{"id":39640,"date":"2017-08-15T08:43:26","date_gmt":"2017-08-15T06:43:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39640"},"modified":"2017-08-18T10:57:03","modified_gmt":"2017-08-18T08:57:03","slug":"die-geburtswehen-der-sozialen-marktwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39640","title":{"rendered":"Die Geburtswehen der Sozialen Marktwirtschaft"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140815-marktwirtschaft-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Heute wird uns die Soziale Marktwirtschaft als Auslaufmodell dargestellt, um die sich zahlreiche Mythen ranken. Dabei wird gerne unterschlagen, dass die Soziale Marktwirtschaft bei ihrer Einf&uuml;hrung vor allem eine auf den Regeln der Marktwirtschaft basierende Alternative zum damals auch in Westdeutschland ungemein popul&auml;ren Sozialismus war. Doch das ist l&auml;ngst vergessen. Wer wei&szlig; heute noch, dass in Hessen 1946 die Sozialisierung von Schl&uuml;sselindustrien, Gro&szlig;banken und Versicherungen per Volksentscheid beschlossen wurde? Wer wei&szlig; noch, dass die Briten im gleichen Jahr die Schwer- und Montanindustrie in Nordrhein-Westfalen verstaatlichen wollten? Und wer erinnert sich eigentlich noch an das Ahlener Programm der CDU, in dem 1947 ein christlicher Sozialismus anstelle einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung gefordert wurde? Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7503\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39640-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170815_Die_Geburtswehen_der_Sozialen_Marktwirtschaft_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170815_Die_Geburtswehen_der_Sozialen_Marktwirtschaft_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170815_Die_Geburtswehen_der_Sozialen_Marktwirtschaft_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170815_Die_Geburtswehen_der_Sozialen_Marktwirtschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39640-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170815_Die_Geburtswehen_der_Sozialen_Marktwirtschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170815_Die_Geburtswehen_der_Sozialen_Marktwirtschaft_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Im Gr&uuml;ndungsmythos der Bundesrepublik Deutschland nimmt der wirtschaftspolitische Ordnungsrahmen eine Sonderstellung ein. Mit &bdquo;Sozialer Marktwirtschaft&ldquo; verbindet man heute vor allem einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung, der als &bdquo;Wirtschaftswunder&ldquo; in die Geschichte einging &ndash; ein rheinischer Kapitalismus mit ordnungspolitischer Komponente, der einen deutschen Sonderweg zwischen dem amerikanischen Marktliberalismus und der sowjetischen Planwirtschaft darstellte. Doch so deutsch, wie der Mythos es will, war die Soziale Marktwirtschaft nicht. Gro&szlig;e Teile der Politik und der Bev&ouml;lkerung lehnten damals eine freie Marktwirtschaft ab und wollten Schl&uuml;sselindustrien sozialisieren. W&auml;hrend diese Ideen von den britischen Besatzern teilweise sogar unterst&uuml;tzt wurden, fand sich in den Amerikanern ein wirkm&auml;chtiger Gegner. G&auml;nzlich undemokratisch ignorierte die amerikanische Milit&auml;rverwaltung deutsche W&uuml;nsche und arbeitete Hand in Hand mit deutschen Industriellen an einem Gegenentwurf.<\/p><p>Als Deutschland nach der Stunde Null in Tr&uuml;mmern lag, befand es sich in einem politischen Schwebezustand. Zwar lehnte ein gro&szlig;er Teil der Bev&ouml;lkerung in den Folgejahren den Nationalsozialismus ab, in welche Richtung ein neues Deutschland tendieren sollte, war allerdings &uuml;ber alle Partei- und Anschauungsgrenzen hinweg lange umstritten. Der Kapitalismus und vor allem die Gro&szlig;industrie galten in weiten Kreisen als Mitverantwortliche f&uuml;r die Machtergreifung Hitlers und f&uuml;r den Zweiten Weltkrieg. Die Einsch&auml;tzung, dass der Kapitalismus in Deutschland gescheitert sei, war in den ersten Jahren nach dem Krieg durchaus mehrheitsf&auml;hig.<\/p><p><em>Interessant ist in diesem Kontext die dreiteilige Dokureihe &bdquo;Operation Wunderland &ndash; Ein Volk wird umerzogen&ldquo;. Hier finden Sie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dGE1TXAJi1c\">Teil 1<\/a> , <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=FAKd8M5bLQQ\">Teil 2<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zEzVuQBQUg4\">Teil 3<\/a> auf YouTube<\/em><\/p><p><strong>Die Hessen wollen sozialisieren<\/strong><\/p><p>Die Verkn&uuml;pfung von Kapitalismus und Nationalsozialismus war dabei nicht nur beim kleinen Mann auf der Stra&szlig;e weit verbreitet, sondern auch bei den neuen politischen Eliten. Deutlich wird dies beispielsweise im hessischen Verfassungskompromiss aus dem Jahre 1946[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Die verfassungsgebende Landesversammlung, in die Vertreter aller Parteien der Nachkriegszeit und parteilose Fachleute berufen wurden, sah in Artikel 41 der hessischen Landesverfassung die Sozialisierung von Gro&szlig;unternehmen in den Bereichen Bergbau, Metall, Energie, Verkehr, Banken und Versicherungen vor. Dar&uuml;ber hinaus wurde der W&uuml;rde des Menschen und seiner Pers&ouml;nlichkeit in der &Ouml;konomie, dem Recht auf Arbeit, dem Achtstundentag und einem umfassenden Streikrecht Verfassungsrang zugebilligt. Dies klang f&uuml;r die marktliberalen Amerikaner wie Sozialismus &ndash; sie setzten durch, dass &uuml;ber den umstrittenen Artikel 41, gesondert vom Rest der Verfassung, in einem Volksentscheid abgestimmt werden sollte. Das hessische Volk dachte allerdings anders. W&auml;hrend die Landesverfassung eine Zustimmung von 76% verbuchen konnte, wurde auch Artikel 41 mit 72% Zustimmung vom Volke angenommen. G&auml;nzlich undemokratisch scherte sich der amerikanische Milit&auml;rgouverneur Lucius D. Clay allerdings nicht um vox populi, setzte den Artikel au&szlig;er Kraft und verhinderte in der Folge alle Versuche, ihn zu realisieren[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>].<\/p><p><strong>Die Ruhrfrage<\/strong><\/p><p>Doch nicht nur in Hessen wehte damals ein sozialistischer Wind. Die Montanindustrie Nordrhein-Westfalens stellte nach der Abtrennung Schlesiens und des Saarlandes das industrielle Herz Deutschlands dar. Die Kohle- und Stahlbarone des Ruhrgebiets waren aufgrund ihrer Unterst&uuml;tzung von Hitlers R&uuml;stungspolitik nicht nur dem deutschen Volk suspekt, auch die Besatzungsm&auml;chte wollten sie urspr&uuml;nglich entmachten. Gro&szlig;britanniens Au&szlig;enminister war zu dieser Zeit der Labour-Politiker und ehemalige Gewerkschaftsf&uuml;hrer Ernest Bevin. Ende 1946 setzte er im britischen Kabinett einen Plan zur Sozialisierung der Montanindustrie Nordrhein-Westfalens durch. Die Kohle- und Stahlbarone sollten enteignet und die Konzerne sollten dem neuen Bundesland &uuml;berantwortet werden[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>].<\/p><p>Auch hier waren es wieder die Amerikaner, denen diese Form von &bdquo;Sozialismus light&ldquo; eindeutig zu weit ging und dies hatte nicht nur wirtschaftsideologische Gr&uuml;nde. Mit dem Einsetzen des Kalten Krieges wollten die USA ein wirtschaftlich starkes und ideologisch gefestigtes Westdeutschland aufbauen und jede kleinste Spur von &bdquo;Sozialismus&ldquo; sahen sie dabei als hinderlich an. Dies hatte auch wirtschaftliche Gr&uuml;nde. Nur mit einem marktliberalen Deutschland konnte man gute Gesch&auml;fte machen und man machte in der Folgezeit sehr gute Gesch&auml;fte. Der Sieg &uuml;ber die Briten in der Ruhrfrage war aber nicht umsonst. London gab erst klein bei, nachdem die Amerikaner sich bereiterkl&auml;rten, einen Gro&szlig;teil der britischen Besatzungskosten zu &uuml;bernehmen. Wer die Kapelle zahlt, bestimmt, welche Musik gespielt wird &ndash; die Briten und ihre Sozialisierungsideen waren nun aus dem Spiel genommen.<\/p><p><strong>Die sozialistische Ader der CDU<\/strong><\/p><p>Nun mussten die Amerikaner jedoch noch den Krieg um die K&ouml;pfe der deutschen Politiker gewinnen. Die SPD war in der Nachkriegszeit schwerlich f&uuml;r marktliberale Ideen zu begeistern. In ihrem im Mai 1946 in Hannover verabschiedeten Parteiprogramm forderte sie gar eine umfangreiche staatliche Planung in Produktion und Investition &ndash; die Schnittpunkte mit den Amerikanern waren im Wirtschafts- und Sozialbereich eher marginal. Interessanter war da die CDU. In der Nachkriegszeit herrschten bei den Christdemokraten heftige Fl&uuml;gelk&auml;mpfe. Der sehr einflussreiche linke Fl&uuml;gel der CDU wollte keinen Kapitalismus, sondern eine Ausrichtung auf einen &bdquo;Sozialismus mit christlicher Pr&auml;gung&ldquo;. Jakob Kaiser, der Wortf&uuml;hrer des linken Fl&uuml;gels, wollte seine Ideen damals in einer Gro&szlig;en Koalition mit der SPD durchsetzen. Zum Ausdruck kamen diese Ideen im 1947 beschlossenen &bdquo;Ahlener Programm&ldquo; der nordrhein-westf&auml;lischen CDU:<\/p><blockquote><p>\nDas kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. (&hellip;) Inhalt und Ziel (einer) sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der W&uuml;rde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und &auml;u&szlig;eren Frieden sichert.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Sie finden das Ahlener Programm sowie zahlreiche andere sehr interessante Dokumente auch auf unserer Serviceseite &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27937\">Interessante Dokumente des Zeitgeschehens<\/a>&ldquo;.<\/em><\/p><p>Im Ahlener Programm sah die CDU eine Verstaatlichung der Schl&uuml;sselindustrien vor und erteilte dem Marktliberalismus eine klare Absage. Dies &auml;nderte ein Mann, der von den Amerikanern nach Kriegsende als Oberb&uuml;rgermeister von K&ouml;ln eingesetzt worden war und kurze Zeit sp&auml;ter von den Briten wegen angeblicher Unf&auml;higkeit aus dem Amt gejagt und mit einem Verbot parteipolitischer Bet&auml;tigung belegt wurde &ndash; Konrad Adenauer. Der damals 70j&auml;hrige Politveteran war zwar selbst kein ausgesprochener Freund des Marktliberalismus, aber er wusste, dass er sich nur &uuml;ber diesen die wichtige Unterst&uuml;tzung der amerikanischen Milit&auml;rverwaltung sichern konnte. Mit deren Hilfe und mit Unterst&uuml;tzung wirtschaftsliberaler Vordenker wie Ludwig Erhard und von Industriellen konnte Adenauer den Fl&uuml;gelkampf in der CDU f&uuml;r sich gewinnen. Fortan bestimmte die &bdquo;Soziale Marktwirtschaft&ldquo;, ein Konsensmodell zwischen reinem Marktliberalismus und ordnungspolitischen Elementen, die wirtschaftspolitische Agenda der CDU.<\/p><p>Die von den Amerikanern initiierte W&auml;hrungsreform brachte anfangs zwar wieder die Waren in die Schaufenster, aber fast niemand konnte sich diese Waren leisten. Die Inflation stieg, ebenso die Arbeitslosigkeit. Erstmals in der jungen bundesrepublikanischen Geschichte gingen die Menschen massenweise auf die Barrikaden. An einem Generalstreik im November 1948 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/einestages\/60-jahre-waehrungsreform-a-947118.html\">beteiligten<\/a> sich neun Millionen Menschen. Vor allem die SPD versuchte, sich aus der Opposition heraus gegen Erhard und seine Politik zu positionieren.<\/p><p><strong>Der Vorl&auml;ufer der INSM<\/strong><\/p><p>Bei den ersten Bundestagswahlen erreichte die Union unter Konrad Adenauer 31% der Stimmen. Mit der hauchd&uuml;nnen Mehrheit von einer einzigen Stimme wurde er der erste Kanzler der Bundesrepublik. Nichtsdestotrotz war die Marktwirtschaft Anfang der 1950er Jahre eher unbeliebt beim deutschen Volk &ndash; Umfragen ergaben damals, dass eine Mehrheit der Deutschen sie ablehnte. Die Gefahr, dass die junge BRD sich bei ge&auml;nderten Mehrheitsverh&auml;ltnissen im Bundestag wieder von der Sozialen Marktwirtschaft verabschieden w&uuml;rde, war durchaus real. Um diese Gefahr zu entsch&auml;rfen, griff Ludwig Erhard zu einem Instrument, das damals vor allem in den USA sehr beliebt war &ndash; politische Propaganda, verpackt in einer vermeintlich neutralen Informationskampagne. Angeregt von Erhard gr&uuml;ndete eine Gruppe westdeutscher Industrieller 1952 den Verein &bdquo;Die WAAGE. Gemeinschaft zur F&ouml;rderung des sozialen Ausgleichs&ldquo;. Um die Hinterm&auml;nner und das Budget der Kampagne zu verschleiern, wurde die Arbeit der &bdquo;Waage&ldquo; nicht direkt, sondern &uuml;ber den Umweg der ausf&uuml;hrenden Werbeagenturen finanziert.<\/p><p>&bdquo;Die Waage&ldquo; trommelte mit Werbespots, die vor Kinofilmen ausgestrahlt wurden, Anzeigen und Plakaten f&uuml;r die Soziale Marktwirtschaft. Damit betraten deutsche Industrielle Neuland. Moderne Public Relations-Arbeit war in Deutschland zu dieser Zeit noch nicht sonderlich bekannt. &bdquo;Die Waage&ldquo; kreierte die beiden Hauptfiguren ihrer Kinospots bereits mittels Panel-Untersuchungen und Meinungsumfragen. In einem typischen Waage-Spot erkl&auml;rte der &bdquo;moderne&ldquo;, marktwirtschaftlich orientierte Fritz dem skeptischen Otto, warum allgemeiner Wohlstand nur durch die Marktwirtschaft entstehen k&ouml;nne und warum jede Form von Sozialismus gef&auml;hrlich sei.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"270\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/o0LjB1cC-Cg\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><br>\n<em>Werbespot der Waage &ndash; &bdquo;Fritz und Otto im Ruderboot&ldquo;<\/em><\/p><p>Inwieweit die Soziale Marktwirtschaft f&uuml;r den folgenden Wirtschaftsaufschwung verantwortlich zeichnet, ist historisch umstritten. Einige Wirtschaftshistoriker vertreten die Meinung, dass der ordnungspolitische Rahmen ma&szlig;los &uuml;bersch&auml;tzt wird und der Aufschwung auch ohne Ludwig Erhards Reformen gekommen w&auml;re. Der Mythos vom Wirtschaftswunder durch die CDU-Reformpolitik hat sich auf jeden Fall gehalten. Jahrzehntelang wurden Alternativen zur Marktwirtschaft ausgeblendet, und man verga&szlig;, dass die Marktwirtschaft in Westdeutschland keineswegs unumstritten und nicht der Wunsch des Volkes war. Da die Soziale Marktwirtschaft jedoch ein echtes Erfolgsmodell wurde, verga&szlig; man schnell, dass es sehr wohl Alternativmodelle gab.<\/p><p>War die Soziale Marktwirtschaft der 1950er und 1960er noch ein gewollt attraktiver Gegenentwurf zum Sozialismus, hat sich das deutsche Wirtschaftssystem sp&auml;testens seit dem Einzug des Neoliberalismus von seinen sozialen Wurzeln St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck verabschiedet. Heute zeigt sich, dass die mittlerweile pervertierte Form der real existierenden Marktwirtschaft, die im Kern kaum mehr etwas &bdquo;Soziales&ldquo; an sich hat, das Land in eine Sackgasse gef&uuml;hrt hat. Es ist an der Zeit, sich wieder auf die Wurzeln der Diskussion zu besinnen und von Mythen zu verabschiedet.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/d1ced81fd7194988a220a7daf9022d92\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Theodor Spitta, Ursula B&uuml;ttner, Angelika Voss-Louis &ndash; Neuanfang auf Tr&uuml;mmern<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Erwin Stein &ndash; 30 Jahre hessische Verfassung<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Rolf Steininger &ndash; Ruhrfrage und Sozialisierung im Kontext anglo-amerikanischer Deutschlandpolitik 1947\/48<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140815-marktwirtschaft-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Heute wird uns die Soziale Marktwirtschaft als Auslaufmodell dargestellt, um die sich zahlreiche Mythen ranken. Dabei wird gerne unterschlagen, dass die Soziale Marktwirtschaft bei ihrer Einf&uuml;hrung vor allem eine auf den Regeln der Marktwirtschaft basierende Alternative zum damals auch in Westdeutschland ungemein popul&auml;ren Sozialismus<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39640\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,131,160,189],"tags":[1114,2133,1112,646,365,1268,909,233,416,528,2132,1176,2131,1979],"class_list":["post-39640","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-oekonomie","category-markt-und-staat","category-parteien-und-verbaende","tag-adenauer-konrad","tag-ahlener-programm","tag-buergerrechte","tag-erhard-ludwig","tag-inflation","tag-kalter-krieg","tag-kapitalismus","tag-marktliberalismus","tag-nationalsozialismus","tag-soziale-marktwirtschaft","tag-sozialismus","tag-streik","tag-unternehmenssozialisierung","tag-wirtschaftswunder"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39640"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39645,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39640\/revisions\/39645"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}