{"id":39711,"date":"2017-08-21T12:11:44","date_gmt":"2017-08-21T10:11:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39711"},"modified":"2017-08-22T08:08:43","modified_gmt":"2017-08-22T06:08:43","slug":"bizarrer-streit-in-der-oekonomenzunft-von-laien-professoren-weisen-und-zwergen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39711","title":{"rendered":"Bizarrer Streit in der \u00d6konomenzunft \u2013 von Laien, Professoren, Weisen und Zwergen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170821_zwerge.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten und wenn &ouml;konomischer Sachverstand Mangelware ist, k&ouml;nnen auch schon einmal aus wirtschaftswissenschaftlichen Zwergen Wirtschaftsweise werden. Wie tief die Sonne der Kultur in den deutschen Wissenschaften heutzutage tats&auml;chlich steht, zeigt eine <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/streit-im-sachverstaendigenrat-einem-profi-sollte-das-nicht-passieren-15158733.html\">absurde Replik<\/a>, mit der die vier neoliberalen Mitglieder des  Sachverst&auml;ndigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung &ndash; umgangssprachlich die &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; &ndash; auf einen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/standpunkt-mehr-zentralismus-wagen-15148664.html\">Artikel<\/a> des f&uuml;nften Sachverst&auml;ndigen reagieren. Peter Bofinger hatte n&auml;mlich in der FAS die Unfehlbarkeit freier M&auml;rkte angezweifelt und eine aktivere Industriepolitik des Staates angeregt. Das war f&uuml;r die obersten H&uuml;ter des Neoliberalismus zu viel und es &uuml;berrascht nicht, dass sie Kritik an Bofingers Gedanken &uuml;bten. &Uuml;berraschend ist jedoch die Sch&auml;rfe und die Niveaulosigkeit der Replik. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9803\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39711-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170821_Bizarrer_Streit_in_der_Oekonomenzunft_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170821_Bizarrer_Streit_in_der_Oekonomenzunft_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170821_Bizarrer_Streit_in_der_Oekonomenzunft_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170821_Bizarrer_Streit_in_der_Oekonomenzunft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39711-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170821_Bizarrer_Streit_in_der_Oekonomenzunft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170821_Bizarrer_Streit_in_der_Oekonomenzunft_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Peter Bofinger d&uuml;rfte den meisten NachDenkSeiten-Lesern bekannt sein. Seit langem begleiten wir den &Ouml;konomen, der auf Empfehlung der Gewerkschaften in den Sachverst&auml;ndigenrat der Bundesregierung eingezogen ist, kritisch-konstruktiv. Bofinger schrieb auch das Vorwort zu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11316\">unserem Jahrbuch 2011\/2012<\/a> und gilt als einiger der wenigen bekannten deutschen &Ouml;konomen, die sich dem neoliberalen Dogma verweigern. Damit ist er im Sachverst&auml;ndigenrat schon beinahe ein Exot. Drei der &bdquo;f&uuml;nf Weisen&ldquo; werden n&auml;mlich von der Bundesregierung nominiert, ein Weiser wird von Arbeitgebern vorgeschlagen und der f&uuml;nfte Weise, aktuell Peter Bofinger, von den Gewerkschaften. Bofinger gegen&uuml;ber sitzen mit Christoph M. Schmidt, Lars Feld, Isabel Schnabel und Volker Wieland vier ausgemachte Anh&auml;nger marktliberaler Ideen, die damit leider sogar repr&auml;sentativ f&uuml;r den Zustand der Wirtschaftswissenschaften in Deutschland sind.<\/p><p>Unter diesen Rahmenbedingungen ist es sogar verst&auml;ndlich, dass die vier marktliberalen Sachverst&auml;ndigen nicht eben begeistert von dem waren, was ihr Kollege Bofinger in der vorletzten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zum Besten gab. Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/standpunkt-mehr-zentralismus-wagen-15148664.html\">Mehr Zentralismus wagen<\/a>&ldquo; machte Bofinger sich kurze, aber inhaltlich durchaus &uuml;berzeugende Gedanken zur Frage, ob die Gesellschaft sich bei der Gestaltung der Zukunft wirklich auf die &bdquo;kreativen Kr&auml;fte des Wettbewerbs&ldquo; verlassen sollte. Begrifflich greift Bofinger dabei auf eine strittige Formulierung aus dem Gutachten des Sachverst&auml;ndigenrates aus dem Jahre 2009 zur&uuml;ck und zieht anhand von drei griffigen Beispielen Bilanz. <\/p><ol>\n<li><strong>Finanzkrise<\/strong>\n<p>Die Finanzkrise von 2007 kann als Musterbeispiel daf&uuml;r gelten, dass &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo; offenbar alles andere als allwissend sind und auch kollektiv zu falschen Einsch&auml;tzungen kommen. Unter bestimmten Rahmenbedingungen wird auf den M&auml;rkten derjenige, der eigentlich den richtigen Riecher hat, von einer tumben Herde &uuml;berrannt und totgetrampelt. Der Glaube an die Weisheit des Wettbewerbs hat uns in der Finanzbranche Produkte wie Wetten auf den Zahlungsausfall geb&uuml;ndelter Schuldobligationen beschert. Wer tats&auml;chlich glaubt, dass sich die &bdquo;kreativen Kr&auml;fte des Wettbewerbs&ldquo; in der Finanzbranche zum Wohle der Gesellschaft entfaltet h&auml;tten, dem sei die Lekt&uuml;re von Michael Lewis&acute; exzellenten und dabei sehr unterhaltsamen Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/rezensionen\/sachbuch\/michael-lewis-the-big-short-wenn-keiner-an-die-krise-glaubt-lohnt-es-erst-recht-auf-sie-zu-setzen-1999084.html\">The Big Short. Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte<\/a>&ldquo; empfohlen &ndash; ich m&ouml;chte dabei wetten, dass vier der f&uuml;nf Wirtschaftsweisen das Buch entweder nicht gelesen oder nicht verstanden haben. Bofinger liegt &uuml;brigens schon l&auml;nger mit seinen Kollegen in diesem Punkt  im Clinch und auch die NachDenkSeiten haben diesen absurden Streit schon <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10735\">dokumentiert<\/a>.<\/p><\/li>\n<li><strong>Erneuerbare Energien<\/strong>\n<p>Als zweites Beispiel f&uuml;r die Unf&auml;higkeit der M&auml;rkte, von sich heraus kreative Ideen im Sinne der Allgemeinheit zu entwickeln, nennt Peter Bofinger die erneuerbaren Energien. Sicher, dieses Beispiel ist nicht so eindeutig, da es ja &ndash; anders als in der Finanzbranche &ndash; durchaus staatliche Lenkungsversuche gab und kleinere Marktteilnehmer auch sehr erfolgreiche Innovationen entwickelten. Aber genau dies belegt ja Bofingers These. Die gro&szlig;en Spieler am Markt haben die komplette Energiewende ganz einfach verschlafen und wohl darauf gesetzt, dass die &bdquo;gr&uuml;ne Phase&ldquo; der Regierung schon irgendwann einmal vorbeigeht und die eigene Lobby sich am Ende des Tages durchsetzt. Es ging nie um Marktl&ouml;sungen zum Wohle der Allgemeinheit, sondern darum die gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Rendite zu erzielen. Allgemeinwohl hin, Nutzen f&uuml;r die Gesellschaft her. Kreative Kr&auml;fte hat der Wettbewerb jedenfalls nicht in Gang gesetzt.<\/p>\n<p>Dann wurden jedoch vom Staat Fakten geschaffen, die nicht mehr so einfach revidierbar waren und dank staatlicher Lenkung konnte im Markt ein kreatives, innovatives Segment entstehen, das ohne die Intervention in die freien M&auml;rkte nie eine Chance gehabt h&auml;tte. Ob man nun &ndash; so wie Bofinger dies tut &ndash; den daf&uuml;r mit dem EEG geschaffenen Gesetzesrahmen &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee lobt oder skeptischer an die Sache herangeht: Unter dem Strich ist Bofingers Aussage, dass sich in der Energieversorgung in Deutschland nur deshalb ein neues Segment bilden konnte, weil der Staat lenkend in den nicht funktionierenden Markt eingegriffen hat, sicher unstrittig.<\/p><\/li>\n<li><strong>Abgasskandal<\/strong>\n<p>Der konkrete Aufh&auml;nger f&uuml;r Bofingers Gedanken ist das Versagen der Automobilindustrie. Auf versch&auml;rfte Umweltgrenzwerte haben die Hersteller &ndash; und zwar nicht nur die deutschen(!) &ndash; offenbar mit kreativen Mauscheleien reagiert, die in Einzelf&auml;llen sogar die Grenze zum justiziablen Betrug &uuml;berschritten haben. Gem&auml;&szlig; der Logik der Marktliberalen w&auml;re ein solches Ergebnis gar nicht m&ouml;glich, da der Wettbewerb ja dazu gef&uuml;hrt h&auml;tte, dass der Bedarf durch das beste Angebot am Markt gedeckt wird und dadurch die Gesellschaft als Ganzes gewinnt. Nun war das &bdquo;beste&ldquo; Angebot aber offenbar ein Angebot, das f&uuml;r den Konsumenten preiswert und bequem war, aber daf&uuml;r die Grenzwerte ganz einfach ignoriert hat. Nun werden marktliberale Kommentatoren einwerfen, dass Grenzwerte ja ohnehin ein unerlaubter Eingriff in den Markt seien, da Konsumenten, die Wert auf die Umwelt legen, auch ohne staatliche &bdquo;G&auml;ngelung&ldquo; zu Produkten greifen werden, die umweltfreundlich sind und die Anbieter daher von sich aus umweltfreundliche Produkte entwickeln. Dass dies grenzenlos naiv ist, sollte klar sein. Ja, auch der &bdquo;Abgasskandal&ldquo; ist ein gutes Beispiel daf&uuml;r, dass selbst ein funktionierender Wettbewerb nicht automatisch zum Allgemeinwohl beitr&auml;gt &ndash; selbst dann nicht, wenn der Staat halbgare Grenzwerte aufstellt, ohne sich gleichzeitig um deren Einhaltung zu k&uuml;mmern.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Bofinger hat schon Recht<\/strong><\/p><p>Summa summarum muss man daher nat&uuml;rlich zu dem Schluss kommen, dass Peter Bofinger im Kern vollkommen Recht hat. Offen ist hingegen die Debatte, wie und auf welchem Gebiet der Staat regulierend in den Wettbewerb eingreifen soll, um im Sinne der Allgemeinheit das bestm&ouml;gliche Ergebnis zu erzielen. Aber so weit ist Bofinger in seinem kleinen Artikel ja ohnehin nicht gegangen. Sein Einwurf war schlie&szlig;lich auch eher als die Anregung einer Debatte und nicht als deren Schlussstrich gedacht. <\/p><p>Besonders angeregt f&uuml;hlten sich offenbar Bofingers vier Kollegen aus dem Sachverst&auml;ndigenrat. Doch was die vier Weisen da in der letzten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung <em>(leider noch nicht online)<\/em> von sich gaben, ist erstaunlich niveaulos und selbst f&uuml;r deutsche &Ouml;konomen nicht gerade originell. Mehr noch: <strong>Da Bofinger offenbar einen wunden Nerv getroffen hat, gehen seine vier neoliberalen Kollegen auch rhetorisch in die Offensive und teilen dabei m&auml;chtig unter der G&uuml;rtellinie aus, indem sie Bofinger indirekt als einen Laien bezeichnen.<\/strong> Das ist abstrus.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170821_fas.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170821_fas-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><strong>Eine Replik aus der Parallelwelt<\/strong><\/p><p>Bemerkenswert ist bei der Replik vor allem, dass die vier &Ouml;konomen &uuml;berhaupt nicht auf Peter Bofingers Argumente eingehen, sondern zun&auml;chst einmal lustvoll einen Strohmann aufbauen, den sie dann &ndash; jedoch st&uuml;mperhaft &ndash; verbrennen. Der Name ihres Strohmanns ist &bdquo;China&ldquo;. Wenn ein &Ouml;konom die Unfehlbarkeit freier M&auml;rkte auch nur im Kern in Frage stellt, dann muss er ja schlie&szlig;lich ein Anh&auml;nger der Planwirtschaft sein. Und Planwirtschaft, das ist China. <\/p><p>Sie ahnen bereits, dass dieses Beispiel nicht sonderlich klug ist, da selbst die Anh&auml;nger einer ultrafreien Marktwirtschaft eingestehen m&uuml;ssen, dass das chinesische Modell ja nun nicht so erfolglos ist, wie man es gern h&auml;tte. Also weicht man rhetorisch auf einen Nebenkriegsplatz aus &ndash; die Menschrechte. Und sp&auml;testens wenn marktliberale &Ouml;konomen nicht mehr &ouml;konomisch, sondern moralisch argumentieren, wird es vollends abstrus. Wenn man den Gedankengang der vier Wirtschaftsweisen nachzeichnet, kommt man zu dem Schluss, dass staatliche Eingriffe in nicht funktionierende Marktsegmente am Ende eine Frage der Menschenrechte sind. Das schreiben die vier Autoren nat&uuml;rlich so nicht &ndash; aber genau so leiten sie den &bdquo;theoretischen Unterbau&ldquo; ihrer Replik auf Bofinger her. <\/p><p>Nach dieser fragw&uuml;rdigen theoretischen Einleitung wird es zwar praktischer, aber daf&uuml;r sogar noch niveauloser. Um Bofinger bei seinen Beispielen zu widersprechen, muss man schlie&szlig;lich auch auf sie eingehen. Das tun die vier Autoren auch &ndash; wenn auch nur sehr kurz und b&uuml;ndig. Die zentrale Ursache der Finanzkrise war, so lernen wir es dann, kein Fehler der M&auml;rkte, sondern &bdquo;eine Konsequenz des staatlichen Schutzes vor den Folgen der Fehleinsch&auml;tzungen&ldquo;. Der Staat hat die M&auml;rkte also nach Ansicht der vier Weisen nicht zu wenig, sondern zu scharf reguliert. Dabei kann man &uuml;ber die Gefahren eines &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Moral_Hazard\">moral hazards<\/a>&ldquo; durch die vorgenommenen Bankenrettungen ja durchaus debattieren. Die Vorstellung, nach der s&auml;mtliche Banken systemrelevant seien und der Staat Forderungen an insolvente Banken implizit garantiert, ist nat&uuml;rlich kritikw&uuml;rdig, wurde und wird von Bofinger aber auch nicht vorgebracht. Und ausgerechnet den Umstand, dass der Staat w&auml;hrend der Finanzkrise schlussendlich vor den Erpressungen der Finanzbranche eingeknickt ist, als Kernursache f&uuml;r die Krise selbst zu interpretieren, ist schon ziemlich unversch&auml;mt. Aber nun gut &ndash; was soll man auch schreiben, wenn man vom eklatanten Versagen der M&auml;rkte w&auml;hrend der Finanzkrise ablenken muss? <strong>Die Ausf&uuml;hrungen der vier Wirtschaftsweisen zu diesem Thema sind jedenfalls hochnotpeinlich und eigentlich eines studierten &Ouml;konomen unw&uuml;rdig.<\/strong><\/p><p>Beinahe noch peinlicher fallen jedoch die Repliken zu den zwei weiteren Beispielen Bofingers aus. Verantwortlich f&uuml;r das Versagen der M&auml;rkte ist hier n&auml;mlich nach Sicht der vier Professoren &ndash; Sie ahnen es vielleicht schon &ndash; der Staat! Wie kann das sein? Nun, bei der Energiewirtschaft handele es sich ja auf kommunaler Ebene bekannterma&szlig;en zumeist um kommunale Betriebe, also um den Staat selbst. Die Stadtwerke Klein-Kleckerdorf seien also daf&uuml;r in Haft zu nehmen, dass Eon, RWE, Vattenfall und EnBW so lange ausschlie&szlig;lich auf Kohle und Atom gesetzt haben? Das ist doch mal eine steile These. Und wie verh&auml;lt es sich bei der Automobilwirtschaft? Schnallen Sie sich an &ndash; die aktuelle Abgasaff&auml;re erkl&auml;ren die vier Sachverst&auml;ndigen mit der 20%-Beteiligung des Landes Niedersachsen am VW-Konzern. Das ist wirklich tolldreist, hat aber Methode. Auch bei der Finanzkrise wurde ja versucht, sie als Folge des Versagens &ouml;ffentlicher Banken <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3090\">darzustellen<\/a>.<\/p><p>&Uuml;berzeugen k&ouml;nnen diese &bdquo;Argumente&ldquo; nat&uuml;rlich nicht. Und das wissen auch Schmidt, Feld, Schnabel und Wieland und greifen daher auch ganz tief in die Schublade mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eristische_Dialektik\">Schopenhauers Kunstgriffen<\/a>, mit denen man Recht bekommen soll, ohne dabei Recht zu haben. Zum Einsatz kommt hier ein &bdquo;argumentum ad personam&ldquo;, das Schopenhauer selbst so kommentiert hat:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn man merkt, da&szlig; der Gegner &uuml;berlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man pers&ouml;nlich, beleidigend, grob.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><em>Laien verwechseln h&auml;ufig die Liebe von &Ouml;konomen zum Markt mit einer Liebe zu einzelnen Marktakteuren. Einem Profi sollte das nicht passieren.<\/em><br>\nChristoph M. Schmidt, Lars Feld, Isabel Schnabel und Volker Wieland &uuml;ber Peter Bofinger<\/p><p>Das muss man sich man vorstellen: <strong>Vier neoliberale Wirtschaftswissenschaftler wollen einen Kollegen zurechtweisen, finden daf&uuml;r aber kein einziges inhaltliches Argument, sprechen ihm daher ganz einfach seine Profession ab und nennen ihn einen Laien<\/strong>. So mutieren Weise zu Zwergen und selbst die abnehmende Sonne der Kultur kann dar&uuml;ber nicht mehr hinwegt&auml;uschen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/731fd7cb60ca40ee8634db58ec06d05d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170821_zwerge.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten und wenn &ouml;konomischer Sachverstand Mangelware ist, k&ouml;nnen auch schon einmal aus wirtschaftswissenschaftlichen Zwergen Wirtschaftsweise werden. Wie tief die Sonne der Kultur in den deutschen Wissenschaften heutzutage tats&auml;chlich steht, zeigt eine <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/streit-im-sachverstaendigenrat-einem-profi-sollte-das-nicht-passieren-15158733.html\">absurde<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39711\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,13,123,160],"tags":[1565,241,537,492,283,1903,233,1006,455],"class_list":["post-39711","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-kampagnentarnworteneusprech","category-markt-und-staat","tag-automobilindustrie","tag-bankenrettung","tag-bofinger-peter","tag-eeg","tag-finanzmaerkte","tag-gemeinwohl","tag-marktliberalismus","tag-regulierung","tag-wirtschaftsweise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39711","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39711"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39711\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39716,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39711\/revisions\/39716"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39711"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39711"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39711"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}