{"id":39566,"date":"2017-08-10T09:14:48","date_gmt":"2017-08-10T07:14:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39566"},"modified":"2017-08-18T10:57:19","modified_gmt":"2017-08-18T08:57:19","slug":"zukunft-ist-gut-fuer-alle-die-paradoxe-parallelwelt-der-wahlplakate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39566","title":{"rendered":"Zukunft ist gut f\u00fcr alle &#8230; die paradoxe Parallelwelt der Wahlplakate"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-01.gif\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Nun sind es nur noch sieben Wochen bis zum Wahlsonntag. Alle Jahre wieder buhlen die Parteien mit bunten, mal mehr, meist weniger originellen Plakaten um W&auml;hlerstimmen. Wobei der Begriff &bdquo;Wahlkampf&ldquo; eigentlich nicht mehr zutreffend ist. Die CDU sitzt die Wahlen ganz einfach aus, ist ihr Sieg doch ohnehin nicht ernsthaft bedroht und die SPD weigert sich beharrlich, inhaltliche Alternativen anzubieten, wie am Dienstag bereits Albrecht M&uuml;ller treffend <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39547\">analysierte<\/a>. Zwei der vier &bdquo;kleinen Parteien&ldquo; bewerben sich handzahm um die Juniorpartnerschaft, die Linkspartei appelliert einsam auf weiter Flur an die unteren 90% und die AfD suhlt sich in der Rolle des Parias. <strong>Jens Berger<\/strong> hat sich f&uuml;r die NachDenkSeiten einmal die Plakate angeschaut, mit denen ganz Deutschland in den kommenden Wochen verunstaltet wird.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7172\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39566-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170810_Zukunft_ist_gut_fuer_alle_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170810_Zukunft_ist_gut_fuer_alle_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170810_Zukunft_ist_gut_fuer_alle_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170810_Zukunft_ist_gut_fuer_alle_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39566-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170810_Zukunft_ist_gut_fuer_alle_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170810_Zukunft_ist_gut_fuer_alle_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>CDU &ndash; die Kanzlerin ist die Kernbotschaft<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-CDU_1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Die CDU scheut den inhaltlichen Wahlkampf wie der Teufel das Weihwasser. Das ist nicht neu. Neu ist auch nicht, dass der Wahlkampf der Christdemokraten extrem auf die Kanzlerin zugeschnitten ist. Die CDU braucht keine Inhalte. Merkel ist schlie&szlig;lich die Botschaft; Inhalte hat man da bereits seit l&auml;ngerem &uuml;berwunden. So strahlt dann auch erstaunlich zeitlos eine deutlich mit Photoshop aufgeh&uuml;bschte Kanzlerin vom Hauptplakat entgegen &ndash; &bdquo;F&uuml;r ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.&ldquo; Es war zu erwarten, dass die CDU mit einer Variation des beliebten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37979\">Uns geht es doch gut<\/a>&ldquo; in den Wahlkampf zieht; ein PR-M&auml;rchen, das auch von den Medien gerne verbreitet wird. Im Kern k&ouml;nnte die CDU auch auf Ihr Plakat von 1957 zur&uuml;ckgreifen: &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Keine_Experimente\">Keine Experimente! Konrad Adenauer<\/a>&ldquo; Die Aussage ist die gleiche. Freilich muss man dabei jedoch bedenken, dass die politische Konkurrenz 1957 in der Tat Alternativen angeboten hatte. So pl&auml;dierte die SPD damals f&uuml;r einen Austritt der Bundesrepublik aus der NATO, um eine rasche Wiedervereinigung zu erm&ouml;glichen. Heute h&auml;lt die SPD selbst nichts von &bdquo;Experimenten&ldquo;. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-CDU_2.gif\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Auch ansonsten gibt sich die CDU gewohnt <a href=\"https:\/\/bilderextern1.cdu.de\/bilder.html?currentContainerId=%20436&amp;pageNr=2\">uninspiriert und br&auml;sig<\/a>. &bdquo;F&uuml;r eine starke Wirtschaft und sichere Arbeit&ldquo;, &bdquo;F&uuml;r Sicherheit und Ordnung&ldquo; und &bdquo;f&uuml;r mehr Respekt vor Familien&ldquo; &ndash; dies sind traditionell konservative Slogans, die offenbar an die Kernw&auml;hlerschaft der CDU adressiert sind und Ehe f&uuml;r Alle hin, Einsparungen bei der Polizei her, bei diesen W&auml;hlern sicher auch haften bleiben. Bei der CDU k&uuml;mmert sich die Mutter ums Kind und der Mann schreinert, um das Geld zu verdienen &ndash; als Zugest&auml;ndnis an die j&uuml;ngeren W&auml;hler auf dem Lande tr&auml;gt er immerhin einen F&uuml;nftagebart. Oh wie hipp! So plakatiert eine Partei, die inhaltliche Debatten bereits &uuml;berwunden hat, eigentlich gar keinen Wahlkampf machen will und es offensichtlich auch gar nicht n&ouml;tig hat, kreativ zu sein. <\/p><p><strong>SPD &ndash; ein zynisches Willkommen im Paralleluniversum<\/strong><\/p><p>Vollkommen ratlos lassen die Plakate der SPD den kritischen Betrachter zur&uuml;ck. Zynisch k&ouml;nnte man sagen, dass die Plakate h&ouml;chstens W&auml;hler ansprechen k&ouml;nnen, die in den 90ern ins Koma gefallen und erst jetzt wieder aufgewacht sind. Denn die SPD auf den Plakaten hat mit der real existierenden SPD des Jahres 2017 nichts zu tun. Und selbst wenn man diesen nicht unerheblichen logischen Fehler einmal ignoriert &ndash; plakatiert so eine Partei, die gewinnen will? Wohl kaum.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-SPD_1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>&bdquo;Zukunft braucht neue Ideen&ldquo; &hellip; ach was? Tats&auml;chlich? Wer denkt sich bitte solche Slogans aus? Das erinnert in all seiner Inhaltsleere schon fast an den Satire-Slogan &bdquo;Zukunft ist gut f&uuml;r alle!&ldquo;, mit dem der Komiker Ralf Kabelka vor rund zehn Jahren als Politiker-Parodie <a href=\"http:\/\/www.spreeblick.com\/blog\/2009\/05\/18\/dr-udo-bromme-zukunft-ist-fur-alle-da\/\">Dr. Udo Br&ouml;mme<\/a> auf Tour ging. Von Br&ouml;mme lernen, hei&szlig;t siegen lernen? Ich warte ja auch noch auf den Tag, an dem Jan B&ouml;hmermann aus dem Martin-Schulz-Kost&uuml;m klettert und den Witz endlich aufkl&auml;rt. Anders ist auch das Hauptplakat der SPD kaum zu erkl&auml;ren. Ein Schulz, der etwas von Ideen f&uuml;r die Zukunft raunt, aber partout nicht sagen will, um welche Ideen es sich handelt &hellip; das kann doch nur Satire sein.<\/p><p>Auch die <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/aktuelles\/kampagne-zur-bundestagswahl\/\">Bildplakate<\/a> mit inhaltlichen Bez&uuml;gen scheinen aus einer Art Parallelwelt zu stammen. Eine laute, fordernde Familienpolitik von der SPD? Nun ja. Eine Politik, die in Ideen investiert? Aber doch nicht in Zeiten der Schuldenbremse! Echte Lohngerechtigkeit und nicht &bdquo;21% weniger&ldquo;? Stopp, die SPD kritisiert mit diesem Plakat nat&uuml;rlich keine prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnisse, bei denen beispielsweise Leiharbeiter bei gleicher Arbeit deutlich weniger als 21% als die Stammbelegschaft bekommen. Es geht um den vermeintlichen &bdquo;Gendergap&ldquo; &hellip; aber warum zeigt man dann keine Frau in einem klassischen Niedriglohnberuf, der den Gendergap ausmacht? Offenbar passt es f&uuml;r die SPD des Jahres 2017 nicht mehr ins gew&uuml;nschte Image, als Vertreterin der Interessen von Kassiererinnen oder eine Friseurinnen wahrgenommen zu werden. Schade. Warum sollen dann aber solche Menschen die SPD w&auml;hlen? <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-SPD_2.gif\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Den zynischen H&ouml;hepunkt bildet jedoch ein Plakat, bei dem die SPD sich selbst als Interessenwahrerin von Armut bedrohter Rentner inszeniert. Auch dazu hatte Albrecht M&uuml;ller schon etwas <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39547\">geschrieben<\/a>. Es ist einfach nur ein Schlag ins Gesicht der Opfer, wenn die SPD nun so tut, als sei sie ernsthaft an menschenw&uuml;rdigen Renten interessiert. <\/p><p>In der Parallelwelt der Kampa mag dies alles ja so sein &hellip; mit der Realit&auml;t haben derlei PR-Slogans aber gar nichts zu tun. Und das merken nat&uuml;rlich auch die W&auml;hler. Fool me once, shame on you; fool me twice, shame on me. Und die SPD versucht ihre W&auml;hler nun schon zum xten Male zu ver&auml;ppeln. <\/p><p><strong>Die Linke &ndash; bunt und inhaltlich fokussiert<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-Linke_1.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Wie es auch anders gehen kann, zeigt die Linkspartei. Im Vergleich zu fr&uuml;heren Kampagnen wirken die Plakate der Linkspartei in diesem Jahr erfreulich modern und frisch. Das besondere Alleinstellungsmerkmal ist jedoch, dass die Linke nicht ihre Spitzenkandidaten mit abgelutschten, austauschbaren Nulls&auml;tzen abbildet, sondern kantige Slogans mit klaren politischen Botschaften und Forderungen abbildet. Inhaltlich heben sich die Plakate dabei kaum von den Plakaten der letzten Bundestagswahlen ab. Warum auch? Die Forderungen von damals sind auch heute noch brandaktuell. Bleibt zu hoffen, dass die moderneren Plakate auch die j&uuml;ngeren W&auml;hlerschichten ansprechen.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-Linke_2.gif\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Auff&auml;llig ist auch, dass bei der Linkspartei die Wahlslogans zum Programm passen. Suboptimal und un&uuml;bersichtlich sind die vier &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/wahlen\/kampagne\/\">Personenplakate<\/a>&ldquo;, auf denen die beiden Spitzenkandidaten und die beiden Parteivorsitzenden abgebildet sind. Das ist dann doch ein bisschen zu viel Vielfalt und d&uuml;rfte den W&auml;hler im Zweifel eher verwirren; zumal die Bekanntheitswerte von Katja Kipping und Bernd Riexinger vor allem im Westen doch eher &uuml;berschaubar sein d&uuml;rften. H&auml;tte die Linke sich auch optisch hinter die zugkr&auml;ftige Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht gestellt, h&auml;tte dies sicher ein paar Prozent W&auml;hlerstimmen eingebracht. Chance vertan.<\/p><p><strong>Die Gr&uuml;nen &ndash; es lebe die Beliebigkeit<\/strong><\/p><p>Dass man &ndash; aller Inhaltslosigkeit des Wahlkampfs zum Trotz &ndash; auch &uuml;ber die Wahlplakate den fortlaufenden Trend zur &bdquo;politischen Mitte&ldquo; und zur Beliebigkeit erkennen kann, beweisen bei diesen Wahlen die Gr&uuml;nen. Standen bei den letzten Bundestagswahlen 2013 noch vergleichsweise linke Inhalte im Mittelpunkt der gr&uuml;nen Wahlkampfstrategie, beherrschen in diesem Jahr die Themen &bdquo;Europa&ldquo;, &bdquo;Klimaschutz&ldquo; und &bdquo;Geschlechtergerechtigkeit&ldquo; die Wahlkampagne der Gr&uuml;nen. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-Gruen_1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-Gruen_1-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><br>\nWahlplakate 2013<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-Gruen_2.gif\" alt=\"\" title=\"\"><br>\nWahlplakate 2017<\/p><p>Man sp&uuml;rt dabei f&ouml;rmlich, dass die Gr&uuml;nen sich vor allem als kommender Junior-Partner der CDU in Szene setzen wollen. Angesprochen werden nicht mehr die Jungw&auml;hler und die Alternativen, sondern das linksliberale B&uuml;rgertum. Es ist jedoch fraglich, ob diese Strategie aufgehen kann, da dieses Segment nicht sonderlich gro&szlig; und bereits recht gut von den Parteien erschlossen ist. Man k&auml;mpft um W&auml;hler, die man ohnehin schon &bdquo;im Sack&ldquo; hat und l&auml;sst einen gro&szlig;en Teil der klassischen W&auml;hlerschaft ohne Not &bdquo;links liegen&ldquo;. <\/p><p>Auff&auml;llig ist auch, dass die Gr&uuml;nen einmal mehr ihrem Anspruch gerecht werden, die W&auml;hler intellektuell nicht zu &uuml;berfordern. Spr&uuml;che wie &bdquo;Nur wer Chancen bekommt, kann Chancen nutzen.&ldquo; oder &bdquo;Von weniger Europa hat keiner mehr.&ldquo; wirken platt und leblos. Die Fragen nach dem &bdquo;Wie&ldquo; und dem &bdquo;Warum&ldquo; h&auml;ngen da f&ouml;rmlich in der Luft, werden von den Gr&uuml;nen jedoch nicht beantwortet. <\/p><p>Die Gr&uuml;nen sind &uuml;brigens die einzige Partei, die ihre Slogans durchg&auml;ngig in Versalien druckt. Die Plakate schreien den Betrachter damit f&ouml;rmlich an. Fehlen nur noch die Ausrufezeichen &hellip; seri&ouml;s geht anders. Aber was soll man auch tun, wenn man keine &uuml;berzeugenden Inhalte hat?<\/p><p><strong>FDP &ndash; wo gibt&acute;s denn dieses Parfum zu kaufen?<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-FDP_1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Radikal neu ist die Kampagnenstrategie der FDP. 2013 sprach man noch mit den Kandidaten Westerwelle, R&ouml;sler und Br&uuml;derle in ultraseri&ouml;sem Outfit mit korrekt gebundener Krawatte und Einsteckt&uuml;chlein Menschen an, die sich eine elit&auml;re Regierung w&uuml;nschen &hellip; das waren bei den letzten Bundestagswahlen bekanntlich recht wenige W&auml;hler. Also erfand die FDP sich &ndash; zumindest wahlkampfstrategisch &ndash; neu und pr&auml;sentiert sich in diesem Jahr &hellip;. zumindest nicht wie eine politische Partei. Im Mittelpunkt der Plakate steht neben vergleichsweise viel zu kleinem Text der fesch gestylte Spitzenkandidat Christian Lindner &ndash; modern, cool, sexy, mit offenem Hemdkragen, Dreitagebart und l&auml;ssiger Pose. Die Fotos sind durchg&auml;ngig schwarz-wei&szlig; und haben wesentlich mehr Kontrast als das Wahlprogramm der Liberalen. Was f&uuml;r ein Unterschied zum br&auml;sigen Br&uuml;derle-Plakat von 2013.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-FDP_2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-FDP_2-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><br>\nFDP-Plakate 2013<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-FDP_3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-FDP_3-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><br>\nFDP-Plakate 2017<\/p><p>Auch bei der FDP ist der Kandidat das Programm. Auff&auml;llig ist ferner, dass man offenbar gro&szlig;en Wert darauf legt, nicht aktiv mit den ollen neoliberalen Kamellen hausieren zu gehen. Da ist nirgends etwas von &bdquo;Leistung muss sich wieder lohnen&ldquo; oder &bdquo;Steuern senken!&ldquo; oder sonstigen Anbiederungen an das klassische FDP-Klientel zu lesen. Das ist clever und unterscheidet die FDP von den Gr&uuml;nen. Denn die typischen FDP-W&auml;hler, wie die vier A&acute;s, die Anw&auml;lte, Architekten, &Auml;rzte und Apotheker, w&auml;hlen die FDP auch so und mit der neuen Fokussierung auf Digitalisierung und Bildung fischt die FDP bis tief ins linksliberale Milieu. <\/p><p>Was man am Ende bekommt, ist ohnehin etwas anderes als das, was auf den Plakaten steht. Da werden sich vor allem FDP-W&auml;hler ohnehin nichts vormachen. Das ist schon recht gut durchdacht. Fraglich ist jedoch, ob die extreme Personalisierung der Kampagne aufgeht. Rein optisch wirken die Plakate so, als wolle die FDP ein neues Herrenparfum auf den Markt bringen. An sowas hat man sich im Stra&szlig;enbild schon &bdquo;&uuml;bersehen&ldquo;. Politisch nicht so f&uuml;rchterlich Interessierte d&uuml;rften den Polit-Beau daher wohl eher gar nicht wahrnehmen. Und politisch Interessierte fallen auf die Kampagne, den alten Wein aus hippen, neuen Schl&auml;uchen zu verkaufen, im Zweifel auch nicht herein. Dennoch muss man den beteiligten PR-Profis Lob zollen &ndash; noch nie wurde neoliberale Politik so stylish verpackt. Hoffen wir nur, dass nicht allzu viele Menschen auf die Verpackung hereinfallen.<\/p><p><strong>AfD &ndash; Deutscht&uuml;melnd bis an den &auml;u&szlig;ersten rechten Rand<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-AFD_1.gif\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Dass die AfD sich auch auf ihren Plakaten auf die typischen AfD-Themen Islam, Immigration und Tradition konzentriert, ist verst&auml;ndlich. Wer w&auml;hlt die AfD schon wegen ihres neoliberalen Wirtschaftsprogramms? Dass deutsche Rechte keinen gescheiten Wahlkampf machen k&ouml;nnen, ist bekannt und auch die AfD hebt sich kaum von ihren humorbefreiten Vorg&auml;ngern und Gesinnungsgenossen wie DVU, Republikaner oder NPD ab. Da ist ein maximales Fremdsch&auml;mpotential garantiert.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-AFD_2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Ein erster gewollter Aufreger ist sicher das Ferkel-Plakat, nach dem der Islam nicht zu &bdquo;unserer&ldquo; K&uuml;che passt. Die Vegetarier hat die AfD mit diesem Mordaufruf an Schweinchen Babe schon mal verloren und da selbst im tiefsten Brandenburg der D&ouml;ner mittlerweile Nationalspeise Nummer Eins ist, kann man dieses Plakat wohl unter &bdquo;Eigentor&ldquo; verbuchen. <\/p><p>Es soll aber nicht bei diesem einen Eigentor bleiben. Ganz in der Tradition des &bdquo;Maria-statt-Scharia-Humors&ldquo; der NPD zeigt uns die AfD auf einem ihrer Gro&szlig;plakate die R&uuml;ckseiten dreier Strandsch&ouml;nheiten und betitelt dies mit &bdquo;Burkas? Wir steh&acute;n auf Bikinis&ldquo; &hellip; nein, was haben wir gelacht. Und welche Drogen die AfD-Agentur den drei Trachten-M&auml;dels vom &bdquo;Bunte-Vielfalt&ldquo;-Plakat eingefl&ouml;&szlig;t hat, bleibt wohl auch ein Geheimnis der Werber. So richtig gl&uuml;cklich sehen die AfD-Models jedenfalls nicht aus. Hat die AfD gar rum&auml;nische Zwangs-Dirndl-Models eingesetzt? Wir werden es wohl nie erfahren.<\/p><p>Und ob man mit der Kopulationsaufforderung &bdquo;Neue Deutsche? Machen wir selbst&ldquo; rechts der Mitte Stimmen gewinnen kann, ist auch fraglich und geht am Hauptproblem typischer AfD-W&auml;hler ohnehin vorbei &ndash; denn wie soll man <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/afd-waehler-jung-maennlich-und-enttaeuscht-14123702.html\">ohne Frauen<\/a> neue Deutsche machen? Keine andere gr&ouml;&szlig;ere Partei kommt bei Frauen im geb&auml;rf&auml;higen Alter so schlecht an wie die AfD. <\/p><p>Aber Spa&szlig; beiseite. Die AfD stellt auf ihren Plakaten wie in ihrer Politk viele Fragen, liefert aber keine Antworten. Woran liegt es denn, dass junge Menschen mit der Familienplanung so z&ouml;gerlich sind? Sicher nicht an den Burkas oder der muslimischen K&uuml;che, sondern an prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen, schlechten L&ouml;hnen und einer zu geringen sozialen Unterst&uuml;tzung junger Familien. Daf&uuml;r hat die AfD jedoch keine L&ouml;sungen. Stattdessen zeigt sie ihre (Noch)Parteichefin Frauke Petry mit ihrem Baby im Arm und stilisiert sie als Vorbild f&uuml;r ihre Geschlechtsgenossinnen. Das ist arrogant und sch&auml;big, denn wer wie das Ehepaar Pretzell-Petry &uuml;ber ein ordentliches sechsstelliges Jahresgehalt verf&uuml;gt, muss sich nat&uuml;rlich keine Gedanken &uuml;ber Zeitvertr&auml;ge, Flexibilit&auml;t, Kindergartenpl&auml;tze und Schichtdienste machen. Den meisten AfD-W&auml;hlern wird es nicht so gut gehen.<\/p><p><strong>Wahlkampf? Fehlanzeige<\/strong><\/p><p>Mit Ausnahme der Linken verlieren sich die Parteien auch in diesem Jahr wieder einmal in Belanglosigkeiten. Die Parteien scheuen eine inhaltliche Positionierung und vor allem die beiden sogenannten Volksparteien gehen dabei mit schlechtem Beispiel voran. Die Wahlen scheinen bereits gelaufen zu sein und da die SPD sich ja standhaft weigert, aktiv Wahlkampf zu betreiben, haben es die Werber auch nicht wirklich einfach. Wie soll man einen Boxkampf promoten, bei dem der Sieger ohnehin schon feststeht und der Herausforderer lieber in seiner Ringecke sitzen bleibt? Dann lieber doch &bdquo;Zukunft ist f&uuml;r alle&ldquo; &hellip; nur, dass sich am Wahlsonntag niemand &uuml;ber die voraussehbar schlechte Wahlbeteiligung aufregt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/8a6129c0ccf34cb7b73f38c2b87987d1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170810-Zukunft-01.gif\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Nun sind es nur noch sieben Wochen bis zum Wahlsonntag. Alle Jahre wieder buhlen die Parteien mit bunten, mal mehr, meist weniger originellen Plakaten um W&auml;hlerstimmen. Wobei der Begriff &bdquo;Wahlkampf&ldquo; eigentlich nicht mehr zutreffend ist. Die CDU sitzt die Wahlen ganz einfach aus, ist<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39566\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,85,190],"tags":[635,718,2016,675,315,835,1799,288,392,1193,632,1347,505],"class_list":["post-39566","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-pr","category-wahlen","tag-altersarmut","tag-bundestagswahl","tag-equal-pay","tag-lindner-christian","tag-merkel-angela","tag-nationalismus","tag-petry-frauke","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-schuldenbremse","tag-schulz-martin","tag-wagenknecht-sahra","tag-wahlkampf","tag-wahlslogan"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39566"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39566\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39579,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39566\/revisions\/39579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}