{"id":3972,"date":"2009-05-29T08:41:56","date_gmt":"2009-05-29T06:41:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3972"},"modified":"2018-08-08T11:22:44","modified_gmt":"2018-08-08T09:22:44","slug":"die-kommunale-daseinsvorsorge-hat-wieder-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3972","title":{"rendered":"Die kommunale Daseinsvorsorge hat wieder Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Die R&uuml;ckf&uuml;hrung vieler privatisierter Betriebe in die &ouml;ffentliche Hand stand im Mittelpunkt der Jahrestagung des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), die am 29.\/30. April in Berlin stattfand. Der aktuelle <a href=\"http:\/\/www.bay-staedtetag.de\/index.php?id=3018,101\">Informationsbrief des Bayerischen St&auml;dtetags 5\/2009<\/a> enth&auml;lt einen interessanten Beitrag zur Jahrestagung, in deren Mittelpunkt die Aussage stand, dass die kommunale Daseinsvorsorge durch Stadtwerke wieder eine Zukunft habe, da gerade die Wirtschafts- und Finanzkrise das Dogma &bdquo;Privat vor Staat&ldquo; widerlegt habe. Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><\/p><p>Kommunale Betriebe orientieren sich zur Erf&uuml;llung der Daseinsvorsorge an dem Grundsatz, Leistungen in gleichbleibend hoher Qualit&auml;t, fl&auml;chendeckend und zuverl&auml;ssig allen B&uuml;rgern sozial gerecht und diskriminierungsfrei zur Verf&uuml;gung zu stellen. Dabei verfolgt die &ouml;ffentliche Hand niemals kurzfristige Gewinninteressen, sondern zielt auf eine nachhaltige Sicherung der Lebensgrundlagen f&uuml;r alle und gew&auml;hrleistet so die Einhaltung hoher Standards. Die Grundversorgung der B&uuml;rger geh&ouml;rt somit zum Kernbereich der kommunalen Selbstverwaltung. Mit der Gemeinwohlverpflichtung ist die kommunale Daseinsvorsorge zu einer wichtigen und verl&auml;sslichen S&auml;ule unserer Gesellschaft geworden. Das ist jedenfalls der Selbstanspruch kommunaler Unternehmen.<\/p><p>Gem&auml;&szlig; den Lehren der vorherrschenden Wirtschaftspolitik, die weltweit von Konzernen, der Welthandelsorganisation, der Europ&auml;ischen Union, Regierungen und Parlamenten vertreten werden, wird jedoch eine Liberalisierungs- und Privatisierungspolitik der kommunalen Daseinsvorsorge zielstrebig vorangetrieben. In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass Privatisierungen h&auml;ufig nur zu Oligopolen und &uuml;berwiegend zu h&ouml;heren Preisen f&uuml;r die Verbraucher gef&uuml;hrt haben und nicht zum versprochenen Wettbewerb und zu mehr Effizienz. <\/p><p>Die R&uuml;ckf&uuml;hrung der in den letzten Jahren privatisierten Betriebe in die &ouml;ffentliche Hand stand im Mittelpunkt der Jahrestagung des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), die am 29.\/30. April in Berlin stattfand. Der aktuelle Informationsbrief des Bayerischen St&auml;dtetags enth&auml;lt einen interessanten Beitrag zur Jahrestagung, in deren Mittelpunkt die Aussage stand, dass die kommunale Daseinsvorsorge durch Stadtwerke wieder eine Zukunft habe, da gerade die Wirtschafts- und Finanzkrise das Dogma &bdquo;Privat vor Staat&ldquo; widerlegt habe.<\/p><p>VKU-Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer, Hans-Joachim Reck, brachte in seiner Rede zum Ausdruck, dass Denken und Handeln in immer k&uuml;rzeren Zeitr&auml;umen den Blick auf langfristige Trends und Entwicklungen verstelle und Kurzfristigkeit und Nachhaltigkeit nicht zusammen passten. Ein weiterer Punkt sei der Glaube, dass Privatwirtschaft per se effizienter und damit billiger f&uuml;r den Kunden sei. Die Renditeerwartungen vieler Unternehmen stiegen jedoch unaufh&ouml;rlich und lie&szlig;en sich nur noch durch immer gewagtere Spekulationen erreichen. Dadurch sei eine immer gr&ouml;&szlig;ere Blase aufgepumpt worden, die zwangsl&auml;ufig platzen musste. Reck sieht im Platzen dieser Blase den Anfang einer Zeitenwende: Privat vor Staat habe als Leitmotiv ausgedient. <\/p><p>Die Erfahrungen der Krise h&auml;tten dazu gef&uuml;hrt, dass sich die Menschen wieder verst&auml;rkt dorthin wendeten, wo sie das gr&ouml;&szlig;te Vertrauen, die gr&ouml;&szlig;te N&auml;he sp&uuml;rten, n&auml;mlich die kommunale Ebene und die kommunale Wirtschaft. &Uuml;berschaubare Einheiten und angemessene Gewinnerwartungen st&uuml;nden bei den Menschen wieder hoch im Kurs. Das sei der Rahmen, den die Kommunalwirtschaft biete und der auf gro&szlig;e Zustimmung bei den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern sto&szlig;e. Auch in der Krise habe die kommunale Wirtschaft eine gute Perspektive, deshalb appellierte Reck an die Parteien, die Bedeutung der Kommunalwirtschaft f&uuml;r den Wirtschaftsstandort Deutschland in den Programmen zur Bundestagswahl zu ber&uuml;cksichtigen. <\/p><p>Er untermauerte seine These mit aktuellen Zahlen: Die Stadtwerke seien ein Jobmotor. Nach neuesten Erhebung besch&auml;ftigten die Mitgliedsunternehmen rund 220.000 Menschen, die &uuml;ber eine gesch&auml;tzte Kaufkraft von 5 Mrd. Euro verf&uuml;gten und dadurch den Konsum vor Ort st&uuml;tzten. Davon w&uuml;rden ebenfalls wesentliche Effekte f&uuml;r die lokale und regionale Wirtschaft ausgehen, die zum ersten Mal systematisch wissenschaftlich in Hannover untersucht worden seien. Die direkten und indirekten Effekte der kommunalen Unternehmen summieren sich auf &uuml;ber 28.000 Vollzeitarbeitspl&auml;tze allein in der Landeshauptstadt, das sei jeder 14. Job. Im Umland k&auml;men zus&auml;tzlich 17.000 Stellen hinzu. Jeder Arbeitsplatz in einem kommunalen Unternehmen in Hannover ziehe damit 1,7 Stellen nach sich. In anderen Kommunen sei das &auml;hnlich. Reck unterstellte einen Faktor von 1,5. Damit seien das 220.000 direkt bei den Mitgliedsunternehmen Besch&auml;ftigte plus 330.000 durch die &ouml;konomischen Effekte. <\/p><p>Des Weiteren w&uuml;rden durch die Gewinnabf&uuml;hrung an die St&auml;dte und Gemeinden und die direkten und indirekten steuerlichen Effekte die kommunalen Haushalte gest&uuml;tzt, wodurch Schulen, B&auml;der, Stra&szlig;en und letztendlich die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger direkt profitierten. <\/p><p>Der VKU hat den Bundestagsfraktionen und den Parteizentralen zur Bundestagswahl sechs Thesen der Kommunalwirtschaft &uuml;berreicht. Die Thesen verdeutlichen die ordnungspolitische Flankierung, die f&uuml;r eine leistungsf&auml;hige, dem Citizen Value verpflichtete Kommunalwirtschaft erforderlich ist (abzurufen unter: <a href=\"http:\/\/www.vku.de\/vkuGips\/VKU\/vku.de\/Presse\/Pressemitteilungen_Liste\/Pressemitteilung_29_09\/1404_Positionspapier_Kurzfassung.pdf\">VKU Positionspapier Kurzfassung zum Download [PDF &ndash; 46.5 KB]<\/a> ). <\/p><p>VKU-Verbandspr&auml;sident Stephan Weil, Oberb&uuml;rgermeister von Hannover, sagte in seiner Rede: &bdquo;Die Kunden schenken den Stadtwerken ihr Vertrauen, weil die Stadtwerke sich nicht am gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Profit, sondern am Wohl der &ouml;ffentlichen Gemeinschaft orientieren. Aktuelle Umfragen belegen, dass bei Gas 55 Prozent und bei Wasser 72 Prozent der B&uuml;rger lieber von kommunalen Unternehmen versorgt werden, au&szlig;erdem gebe es bundesweit viele Neugr&uuml;ndungen von Stadtwerken im Bereich von Strom und Gas.&ldquo; Erfreulicher Weise sei festzustellen, dass immer mehr St&auml;dte und Gemeinden eine Rekommunalisierung der Leistungen anstrebten, die vormals an private Betreiber vergeben wurden. <\/p><p><strong>Neuer Trend zur Rekommunalisierung<\/strong><\/p><p>Durch Gemeinderatsbeschluss hat z.B. die Stadt Stuttgart im Jahr 2002 ihren gesamten NWS-Aktienbesitz an die EnBW AG verkauft. Damit ging die gesamte Stuttgarter Strom-, Gas- und Wasserversorgung an die EnBW &uuml;ber. Stuttgart war die erste und bis heute einzige Gro&szlig;stadt in Deutschland, die ihre Wasserversorgung, das wichtigste Gut der Daseinsvorsorge, zu 100% privatisiert hat. &Uuml;ber die Wasserversorgung haben seither die demokratisch gew&auml;hlten Vertreter im Rat keinerlei Einfluss mehr. Die Stuttgarter Wasserversorgung ist seitdem in der Hand eines b&ouml;rsennotierten Konzerns. Bei dem Verkauf des TWS\/NWS-Aktienpakets an die EnBW AG im Jahr 2002 wurden gleichzeitig auch die fr&uuml;heren Anteile Stuttgarts an den beiden gro&szlig;en Zweckverb&auml;nden Landeswasserversorgung (LW) und Bodenseewasserversorgung (BWV) mitverkauft. Damit wurden diese  teilprivatisiert und gelangten zu je 33,3% in den Besitz der EnBW AG. Im M&auml;rz 2009 haben die BWV und die LW  ihre Cross-Border-Leasing-Transaktionen beendet. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.s-wasserforum.de\/\">http:\/\/www.s-wasserforum.de\/<\/a>). Die Stadt Stuttgart will nun wieder 50 Prozent der Wassernetze &uuml;bernehmen.<\/p><p>Auch Hamburg geht den Weg der Rekommunalisierung. 2002 wurden die Hamburger Elektrizit&auml;tswerke an Vattenfall verkauft. Jetzt beschloss der Aufsichtsrat der Hamburger Wasserwerke die Gr&uuml;ndung eines eigenen Energieversorgers, es soll &ldquo;Hamburg Energie&rdquo; hei&szlig;en und <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/blogs\/2\/138086\">soll eine Art &Ouml;kostrom-Anbieter werden<\/a>. <\/p><p>Auf der VKU-Tagung wurde auch auf das Beispiel Bergkamen hingewiesen. Die Ruhrgebietskommune l&auml;sst die Abfallentsorgung seit dem 01. Juli 2006 nicht mehr durch ein beauftragtes Privatunternehmen ausf&uuml;hren sondern die Abfallentsorgung wird wieder von der Stadt selbst mit ihrem neu gegr&uuml;ndeten &bdquo;EBB &ndash; EntsorgungsBetriebBergkamen&ldquo; durchgef&uuml;hrt. <\/p><p>Auch Kiel ist auf dem Weg der Rekommunalisierung, die Stadt holt den Nahverkehr an die Stadt zur&uuml;ck. Die Ratsversammlung beschloss am 19.2.2009 einstimmig den R&uuml;ckkauf der KVG-Anteile zu einem Preis von 1,5 Mio. Euro.<\/p><p>Interessant ist, dass ausgerechnet Bundesfinanzminister Peer Steinbr&uuml;ck (SPD) auf der VKU-Tagung kritisierte, dass durch die Finanzkrise 4 Billionen US-Dollar Verm&ouml;gen vernichtet wurden und der B&uuml;rger jetzt am eigenen Leib die Erfahrung mache, dass Private ihre Dienstleistungen nicht so erbringen, wie sie versprochen h&auml;tten. Dies zeige, so Steinbr&uuml;ck, in welchem Ausma&szlig; der privaten Wirtschaft das Gef&uuml;hl f&uuml;r &bdquo;Ma&szlig; und Mitte&ldquo; verloren gegangen sei. Er appellierte an die Chefs der Stadtwerke und an die Kommunalpolitiker, die Zeit zu nutzen, um Gemeinwohlverpflichtungen und Werteorientierung wieder in den Vordergrund zu bringen. <\/p><p>Diese kritischen Worte zur Finanzkrise Steinbr&uuml;cks verwundern schon sehr, war es doch gerade auch sein Haus, das die Privatisierung z.B. durch die F&ouml;rderung von Public Private Partnerschip-Projekte vorangetrieben und durch eine Politik der Deregulierung auch den Casino-Betrieb gef&ouml;rdert hat. <\/p><p><strong>Wachsamkeit gegen&uuml;ber Aktivit&auml;ten der Europ&auml;ischen Union <\/strong><br>\nNach Ansicht des St&auml;dtetagspr&auml;sidenten und Oberb&uuml;rgermeisters von M&uuml;nchen, Christian Ude sei die Behauptung, &bdquo;Gemeinwohlorientierung sei ein alter Zopf&ldquo; endg&uuml;ltig widerlegt. Ude rief allerdings zur Wachsamkeit gegen&uuml;ber Aktivit&auml;ten der Europ&auml;ischen Union auf, die der kommunalen Wirtschaft das Leben schwer machten. Die Kommunen m&uuml;ssten sich ein Wahlrecht bewahren, ob sie etwa die Abfallentsorgung mit eigenen Unternehmen oder durch Dritte erf&uuml;llen lassen wollten. &bdquo;Rosinenpickerei&ldquo; durch Private d&uuml;rfe es nicht geben. <\/p><p>Mit der EU-Dienstleistungsrichtlinie, die am 29. Dezember in Kraft tritt, werden die Bereiche der Daseinsvorsorge auch k&uuml;nftig unter einen starken Privatisierungsdruck gesetzt. Die Kommission behauptet zwar die Richtlinie verpflichte die Mitgliedstaaten nicht zur Privatisierung von Dienstleistungen. Das ist zwar formal richtig, da der Richtlinienentwurf keine Vorschriften enth&auml;lt, die direkt solche Ma&szlig;nahmen vorsehen, indirekt tr&auml;gt die Dienstleistungsrichtlinie jedoch dazu bei, die Liberalisierung insbesondere bisher &ouml;ffentlich erbrachter Dienstleistungen weiter voranzutreiben. <\/p><p>In den Anwendungsbereich der Dienstleistungsrichtlinie fallen weite Bereiche der Daseinsvorsorge wie Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft,  Gesundheit, Bildung und Sozialdienstleistungen. Ver.di weist darauf hin, dass auch Gesetze und Verordnungen betroffen seien, deren Zusammenhang mit der Dienstleistungsrichtlinie nicht offensichtlich ist, beispielsweise das Berliner Schul- und Hochschulgesetz, die Verordnung zur Gew&auml;hrleistung eines bedarfsgerechten Angebotes von Pl&auml;tzen und zur Personalausstattung in Kitas (VOKitaF&Ouml;G), zahlreiche Weiterbildungs- und Pr&uuml;fungsordnungen in Gesundheitsberufen, das &Ouml;PNV-Gesetz, das Gr&uuml;nanlagengesetz oder die Friedhofsordnung. <\/p><p>St&auml;dte, Gemeinden und Kommunen, die sich auf PPP-Modelle eingelassen haben, m&uuml;ssten sich darauf einstellen, dass dieses Mischmodell nicht mit der Dienstleistungsrichtlinie vereinbar ist und sie ihre Dienstleistungen f&uuml;r Private &ouml;ffnen m&uuml;ssten. Rechtlich sei zwar eine Kooperation zwischen &ouml;ffentlichen und privaten Institutionen m&ouml;glich, allerdings sei eine Ausschreibung n&ouml;tig. Dazu ein praktisches Beispiel: &bdquo;In einem konkreten Fall wollten zwei Kommunen (A und B) ihre Rechenzentren zusammenlegen. Der Standort sollte in Kommune A sein. Aus Sicht der EU w&auml;re Kommune B damit Auftraggeber einer Dienstleistung geworden, die sie an Kommune A vergeben h&auml;tte. Dies sei aber ein Versto&szlig; gegen das EU-Recht, da die Vergabe ohne vorherige europaweite Ausschreibung erfolgt sei. (Quelle: <a href=\"http:\/\/gemeinden.verdi.de\/data\/0812_eu-dlr_broschuere.pdf\">&Ouml;ffentlicher Dienst und die bundesweite Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie [PDF &ndash; 267 KB]<\/a> ). <\/p><p>F&uuml;r kommunale Dienstleistungsanbieter d&uuml;rfte interessant sein, dass in den Jahren 2010 bis 2012 bundesweit viele Stromkonzessionen auslaufen. Allein in Nordhessen enden bis 2011 in 150 Kommunen die Konzessionsvertr&auml;ge. Im Landratsamt in Kassel sch&auml;tzt man, dass allein in diesem Landkreis bis zu 30 St&auml;dte und Gemeinden den R&uuml;ckkauf ihres Netzes anstreben (Quelle: <a href=\"http:\/\/publik.verdi.de\/2008\/ausgabe_11\/gesellschaft\/zukunft\/seite_16\/A0\">ver.di<\/a>). Reck lobte  in seiner Rede die Entwicklung, dass immer mehr Kommunen auslaufende Konzessionen wieder an Stadtwerke vergeben, statt die Vertr&auml;ge mit den Regionalt&ouml;chtern der gro&szlig;en Konzerne zu verl&auml;ngern. Durch die vielen auslaufenden Konzessionsvertr&auml;ge &ndash; allein in den n&auml;chsten zwei Jahren mehr als 1000 &ndash; sei diese Entwicklung bei weitem noch nicht am Ende angekommen. Stadtwerke d&uuml;rften zuk&uuml;nftig wieder vermehrt regionale Netzgesellschaften selbst betreiben. Der VKU will das Thema auslaufende Konzessionsvertr&auml;ge und Neugr&uuml;ndungen von Stadtwerken fachlich und  verbandspolitisch im Rahmen des Strategieprojektes &bdquo;Stadtwerke der Zukunft IV&ldquo;, begleiten und einen Leitfaden f&uuml;r Kommunen und Stadtwerke erstellen. Dadurch sollen die  Mitglieder eine Hilfestellung f&uuml;r die notwendigen Entscheidungsprozesse zur Netz&uuml;bernahme erhalten.<\/p><p>Die Daseinsvorsorge steht von verschiedenen Seiten unter Beschuss<br>\nSeit der Verwirklichung des europ&auml;ischen Binnenmarktes (Einheitliche Europ&auml;ische Akte), der auf einen freien Wettbewerb und Handel mit Dienstleistungen abzielt und der Unterzeichnung des Maastricht-Vertrags 1991, mit dem die Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion auf den Weg gebracht wurde, ist die &ouml;ffentliche Hand zunehmend unter finanziellen und juristischen Druck geraten. Im Rahmen der Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion wurde der so genannte Stabilit&auml;tspakt vereinbart, der einen ausgeglichenen Staatshaushalt fordert. Der Stabilit&auml;tspakt wirkte sich katastrophal auf die Daseinsvorsorge aus, da er Sanktionen erm&ouml;glicht, wenn das Haushaltsdefizit 3% oder die &ouml;ffentliche Verschuldung 60% des Bruttoinlandsprodukts &uuml;bersteigt. Obendrein brechen durch die gegenw&auml;rtige Steuer- und Sozialpolitik den St&auml;dten und Gemeinden die Einnahmen weg, so dass f&uuml;r die Finanzierung einer nachhaltigen Daseinsvorsorge das Geld fehlt. Das hatte in der Vergangenheit viele Kommunen nach dem Strohhalm der Privatisierung von kommunalen Betrieben oder zu Cross-Border-Leasings greifen lassen.<\/p><p>Die Politik der Privatisierung und Liberalisierung wird auf europ&auml;ischer Ebene weiterhin vorangetrieben. &Ouml;ffentliche Beihilfen etwa f&uuml;r Wasserversorger stehen bei der Europ&auml;ischen Kommission unter dem Generalverdacht von unerlaubten Subventionen, die die M&auml;rkte verzerrten, die Kommission strebt daher deren weitgehende Abschaffung an. <\/p><p>Die EU profiliert sich dar&uuml;ber hinaus im internationalen Handelsrecht als die treibende Kraft f&uuml;r eine weitere Liberalisierung der Wasserm&auml;rkte. Die Europ&auml;ische Kommission f&uuml;hrt im Auftrag der EU-Mitgliedstaaten die Verhandlungen f&uuml;r das Allgemeines Abkommen &uuml;ber den Handel mit Dienstleistungen (engl.: General Agreement on Trade in Services, kurz GATS), einem der wichtigsten internationalen Handelsvertr&auml;ge im Rahmen der Welthandelsorganisation. GATS bildet ein Rahmenwerk zur Liberalisierung des internationalen Handels und sieht vor, dass mehr als 150 Sektoren des Dienstleistungsbereichs f&uuml;r den Markt ge&ouml;ffnet werden sollen. Sobald in einem bestimmten Bereich die &ouml;ffentliche Hand in Konkurrenz zu einem privaten Anbieter steht, soll das das GATS Anwendung finden. Das bedeutet z.B., dass staatliche Beihilfen in gleichem Ma&szlig;e profitorientierten Anbietern gew&auml;hrt werden m&uuml;ssen wie den Unternehmen der &ouml;ffentlichen Hand. Dar&uuml;ber hinaus verbietet die GATS-Bestimmung des &bdquo;unbeschr&auml;nkten Marktzugangs&ldquo; beispielsweise einer Kommune, die H&ouml;he privater Beteiligungen an den Stadtwerken auf unter 50% zu begrenzen um damit die demokratische Kontrolle &uuml;ber das Wasser zu behalten. <\/p><p>Mittlerweile stehen die B&uuml;rger die Privatisierung der Betriebe der &ouml;ffentlichen Hand zunehmend kritisch gegen&uuml;ber. W&uuml;rden Volksbegehren und Volksabstimmungen zu jedem Verkauf initiiert werden, w&uuml;rden die B&uuml;rger aufgrund der ern&uuml;chternden Erfahrungen mit der Post, der Stromversorgung, dem &ouml;ffentlichen Personennahverkehr, den Krankenh&auml;usern und der Wasserversorgung (vgl. etwa <a href=\"http:\/\/www.netzeitung.de\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/1065258.html\">Berlin<\/a>) wohl kaum f&uuml;r weitere Privatisierungen votieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die R&uuml;ckf&uuml;hrung vieler privatisierter Betriebe in die &ouml;ffentliche Hand stand im Mittelpunkt der Jahrestagung des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), die am 29.\/30. April in Berlin stattfand. 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