{"id":39968,"date":"2017-09-07T08:46:17","date_gmt":"2017-09-07T06:46:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39968"},"modified":"2019-04-25T15:15:31","modified_gmt":"2019-04-25T13:15:31","slug":"couragiert-gegen-den-strom-eine-buchempfehlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39968","title":{"rendered":"Couragiert gegen den Strom: Eine Buchempfehlung"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich einmal unvoreingenommen und objektiv jenseits medialer Verzerrungen &uuml;ber Sahra Wagenknecht und ihre politischen Vorstellungen informieren m&ouml;chte, der sollte auf ein Buch zur&uuml;ckgreifen, das gestern im Frankfurter Westend Verlag unter dem Titel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/couragiert-gegen-den-strom\/\">Couragiert gegen den Strom<\/a>&ldquo; erschienen ist. In diesem Buch kommt Sahra Wagenknecht in Form eines langen Interviews ausf&uuml;hrlich zu Wort. Die Fragen stellte Florian R&ouml;tzer, Chefredakteur des Online-Magazins &bdquo;Telepolis&ldquo;. Au&szlig;erdem enth&auml;lt das Buch vier Reden von <strong>Sahra Wagenknecht<\/strong>. <strong>Udo Brandes<\/strong> hat das Buch f&uuml;r die NachDenkSeiten gelesen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8426\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39968-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170908_Sahra_Wagenknecht__Couragiert_gegen_den_Strom_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170908_Sahra_Wagenknecht__Couragiert_gegen_den_Strom_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170908_Sahra_Wagenknecht__Couragiert_gegen_den_Strom_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170908_Sahra_Wagenknecht__Couragiert_gegen_den_Strom_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39968-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170908_Sahra_Wagenknecht__Couragiert_gegen_den_Strom_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170908_Sahra_Wagenknecht__Couragiert_gegen_den_Strom_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>&bdquo;Mit solchem Opportunismus wollte ich nichts gemein haben&ldquo;<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170907_Wagenknecht.jpg\" alt=\"Sahra Wagenknecht - Couragiert gegen den Strom\" title=\"Sahra Wagenknecht - Couragiert gegen den Strom\"><\/div><p>Bei der Lekt&uuml;re des langen Interviews mit Sahra Wagenknecht musste ich irgendwann unwillk&uuml;rlich denken, dass viele ihrer Positionen in der Gesellschaft bis weit in konservative Milieus hinein mehrheitsf&auml;hig sein und Zustimmung finden d&uuml;rften, beispielsweise bei Unternehmern, Selbst&auml;ndigen und Freiberuflern. Denn die so oft von den Medien als Beton-Kommunistin denunzierte Linksparteipolitikerin hat ein ausgesprochen positives Bild von Unternehmern, die sie aber deutlich von Kapitalisten abgrenzt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ein Kapitalist ist f&uuml;r mich jemand, da kn&uuml;pfe ich an die Definition des &ouml;sterreichischen &Ouml;konomen Joseph Schumpeter an, der ein Unternehmen als blo&szlig;es Anlageobjekt betrachtet. Ein Unternehmer ist hingegen jemand, von dessen Power ein Unternehmen lebt. Der Kapitalismus ist also eine Wirtschaftsordnung, in der die Unternehmen Mittel zum Zweck der Renditeerzielung ihrer Eigent&uuml;mer sind&ldquo; (S. 86).\n<\/p><\/blockquote><p>Und dies bedeute, dass ein Kapitalist nur Innovationen verfolge, wenn diese eine entsprechende Mindestrendite erwarten lassen. So gebe es zum Beispiel Aussagen von Ingenieuren, dass bei Siemens selbst erfolgversprechende Innovationen nicht weiter verfolgt werden, wenn die zu erwartende Mindestrendite unter 16 Prozent liege. <\/p><p>Aus Sicht von Sahra Wagenknecht gibt es deshalb einen Unterschied zwischen den Gewinnen eines Unternehmers und der Rendite eines Aktion&auml;rs: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Jedes Unternehmen muss Gewinne machen, um zu investieren. Und wenn der Inhaber selbst im Unternehmen arbeitet, ja es selbst gegr&uuml;ndet hat, dann lebt das Unternehmen von seinen Ideen und seiner Risikobereitschaft, was nat&uuml;rlich auch ein h&ouml;heres Einkommen rechtfertigt&ldquo; (S. 87).\n<\/p><\/blockquote><p>Etwas anderes sei es, wenn in einer Aktiengesellschaft langfristige Investitionen unterblieben, um die kurzfristige Rendite zu steigern, die dann an die Aktion&auml;re ausgesch&uuml;ttet werde. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bei den gro&szlig;en Unternehmen wird ja seit Jahren ein immer gr&ouml;&szlig;erer Teil des Gewinns ausgesch&uuml;ttet und eben nicht reinvestiert. Dieser Druck von Anteilseignern, die mit dem Unternehmen eigentlich gar nichts mehr verbindet &ndash; oft sind es Finanzinvestoren, Hedgefonds &ndash; ihr Druck, aus dem investierten Geld immer mehr Geld zu machen, daf&uuml;r L&ouml;hne zu dr&uuml;cken, Steuern zu umgehen, auf langfristige Investitionen zu verzichten, eventuell Raubbau an der Natur zu betreiben, das ist das eigentliche Kennzeichen des Kapitalismus&ldquo; (S. 87).\n<\/p><\/blockquote><p>Auch beim dem Thema &bdquo;Wettbewerb&ldquo; d&uuml;rfte Sahra Wagenknecht bis in konservative Milieus hinein mehrheitsf&auml;hig sein, denn sie sieht Konkurrenz durchaus nicht negativ. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich war zum Beispiel lange Zeit der Meinung, dass Konkurrenz als konstitutives Prinzip der Wirtschaftsordnung &uuml;berwunden werden sollte, weil der Mensch dadurch in seinen Mitmenschen Gegner sieht, was einem solidarischen Miteinander entgegensteht. Inzwischen habe ich begriffen, dass jede vern&uuml;nftige Wirtschaft Wettbewerb braucht&ldquo; (S.80).\n<\/p><\/blockquote><p>Sie begr&uuml;ndet das im Verlauf des Interviews damit, dass es ohne Wettbewerb zu wenig Druck f&uuml;r Unternehmen gebe, innovativ und produktiv zu sein und sich an den Bed&uuml;rfnissen der Kunden zu orientieren. Sie sagt aber auch ganz klar zum Thema &bdquo;Wettbewerb&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Aber er muss fair sein, das hei&szlig;t so, dass wirklich die &uuml;berlegene Leistung den Ausschlag gibt und man sich Vorteile nicht durch Marktdominanz oder &Auml;hnliches erschleichen kann. Und es gibt Bereiche, wo Wettbewerb, Markt und Kommerz keinen Platz haben, n&auml;mlich &uuml;berall da, wo es um menschliche Grundbed&uuml;rfnisse geht. (&hellip;) Ich bin (&hellip;) zudem bis heute &uuml;berzeugt und vertrete auch &ouml;konomisch die Position, dass wir eine andere Wirtschaftsordnung brauchen, die verhindert, dass ein kleiner Teil der Gesellschaft die wirtschaftlichen Ressourcen als Privateigentum besitzt, weil das unweigerlich zu Missbrauch, Abh&auml;ngigkeit und Ausbeutung f&uuml;hrt&ldquo; (S.80).\n<\/p><\/blockquote><p>So wie ich Sahra Wagenknecht verstanden habe, sind mit dem &bdquo;kleinen Teil der Gesellschaft&ldquo; generationen&uuml;bergreifende Familiendynastien gemeint, die &auml;hnlich wie der alte Feudaladel durch ihre riesigen Verm&ouml;gen &uuml;ber eine Machtf&uuml;lle verf&uuml;gen, die mit einer Demokratie nicht vereinbar ist. Deshalb sieht sie im Erbrecht ein wichtiges politisches Instrument zur Schaffung von Gerechtigkeit: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Ordoliberale Alexander R&uuml;stow hat die Ansicht vertreten, dass die Erbschaftssteuer daf&uuml;r sorgen muss, dass keine Gro&szlig;verm&ouml;gen, die &uuml;ber das hinausgehen, was sich ein normaler Mensch im Leben erarbeiten kann, vererbt werden k&ouml;nnen. Hier geht es um Verm&ouml;gen, die so gro&szlig; sind, dass man allein aus den Ertr&auml;gen mehr beziehen kann, als selbst hochqualifizierte Besch&auml;ftigte in einem langen Arbeitsleben verdienen&ldquo; (S. 88).\n<\/p><\/blockquote><p>Als ein Negativbeispiel nennt sie das Geschwisterpaar Quandt und Klatten, die im Fr&uuml;hjahr 2017 aus BMW-Aktien eine Milliarde Euro an Dividende ausgesch&uuml;ttet bekamen, was einem Einkommen von 3 Mio. Euro pro Tag gleichkommt.<\/p><p>Hier wird dann auch klar, warum Sahra Wagenknecht bei bestimmten Teilen des B&uuml;rgertums verhasst ist: Weil sie die bei Konservativen so beliebten Formeln von Wettbewerb und Leistung tats&auml;chlich ernst meint &ndash; im Gegensatz zu einem hoch privilegierten B&uuml;rgertum, das sich eben <em>nicht<\/em> dem Wettbewerb stellen will und deshalb auf einem v&ouml;llig ungerechten und Leistung verh&ouml;hnenden Erbrecht beharrt. Denn dies erm&ouml;glicht es, Besitzst&auml;nde, Privilegien und sozialen Status leistungslos zu erwerben. <\/p><p>Das l&auml;sst sich auch in einer Rede Wagenknechts zum Thema Erbrecht am Ende des Buches sehr sch&ouml;n nachvollziehen. Das Bundestagsprotokoll verzeichnet auch die Zwischenrufe anderer Abgeordneter. Als Sahra Wagenknecht bei der Beratung der Erbschaftssteuerreform von 2016 im Bundestag kritisiert, dass auch mit dem neuen Gesetz der Gro&szlig;en Koalition die Erbschaftssteuer zu einer Bagatellsteuer verkomme und riesige Gro&szlig;verm&ouml;gen von einer Generation zur n&auml;chsten weitergereicht werden, merkt der Abgeordnete Dr. h. c. Hans Michelbach von der CDU\/CSU-Fraktion an: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das ist auch gut so!&ldquo; (S. 218).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Eine Frau, die sich selber treu bleibt<\/strong><\/p><p>In diesem Buch erf&auml;hrt man nicht nur viel &uuml;ber das politische Denken von Sahra Wagenknecht, sondern auch &uuml;ber ihre Biografie und ihren Charakter. Und dass Sahra Wagenknecht etwas auszeichnet, dass in der Politik keine Selbstverst&auml;ndlichkeit ist: Sie bleibt sich selber treu, auch wenn dies ihrem eigenen Fortkommen schadet. Und dies war auch schon zu DDR-Zeiten so:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich hatte ja schon vor Abschluss der zehnten Klasse von Goethe &uuml;ber Hegel zu Marx gefunden. Von da an habe ich mich aus voller &Uuml;berzeugung als Sozialistin verstanden. Das bedeutete allerdings nicht, dass ich die DDR gut fand, sondern dass ich die Verh&auml;ltnisse in der DDR mit den Idealen der V&auml;ter und M&uuml;tter der sozialistischen Bewegung konfrontierte und in diesem Abgleich zu einem eher negativen Urteil &uuml;ber den damaligen Realsozialismus kam. Das habe ich auch ausgesprochen. Ich wurde daher als politisch nicht zuverl&auml;ssig angesehen. Und deswegen war das schon schwierig mit dem Abitur&ldquo; (S. 51- 52).\n<\/p><\/blockquote><p>Aus diesem Grund durfte Sahra Wagenknecht in der DDR auch nicht studieren. Sie sollte sich zun&auml;chst in einem Arbeitskollektiv als Sekret&auml;rin bew&auml;hren. Nach drei Monaten k&uuml;ndigte sie diese Arbeit, weil sie ihr als Zeitverschwendung erschien. Sie wollte ihrer Leidenschaft, der Philosophie, nachgehen, und wenn sie das Fach schon nicht studieren durfte, wollte sie doch wenigstens die philosophischen Klassiker lesen und gr&uuml;ndlich durcharbeiten. Deshalb k&uuml;ndigte sie ihre Arbeitsstelle als Sekret&auml;rin und lebte fortan von Nachhilfe in Mathematik und Russisch. Als dann die Wende kam, begann sie ein Studium der Philosophie. <\/p><p>Sahra Wagenknecht scheint mir ein Mensch zu sein, so deute ich ihre Biografie, der unf&auml;hig zu opportunistischem Verhalten ist, oder anders ausgedr&uuml;ckt: sich um der Karriere wegen zu verbiegen und grundlegende &Uuml;berzeugungen &uuml;ber den Haufen zu werfen. Lieber nimmt sie Nachteile in Kauf. So erkl&auml;rt sich auch, warum sie Anfang der neunziger Jahre mit einem gewissen Trotz die DDR verteidigt hatte, obwohl sie selbst unter dem Regime gelitten hatte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich hatte erlebt, dass viele, die die DDR w&auml;hrend ihrer Existenz rosarot gemalt und noch die abstrusesten Fehlentwicklungen verteidigt hatten, pl&ouml;tzlich vom Saulus zum Paulus wurden. Jetzt war die Bundesrepublik rosarot und die DDR-Vergangenheit nur noch rabenschwarz. Mit solchem Opportunismus wollte ich nichts gemein haben. Ich begann daher tats&auml;chlich, die DDR zu verteidigen. (&hellip;) Die &Auml;u&szlig;erungen aus dieser Zeit &ndash; also wir reden &uuml;ber die erste H&auml;lfte der Neunziger &ndash; h&auml;ngen mir meine politischen Widersacher bis heute an. Aber ehrlich gesagt: Auch wenn das im Nachhinein betrachtet nat&uuml;rlich gro&szlig;er Bl&ouml;dsinn und auch reiflich unreif war, ich hatte damals das Gef&uuml;hl, ich m&uuml;sste das tun, um nicht Teil des opportunistischem Zeitgeistes zu werden, und daf&uuml;r sch&auml;me ich mich nicht. Ich habe immer vertreten, was ich f&uuml;r richtig hielt&ldquo; (S. 71 -72).\n<\/p><\/blockquote><p>Wer das lange Interview mit Sahra Wagenknecht liest, wird feststellen, dass sie sehr differenziert denkt und sehr viel Respekt hat vor der Meinung anderer, und dies nicht zuf&auml;llig, sondern aus grundlegenden philosophischen &Uuml;berlegungen heraus, die sie von der Hegelschen Philosophie abgeleitet hat. Weshalb sie sich sehr bewusst ist, wie wichtig es ist, <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Einseitigkeit zu vermeiden, und immer f&uuml;r m&ouml;glich zu halten, dass auch die eigene Wahrheit nur eine Teilwahrheit ist. Dann bleibt man offen und kann sich auch weiterentwickeln, wenn es &uuml;berzeugende Argumente gibt&ldquo; (S.63).\n<\/p><\/blockquote><p>Genau das belegt auch ihre Biografie. Sahra Wagenknecht hat ihre Positionen im Laufe ihres Lebens ver&auml;ndert, aber nicht aus opportunistischen Gr&uuml;nden, sondern weil sie &uuml;berzeugende neue Argumente verarbeitet hat. Deshalb ist es meiner Meinung nach auch Unsinn, dass ausgerechnet sie gerne zu einem dogmatischen Hindernis f&uuml;r eine rot-rot-gr&uuml;ne Koalition aufgebauscht wird. Aus meiner Sicht ist sie das Gegenteil einer Dogmatikerin und w&auml;re die letzte, die sich einer linken Koalition aus reiner Prinzipienreiterei verweigern w&uuml;rde. Nur m&uuml;sste diese dann auch eine echte Alternative sein, und nicht nur derselbe alte Wein in neuen Schl&auml;uchen. Um es in ihren Worten zu sagen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Abstriche in den Details eines politischen Programms sind innerhalb einer Koalition unvermeidlich und so lange akzeptabel, solange eine Ver&auml;nderung der Grundrichtung der Politik sp&uuml;rbar ist. Solange man mit der SPD allerdings noch nicht mal mehr klassisch sozialdemokratische Forderungen wie die Einf&uuml;hrung einer Verm&ouml;genssteuer, gute Regeln am Arbeitsmarkt oder die Wiederherstellung des Sozialstaates durchsetzen kann, ist das Ganze eine m&uuml;&szlig;ige Diskussion&ldquo; (S. 137).\n<\/p><\/blockquote><p>Dem ist nichts hinzuzuf&uuml;gen. <\/p><p>Nun noch ein paar Informationen zum Aufbau des Buches. Das Buch ist gegliedert in vier Abschnitte, die jeweils wieder thematisch aufgef&auml;chert sind: <\/p><ol type=\"I\">\n<li>Anders Politik machen<\/li>\n<li>Biographie: Eine Philosophin in der Politik<\/li>\n<li>Politik: Was ich erreichen m&ouml;chte<\/li>\n<li>Ausgew&auml;hlte Reden<\/li>\n<\/ol><p>Wer dieses Buch liest, erh&auml;lt fundierte, interessante und gut verst&auml;ndlich formulierte Informationen und Sichtweisen zu allen aktuellen politischen Fragen. Au&szlig;erdem erf&auml;hrt der Leser auch viel &uuml;ber die Biografie und den Charakter Sahra Wagenknechts. Selbst wer kein Anh&auml;nger von ihr oder der Linkspartei ist, kann dieses Buch mit Gewinn lesen. Weil er bei Sahra Wagenknecht etwas bekommt, das gerade jetzt in der deutschen Politik nur selten zu finden ist: inhaltliche Substanz. <\/p><p>Was ich an Sahra Wagenknecht so sch&auml;tze &ndash; und was in diesem Buch sehr gut r&uuml;berkommt &ndash; ist, dass alle ihre Positionen sorgf&auml;ltig erarbeitet wurden und auf gedanklich fundierten Argumenten beruhen. Ich vermute, genau das ist auch einer der Gr&uuml;nde, warum Wagenknecht bei ihren politischen Gegnern verhasster ist als jeder andere Politiker von der Linkspartei: Sie hat eine politisch-inhaltliche Substanz zu bieten, mit der nur wenige Politiker mithalten k&ouml;nnen. Was f&uuml;r ein wohltuender Kontrast zu Angela Merkel, die f&uuml;r ihre Wiederwahl mit dem komplett inhaltslosen Satz &bdquo;Sie kennen mich&ldquo; wirbt. <\/p><p><strong>Sahra Wagenknecht: Couragiert gegen den Strom, &Uuml;ber Goethe, die Macht und die Zukunft, Nachgefragt und aufgezeichnet von Florian R&ouml;tzer, Westend  Verlag, Frankfurt \/Main 2017, 222 Seiten, 18 Euro.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich einmal unvoreingenommen und objektiv jenseits medialer Verzerrungen &uuml;ber Sahra Wagenknecht und ihre politischen Vorstellungen informieren m&ouml;chte, der sollte auf ein Buch zur&uuml;ckgreifen, das gestern im Frankfurter Westend Verlag unter dem Titel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/couragiert-gegen-den-strom\/\">Couragiert gegen den Strom<\/a>&ldquo; erschienen ist. In diesem Buch kommt Sahra Wagenknecht in Form eines langen Interviews ausf&uuml;hrlich zu Wort. 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