{"id":39754,"date":"2017-08-24T09:01:46","date_gmt":"2017-08-24T07:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39754"},"modified":"2018-04-13T15:37:19","modified_gmt":"2018-04-13T13:37:19","slug":"der-abgas-skandal-ist-kein-rein-deutsches-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39754","title":{"rendered":"Der \u201eAbgas-Skandal\u201c ist kein rein deutsches Problem!"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170823_diesel.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Beinahe t&auml;glich tauchen neue Meldungen zum sogenannten &bdquo;Abgas-Skandal&ldquo; auf. Kein Wunder, es ist Wahlkampf und ein Skandal rund um Deutschlands Schl&uuml;sselindustrie und rund um das liebste Kind der Deutschen polarisiert nun einmal. Die Debatte hat sich dabei verselbstst&auml;ndigt und zahlreiche falsche Annahmen sind bereits Allgemeingut geworden. <strong>Diesel deutscher Hersteller sind besonders dreckig?<\/strong> Falsch! <strong>Der Abgas-Skandal betrifft vor allem Deutschland?<\/strong> Falsch! <strong>Der Diesel ist ein Auslaufmodell, da er nicht umweltfreundlich ist?<\/strong> Falsch! <strong>Es ist an der Zeit, endlich mal ein wenig Fakten in eine &uuml;berhitzte Debatte zu bringen.<\/strong> Denn nur dann kann man auch die richtigen Schl&uuml;sse ziehen. Denn Fehler wurden gemacht &ndash; von allen Beteiligten. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6652\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39754-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170824_Der_Abgas_Skandal_ist_kein_rein_deutsches_Problem_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170824_Der_Abgas_Skandal_ist_kein_rein_deutsches_Problem_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170824_Der_Abgas_Skandal_ist_kein_rein_deutsches_Problem_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170824_Der_Abgas_Skandal_ist_kein_rein_deutsches_Problem_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39754-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170824_Der_Abgas_Skandal_ist_kein_rein_deutsches_Problem_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170824_Der_Abgas_Skandal_ist_kein_rein_deutsches_Problem_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie dazu auch: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39335\">Autoland ist abgebrannt &ndash; wir haben ein Elitenproblem<\/a>&ldquo; und &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39470\">Abgas-Anarchie<\/a>&ldquo;<\/em><\/p><p>Die Keimzelle des heutigen &bdquo;Abgas-Skandals&ldquo; liegt in Kalifornien. Da die Abgase einiger Modelle des Volkswagen-Konzerns bei Kontrollen der Umweltbeh&ouml;rde EPA stark erh&ouml;hte Stickoxid-Werte aufwiesen und die EPA nachweisen konnte, dass der deutsche Hersteller eine Betrugssoftware zur Manipulation der Emissionen einsetzte, kam es zu einem Verfahren, bei dem es nicht nur um die Grenzwerte selbst, sondern auch um Straftaten wie Verschw&ouml;rung zum Betrug, der Behinderung der Justiz und den Verkauf von Waren unter falscher Angabe geht. Die diesbez&uuml;glichen Verfahren laufen noch. <\/p><p>Nun war der &bdquo;VW-Skandal&ldquo; in der Welt und fortan wurde die gesamte Debatte um Laborwerte, die auf der Stra&szlig;e um ein Vielfaches &uuml;bertroffen werden und insbesondere die Stickoxid-Emissionen von Dieselmodellen betreffen, eine Debatte rund um den Volkswagen-Konzern. Als der SPIEGEL im Juli dieses Jahres ein Kartell deutscher Automobilfirmen aufdeckte, das am Rande auch etwas mit der Stickoxid-Problematik bei Dieselmodellen zu tun hat, war der &bdquo;VW-Skandal&ldquo; pl&ouml;tzlich ein &bdquo;Abgas-Skandal&ldquo;. Deutsche Hersteller stehen im Zentrum der Kritik, Deutschland ruft einen &bdquo;Diesel-Gipfel&ldquo; nach dem anderen aus, in deutschen St&auml;dten werden Fahrverbote f&uuml;r Diesel diskutiert und die Politik denkt bereits &uuml;ber die Abschaffung der Steuerprivilegien f&uuml;r Dieselfahrzeuge nach. <\/p><p>&Uuml;ber all dies kann man ja trefflich diskutieren. Erstaunlich ist blo&szlig;, dass sich die Debatte fast ausschlie&szlig;lich auf deutschem Boden abspielt und deutsche Hersteller betrifft. Dabei gibt es &uuml;berhaupt keinen Grund, anzunehmen, dass es sich bei der Stickoxid-Problematik um ein isoliertes Problem deutscher Hersteller handelt. Im Gegenteil!<\/p><p><strong>Diesel deutscher Hersteller sind besonders dreckig?<\/strong><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170823_adac.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170823_adac-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Anfang dieser Woche ver&ouml;ffentlichte der ADAC einen <a href=\"https:\/\/www.adac.de\/infotestrat\/adac-im-einsatz\/motorwelt\/ecotest_euro6diesel.aspx?ComponentId=299894&amp;SourcePageId=6729\">aktuellen &Uuml;berblick<\/a> &uuml;ber die eigenen Testergebnisse bei Dieselfahrzeugen aller Hersteller. Dabei schnitten die Modelle der deutschen Hersteller BMW, VW, Mercedes und Opel[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] ordentlich ab, w&auml;hrend der deutsche[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] Ford-Konzern, der italienisch-amerikanische Fiat-Chrysler-Konzern und der franz&ouml;sische Renault-Konzern die Schlusslichter bildeten. Dass die Flotten der deutschen Hersteller dabei besonders gut abschnitten, steht im Kontrast zur &ouml;ffentlichen Debatte, nach der die Modelle deutscher Hersteller ja angeblich besonders dreckig sind. Sind die ADAC-Ergebnisse eine Ausnahme?<\/p><p>Nein, auch die ausf&uuml;hrlichen <a href=\"http:\/\/www.auto-motor-und-sport.de\/testbericht\/real-abgastest-sauber-diesel-nox-grenzwert-fahrvebot-eu6-10254994.html\">Tests der Automobilzeitung &bdquo;auto motor und sport&ldquo;<\/a> kamen zu ganz &auml;hnlichen Ergebnissen. Generell lagen die deutschen Modelle zwar meist oberhalb der gesetzlichen Grenzwerte. Die wenigen Modelle, die gesetzeskonform sind, sind jedoch ausschlie&szlig;lich deutsche Fabrikate und am unteren Ende der Skala finden sich zahlreiche Modelle ausl&auml;ndischer Hersteller.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170823_auto_gut.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170823_auto_gut-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Weder der Lobbyverein ADAC noch die PS-Zeitung &bdquo;auto motor und sport&ldquo; gelten als besonders kritisch gegen&uuml;ber der deutschen Autoindustrie. Handelt es sich bei diesen Messungen etwa um Gef&auml;lligkeiten gegen&uuml;ber den Herstellern? Wohl nein, denn die <a href=\"http:\/\/www.duh.de\/fileadmin\/user_upload\/download\/Projektinformation\/Verkehr\/dieselgate\/EKI\/2017-08-08_Tabelle_PEMS-Messungen_Ergebnisse_Maerz_2016-Juni_2017.pdf\">Messwerte<\/a> der zweifelsohne sehr kritischen Deutschen Umwelthilfe DUH, die den &bdquo;VW-Skandal&ldquo; mit angesto&szlig;en haben, sprechen dieselbe Sprache. Auch hier rei&szlig;en zwar die meisten deutschen Modelle die Messlatte, stehen im Vergleich zur internationalen Konkurrenz jedoch recht ordentlich da. Und siehe da &ndash; wenn man sich ein wenig ausf&uuml;hrlicher informiert, entdeckt man schnell, dass von &bdquo;offizieller Seite&ldquo; eigentlich auch nie etwas anderes behauptet wurde.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2016\/aug\/01\/french-inquiry-confirms-widespread-irregularities-in-diesel-emissions-data\">Testreihen des franz&ouml;sischen Umweltministeriums<\/a> nannten als Schlusslichter die Modelle Fiat 500X, Volvo V40, die Renault-Talisman- und Espace-Modelle, den Nissan Qashqai[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">**<\/a>] und die Modelle Ford Kuga, Opel Astra und Mokka. <\/p><p>Das britische Verkehrsministerium kam zu ganz <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/business\/2016\/apr\/21\/all-top-selling-cars-break-emissions-limits-in-real-world-tests\">&auml;hnlichen Ergebnissen<\/a> &ndash; hier schnitten von den Euro-5-Modellen der Vauxhall Insignia (baugleich mit dem gleichnamigen Opel) und Modelle der Hersteller Range Rover, Volvo, Nissan und Hyundai besonders schlecht ab. Bei den Euro-6-Modellen waren es Fahrzeuge der Hersteller Peugeot, Renault, Vauxhall (Opel), Jaguar und Ford. Modelle des Volkswagenkonzerns und der BMW-Gruppe bildeten indes die Spitze &ndash; die Euro-6-Norm erf&uuml;llte jedoch kein einziger Proband.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170823_auto_schlecht.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170823_auto_schlecht-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.ingenieur.de\/Themen\/Klima-Umwelt\/Unglaublich-Saubere-Euro-6-Dieselautos-schmutziger-Lkw\">Tests der internationalen kritischen ICCT<\/a> und verschiedene <a href=\"http:\/\/www.logistra.de\/news-nachrichten\/nfz-fuhrpark-lagerlogistik-intralogistik\/7430\/maerkte-amp-trends\/kba-messungen-massive-stickoxid-probleme-bei-s\">Messreihen des Kraftfahrtbundesamts<\/a> best&auml;tigen diesen Trend. Besondere Probleme mit den Stickoxiden scheinen Modelle der Hersteller Fiat und Renault (inkl. Nissan) zu haben. Das mag auch daran liegen, dass diese Hersteller vor allem im unteren und mittleren Preissegment aktiv sind, in dem die Mehrkosten f&uuml;r eine Dieselabgasreinigung merklich sp&uuml;rbar sind. Deutsche Hersteller bieten in diesen Segmenten oft gar keine oder kaum noch Dieselmodelle an.<\/p><p><strong>Der Abgas-Skandal betrifft vor allem Deutschland?<\/strong><\/p><p>Verfolgt man die Medien, k&ouml;nnte glatt der Eindruck entstehen, Deutschland sei das einzige Land auf der Welt, das ein Problem mit Dieselabgasen h&auml;tte. Das ist jedoch Unsinn. Wie die Zahlen erahnen lassen, halten nahezu alle Diesel-PKW, die heute auf der Stra&szlig;e unterwegs sind, die immer wieder versch&auml;rften Grenzwerte f&uuml;r Stickoxide nicht ein. Und Diesel-PKW sind nat&uuml;rlich nicht nur in Deutschland unterwegs. Den h&ouml;chsten Anteil weisen Italien (57% bei den Neuzulassungen), Spanien (56,9%), Frankreich (52,1%), Belgien (52%) und Gro&szlig;britannien (47,7%) auf. Erst dann kommt Deutschland mit einem <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/30846\/umfrage\/dieselanteil-an-den-pkw-neuzulassungen-in-westeuropa\/\">Marktanteil<\/a> von 45,8% bei den Neuzulassungen. Eine Ausnahme bilden hier vor allem die USA, wo der Anteil gerade einmal bei drei Prozent liegt, jedoch stetig steigt. Diesel-PKW sind in den USA stets Importe. Wenn US-Hersteller Dieselvarianten anbieten, dann sind dort meist Motoren europ&auml;ischer Zulieferer verbaut, wie die Dieselaggregate des zum Fiat-Chrysler-Konzerns geh&ouml;renden italienischen VM Motori, die beispielsweise im fast drei Tonnen schweren Unget&uuml;m <a href=\"http:\/\/www.autobild.de\/artikel\/dodge-ram-1500-ecodiesel-crewcab-test-5982109.html\">Dodge Ram 1500 EcoDiesel<\/a> ihren Dienst tun. Hat die EPA dieses Modell eigentlich mal auf Stickoxide getestet? <\/p><p>Richtig ist, dass Dieselfahrzeuge technisch bedingt ein Problem mit dem Aussto&szlig; von Stickoxiden haben. Hier spielt vor allem der Wirkungsgrad eine Rolle. Grob kann man sagen: Je h&ouml;her der Wirkungsgrad, desto h&ouml;her der Stickoxidaussto&szlig;. Andererseits bestimmt der Wirkungsgrad nat&uuml;rlich auch den Verbrauch und damit den Kohlendioxid-Aussto&szlig;. Hier hei&szlig;t es wiederum: je h&ouml;her der Wirkungsgrad, desto niedriger der Kohlendioxid-Aussto&szlig;. Wir haben es also mit einem klassischen Zielkonflikt zu tun. <\/p><p>Dieser Zielkonflikt betrifft jedoch keinesfalls nur Deutschland. Die ganze Welt will den Kohlendioxid-Aussto&szlig; senken, um das Klima zu retten. Daf&uuml;r hat man in der Automobilbranche ja auch den Flottenverbrauch eingef&uuml;hrt, der dazu f&uuml;hrt, dass es schon bald recht teuer f&uuml;r die Hersteller werden kann, wenn man den Verbrauch und damit den Kohlendioxid-Aussto&szlig; nicht senkt. Und das ist nat&uuml;rlich vor allem &uuml;ber verbrauchsarme Diesel mit einem hohen Wirkungsgrad zu erreichen, die dann aber auch zu h&ouml;heren Stickoxid-Ausst&ouml;&szlig;en neigen. <\/p><p><strong>Der Diesel ist ein Auslaufmodell, da er nicht umweltfreundlich ist?<\/strong><\/p><p>Daraus nun den Schluss zu ziehen, der Diesel sei eine technische Einbahnstra&szlig;e oder gar ein Auslaufmodell, w&auml;re indes t&ouml;richt. Den besten Gegenbeweis zeigen ja gerade eben die Testergebnisse selbst. Nehmen wir den BMW 520d, den Audi A5 2.0 TDI oder den Mercedes E 220 d &ndash; allesamt klassische Fahrzeuge der gehobenen Mittelklasse, die in Deutschland ein sehr gro&szlig;es Marktsegment abdecken. Diese drei Fahrzeuge z&auml;hlen auch in puncto Stickoxid-Aussto&szlig; zu den Klassenbesten und sto&szlig;en dabei kaum mehr Stickoxide aus als vergleichbare Benziner. Daf&uuml;r verbrauchen sie aber viel weniger Kraftstoff und sto&szlig;en daher auch viel weniger Kohlendioxid aus. Offenbar geht es doch, wenn man nur will. Auch 40-Tonner fahren ja schlie&szlig;lich mit Diesel und sto&szlig;en <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/diesel-faq-101.html\">weniger Stickoxide als die meisten Diesel-PKW<\/a> aus.<\/p><p>Wir haben es hier also weniger mit einem technischen, daf&uuml;r aber umso mehr mit einem psychologischen Problem zu tun. Diesel-PKW sind nun einmal in der Herstellung ein wenig teurer als Benziner und vor allem die Stickoxidgrenzwerte der seit September 2015 geltenden Euro-6-Norm stellen durchaus eine technische Herausforderung dar, die bei sachgem&auml;&szlig;er Beachtung vor allem Kosten mit sich bringt. Nun ist eine funktionierende Harnstoffkatalyse (selektive katalytische Reduktion), mit der die Stickoxide wirkungsvoll aus dem Abgas gefiltert werden k&ouml;nnen, aber nicht unbedingt unbezahlbar &ndash; es geht hier um rund 1.000 Euro Mehrkosten. Dies ist im mittleren und oberen Preissegment offenbar kein gro&szlig;es Problem, schlie&szlig;lich ist hier der Anteil der Dienstwagen auch besonders hoch, bei denen der Kaufpreis nicht die oberste Rolle spielt. Im unteren Preissegment sind diese 1.000 Euro schon eine Hausnummer; daher findet man in dieser Klasse auch kaum Diesel. Generell ist der R&uuml;ckgang des Marktanteils bei Diesel-Fahrzeugen in nahezu allen europ&auml;ischen L&auml;ndern vor allem eine Folge des Abschmelzens des relativen Kostenvorteils. Die Mehrkosten f&uuml;r die Abgasreinigung rechnen sich schlicht oft nicht mehr mit dem niedrigeren Kraftstoffpreis, ein Benziner wirkt attraktiver. <\/p><p>Und hier beginnt die n&auml;chste Problemrunde f&uuml;r die Hersteller &ndash; je weniger Diesel verkauft werden, desto h&ouml;her ist dann der Flottenverbrauch und desto teurer wird es k&uuml;nftig f&uuml;r die Hersteller. Schlie&szlig;lich gelten ab 2021 strenge Grenzwerte <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/auto\/aktuell\/neue-co2-grenzwerte-vom-eu-parlament-verabschiedet-a-955591.html\">beim Kraftstoffflottenverbrauch<\/a>, die ohne einen hohen Dieselanteil f&uuml;r deutsche Premiummarken nicht erreichbar sind. Die Strafen werden dann wohl auf die Fahrzeugpreise umgelegt und dann sollte auch den B&uuml;rgern klarwerden, dass Umwelt- und Klimaschutz nun einmal kostet. <\/p><p><strong>Welche Rolle spielen die USA?<\/strong><\/p><p>Wie bereits beschrieben, haben wir es hier mit einem recht komplizierten Zielkonflikt zu tun, der &uuml;ber mehrere Ebenen reicht und Politik sowie Automobilhersteller direkt betrifft. Eine L&ouml;sung, die alle Beteiligten gl&uuml;cklich macht, kann es dank des Zielkonflikts nicht geben. Senkt man die Grenzwerte, ist dies wohl schlecht f&uuml;r das Klima oder die Gesundheit. Versch&auml;rft man sie, schadet man damit der eigenen Wirtschaft, da sie im Vergleich zur internationalen Konkurrenz Wettbewerbsnachteile hinnehmen muss. F&uuml;r letztere Variante hat man sich entschieden und die Nachteile betreffen vor allem den US-Markt.<\/p><p>Gerade im US-Markt, in dem gro&szlig;e Pickups und hoch motorisierte SUVs einen &uuml;beraus gro&szlig;en Marktanteil haben, h&auml;tte der Diesel eigentlich recht gute Verkaufschancen &ndash; weniger wegen der Preisvorteile beim Kraftstoff, die in den USA kaum eine Rolle spielen, daf&uuml;r aber aufgrund der positiven technischen Aspekte. F&uuml;r die USA war Diesel jedoch stets eine Mischung aus Agrarsprit f&uuml;r die Trecker und Treibstoff f&uuml;r Trucks. Dementsprechend gro&szlig; sind auch die technischen Defizite amerikanischer Dieselmotorenhersteller. Mehr Diesel hei&szlig;t f&uuml;r die USA stets auch mehr Importe aus Europa und eine Schw&auml;chung der eigenen Industrie.<\/p><p>Da kam das kriminelle Verhalten der VW-Verantwortlichen nat&uuml;rlich wie gerufen. Nur weil VW ein paar Euro sparen wollte, ist der Ruf des Diesels nun in den USA erst mal ruiniert. Dies hat nat&uuml;rlich direkte Auswirkungen auf den Markt, da vor allem deutsche Hersteller im Dieselsegment sehr innovative Modelle entwickelt haben und die Technik sich via Fiats Chrysler-Beteiligung sogar bei uramerikanischen Herstellern wie Dodge, Jeep oder Ram durchsetzen konnte. Die Technik &ndash; samt Motor &ndash; kam dabei aus Europa. Doch das ist nun wohl erst einmal Geschichte. <\/p><p>Wenn wir &uuml;ber den &bdquo;Abgas-Skandal&ldquo; sprechen, reden wir auch &uuml;ber einen Wirtschaftskrieg 2.0. Sicher &ndash; die USA k&ouml;nnen nichts daf&uuml;r, dass VW zu kriminellen Mitteln gegriffen hat, aber sie nutzen diesen Umstand nat&uuml;rlich auch sehr geschickt zum Schutze der eigenen Industrie. America first. Und Deutschland? Wenn man die deutsche Debatte verfolgt, dr&auml;ngt sich geradezu der Eindruck auf, man h&auml;tte hierzulande gr&ouml;&szlig;te Lust daran, sich selbst zu zerfleischen. Mit purer Lust reduzieren wir die Debatte auf eine Schlammschlacht gegen deutsche Hersteller, die so nicht gerechtfertigt ist. Denn einfache L&ouml;sungen gibt es nicht.<\/p><p><strong>Wege aus der hausgemachten Krise<\/strong><\/p><p>Panik war schon immer ein schlechter Ratgeber. Dass die Automobilkonzerne Fehler gemacht haben, steht au&szlig;er Zweifel. Dass sie daraus gelernt haben, ist unwahrscheinlich. Und da die deutsche Politik fest in der Hand der Autolobby ist, ist auch von Berlin keine sinnvolle L&ouml;sung der Krise zu erwarten. Daher ist es gut, dass der &bdquo;Abgas-Skandal&ldquo; eben kein rein deutsches Problem ist. Wenn das hysterische Geschnatter hierzulande mal etwas leiser wird, sollten wir daher unsere europ&auml;ischen Nachbarn mal fragen, wohin sie eigentlich gehen wollen. Fiat ist der wichtigste italienische Industriekonzern, PSA und Renault-Nissan sind die Schwergewichte der franz&ouml;sischen Industrie und alle drei Konzerne haben samt ihrer unz&auml;hligen T&ouml;chter mindestens das gleiche Problem wie ihre deutsche Konkurrenz &ndash; die Messwerte lassen sogar vermuten, dass die Probleme weitaus gr&ouml;&szlig;er sein d&uuml;rften.<\/p><p>Strenggenommen bieten sich nun zwei m&ouml;gliche Alternativen an. Man k&ouml;nnte zum einen noch einmal ernsthaft &uuml;berpr&uuml;fen, wie schl&uuml;ssig die sehr scharfen Stickoxid-Grenzwerte &uuml;berhaupt sind. Es ist ja nicht so, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article167878173\/Das-Dieselproblem-wird-groesser-gemacht-als-es-ist.html\">dass diese Vorgaben unumstritten w&auml;ren<\/a>. Mittlerweile hat das EU-Parlament Euro 6 in diesem Punkt ja auch schon <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/autos\/artikel\/EU-Parlament-erhoeht-NOx-Grenzwert-fuer-Dieselmotoren-3092091.html\">de facto au&szlig;er Kraft gesetzt<\/a>. Ob das gut oder schlecht ist, l&auml;sst sich von au&szlig;en schlecht beurteilen. Daf&uuml;r w&auml;ren eine unabh&auml;ngige wissenschaftliche Expertise und n&ouml;tigenfalls weitere Studien n&ouml;tig. <\/p><p>Wenn man die Grenzwerte mittelfristig nicht &uuml;berarbeiten will und vielleicht sogar anf&auml;ngt, die Einhaltung der Werte auch mal zu kontrollieren, wird der Anteil der Dieselfahrzeuge auf deutschen Stra&szlig;en unweigerlich sinken. Das ist keine Katastrophe, f&uuml;hrt jedoch auch erst einmal dazu, dass der Flottenverbrauch steigt und damit die Kohlendioxid-Emissionen zunehmen. Dies lie&szlig;e sich wohl nur durch eine massive Subventionierung von Elektroantrieben ausgleichen, die ihrerseits mit hohen Kosten verbunden ist, aber aufgrund der ohnehin geplanten Energiewende auch konsequent erscheint. <\/p><p>Wie man es auch dreht &ndash; die Autohersteller m&uuml;ssen wohl umdenken, wenn wir nicht die 180&deg;-Wende einleiten und s&auml;mtliche Klimaschutzabkommen und die daraus resultierenden Gesetze wieder zur&uuml;ckabwickeln wollen. Fest steht auch: Das Ganze wird teuer. Ob wir den Klima-\/Umweltschutz nun &uuml;ber h&ouml;here Kosten beim Autokauf bezahlen oder &uuml;ber den Umweg der Steuersubventionen f&uuml;r Elektromobilit&auml;t ist dabei sogar egal. Aber wer hat auch gesagt, dass wir das Klima und die Umwelt f&uuml;r lau sch&uuml;tzen k&ouml;nnen? Dies sollte nur immer mal wieder bewusst werden, dann reagieren wir unter Umst&auml;nden auch auf Debatten wie den &bdquo;Abgas-Skandal&ldquo; etwas gelassener und k&ouml;nnen dann vielleicht sogar rationale L&ouml;sungen angehen. <\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/2dc9ac4280e44ed5b42daa6b1edf85fe\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Es ist immer schwer, die Nationalit&auml;t von internationalen Konzernen zuzuweisen. Opel geh&ouml;rt beispielsweise aktuell zum franz&ouml;sischen PSA-Konzern und vorher zur amerikanischen GM-Gruppe. Die Entwicklung und die Verwaltung sind jedoch vor allem in Deutschland niedergelassen. &Auml;hnlich verh&auml;lt es sich mit anderen Konzernen. Fiat Chrysler hat beispielsweise seinen Sitz aus Steuergr&uuml;nden in den Niederlanden und die Konzernzentrale sitzt in London. Ein niederl&auml;ndischer oder britischer Autohersteller ist Fiat Chrysler damit aber, zumindest gemessen am gesunden Menschenverstand, nicht. Daher benutzen wir in diesem Artikel auch die eigentlich &bdquo;logischen&ldquo; Nationalit&auml;ten, die nicht immer juristisch korrekt sind.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;**<\/a>] Nissan hat eine Allianz mit dem franz&ouml;sischen Renault-Konzern, der auch gleichzeitig Gro&szlig;aktion&auml;r von Nissan ist und die Dieseltechnik f&uuml;r die Nissan-Modelle beisteuert.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170823_diesel.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Beinahe t&auml;glich tauchen neue Meldungen zum sogenannten &bdquo;Abgas-Skandal&ldquo; auf. Kein Wunder, es ist Wahlkampf und ein Skandal rund um Deutschlands Schl&uuml;sselindustrie und rund um das liebste Kind der Deutschen polarisiert nun einmal. Die Debatte hat sich dabei verselbstst&auml;ndigt und zahlreiche falsche Annahmen sind bereits<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39754\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,179,73,30],"tags":[1689,1565,1889,1699,1502,2318,2137,2126,2139,2138,1043,469,577,1563,554,2142,2140,564,2061,1556,1371,2141],"class_list":["post-39754","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-schadstoffe","category-verkehrspolitik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-adac","tag-automobilindustrie","tag-belgien","tag-bmw","tag-daimlermercedes","tag-deutsche-umwelthilfe","tag-diesel","tag-elektromobilitaet","tag-fiat","tag-ford","tag-frankreich","tag-grossbritannien","tag-italien","tag-kartell","tag-opel","tag-peugeot","tag-renault","tag-spanien","tag-umweltverschmutzung","tag-usa","tag-volkswagen","tag-volvo"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39754","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39754"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39754\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39774,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39754\/revisions\/39774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39754"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}