{"id":40,"date":"2003-12-11T17:36:31","date_gmt":"2003-12-11T15:36:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=40"},"modified":"2024-10-13T01:35:38","modified_gmt":"2024-10-12T23:35:38","slug":"keine-auftrage-fur-kriegsgegner-warum-wohl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40","title":{"rendered":"Keine Auftr\u00e4ge f\u00fcr Kriegsgegner &#8211; warum wohl?"},"content":{"rendered":"<p>Eine heftige Diskussion ist &uuml;ber die Absicht des amerikanischen Verteidigungsministeriums und des amerikanischen Pr&auml;sidenten ausgebrochen, Auftr&auml;ge zum Wiederaufbau des Irak nur an Unternehmen aus solchen Staaten zu vergeben, die sich am Irak-Krieg beteiligt haben. Die Aufregung zeigt, wie schnell man in Deutschland &uuml;ber ein hingehaltenes St&ouml;ckchen springt. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nZum einen ist es nat&uuml;rlich so, dass die gro&szlig;en Unternehmen, die den amerikanischen Pr&auml;sidenten und seine Mannschaft unterst&uuml;tzen und ins Amt gef&ouml;rdert haben, Wert darauf legen, dass sie bei den Auftr&auml;gen zum Wiederaufbau des Irak einen guten Schnitt machen, d. h. Generalauftr&auml;ge bekommen, an denen sie &ndash; wie das Cheneys ehemalige Firma Halliburton Industries mit ma&szlig;los &uuml;berteuerten Benzinpreisen f&uuml;r die Besatzungstruppen schon vorexerziert hat &ndash; vermutlich auch wegen monopolartig &uuml;berh&ouml;hter Preise &ndash; in der Regel gut verdienen. Sie f&uuml;hren die Auftr&auml;ge h&auml;ufig nicht selbst aus, sondern lassen sie von Subunternehmern erledigen. Diese gro&szlig;en Unternehmen in den USA haben schon immer darauf geachtet, dass die Politik ihnen gewinnbringende Auftr&auml;ge verschafft. So war das z. B. auch im Konflikt um Bosnien-Herzegowina. Das Dayton-Abkommen war noch nicht implementiert, als eine gro&szlig;e Delegation von amerikanischen Gesch&auml;ftsleuten in der N&auml;he von Dubrovnik verungl&uuml;ckte. Was jetzt im Irak passiert, ist nicht neu. Ohne die Verbindung von amerikanischer Politik mit Auftragbeschaffung w&auml;re die Au&szlig;enhandelsbilanz der USA und ihre Verschuldung beim Rest der Welt noch h&ouml;her als sie ohnehin ist.<\/p><p>Zum zweiten ist die Drohung der amerikanischen Regierung erkennbar ein taktischer Zug. Die USA wollen auch jene L&auml;nder, die sich am Krieg nicht beteiligt haben, in der vagen Hoffnung, wenigstens dann an Auftr&auml;gen beteiligt zu werden, zu Geldzahlungen, zum Schuldenerlass oder zu sonstigen Aufbauleistungen im zerst&ouml;rten Irak veranlassen und damit die Kasse der USA entlasten.<\/p><p>Zum dritten wird der Streit vom Zaun gebrochen und hochgespielt, weil so das amerikanische W&auml;hlervolk wieder hinter Bush versammelt werden kann &ndash; das ist die bekannte und gef&auml;hrliche Methode, Konflikte mit anderen V&ouml;lkern (bis hin zum Krieg) f&uuml;r innenpolitische Zwecke und vor allem f&uuml;r die Verbesserung der Wahlchancen zu nutzen, ja sie deshalb zu erfinden und anzuheizen.<\/p><p>Obwohl man dieses taktische Spiel als Politiker durchschauen und entlarven m&uuml;sste, gehen europ&auml;ische Politiker auf die Drohung ein und verhandeln &uuml;ber einen massiven Schuldenerlass. Es ist eben popul&auml;r, sich um Auftr&auml;ge f&uuml;r deutsche Unternehmen zu k&uuml;mmern. Das macht auch Sinn, wenn dadurch die danieder liegende Wirtschaft hier zu Lande belebt w&uuml;rde und Arbeitspl&auml;tze geschaffen werden.<\/p><p>Aber selbst das w&auml;re im konkreten Fall &auml;u&szlig;erst fraglich. Wenn ein deutsches Bauunternehmen im Irak t&auml;tig wird, dann besch&auml;ftigt es dort vermutlich hochgradig andere als deutsche Arbeitskr&auml;fte. Und wo die Gewinne aus einem solchen Gesch&auml;ft anfallen, das wissen wir gar nicht. Jedenfalls d&uuml;rfte bei uns in Deutschland wenig an Einnahmen und Arbeitspl&auml;tzen ankommen. Tats&auml;chlich sind &ldquo;wir&rdquo; &ndash; wie es in manchen Erkl&auml;rungen so sch&ouml;n hei&szlig;t &ndash; vor allem beim Zahlen beteiligt, wenn die Bundesregierung auf den Trick der US-Regierung hereinfallen sollte und nach dem zur Zeit ablaufenden &ouml;ffentlichen Schlagabtausch sich zu gr&ouml;&szlig;eren Zahlungen bereit finden sollte; im Austausch gegen die &Ouml;ffnung der Auftragsvergabe auch f&uuml;r deutsche Unternehmen.<\/p><p>In jedem Fall machen wir, die Steuerzahler, das schlechtere Gesch&auml;ft. Das zeigt schon die Relation der Zahlen: Es geht jetzt um Wiederaufbauauftr&auml;ge in H&ouml;he von 18,6 Mrd. US-Dollar , die Auslandsschulden des Irak werden auf 120 Mrd. US-Dollar gesch&auml;tzt &ndash; f&uuml;r Deutschland auf 4,4 Mrd. Euro. Selbst wenn deutsche Unternehmen von den 18,6 Mrd. Auftr&auml;ge in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von zehn Prozent, also 1,86 Mrd. US-Dollar, f&uuml;r sich erringen k&ouml;nnten, k&auml;me davon beim deutschen Fiskus nahe null an.<\/p><p>Im &Uuml;brigen: Die Debatte zeigt in bedr&uuml;ckender Weise, mit welcher Offenheit und Dreistigkeit heute Bombardements und Auftragvergabe, Kriegf&uuml;hrung und wirtschaftliches Gesch&auml;ft verbunden werden. Man macht einen Krieg, man bombt, man zerst&ouml;rt, es sterben Tausende von Menschen &ndash; und dann besorgt man sich Auftr&auml;ge zum Wiederaufbau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine heftige Diskussion ist &uuml;ber die Absicht des amerikanischen Verteidigungsministeriums und des amerikanischen Pr&auml;sidenten ausgebrochen, Auftr&auml;ge zum Wiederaufbau des Irak nur an Unternehmen aus solchen Staaten zu vergeben, die sich am Irak-Krieg beteiligt haben. 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