{"id":3954,"date":"2009-05-20T16:34:13","date_gmt":"2009-05-20T14:34:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3954"},"modified":"2014-01-28T10:34:47","modified_gmt":"2014-01-28T09:34:47","slug":"manager-erobern-die-unis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3954","title":{"rendered":"Manager erobern die Unis"},"content":{"rendered":"<p>Referat auf Einladung AStA an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln, am 19. Mai 2009 &uuml;ber die &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo;, &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde f&uuml;r den Leitbildwechsel von der staatlich verantwortete, sich selbst verwaltenden Hochschule zur wettbewerbsgesteuerten Hochschule und &uuml;ber das jetzt schon erkennbare Scheitern der Wettbewerbsideologie bei der zukunftsf&auml;higen Entwicklung der Bildungs- und Hochschullandschaft. Von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Manager erobern die Unis<\/strong><\/p><p>Ich m&ouml;chte das Thema meines Vortrags unter drei Aspekten behandeln,<\/p><ul>\n<li>zuerst m&ouml;chte ich Ihnen meine kritische Sicht auf die &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo; darstellen.<\/li>\n<li>In einem zweiten Teil m&ouml;chte ich versuchen in der gebotenen Knappheit die Hintergr&uuml;nde f&uuml;r den Paradigmenwechsel von der staatlich veranworteten, sich selbst verwaltenden Hochschule zur wettbewerbsgesteuerten &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule aufzuzeigen.\n<\/li>\n<li>Drittens m&ouml;chte ich Ihnen mit einigen aktuellen Hinweisen das jetzt schon erkennbare Scheitern der Wettbewerbsideologie bei der zukunftsf&auml;higen Entwicklung der Bildungs- und Hochschullandschaft belegen.\n<\/li>\n<\/ul><ol>\n<li>\n<strong>Zun&auml;chst zur &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo;: <\/strong>\n<p>Kein anderes Land mache &bdquo;Freiheit mit dieser Konsequenz zur Grundlage seiner Hochschulpolitik&ldquo;, so r&uuml;hmt der nordrhein-westf&auml;lische Innovationsminister Pinkwart in einer von seinem Ministerium herausgegebenen Brosch&uuml;re unter dem Titel &bdquo;Hochschule auf neuen Wegen&ldquo; das nordrhein-westf&auml;lische Hochschul-&bdquo;Freiheits&ldquo;-Gesetz. <\/p>\n<p>(Anmerkung: Wenn ich keine spezielle Quelle benenne, beziehe ich mich auf den Aufsatz in der genannten Brosch&uuml;re <a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/downloads\/MagazinHochschulen.pdf\">&bdquo;Hochschule auf neuen Wegen&ldquo;, 1\/2007 [PDF &ndash; 1,5 MB]<\/a>)<\/p>\n<p>Nun ist es leider so, dass kaum ein anderer Begriff in der Menschheitsgeschichte so unterschiedlich gebraucht und auch so oft missbraucht wurde, wie der Begriff der Freiheit.<\/p>\n<p>Man tut also gut daran, wenn von &bdquo;Freiheit&ldquo; die Rede ist, immer auch nach der schon von Immanuel Kant herausgearbeiteten Unterscheidung zwischen &bdquo;positiver&ldquo; und &bdquo;negativer&ldquo; Freiheit zu fragen. Einfacher ausgedr&uuml;ckt: Man sollte immer auch fragen: &bdquo;Freiheit zu was&ldquo; und &bdquo;Freiheit von was oder Freiheit von wem&ldquo;.<\/p>\n<p>Stellt man die Kantsche Frage, gegen&uuml;ber wem Freiheit gewonnen wurde, so wird man feststellen &ndash; so meine These &ndash; , dass die weit &uuml;berwiegende Mehrheit der Lehrenden und Studierenden in der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; &ndash; gemessen an ihren fr&uuml;heren Lehr-, Forschungs- und Lernfreiheiten &ndash; wesentlich &bdquo;unfreier&ldquo; sein wird  und schon ist, als zuvor.<br>\nDas Grundgesetz garantiert den Hochschulen als K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts eine institutionelle Freiheit in Forschung und Lehre gegen&uuml;ber dem Staat und der Gesetzgeber hatte in Angelegenheit der Wissenschaft ihre Autonomie zu sichern. Der Staat hatte also eine Rechts- und Finanzaufsicht.<\/p>\n<p>Die &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo; soll k&uuml;nftig vom Staat weitgehend befreit sein und daf&uuml;r der &bdquo;Freiheit des Wettbewerbs&ldquo; ausgesetzt werden. N&auml;mlich der Freiheit des Wettbewerbs um die Einwerbung von Drittmitteln und von Studiengeb&uuml;hren. An Geld misst sich k&uuml;nftig also wissenschaftliche Qualit&auml;t und gute Ausbildung. Man spricht deshalb an den Hochschulen inzwischen &uuml;ber einzelne F&auml;chern als &bdquo;Cash Cows&ldquo; und &bdquo;Poor Dogs&ldquo;. <\/p>\n<p>Damit kein Missverst&auml;ndnis aufkommt, ich rede nicht gegen einen Wettbewerb um die besten Forschungsleistungen. Einen solchen Wettbewerb unter Wissenschaftlern hat es immer gegeben. Wissenschaft ist genuin auf den Wettstreit um die richtige Antwort, &ndash; pathetisch gesagt, auf den Wettstreit um Wahrheit angelegt.<\/p>\n<p>Pinkwarts Bild vom Wettbewerb ist ein anderes: Es ist das Bild einer Hochschule, die wie ein Unternehmen ihre &bdquo;Produkte&ldquo; und &bdquo;Waren&ldquo; &ndash; also ihre Forschungsleistungen sowie ihre Aus- und Weiterbildungsangebote &ndash; auf dem Markt an kaufkr&auml;ftige Nachfrager abzusetzen hat: n&auml;mlich an zahlungskr&auml;ftige Forschungsauftraggeber und Investoren, an Stifter und Sponsoren &ndash; und an Studierende, die nunmehr &bdquo;Kunden&ldquo; sein sollen und deshalb f&uuml;r die eingekaufte &bdquo;Ware&ldquo; namens Studium zur Kasse gebeten werden.  <\/p>\n<p>In der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule soll nicht mehr aufgrund von &bdquo;Entscheidungen in den Gremien&ldquo; (in denen nach Pinkwarts Urteil nur blockiert wurde und &bdquo;demotivierende Bedingungen&ldquo; herrschten), sondern es soll von einem &bdquo;modernen Mangagment&ldquo; &ndash; so Pinkwart &ndash; nach den Gesetzen des &bdquo;Wettbewerbs&ldquo; und der &bdquo;Konkurrenz&ldquo; auf dem Wissenschafts- und Ausbildungsmarkt entschieden werden.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die Universit&auml;t selbst soll &bdquo;unternehmerisch&ldquo; agieren, sondern auch die Lehrenden und Forschenden sollen zu &bdquo;Unternehmern innerhalb der unternehmerischen Hochschule&ldquo; werden.<\/p>\n<p>Bei Entscheidungen unter Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck sind ausgiebige und oft langwierige Diskussionen in Selbstverwaltungsgremien, wie Pinkwart sagt, nur &bdquo;b&uuml;rokratische H&uuml;rden&ldquo; und &bdquo;Hemmnisse&ldquo; die es &bdquo;aus dem Weg zu r&auml;umen&ldquo; gilt.<\/p>\n<p>Die Hochschule im Wettbewerb bedarf deshalb, so Pinkwart, &bdquo;klare, handlungsf&auml;hige und starke Leitungsstrukturen&ldquo;, oder wie der Minister weiter meint &bdquo;ein modernes Management&ldquo;, das rasch Entscheidungen treffen und umsetzen kann. <\/p>\n<p>Horizontale bzw. Bottom-up-Strukturen demokratischer oder kooperativer Interessenvertretung m&uuml;ssen in diesem neuen Leitbild der Hochschulen konsequenterweise von vertikalen, &bdquo;Top-down&ldquo;-Entscheidungsbefugnissen der Hochschulleitung abgel&ouml;st werden.<\/p>\n<p>W&auml;hrend der Rektor einer Hochschule fr&uuml;her der &bdquo;primus inter pares&ldquo; war, braucht die &bdquo;unternehmerische&ldquo; Hochschule &ndash; laut Pinkwart &ndash; wie ein auf &bdquo;den Zukunftsm&auml;rkten&ldquo; agierendes Unternehmen ein &bdquo;professionelles Management&ldquo; mit effizienten Entscheidungsbefugnissen und rascher Entscheidungskraft. <\/p>\n<p>Eine Hochschulleitung n&auml;mlich, die von der Spitze aus in alle Bereiche des Unternehmens &ndash; als &bdquo;Arbeitgeber und Dienstherr&ldquo; des &bdquo;Personals&ldquo; (ehemals Hochschullehrer genannt) und bis hinein in die &bdquo;Ausbildungsverh&auml;ltnisse&ldquo; (ehemals Studium genannt) durchentscheiden kann. <\/p>\n<p>Man braucht dazu einen Pr&auml;sidenten oder &ndash; wie es im baden-w&uuml;rttembergischen Hochschulgesetz konsequenterweise hei&szlig;t &ndash; einen &bdquo;Vorstandsvorsitzenden&ldquo;, gegen dessen Stimme keine Entscheidung an der Hochschule getroffen werden kann. (So sieht das &sect; 15 Abs. 2 Ziff. 3 HFG auch vor) <\/p>\n<p>Die &bdquo;Qualit&auml;t&ldquo; einer Hochschule bestimmt sich nicht mehr aus ihrer wissenschaftlichen Anerkennung innerhalb der Scientific Community. Ein wissenschaftliches Studium bestimmt sich nicht mehr vor allem  &ndash; wie das der <a href=\"http:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/texte\/8639-08.pdf\">Wissenschaftsrat [PDF &ndash; 380 KB]<\/a> in seinen j&uuml;ngsten Empfehlungen definiert hat &ndash;  nach den &bdquo;Prinzipien der Wissenschaftlichkeit (also einer fragenden, kritischen Haltung, einem Problem- und Methodenbewusstsein, der Strukturierungsf&auml;higkeit, der Selbst&auml;ndigkeit) und des forschungsorientierten Lernens&ldquo;, sondern in der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule erweist sich deren Qualit&auml;t in der  &bdquo;Konkurrenz mit ihresgleichen&ldquo; (Pinkwart).<\/p>\n<p>Dabei sollen die einzelnen Hochschulen &bdquo;das Ziel Qualit&auml;t auf unterschiedlichen Wegen zu verfolgen. Die eine Hochschule wird sich auf ihre Rolle als Ausbilder und F&amp;E-Partner in ihrer Region konzentrieren. Eine andere Hochschule wird sich an starken europ&auml;ischen Mitbewerbern um technologische Leitprojekte orientieren und mit dem Anspruch antreten, in der internationalen Liga der Spitzenforschung mitzuspielen&ldquo;. (Pinkwart))<\/p>\n<p>Die Zielvorstellung von Innovationsminister Pinkwart entspricht also in etwa dem amerikanischen Hochschulsystem mit einer hierarchisch tief gestaffelten Hochschullandschaft mit einigen wenigen Spitzenhochschulen mit Ausbildungsangeboten f&uuml;r den Nachwuchs der gesellschaftlichen &bdquo;Elite&ldquo; und der gro&szlig;en Masse von Hochschulen ganz unterschiedlicher Qualit&auml;t f&uuml;r die gro&szlig;e Masse der Studierenden.<\/p>\n<p>Diese Trennung von &bdquo;Spreu&ldquo; und &bdquo;Weizen&ldquo; wird &uuml;brigens noch dadurch versch&auml;rft, dass die Masse der Studierenden in verschulte Bachelor-Studieng&auml;nge gedr&auml;ngt wird und nur noch eine quotenm&auml;&szlig;ig festgelegte, kleine Gruppe zu einem Masterstudium mit wissenschaftlichem Anspruch zugelassen wird.<\/p>\n<p>Damit die Gesetze des Wettbewerbs auch wirken k&ouml;nnen, m&uuml;ssen &ndash; dem Glaubensbekenntnis des Markt- und Wettbewerbsliberalismus entsprechend &ndash; der Staat, die Politik, die Selbstverwaltungsgremien oder sonstige nicht marktg&auml;ngige gesellschaftliche Anforderungen aus dem Wettbewerbsgeschehen m&ouml;glichst weitgehend herausgehalten werden.<br>\nSo soll denn auch das Parlament k&uuml;nftig allenfalls noch der Zahlmeister f&uuml;r die Grundfinanzierung der Hochschulen sein, der &bdquo;Zusch&uuml;sse&ldquo;(!) gew&auml;hrt.<\/p>\n<p>An Stelle des demokratisch legitimierten Ministeriums oder des Parlaments als rahmensteuernde Aufsichtsorgane wird der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule, wie bei einem in Form einer Aktiengesellschaft konstituierten Wirtschaftsunternehmen, k&uuml;nftig eine Art Aufsichtsrat dem Management der Hochschule als &bdquo;Fachaufsicht&ldquo; an die Seite gestellt.<\/p>\n<p>Dieser sog. Hochschulrat, so regelt es das HFG, &bdquo;besteht mindestens zur H&auml;lfte aus Mitgliedern, die von au&szlig;en kommen; der Vorsitzende kommt in jedem Fall von au&szlig;en.&ldquo;<\/p>\n<p>Vorschl&auml;ge zur Besetzung des Hochschulrates macht ein Auswahlgremium aus zwei (!) Vertretern\/innen des Senates, zwei Vertretern\/innen des bisherigen Hochschulrates und einem\/er Vertreter\/in des Landes mit zwei Stimmen. Diese Findungskommission entwickelt einen Listenvorschlag, der vom Senat best&auml;tigt werden muss und der letztinstanzlichen der Zustimmung durch das Ministerium bedarf, das dann den Rat f&uuml;r eine Amtszeit von 5 Jahren ernennt.<\/p>\n<p>Pinkwart meint mit dem im Gesetz vorgesehenen Auswahlverfahren &ndash; bei dem die Vertreter der Hochschule allerdings in der Minderheit sind &ndash; sei (Zitat) &bdquo;die demokratische Legitimation der Hochschulratsmitglieder gesichert&ldquo;.<\/p>\n<p>Was Pinkwart allerdings verschweigt, ist, dass der Hochschulrat in seinen Handlungen und Entscheidungen &uuml;ber die gesamte f&uuml;nfj&auml;hrige Amtszeit keiner irgendwie legitimierten Instanz rechenschaftspflichtig ist.<\/p>\n<p>Die Hochschulratsmitglieder entscheiden &uuml;ber das Geld der Steuerzahler und &uuml;ber dessen Verteilung an den Hochschulen nach ihren pers&ouml;nlichen oder ihren gesellschaftspolitischen Interessen und Grundhaltungen.<\/p>\n<p>Der Hochschulrat hat eine bisher bei k&ouml;rperschaftlich organisierten und selbstverwalteten Hochschulen nie gekannte weitgehende &bdquo;Fachaufsicht&ldquo;!<\/p>\n<p>Laut &sect; 21 HFG konzentrieren sich die wichtigsten Machtkompetenzen einer Hochschule im Hochschulrat: <\/p>\n<ul>\n<li>Er stimmt u.a. dem Hochschulentwicklungsplan zu.<\/li>\n<li>Er stimmt dem Wirtschaftsplan und dem Plan zur unternehmerischen Hochschulbet&auml;tigung zu.<\/li>\n<li>Er nimmt zum Rechenschaftsbericht des Pr&auml;sidiums Stellung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Am Wichtigsten sind dabei die Wahl und die Entlastung der Hochschulleitung durch den Hochschulrat. <\/p>\n<p>Detlef M&uuml;ller-B&ouml;ling, der ehemalige Chef des Bertelsmann Centrums f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE), hat die Bedeutung dieser Bestimmung in dankenswerter Offenheit begr&uuml;ndet:<br>\nNur durch die Wahl des Pr&auml;sidiums durch den Hochschulrat &bdquo;erh&auml;lt die Hochschulleitung gegen&uuml;ber den hochschulinternen Gremien die Unabh&auml;ngigkeit, die sie f&uuml;r ein effektives und effizientes Management ben&ouml;tigt.&ldquo;<\/p>\n<p>Pinkwarts Vorstellung ist: Der Hochschulrat &bdquo;nimmt Impulse aus Wirtschaft und Gesellschaft auf und vermittelt in dieser Weise als &bdquo;Transmissionsriemen&ldquo; das erforderliche Beratungswissen f&uuml;r die Entscheidungen der Hochschulleitungen&ldquo;.<\/p>\n<p>Fragt man allerdings einmal danach, woher diese gesellschaftlichen &bdquo;Impulse&ldquo; kommen, so zeigt die bisherige Praxis, dass fast &uuml;berall, wo sich Hochschulr&auml;te konstituiert haben, solche &bdquo;Impulse&ldquo; vor allem von Repr&auml;sentanten aus der Wirtschaft, meist der Gro&szlig;- und Finanzwirtschaft kommen. <\/p>\n<p>Nienh&uuml;ser\/Jakob von der Universit&auml;t Essen kommen in einer neueren Studie (Hochschul Management 3\/2008) zum Ergebnis: &bdquo;Es sind besonders diejenigen Personen in Hochschulr&auml;ten vertreten, die f&uuml;r die Hochschule wichtige Ressourcen kontrollieren bzw. denen man eine entsprechende Ressourcenkontrolle zuschreibt&ldquo; und denen &bdquo;Managementerfahrung&ldquo; zuerkannt wird.<\/p>\n<p>Nach einer <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf_fof\/S-2007-981-5-1.pdf\">Studie der Ruhruniversit&auml;t Bochum [PDF &ndash; 481 KB]<\/a> werden die Mitglieder externer Hochschulr&auml;te mit jeweils einem runden Drittel aus der Wirtschaft und der Wissenschaft rekrutiert, wobei auf Seiten der Wirtschaft die Vertreter von Gro&szlig;unternehmen dominieren. <\/p>\n<p>W&auml;hrend an Universit&auml;ten die Gro&szlig;unternehmen eindeutig dominieren, werden insbesondere an Fachhochschulen, aber auch bei privaten und technischen Hochschulen die Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen mit regionalem Bezug wichtiger. Bei den Fachhochschulen, technischen Universit&auml;ten und privaten Hochschulen sind die Anteile der Wirtschaftsvertreter deutlich h&ouml;her. <\/p>\n<p>Was aber noch signifikanter ist: Unter den Hochschulratsvorsitzenden liegt der Anteil der Wirtschaftsvertreter bei knapp der H&auml;lfte, n&auml;mlich 47 Prozent. So auch <a href=\"http:\/\/www.idruhr.de\/detail.php?id=22029\">Nieh&uuml;ser\/Jakob<\/a> . Vorsitzender des Hochschulrats der Universit&auml;t zu K&ouml;ln ist Dr. Richard Pott vom Vorstand der Bayer AG.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass das Handelsblatt vom 12. Oktober 2007 titelte: &bdquo;Manager erobern die Kontrolle an den Unis&ldquo;. <\/p>\n<p>Ein weiteres rundes F&uuml;nftel der externen Hochschulratsmitglieder kommt aus Politik, Verwaltung oder von anderen Interessengruppen. Nur rund ein Zehntel kommt aus sonstigen Bereichen des &ouml;ffentlichen Lebens.<\/p>\n<p>Vertreter aus anderen gesellschaftlichen Gruppen sind im Vergleich zur Arbeitgeberseite in den neu geschaffenen Steuerungsgremien der bundesdeutschen Hochschulen so etwa die Gewerkschaften mit 3% nur marginal vertreten. <\/p>\n<p>Das konzeptionelle Vorbild vieler Hochschulr&auml;te in der Bundesrepublik werde &ndash; so die Studie &ndash; anhand der Terminologie des Baden-W&uuml;rttembergischen Hochschulgesetzes (2002) besonders deutlich: Seit 2005 hei&szlig;en die Hochschulr&auml;te dort konsequenterweise &bdquo;Aufsichtsr&auml;te&ldquo; &ndash; und der Hochschulpr&auml;sident bzw. der Rektor wird als &bdquo;Vorstandsvorsitzender&ldquo; der Hochschule bezeichnet. <\/p>\n<p>Es zeige sich &ndash; so die Studie &ndash; eine Erosion der klassischen Verb&auml;ndebeteiligung. Vor allem Unternehmer oder auch Medienvertreter w&uuml;rden in vielen Politikfeldern als neue strategische Ressourcen f&uuml;r gesellschaftliche Impulse betrachtet.<\/p>\n<p>Die Kompetenzen der Hochschulr&auml;te &ndash; so die Studie weiter &ndash;  gingen zu Lasten der klassisch-parlamentarischen Repr&auml;sentation gesellschaftlicher Interessen durch die Landesparlamente und durch die Landesregierungen sowie (vor allem) zu Ungunsten der Selbstverwaltung der jeweiligen Hochschule. <\/p>\n<p>Studierende, akademischer Mittelbau und nichtwissenschaftliche Angestellte sind nur zu jeweils zwischen 9 und 14 % (als interne Mitglieder) in Hochschulr&auml;ten vertreten. An der hiesigen Uni z.B. sind diese Gruppen gar nicht vertreten. <\/p>\n<p>Dieser Trend wird in der Politikwissenschaft mit den Stichworten &bdquo;Personalisierung&ldquo; und &bdquo;Zerfaserung&ldquo; der Staatlichkeit diskutiert: &bdquo;Man k&ouml;nnte auch von einer &bdquo;Privatisierung&ldquo; der Organisationsverantwortung sprechen&ldquo;, so fasst die Studie zusammen.<\/p>\n<p>Ich sehe in der Funktion der Hochschulr&auml;te eine funktionelle Privatisierung der &ouml;ffentlichen und &uuml;berwiegend staatlich finanzierten Hochschulen.<\/p>\n<p>Ich bin seit f&uuml;nf Jahren Mitglied in einem Hochschulrat und habe dabei eigene Erfahrungen sammeln k&ouml;nnen, die mir auch von Mitgliedern in anderen Hochschulr&auml;ten best&auml;tigt wurden: <\/p>\n<p>In der Regel ist es so, dass die Hochschulr&auml;te die ohnehin per Gesetz massiv gest&auml;rkte Durchgriffsgewalt der Hochschulleitungen noch verst&auml;rken. D.h. die Pr&auml;sidenten oder Vorstandsvorsitzenden k&ouml;nnen mit ihrem Hochschulrat im R&uuml;cken jeden Widerstand der Hochschulmitglieder gegen ihre Top-down-Entscheidungen brechen.<\/p>\n<p>Von daher versteht sich auch die grunds&auml;tzlich positive Einstellung der Hochschulleitungen zu den Hochschulr&auml;ten von selbst.<\/p>\n<p>Bei Hochschulr&auml;ten, die &ndash; wie die schon zitierte Studie festgestellt hat und wie es auch meiner Erfahrung entspricht &ndash; in der gro&szlig;en Zahl der Hochschulen im besten Fall einmal viertelj&auml;hrlich zusammentreten, um dann durchschnittlich allenfalls rund vier Stunden tagen, hat das hauptamtliche Pr&auml;sidium einen nicht einholbaren Informationsvorsprung und kennt die m&ouml;glichen Handlungsoptionen erheblich besser als jedenfalls die externen Mitglieder des Hochschulrates. <\/p>\n<p>Hinzu kommt: Laut der Studie der Uni Bochum bieten in 63% der F&auml;lle ausschlie&szlig;lich die Rektorate die &bdquo;Unterst&uuml;tzungsstrukturen&ldquo; f&uuml;r die Hochschulr&auml;te und nur ein Drittel verf&uuml;gt &uuml;ber einen Apparat &ndash; der allerdings sehr klein sein d&uuml;rfte. In meiner Hochschule haben wir noch nicht einmal einen Sachbearbeiter.<\/p>\n<p>Im wirklichen Leben sieht das dann so aus, dass vor entscheidenden Sitzungen der Pr&auml;sident versucht, den Vorsitzenden des Hochschulrats in Vorgespr&auml;chen auf seine Seite zu ziehen und der Vorschlag des Pr&auml;sidenten wird anschlie&szlig;end im Hochschulrat &bdquo;durchgewinkt&ldquo;. So kann der Pr&auml;sident in aller Regel jeden Widerstand der hochschulinternen Gremien aushebeln.<\/p>\n<p>Die Eingangsfrage, f&uuml;r wen das &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; mehr Freiheit bringt, l&auml;sst sich also ziemlich eindeutig beantworten:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Hochschulen werden statt den Gesetzen des demokratischen Gesetzgebers, den anonymen Gesetzen des Wettbewerbs unterstellt. Den angeblich objektiven Zw&auml;ngen des Wettbewerbs kann und darf sich kein Mitglied der Hochschule, ob Forschender, Lehrender oder Studierender mehr entziehen.\n<\/li>\n<li>Die Lehr- und Lernfreiheit wird als die Freiheit zur Durchsetzung auf dem Ausbildungs- und Wissensmarkt umdefiniert.<\/li>\n<li>Die horizontalen Strukturen akademischer Selbstverwaltung und kooperative Hochschulleitungen werden durch eine neuartige vertikale Aufsichtsrat-Managementstruktur ersetzt. Die Hochschulen gleichen sich so auch formal dem Leitbild gewerblicher Unternehmen an.\n<\/li>\n<li>Die &bdquo;unternehmerische&ldquo; Hochschule wird &uuml;ber den beaufsichtigenden Hochschulrat, vor allem durch dessen Zusammensetzung zur ma&szlig;geblich von Vertretern der Wirtschaft gesteuerten Hochschule mit dem Auftrag zur Kooperation und zur Zusammenf&uuml;hrung von Wissenschaft und Wirtschaft.\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: Die nordrhein-westf&auml;lischen Hochschulen k&ouml;nnen ihre ihnen angeblich durch das &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; zugestandene Freiheit nur durch den (freiwilligen) Verzicht auf Freiheit durch Unterwerfung unter &auml;u&szlig;ere Wettbewerbszw&auml;nge und unter der Kommandogewalt eines CEO wahrnehmen.<\/p>\n<p>Mir f&auml;llt dazu der Satz von Jean-Jacques Rousseau ein: &bdquo;Keine Unterwerfung ist so vollkommen wie die, die den Anschein der Freiheit wahrt. Damit l&auml;sst sich selbst der Wille gefangen nehmen.&rdquo;<\/p>\n<p><strong>Exkurs: Zielvereinbarungen<\/strong><\/p>\n<p>Und sollte sich eine Hochschule immer noch die Freiheit nehmen, sich den Zw&auml;ngen des Hochschulfreiheitsgesetzes mit seiner wettbewerblichen Steuerung zu entziehen, h&auml;ngt &uuml;ber ihr das Damoklesschwert der &bdquo;Zielvereinbarung&ldquo;.<\/p>\n<p>Das sind Vereinbarungen (mit einem fr&uuml;her unvorstellbaren Detaillierungsgrad) zwischen der Hochschulleitung und dem Ministerium (d.h. wiederum ohne parlamentarische Einflussm&ouml;glichkeit) &bdquo;f&uuml;r mehrere Jahre &uuml;ber strategische Entwicklungsziele sowie konkrete Leistungsziele&ldquo;. (So &sect; 6 Abs. 2 HFG). <\/p>\n<p>Danach kann der Minister mit Geld als &bdquo;goldenem Z&uuml;gel&ldquo; die Hochschule &bdquo;anreizen&ldquo; die gew&uuml;nschten Ziele zu erreichen, d.h. (Zitat) &bdquo;ein Teil des Landeszuschusses an die Hochschulen (kann) nach Ma&szlig;gabe der Zielerreichung zur Verf&uuml;gung gestellt werden&ldquo;.<\/p>\n<p>Und wenn der Geldanreiz dann immer noch nicht zum gew&uuml;nschten Verhalten der Hochschule f&uuml;hrt, dann gilt sozusagen der alte Mafiabrauch, entweder wir einigen uns oder der Minister erzwingt das von ihm vorgegebenen Verhalten:<\/p>\n<p>In &sect; 6 Abs. 3 HFG hei&szlig;t es: &bdquo;Wenn und soweit eine Ziel- und Leistungsvereinbarung nicht zustande kommt, kann das Ministerium nach Anh&ouml;rung der Hochschule und im Benehmen mit dem Hochschulrat Zielvorgaben zu den von der Hochschule zu erbringenden Leistungen festlegen.&ldquo;<\/p>\n<p>Das erinnert mich an den Ausspruch des legend&auml;ren Mafia-Chefs Al Capone: &bdquo;Mit einem freundlichen Wort und einer Pistole in der Hand erreicht man mehr als mit einem freundlichen Wort allein.&ldquo;<\/p>\n<p>Fazit: Die nordrhein-westf&auml;lischen Hochschulen k&ouml;nnen ihre ihnen angeblich durch das &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; zugestandene Freiheit <\/p>\n<ul>\n<li>entweder durch den (freiwilligen) Verzicht auf Freiheit durch Unterwerfung unter die Wettbewerbszw&auml;nge wahrnehmen<\/li>\n<li>oder sie werden vom Minister zum Verzicht auf Freiheit gezwungen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Im zweiten Teil meines Referates m&ouml;chte ich skizzenhaft herauszuarbeiten versuchen, wie es zu diesem Paradigmenwechsel von der &ouml;ffentlich verantworteten und der ganzen Gesellschaft verantwortlichen, in Fragen der Forschung und Lehre jedoch sich selbst verwaltenden Hochschule zur &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule gekommen ist:\n<p>Unsere Hochschulen waren im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert wahrlich nicht im besten Zustand. Es gab erheblichen Reformbedarf. Dazu k&ouml;nnte ich Ihnen als damaliger Staatssekret&auml;r ein langes Klagelied vorsingen. <\/p>\n<p>Ganz so schlecht konnten die staatlichen Hochschulen aber nicht sein, wenn die &bdquo;als Stachel im Fleisch&ldquo; gegr&uuml;ndeten privaten Hochschulen in Deutschland, jedenfalls in der Breite nie zu einer echten Konkurrenz aufsteigen konnten. Gerade mal 100.000 der knapp 2 Millionen Studierenden hierzulande sind an privaten Universit&auml;ten eingeschrieben &ndash; und dabei rechne ich etwa die zahlreichen kirchlichen Hochschulen schon mit. Da gab es offenbar keine gro&szlig;e &bdquo;Marktl&uuml;cke&ldquo;, dazu war das Studienangebot der staatlichen Universit&auml;ten und Fachhochschulen einfach zu gut.<\/p>\n<p>Trotz der &Uuml;berf&uuml;llung unserer Hochschulen f&uuml;hrte ein Studienabschluss jedenfalls in aller Regel zur Bef&auml;higung zur selbst&auml;ndigen Bearbeitung von neuen Problemen mit wissenschaftlichen Methoden. <\/p>\n<p>Wenigstens dem Anspruch nach galt das alte Prinzip &bdquo;Bildung durch Wissenschaft&ldquo;.<\/p>\n<p>Wie konnte es geschehen, dass der aufkl&auml;rerische Kern der deutschen Hochschultradition durch &ouml;konomische oder &ndash; besser gesagt &ndash; durch pseudo&ouml;konomische Wahrheits- oder Geltungsanspr&uuml;che ersetzt werden konnte? <\/p>\n<p>Wie kam es zum Paradigmenwechsel weg vom humboldtschen Bildungsideal hin zum hayekschen Glauben an die &Uuml;berlegenheit der Markt- und Wettbewerbssteuerung auch in der Wissenschaft?<\/p>\n<p>Wie kam es also zum &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Umbruch&ldquo; seit den preu&szlig;ischen Hochschulreformen? <\/p>\n<p>Dieser Paradigmenwechsel kam nicht &uuml;ber Nacht, sondern ihm  ging ein Wandel des gesellschaftspolitischen Leitbildes &uuml;ber mehr als ein viertel Jahrhundert voraus. <\/p>\n<p>Ausgehend von den USA &ndash; stark beeinflusst von der sog. Chicagoer Schule um Milton Friedman &ndash; ging der Ruf nach der &bdquo;Befreiung&ldquo; der M&auml;rkte rund um den Globus. Vom Washingtoner Konsens, &uuml;ber die Welthandelsorganisation IWF oder der Weltbank setzte sich in Abgrenzung zum seit der ersten Weltwirtschaftskrise vorherrschenden Keynesianismus, der dem Staat eine aktive Rolle im wirtschaftspolitischen Geschen zuschrieb, ein neues liberales Denken durch, das mit Schlagworten Privatisierung, Deregulierung, Wettbewerb und drastischen Einschr&auml;nkungen bei den Staatsausgaben und damit Zur&uuml;ckdr&auml;ngung des Staates zusammengefasst werden kann. <\/p>\n<p>In der praktischen Politik standen daf&uuml;r die Begriffe Reaganomics bzw. in England der sog. Thatcherismus. In Deutschland k&ouml;nnte man die Wende mit dem Scheidebrief an die sozial-liberale Koalition, dem sog. <a href=\"?p=346\">Lambsdorff-Papier<\/a> im Jahre 1982 festmachen. <\/p>\n<p>Der Kampfparole der Reagonomics &bdquo;starve the beast&ldquo; folgend kam es auch in Deutschland nach Kohls &bdquo;geistig moralischer Wende&ldquo; zu einer gezielten Verarmung des Staates. <\/p>\n<p>Der damit notwendig einhergehenden Verschlechterung der &ouml;ffentlichen Leistungen auf vielen gesellschaftlichen Feldern folgten Kampagnen der Miesmache des staatlichen Angebots verbunden mit dem Versprechen der Markt und der Wettbewerb k&ouml;nnten alles besser als der Staat.<\/p>\n<p>So wurde etwa auf dem Feld der Hochschulpolitik die Phase des Hochschulausbaus durch eine zunehmende Sparpolitik gestoppt. Bund und L&auml;nder fassten damals den sog. &bdquo;&Ouml;ffnungsbeschluss&ldquo;.<\/p>\n<p>Die Hochschulen sollten etwa ein Jahrzehnt lang eine &bdquo;&Uuml;berlast&ldquo; an Studierenden bei etwa gleich bleibendem Budget und stagnierendem Lehrpersonal akzeptieren. <\/p>\n<p>Diese sog. &bdquo;Untertunnelungsstrategie&ldquo; geh&ouml;rte zu den gr&ouml;&szlig;ten Lebensl&uuml;gen in der Hochschulpolitik der Nachkriegszeit. <\/p>\n<p>Sie k&ouml;nnen die Fakten in den j&uuml;ngsten <a href=\"http:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/texte\/8639-08.pdf\">Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Qualit&auml;tsverbesserung von Lehre und Studium [PDF &ndash; 380 KB]<\/a> oder auch im <a href=\"http:\/\/www.bildungsbericht.de\/daten2008\/bb_2008.pdf\">Bildungsbericht 2008 von KMK und BMBF [PDF &ndash; 5,0 MB]<\/a> nachlesen: <\/p>\n<p>&Uuml;ber die ganze Spanne von 1972 bis 2005 betrachtet (Basisjahr 1972)<br>\nist die Studierendenzahl um fast das 3-fache, die Professorenzahl dagegen nur um das 1,8-fache angestiegen.<\/p>\n<p>Die Betreuungsrelationen haben sich dementsprechend an beiden Hochschultypen &uuml;ber die Zeit hinweg dramatisch verschlechtert:<\/p>\n<p>Kamen 1972\/73 40 Studierende an den Universit&auml;ten und weit unter 20 Studierende an den FHS auf einen hauptberuflichen Professor, so waren es 2005\/2006 &uuml;ber 60 an den Unis und knapp 40 an den FHS.  In den Wirtschaftswissenschaften sind es derzeit 93 Studierende, in den Sozialwissenschaften gar 104 Studierenden pro hauptberuflichem Professor. Die Betreuungsrelationen lagen jedenfalls weit unter dem internationalen Standard. <\/p>\n<p>Die L&auml;nder haben angesichts einer oftmals schwierigen Haushaltslage zu verschiedenen Zeitpunkten mit einer Erh&ouml;hung des regelm&auml;&szlig;igen Lehrdeputats der Professoren reagiert. Lag dieses im Jahr 1970 an den Universit&auml;ten noch bei 6 SWS, liegt es heute bei 8, in Baden-W&uuml;rttemberg, Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Th&uuml;ringen bei 9 SWS.<\/p>\n<p>Diese Sparpolitik dauert bis heute an:<br>\nLaut &bdquo;Bildungsbericht 2008&ldquo; ging der Anteil der Bildungsausgaben gemessen am BIP ging von 6,9% im Jahr 1995 auf 6,3% im Jahr 2005 und auf 6,2% im Jahr 2006 zur&uuml;ck. <\/p>\n<p>Insofern k&ouml;nnte man es als ein erfreuliches Signal aufnehmen, dass auf dem Bildungsgipfel in Dresden eine Anhebung der Bildungsausgaben bis 2015 auf 10% des BIP zum Ziel erkl&auml;rt wurde. Leider gab es keinerlei Beschl&uuml;sse wie viel der Bund, die L&auml;nder, die Kommunen und nicht zu vergessen wie viel die Wirtschaft beitragen sollen und wollen. Der Bund hat jedenfalls keinerlei konkrete Zusagen gemacht.<\/p>\n<p>Die Parole von der &bdquo;Priorit&auml;t f&uuml;r Bildung&ldquo; h&ouml;ren wir nun seit Jahren auf jeder Sonntagsrede, da das Gegenteil geschehen ist, fehlt allm&auml;hlich der Glaube.<\/p>\n<p>10% gegen&uuml;ber dem heutigen Ist von 6,2% (2006) des BIP das w&auml;ren &ndash; so hat man berechnet &ndash; zwischen 25 bis 50 Milliarden Euro mehr. Allerdings erst in 7 Jahren.<br>\nDas h&ouml;rt sich zwar gut an, ein Zahlenvergleich aus dem Bildungsbericht l&auml;sst aber ern&uuml;chtern:<\/p>\n<p>W&auml;ren etwa im Jahr 2005 nur wie 1995   6,9% des BIP f&uuml;r Bildung aufgewendet worden, h&auml;tten dem Bildungsbereich zufolge schon damals rund 13 Milliarden Euro mehr zur Verf&uuml;gung gestanden. <\/p>\n<p>Auf ein Vielfaches dieses Betrages hat man zwischenzeitlich durch die Senkungen von Unternehmensteuern verzichtet &ndash; allein im letzten  Jahr auf weitere 5 Milliarden. Von den Kapitalbeteiligungen an der Commerzbank oder der Kreditgarantie f&uuml;r Hypo Real Estate in H&ouml;he von inzwischen &uuml;ber 100 Milliarden und von dem Rettungspakt zur Stabilisierung des Finanzsystems in H&ouml;he von fast 500 Milliarden Euro wollen wir gar nicht erst reden.<\/p>\n<p>Wenn man das Rettungspaket f&uuml;r die Banken mit den Ergebnissen des Bildungsgipfels vergleicht, ist man geneigt, den alten Slogan etwa so abzuwandeln: Bei den Banken sind sie fix, f&uuml;r die Bildung tun sie nix! Vom &bdquo;systemischen&ldquo; Risiko kaputt gesparter Hochschulen spricht  jedenfalls niemand.<\/p>\n<p>Der herrschenden angebotsorientierten &ouml;konomischen Lehre entsprechend, wird vor allem die Investitionsseite gef&ouml;rdert, obwohl inzwischen kaum mehr bestreitbar ist, dass Humanressourcen in hoch entwickelten Volkswirtschaften f&uuml;r die Wirtschaftsdynamik wichtiger sind als das Sachkapital. <\/p>\n<p>An den real existierenden, jedoch politisch herbeigef&uuml;hrten Problemen der Hochschulen setzten die selbsternannten &bdquo;Reformer&ldquo; an und verkauften ihre Reformangebote als alternativlose Wege aus der Misere. <\/p>\n<p>Nicht mehr aus den Hochschulen heraus oder wenigstens mit den Hochschulen zusammen wurden die Reformvorstellungen entwickelt, sie wurden von au&szlig;en an sie herangetragen.<\/p>\n<p>Zerm&uuml;rbt von &Uuml;berlast, systematischer Unterfinanzierung und einer allgemeinen Professorenschelte hatten die Hochschulen der feindlichen &Uuml;bernahme durch die &bdquo;Reformer&ldquo; nichts mehr entgegenzusetzen. Wie bei der Begr&uuml;ndung f&uuml;r den Abbau des Sozialstaats wird das bewusst und vors&auml;tzlich vernachl&auml;ssigte staatliche Hochschulsystem zum S&uuml;ndenbock erkl&auml;rt.<\/p>\n<p>Der wirkungsm&auml;chtigste Motor f&uuml;r die Hochschulreformgesetze war die <a href=\"?p=1921\">Bertelsmann Stiftung<\/a> und das 1994 gegr&uuml;ndete &uuml;berwiegend von Bertelsmann finanzierte Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE). <\/p>\n<p>Das l&auml;sst sich gerade beim nordrhein-westf&auml;lischen &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; besonders gut belegen.<br>\nDieses Gesetz wurde am Schreibtisch des CHE entworfen und bis zu seiner Umsetzung in die Hochschulen hinein begleitet. Sie k&ouml;nnen das selbst von den <a href=\"http:\/\/www.che.de\/downloads\/Zehn_Anforderungen_Hochschulgesetz_NRW_422.pdf\">&bdquo;Zehn CHE-Anforderungen an ein Hochschulfreiheitsgesetz f&uuml;r Nordrhein-Westfalen&ldquo; [PDF &ndash; 93,6 KB]<\/a> vom 15. Dezember 2005 &uuml;ber die &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/ministerium\/innovationsminister\/ministerreden\/rede_2006_01_25.pdf\">Eckpunkte des geplanten Hochschulfreiheitsgesetzes&ldquo; [PDF &ndash; 87 KB]<\/a> von Innovationsminister Pinkwart vom 25. Januar 2006, bis hin zur Beauftragung des CHE durch das Ministerium, die Hochschulen bei der <a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/presse\/presseinformationen\/pressearchiv\/archiv2006\/pm061113.php\">Umsetzung des Gesetzes<\/a>  zu begleiten, durch die entsprechenden Dokumente im Internet selbst &uuml;berpr&uuml;fen. (Siehe auch die oberlehrerhafte Bewertung von Pinkwarts <a href=\"http:\/\/www.che.de\/downloads\/Bewertung_NRW_Eckpunkte060127_440.pdf\">&bdquo;Eckpunkten&ldquo; durch das CHE [PDF &ndash; 143 KB]<\/a> .<\/p>\n<p>Hochschulpolitik ist der &bdquo;Schl&uuml;ssel zur Gesellschaftsreform&ldquo;, das erkannte der Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn schon Ende der 70er Jahre. Die 1977 gegr&uuml;ndete Bertelsmann Stiftung sollte deshalb vor allem auch helfen, die &bdquo;verkrusteten Strukturen&ldquo; auch an den Hochschulen aufzubrechen. <\/p>\n<p>Die Mission der Stiftung gr&uuml;ndet auf der Bertelsmannschen &bdquo;&Uuml;berzeugung, dass Wettbewerb&ldquo; und &bdquo;die Prinzipien unternehmerischen Handelns zum Aufbau einer zukunftsf&auml;higen Gesellschaft&ldquo; die wichtigsten Merkmale sind. Und immer ging es bei Bertelsmann auch um ein Zur&uuml;ckdr&auml;ngen des Staates, eine Verringerung der Staatsquote und um die Senkung der Steuerlast.<\/p>\n<p>Mohn gab sein urspr&uuml;ngliches Engagement, die Private Universit&auml;t Witten-Herdecke als &bdquo;Stachel ins Fleisch&ldquo; der staatlichen Hochschulen zu setzen, auf. <\/p>\n<p>Der Strategiewechsel folgte wohl der Einsicht, dass es viel effizienter ist, die weitgehend staatlich finanzierten Hochschulen wie private Unternehmen zu organisieren und in den Wettbewerb zu schicken und &uuml;ber die Konkurrenz um erg&auml;nzende Drittmittel f&uuml;r die Forschung und &uuml;ber die Einwerbung von Studiengeb&uuml;hren die Lehre steuern zu lassen. 1994 gr&uuml;ndete die Bertelsmann Stiftung das Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE). Dessen langj&auml;hriger Leiter Detlef M&uuml;ller-B&ouml;ling &auml;u&szlig;erte sich anl&auml;sslich der Krise um die Private Universit&auml;t Witten Herdecke in einem Interview Anfang Januar &auml;u&szlig;erst freim&uuml;tig: &ldquo;Die Unternehmen brauchen heute nicht mehr eigene Hochschulen zu gr&uuml;nden, um sinnvoll zu investieren, sie k&ouml;nnen das an den staatlichen Hochschulen tun. <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/magazin\/wissen\/Privathochschulen-Witten-Herdecke-Mueller-Boeling;art304,2700797\">Die sind nach der Entfesselung qualitativ genauso gut, wenn nicht besser.<\/a>&rdquo; <\/p>\n<p>Klugerweise nahm das CHE die damals ohne jeden Apparat und ohne gro&szlig;en institutionellen Einfluss auf die Hochschulpolitik agierende, aber um so standesbewusstere Hochschulrektorenkonferenz (HRK) mit ins Boot und so ver&ouml;ffentlichten das CHE und die HRK ihre hochschulrefomerischen L&ouml;sungskonzepte unter einem gemeinsamen Kopfbogen und so verschaffte sich Bertelsmann ein einigerma&szlig;en unverd&auml;chtiges Entree in die Hochschulen vor allem &uuml;ber die Hochschulleitungen.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich steht das CHE nicht allein. Wie der <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary34669\/080415_GEW-Priva-6-final.pdf\">Privatisierungsreport 6 der GEW [PDF &ndash; 339 KB]<\/a> darstellt, geh&ouml;ren dazu etwa auch er Stifterverband f&uuml;r die Deutsche Wissenschaft e.V., der Aktionsrat Bildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw), M&uuml;nchen, das Institut der deutschen Wirtschaft K&ouml;ln e.V.(IW), K&ouml;ln, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH, K&ouml;ln (INSM) oder die McKinsey &amp; Company Inc., D&uuml;sseldorf und viele andere mehr.<\/p>\n<p>Und nat&uuml;rlich ist es nach wie vor richtig, dass Bertelsmann die Gesetze nicht selber verabschiedet, sondern dass diese meist von der Exekutive eingebracht und vom Parlament verabschiedet werden. Aber &uuml;ber die personellen Netzwerke und seine Medienmacht wird der Bertelsmannsche &bdquo;Reformmotor&ldquo; zur eigenst&auml;ndigen politischen Antriebskraft, der auch au&szlig;erhalb der Parlamente eine Art Eliten-Konsens schafft &ndash; und dabei nebenbei auch noch ein positives Image f&uuml;r den Bertelsmann-Konzern schafft.<\/p>\n<p>Unter dem Zwang der leeren &ouml;ffentlichen Kassen und unter dem besch&ouml;nigenden Etikett eines &bdquo;zivilgesellschaftlichen Engagements&ldquo; greift der Staat die &bdquo;gemeinn&uuml;tzigen&ldquo; Dienstleistungen privater Think-Tanks nur allzu gerne auf. Ja noch mehr, er zog sich aus seiner Verantwortung immer mehr zur&uuml;ck. und &uuml;berl&auml;sst wichtige gesellschaftliche Bereiche wie etwa die Bildung oder die Hochschule gleich ganz den Selbsthilfekr&auml;ften b&uuml;rgerschaftlichen Engagements.<\/p>\n<p>Aus dieser Staats- und Gesellschaftsvorstellung speist sich die Idee von der &bdquo;selbst&auml;ndigen Schule&ldquo; oder der &bdquo;Entlassung&ldquo; der Hochschule aus der staatlichen Verantwortung, wie das etwa mit dem &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; in Nordrhein-Westfalen geschehen ist.<\/p>\n<p>So hat sich inzwischen in unserem Lande eine private institutionelle Macht des Reichtums herausgebildet, die &ndash; wie bei Bertelsmann streng hierarchisch organisiert &ndash; ihren Einfluss &uuml;ber das gesamte politische System ausdehnt und die demokratisch legitimierte Machtverteilung zwischen Parteien, Parlamenten, Selbstverwaltungsgremien und Exekutive unterwandert und dazuhin gleichzeitig mit ihrer Medienmacht die &ouml;ffentliche Meinung pr&auml;gt.<\/p>\n<p>Demokratisch legitimierte Verantwortung &uuml;ber wichtige gesellschaftliche Bereiche wird so mehr und mehr durch private Wirtschaftsmacht zur&uuml;ckgedr&auml;ngt, ja sogar schon ersetzt.<\/p>\n<p>Dieser schleichende Systemwechsel vom demokratischen Wohlfahrtsstaat zu einer Art Timokratie, also der Herrschaft des Geldes, wird mit dem Pathos von &bdquo;mehr Freiheit&ldquo; vorangetrieben.\n<\/p><\/li>\n<li>Erlauben Sie mir zum Schluss einige Hinweise darauf, dass Markt und Wettbewerb als Steuerungsinstrumente keineswegs zu Effizienz und optimalen Ergebnissen f&uuml;hren m&uuml;ssen, zumal bei einem nicht unmittelbar marktg&auml;ngigen &bdquo;Produkt&ldquo; wie der Bildung und der Wissenschaft.\n<p>In der internationalen &ouml;konomischen Theorie, war das nach dem Scheitern der Reagonomics schon l&auml;ngst ein Thema. Paul Krugman, einer der Kritiker des Fetischs der &bdquo;invisible hand&ldquo;, hat f&uuml;r seine Aufdeckung von Marktunvollkommenheiten j&uuml;ngst noch den Nobelpreis erhalten. <\/p>\n<p>In Deutschland wurden die Verhei&szlig;ung &uuml;ber die Weisheit der M&auml;rkte und die &Uuml;berfl&uuml;ssigkeit des Staates zur absolut herrschenden Lehre und zum politischen Leitbild, das s&auml;mtliche Reformen der letzten Jahre pr&auml;gte: Immer lautete die Botschaft Wettbewerb, Deregulierung, Privatisierung, Beschneidung der Arbeitnehmerrechte, der Mitbestimmung und der Selbstverwaltungsrechte und weniger Staat.<\/p>\n<p>Der Wettbewerb wurde zur Lebensform, schrieb Susanne Gaschke vor unl&auml;ngst in der ZEIT:<\/p>\n<blockquote><p>Effizienz. Rendite. &Ouml;konomisierung aller Lebensbereiche. Wer anders dachte, geriet schnell in die Defensive.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Finanzmarktkrise sollte allen die Augen ge&ouml;ffnet haben, dass Wettbewerb und freier Markt keineswegs Garanten f&uuml;r Effizienz und optimale Ergebnisse sind, sondern dass Deregulierung und Entstaatlichung auch geradewegs in eine Katastrophe f&uuml;hren k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Ende Oktober 2008 fand in Dresden der sog. Bildungsgipfel statt. Neben dem wichtigen Thema einer erh&ouml;hten &bdquo;gemeinsamen  Bildungsfinanzierung&ldquo; standen &bdquo;gemeinsame Leitlinien&ldquo; von Bund und L&auml;ndern im Bereich der Bildung an erster Stelle der Agenda. Also etwa die Forderung nach nationalen Bildungsstandards, nach vergleichbaren Zugangsregeln zu den Hochschulen, nach einem bundesweiten Stipendiensystem, nach der Fortentwicklung des nationalen Hochschulpakts.<\/p>\n<p>Kurz: Es hat sich offenbar ein dringender Bedarf nach Gemeinsamkeit und l&auml;nder&uuml;bergreifenden staatlichen Rahmensetzungen herausgestellt. <\/p>\n<p>Sie erinnern sich sicherlich noch gut daran: Erst vor drei Jahren, Ende 2005, wurde die &bdquo;Mutter aller Reformen&ldquo;, die F&ouml;deralismusreform, verabschiedet. Ein wichtiger Bestandteil dieser Reform, war, dass die Rahmengesetzgebungs-Kompetenz des Bundes im Hochschulwesen noch weiter aufgeweicht und zugunsten der L&auml;nderzust&auml;ndigkeit weitgehend abgeschafft wurde. Es war der <a href=\"?p=267\">Systemwechsel vom kooperativen F&ouml;deralismus zum Wettbewerbsf&ouml;deralismus<\/a>.<\/p>\n<p>Als Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Vermehrung der L&auml;nderzust&auml;ndigkeiten h&ouml;rte man landauf landab, dass mehr Deregulierung und mehr Wettbewerb zwischen den L&auml;ndern erm&ouml;gliche und dass dies unser gesamtes Land &ndash; endlich &ndash; voranbr&auml;chte. <\/p>\n<p>Schon vier Jahre sp&auml;ter muss man aber nun erkennen, dass der Wettbewerb zu Partikularismus, z.B. zu einem Verlust der Vergleichbarkeit der Abschl&uuml;sse, zu einem Chaos bei den Zugangsbedingungen f&uuml;hrte und dass nationale Standards und Rahmensetzungen unumg&auml;nglich sind.<\/p>\n<p>Es ist doch geradezu ein Schildb&uuml;rgerstreich: Zuerst mauern die L&auml;nder die T&uuml;r zum Bund zu und jetzt will der Bund z.B. im Rahmen des Konjunkturprogramms Geld auch in Bildung investieren. Aber das darf er eigentlich gar nicht. Also muss man die so dringend notwendigen Investitionsmittel in Schulen und Hochschulen, als &bdquo;energetische&ldquo; Sanierung umdefinieren. Das hilft zwar auch, aber die Hochschulen brauchen mehr und anderes als Fassadend&auml;mmung und w&auml;rmeisolierte Fenster.<\/p>\n<p>Es ist schon ziemlich grotesk: Da bietet der Bund auf dem Bildungsgipfel im letzten Herbst f&uuml;r die Fortf&uuml;hrung des Hochschulpakts Milliarden f&uuml;r den Ausbau der Hochschulen um 275. 000 Studienpl&auml;tze an, damit der demografisch bedingte Anstieg der Studienbewerber und die doppelten Abiturjahrg&auml;nge aufgefangen werden k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Doch die im Wettbewerb stehenden L&auml;nder brauchen Monate um ein Konzept zustande zu bringen, wie sie die Mittel verteilen wollen. Und nach wie vor steht die Finanzierung auf wackeligen Beinen.<\/p>\n<p>Wir erleben mittlerweile im Wochentakt, wie sich Bund und L&auml;nder in Bildungsfragen nicht einigen k&ouml;nnen und am Ende mit einer schlichten Vertagung der kritischen Punkte verbleiben.<br>\nDie Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und L&auml;ndern hat Anfang April auch die Einf&uuml;hrung eines Stipendiensystems beerdigt.<\/p>\n<p>Oder ein Beispiel aus der Schulpolitik: Fr&uuml;her gab es bundesweit eine weitgehend einheitliche Besoldung. Dann wurde beschlossen, dass die L&auml;nder das Gehalt jeweils selber festlegen sollen. Reiche Bundesl&auml;nder k&ouml;nnen aber mehr zahlen als arme L&auml;nder. Deshalb werden die Lehrerinnen und Lehrer jetzt mit Geld aus den armen L&auml;ndern weggelockt. <\/p>\n<p>Jetzt gibt es in den armen L&auml;ndern zu wenig Lehrerinnen und Lehrer. Das ist Wettbewerb auf dem R&uuml;cken der Schulkinder.<\/p>\n<p>Geradezu ein bildungspolitischer Skandal ist das Chaos bei der Hochschulzulassung.<\/p>\n<p>Obwohl fast zwei Drittel der neuen BA\/MA-Studieng&auml;nge zulassungsbeschr&auml;nkt sind, blieb jeder f&uuml;nfte dieser Studienpl&auml;tze frei, weil sich die Hochschulrektoren einem angeblichen &bdquo;Zulassungszentralismus&ldquo; verweigern. <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/tausende-studienplaetze-frei;2182730\">Nach einer Umfrage des Handelsblatts vom 3. M&auml;rz dieses Jahres<\/a> blieben z.B. an der Goethe-Universit&auml;t Frankfurt im Wintersemester 807 Pl&auml;tze in zulassungsbeschr&auml;nkten F&auml;chern unbesetzt &ndash; das waren rund 19 Prozent ihrer Kapazit&auml;t. Sogar mehr als 30 Prozent blieben z.B. in den F&auml;chern Wirtschaftsp&auml;dagogik oder Biologie unbesetzt.<\/p>\n<p>An der TU Dresden sind die Erstsemesterpl&auml;tze lediglich zu 82 Prozent ausgelastet. <\/p>\n<p>An der Elite-Uni FU Berlin und an der Universit&auml;t Duisburg-Essen blieben im Winter f&uuml;nf Prozent der an beiden Universit&auml;ten zusammen insgesamt fast 8&nbsp;000 Erstsemester-Studienpl&auml;tze unausgelastet, weil zu viele Bewerber letztlich doch anderswo hin gingen und die Zulassungsbeschr&auml;nkungen offensichtlich zu hoch angesetzt waren, berichtet das Handelsblatt.<\/p>\n<p>Durch unausgesch&ouml;pften Kapazit&auml;ten werden nicht nur Steuergelder vergeudet, sondern es werden tausende von studierwilligen jungen Menschen, die keinen Studienplatz bekommen, entt&auml;uscht und entmutigt.<\/p>\n<p>Doch der Kleinstaaterei in der Hochschulpolitik war die &bdquo;Zentral&ldquo;-Stelle f&uuml;r die Studienplatzvergabe ein Dorn im Auge. Hinzu kam noch, dass die nunmehr f&uuml;r die Hochschulen weitgehend allein zust&auml;ndigen L&auml;nder die vorherrschende Wettbewerbsideologie auch noch auf die Hochschulen ausdehnten. Im &bdquo;Wettbewerb um die besten K&ouml;pfe&ldquo; dr&auml;ngten die Hochschulen darauf, ihre Studierenden selbst ausw&auml;hlen zu d&uuml;rfen. <\/p>\n<p>Viele Hochschulrektoren spielen sich seither auf wie Duodezf&uuml;rsten und verteidigen, wie das Chaos bei der Hochschulzulassung beweist, mit aller Macht ihre winzigen &bdquo;F&uuml;rstent&uuml;mer&ldquo; gegen alle Vernunft und gegen staatliche Regelungen f&uuml;r ein einheitliches Hochschulzulassungsverfahren. <\/p>\n<p>Der Start eines bundesweiten Bewerbungssystems ist gerade erst auf Herbst 2011 verschoben worden &ndash; ob es dann auch funktioniert, wei&szlig; keiner. Mit der Einrichtung einer Internet-Tauschb&ouml;rse &agrave; la eBay l&auml;sst sich vermutlich das Studienplatz-Chaos nicht aufl&ouml;sen.<\/p>\n<p>Dabei st&uuml;nde bei der Zentralstelle f&uuml;r die Vergabe von Studienpl&auml;tzen (ZVS) ein funktionsf&auml;higes Portal auch f&uuml;r (wohlgemerkt) dezentrale Bewerbungs- und Zulassungsverfahren zur Verf&uuml;gung.<\/p>\n<p>Ich k&ouml;nnte Ihnen noch an vielen Beispielen wie etwa auch am Beispiel der Studiengeb&uuml;hren belegen, dass Markt und Wettbewerb als Steuerungsinstrument f&uuml;r die Hochschulen, f&uuml;r die Lehre und die Forschung zu Fehlsteuerungen, wenn nicht gar ins Chaos f&uuml;hren. Leider habe ich das mir zugestandene Zeitbudget jetzt schon &uuml;berschritten.<\/p>\n<p>Was wir an den Hochschulen in Deutschland nicht brauchen, ist Ellbogenmentalit&auml;t und die Wertblindheit der &bdquo;invisible hand&ldquo;, was Forschung und Lehre dagegen brauchen ist Vernunft und Sachverstand und eine der Wissenschaft angemessene Organisationsform, zu der am besten diejenigen beitragen k&ouml;nnen, die Forschung und Lehre betreiben.<\/p>\n<p>Zum Gl&uuml;ck w&auml;chst der Widerstand allm&auml;hlich. So schrieb etwa selbst die FAZ vor kurzem: <\/p>\n<blockquote><p>Wann endlich wird die Phrase von der &bdquo;internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit des deutschen Hochschulsystems&ldquo;, die stets herhalten muss, um sinnwidrige Belastungen eines durchaus funktionierenden Systems zu begr&uuml;nden, an dem gemessen, was das deutsche Hochschulsystem ja bereits ist: n&auml;mlich international wettbewerbsf&auml;hig.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich komme zu meinem Fazit: <\/p>\n<p>Bildung als &bdquo;Ware&ldquo; f&uuml;hrt nicht zu &bdquo;wahrer Bildung&ldquo;. Die Wettbewerbs- und Marktparadigmen zur Steuerung der Hochschule sind ein Irrweg. <\/p>\n<p>Hochschulpolitik tut Not.<br>\nDie Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden ist aufgefordert,<br>\nwieder eigenst&auml;ndig und orientiert an bildungs- und wissenschaftspolitischen Prinzipien nach alternativen Wegen f&uuml;r eine Re-Reform der Hochschulen zu suchen.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Download:<\/strong> <a href=\"upload\/pdf\/Manager_erobern_die_Unis.pdf\">Referat auf Einladung AStA an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln &ndash; &ldquo;Manager erobern die Unis&rdquo; [PDF &ndash; 128 KB]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Referat auf Einladung AStA an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln, am 19. Mai 2009 &uuml;ber die &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo;, &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde f&uuml;r den Leitbildwechsel von der staatlich verantwortete, sich selbst verwaltenden Hochschule zur wettbewerbsgesteuerten Hochschule und &uuml;ber das jetzt schon erkennbare Scheitern der Wettbewerbsideologie bei der zukunftsf&auml;higen Entwicklung der Bildungs- und Hochschullandschaft. 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