{"id":3956,"date":"2009-05-22T15:48:04","date_gmt":"2009-05-22T13:48:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3956"},"modified":"2014-01-28T10:34:11","modified_gmt":"2014-01-28T09:34:11","slug":"genossenschaftsmodelle-erleben-eine-renaissance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3956","title":{"rendered":"Genossenschaftsmodelle erleben eine Renaissance"},"content":{"rendered":"<p>Der Wunsch in der Bev&ouml;lkerung nach finanzieller Stabilit&auml;t und Unabh&auml;ngigkeit von globalen Finanzsystemen, der Ruf nach alternativen Wirtschaftsmodellen mit gerechter Entlohnung und sicheren Arbeitspl&auml;tzen w&auml;chst und immer mehr Menschen stellen sich die Frage ob Unternehmen in einer globalisierten Welt existieren nur k&ouml;nnen, wenn sie neoliberalen Prinzipien zu folgen? Die genossenschaftliche Unternehmensform bew&auml;hrt sich in der Krise und erlebt derzeit eine Renaissance. Der Genossenschaftsverband Bayern gibt in einer aktuellen Pressemeldung bekannt, dass sich mit 29 Eintragungen in bayerischen Registergerichten der Vorjahreswert neu gegr&uuml;ndeter Genossenschaften mehr als verdoppelt habe. Die Spannbreite der Neugr&uuml;ndungen umfasse Bereiche der Landwirtschaft und des Dienstleistungsgewerbes ebenso wie den Medizin- und Energiesektor. Stephan G&ouml;tzl, Pr&auml;sident des Genossenschaftsverbands Bayern begr&uuml;ndet den Zulauf mit den Worten: &ldquo;Genossenschaften werden von Menschen in den Regionen gegr&uuml;ndet, um dort wirtschaftliche Verbesserungen zu erm&ouml;glichen oder Marktversagen zu beheben. Sie bieten Stabilit&auml;t, betriebswirtschaftlich wie volkswirtschaftlich.&ldquo; Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><br>\nLaut <a href=\"http:\/\/www.gv-bayern.de\/GVB-Site\/Presse\/Pressemitteilungen\/090408_pk_ware?start=1&amp;ende=10&amp;seite=1\">Pressemeldung des Genossenschaftsverbands vom 8. April 2009<\/a> waren die Gesch&auml;fte der 800 bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im Jahr 2008 stabil. Mit 10,6 Milliarden Euro konnten sie ihre Ums&auml;tze auf Vorjahresniveau halten. G&ouml;tzl bezeichnet dies als hervorragende Leistung: &ldquo;Wenn man bedenkt, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2008 in drei Quartalen geschrumpft ist und sinkende Marktpreise in vielen Bereichen umsatzmindernd wirkten.&rdquo; Gegen&uuml;ber dem Vorjahr &uuml;berdurchschnittlich stark zulegen konnten die 41 Handwerksgenossenschaften mit einem Umsatzplus von 129 Millionen Euro auf nunmehr 618 Millionen Euro. Einen deutlichen Umsatzzuwachs von 24,5 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro verzeichneten auch die 124 im l&auml;ndlichen Warengesch&auml;ft t&auml;tigen Unternehmen. Rund die H&auml;lfte des Umsatzes wurde von den 88 Kreditgenossenschaften mit Warengesch&auml;ft erzielt. Das zeige insgesamt, so G&ouml;tzl, dass die &ouml;rtliche Versorgung mit den wichtigsten Waren f&uuml;r den landwirtschaftlichen und privaten Verbrauch bei den Kunden wieder hoch im Kurs stehe <\/p><p><strong>Wirtschaftsclub der SPD erkennt die Qualit&auml;t von Genossenschaften<\/strong><\/p><p>Der Wirtschaftsclub SPD-Bayern hat der SPD-Programmkommission und der SPD-Bundestagsfraktion Bausteine f&uuml;r einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaftspolitik mit dem Schwerpunkt &bdquo;Besch&auml;ftigungspolitik&ldquo; vorgelegt. Darin enthalten sind Elemente der baskischen Kooperative Mondrag&oacute;n, die ein erfolgreiches Beispiel f&uuml;r eine demokratische Unternehmensstruktur, faire Entlohnung und Reinvestitionen ist (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsclub.org\/index.php\/leitantrag.html\">www.wirtschaftsclub.org<\/a>). <\/p><p><strong>Mondrag&oacute;n als Vorbild<\/strong><\/p><p>Mondrag&oacute;n ist eine der gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Genossenschaften, dazu geh&ouml;ren Unternehmen verschiedenster Sektoren wie Maschinenbau, Automobilindustrie, Haushaltsger&auml;te, Bauindustrie, Einzelhandel (Supermarktketten), Banken und Versicherungen. Die baskische Kooperative Mondrag&oacute;n (MCC) hat gezeigt, dass sich demokratische Unternehmensstruktur, faire Entlohnung und Reinvestitionen nicht widersprechen m&uuml;ssen. Das Genossenschaftsmodell trotzt der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise in bemerkenswerter Weise. Der Wirtschaftsclub SPD-Bayern sieht in der Erwerbsarbeit ein konstitutives Element unserer Gesellschaft. Sie sei ebenso notwendig zur Existenzsicherung wie f&uuml;r das Selbstwertgef&uuml;hl der Menschen. Oberstes Ziel der Wirtschaftspolitik m&uuml;sse daher sein, m&ouml;glichst jedem arbeitsf&auml;higen und arbeitswilligen Menschen einen Arbeitsplatz zu bieten. K&uuml;nftiges Wachstum m&uuml;sse als qualitatives Wachstum mit Produkten erreicht werden. Bei deren Herstellung und Nutzung gelte die Zielsetzung, die Umwelt zu schonen und den Ressourceneinsatz effizient zu gestalten. Wachstum allein, so der Wirtschaftsclub, werde zur Bek&auml;mpfung der Arbeitslosigkeit nicht ausreichen, deshalb sei es unabdingbar, Konzepte f&uuml;r den Abbau der Arbeitslosigkeit auch ohne Wachstum zu entwickeln. <\/p><p>Der SPD-Wirtschaftsclub sieht eine St&auml;rke in der Regionalisierung, dies verteuere zwar die heute zu billigen Masseng&uuml;ter, schaffe aber genau mit diesen Zusatzkosten wieder regional verf&uuml;gbare Arbeitspl&auml;tze. Eine politisch unbedingt zu f&ouml;rdernde Art der Unternehmensform sei das Modell der Kooperative durch aktive Unterst&uuml;tzung der Gr&uuml;ndung von Kooperativen und eine Vereinfachung des Genossenschaftsrechts. Wesentlich sei dabei, dass durch die Beteiligung aller Mitglieder einer Kooperative bei gleichzeitiger Beschr&auml;nkung auf stets nur eine Stimme eine v&ouml;llig andere Unternehmenskultur bestehe. Wenn dazu noch die Mitglieder selber Arbeitnehmer in der Kooperative seien, sei deren Zielsetzung per se die Besch&auml;ftigung und nicht eine m&ouml;glichst hohe Rendite. Sie w&uuml;rden dadurch unabh&auml;ngiger von den spekulativen Finanzm&auml;rkten. Die in Deutschland in vielen Unternehmen eingef&uuml;hrte Mitarbeiterbeteiligung lie&szlig;e sich entsprechend ausbauen durch allm&auml;hliche &Uuml;berf&uuml;hrung in eine kooperative Unternehmensform, gegebenenfalls auch mit zunehmendem Einstieg von Tendenzfonds und &Uuml;berf&uuml;hrung der Stimmrechte in eine Stiftung als Genossenschaftspool. <\/p><p>Als besonders interessantes, weil auch wirtschaftlich m&auml;chtiges und erfolgreiches Modell, wird die baskische Kooperative Mondrag&oacute;n (MCC) aufgef&uuml;hrt. Der Wirtschaftsclub betont, dass wesentlich dabei ist, dass zum Komplex auch eine Versicherung sowie ein Finanzinstitut geh&ouml;ren. In diesen kumulieren die Mitglieder ihre aus den &Uuml;bersch&uuml;ssen resultierenden Gewinnbeteiligungen als Alters- und Krankenvorsorge, w&auml;hrend andererseits diese Institute den internen Kapitalbedarf (auch f&uuml;r Neugr&uuml;ndungen) abdecken.<\/p><p>Damit eine soziale und wirtschaftliche Vision nicht zu einer vor&uuml;bergehenden Erscheinung verkommt, muss sie nachhaltig auf die Ausbildung und die sozialen Beziehungen hinwirken. (Philosophie des Mondrag&oacute;n-Gr&uuml;nders Don Jos&eacute;)<\/p><p>Das Baskenland war durch den Spanischen B&uuml;rgerkrieg (1936-39) stark in Mitleidenschaft gezogen und infolge dessen von hoher Arbeitslosigkeit betroffen.1941 kam der junge Jesuitenpater Jos&eacute; Mar&iacute;a Arizmendiarrieta (Don Jos&eacute;) nach Mondrag&oacute;n und gr&uuml;ndete 1946 eine Berufsakademie, die heutige Polytechnische Hochschule. 5 Absolventen dieser Hochschule gr&uuml;ndeten 1956 das erste Unternehmen ULGUR (heute Fagor). Inspiriert von einem Gemeinschaftsgedanken entstand 1959 die Kreditgenossenschaftsbank und es folgten in den kommenden Jahren weitere Genossenschaften. Mit der Gr&uuml;ndung der Genossenschaft MCC entstand ein bis heute au&szlig;ergew&ouml;hnlich erfolgreiches Modell. Die weltweit agierende Genossenschaft ist ein prosperierendes &ouml;konomisches Netzwerk, ausgerichtet auf Selbsthilfe, Solidarit&auml;t und Kooperation und basierend auf demokratischen Strukturen. W&auml;hrend der Anfangsjahre gab es in der Genossenschaft eine Lohnspanne von eins bis drei. Sp&auml;ter wurde diese auf 1 bis 4,5 erweitert, um den Kaufkraftverlust der leitenden Angestellten auszugleichen, der sich aus der Einf&uuml;hrung der Einkommenssteuer durch die Regierung ergab. In den 1990er Jahren wurde die Spanne im Bruttolohnbereich auf 1 bis 6  erweitert. Die Kooperative ist in die drei Wirtschaftssektoren, einer Finanz-, einer Industrie- und einer Handelsgruppe aufgeteilt. Der Finanzbereich umfasst Bankenaktivit&auml;ten, soziale Versorgungsleistungen und Versicherungen. Dem industriellen Sektor geh&ouml;ren 12 Unternehmenseinheiten an, die sich der Herstellung von Produkten und Dienstleistungen widmen. Der Bereich Handel umschlie&szlig;t Verkaufszentren sowie die Aktivit&auml;t auf dem Agrar- und Lebensmittelsektor. Erg&auml;nzend stehen mehrere Forschungszentren sowie Berufsschul- und Ausbildungszentren zur Verf&uuml;gung, einschlie&szlig;lich einer Universit&auml;t mit rund 4.000 Studenten. <\/p><p>Der Impuls f&uuml;r die Entstehung und das Wachstum der Genossenschaften kam von Menschen, die bereit waren, Unternehmen mit einer genossenschaftlichen Arbeitsstruktur, Beteiligung der Mitglieder an Kapital und Leitung der Unternehmen und mit einer solidarischen Ausrichtung zu gr&uuml;nden. Unterst&uuml;tzt wurden die Genossenschaften von Unternehmen und Einrichtungen, die nicht von der Verwaltung sondern von der eigenen genossenschaftlichen Gruppe gegr&uuml;ndet wurden, dazu geh&ouml;ren <\/p><ul>\n<li>die Sparkasse Caja Laboral,<\/li>\n<li>die von der Caja Laboral zur Beratung bei Managementfragen und der Gr&uuml;ndung neuer Genossenschaften ins Leben gerufene Unternehmenseinheit Betriebswirtschaft,<\/li>\n<li>die Berufsbildungs- und Universit&auml;tszentren zur Ausbildung von qualifiziertem Personal und dem Forschungsinstitut Ikerlan.<\/li>\n<\/ul><p>Das Experiment st&uuml;tzte sich stets auf die Philosophie, gem&auml;&szlig; der Erfordernisse eigene, unterst&uuml;tzende Organisationen auf den Gebieten Finanzen, Ausbildung, Forschung, auf internationaler Ebene zu schaffen (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.mcc.es\/ale\/cooperativismo\/experiencia.html\">www.mcc.es<\/a>).<\/p><p>Mittlerweile geh&ouml;ren der Genossenschaft 264 Unternehmen und Einrichtungen an, von denen rund die H&auml;lfte keine Genossenschaften sind. Infolge der raschen Expansion verabschiedete die Delegiertenversammlung (Generalversammlung aller Genossenschaften der Mondrag&oacute;n) im Mai 2003 eine Resolution &uuml;ber die &ldquo;Ausdehnung der Gesellschaftsbeteiligung&rdquo;, mit der die zust&auml;ndigen Organe aufgefordert werden, f&uuml;r die Nicht-Genossenschaftsmitglieder unter den Besch&auml;ftigten Formen der Beteiligung an Eigentum und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung des Unternehmens zu entwickeln, die denen der Genossenschaften gleichkommen. Dabei handelt es sich um ein 1998 von der Vertriebsgruppe Eroski (Supermarktkette) gestartetes Projekt, das den Nichtmitgliedern unter den Besch&auml;ftigten &uuml;ber die Gesellschaft &bdquo;Gespa&ldquo; die M&ouml;glichkeit zur Beteiligung an Kapital und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung ihrer Arbeitsst&auml;tte bietet. Die Mehrheit der nicht genossenschaftlich beteiligten Besch&auml;ftigten der Eroski-Gruppe hat diese Beteiligungsformel angenommen. <\/p><p>Inzwischen hat die Initiative 103.731 Mitglieder und  ist somit die gr&ouml;&szlig;te Unternehmensgruppe im Baskenland, die siebtgr&ouml;&szlig;te in Spanien und die erfolgreichste Industriegenossenschaft weltweit. Das Gesch&auml;ftsjahr 2008 schloss die Kooperative mit einem positivem Ergebnis ab: Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Mitarbeiter um mehr als 7.500 Personen und der Umsatz konnte um mehr als 13% gesteigert werden. Die Investitionen der Unternehmensgruppe beliefen sich auf 866 Millionen Euro, der gr&ouml;&szlig;te Teil davon entfiel auf den Wirtschaftssektor Industrie. <\/p><p><strong>Mondrag&oacute;n Corporaci&oacute;n Cooperativa &ndash; national, international und vielseitig<\/strong><\/p><p>Die Globalisierung und der Beitritt Spaniens in die Europ&auml;ische Gemeinschaft waren neue Herausforderungen, auf welche die Kooperative mit Ver&auml;nderungen reagierte. Niederlassungen, Produktionsst&auml;tten und Verkaufsb&uuml;ros in Nord- und S&uuml;damerika, Afrika, Fernost und Europa wurden er&ouml;ffnet und haben im Gegensatz zu anderen global agierenden Unternehmen nirgendwo zu Arbeitsplatzabbau gef&uuml;hrt. Die Gemeinschaft konnte ihre Pr&auml;senz weltweit konsolidieren und zeigen, dass sich Globalisierung und demokratische Wirtschaftsstrukturen nicht widersprechen m&uuml;ssen, sondern ganz im Gegenteil, zu einem Erfolg auf Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite f&uuml;hren k&ouml;nnen. <\/p><p>Sicher ist der Erfolg des Modells einerseits auf die Unterst&uuml;tzung der baskischen Nationalregierung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, die mit einer entsprechenden Rahmensetzung im baskischen Genossenschaftsgesetz Genossenschaften gegen&uuml;ber normalen Unternehmen bevorzugt und andererseits auf das tief verwurzelte gesellschaftliche Bewusstsein der baskischen Bev&ouml;lkerung, wodurch das enge Geflecht des &ouml;konomischen Netzwerkes seine Basis und Stabilit&auml;t erh&auml;lt. Diese Werte kommen auch dadurch zum Ausdruck, dass ein Gro&szlig;teil der B&uuml;rger ein Konto bei der Genossenschaftsbank, Caja Laboral, unterh&auml;lt. Des Weiteren ist der personenorientierte Charakter der Genossenschaft, bei dem der Mensch und nicht das Kapital im Vordergrund steht, wesentlich entscheidend f&uuml;r die Identifizierung des einzelnen Mitglieds mit der Genossenschaft. Die Einbeziehung des Einzelnen in seine Genossenschaft, durch direkte Beteiligung am Kapital und an der F&uuml;hrung des Unternehmens, tr&auml;gt wesentlich zum positiven Klima bei.  <\/p><p>Ma&szlig;geblich f&uuml;r Kooperation und Konsensbildung der Mitglieder sind die Prinzipien der Mondrag&oacute;n-&Ouml;konomie: <\/p><ul>\n<li>Freier Beitritt f&uuml;r alle, die sich mit den im Assoziationsvertrag festgelegten Grundprinzipien einverstanden erkl&auml;ren (in welchem die sozialpolitischen Grunds&auml;tze der Betriebsf&uuml;hrung geregelt sind) und die erforderlichen beruflichen Qualifikationen vorweisen k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>Demokratische Organisation &ndash; &bdquo;Eine Person, eine Stimme&ldquo;, wodurch eine gleichberechtigte Mitwirkung auf betriebliche Entscheidungen erreicht wird. Die demokratisch gew&auml;hlte Vollversammlung entscheidet in allen Fragen.<br>\nGeld\/Kapital spielt eine untergeordnete Rolle und dient bevorzugt der Schaffung neuer Arbeitspl&auml;tze und der Entwicklung der baskischen Region.<\/li>\n<li>Beteiligung der Besch&auml;ftigten am Produktivverm&ouml;gen und in Form der Mitbestimmung auch an der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung.<\/li>\n<li>Lohnsolidarit&auml;t: Je nach Kooperative von absoluter Lohngleichheit in manchen Genossenschaften unabh&auml;ngig von Position und T&auml;tigkeit bis hin zu einer maximalen Einkommensspanne vom niedrigsten zum h&ouml;chsten Einkommen in einem Verh&auml;ltnis von 1:6.<\/li>\n<li>Verpflichtung gegen&uuml;ber dem gesellschaftlichen Umfeld und Reinvestition der Nettogewinne in der Region z.B. Arbeitspl&auml;tze und Bildung etc.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Die Struktur der Mondrag&oacute;n-Inititative<\/strong><\/p><p>Das grundlegende Element der Unternehmensstruktur von Mondrag&oacute;n ist die einzelne Genossenschaft mit ihrer Generalversammlung als oberstem Entscheidungsorgan sowie ihrem Vorstand als oberstem Verwaltungs- und Repr&auml;sentationsorgan, dem wiederum die Wahl des gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Direktors zukommt. Acht Vizepr&auml;sidenten bilden zusammen mit drei Direktoren der verschiedenen Abteilungen der Zentralstelle der Unternehmensgruppe den Generalvorstand, der von seinem Vorsitzenden geleitet wird. <\/p><p>Der Generalvorstand ist f&uuml;r die Erarbeitung, Koordination und Umsetzung der unternehmerischen Strategien und Ziele verantwortlich. Der St&auml;ndige Ausschuss der Delegiertenversammlung ist zust&auml;ndig f&uuml;r die F&ouml;rderung und Ausf&uuml;hrung der auf dieser Versammlung beschlossenen Unternehmenspolitik und Vereinbarungen. Dar&uuml;ber hinaus verfolgt er kontinuierlich die unternehmerische Entwicklung der Initiative und kontrolliert die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung durch den Vorsitz des Generalvorstandes. Der St&auml;ndige Ausschuss wird von 20 gew&auml;hlten Mitgliedern gebildet, welche die 14 Untergruppen der genossenschaftlichen Unternehmensgruppe vertreten. Das oberste Entscheidungs- und Vertretungsorgan der Genossenschaftlichen Unternehmensgruppe ist die Delegiertenversammlung, deren 650 Delegierten alle angeschlossenen Einzelgenossenschaften vertreten und deren Entscheidungen f&uuml;r alle Genossenschaften verbindlich sind.<\/p><p><strong>&bdquo;Niemand soll Sklave oder Herr eines anderen sein&ldquo; (Don Jos&eacute;)<\/strong><\/p><p>Die heute in Firmen &uuml;bliche Form der Unternehmensfinanzierung l&auml;uft &uuml;berwiegend &uuml;ber die B&ouml;rse. Durch diese Form der Beschaffung von Finanzmitteln werden Gewinne aus dem Unternehmen abgezweigt und flie&szlig;en an die Anteilseigner zur&uuml;ck, die aber nicht aktiv an der Produktion beteiligt sind.  Die Problematik, dass eine ausgezahlte Dividende den Unternehmenswert schm&auml;lert, ist im Modell Modrag&oacute;n dadurch gel&ouml;st, dass &uuml;berwiegend Arbeitnehmer einer Genossenschaft die Anteilseigner der Betriebe sind und Betrieb und Produktion vollst&auml;ndig mitbestimmen. 20% der Genossenschaftsgewinne flie&szlig;en in einen kollektiven Reservefonds, von den restlichen 80%, flie&szlig;en wiederum 10% in einen Sozialfonds,  45%  in R&uuml;cklagen und 45% in pers&ouml;nliche Kapitalkonten der Genossenschaftsmitglieder. Die Beteiligung am Betrieb kann im Alter oder beim Austritt aus der Genossenschaft ausbezahlt werden. Im Fall einer negativen Jahresbilanz, wird der kollektive Reservefond f&uuml;r den Ausgleich in Anspruch genommen, sollte dieser nicht ausreichen, wird der &uuml;brige Teil von den individuellen Kreditkonten der Betriebsmitglieder abgebucht. <\/p><p>&ldquo;Unsere gr&ouml;&szlig;te Kraft liegt darin, gemeinsam Ziele zu verwirklichen, Unternehmensgruppen zu gr&uuml;nden, mit allem, was die Anpassung der individuellen Interessen an die allgemeinen Interessen erforderlich macht&ldquo; (Vorwort des Jahresberichts der Caja Laboral).<br>\nDa in der Anfangszeit finanzielle Mittel knapp waren und die genossenschaftlichen Betriebe vor schwierigen Aufgaben standen, wie z.B. der Mittelbeschaffung f&uuml;r Investitionen, wurde im Jahr 1959 die eigene Genossenschaftsbank &bdquo;Caja Laboral Popular&ldquo; gegr&uuml;ndet. Der Zugang zu den Finanzierungsm&ouml;glichkeiten ist auf die Mitglieder beschr&auml;nkt. Diese Bank unterliegt, wie alle Kooperativen, auch den Mondrag&oacute;n-Prinzipien aus dem Assoziationsvertrag, mit welchem alle Kooperativen mit der Genossenschaftsbank verbunden sind. Die Generalversammlung der Caja Laboral besteht nicht nur aus den eigenen Genossenschaftern sondern auch aus Vertretern der industriellen Kooperativen. Die Bank investiert die Einlagen der Betriebe und die Mitarbeiter  wiederum nur in Mondrag&oacute;n-Kooperativen der Region. Ein freier Abfluss der Gelder in globalisierte M&auml;rkte ist dadurch verhindert und das erwirtschaftete Volksverm&ouml;gen verbleibt in der Region. <\/p><p>Die Caja Laboral schloss das Gesch&auml;ftsjahr 2008 mit einem Nettogewinn von 100,8 Millionen Euro ab, wobei ein Anstieg der Spareinlagen um 11,8 Prozent und ein Zuwachs der Kreditgew&auml;hrung um 10,5 Prozent verzeichnet wurden. Im &Uuml;brigen war kein Kunde der Caja Laboral von der Situation betroffen, die durch die Probleme die mit Lehmann Brothers aufgetreten sind, obwohl das Instititut in ihren Aktiva 162 Millionen Euro in Senior Bonds, bei einer Tochterbank der Lehmann-Brothers Co. B.V.) mit Sitz in den Niederlanden, angelegt hat. (Quelle: Pressemeldung Mondrag&oacute;n, 22.09.2008). <\/p><p><strong>Eroski &ndash; eine  Warenhauskette mit sozialem G&uuml;tesiegel<\/strong><\/p><p>1969 entstand das Unternehmen Comerco, eine Supermarktkette, welche ihren Namen im folgenden Jahr in Eroski  &auml;nderte. In der Studie &bdquo;2008 Global Powers of Retailling&ldquo; nahm Eroski Platz 90 unter den 250 weltweit wichtigsten Handelsfirmen ein. 2004 umfasst die Kette 336 Niederlassungen, mit insgesamt 1.039.000 Kunden. Im Gesch&auml;ftsjahr 2005 verzeichnet das Unternehmen 140 Neuer&ouml;ffnungen, darunter f&uuml;nf Hyperm&auml;rkte, sieben Tankstellen, 49 Reiseb&uuml;ros (Eroski Viajes), acht Freizeit- und Sportartikelgesch&auml;fte und 49 Parf&uuml;merien. Diesen Neuer&ouml;ffnungen liegen Investitionen von 298 Millionen Euro zugrunde. Der Umsatz von Eroski stieg im Jahr 2007 um 19 Prozent und erreichte 7,642 Milliarden Euro, bei einem Gewinn von 207 Millionen Euro. Im Gesch&auml;ftsjahr 2008 sch&uuml;ttete Eroski 47 Millionen Euro unter den Eigent&uuml;mern aus. Im Januar 2009 stimmte die Hauptversammlung der Kooperative Eroski dem Projekt EMES zu, das die Umwandlung der gesamten Belegschaft (mehr als 52.000 Besch&auml;ftigte) in Teilhaber am Eigentum, an den Gewinnen und an den Entscheidungen der Firma vorsieht. <\/p><p>Die Hypermarktkette Eroski und ein Teil des Netzes der Supermarktkette Eroski starteten im September 2008 eine Kampagne zur F&ouml;rderung regionaler Produkte. Des Weiteren existiert ein Vertrag &uuml;ber eine Zusammenarbeit mit ONCE und Talleres Gureak, der die Verpflichtung beinhaltet, Arbeitspl&auml;tze f&uuml;r Personen mit unterschiedlichem Behinderungsgrad zu schaffen. Die Gruppe Eroski besch&auml;ftigt derzeit in ihren Handelsbetrieben, in der Montage von Baugruppen f&uuml;r Haushaltsger&auml;te und f&uuml;r die Automobilindustrie Hunderte Personen mit Behinderung. Ikerlan forscht im Bereich alternativer Energien und hat als erstes Forschungslabor in Spanien ein kosteng&uuml;nstiges und flexibles Photovoltaikmodul auf Basis von Plastikmaterialien entwickelt, wodurch die Stromerzeugung &uuml;ber Fotovoltaik vervielfacht werden konnte. <\/p><p><strong>&ldquo;Allen muss Wissen vermittelt werden, um die Macht zu demokratisieren&ldquo; (Don Jos&eacute;)<\/strong><\/p><p>Von Anfang an sind Bildung und Ausbildung wesentlicher Bestandteil im Mondrag&oacute;n-Konzept. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit veranlasste Don Jos&eacute; zur Einrichtung einer Berufsschule. Bildung war f&uuml;r ihn die Basis der Demokratie. Um die Abwanderung der arbeitslosen Jugendlichen zu verhindern, suchte er nach einer nachhaltigen L&ouml;sung und motivierte f&uuml;nf betroffene Jugendliche zur Gr&uuml;ndung einer Genossenschaft, die Gasherde und Heiz&ouml;fen herstellen sollte. Aufgrund gro&szlig;er Nachfrage konnte der Betrieb schnell expandieren und seine Produktpalette erweitern, heute ist das Unternehmen international unter dem Namen FAGOR t&auml;tig. Aus einer kleinen Werkstatt in der 1956 Paraffin&ouml;fen und -herde hergestellt wurden, ist eine f&uuml;hrende Unternehmensgruppe entstanden. Fagor M&ouml;bel konnte bereits zu Beginn 2009 zwei Projekte in den Bereichen K&uuml;chen, B&auml;der und Luxusappartements in den USA (Maryland und Washington D.C.) realisieren. Im Jahr 2008 hat die Fagor-M&ouml;bel eine M&ouml;belkette f&uuml;r K&uuml;chen in China er&ouml;ffnet. Die Danobat Gruppe ist f&uuml;hrend im spanischen Werkzeugmaschinenbausektor und hat von der russischen Firma T.V.S.Z, dem gr&ouml;&szlig;ten Hersteller von G&uuml;terwaggons in Russland, einen Auftrag im Gesamtvolumen von mehr als 40 Millionen Euro erhalten. Des Weiteren haben die baskischen Kooperativen Matrici und Batz gemeinsam mit Renault einen Auftrag im Gesamtwert &uuml;ber 30 Millionen Euro f&uuml;r Trucks erhalten. <\/p><p><strong>&ldquo;Das genossenschaftliche Experiment von Mondragon ist eine Bildungsbewegung, welche die wirtschaftliche Aktion benutzt&rdquo; (Don Jos&eacute;)<\/strong><\/p><p>Nicht Elitedenken war das Erfolgsmodell der Genossenschaft sondern eine breit gef&auml;cherte Ausbildung f&uuml;r alle Genossenschaftsmitglieder. Die Initiative sieht Bildung als Schl&uuml;sselelement f&uuml;r den Erfolg des Experiments von Mondrag&oacute;n. Dies bezieht sich sowohl auf die Regelausbildung, wie sie an unseren Universit&auml;tsfakult&auml;ten und Berufsschulen durchgef&uuml;hrt wird, als auch auf die st&auml;ndige Weiterbildung in Verbindung mit beruflicher Umschulung und Perfektionierung. Einer fundierten Ausbildung nach demokratischen Grundprinzipien wurde in Mondrag&oacute;n von Anfang an gro&szlig;e Bedeutung beigemessen. Demokratie wird als eine Methode und ein Verfahren gesehen, um die Interessen eines jeden Einzelnen mit denen der Gesamtheit in Einklang zu bringen. <\/p><p><strong>&bdquo;Die Ausbildung muss mit den Studenten und nicht f&uuml;r die Studenten entwickelt werden&ldquo; (Don Jos&eacute;)<\/strong><\/p><p>1964 studierten bereits 1000 Sch&uuml;ler an der Polytechnischen Berufsschule, der Lehreinrichtung der technischen Ingenieursausbildung. Heute wird die Hochschule von 4.000 Studenten besucht. Praktische Erfahrungen in den genossenschaftlichen Betrieben geh&ouml;ren zum Studium. Bildung und Ausbildung spielten im Mondrag&oacute;n-Modell von Anfang an eine bedeutende Rolle. 1997 gr&uuml;ndete die Initiative eine Universit&auml;t und verf&uuml;gt &uuml;ber ein bedeutendes Bildungsnetz mit mehreren Berufsschulen und eigenen Universit&auml;ten. Im Jahrgang 2006\/2007 waren 3327 Studenten immatrikuliert, 357 Studenten nutzten die Chance eines Aufbaustudiengangs. Die technische Hochschule bot in diesem Jahrgang 25 akademische davon 11 verschiedene Abschl&uuml;sse im Ingenieurswesen an. Die Studenten haben zudem die M&ouml;glichkeit an ausl&auml;ndischen Universit&auml;ten ihr Wissen zu vertiefen oder Praktika im Ausland zu absolvieren. <\/p><p>An der Universit&auml;t &ldquo;Mondrag&oacute;n Unibertsitatea&rdquo; kann jeder studieren, der die akademischen Zulassungsbedingungen erf&uuml;llt. Nach Abschluss des Studiums besteht keinerlei Verpflichtung, in einem der Unternehmen der genossenschaftlichen Unternehmensgruppe zu arbeiten. Die Studenten arbeiten t&auml;glich vier Stunden in einem Unternehmen der Kooperative, erhalten daf&uuml;r monatlich 600 Euro und m&uuml;ssen keine Studiengeb&uuml;hren bezahlen. Die H&auml;lfte der Absolventen arbeitet anschlie&szlig;end in der Initiative, die quasi als lebenslange Stellung angesehen werden kann, da in Mondrag&oacute;n keine K&uuml;ndigungen ausgesprochen werden. Jeder hat die M&ouml;glichkeit sich weiterzubilden oder sich in einem anderen Unternehmenszweig zu bewerben.<\/p><p>Das Geheimnis f&uuml;r den Erfolg und die Stabilit&auml;t liegt im Zusammengeh&ouml;rigkeitsgef&uuml;hl, in der lokalen Verwurzelung, der sozialen Sicherheit und der Zufriedenheit der Mitarbeiter, der geringen Lohnspanne und der dank umfassender Mitbestimmung transparenten Unternehmensf&uuml;hrung. <\/p><p>Genossenschaftsmodelle haben in der modernen, leistungsorientierten und profitorientierten Gesellschaft oftmals einen etwas angestaubten Charakter, doch zeigt gerade das Beispiel Mondrag&oacute;n, dass dem nicht so sein muss. Genossenschaften sind immun gegen Heuschrecken, weil sie aufgrund der demokratischen Mitbestimmung und der Genossenschaftsbanken f&uuml;r sie ungenie&szlig;bar sind. Das schafft zum Einen Unabh&auml;ngigkeit und zum Anderen Sicherheit. Mondrag&oacute;n muss keine baskische Besonderheit sein, ein derartiges Modell k&ouml;nnte sich an jedem Ort der Welt etablieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wunsch in der Bev&ouml;lkerung nach finanzieller Stabilit&auml;t und Unabh&auml;ngigkeit von globalen Finanzsystemen, der Ruf nach alternativen Wirtschaftsmodellen mit gerechter Entlohnung und sicheren Arbeitspl&auml;tzen w&auml;chst und immer mehr Menschen stellen sich die Frage ob Unternehmen in einer globalisierten Welt existieren nur k&ouml;nnen, wenn sie neoliberalen Prinzipien zu folgen? 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