{"id":3996,"date":"2009-06-10T16:49:17","date_gmt":"2009-06-10T14:49:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3996"},"modified":"2014-01-28T10:07:56","modified_gmt":"2014-01-28T09:07:56","slug":"das-wort-systemrelevant-steht-vermutlich-fuer-die-teuerste-irrefuehrung-finanzkrise-xvi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3996","title":{"rendered":"Das Wort \u201esystemrelevant\u201c steht vermutlich f\u00fcr die teuerste Irref\u00fchrung (Finanzkrise XVI)"},"content":{"rendered":"<p>Laut Tagesspiegel hat die Bundeskanzlerin im Vorfeld der Insolvenz von Arcandor erkl&auml;rt: &bdquo;Wir geben denen Hilfe, die gut gewirtschaftet haben und durch die Krise unverschuldet in Not geraten sind&ldquo;. Und ihr Parteifreund, der Europa-Abgeordnete und Vertreter des CDU-Wirtschaftsrates Lauk erkl&auml;rte laut Handelsblatt vom 10. Juni, f&uuml;r Unternehmen, die durch ein schlechtes Management und andere Fehler in Probleme geraten seien, d&uuml;rfe es generell keine Staatshilfen geben. &Auml;hnlich &auml;u&szlig;erte sich der Sachverst&auml;ndigenrat (Anlage 1). Diese Haltung w&auml;re durchaus diskussionsw&uuml;rdig und akzeptabel, wenn sie konsequent auch auf die Finanzindustrie angewendet w&uuml;rde. Dort gelten aber ganz andere Regeln und dies bei extrem h&ouml;heren Betr&auml;gen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Die Bundesregierung hat zur Rettung einer Bank, der Industrie Kredit Bank (IKB), die ma&szlig;los schlecht gewirtschaftet hat und verschuldet in Not geriet, fast 10 Milliarden gezahlt; sie hat der HRE, deren Management ebenfalls miserabel gewirtschaftet hatte, im September ungepr&uuml;ft (!) 35 Milliarden und sp&auml;ter dann &uuml;ber 100 Mrd. zur Verf&uuml;gung gestellt; sie hat sich an der Commerzbank sogar beteiligt und f&uuml;r einen 25%-Anteil 18,2 Milliarden bezahlt, weil sich das Management bei der &Uuml;bernahme der Dresdner Bank verhoben hatte. Das ist alles bekannt. Und dennoch geben die Medien die zitierten Spr&uuml;che der Bundeskanzlerin wie ihres Parteifreundes Lauk und des Sachverst&auml;ndigenrates ohne heftige Kritik wieder. Und sie machen aus der Zur&uuml;ckhaltung des Staates bei der Hilfe f&uuml;r Unternehmen wie Arcandor und Opel sogar wie im Fall des Bundeswirtschaftsministers noch eine lobenswerte Tugend. Sie blenden die x-fach h&ouml;heren Spritzen f&uuml;r die Finanzindustrie einfach aus. Mit dieser stecken sie wie die verantwortlichen Politiker offensichtlich unter einer Decke, wie man jetzt auch gerade am <a href=\"upload\/pdf\/090610_gesetzentwurf_bad_banks.pdf\">Gesetzentwurf [PDF &ndash; 71 KB]<\/a> der Bundesregierung zugunsten der Bereinigung der Banken von schlechten Risiken (Auslagerung in Bad Banks) sehen kann. Dort wird behauptet, das Gesetz habe keine finanziellen Auswirkungen und es g&auml;be keine Alternative.<\/p><p>Dass man uns das so verkaufen kann, ist die Folge einer von der Regierung konsequent betriebenen Irref&uuml;hrung. Mit Begriffen wie systemrelevant und systemisch hat sie uns &bdquo;eingetrichtert&ldquo;, es d&uuml;rfe keine Bank insolvent gehen. Damit sind wir erpressbar geworden. Die gesamte Story ist also ziemlich anders, als der Sachverst&auml;ndigenrat uns erz&auml;hlt.   <\/p><p>Die SPD k&ouml;nnte und m&uuml;sste die Verwobenheit der Union mit der Finanzindustrie und die Ungleichbehandlung der verschiedenen Branchen und Unternehmen zum Thema machen, wenn sie &uuml;ber Steinbr&uuml;ck nicht selbst damit verfilzt w&auml;re. Steinbr&uuml;ck ist einer der Hauptgr&uuml;nde daf&uuml;r, dass die SPD nicht mehr aus der Defensive herauskommt. Das zeigt sich immer mehr.<\/p><p><strong>Anlage 1:<\/strong><\/p><p>09.06.2009&nbsp;<br>\n<strong>Staatshilfen <\/strong><br>\n<strong>Wirtschaftsweise kn&ouml;pfen sich Regierung vor<br>\nDie f&uuml;nf Wirtschaftsweisen haben in ungew&ouml;hnlich scharfen Worten der Bundesregierung die Leviten gelesen und ihr vorgeworfen, sich Kompetenzen anzuma&szlig;en, die sie nicht hat. &ldquo;Die Politik sollte die mit der ,Rettung? von Opel eingeleitete Strategie keinesfalls fortsetzen&rdquo;, fordert der Sachverst&auml;ndigenrat in einer Erkl&auml;rung, die auch der als gewerkschaftsnah geltende &Ouml;konom Peter Bofinger unterschrieben hat.<\/strong><\/p><p>Die Wirtschaftsweisen werfen der Politik vor, sich Kompetenzen anzuma&szlig;en. Der Markt und nicht die Politik entscheide, wer wettbewerbsf&auml;hig sei. Gl&auml;ubiger und Eigent&uuml;mer gerade gro&szlig;er Unternehmen mit ihren vielen Arbeitskr&auml;ften im Hintergrund verschafften sich mit dem Buhlen um staatliche Unterst&uuml;tzung Vorteile vor kleinen und mittleren Firmen.<\/p><p>Zudem drohe, dass das Prinzip der Haftung au&szlig;er acht gelassen werde. &ldquo;Staatshilfen an Unternehmen sch&uuml;tzen deren Eigent&uuml;mer und Gl&auml;ubiger davor, die Verluste zu erleiden, welche durch unzureichende Unternehmensaktivit&auml;ten entstanden sind&rdquo;, analysieren die Sachverst&auml;ndigen. &ldquo;Die Verluste werden sozialisiert, die Gewinne privatisiert.&rdquo;<\/p><p>Der CDU-Wirtschaftsrat schloss sich der Weisen-Kritik an.&bdquo;Privat geht vor Staat&ldquo;, umschrieb Lauk die Position des Wirtschaftsrates zu gef&auml;hrdeten Unternehmen. Das gelte auch f&uuml;r den Handels- und Touristikkonzern Arcandor. Dass bei Opel als Ausnahme staatliche Hilfen gew&auml;hrt w&uuml;rden, sei auch darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass es ein insolvenzrechtliches Chaos gebe, wenn es um globale Unternehmen gebe. Dem m&uuml;sse mit einem europ&auml;ischen Insolvenzrecht begegnet werden. F&uuml;r Unternehmen, die durch eine schlechtes Management und andere Fehler in Probleme geraten seien, d&uuml;rfe es generell keine Staatshilfen geben.<br>\nQuelle:<a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/_b=2341658,_p=6,_t=ftprint,doc_page=0;printpage\">Handelsblatt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut Tagesspiegel hat die Bundeskanzlerin im Vorfeld der Insolvenz von Arcandor erkl&auml;rt: &bdquo;Wir geben denen Hilfe, die gut gewirtschaftet haben und durch die Krise unverschuldet in Not geraten sind&ldquo;. Und ihr Parteifreund, der Europa-Abgeordnete und Vertreter des CDU-Wirtschaftsrates Lauk erkl&auml;rte laut Handelsblatt vom 10. 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