ldquo; wurde dann auf dem NATO-Gipfel in Wales am 5.9.2014 beschlossen<\/p><blockquote><p>\n<em>den Trend der r&uuml;ckl&auml;ufigen Verteidigungshaushalte umzukehren, als Richtwert gilt 2 % des BIP.9<\/em><br>\n[Gipfelerkl&auml;rung, 5.9.2014]\n<\/p><\/blockquote><p>In Deutschland w&uuml;rde der Wehretat daf&uuml;r von derzeit 37 Milliarden Euro auf 60 bis 70 Mrd. ansteigen m&uuml;ssen. In der Bundesregierung gibt es teils Widerstand gegen diese Vorgabe, so von Au&szlig;enminister Sigmar Gabriel:<\/p><blockquote><p>\n<em>Aber bei allem Respekt vor dem 2%-Ziel, eines der L&auml;nder, die es in Europa erreicht haben, ist Griechenland. Ob es aber eine besonders kluge Idee ist, 2% vom Bruttoinlandsprodukt von Griechenland f&uuml;r die Verteidigung einzusetzen, w&auml;hrend man gleichzeitig die Renten nicht auszahlen kann, und ob dies zu mehr Stabilit&auml;t in Griechenland f&uuml;hrt, dar&uuml;ber sollte man einmal nachdenken.<\/em><br>\n[Rede auf der 53. M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz, 18.2.2017, auswaertiges-amt.de]\n<\/p><\/blockquote><p>H&ouml;here Milit&auml;rausgaben stehen jedoch l&auml;ngst auf der Agenda der Bundesregierung. Nach dem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs am 3. Februar 2017 auf Malta bekr&auml;ftigt Bundeskanzlerin Merkel: <\/p><blockquote><p>\n<em>Die EU &ndash; und auch Deutschland &ndash; muss mehr in seine Verteidigungsf&auml;higkeit investieren<\/em><br>\n[Die Welt, welt.de, N24, 3.2.2017]\n<\/p><\/blockquote><p>Gegen&uuml;ber 2016 wurde der Verteidigungshaushalt um 2,7 Mrd. Euro angehoben, eine Steigerung von acht Prozent. Der Bundeshaushalt insgesamt soll nicht einmal halb so hoch (+ 3,7 %) ansteigen.<\/p><p>Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will mehr, bis zur vollst&auml;ndigen Erf&uuml;llung, und <em>antwortet<\/em> den USA:<\/p><blockquote><p>\n<em>Wir haben verstanden<\/em><br>\n<em>Der Nato-Indikator von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist und bleibt eine wesentliche Zielgr&ouml;&szlig;e. Wir wissen, dass vor diesem Hintergrund ein Anstieg in Richtung des beim Nato-Gipfel in Wales neu best&auml;tigten Richtwertes in den n&auml;chsten Jahren n&ouml;tig ist. Wir haben den festen Willen, dies stufenweise zu erreichen.<\/em><br>\n[Gastbeitrag in der S&uuml;ddeutschen Zeitung, SZ.de, 15.2.2017]\n<\/p><\/blockquote><p>Warum eigentlich der neuen US-Administration nachgeben, Trump hat die Nato doch f&uuml;r <em>obsolet<\/em> erkl&auml;rt? Leitmedien reagieren da konsequenter. Dann m&uuml;sse eben die EU milit&auml;risch so stark werden, bis beide Superm&auml;chte Respekt bekommen: <\/p><blockquote><p>\n<em>Die Zeiten, in denen sich die USA darum k&uuml;mmerten, sind wohl vorbei. Putin oder Trump werden nur eine EU respektieren, die sich wehren kann. Alleine k&ouml;nnen das D&auml;nen, Litauer oder Deutsche nicht. Daher sollten m&ouml;glichst viele EU-Staaten eine gemeinsame Verteidigung aufbauen, die einen Ausfall der Nato ausgleichen k&ouml;nnte.<\/em><br>\n[Stefan Ulrich:  Selbstbehauptung, Europa muss in den Kampfmodus schalten, S&uuml;ddeutsche Zeitung, SZ.de, 29.1.2017;  stellvertretender Leiter Au&szlig;enpolitik der SZ]\n<\/p><\/blockquote><p>Das Handelsblatt sieht das <em>Ende einer &Auml;ra<\/em> gekommen:<\/p><blockquote><p>\n<em>Das Vierteljahrhundert der Abr&uuml;stung seit dem Mauerfall ist endg&uuml;ltig vorbei. (&hellip;) Eine breite gesellschaftliche Debatte ist &uuml;berf&auml;llig: Wie viel Aufr&uuml;stung braucht Deutschland? Welche Rolle spielt die Bundeswehr f&uuml;r eine wehrhafte Demokratie? Wohin d&uuml;rfen welche Waffen exportiert werden? Welche Wertsch&auml;tzung genie&szlig;en Soldaten und Mitarbeiter der R&uuml;stungsindustrie?<\/em><br>\n[Donata Riedel: Vom Ende einer &Auml;ra, Leitartikel, Handelsblatt, 16.11.2016; Redakteurin im Berliner Hauptstadt-B&uuml;ro]\n<\/p><\/blockquote><p>Selbst die atomare Bewaffnung der Bundeswehr ist kein Tabu mehr. So denkt der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sogar <em>Das ganz und gar Undenkbare<\/em>: <\/p><blockquote><p>\n<em>Wenn Trump bei seiner Linie bleibt, dann wird Amerika die Verteidigung Europas in einem Ma&szlig;e den Europ&auml;ern &uuml;berlassen, das sie seit 1945 nicht mehr kennen. Das w&auml;re so widernat&uuml;rlich nicht, f&uuml;r viele Europ&auml;er aber dennoch eine Zumutung, weil damit unangenehme Folgen verbunden w&auml;ren, denen man unter dem oft verteufelten, aber bequemen amerikanischen Schutzschirm ausweichen konnte: h&ouml;here Ausgaben f&uuml;r die Verteidigung, die Wiederbelebung der Wehrpflicht, das Ziehen roter Linien &ndash; und das f&uuml;r deutsche Hirne ganz und gar Undenkbare, die Frage einer eigenen nuklearen Abschreckungsf&auml;higkeit, welche die Zweifel an Amerikas Garantien ausgleichen k&ouml;nnte. Die franz&ouml;sischen und britischen Arsenale sind daf&uuml;r in ihrem gegenw&auml;rtigen Zustand zu schwach. Moskau aber r&uuml;stet auf.<\/em><br>\n[Berthold Kohler: Das ganz und gar Undenkbare, Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ.NET, 27.11.2016]\n<\/p><\/blockquote><p>Im Fernsehen werden allzu scheuen <em>deutschen Hirnen nicht wenige<\/em> Experten vorgef&uuml;hrt, allerdings alle namenlos, bis auf einen CDU-Sicherheitsexperten und ehemaligen Generalstabsoffizier der Bundeswehr:<\/p><blockquote><p>\n<em>Nicht wenige Experten fordern in dieser Situation eine Debatte &uuml;ber die Frage: Was tun, wenn Trump den nuklearen Schutz aufk&uuml;ndigt? Wenn Trump die Atomwaffen aus Europa abzieht? Dann w&auml;re Deutschland atomwaffenfrei. (&hellip;) Die offene Debatte scheut die Politik bisher weitgehend &ndash; auch &uuml;ber eine deutsche Atombombe. Die ist wohl technisch m&ouml;glich, aber aufgrund vieler Vertr&auml;ge wie dem Atomwaffensperrvertrag momentan nicht erlaubt.<\/em><br>\n[Robert Bongen, Johannes Jolmes, Volker Steinhoff: Donald Trump und US-Atombomben in Deutschland, ARD, Erstes Deutsches Fernsehen, Sendung Panorama, 2.2.2017]\n<\/p><\/blockquote><p>Nur <em>momentan<\/em> nicht erlaubt? Pacta sunt servanda, Vertr&auml;ge m&uuml;ssen eingehalten werden, bekr&auml;ftigte einst sogar Franz Josef Strau&szlig;, CSU-Vorsitzender, Ministerpr&auml;sident Bayerns, sch&auml;rfster Gegner der Ostvertr&auml;ge Willy Brandts, nachdem die Vertr&auml;ge unter Dach und Fach waren. <\/p><p>Dieser neue Leichtsinn im Umgang mit dem langwierig und schwierig ausgehandelten Sperrvertrag spielt mit dem atomaren Feuer: <\/p><blockquote><p>\n<em>Au&szlig;er Frankreich und Gro&szlig;britannien haben alle anderen europ&auml;ischen Staaten f&uuml;r immer v&ouml;lkerrechtlich verbindlich auf den Besitz von Atomwaffen im Rahmen des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags (NVV) verzichtet. Ein Ausstieg aus dem Vertrag w&uuml;rde wom&ouml;glich zu einem weltweiten nuklearen Wettr&uuml;sten f&uuml;hren. Eine solche atomare Weiterverbreitung widerspricht aber europ&auml;ischen Sicherheitsinteressen, wie sie zu recht seit vielen Jahrzehnten formuliert wurden.<\/em><br>\n[Oliver Thr&auml;nert: Gr&ouml;&szlig;ter anzunehmender Umfall, Weshalb ein europ&auml;ischer Atomschirm keine Option sein darf, IPG, Internationale Politik und Gesellschaft, 14.3.2017; Leiter des Think Tank am Center for Security Policy der ETH Z&uuml;rich und Non-Resident Senior Fellow der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin]\n<\/p><\/blockquote><p>Die Bild-Zeitung bringt Schwung in die Diskussion:<\/p><blockquote><p>\n<em>Bekommt Deutschland eigene Atomwaffen? Die Welt &auml;ndert sich rasant &ndash; und pl&ouml;tzlich wird diskutiert, ob Deutschland zum besseren Schutz eigene Atomwaffen besitzen sollte!<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Liest man weiter, fragt man sich nach dem Sinn der zuspitzenden &Uuml;berschrift:<\/p><blockquote><p>\n<em>Auf BILD-Anfrage erkl&auml;rte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer: &bdquo;Es gibt keine Pl&auml;ne zur atomaren Aufr&uuml;stung unter Beteiligung der Bundesregierung in Europa.&ldquo; (&hellip;) Eine atomare Aufr&uuml;stung Europas oder gar Deutschlands halten auch Milit&auml;r-Strategen f&uuml;r &bdquo;nicht erstrebenswert&ldquo;. Ex-Nato-General Hans-Lothar Domr&ouml;se: &bdquo;Damit w&uuml;rden wir die B&uuml;chse der Pandora &ouml;ffnen.&ldquo; Ex-Kanzlerberater Horst Teltschik: &bdquo;Das ist die v&ouml;llig falsche Antwort.&ldquo; Ex-Botschafter Wolfgang Ischinger: &bdquo;Der Griff nach Nuklearwaffen w&auml;re f&uuml;r Deutschland ein schwerer V&ouml;lkerrechtsbruch.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p><em>Dreimal Ex- vermittelt den Eindruck: Durchweg Reaktionen von Gestrigen, aber Die Welt &auml;ndert sich rasant. Zwar leitet Ischinger seit 2008 bis heute die M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz, das weltweit gr&ouml;&szlig;te sicherheitspolitische Treffen &uuml;berhaupt, als &bdquo;Ex-Botschafter&ldquo; passt er jedoch besser ins Bild. <\/em><br>\n[Bild-Zeitung, 9.2.2017]\n<\/p><\/blockquote><p>Die ZEIT startete eine Befragung ihrer Leserschaft:<\/p><blockquote><p>\n<em>Braucht Deutschland eigene Atomwaffen? (&hellip;) Was meinen Sie? (&hellip;) Ja  Nein<\/em><br>\n[zeit.de\/serie\/procontra, 5.4.2017)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Von dominierenden Medien den Boden bereitet, hat die Frage eigener Atomwaffen f&uuml;r Deutschland den Bundestag erreicht. Der CDU-Abgeordnete und ehemalige Generalstabsoffizier Roderich Kiesewetter, Obmann der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion im Ausw&auml;rtigen Ausschuss beauftragte bereits im letzten Jahr den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages die v&ouml;lkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands beim Umgang mit Kernwaffen zu pr&uuml;fen. Insbesondere interessierte ihn offenbar, ob eine &bdquo;Ko-Finanzierung ausl&auml;ndischer Nuklearwaffenpotentiale durch Deutschland&ldquo; m&ouml;glich sei (&hellip;) man darf dennoch vermuten, dass Kiesewetter auch hier nicht isoliert handelt, sondern man in Unionskreisen nach dem Brexit und mit Trump &uuml;ber deutsche und europ&auml;ische Alternativen zur Nato nachdenkt, Atomwaffen inklusive.<\/em><br>\n[Florian R&ouml;tzel: Darf Deutschland legal Atomwaffen besitzen oder bauen?, Telepolis, 7.7.2017\n<\/p><\/blockquote><p>Inzwischen werden auch positive Aspekte des Kalten Krieges herausgestellt: <\/p><blockquote><p>\n<em>Der Kalte Krieg war, jedenfalls im zweiten Akt nach Berlin- und Kubakrise, besser als sein Ruf. Er war global, nuklear und bipolar und lie&szlig; sich einhegen in Vertr&auml;gen und einge&uuml;bten Umgangsformen.10<\/em><br>\n[Michael St&uuml;rmer: Wendezeiten der Geschichte, Die Welt, 16.1.2017]\n<\/p><\/blockquote><p>Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion schien sicherheitspolitisch eine neue &Auml;ra angebrochen zu sein. Als das &ouml;stliche Milit&auml;rb&uuml;ndnis, der Warschauer Pakt, 1991 aufgel&ouml;st war, gab es Bestrebungen, im Westen gleich zu ziehen und auch die Nato durch Sicherheitsstrukturen abzul&ouml;sen, mit denen die alte Ost-West-Trennung &uuml;berwunden werden sollte, sogar bis zum Beitritt Russlands in die Nato. <\/p><p>So beschloss z. B. die SPD im 1989 verabschiedeten Grundsatzprogramm: <\/p><blockquote><p>\n<em>Unser Ziel ist es, die Milit&auml;rb&uuml;ndnisse durch eine europ&auml;ische Friedensordnung abzul&ouml;sen. Bis dahin findet die Bundesrepublik Deutschland das ihr erreichbare Ma&szlig; an Sicherheit im Atlantischen B&uuml;ndnis, vorausgesetzt, sie kann ihre eigenen Sicherheitsinteressen dort einbringen und durchsetzen, auch ihr Interesse an gemeinsamer Sicherheit. Der Umbruch in Osteuropa verringert die milit&auml;rische und erh&ouml;ht die politische Bedeutung und weist ihnen eine neue Funktion zu: Sie m&uuml;ssen, bei Wahrung der Stabilit&auml;t, ihre Aufl&ouml;sung und den &Uuml;bergang zu einer europ&auml;ischen Friedensordnung organisieren.<\/em><br>\n[Grundsatzprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, beschlossen vom Programm-Parteitag am 20.12.1989 in Berlin, S. 12-13]\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<em>Von diesem Ziel ist im n&auml;chsten, heute noch g&uuml;ltigen Grundsatzprogramm von 2007 keine Rede mehr. Stattdessen will die SPD die transatlantische Partnerschaft erneuern. Deutschland, Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika teilen gemeinsame Werte. Auf dieser Grundlage arbeiten sie auch in der NATO eng zusammen.<\/em><br>\n[Hamburger Programm, Grundsatzprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands,beschlossen am 28.10.2007, S. 21]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Ausblick<\/strong><\/p><p>72 Jahre nach dem nicht allein Europa zerst&ouml;renden Krieg, mit Millionen Toten, Verwundeten, aus ihrer Heimat Vertriebenen schwindet in be&auml;ngstigendem Ausma&szlig; die von Willy Brandt auf den Punkt gebrachte Gewissheit: Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.<br>\nImmer unverhohlener wird wieder mit Waffen geklirrt. Nur verbale Eskalation, die Waffen dagegen sollen in den Arsenalen bleiben? Dar&uuml;ber wunderte sich Donald Trump schon, bevor er Pr&auml;sident wurde: <\/p><blockquote><p>\n<em>Wenn wir Atomwaffen haben, warum setzen wir sie nicht ein?<\/em><br>\n[Zitiert u. a. von  Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.8.2016]\n<\/p><\/blockquote><p>Nach einem solchen Einsatz d&uuml;rfte es kaum erneut eine Gelegenheit geben, sich in geh&ouml;rigem Abstand zum bewaffneten Kr&auml;ftemessen wieder mal die Hand zur Vers&ouml;hnung zu reichen, wie 1984 Bundeskanzler Kohl auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges in Verdun mit dem franz&ouml;sischen Staatspr&auml;sidenten Mitterand oder zum 70. Jahrestag der Schlacht in Stalingrad 2015 der damalige Bundesau&szlig;enminister Steinmeier. <\/p><p>Entwicklungen in mehreren Mitgliedsstaaten k&ouml;nnen die EU in einen Zustand versetzen, in dem das B&uuml;ndnis als Garantiemacht f&uuml;r friedliche Konfliktl&ouml;sungen endg&uuml;ltig ausgedient hat:<\/p><blockquote><p>\n<em>Wenn die Nationalismen in ganz Europa wieder Raum gewinnen &ndash; dann wird Europa zur&uuml;ckgeschoben in eine ungute Vergangenheit, in eine Viel- und Kleinstaaterei, in ein Nebeneinander und Gegeneinander.<\/em><br>\n[Heribert Prantl: Warum man Europa lieben muss, IPG, Internationale Politik und Gesellschaft, 7.3.2017; Mitglied der Chefredaktion der S&uuml;ddeutschen Zeitung und Leiter des Ressorts Innenpolitik]\n<\/p><\/blockquote><p>Die im Mainstream diskutierten Vorschl&auml;ge zur Zukunft der Europ&auml;ischen Union w&uuml;rden die Gemeinschaft weiter und tiefer spalten. Auch der Ausbau zur milit&auml;rischen Festung w&auml;re ein R&uuml;ckfall in Zeiten vor dem Einigungswerk. Die EU erhielt 2012 den Friedensnobelpreis f&uuml;r ihren erfolgreichen Kampf f&uuml;r Frieden und Vers&ouml;hnung und f&uuml;r Demokratie sowie die Menschenrechte; die stabilisierende Rolle der EU bei der Verwandlung Europas von einem Kontinent der Kriege zu einem des Friedens. <\/p><p>Milit&auml;rische Aufr&uuml;stung w&uuml;rde zudem Unsummen verschlingen, Geld, das innerhalb der EU sehr viel erfolgreicher zur L&ouml;sung der dringendsten Probleme eigesetzt werden muss, gegen Auseinanderfallen im &ouml;konomischen und sozialen Bereich und nach au&szlig;en hin in den Entwicklungsbeziehungen im Kampf gegen Verelendung, Hauptursache f&uuml;r Konflikte und Fluchtbewegungen. <\/p><p>Nur ein Kurswechsel zu einer Politik, die sich an die Ursachen dieser Fehlentwicklungen und R&uuml;ckschl&auml;ge heranwagt, wird die EU und Europa insgesamt auf einen besseren Weg f&uuml;r die Zukunft bringen k&ouml;nnen. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Aktualisierte Fassung des Ende Mai abgeschlossenen, im Herbst in den Krakauer Internationalen Studien erscheinenden Beitrags<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Zukunft der Europ&auml;ischen Union f&uuml;hren Politik und Leitmedien in Deutschland Diskurse &uuml;ber die Ursachen des Auseinanderdriftens der Staatengemeinschaft. 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