{"id":40040,"date":"2017-09-12T08:33:56","date_gmt":"2017-09-12T06:33:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40040"},"modified":"2026-01-27T11:22:41","modified_gmt":"2026-01-27T10:22:41","slug":"oeffentlich-private-partnerschaften-sind-undemokratisch-und-ueberteuert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40040","title":{"rendered":"\u201e\u00d6ffentlich-Private Partnerschaften sind undemokratisch und \u00fcberteuert\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Was sind &Ouml;ffentlich-Private Partnerschaften (&Ouml;PP) und was bedeuten diese f&uuml;r die B&uuml;rger? Warum sind &Ouml;PP f&uuml;r Teile der Politik gerade besonders attraktiv &ndash; und was hat das mit Schuldenbremse und Rentenpolitik zu tun? Der &Ouml;konom <strong>Kai Eicker-Wolf<\/strong> und der Politikwissenschaftler <strong>Patrick Schreiner<\/strong> haben sich diesen Fragen ausf&uuml;hrlich gewidmet &ndash; in ihrem Buch <em><a href=\"http:\/\/shop.papyrossa.de\/epages\/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7.sf\/de_DE\/?ObjectPath=\/Shops\/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7\/Products\/655-9\">Mit Tempo in die Privatisierung. Autobahnen, Schulen, Renten &ndash; und was noch?<\/a><\/em> Im NachDenkSeiten-Interview zeigen Eicker-Wolf und Schreiner auf, welche Risiken mit &Ouml;PP verbunden sind. Ihr Rat an die B&uuml;rger: Sich gegen &Ouml;PP wehren, Druck auf die Politik aufbauen. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_781\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40040-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170912_OEPP_sind_undemokratisch_und_ueberteuert_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170912_OEPP_sind_undemokratisch_und_ueberteuert_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170912_OEPP_sind_undemokratisch_und_ueberteuert_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170912_OEPP_sind_undemokratisch_und_ueberteuert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40040-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170912_OEPP_sind_undemokratisch_und_ueberteuert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170912_OEPP_sind_undemokratisch_und_ueberteuert_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Schreiner, Herr Eicker-Wolf, seit einiger Zeit h&ouml;ren wir in den Medien von &Ouml;ffentlich-Privaten Partnerschaften. Was ist damit gemeint?<br>\n<\/strong><\/p><p>Patrick Schreiner: &Ouml;ffentlich-Private Partnerschaften &ndash; abgek&uuml;rzt &Ouml;PP oder englisch PPP &ndash; k&ouml;nnen grunds&auml;tzlich alle Formen der Zusammenarbeit zwischen &ouml;ffentlicher Hand und privaten Unternehmen umfassen. In der politischen Diskussion und auch in unserem Buch wird allerdings ein engerer Begriff verwendet. &Ouml;PP meint dann die recht weitreichende und mehrj&auml;hrige &Uuml;bertragung &ouml;ffentlicher Aufgaben auf private &bdquo;Partner&ldquo; im Zusammenhang mit dem Bau oder der Sanierung &ouml;ffentlicher Infrastrukturen (Stra&szlig;en, Schulen, Schwimmb&auml;der usw.) Entscheidend ist, dass die Privaten dabei nicht nur den Bau oder die Sanierung &uuml;bernehmen, sondern auch f&uuml;r viele Jahre den Betrieb und oft auch die Finanzierung. Im Gegenzug erhalten sie daf&uuml;r &ouml;ffentliche Mittel in Form von kontinuierlichen Zahlungen. Insgesamt sollen diese Modelle der &ouml;ffentlichen Hand Geld sparen: Angeblich sind sie in vielen F&auml;llen billiger, als wenn der &ouml;ffentliche Auftraggeber auf klassische Weise Bau\/Sanierung in Auftrag gibt und Betrieb und\/oder Finanzierung selbst &uuml;bernimmt.<\/p><p><strong>Verschleiert dieser Begriff etwas?<\/strong><\/p><p>Schreiner: Vielleicht sollte er das urspr&uuml;nglich mal. &bdquo;Partnerschaft&ldquo; k&ouml;nnte darauf hindeuten. Allerdings ist die Liste an gescheiterten und &uuml;berteuerten &Ouml;PP mittlerweile von der Bundesebene bis zu den Kommunen so lang, dass der Begriff eigentlich nichts mehr verschleiern kann.<\/p><p><strong>Was haben Autobahnen und Schulen mit &Ouml;PP zu tun?<\/strong><\/p><p>Eicker-Wolf: Die Bundesregierung zentralisiert die Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r die bislang von den L&auml;ndern verwalteten Autobahnen in einer Bundesfernstra&szlig;engesellschaft.<\/p><p><strong>So wurde das im Sommer von Bundestag und Bundesrat beschlossen<\/strong><\/p><p>Eicker-Wolf: Ja und zwar Grundgesetz&auml;nderung inklusive. Das Ganze sollte urspr&uuml;nglich sehr viel st&auml;rkeren Privatisierungscharakter haben, als es der Bundestag schlie&szlig;lich zulie&szlig;. Dennoch d&uuml;rften &Ouml;PP durch das nun gew&auml;hlte Modell eher gest&auml;rkt werden. Zugleich erh&auml;lt der Bund die M&ouml;glichkeit, den Kommunen f&uuml;r Schulbauten finanziell unter die Arme zu greifen.<\/p><p><strong>Was ja nicht unbedingt verkehrt ist.<\/strong><\/p><p>Eicker-Wolf: Nein, sicher nicht,  wobei die Kommunen f&uuml;r die umfassende Sanierung ihrer Schulen eine deutliche Steigerung ihrer origin&auml;ren Einnahmen br&auml;uchten, etwa durch eine vern&uuml;nftige Reform der Gewerbesteuer.  Bei dem jetzt beschlossenen Zuweisungsmodell ist allerdings problematisch, dass dabei &Ouml;PP gew&auml;hlt bzw. gef&ouml;rdert werden kann. Das wurde ausdr&uuml;cklich so festgehalten. Und auch sonst wurden die Rahmenbedingungen eher privatisierungsfreundlich ausgestaltet. Das Anliegen unseres Buches &bdquo;Mit Tempo in die Privatisierung&ldquo; ist es nun, die Hintergr&uuml;nde und politischen Entwicklungen aufzuzeigen, die zu dieser &Ouml;PP-freundlichen und privatisierungsfreundlichen Politik gef&uuml;hrt haben.<\/p><p><strong>Sie fokussieren in Ihrem Buch im Wesentlichen auf drei Aspekte.<\/strong><\/p><p>Schreiner:  Erstens die seit Jahrzehnten &Ouml;PP-freundliche Politik selbst, und zwar auf der nationalen wie auch auf der europ&auml;ischen Ebene. Zweitens Schuldenbegrenzungsregeln wie insbesondere die Schuldenbremse.<\/p><p><em><strong>Was bewirken die Schuldenbegrenzungsregeln?<\/strong><\/em><\/p><p>Schreiner:  Sie sorgen einerseits f&uuml;r einen enormen Investitionsstau, weil sie die Handlungsf&auml;higkeit des Staates beschr&auml;nken. Andererseits machen sie &Ouml;PP attraktiv: Denn &Ouml;PP stellen eine Art versteckter Verschuldung dar.&#8232;<\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Schreiner:  Sie erm&ouml;glichen damit Investitionen, wo eigentlich keine zus&auml;tzliche Verschuldung mehr m&ouml;glich w&auml;re. Und welcher Politiker legt nicht gerne Grundsteine?<\/p><p><strong>Sie wollten noch einen dritten Aspekt anf&uuml;hren, mit dem Sie sich in Ihrem Buch auseinandersetzen.<\/strong><\/p><p>Schreiner:  Drittens schlie&szlig;lich die Privatisierung der Altersvorsorge. Neben der Bauindustrie ist es insbesondere die Finanzindustrie, die seit Jahren auf eine Ausweitung von &Ouml;PP dr&auml;ngt und hofft. Denn mit &bdquo;klassischen&ldquo; Staatsanleihen lassen sich l&auml;ngst nicht mehr die Renditen erwirtschaften, die Banken und Versicherungen ihren Kundinnen und Kunden mit Lebensversicherungen, Riester-Renten, R&uuml;rup-Renten und Betriebsrenten versprochen haben. In &Ouml;PP, so beten Wirtschaftslobby und Teile der Politik seit Jahren immer wieder herunter, erg&auml;nzen sich nun zwei Bedarfe: Der &ouml;ffentliche Bedarf an mehr Investitionen (etwa in Autobahnen und Schulen) und der Bedarf der Finanzwirtschaft an mehr Kapitalanlagem&ouml;glichkeiten.<\/p><p><strong>Wenn wir den Begriff &bdquo;Privatisierung&ldquo; h&ouml;ren, denken wir an Neoliberalismus. &Ouml;ffentlich-Private Partnerschaften klingt erstmal eher &bdquo;unverd&auml;chtig&ldquo;, oder?<\/strong><\/p><p>&#8232;&#8232;Schreiner: Ja, und doch bedeutet der Begriff genau das, n&auml;mlich Privatisierung. Man spricht von &bdquo;funktionaler&ldquo; Privatisierung oder Aufgabenprivatisierung. Auch wenn die &ouml;ffentliche Hand bei &Ouml;PP letztverantwortlich bleibt und auch wenn das Eigentum etwa an einer Stra&szlig;e oder einer Schule &ouml;ffentlich bleibt, so ist es doch angemessen, hier von &bdquo;Privatisierung&ldquo; zu sprechen. Denn diese &Ouml;PP-Modelle sind in ihren Inhalten und Konsequenzen extrem nah an vollst&auml;ndiger Privatisierung, w&auml;hrend sie umgekehrt mit &bdquo;klassischer&ldquo; &ouml;ffentlicher Aufgabenerledigung nur noch vergleichsweise wenig zu tun haben.<\/p><p>Eicker-Wolf: Ein weiterer Punkt: Schuldenbremse und Teilprivatisierung der Altersvorsorge sind Kernbestandteile neoliberaler Politik. Wie bereits beschrieben, sind &Ouml;PP nun wiederum in gewisser Weise eine Reaktion auf Schuldenbremse und Teilprivatisierung der Altersvorsorge. Da w&auml;chst zusammen, was zusammengeh&ouml;rt.<\/p><p><strong>Was kritisieren Sie an diesen Konstellationen?<\/strong><\/p><p>Schreiner: &Ouml;PP sind insbesondere undemokratisch und &uuml;berteuert. Sie sind undemokratisch, weil &Ouml;PP-Vertr&auml;ge derart komplex sind, dass sie kaum ein Parlamentarier verstehen kann.<\/p><p><strong>Dann d&uuml;rften die &Ouml;ffentlichkeit und die Medien auch so ihre Probleme haben, zu verstehen, was da in den Vertr&auml;gen steht.<\/strong><\/p><p>Schreiner: So ist es. Da die Vertr&auml;ge sowie s&auml;mtliche Kostenkalkulationen zugleich geheimgehalten werden, spielt diese Komplexit&auml;t allerdings ohnehin keine Rolle &ndash; so k&ouml;nnte man zynisch erg&auml;nzen. &#8232;<em>Aber ernsthaft<\/em>:  Mit Demokratie und demokratischer Kontrolle hat auch das nat&uuml;rlich nichts zu tun. Die &ouml;ffentlichen Auftraggeber in den Verwaltungen wiederum sind in aller Regel &uuml;berfordert und ziehen daher teure externe Berater heran. Hinzu kommt: Aus &Ouml;PP m&uuml;ssen private Renditen finanziert werden, und das notwendige Fremdkapital bekommen private Partner nur zu h&ouml;heren Zinsen, verglichen mit der &ouml;ffentlichen Hand. Nicht zuletzt die Rechnungsh&ouml;fe des Bundes und der L&auml;nder zeigen sich immer wieder mit guten Gr&uuml;nden skeptisch, was die Kosten und die Kostenkalkulationen bei &Ouml;PPs betrifft. &#8232;&#8232;<\/p><p><strong>Was ist noch problematisch?<\/strong><\/p><p>&#8232;&#8232;Eicker-Wolf: &Ouml;PP k&ouml;nnen in der Regel kaum bzw. nur zu hohen Kosten wieder r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden.<\/p><p><strong>Warum?<\/strong><\/p><p>Eicker-Wolf: Der Grund ist simpel: Die &ouml;ffentliche Verwaltung soll durch &Ouml;PP Kosten einsparen. Das macht sie, indem sie Personal abbaut &ndash; jenes Personal, das vorher die Arbeit gemacht hat, die jetzt der private &bdquo;Partner&ldquo; &uuml;bernimmt. Damit geht der &ouml;ffentlichen Verwaltung aber auch das entsprechende Know-how verloren. Dieses nach Ablauf des &Ouml;PP-Vertrags (also 20 oder 30 Jahre sp&auml;ter) wieder neu aufzubauen, ist teuer und oft nicht m&ouml;glich.<\/p><p><strong>Haben Sie f&uuml;r so eine Situation mal ein konkretes Beispiel?<\/strong><\/p><p>Eicker-Wolf: Ja, nehmen wir  den Landkreis Offenbach: Man hat die Sanierung und den Betrieb der Schulen im Kreis auf zwei &Ouml;PP-&bdquo;Partner&ldquo; &uuml;bertragen. Die Vertr&auml;ge laufen demn&auml;chst aus. Und es wird wohl leider nicht so kommen, dass der Landkreis alles wieder selbst betreibt wie vor dem &Ouml;PP-Debakel &ndash; obwohl die Kosten v&ouml;llig aus dem Ruder gelaufen sind. Denn ein &bdquo;Weiter so!&ldquo; ist wohl immer noch billiger, als komplette Abteilungen in der &ouml;ffentlichen Verwaltung neu aufzubauen und die entsprechenden Fachleute zu finden. &#8232;Sie sehen: Die erw&auml;hnten Schulen im Landkreis Offenbach sind sicher ein gutes Beispiel im Hinblick auf &Ouml;PP f&uuml;r den Schulbereich, das Ganze wird letztlich rund 370 Millionen Euro teurer als geplant.<\/p><p><strong>Haben Sie noch ein Beispiel, was bei so einer &Ouml;ffentlich-Privaten Partnerschaft schiefgehen kann?<\/strong><\/p><p>Schreiner: Ein ganz aktuelles Beispiel ging vor ein paar Tagen durch die Presse. Die &Ouml;PP-Betreibergesellschaft zur Autobahn 1 zwischen Bremen und Hamburg steht offenbar kurz vor der Insolvenz. Das &Ouml;PP-Modell sah damals noch vor, dass der Betreiber sich aus den LKW-Mauteinnahmen refinanziert. Nun hei&szlig;t es, diese Mauteinnahmen seien wegen der Wirtschaftskrise eingebrochen, was ein wesentlicher Grund f&uuml;r die Insolvenz sei. Das zu glauben f&auml;llt schwer, d&uuml;rfte aber f&uuml;r Au&szlig;enstehende kaum zu &uuml;berpr&uuml;fen sein.<\/p><p><strong>Was bedeutet die Situation im Zusammenhang mit der Autobahn 1?<\/strong><\/p><p>Schreiner: Klar scheint  zu sein,  dass die Bundesregierung der Betreibergesellschaft finanziell aus der Patsche helfen wird. Ihr bleibt wohl gar nichts anderes &uuml;brig &ndash; denn weder hat sie das Personal, das kurzfristig den Betrieb der A1 &uuml;bernehmen k&ouml;nnte, noch gibt es entsprechende private Unternehmen.<\/p><p><strong>Und das ist dann also ein typisches Beispiel?<\/strong><\/p><p>Schreiner:  Nat&uuml;rlich. Es ist doch so: Theoretisch &uuml;bernimmt der private Partner ein wirtschaftliches Risiko, das dann als Begr&uuml;ndung f&uuml;r eine entsprechende Rendite dient. Risiko=Rendite gilt ja gemeinhin als kapitalistisches Grundgesetz. Kommt das Risiko aber tats&auml;chlich zum Tragen, springt bei &Ouml;PP die &ouml;ffentliche Hand finanziell ein. Sie kann in der Regel gar nicht anders. Damit aber ist das Risiko des Privaten reine Fiktion &ndash; genau, wie es eine Fiktion ist, dass die &ouml;ffentliche Hand mit solchen Modellen Geld einspart. Nun sagt uns die Bundesregierung aber zugleich, bei aktuelleren &Ouml;PP-Autobahn-Modellen k&ouml;nne sich die A1-Misere nicht wiederholen, denn bei den neueren Vertr&auml;gen sei die Refinanzierung der Privaten nicht mehr an die LKW-Maut gebunden. Letzteres ist zwar richtig. Das l&ouml;st das Grundproblem aber nicht, dass die &ouml;ffentliche Hand sich eine Insolvenz des privaten &Ouml;PP-Partners schlicht nicht leisten kann und das private Risiko damit reine Fiktion ist.<\/p><p><strong>Worauf sollten B&uuml;rger achten, wenn sie sehen, dass eine &Ouml;ffentlich-Private Partnerschaft angestrebt wird?<\/strong><\/p><p>Schreiner: Es ist immer sinnvoll, sich zu wehren. Es d&uuml;rfte inzwischen allgemein bekannt sein, wie problematisch &Ouml;PP sind. Insofern sind die Chancen sicherlich oft gut, sie durch entsprechenden politischen Druck zu verhindern. F&uuml;r betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt es &uuml;berdies immer die M&ouml;glichkeit, in Zusammenarbeit mit ihrer Gewerkschaft und gewerkschaftsnahen &Ouml;PP-Experten zus&auml;tzlichen Druck aufzubauen.<\/p><p><strong>Nun verlangt es die Realit&auml;t, dass bestimmte Projekte angegangen werden. Was sind denn f&uuml;r Sie Alternativen zu &Ouml;ffentlich-Privaten Partnerschaften?<\/strong><\/p><p>Eicker-Wolf: Dass wir in Deutschland mehr Investitionen in Infrastruktur brauchen, steht f&uuml;r uns au&szlig;er Frage. Das beste Modell hierf&uuml;r ist zugleich das &auml;lteste &ndash; n&auml;mlich die Aufgabenerledigung durch die &ouml;ffentliche Hand. Niemand bekommt Kredite g&uuml;nstiger als Bund, L&auml;nder und Kommunen. In deren Verwaltungen und Betrieben gibt es jede Menge Sachkompetenz. Renditen und Profite m&uuml;ssen Bund, L&auml;nder und Kommunen nicht erwirtschaften. Und teure Berater brauchen sie auch nicht. Nun sind die &ouml;ffentlichen Haushalte allerdings, gemessen an den Bedarfen, nach den Steuersenkungen der letzten Jahrzehnte drastisch unterfinanziert. Zugleich haben Teile der Politik die &ouml;ffentlichen Verschuldungsm&ouml;glichkeiten durch Schuldenbremse und Fiskalpakt empfindlich beschnitten. Vermutlich wird man vor diesem Hintergrund nicht umhinkommen, Wege zur Umgehung solcher Schuldenbegrenzungsregeln zu finden. Diese Wege m&uuml;ssen aber demokratisch, m&ouml;glichst transparent und finanziell g&uuml;nstig sein &ndash; was &Ouml;PP ausschlie&szlig;t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was sind &Ouml;ffentlich-Private Partnerschaften (&Ouml;PP) und was bedeuten diese f&uuml;r die B&uuml;rger? Warum sind &Ouml;PP f&uuml;r Teile der Politik gerade besonders attraktiv &ndash; und was hat das mit Schuldenbremse und Rentenpolitik zu tun? Der &Ouml;konom <strong>Kai Eicker-Wolf<\/strong> und der Politikwissenschaftler <strong>Patrick Schreiner<\/strong> haben sich diesen Fragen ausf&uuml;hrlich gewidmet &ndash; in ihrem Buch <em><a href=\"http:\/\/shop.papyrossa.de\/epages\/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7.sf\/de_DE\/?ObjectPath=\/Shops\/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7\/Products\/655-9\">Mit Tempo<\/a><\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40040\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,209,144],"tags":[1845,293,1247,2129,1494,2052,1576,588,273,847,392],"class_list":["post-40040","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","category-private-public-partnership","tag-bauwirtschaft","tag-finanzwirtschaft","tag-fiskalpakt","tag-geheimhaltung","tag-infrastruktur","tag-investitionen","tag-maut","tag-personalabbau","tag-privatvorsorge","tag-rechnungshof","tag-schuldenbremse"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40040","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40040"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40040\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89508,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40040\/revisions\/89508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40040"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40040"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40040"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}