{"id":39663,"date":"2017-08-17T13:50:00","date_gmt":"2017-08-17T11:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39663"},"modified":"2017-08-17T16:54:04","modified_gmt":"2017-08-17T14:54:04","slug":"air-berlin-insolvenz-was-wird-da-hinter-den-kulissen-gemauschelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39663","title":{"rendered":"Air-Berlin-Insolvenz &#8211;  was wird da hinter den Kulissen gemauschelt?"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage war eigentlich nicht, ob die zweitgr&ouml;&szlig;te deutsche Fluglinie Air Berlin in die Insolvenz geht, sondern wann dies geschieht. Schon seit Jahren war die Fluglinie hoch defizit&auml;r und hing nur noch am finanziellen Tropf des Gro&szlig;aktion&auml;rs Etihad aus Abu Dhabi. Es ist auch kein gro&szlig;es Geheimnis, dass Etihad sich mittelfristig von der teuren deutschen Tochter trennen und die Lufthansa AG sich die Filetst&uuml;cke ergattern wollte. Erst im Mai dieses Jahres traf sich Lufthansa CEO Carsten Spohr in Abu Dhabi mit den Vertretern des Emirats, um die &Uuml;bernahme zu verhandeln. Besonders pikant &ndash; Spohr <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/merkel-abu-dhabi-103.html\">geh&ouml;rte zur Delegation<\/a> von Angela Merkel, die dem Emirat im Mai einen Staatsbesuch abstattete. Sollte die Air-Berlin-&Uuml;bernahme durch die Lufthansa von langer Hand geplant worden sein, k&auml;me der Lufthansa eine Insolvenz mitten w&auml;hrend der Ferienzeit und zu Beginn des Wahlkampfs nat&uuml;rlich sehr gelegen. Ohne gro&szlig;es Federlesen zu machen, sprang die Bundesregierung auch sofort mit 150 Millionen Euro &Uuml;berbr&uuml;ckungsgarantien ein, um die &Uuml;bernahme abzusichern. Zufall? Wohl kaum. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6208\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39663-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170817_Air_Berlin_Insolvenz_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170817_Air_Berlin_Insolvenz_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170817_Air_Berlin_Insolvenz_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170817_Air_Berlin_Insolvenz_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39663-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170817_Air_Berlin_Insolvenz_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170817_Air_Berlin_Insolvenz_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Niemand kann behaupten, dass die Pleite wirklich unerwartet kam. In den letzten vier Gesch&auml;ftsjahren verzeichnete Air Berlin einen kumulierten Verlust von 1,92 Milliarden Euro. Das Jahr 2016 war mit einem Verlust von 782 Millionen Euro das schlechteste in der Firmengeschichte von Air Berlin. Die Finanzschulden des Konzerns summieren sich laut Branchendienst <a href=\"http:\/\/www.aerotelegraph.com\/die-desolate-lage-von-air-berlin-in-zahlen\">aeroTELEGRAPH<\/a> auf stolze 1.161 Millionen Euro, davon soll der Konzern alleine dem Gro&szlig;aktion&auml;r Etihad 454 Millionen Euro schulden. Geld, das die Scheichs aus Abu Dhabi wohl komplett abschreiben k&ouml;nnen, denn Air Berlin hat schon lange keine nennenswerten Aktiva mehr. Die Flugzeuge sind alle an eine Finanzgesellschaft ausgelagert und werden nur noch an die Airline verleast. Selbst die Firmenzentrale in Berlin geh&ouml;rt schon lange nicht mehr der Fluglinie. Von Wert sind streng genommen nur noch die Start- und Landerechte, die Slots an den Drehkreuzen D&uuml;sseldorf und Berlin, die von Brancheninsidern mit 80 Millionen Euro beziffert werden. 80 Millionen Euro Sicherheiten gegen 1.161 Millionen Euro Schulden? Es ist schon bemerkenswert, dass die Bundesregierung bei einer derartigen Schieflage als Sicherheitsgeber einspringt.<\/p><p>Aber nicht nur das: Air Berlin ist zwar eine in Deutschland zugelassene Fluglinie, jedoch bereits die Betreibergesellschaft Air Berlin PLC &amp; Co. Luftverkehrs KG ist <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/air-berlin-airline-besitzt-kein-einziges-flugzeug-mehr\/13855654.html\">laut Tagesspiegel<\/a> in London zugelassen und die Holding Air Berlin PLC ist ohnehin eine rein britische Firma. Die Finanzen von Air Berlin werden derweil &uuml;ber eine Tochter aus Amsterdam verwaltet. Wo eigentlich die Besitzrechte an den Jets liegen, die die PLC &amp; Co. KG leasen musste, ist unbekannt. Bei diesem Konstrukt ging es dem langj&auml;hrigen Firmenpatriarchen Joachim Hunold jedoch nicht nur um die Steuerersparnis, die bei der chronisch defizit&auml;ren Airline ohnehin zu vernachl&auml;ssigen war, sondern vor allem um seinen pathologischen Kampf gegen die Gewerkschaften, die er auch schon mal als &bdquo;Verbrechen an der Wirtschaft&ldquo; bezeichnet hat. Und nun haftet der Steuerzahler f&uuml;r ein solches Firmenkonstrukt? Sicher, f&uuml;r die 8.000 Mitarbeiter ist die Insolvenz ein harter Schlag, aber das war die Schlecker-Pleite f&uuml;r die 25.000 Schlecker-Frauen auch, f&uuml;r die die Merkel-Regierung damals kein Mitleid hatte.<\/p><p>Es ist jedoch zu vermuten, dass die Staatshilfen einen ganz besonderen Zweck haben. Deutschland geh&ouml;rt zu den am h&auml;rtesten umk&auml;mpften M&auml;rkten f&uuml;r die Luftfahrt. Der Branchenprimus Lufthansa mit seinem gigantischen Knotenpunkt Frankfurt wehrt sich bislang erfolgreich gegen die Attacken, die vor allem von zwei &bdquo;Billigairlines&ldquo; gefahren werden &ndash; der britischen EasyJet, die mehrheitlich dem griechisch-zypriotisch-st&auml;mmigen Milliard&auml;r Stelios Haji-Ioannou geh&ouml;rt, und der irischen Ryanair, deren gr&ouml;&szlig;te Aktion&auml;re Wall-Street-Investmentbanken sind. Die Lufthansa h&auml;lt dieser Konkurrenz vor allem mit der firmeneigenen Tochter Eurowings entgegen und in der Branche wird offenbar schon lange gemunkelt, dass die Lufthansa liebend gerne Air Berlin loswerden und einige Start- und Landerechte der Konkurrenz f&uuml;r die Tochter Eurowings erwerben w&uuml;rde. Etihad h&auml;tte wohl auch liebend gerne verkauft &ndash; es gab jedoch <a href=\"http:\/\/www.reuters.com\/article\/us-lufthansa-agm-idUSKBN1810Z5\">laut einer Reuters-Meldung<\/a> noch drei Hindernisse, die Lufthansa und Etihad aus dem Weg r&auml;umen mussten: Das deutsche Kartellrecht, die Kosten und die Schulden von Air Berlin.<\/p><p>Die Schulden von Air Berlin sind nun Geschichte. Ob die Gl&auml;ubiger &uuml;berhaupt etwas bekommen, steht in den Sternen. Vor allem f&uuml;r den Gro&szlig;gl&auml;ubiger Abu Dhabi ist dies sicher ein schwerer Schlag, obgleich man die Schulden sicher ohnehin bereits intern abgeschrieben hat. Das Hindernis ist jedoch aus dem Weg und die laufenden Kosten ist das Emirat damit los. F&uuml;r die Lufthansa hat die Bundesregierung das zweite Hindernis aus dem Weg ger&auml;umt. Die 150 Millionen Euro &bdquo;&Uuml;berbr&uuml;ckungskredit&ldquo; reichen angeblich f&uuml;r drei Monate. Und da die Verhandlungen ohnehin auch schon vor dem Insolvenzantrag <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/krise-von-air-berlin-fuer-die-lufthansa-ist-der-weg-frei\/20193092.html\">sehr weit fortgeschritten waren<\/a>, kann man diese Summe durchaus auch als Geschenk an die Lufthansa interpretieren; auch wenn sich das nicht bis zur EU-Kommission in Br&uuml;ssel herumsprechen sollte. Um das dritte Hindernis, das Kartellrecht, zu umgehen, holt die Lufthansa offenbar den Konkurrenten EasyJet ins Boot. Der ist wohl schon l&auml;nger auf die Air-Berlin-Slots in D&uuml;sseldorf scharf und wenn Lufthansa und EasyJet das Fell des Berliner B&auml;ren unter sich aufteilen, d&uuml;rfte dies die Wettbewerbsh&uuml;ter bes&auml;nftigen.<\/p><p>Auf jeden Fall muss man allen Beteiligten zum perfekten Timing gratulieren. Zu Beginn des Wahlkampfs will nat&uuml;rlich weder die CDU noch die SPD Bilder von erbosten, gestrandeten Urlaubern in den Medien sehen, die sich bitter dar&uuml;ber beschweren, mit Kind und Kegel von &bdquo;denen da oben&ldquo; vergessen worden zu sein und auch 8.000 gef&auml;hrdete Arbeitspl&auml;tze sind ein Pfund. Dass viele dieser Arbeitspl&auml;tze nach Ablauf der dreimonatigen Frist ohnehin verloren gehen werden, steht auf einem anderen Blatt, denn in drei Monaten sind die Wahlen durch. Dann werden vielleicht nur noch vereinzelte Kritiker fragen, was denn nun aus den 150 Millionen Euro geworden ist. Aber auch so etwas ger&auml;t ja schnell in Vergessenheit. Die gr&ouml;&szlig;ten Aktion&auml;re der Lufthansa sind &uuml;brigens amerikanische, britische, franz&ouml;sische und deutsche Fonds, Investmentgesellschaften und Banken. Man wird sich f&uuml;r das &bdquo;Wahlgeschenk&ldquo; bedanken. Und Abu Dhabi? Leider ist nicht bekannt, was Angela Merkel im Mai dem Emirat konkret angeboten hat. Und auch die Lufthansa k&ouml;nnte sich ganz ohne finanzielle Mittel erkenntlich zeigen &ndash; es w&auml;re sicher keine allzu gro&szlig;e &Uuml;berraschung, wenn man k&uuml;nftig f&uuml;r seine Asien-Verbindungen verst&auml;rkt auf den Knotenpunkt Abu Dhabi <a href=\"http:\/\/www.routesonline.com\/news\/29\/breaking-news\/271179\/etihad-deepens-lufthansa-cooperation-will-greater-passenger-and-cargo-collaboration-be-next-step\/\">setzen w&uuml;rde<\/a>.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/075196dc35cf4a6a802808bebc201661\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage war eigentlich nicht, ob die zweitgr&ouml;&szlig;te deutsche Fluglinie Air Berlin in die Insolvenz geht, sondern wann dies geschieht. 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