{"id":39985,"date":"2017-09-09T11:00:23","date_gmt":"2017-09-09T09:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39985"},"modified":"2026-01-27T11:22:43","modified_gmt":"2026-01-27T10:22:43","slug":"professor-thomas-meyer-zur-moderation-des-kanzlerduells-das-war-eine-ungenuegende-leistung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39985","title":{"rendered":"Professor Thomas Meyer zur Moderation des &#8216;Kanzlerduells&#8217;: \u201eDas war eine ungen\u00fcgende Leistung\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170908_meyer.jpg\" alt=\"Thomas Meyer\" title=\"Thomas Meyer\"><\/div><p>&bdquo;Ein Journalismus, der sich als Anwalt der &Ouml;ffentlichkeit versteht, zeigt sich jedenfalls anders als das, was uns vorgesetzt wurde&ldquo;, sagt  der Politikwissenschaftler <strong>Thomas Meyer<\/strong>, der im NachDenkSeiten-Interview auf die journalistische Leistung der Moderatoren des &bdquo;TV-Duells&ldquo; vom vergangenen Sonntag fokussiert. Auch wenn die NachDenkSeiten sich bereits mit dem &bdquo;Kanzlerduell&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39914\">auseinandergesetzt<\/a> <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39922\">haben<\/a>, wollen wir Ihnen dieses Interview, das <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong> mit Meyer gef&uuml;hrt hat, nicht vorenthalten. F&uuml;r Meyer, der vor zwei Jahren das medienkritische Buch &bdquo;Die Unbelangbaren&ldquo; publizierte und daf&uuml;r bei einigen Journalisten <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/luegenpresse-debatte-journalismus-als-schlachtfest-1.2479824\">Verstimmung<\/a> ausl&ouml;ste, war die Moderation der Sendung so ausgelegt, dass ein Gespr&auml;ch zwischen den Politikern unterbunden werden sollte. &bdquo;Wir konnten im Grunde genommen eine systematische &lsquo;Gespr&auml;chsverhinderungskonstruktion&rsquo; beobachten&ldquo;, so der emeritierte Professor. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_780\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-39985-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170911_Professor_Thomas_Meyer_zum_Kanzlerduell_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170911_Professor_Thomas_Meyer_zum_Kanzlerduell_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170911_Professor_Thomas_Meyer_zum_Kanzlerduell_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170911_Professor_Thomas_Meyer_zum_Kanzlerduell_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=39985-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170911_Professor_Thomas_Meyer_zum_Kanzlerduell_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170911_Professor_Thomas_Meyer_zum_Kanzlerduell_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Meyer, wie beurteilen Sie die Leistung der Moderatoren im TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz?<\/strong><\/p><p>Als Lehrer w&uuml;rde ich sagen: Das war eine ungen&uuml;gende Leistung. Sie haben das, was man als B&uuml;rger erwarten durfte, nicht geliefert.<\/p><p><strong>Was hat aus journalistischer Sicht nicht gestimmt?<\/strong><\/p><p>Die Moderatoren haben oft Fragen gestellt, in die sie viele ihrer eigenen Vorurteile und Ansichten reingelegt haben. Das waren Fragen, die au&szlig;erdem sehr viel Raum f&uuml;r allgemeine Antworten lie&szlig;en, ohne dass spezifisch und kritisch nachgefragt wurde, also genau das, was eigentlich bei so einer Sendung nicht vorkommen sollte. Ein Tiefpunkt war, als Herr Kloeppel in einer selbstherrlichen und willk&uuml;rlichen Art sich narzisstisch in Szene setzte und versuchte, Schulz zu komplizierten Kopfrechnungen zu zwingen. Kurzum: Die eigentlich interessanten Fragen, die f&uuml;r die Bundesrepublik entscheidend sind, sind nur zu einem kleinen Teil thematisiert worden. Das Wichtigste hat gefehlt.<\/p><p><strong>Welche Fragen h&auml;tten denn gestellt werden m&uuml;ssen?<\/strong><\/p><p>Wie kann die Spaltung, die diese Gesellschaft pr&auml;gt und beherrscht, &uuml;berwunden werden?<br>\nWie kann ein Ma&szlig; an Gleichheit hergestellt werden, das diese Demokratie sichert und den Anspruch dieser Gesellschaft erf&uuml;llt? Dann das Thema Bildung. Wie kann das Klassensystem im Bildungswesen &uuml;berwunden werden? Wir wissen: Wer aus armen Familien kommt, hat kaum Chancen aufzusteigen. Was kann getan werden, um die Chancengleichheit zu erh&ouml;hen?<br>\nAber auch &uuml;ber die marode Infrastruktur und die Gef&auml;hrdung vieler &ouml;ffentlicher G&uuml;ter in der Bundesrepublik wurde nicht gesprochen. Genauso die Frage: Was wird denn nun mit dem Diesel-Skandal? Was genau sind die L&ouml;sungen f&uuml;r Umwelt und B&uuml;rger? Diese Fragen wurden einfach nicht gestellt &ndash; so wie viele weitere wichtige Fragen ebenfalls nicht.<\/p><p><strong>Alle vier Moderatoren, also Sandra Maischberger, Peter Kloeppel, Claus Strunz und Maybritt Illner, sind nicht einfach nur Moderatoren, sondern Journalisten.<\/strong><br>\n<strong>Wie kommt es, dass sie so eine Leistung abliefern?<\/strong><\/p><p>Ja, die Damen und die Herren sind Journalisten &ndash; unter anderem. Aber wenn man die alle zusammen in einem Format agieren l&auml;sst, dann kommt genau das zum Vorschein, was wir gesehen haben: Sie verhalten sich selbstherrlich und geltungss&uuml;chtig im ungetr&uuml;bten Bewusstsein ihrer Unbelangbarkeit. Zu sehen sind dann vier Journalisten, die sich in einem Wettbewerb befinden, wer der Beste ist, wer f&uuml;r das Medium arbeitet, welches das gr&ouml;&szlig;te Renommee f&uuml;r sich beanspruchen kann. Deutlich wurde: Alleine schon diese Struktur schl&auml;gt den angemessenen, kritischen Journalismus tot. Meine Beobachtung ist: Die vier Journalisten, die die Sendung moderiert haben, haben diesen Kr&auml;ften nicht widerstanden. Sie haben sich von den angesprochenen Einfl&uuml;ssen treiben lassen. Sie haben es vers&auml;umt, so zu moderieren, dass ein wirkliches Gespr&auml;ch &ndash; das sehr erhellend h&auml;tte sein k&ouml;nnen &ndash; zwischen Merkel und Schulz stattgefunden hat.<br>\nDer Aufbau der Moderation war so ausgelegt, Gespr&auml;chsans&auml;tze zwischen den Politikern zu verhindern.Wir konnten im Grunde genommen eine systematische &lsquo;Gespr&auml;chsverhinderungskonstruktion&rsquo; beobachten.<\/p><p><strong>Also eine Sendung der Qualit&auml;tsmedien, die von vielen Eitelkeiten gepr&auml;gt war?<\/strong><\/p><p>Auf jeden Fall. Eitelkeiten der Journalisten haben die Sendung dominiert.<\/p><p><strong>Journalisten sind doch eigentlich Anw&auml;lte der &Ouml;ffentlichkeit. Wie war das beim &bdquo;TV-Duell&ldquo;?<\/strong><\/p><p>In dieser Sendung w&auml;ren die moderierenden Journalisten prima als Anw&auml;lte der &Ouml;ffentlichkeit aufgetreten, wenn sie zu einer Gespr&auml;chssituation zwischen Merkel und Schulz beigetragen h&auml;tten. Dann h&auml;tte die &Ouml;ffentlichkeit sehen k&ouml;nnen, wo die Konflikte zwischen den beiden liegen.<br>\nAber, die zentrale Frage ist doch: Wie verstehen &uuml;berhaupt diese Journalisten ihre Rolle als Anw&auml;lte der &Ouml;ffentlichkeit? Zu beobachten war, dass ihr Rollenverst&auml;ndnis ausschlie&szlig;lich ihrem eigenen Geschmack &uuml;berlassen war. Sie waren bestrebt, den selbstreferentiellen, inneren Beziehungen und Konkurrenzverh&auml;ltnissen zwischen Journalist-Stars zu entsprechen &ndash;sozusagen, als st&uuml;nden sie selbst zur Wahl und nicht die Politiker. Das Resultat: Die Themen, die ohnehin in der Medien&ouml;ffentlichkeit breit verankert und gerne mal marktschreierisch bedient werden, waren auch in der Sendung omnipr&auml;sent. Wir haben eine Moderation erlebt, die ein Musterbeispiel daf&uuml;r ist, wie es aussieht, wenn Journalismus sich viel zu stark an dem Prinzip der Aufmerksamkeits&ouml;konomie und seinem eigenen Renommee orientiert. Ein Journalismus, der sich als Anwalt der &Ouml;ffentlichkeit versteht, zeigt sich jedenfalls anders als das, was uns vorgesetzt wurde.<\/p><p><strong>Wie ist es um den kritischen politischen Journalismus in Deutschland bestellt?<\/strong><\/p><p>Er weist eine soziale und eine unterhaltungsorientierte Schieflage auf.<br>\nEr greift die politischen Interessen der Allgemeinheit und der unteren Schichten nicht ausreichend auf, daf&uuml;r setzt er sich mit Vorliebe mit jenen Themen auseinander, die im Interessenfeld der sozialen Schicht liegen, aus denen die Journalisten selbst kommen. Au&szlig;erdem setzt der politische Journalismus viel zu oft auf die Ma&szlig;st&auml;be der Unterhaltung &ndash; was nicht gerade zu einer Anhebung seines Niveaus beitr&auml;gt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170908_meyer.jpg\" alt=\"Thomas Meyer\" title=\"Thomas Meyer\"\/><\/div>\n<p>&bdquo;Ein Journalismus, der sich als Anwalt der &Ouml;ffentlichkeit versteht, zeigt sich jedenfalls anders als das, was uns vorgesetzt wurde&ldquo;, sagt der Politikwissenschaftler <strong>Thomas Meyer<\/strong>, der im NachDenkSeiten-Interview auf die journalistische Leistung der Moderatoren des &bdquo;TV-Duells&ldquo; vom vergangenen Sonntag fokussiert. 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