{"id":39961,"date":"2017-09-06T14:59:21","date_gmt":"2017-09-06T12:59:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39961"},"modified":"2017-09-08T08:02:09","modified_gmt":"2017-09-08T06:02:09","slug":"es-gibt-kaum-noch-kritische-medien-deshalb-muss-mit-sorge-erfuellen-was-bei-den-blaettern-geschieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39961","title":{"rendered":"Es gibt kaum noch kritische Medien. Deshalb muss mit Sorge erf\u00fcllen, was bei den \u201eBl\u00e4ttern\u201c geschieht."},"content":{"rendered":"<p>Eine der beachtenswerten Methoden der Manipulation geht so: Wenn du eine Botschaft glaubw&uuml;rdig &uuml;berbringen willst, dann sorge daf&uuml;r, dass sie von verschiedenen Ecken ausgesandt wird. Konkreter: Wenn du erreichen willst, dass die konservativen und neoliberalen Kr&auml;fte an der Macht bleiben, dann sorge daf&uuml;r, dass sich Personen und Medien, die dem fortschrittlichen Spektrum zugeordnet werden, kritisch &uuml;ber alles Linke &auml;u&szlig;ern. Kritik an Links in den &bdquo;Bl&auml;ttern f&uuml;r deutsche und internationale Politik&ldquo; oder in der Frankfurter Rundschau oder in der TAZ tr&auml;gt mehr zur Wirksamkeit dieser Kritik bei als 25 Artikel in Springers Welt oder in der FAZ. &ndash; Ein NachDenkSeiten-Leser machte jetzt auf einen einschl&auml;gigen Artikel in den &bdquo;Bl&auml;ttern&ldquo; aufmerksam. Er hat daraufhin dem Autor von Lucke einen Offenen Brief geschrieben und uns diesen Brief zug&auml;nglich gemacht. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9050\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39961-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170907_Von_der_Sorge_was__bei_den_Blaettern_geschieht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170907_Von_der_Sorge_was__bei_den_Blaettern_geschieht_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170907_Von_der_Sorge_was__bei_den_Blaettern_geschieht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170907_Von_der_Sorge_was__bei_den_Blaettern_geschieht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39961-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170907_Von_der_Sorge_was__bei_den_Blaettern_geschieht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170907_Von_der_Sorge_was__bei_den_Blaettern_geschieht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Beides dokumentieren wir hier:<\/strong><\/p><p>Hier finden Sie den Artikel von Albrecht von Lucke <\/p><blockquote><p>\n<strong>&bdquo;<a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2017\/august\/die-neue-linke-und-die-alte-gewaltfrage\">Die neue Linke und die alte Gewaltfrage<\/a>&ldquo;, Bl&auml;tter 8\/17<\/strong><\/p>\n<p>&bdquo;Die Rauchschwaden &uuml;ber Hamburg haben sich verzogen, aber die politische Deutungsschlacht ist in vollem Gange. Eines steht fest: Der G20-Gipfel markiert eine Z&auml;sur. Er hat das Thema linker Gewalt mit aller Macht zur&uuml;ck auf die politische Agenda gebracht, mit bereits heute verheerenden Konsequenzen.<\/p>\n<p>Am klarsten zeigt dies ein Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, der G20-Gipfel w&auml;re nach der ersten Demonstration am Donnerstag zu bilanzieren gewesen. Dann spr&auml;chen wir heute &uuml;ber den unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igen Einsatz der Polizei, eine Stadt im polizeilichen Ausnahmezustand durch den Schutz des Gipfels sowie &uuml;ber dessen d&uuml;rftige Ergebnisse &ndash; aber nicht &uuml;ber die Verw&uuml;stung eines ganzen Stra&szlig;enzuges durch v&ouml;llig au&szlig;er Rand und Band geratene Gewaltt&auml;ter.<\/p>\n<p>Kurzum: Die Ausschreitungen haben die Bewertung des Gipfels in ihr Gegenteil verkehrt. Faktisch war im Schanzenviertel das staatliche Gewaltmonopol &uuml;ber Stunden aufgehoben, mit der Folge massiver Brandstiftungen und Pl&uuml;nderungen. Dass der alles andere als deeskalierende Polizeieinsatz im Vorfeld dabei eine Rolle gespielt hat, steht au&szlig;er Frage. Daher bleibt es richtig, weiterhin auch auf das Versagen der politischen wie polizeilichen F&uuml;hrung hinzuweisen, und es ist absurd, wenn Hamburgs Oberb&uuml;rgermeister Olaf Scholz jegliche Polizeigewalt leugnet und als Denunziation zur&uuml;ckweist.<\/p>\n<p>Wer aber in der Polizeigewalt die Ursache der folgenden Gewaltorgie im Schanzenviertel ausmacht, geht am Kern der Auseinandersetzung vorbei. Denn von einer zwangsl&auml;ufigen &bdquo;Logik der Gewalt&ldquo; kann keine Rede sein, insoweit muss man die geistige Unabh&auml;ngigkeit der &bdquo;Autonomen&ldquo; oder &bdquo;Postautonomen&ldquo; schon ernst nehmen. Das aber hei&szlig;t: Zentrale Aufgabe der Diskussion muss &ndash; gerade unter Linken und Liberalen &ndash; die Auseinandersetzung mit der linken Gewalt sein.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&hellip; usw. &uuml;ber mehrere Seiten.<\/p><p><strong>Hier folgt der Offene Brief des NachDenkSeiten-Lesers Rammer an Albrecht von Lucke:<\/strong><\/p><blockquote><p>\nGuten Tag, Herr von Lucke!<\/p>\n<p>Ihr engagierter Artikel zur &bdquo;linken Gewalt&ldquo; anl&auml;sslich des G20-Gipfels in Hamburg bedarf einer kritischen Gegenrede. Nicht, weil ich Gewalt bef&uuml;rworten w&uuml;rde &ndash; ganz im Gegenteil: Die brutale Polizeigewalt, die ich erlebt habe, hat in mir genauso Best&uuml;rzung hervorgerufen wie die destruktive Randale irgendwelcher Leute, die ihre Wut auf diese Weise ausagierten. Aber Ausagieren ist eben keine politische Strategie und so setzte es sich &uuml;ber Anliegen und Ziele der meisten G20-GegnerInnen hinweg.<\/p>\n<p>&Uuml;ber diese grundlegende Einsch&auml;tzung k&ouml;nnen wir vielleicht Einvernehmen erzielen. Aber nicht &uuml;ber Ihre Begr&uuml;ndungen und Schlussfolgerungen: Diese halte ich f&uuml;r einseitig und gef&auml;hrlich. Ja, gef&auml;hrlich, da Sie m.E. von einem vollkommen unrealistischen Idealbild politisch-wirtschaftlicher Machtverh&auml;ltnisse ausgehen und diese damit verfestigen helfen. <\/p>\n<p>F&uuml;r Sie &bdquo;ist und bleibt&ldquo; das staatliche Gewaltmonopol &bdquo;eine der gr&ouml;&szlig;ten zivilisatorischen Errungenschaften&ldquo; (S. 8). Formale Rechte haben nach Ihrer Darlegung im b&uuml;rgerlichen Rechtsstaat &bdquo;ihre Verankerung erfahren&ldquo; &ndash; deshalb fordern Sie dessen Akzeptanz. Sie postulieren eine Auseinandersetzung in rechtsstaatlichen Bahnen, &bdquo;solange es sich bei der Bundesrepublik um eine Demokratie handelt&ldquo;. Und Sie wagen die Behauptung, nur die &bdquo;linke Gewalt&ldquo; habe eine vollkommen andere &ouml;ffentliche Bewertung des G20-Gipfels verhindert. Wenn das Ihr Bild von staatlicher Gewalt, den politisch-wirtschaftlichen Machtverh&auml;ltnissen und dem Funktionieren der Medien ist, dann leben wir allem Anschein nach in verschiedenen Welten. <\/p>\n<p>Immerhin haben nicht zuletzt die Bl&auml;tter, deren Redakteur Sie sind, Analysen in gro&szlig;er Zahl abgedruckt &ndash; und in den t&auml;glichen Nachrichten erfahren diese eine st&auml;ndige Best&auml;tigung -, die Ihre Sicht auf die Verh&auml;ltnisse erstaunlich naiv und affirmativ erscheinen lassen. Es w&uuml;rde diesen Rahmen sprengen, die lange Liste erschreckender Ereignisse und Entwicklungen aufzuz&auml;hlen: Die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen, die von der Demokratie nur noch eine Fassade &uuml;brig lassen, die Menschen- und V&ouml;lkerrecht missachten, die den sozialen Rechtsstaat ad absurdum f&uuml;hren. Sie werfen den Antiimperialisten vor, ihnen seien Menschen egal: Ich kenne keine Entscheidung &uuml;ber Kriege und R&uuml;stungsexporte, &uuml;ber Fl&uuml;chtlingsabwehr und `Freihandels&acute;vertr&auml;ge, zur Klimakatastrophe oder zur Beg&uuml;nstigung der Nahrungsmittel-, Chemie- oder Finanzindustrie, die den Menschen in den Mittelpunkt gestellt h&auml;tte. Sie sehen in Hamburg den &bdquo;Vorschein des Schlimmeren&ldquo;. Ist das wirklich die richtige Gewichtung angesichts der wachsenden Kriegsgefahr, der obsz&ouml;nen Ungleichheit und der Beg&uuml;nstigung menschenfeindlicher Ideologien?<\/p>\n<p>Es gibt, Herr von Lucke, viele Menschen, die diesen Staat allenfalls f&uuml;r formal demokratisch halten, die (auch in den Bl&auml;ttern) eher von &bdquo;tiefem Staat&ldquo; reden. Die Politik ist f&uuml;r viele nicht erst seit Pr&auml;sident Trump menschenfeindlich und sie wissen, dass die Verwertung des &bdquo;Humankapitals&ldquo; und die Bewertung der Menschen nach N&uuml;tzlichkeit   Grundlage dieses neoliberalen Kapitalismus ist und zu Verrohung und Rassismus f&uuml;hrt. Und dieser t&ouml;tet Millionen von Menschen, treibt sie in die Flucht, zerm&uuml;rbt sie k&ouml;rperlich und seelisch. Auch in Deutschland leiden viele unter diesen Verh&auml;ltnissen und sie wissen keinen Ausweg aus dieser Menschen verachtenden Megamaschine. F&uuml;r sie hat diese Staatsgewalt keine Glaubw&uuml;rdigkeit mehr, jedes Vertrauen ist verloren gegangen. <\/p>\n<p>Verzweiflung und daraus resultierende Gewalt stellen keine rationale Handlungsstrategie dar. Aber ich halte Ihre Forderung f&uuml;r verfehlt, wonach die zentrale Aufgabe unter Linken und Liberalen &bdquo;die Auseinandersetzung mit der linken Gewalt&ldquo; (S. 5) sei. Setzen wir uns mit Hintergr&uuml;nden und Folgen der Riots (und der Polizeigewalt!) auseinander. Aber die zentrale Aufgabe ist nach wie vor der Widerstand gegen die Politik, die in Hamburg von den zwanzig Weltherrschern vertreten wurde. Unsere Aufgabe, Herr von Lucke, als Intellektuelle, als kritisch engagierte B&uuml;rgerInnen und Aktivisten, denen Menschlichkeit und echte Demokratie viel bedeuten, sollte es sein, Formen des Widerstandes und des zivilen Ungehorsams zu entwickeln, die die Ungleichheit, die Kriege, den neuen Kolonialismus und die menschenfeindlichen Ideologien zu &uuml;berwinden verm&ouml;gen. <\/p>\n<p>Wir machen uns mitschuldig an dieser menschenverachtenden staatlichen Gewalt, wenn es &ndash; mit unserer aktiven Beteiligung &ndash; nicht gelingt, Strategien f&uuml;r eine &Auml;nderung dieser Welt voller Gewalt und Menschenfeindlichkeit zu planen und durchzusetzen. Solang die &bdquo;westliche Wertegemeinschaft&ldquo; im Interesse von Konzernen und Banken L&auml;nder mit Krieg &uuml;berzieht, durch Freihandel und Klimazerst&ouml;rung Erdteile kaputt macht, die Menschen mit zynischer Gleichg&uuml;ltigkeit dem Verderben &uuml;berl&auml;sst, m&uuml;ssen wir sehr wohl Antworten finden auf die Frage, ab wann Notwehr ethisch verantwortbar und notwendig wird und wie sie angepackt werden kann. F&uuml;r die Ausgegrenzten hier, f&uuml;r die Fl&uuml;chtlinge an der EU-Grenze, die Sterbenden im Jemen, die Menschen in Griechenland oder in Libyen, Syrien, Afghanistan oder im Irak oder den ausgebluteten L&auml;ndern Afrikas. &bdquo;Summer of Resistance&ldquo;: Damit werben die Bl&auml;tter im letzten Heft.<\/p>\n<p>Georg Rammer\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der beachtenswerten Methoden der Manipulation geht so: Wenn du eine Botschaft glaubw&uuml;rdig &uuml;berbringen willst, dann sorge daf&uuml;r, dass sie von verschiedenen Ecken ausgesandt wird. 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