{"id":39764,"date":"2017-08-24T17:08:02","date_gmt":"2017-08-24T15:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39764"},"modified":"2017-09-01T12:34:46","modified_gmt":"2017-09-01T10:34:46","slug":"geistige-fuehrung-bei-merkel-gleich-null","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39764","title":{"rendered":"Geistige F\u00fchrung bei Merkel gleich null."},"content":{"rendered":"<p>Angela Merkels Vorvorg&auml;nger als Bundeskanzler, Helmut Kohl, forderte als Oppositionsf&uuml;hrer seinen Vorg&auml;nger Helmut Schmidt unentwegt zur &bdquo;geistig moralischen Erneuerung&ldquo; auf. Er hat dann als Bundeskanzler zwar selbst seine Forderung nicht sonderlich ernst genommen, aber im Prinzip hatte er etwas Richtiges am Wickel.<br>\nWie wir leben, wie wir miteinander auskommen, wohin wir als Gesellschaft gehen, h&auml;ngt nicht nur von der &Ouml;konomie und den gesetzlichen Regelungen ab. Es h&auml;ngt auch vom Umgang miteinander, vom Geist, von den Werten, die uns leiten, und auch von dem ab, was Menschen tun und lernen und im Laufe ihres Lebens einge&uuml;bt haben. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170824_am.jpg\" alt=\"Merkel Gamescom 2017\" title=\"Merkel Gamescom 2017\"><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5512\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39764-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170825_Geistige_Fuehrung_bei_Merkel_gleich_null_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170825_Geistige_Fuehrung_bei_Merkel_gleich_null_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170825_Geistige_Fuehrung_bei_Merkel_gleich_null_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170825_Geistige_Fuehrung_bei_Merkel_gleich_null_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39764-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170825_Geistige_Fuehrung_bei_Merkel_gleich_null_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170825_Geistige_Fuehrung_bei_Merkel_gleich_null_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die f&uuml;hrenden Personen in Politik und Gesellschaft k&ouml;nnen den Geist, der unser Verhalten pr&auml;gt, wenigstens ein bisschen mitbestimmen, im Guten und im schlechten Sinne. Angela Merkel hat gerade in den vergangenen Tagen gezeigt, dass sie diese ihre Aufgabe nicht sonderlich ernst nimmt. Sie hat die Gamescom 2017 er&ouml;ffnet und dort verk&uuml;ndet, dass die elektronischen Spiele nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Kulturgut seien. <\/p><p>Als ich den Bericht &uuml;ber die Er&ouml;ffnung der Messe durch Merkel im Fernsehen sah, dachte ich, nicht richtig gesehen und geh&ouml;rt zu haben. Gerade hatte ich erlebt, wie ein ca. achtj&auml;hriges M&auml;dchen auf einer zweist&uuml;ndigen Fahrt in einem &ouml;ffentlichen Verkehrsmittel ohne Unterbrechung durch ein Gespr&auml;ch mit Eltern und Gro&szlig;mutter am Smartphone mit einem Computerspiel hantierte. Das Verhalten dieses M&auml;dchens war typisch f&uuml;r eine weitverbreitete Gewohnheit. Was bedeutet das f&uuml;r das sp&auml;tere Kommunikationsverhalten und die Kommunikationsf&auml;higkeit? Was bedeutet es f&uuml;r die geistige Entwicklung des Kindes und sp&auml;teren Erwachsenen?<\/p><p>Videospiele verdienen als Kulturgut mehr Bedeutung, meint unsere Bundeskanzlerin. Sie macht sich offensichtlich keine Gedanken &uuml;ber den Geist, der unter uns herrscht und herrschen sollte. Und Skepsis gegen&uuml;ber der Dauernutzung von Computerspielen h&auml;lt sie wohl f&uuml;r eine Art von Kulturpessimismus.<\/p><p>In ihrer Rede &ndash; Link und Ausz&uuml;ge siehe unten in der Anlage &ndash; geht sie auch auf Gewaltspiele ein. Aber ihre Aussagen lassen erkennen, dass sie die Folgen dieses Teils des &bdquo;Kulturgutes&ldquo; Videospiel zwar als Stigma betrachtet, aber letztlich nicht ernst nimmt. Das kann etwas damit zu tun haben, dass in ihrem Wertesystem und in ihrer geistigen Ausrichtung die Erziehung zum Frieden und das Ein&uuml;ben friedlichen Verhaltens keine besondere Priorit&auml;t hat, um es freundlich auszudr&uuml;cken. <\/p><p><strong>Tats&auml;chlich wird in unserem Land die Bereitschaft zur gewaltt&auml;tigen und kriegerischen Auseinandersetzung wieder gepflegt und aufgebaut.<\/strong><\/p><p>In einem Beitrag vom 16. August hatten wir auf diese Entwicklung hingewiesen:<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39658\">Gewehr bei Fu&szlig;! Helm auf zum Gefecht! Von Oskar Lafontaine<\/a><\/p><p>Im Text ging es um&nbsp;die Klage des Spiegel-Online-Redakteurs Severin Weiland, den meisten Deutschen sei das Milit&auml;rische nach den Erfahrungen von zwei Weltkriegen fremd geworden.<\/p><p>Ein NachDenkSeiten-Leser, Klaus Kenke, machte uns in einer Mail darauf aufmerksam, dass die Erziehung zur Gewaltbereitschaft und zur Kriegsbereitschaft Tradition hat. Er zitiert aus einem, wie er meint, lesenswerten Buch von Wolfram Wette &ldquo;Ernstfall Frieden-Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914&rdquo; (Donat Verlag 2017). Das folgende Zitat aus einer Rede von Adolf Hitler von 1938 hat er auch dem Spiegel online Redakteur geschickt. Es findet sich auf Seite 303 und ist ein Beispiel f&uuml;r die &bdquo;geistige F&uuml;hrung&ldquo;, die die Nazis bewusst betrieben haben: <\/p><blockquote><p>&ldquo;&hellip;Der Zwang war die Ursache, warum ich jahrelang nur vom Frieden redete. Es war nunmehr notwendig, das deutsche Volk psychologisch umzustellen und ihm langsam klar zu machen, dass es Dinge gibt, die, wenn sie nicht mit friedlichen Mitteln durchgesetzt werden k&ouml;nnen, mit den Mitteln der Gewalt durchgesetzt werden m&uuml;ssen&hellip; es war notwendig, dem deutschen Volk bestimmte au&szlig;enpolitische Vorg&auml;nge so zu beleuchten, dass die innere Stimme des Volks selbst langsam nach der Gewalt zu schreien begann. Das hei&szlig;t also, bestimmte Vorg&auml;nge so zu beleuchten, dass im Gehirn der breiten Masse des Volkes ganz automatisch allm&auml;hlich die &Uuml;berzeugung ausgel&ouml;st wurde: wenn man das eben nicht im Guten abstellen kann, dann muss man es mit Gewalt abstellen &hellip; irgendwie hat sich die pazifistische Platte bei uns ausgespielt.&rdquo; (Adolf Hitler, Rede vor der deutschen Presse, 10.November 1938)<\/p><\/blockquote><p>Da l&auml;uft es einem kalt den R&uuml;cken runter. Aber nicht nur das: die zitierte &Auml;u&szlig;erung des fr&uuml;heren Reichskanzlers und F&uuml;hrers erinnert an den geistigen Umschwung, den wir zwischen 1990, zwischen den Vertr&auml;gen mit Russland und der Vereinbarung, f&uuml;r gemeinsame Sicherheit sorgen zu wollen, und der neuen Zeit mit gegenseitiger Aufr&uuml;stung und Konfrontation, erlebt haben. Das von Angela Merkel zum Kulturgut erhobene Videospiel wird weiter seinen Beitrag auch daf&uuml;r leisten &ndash; zum spielerischen, gedankenlosen Aufbau der Gewaltbereitschaft.<\/p><p>Zwischenbemerkung: Eine Rezension des Buches von Wolfram Wette, der das Zitat aus der Hitler Rede notiert hat, findet sich hier: &#65279;<a href=\"http:\/\/www.aixpaix.de\/buecher\/wette-20161219.html\">Rezension: Wolfram Wette: &bdquo;Ernstfall Frieden &ndash; Lehren aus der deutschen Geschichte&ldquo;<\/a><\/p><p><strong>Geistige F&uuml;hrung spielt auch in der Innen- und Gesellschaftspolitik eine gro&szlig;e Rolle<\/strong><\/p><p>Der Siegeszug des Neoliberalismus war begleitet von einer geistig &bdquo;moralischen&ldquo; Aufr&uuml;stung und Umr&uuml;stung der besonderen Art: &bdquo;Jeder ist seines Gl&uuml;ckes Schmied&ldquo; wurde uns seit der Wende von 1982 massiv verk&uuml;ndet und in Regierungsarbeit umgesetzt. Auf die Autobahn und die damals diskutierte Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km\/h bezogen reagierte der ADAC zusammen mit den neuen Regierungsparteien CDU\/CSU und FDP mit der Parole &bdquo;Freie Fahrt f&uuml;r freie B&uuml;rger&ldquo;. Das war sozusagen die automobile Entsprechung der Ideologie, jeder sei seines Gl&uuml;ckes Schmied. &ndash; Damit war nach einiger Zeit auch der Geist erledigt, der einige Jahre zuvor unters Volk zu bringen versucht worden ist: soziale Sicherheit sei wichtig, Solidarit&auml;t und soziale Gerechtigkeit, und die F&auml;higkeit, f&uuml;r andere mitzudenken und mitzuleiden. Willy Brandt warb am 12. Oktober 1972 f&uuml;nf Wochen vor der Wahl bei Verwendung des englischen Begriffs Compassion f&uuml;r diese Art und Richtung der geistig moralischen Erneuerung. Darauf hatte ich schon mehrmals hingewiesen. <\/p><p>Die Zeiten sind vorbei. Vielleicht arbeiten die Jungen daran, ein &auml;hnliches Denken und F&uuml;hlen wiederzubeleben. Beim Computerspielen lernen sie es nicht.<\/p><p><strong>Anlage:<\/strong><\/p><p><strong>Auszug aus der Rede der Bundeskanzlerin bei der Er&ouml;ffnung der Messe Gamescom 2017<\/strong><\/p><p>Seit der Mensch denkt, spielt er auch. Friedrich von Schiller ging sogar so weit zu sagen: &bdquo;Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.&ldquo; Spielen geh&ouml;rt also seit jeher zum Leben dazu. Wir lernen auch spielerisch. Wir bringen Phantasie spielerisch ein, wir bringen Geschicklichkeit ein, wir erlernen logisches Denken, wir erlernen auch Schnelligkeit &ndash; und das &uuml;ber jedes Alter hinweg.<\/p><p>Nun konnte Schiller von der digitalen Dimension noch nicht viel erahnen, aber durch Digitalisierung und Vernetzung haben sich im wahrsten Sinne des Wortes v&ouml;llig neue Spiele-Dimensionen erschlossen. Nun wissen wir ja, dass die Digitalisierung in all ihren Facetten unser Leben mehr und mehr durchdringt. Vor diesem Hintergrund zeigt sich die Bedeutung des digitalen Spielens, n&auml;mlich dass die digitale Evolution und Revolution wirklich vorangetrieben wird; und zwar im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch.<\/p><p>Mit mehr als 500 Unternehmen ist die Games-Branche ein starker Pfeiler des Innovationsstandortes Deutschland. Rund 29.000 Besch&auml;ftigte haben einen Umsatz erwirtschaftet, der im ersten Halbjahr 2017 bereits die Milliardengrenze &uuml;berschritten hat. Das ist gegen&uuml;ber dem Vorjahreszeitraum immerhin ein Plus von elf Prozent. Aber es wurde ja schon gesagt: Das eine sind unsere Zahlen, das andere ist die Gesamtdimension. Immerhin haben wir seit l&auml;ngerem auch deutlich gemacht: Computer- und Videospiele sind als Kulturgut, als Innovationsmotor und als Wirtschaftsfaktor von allergr&ouml;&szlig;ter Bedeutung. Deshalb bin ich heute sehr gerne nach K&ouml;ln gekommen, um dieser sich entwickelnden Branche auch meine Reverenz zu erweisen. &hellip;<\/p><p>Nun gibt es nat&uuml;rlich auch immer wieder Diskussionen dar&uuml;ber, ob und inwieweit etwa Gewaltspiele sch&auml;dlichen Einfluss auf die Entwicklung junger Menschen nehmen k&ouml;nnen. Au&szlig;er Frage steht dabei f&uuml;r mich, dass es eine zweifelsfreie pauschale Antwort darauf nicht geben kann, dass die Sorgen und Bedenken aber auch immer wieder ernst genommen werden sollten. Denn ein verantwortungsbewusster Umgang mit Spielen ist von allergr&ouml;&szlig;ter Bedeutung. Wir m&uuml;ssen alle daf&uuml;r sensibilisieren. Es ist klar, dass es zwischen Medienkompetenzen und Sozialkompetenzen Ber&uuml;hrungspunkte gibt und dass wir das auch weiterhin im Blick haben m&uuml;ssen. Genauso m&uuml;ssen wir einen Blick darauf haben, dass wir nicht sozusagen einseitig orientierte junge Menschen haben. Das hei&szlig;t also, dass Suchtverhalten vermieden werden muss. Deshalb hat die Bundesregierung mit der Bundeszentrale f&uuml;r gesundheitliche Aufkl&auml;rung geeignete Pr&auml;ventionsaktivit&auml;ten f&uuml;r Jugendliche genauso wie f&uuml;r Eltern entwickelt.<\/p><p>Ob Jung oder Alt, in der Schule, in der Arbeit oder Freizeit &ndash; wir alle brauchen Informationen und Medienkompetenzen, um uns in der digitalen Welt, die sich ja jeden Tag &auml;ndert, zurechtzufinden. Wir m&uuml;ssen bei der digitalen Bildung insgesamt einen Sprung nach vorn machen. Daf&uuml;r gibt es im &Uuml;brigen auch keine Altersbegrenzung. Da geht es um lebenslanges Lernen im wahrsten Sinne des Wortes, wobei das den Jungen leichter f&auml;llt als den &Auml;lteren. Wir alle lernen nicht aus. Aber das muss nat&uuml;rlich bereits Einfluss auf die gesamte Schulbildung haben, die unsere Kinder durchlaufen. Das hei&szlig;t also, digitale Bildung zu st&auml;rken, z&auml;hlt zu den Handlungsfeldern, die wir uns innerhalb der Bundesregierung mit unserer Digitalen Agenda vorgenommen haben. Dabei geht es um die wichtigste Ressource unseres Landes: das Wissen und das K&ouml;nnen von Leistungstr&auml;gern unserer Wirtschaft.<br>\n&hellip;<\/p><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Rede\/2017\/08\/2017-08-22-rede-merkel-gamescom.html\">www.bundesregierung.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Merkels Vorvorg&auml;nger als Bundeskanzler, Helmut Kohl, forderte als Oppositionsf&uuml;hrer seinen Vorg&auml;nger Helmut Schmidt unentwegt zur &bdquo;geistig moralischen Erneuerung&ldquo; auf. 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