{"id":40053,"date":"2017-09-12T17:06:55","date_gmt":"2017-09-12T15:06:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40053"},"modified":"2017-09-14T07:50:23","modified_gmt":"2017-09-14T05:50:23","slug":"sigmar-gabriel-und-die-entdeckung-der-echten-nazis-so-viel-geschichtsvergessenheit-macht-wuetend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40053","title":{"rendered":"Sigmar Gabriel und die Entdeckung der \u201eechten Nazis\u201c \u2013 so viel Geschichtsvergessenheit macht w\u00fctend"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170912_siginazi0.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Es ist Wahlkampf. Da darf man nat&uuml;rlich als Parteipolitiker auch schon mal etwas krachlederner zur Sache gehen und Warnungen vor der AfD sind im Kern ja nie falsch. Aber was Sigmar Gabriel in einem Interview sagt, <a href=\"http:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/deutschland\/bundestagswahl\/id_82127344\/sigmar-gabriel-im-interview-wir-muessen-endlich-umsteuern-.html\">das er gestern dem Portal t-online gegeben hat<\/a>, sprengt s&auml;mtliche Grenzen von Anstand und Moral. Angesprochen auf den mittlerweile wohl wahrscheinlichen Einzug der AfD in den Bundestag sagt Gabriel, &bdquo;dann [h&auml;tten] wir zum ersten Mal nach Ende des Zweiten Weltkriegs im deutschen Reichstag wieder echte Nazis&ldquo;. Das ist geschichtsvergessen und dumm. Gerade in der Nachkriegszeit sa&szlig;en zahlreiche &bdquo;echte&ldquo; Nazis in den westdeutschen Landesparlamenten und im Bundestag. Das geht vom NS-Juristen, &uuml;ber hohe Beamte, die verantwortlich bei den Deportationen und dem Holocaust mitgemacht haben, waschechten Kriegsverbrechern und ideologischen Vordenkern der kruden NS-Ideologie bis hin zu einem Teilnehmer der zweiten und dritten Wannseekonferenz. Betroffen sind alle alten Parteien &ndash; auch die SPD, in deren Reihen ein von den Franzosen in Abwesenheit zum Tode verurteilter SS-Offizier sogar in den Bundesvorstand aufsteigen konnte. Wer derart geschichtsvergessen agiert, st&auml;rkt damit am Ende nur die AfD, die sich &ndash; diesmal sogar zu Recht &ndash; als Opfer einer Kampagne sieht. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7143\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40053-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170913_Sigmar_Gabriel_und_die_Entdeckung_der_echten_Nazis_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170913_Sigmar_Gabriel_und_die_Entdeckung_der_echten_Nazis_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170913_Sigmar_Gabriel_und_die_Entdeckung_der_echten_Nazis_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170913_Sigmar_Gabriel_und_die_Entdeckung_der_echten_Nazis_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40053-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170913_Sigmar_Gabriel_und_die_Entdeckung_der_echten_Nazis_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170913_Sigmar_Gabriel_und_die_Entdeckung_der_echten_Nazis_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Was ist nur in Sigmar Gabriel gefahren? Sind ihm die popul&auml;ren Beispiele Filbinger und Kiesinger wirklich nicht bekannt? Nazis, die in der jungen Bundesrepublik in Amt und W&uuml;rden kamen. Zugegeben &ndash; weder Filbinger noch Kiesinger entsprechen dem Klischee des &bdquo;b&ouml;sen Nazis&ldquo;, wie wir es heute aus Literatur und Filmen kennen. Aber wie sieht es mit G&uuml;nther Hellwing aus? Hellwing, dessen Name sicher ziemlich unbekannt ist, war als SS-Offizier ma&szlig;geblich an Morden und Deportationen in S&uuml;dfrankreich beteiligt und schaffte es nach dem Krieg bis in den Bundesvorstand der SPD. Vor allem in FDP und CDU gibt es zahlreiche anderer solcher Beispiele und gerade Schleswig-Holstein und Sigmar Gabriels Heimat Niedersachen tun sich hier besonders hervor. Vielleicht braucht Herr Gabriel ja mal ein wenig Nachhilfe.<\/p><p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_t%C3%A4tig_waren\">Liste der ehemaligen NSDAP-Mitglieder, die nach 1945 politische Karriere machten<\/a>, ist ellenlang und auch mit Vorsicht zu genie&szlig;en. Ein 17j&auml;hriger, der indoktriniert wurde und 1944 noch schnell in &bdquo;die Partei&ldquo; eintrat, kann kaum als &bdquo;echter Nazi&ldquo; gelten. Doch auch abseits der Flakhelfer, Hitlerjungen und Duckm&auml;user ohne Funktion im System gibt es zahlreiche Beispiele f&uuml;r &bdquo;echte Nazis&ldquo;, die in der jungen Bundesrepublik teils erstaunliche politische Karrieren hinlegten. <\/p><p><strong>Die Vertriebenen als Auffanglager f&uuml;r ehemalige Nazis<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170912_siginazi3_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Besonders hoch war die Nazi-Dichte in den Reihen der Nachkriegspolitiker der sogenannten Heimatvertriebenen, die in verschiedenen Formationen vor allem in den 1950er Jahren politisch sehr aktiv waren und sp&auml;ter gr&ouml;&szlig;tenteils in die CDU &uuml;bergingen. Ein Beispiel f&uuml;r einen solchen Vertriebenen-Politiker ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_Gille\"><strong>Alfred Gille<\/strong><\/a>, der bereits seit 1933 Mitglied der SA und kurze Zeit sp&auml;ter auch der NSDAP war. Gille geh&ouml;rte der Gauleitung Ostpreu&szlig;en an und war Beisitzer am Volksgerichtshof. W&auml;hrend der Krieges verantwortete er als <strong>Gebietskommissar in der besetzten Ukraine<\/strong> die Deportation tausender Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich. Ein Schreibtischt&auml;ter unter vielen, ein Nazi.<\/p><p>Nach dem Krieg fand Gille &uuml;ber verschiedene Vertriebenengruppen wie dem BHE in die Politik und machte dort &uuml;ber den <strong>Landtag von Schleswig-Holstein<\/strong> bis in den <strong>Bundestag<\/strong> Karriere. Ein wenig Aufregung l&ouml;ste damals seine Warnung vor einer &bdquo;Dramatisierung der Neonazigefahr&ldquo; aus. Drei Jahre vor seinem Tod wurde Gille 1968 noch mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet &ndash; wie so viele Nazis, die nach dem Krieg eine politische Karriere machten. <\/p><p>Eine &auml;hnliche Karriere legte <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Hunke\">Heinrich Hunke<\/a><\/strong> hin, der ein Nazi der ersten Stunde war und schon 1923 der NDSAP beitrat. Neben zahlreichen Verwaltungsposten sa&szlig; er von 1933 bis 1944 f&uuml;r die NSDAP als Abgeordneter im Reichstag und wurde schon fr&uuml;h zu einem der besten Vertrauten Goebbels. Im Machtapparat macht Hunke schnell Karriere und wurde 1942 zum <strong>Ministerialdirektor im Propagandaministerium<\/strong> ernannt und wurde daraufhin sogar von der NSDAP in die Vorstandsetage der Deutschen Bank eingebunden. Hunke galt stets als einer der Vordenker innerhalb der Partei und tat sich durch unz&auml;hlige Fachartikel in wissenschaftlichen Zeitungen hervor, in denen es u.a. um die Judenfrage oder Fragen von Volk und Raum in Europa ging. <\/p><p>Dennoch galt auch er bei der Entnazifizierung nur als &bdquo;Mitl&auml;ufer&ldquo; und konnte schnell wieder die Karriereleiter erklimmen &ndash; unter anderem als <strong>Landtagsabgeordneter des BHE<\/strong>, der jedoch in engem Kontakt zum Naumann-Kreis der FDP stand und sich dessen Verschw&ouml;rung zur Wiederherstellung der nationalsozialistischen Herrschaft anschloss. Daraus wurde bekanntlich nichts und Hunke nutzte seine Position, um im Finanzministerium als <strong>Ministerialdirigent<\/strong> Karriere zu machen. 1982 gratulierte ihm die Lippische Landes-Zeitung zum 80. Geburtstag mit den Worten &bdquo;Ein um die deutsche Wirtschaft hoch verdienter Lipper&ldquo; &hellip; die 20 Jahre Nationalsozialismus waren vergessen und vergeben.<\/p><p><strong>Hans-Adolf Asbach und die &ldquo;Renazifizierung Schleswig-Holsteins<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170912_siginazi4.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans-Adolf_Asbach\">Hans-Adolf Asbach<\/a><\/strong> trat bereits 1932 oder 1933 in die NSDAP und kurz danach in die SA ein. 1940 wurde er zum Kreishauptmann, also zum obersten zivilen Verwalter verschiedener Landkreise im besetzen Generalgouvernement ernannt. <strong>In dieser Funktion organisierte er Deportationen, Erschie&szlig;ungen, Zwangsarbeitslager und Menschenjagden<\/strong>. Im galizischen Bereschany soll er im Oktober 1941 von seinen Helfern 600 Juden zusammentreiben lassen und als Gegenleistung f&uuml;r deren Freilassung eine Kontribution verlangt haben. Trotz bezahlter Kontribution wurden die Juden am n&auml;chsten Tag erschossen. Obgleich ein polnischer Auslieferungsantrag existierte, wurde Asbach als &bdquo;unbelastet&ldquo; eingestuft, wetterte fortan gegen die Vertreibung der Deutschen aus Polen und wurde Funktion&auml;r und Politiker im Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), der bei den ersten Landtagswahlen in Schleswig-Holstein fast ein Viertel der Stimmen bekam, hinter der SPD zweitst&auml;rkste Kraft wurde und zusammen mit CDU, DP und FDP die erste Koalition im Landtag bildete. <\/p><p>F&uuml;nf der sechs Minister dieses Kabinetts waren fr&uuml;here Mitglieder der NSDAP.  Die Frankfurter Rundschau schrieb damals von einer &bdquo;Renazifizierung gro&szlig;en Stils in Schleswig-Holstein&ldquo;. Asbach wurde <strong>Sozialminister<\/strong> und sorgte bereits 1951 &ndash; wenige Monate nach der Wahl &ndash; daf&uuml;r, dass das &bdquo;Gesetz zur Beendigung der Entnazifizierung&ldquo; verabschiedet und das Kapitel Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein erst einmal abgeschlossen wurde. Die Entnazifizierung war f&uuml;r ihn ohnehin eine &bdquo;Gesinnungsschn&uuml;ffelei&ldquo;, die nur &bdquo;Unrecht und Ungl&uuml;ck&ldquo; gebracht h&auml;tte. Zu seinem ersten Staatssekret&auml;r machte er <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans-Werner_Otto_(Staatssekret%C3%A4r)\">Hans-Werner Otto<\/a>, der von 1942 bis 1944 in der Ukraine als Gebietskommissar t&auml;tig war und fortan holten die beiden zahlreiche Mitarbeiter ins Ministerium, die aufgrund ihrer NS-Belastung nirgendwo sonst eine Stellung bekamen. Asbach &uuml;berstand drei Regierungen und stieg im Kabinett des CDU-Ministerpr&auml;sidenten Kai-Uwe von Hassel sogar zum stellvertretenden Ministerpr&auml;sidenten auf. Gerichtliche Ermittlungen gegen Asbach wurden erst Jahre nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik aufgenommen und gipfelten nach sieben Jahren Ermittlungszeit in der &bdquo;Bef&ouml;rderung&ldquo; des verantwortlichen Kieler Staatsanwalts an die Spitze des neuen Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg. Die Untersuchungen wurden &ndash; mit wenig Elan &ndash; neu aufgenommen und bis zu Asbachs Tod im Jahre 1976 wurde kein neues Hauptverfahren aufgenommen. So war das damals mit der Justiz.<\/p><p>Aber was erwartet man auch, wenn die Spitze des politischen Beamtenapparats zu gro&szlig;en Teilen aus ehemaligen NSDAP-Funktion&auml;ren besteht? Funktion&auml;ren wie <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Kracht\">Ernst Kracht<\/a><\/strong>, der 1933 in die NSDAP eingetreten ist, Mitglied der SS war und als <strong>Oberb&uuml;rgermeister von Flensburg<\/strong> noch am 30. April 1945 im Rathaus eine Gedenkfeier f&uuml;r den &bdquo;gefallenen F&uuml;hrer&ldquo; veranstaltete? Nach dem Krieg war Kracht von 1950 bis 1958 als <strong>Staatssekret&auml;r und Chef der Staatskanzlei der Kieler Landesregierung<\/strong> t&auml;tig und kontrollierte von diesem Posten aus die Personalpolitik des Landes. Daf&uuml;r wurde er dann mit dem Gro&szlig;kreuz des Bundesverdienstkreuzes mit Stern ausgezeichnet &ndash; dem h&ouml;chsten Orden der Bundesrepublik, der je an Personen verliehen wurde, die keine Staatsoberh&auml;upter sind. <\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170912_siginazi5.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Die &bdquo;Renazifizierung&ldquo; Schleswig-Holsteins trieb in der Nachkriegszeit zeitweise schon extrem braune Bl&uuml;ten. Den H&ouml;hepunkt stellt wohl <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinz_Reinefarth\">Heinz Reinefarth<\/a><\/strong> dar, der der NDSAP seit 1932 angeh&ouml;rte und es im Zweiten Weltkrieg bis zum <strong>SS-Gruppenf&uuml;hrer und Generalleutnant der Waffen-SS<\/strong> brachte. Reinefahrt ging aber vor allem als einer der blutr&uuml;nstigsten Kriegsverbrecher in die deutsche Geschichte ein. Unter anderem lie&szlig; er den Aufstand im Warschauer Ghetto niederschlagen und zeichnete f&uuml;r Massenmorde mit &uuml;ber 100.000 meist polnischen Opfern, Massenvergewaltigungen und unz&auml;hlige andere Exzesse verantwortlich, die meist mit &auml;u&szlig;erster Brutalit&auml;t und Verrohung durchgef&uuml;hrt wurden. In Polen war Reinefarth als <strong>&bdquo;Schl&auml;chter von Warschau&ldquo;<\/strong> bekannt.<\/p><p>Seltsamerweise fehlen den bundesdeutschen Gerichten jedoch die Beweise f&uuml;r eine Auslieferung am Polen und Reinefahrt wurde aus Mangel an Beweisen freigelassen und konnte fortan als Politiker der Vertriebenenpartei GB\/BHE als <strong>B&uuml;rgermeister von Westerland und sp&auml;ter als Landtagsabgeordneter in Kiel<\/strong> Karriere machen. Damit war jedoch auch f&uuml;r die braunen Nordlichter ein Ende der Fahnenstange erreicht. Nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnahm, musste Reinefarth 1967 sein Mandat ruhen lassen und war fortan nur noch als normaler Anwalt t&auml;tig. Der offizielle Nachruf der Sylter Verwaltung w&uuml;rdigt ihn mit den Worten &bdquo;Sein erfolgreiches Wirken f&uuml;r die Stadt Westerland wird unvergessen bleiben!&ldquo; &ndash; da ist es schon fast wieder verst&auml;ndlich, dass heute kaum jemand mehr wei&szlig;, wie viele ehemalige Nazis damals vor allem im Norden der noch jungen Bundesrepublik Karriere gemacht haben.<\/p><p>Kaum besser sah es seinerzeit in Niedersachsen aus. Einer der ersten Nazis &uuml;berhaupt war <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Joel\">Georg Joel<\/a><\/strong>, der der NSDAP bereits 1922 beitrat und fortan als nieders&auml;chsischer Lokalpolitiker Karriere machte. Von 1933 bis 1945 hatte er gar das Amt des <strong>Ministerpr&auml;sidenten des Freistaates Oldenburg<\/strong> inne und war seit 1936 auch NSDAP-Abgeordneter im Reichstag. Joel geh&ouml;rte sogar &ndash; wenn auch nur sehr kurz &ndash; im Mai 1945 noch der &bdquo;Regierung D&ouml;nitz&ldquo; an, bevor er von den Alliierten eingesperrt und als &bdquo;Minderbelasteter&ldquo; zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde. Nach dem Krieg machte er in der rechtsnationalen DRP (Deutsche Reichspartei) Karriere und zog f&uuml;r sie auch in den <strong>Landtag<\/strong> ein &ndash; von 1957 bis 1959 sogar als Mitglied einer Fraktionsgemeinschaft mit der FDP. 1964 trat Joel in die neu gegr&uuml;ndete NPD ein und k&auml;mpfte fortan als Redakteur rechtsradikaler Zeitungen gegen die Anbringung von Gedenktafeln an ehemaligen KZs. Den verbrecherischen Charakter des NS-Regimes leugnete Joel bis zu seinem Tod im Jahre 1981.<\/p><p><strong>Die FDP, Ernst Achenbach und der Naumann-Kreis<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170912_siginazi1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Achenbach\">Ernst Achenbach<\/a><\/strong> war bis zu dessen Aufl&ouml;sung 1933 Mitglied des deutschnationalen Wehrverbands &bdquo;Stahlhelm&ldquo;, dann ab 1937 NSDAP-Mitglied. Von Juni 1940 bis Ende April 1943 war er zun&auml;chst als Legationssekret&auml;r und sp&auml;ter als Gesandtschaftsrat als <strong>Leiter der Politischen Abteilung der deutschen Botschaft in Paris<\/strong> t&auml;tig. Zu seinen Aufgabenfeldern geh&ouml;rten auch &bdquo;Judenangelegenheiten&ldquo;, wie es damals hie&szlig; &ndash; dazu z&auml;hlten auch Deportationen ins KZ Auschwitz. Nach dem Krieg machte Achenbach in der FDP Karriere. Von 1957 bis 1976 war er <strong>Mitglied des Deutschen Bundestages<\/strong>, zeitweise sogar als <strong>stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion<\/strong>. In seiner T&auml;tigkeit im Ausw&auml;rtigen Ausschuss blockierte er mehrfach ein deutsch-franz&ouml;sisches Abkommen, das die gerichtliche Verfolgung von NS-Verbrechern durch die franz&ouml;sischen Beh&ouml;rden erm&ouml;glichen sollte. Es ist somit auch Ernst Achenbach zu &bdquo;verdanken&ldquo;, dass nur so wenige Nazis in Frankreich vor Gericht angeklagt werden konnten.<\/p><p>Achenbach geh&ouml;rte auch in der jungen Bundesrepublik dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Naumann-Kreis\">Naumann-Kreis<\/a> an &ndash; einer Vereinigung ehemaliger SS-Offiziere und &uuml;berzeugter Nationalsozialisten, die die FDP unterwandern wollten. Der Kreis wurde von Werner Naumann gegr&uuml;ndet, einem SS-Mann, der als Staatssekret&auml;r in Goebbels&acute; Propagandaministerium und als dessen pers&ouml;nlicher Referent Karriere machte. Mitglieder waren u.a. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Zimmermann_(SS-Mitglied)\">Paul Zimmermann<\/a>, der im Krieg als SS- und Polizeif&uuml;hrer in der besetzten Ukraine und Italien von sich reden machte, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Kaufmann_(Gauleiter)\">Karl Kaufmann<\/a>, NS-Gauleiter und Reichsstatthalter von Hamburg, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gustav_Adolf_Scheel\">Gustav Adolf Scheel<\/a>, SD-Chef im Elsass und sp&auml;ter Gauleiter und Reichsstatthalter von Salzburg und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Six\">Franz Six<\/a>, SS-Brigadef&uuml;hrer und Propagandist des Holocaust &ndash; also sicher keine &bdquo;kleinen Mitl&auml;ufer&ldquo;. <\/p><p>Ein Mitl&auml;ufer war auch <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lothar_Weirauch\">Lothar Weirauch<\/a><\/strong> nicht. Der Jurist, der 1932 der NSDAP beigetreten ist, war schon ab 1939 mit der Deportation von Geisteskranken besch&auml;ftigt und organisierte sp&auml;ter als Abteilungsleiter im <strong>Generalgouvernement in Krakau<\/strong> Vertreibungen und Deportationen. Weirauch <strong>nahm als Vertreter des Generalgouvernements &uuml;brigens sogar an der zweiten Folgekonferenz der Wannseekonferenz im Eichmannreferat teil<\/strong>. Auch Weirauch war als &uuml;berzeugter Nazi im Naumann-Kreis aktiv und war von 1950 bis 1954 <strong>Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer der FDP<\/strong> und abstruserweise parallel dazu als Stasi-Agent t&auml;tig. Als 1962 die Staatsanwaltschaft Dortmund wegen der Deportationen gegen Weirauch ermittelte, beendete nicht etwa die FDP, sondern die Stasi die Mitarbeit. Das Verfahren wurde &ndash; welche &Uuml;berraschung &ndash; eingestellt und Weirauch ging als Ministerialbeamter im Bundesministerium f&uuml;r innerdeutsche Beziehungen unangetastet in Pension.<\/p><p><strong>Das Naziproblem der jungen CDU<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170912_siginazi2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Auch in der CDU gab es in der Nachkriegszeit zahlreiche ehemalige NSDAP-Mitglieder, die im NS-System mehr waren als blo&szlig;e Mitl&auml;ufer und Karrieristen. Stellvertretend f&uuml;r viele Unionspolitiker sei hier der Niedersachse <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Bockenkamp\">Walter Bockenkamp<\/a><\/strong> genannt. Der trat bereits 1930 der NSDAP beitrat, f&uuml;r die er sp&auml;ter als Politischer Leiter t&auml;tig war. Sp&auml;ter verdingte er sich in SS und Wehrmacht, wo er zum Ende des Krieges als <strong>Generalstabsoffizier<\/strong> t&auml;tig war. Politisch trat er nach dem Krieg, wie so viele Ex-Nazis, in die Deutsche Partei (DP) ein, die &ndash; auch das ist heute weitestgehend vergessen &ndash; bis 1960 sogar an der Bundesregierung beteiligt war und sich sp&auml;ter St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck aufl&ouml;ste, da ihre ranghohen Mitglieder zur CDU &uuml;berliefen. Bockenkamp trat 1961 f&uuml;r eine weitere Abzweigung, die Gesamtdeutsche Partei, ein Zusammenschluss von DP und verschiedenen Vertriebenenparteien, bei den Bundestagswahlen an und wechselte dann zur CDU. Zu den &bdquo;braunen Wurzeln&ldquo; der CDU, FDP und DP hat die nieders&auml;chsische Landtagsfraktion der Linken &uuml;brigens eine sehr <a href=\"http:\/\/linksfraktion-niedersachsen.linkes-cms.de\/fileadmin\/linksfraktion-niedersachsen\/Texte\/Broschueren_PDF\/Broschuere_Nazis_internet.pdf\">interessante Schrift<\/a> herausgegeben, die man Sigmar Gabriel nur ans Herz legen kann.<\/p><p>Dann w&uuml;rde er auch etwas &uuml;ber <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hermann_Conring_(Politiker)\">Hermann Conring<\/a><\/strong> erfahren. Der startete seine politische Karriere bereits in den 1920ern und wurde 1927 zum <strong>Landrat<\/strong> im nieders&auml;chsischen Landkreis Northeim ernannt und in dieser Position von niemand anderem als dem (rechts)sozialdemokratischen Haudegen Gustav Noske &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee nach Leer, Ostfriesland, weggelobt, wo er bis Kriegsende als Landrat t&auml;tig war &ndash; seit 1937 als NSDAP-Politiker. In seiner Funktion lie&szlig; er Oppositionelle verhaften und Kommunisten in KZs verschicken. W&auml;hrend des Kriegs wurde Conring dann als <strong>Oberverwaltungsrat im Range eines Oberstleutnants in den besetzen Gebieten eingesetzt<\/strong> &ndash; so z.B. in der niederl&auml;ndischen Provinz Groningen, f&uuml;r die er sich damals w&uuml;nschte, dass &bdquo;die Juden m&ouml;glichst bald [&hellip;] bevorzugt verschw&auml;nden&ldquo;. Von 1953 bis 1969 geh&ouml;rte Conring f&uuml;r die CDU als Direktkandidat des Kreises Leer dem <strong>Bundestag<\/strong> an. 1962 st&ouml;rte dann der junge Staat Israel das ostfriesische Idyll, als man auf diplomatischem Wege &uuml;ber die Staatsanwaltschaft Aurich eine Aufhebung der Immunit&auml;t Conrings forderte. Der Bundestag wollte erst einmal weitere Vorermittlungen abwarten, die jedoch nie eingeleitet wurden. Doch nun drehte sich der Wind. Als man Conring zu seinem 70. Geburtstag 1964 auch noch das Gro&szlig;e Bundesverdienstkreuz verleihen wollte, kam es in den Niederlanden zu Protesten, die sogar zu einer f&ouml;rmlichen Beschwerde der niederl&auml;ndischen Regierung beim Ausw&auml;rtigen Amt f&uuml;hrten. Conring gab den Orden ab und damit war die Sache f&uuml;r Bundespr&auml;sident L&uuml;bke gekl&auml;rt. 1989 starb Conring im Alter von 105 Jahren als hoch angesehener B&uuml;rger. <\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170912_siginazi6.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Gleich f&uuml;r zwei Parteien sa&szlig; <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Theodor_Oberl%C3%A4nder\">Theodor Oberl&auml;nder<\/a><\/strong> im Bundestag &ndash; ab 1953 f&uuml;r die Vertriebenenpartei BHE und von 1957 bis 1961 f&uuml;r die CDU. Das ist vor allem deshalb &uuml;berraschend, da Oberl&auml;nder w&auml;hrend der gesamten NS-Zeit einer der f&uuml;hrenden <strong>&bdquo;Wissenschaftler&ldquo; auf dem Gebiet der &bdquo;Ostforschung&ldquo;<\/strong> war &ndash; eine nationalsozialistische Pseudowissenschaft, deren Ziel die Herleitung &bdquo;wissenschaftlicher&ldquo; Beweise f&uuml;r den deutschen F&uuml;hrungsanspruch im osteurop&auml;ischen Raum war. <\/p><p>Und in diesem Bereich machte der 1933 habilitierte Oberl&auml;nder durchaus Karriere. 1934 wurde er zum &bdquo;Dozenten f&uuml;r Ostfragen&ldquo; beim Au&szlig;enpolitischen Amt der NSDAP. In den Folgejahren machte Oberl&auml;nder in Armee, Geheimdienst und Partei Karriere und mauserte sich bald zu einer Art &bdquo;Vordenker&ldquo;.  So setzte er sich f&uuml;r eine &bdquo;kompromisslose ethnische S&auml;uberung Westpolens&ldquo; ein, hetzte in steter Regelm&auml;&szlig;igkeit gegen die Gefahren durch die &bdquo;Slawen&ldquo; und die &bdquo;Juden&ldquo; und endete 1944 im Stab des Nazi-Ideologen Rosenberg, in der &bdquo;Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der bolschewistischen Weltgefahr&ldquo;. <\/p><p>Nach dem Krieg war Oberl&auml;nder nicht nur einfacher <strong>Bundestagsabgeordneter<\/strong>. Er wurde sogar von Konrad Adenauer 1953 <strong>zum Bundesminister f&uuml;r Vertriebenenfragen<\/strong> berufen &ndash; zynisch k&ouml;nnte man sagen, dies war nat&uuml;rlich der passende Job f&uuml;r den Experten in Sachen &bdquo;Ostforschung&ldquo;. Oberl&auml;nder blieb seiner Sache auch treu und trat noch als Bundesminister f&uuml;r ein Deutsches Reich in den Grenzen von 1937 ein. In der CDU war Oberl&auml;nder jahrelang auch als Vorsitzender des &bdquo;Landesverbandes Oder-Nei&szlig;e&ldquo; t&auml;tig, in dem sich rechtsgesinnte Politiker aus dem Vertriebenenlager organisierten. Dieser &bdquo;Landesverband&ldquo; wurde &uuml;brigens 1950 in Sigmar Gabriels Heimatstadt Goslar gegr&uuml;ndet &ndash; aber sowas muss ein ehemaliger SPD-Chef freilich nicht wissen.<\/p><p>Unangenehm wurde es f&uuml;r den &bdquo;Nazi-Vordenker&ldquo; erst 1960, als das Politb&uuml;ro des ZK der SED sich ausgerechnet Oberl&auml;nder f&uuml;r einen Schauprozess heraussuchte, in dem man die &bdquo;Wesensgleichheit des Bonner Systems mit dem Hitlerfaschismus&ldquo; beweisen wollte. Oberl&auml;nder wurde in Abwesenheit zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt und die SPD beantragte erst einmal einen Untersuchungsausschuss. Was wohl Gabriels alte Genossen zu seinen Nazi-Thesen sagen w&uuml;rden?<\/p><p>Und die Bayern? Gab es etwa nur in der CDU Nazis und ausgerechnet in der CSU nicht? Nat&uuml;rlich nicht. Ein herausragendes Beispiel daf&uuml;r ist wohl <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Theodor_Maunz\">Theodor Maunz<\/a><\/strong>, der 1933 NDSAP und SA beitrat und als Jura-Professor zu den <strong>NS-Juristen<\/strong> z&auml;hlte, deren Aufgabe es war, dem NS-Staat eine juristische Legitimit&auml;t zu verschaffen. Schon 1948 durfte der Jurist, der noch vier Jahre zuvor den F&uuml;hrerstaat in seinen Schriften als das Ideal verherrlichte, beim Verfassungskonvent der westdeutschen Ministerpr&auml;sidenten auf Herrenchiemsee teilnehmen und gilt daher als einer der <strong>V&auml;ter des Grundgesetzes<\/strong>. Nach seiner akademischen Karriere durfte er noch von 1957 bis 1964 als <strong>bayerischer Kultusminister<\/strong> in Erscheinung treten. Seit R&uuml;cktritt war indes unfreiwillig und Folge des Bekanntwerdens seiner alten Texte, die vor allem von der FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Br&uuml;cher &bdquo;ausgegraben&ldquo; wurden. Dass Maunz auch noch im hohen Alter Sympathien f&uuml;r rechtsextremes Gedankengut hat, belegt ein posthumes Dankschreiben des ehemaligen DVU-Vorsitzenden Gerhard Frey, den Maunz offenbar beraten hatte und f&uuml;r dessen &bdquo;National-Zeitung&ldquo; er jahrelang anonym geschrieben hat.<\/p><p>Sehr gut verstanden haben sich Maunz und <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_Seidl\">Alfred Seidl<\/a><\/strong>, der die DVU ebenfalls beraten hat. Seidl war zwar als &uuml;berzeugter <strong>Nazi-Jurist<\/strong> im NS-System eine wesentlich kleinere Nummer, nutzte aber nach dem Krieg die Gunst der Stunde, um sich als <strong>Verteidiger von NS-Gr&ouml;&szlig;en<\/strong> wie Rudolf He&szlig;, Hans Frank und vielen anderen bei den N&uuml;rnberger Prozessen in Szene zu setzen. Das ehemalige NSDAP-Mitglied war von 1958 bis 1986 fast drei&szlig;ig Jahre lang <strong>Mitglied des Bayerischen Landtags<\/strong> und zeitweise sogar <strong>bayerischer Innenminister<\/strong>. Kurz nach seiner Amtszeit trat er als Mitgr&uuml;nder der &bdquo;Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt&ldquo; in Erscheinung, die als geschichtsrevisionistische Denkfabrik und nach dem Kriminalisten Bernd Wagner als &bdquo;geistiges Zentrum rechtsextremer Kreise f&uuml;r historische Forschung&ldquo; gilt. Sp&auml;ter wurde das vom ehemaligen bayerischen Innenminister Seidl mitgegr&uuml;ndete Institut vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet. <\/p><p><strong>Und sogar Gabriels SPD hatte ihre Nazi-Probleme<\/strong><\/p><p>Sogar in der SPD gab es durchaus ehemalige Nazis. Einen davon m&uuml;sste Sigmar Gabriel eigentlich sogar kennen. <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hermann_Ahrens\">Hermann Ahrens<\/a><\/strong> wurde n&auml;mlich in Gabriels Heimatstadt Goslar geboren und vertrat Gabriels Wahlkreis gleich mehrfach in verschiedenen Parlamenten &ndash; von 1933 bis 1936 als Kreisleiter f&uuml;r die NSDAP, deren Mitglied er seit 1931 war, von 1951 bis 1963 f&uuml;r die GDP im Landtag und schlie&szlig;lich von 1965 bis 1969 &uuml;ber die Liste der SPD <strong>im Bundestag<\/strong>. Der ehemalige SA-Sturmf&uuml;hrer war w&auml;hrend der gesamten NS-Zeit <strong>NSDAP-B&uuml;rgermeister der &bdquo;Herman-G&ouml;ring-Werke-Stadt&ldquo; Salzgitter<\/strong> und wurde 1947 im Entnazifizierungsverfahren zur damals ungemein hohen Strafe von 8.000 Reichsmark verurteilt. Der Weg war frei f&uuml;r die Karriere als <strong>nieders&auml;chsischer Wirtschafts- und sp&auml;ter Finanzminister und stellvertretender Ministerpr&auml;sident des Landes.<\/strong><\/p><p>Auch <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%BCnter_Hellwing\">G&uuml;nter Hellwing<\/a><\/strong> d&uuml;rfte Sigmar Gabriel bekannt sein. Hellwing war w&auml;hrend des Kriegs als <strong>Hauptsturmf&uuml;hrer der SS beim Sicherheitsdienst des Reichsf&uuml;hrers SS<\/strong> (kurz SD) t&auml;tig und beteiligte sich in dieser Funktion unter anderem an der Zerst&ouml;rung der Altstadt von Marseille, der Vertreibung und Verhaftung ihrer Bewohner sowie der Deportation der Juden in die Vernichtungslager. Kurz vor Kriegsende erschoss Hellwing noch f&uuml;nf sowjetische Kriegsgefangene und wurde daf&uuml;r von der britischen Milit&auml;rregierung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Dennoch wurde er kurze Zeit sp&auml;ter in Bottrop wieder in den Kriminalpolizeidienst aufgenommen. Hellwing trat der SPD bei und wurde 1954 von einem Milit&auml;rgericht in Marseille <strong>in Abwesenheit wegen seiner Verbrechen zum Tode verurteilt<\/strong>. Dennoch durfte er die SPD drei Jahre sp&auml;ter <strong>im Landtag von Nordrhein-Westfalen vertreten und r&uuml;ckte sp&auml;ter sogar in den Landes- und dann in den Bundesvorstand der SPD auf<\/strong>.<\/p><p><strong>Sogar die Gr&uuml;nen und die DDR waren nicht 100% nazifrei<\/strong><\/p><p>Wer nun denkt, nur die &bdquo;etablierten&ldquo; Altparteien h&auml;tten ein Naziproblem, t&auml;uscht sich jedoch. Skurril mag es auf den ersten Blick erscheinen, dass auch die Gr&uuml;nen ihre Probleme mit ehemaligen Nazis haben. Das hat jedoch weniger etwas mit &bdquo;ideologischen Fragen&ldquo; zu tun, wie nicht zuletzt die in den Gr&uuml;ndungszeiten der Gr&uuml;nen sehr vehementen Fl&uuml;gelk&auml;mpfe zwischen dem linken und dem rechten Fl&uuml;gel, der f&uuml;r eine v&ouml;lkische Ausrichtung im Sinne einer Bioregionalismus-Bewegung stand, zeigen. Die Vordenker dieses Fl&uuml;gels, <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Baldur_Springmann\">Baldur Springmann<\/a><\/strong> &ndash; Stahlhelm, SA, SS, NSDAP &ndash; und <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herbert_Gruhl\">Herbert Gruhl<\/a><\/strong> , der wohl nur aufgrund der Gnade der sp&auml;ten Geburt keine biographischen &Uuml;berschneidungen mit dem Nationalsozialismus hat, m&uuml;ssen sich in dieser Aufz&auml;hlung wahrlich nicht verstecken. Es ist wohl engagierten linken Politikern wie Jutta Ditfurth zu verdanken, dass die Gr&uuml;nen &uuml;berhaupt zu einer linken Partei werden konnten, bevor es sie ins b&uuml;rgerliche Lager zog.<\/p><p>Ehemalige Nazis sind auch kein isoliertes westdeutsches Problem. Im Osten ging es jedoch eher um Biographien wie die von <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Egbert_von_Frankenberg_und_Proschlitz_(1909%E2%80%932000)\">Egbert von Frankenberg und Proschlitz<\/a><\/strong>, der in NSDAP, SS, der Legion Condor und sp&auml;ter der Wehrmacht Karriere machte, aber weder besonders ideologisch geformte Mitglieder noch gar St&uuml;tzen des NS-Systems waren. Kriegsverbrecher oder Beteiligte am Holocaust findet man in der DDR-Nachkriegspolitik nicht in den oberen Reihen. Und wenn doch, dann wie im Fall <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Gro%C3%9Fmann\">Ernst Gro&szlig;mann<\/a><\/strong> aufgrund falscher Angaben, die dann aber auch das Karriereende bedeuteten. <\/p><p><strong>Sigmar Gabriels Vergleich ist geschichtsvergessen und dumm<\/strong><\/p><p>Die Liste ist lang und die Probleme sehr ernst. Es ist vollkommen unverst&auml;ndlich, warum gerade ein ehemaliger SPD-Vorsitzender, dessen Partei ja nicht zu den T&auml;tern, sondern zu den Opfern des Nationalsozialismus z&auml;hlt, die T&auml;ter durch derlei dumme Verniedlichungen reinw&auml;scht. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis endlich &ouml;ffentlich Kritik an dem viel zu laschen Umgang der Nachkriegsgesellschaft mit waschechten Nazis ge&uuml;bt werden konnte. Diesem langen Kampf versetzt Sigmar Gabriel mit derlei geschichtsvergessenen Wahlkampfspr&uuml;chen einen B&auml;rendienst. Doch mehr als das.<\/p><p>Nutzen d&uuml;rften derlei schr&auml;ge Vergleiche vor allem der AfD selbst. Nat&uuml;rlich sind Bj&ouml;rn H&ouml;cke und der rechtsextreme Fl&uuml;gel der AfD keine sympathischen Erscheinungen und man sollte sich w&uuml;nschen, dass sie nie in den Bundestag einziehen. Aber man kann doch einen verklemmten b&ouml;sen Spr&uuml;cheklopfer wie H&ouml;cke nicht ernsthaft mit handfesten Kriegsverbrechern vom Schlage eines Reinefahrt oder Hellwing vergleichen. Und der &bdquo;Vordenker&ldquo; Gauland ist doch auch nur ein boshafter alter Rentner aus der Provinz, der nicht mit einem Theodor Oberl&auml;nder oder Theodor Maunz zu vergleichen ist. Man sollte die Kirche doch auch mal im Dorfe lassen. Man bek&auml;mpft Faschismus und Hass doch nicht dadurch, dass man eine rechtspopulistische Partei voller reaktion&auml;rer Spie&szlig;er mit &bdquo;echten&ldquo; Nazis in einen Topf wirft. Das hilft nur der AfD, die sich ja ohnehin gerne als Opfer geriert. Mit derlei dummen Vergleichen hilft Gabriel der AfD am Ende nur. Und das kann er doch eigentlich auch nicht wollen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/ae940d23fcc1423c9fd0c89dc3f5012f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170912_siginazi0.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Es ist Wahlkampf. Da darf man nat&uuml;rlich als Parteipolitiker auch schon mal etwas krachlederner zur Sache gehen und Warnungen vor der AfD sind im Kern ja nie falsch. Aber was Sigmar Gabriel in einem Interview sagt, <a href=\"http:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/deutschland\/bundestagswahl\/id_82127344\/sigmar-gabriel-im-interview-wir-muessen-endlich-umsteuern-.html\">das er gestern dem Portal t-online gegeben<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40053\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[197,107,123,125],"tags":[856,401,1289,1421,1403,304,416,955,966],"class_list":["post-40053","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-afd","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-rechte-gefahr","tag-filbinger-hans","tag-gabriel-sigmar","tag-holocaust","tag-kiesinger-kurt-georg","tag-konzentrationslager","tag-kriegsverbrechen","tag-nationalsozialismus","tag-neonazismus","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40053","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40053"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40053\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40079,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40053\/revisions\/40079"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40053"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40053"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40053"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}