{"id":40105,"date":"2017-09-16T11:00:26","date_gmt":"2017-09-16T09:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40105"},"modified":"2019-03-02T16:57:45","modified_gmt":"2019-03-02T15:57:45","slug":"kapitalismus-verstehen-heisst-karl-marx-studieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40105","title":{"rendered":"Kapitalismus verstehen hei\u00dft Karl Marx studieren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Rudolf Hickel<\/strong> machte darauf aufmerksam, dass der erste Band &bdquo;Das Kapital&ldquo; von Karl Marx vor 150 Jahren erschienen ist. Er hat aus Anlass dieses Jubil&auml;ums etwas f&uuml;r die NachDenkSeiten geschrieben. Es gibt unter den Leserinnen und Lesern der NachDenkSeiten viele, die das Werk von Karl Marx sch&auml;tzen, andere weniger. So viel Pluralit&auml;t muss m&ouml;glich sein. Hier ist der Text von Rudolf Hickel, vielen Dank daf&uuml;r. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4130\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40105-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Kapitalismus_verstehen_heisst_Karl_Marx_studieren_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Kapitalismus_verstehen_heisst_Karl_Marx_studieren_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Kapitalismus_verstehen_heisst_Karl_Marx_studieren_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Kapitalismus_verstehen_heisst_Karl_Marx_studieren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40105-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Kapitalismus_verstehen_heisst_Karl_Marx_studieren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170918_Kapitalismus_verstehen_heisst_Karl_Marx_studieren_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vor 150 Jahren, am 14. September 1867, ist der erste Band &bdquo;Das Kapital&ldquo; im Otto-Mei&szlig;ner-Verlag in Hamburg erstmals erschienen. Heute z&auml;hlt dieses Werk, dessen Band zwei und drei Friedrich Engels posthum herausgegeben hat, zum UNESCO-Kulturerbe. Es gibt keinen anderen Autor, der die Bewegungsgesetze des Kapitalismus derart zutreffend radikal, d.h. an die Wurzel gehend, dechiffriert hat. Wie die Berichte selbst in den Provinzzeitungen zu diesem Kapital-Jubil&auml;um zeigen, das Interesse an der Frage, wie kann mit Marx heute die Kl&auml;rung von Widerspr&uuml;chen und Ungerechtigkeiten betrieben werden, ist riesig. Das wird auch im kommenden Jahr an seinem 200sten Geburtstag zu beobachten sein.<\/p><p>Die Fundamentalkritik am Kapitalismus, der durch Ausbeutung, Verelendung und langfristigen Zusammenbruch gepr&auml;gt ist, konnte auch durch seine bitteren Gegner nicht ausgemerzt werden. Dabei haben die sozialistisch-kommunistisch gepr&auml;gten L&auml;nder wie die DDR, die Sowjetunion und China ihn zu ihrem S&auml;ulenheiligen erhoben. Die machtvolle Instrumentalisierung ging so weit, dass ein &uuml;berzeugter Marxist, der der Herrschaftslehre widersprach, mit Diskriminierung rechnen musste. Auch diese Vereinnahmung hat seine Kapitalismus-Anatomie &uuml;berstanden. <\/p><p>Die Dominanz von Marx hat zweifellos ihren Grund in der Tatsache, dass er die Ursachen der kapitalistischen Systemfehler benannt hat. Dabei hat Marx, wie er selbst in einer Kritik an dem Kathedersozialisten Adolph Wagner in seinen &bdquo;Randglossen&ldquo; festhielt, nicht ein sozialistisches System entwickeln wollen, war also in diesem Sinne kein Marxist. Wie er selbst festgestellt hat: &bdquo;Der letzte Endzweck dieses Werks ist es, das &ouml;konomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enth&uuml;llen.&ldquo; Dazu betrieb er die Kritik der ihn damals umzingelnden Politischen &Ouml;konomie. An Smith,  Ricardo, aber auch den &bdquo;Speichelleckern&ldquo;, den Sykophanten, und den Produzenten von Herrschaftswissen hat er sich abgearbeitet. Heute w&auml;ren das die Neoklassiker und Neoliberalen wie Hans-Werner Sinn, der allerdings Marx ob seiner Aktualit&auml;t zum Teil lobt.<\/p><p>Die nicht immer runden Meilensteine seiner Kapitalismusanatomie, die ihm nach wie vor die Aktualit&auml;t sichern, sind:<\/p><ol>\n<li>Beschrieben wird der Kapitalismus als ein System auf der Basis der Ausbeutung. Die vom Lohn abh&auml;ngigen Besch&auml;ftigten produzieren den Mehrwert, schaffen also Mehr an Wert, als ihre Arbeit entlohnt wird. Entscheidend ist die systemische Abh&auml;ngigkeit der auf Arbeitseinkommen Angewiesenen vom unternehmerischen Investitionsmonopol. Diese Abh&auml;ngigkeit zeigt sich heute in anderen Formen, ihre Grundstruktur dominiert jedoch nach wie vor. Die Instrumentalisierung dieser Abh&auml;ngigkeit durch die Hartz-IV-Gesetze l&auml;sst sich durchaus mit Marx kritisieren. Welche Arbeit zu welchen Bedingungen dominiert, das wird durch das profitwirtschaftliche Kalk&uuml;l bestimmt. Wer Arbeit haben will, der muss eben den Preis prek&auml;rer Arbeit ertragen. Die Politik setzt daf&uuml;r die Bedingungen, ist also zutiefst antidemokratisch. Mit Marx l&auml;sst sich die Agenda 2010 vortrefflich kritisieren.<\/li>\n<li>Mit dem tendenziellen Fall der Profitrate beschreibt Marx einerseits die kapitalismusimmanent erzeugte &Uuml;berakkumulation. Auch bei John Maynard Keynes findet sich der Nachweis daf&uuml;r, wie einzelwirtschaftliche Profitsuche gesamtwirtschaftlich zum Niedergang f&uuml;hren kann. Das Bild der Rationalit&auml;tsfalle f&uuml;hrt Marx ein. Der Kapitalismus ist zwar nicht zusammengebrochen. Immer wieder durchlief er Anpassungsprozesse. Aber die Theorie, dass das System sich aus eigener Kraft zum &bdquo;Wohlstand f&uuml;r alle&ldquo; bewegt, steht als Herrschaftsideologie im Widerspruch zur kapitalistischen Realit&auml;t.<\/li>\n<li>Marx&acute; Faszination f&uuml;r die technische Fortschrittsdynamik des Kapitalismus f&auml;llt auf. Mit gro&szlig;em Interesse hat er in der Nationalbibliothek in London die Berichte &uuml;ber die Industrialisierung der Arbeit durch technischen Fortschritt gelesen. Marx wollte diese Produktivkraftdynamik innerhalb der von Ausbeutung befreiten Produktivit&auml;tsverh&auml;ltnisse zum Bl&uuml;hen bringen. Die Destruktionskr&auml;fte in Richtung Zerst&ouml;rung der Umwelt hat er wohl trotz einiger wichtiger kritischer Hinweise untersch&auml;tzt.<\/li>\n<li>Spannend ist die Tatsache, dass sich die Aktualit&auml;t von Marx vor allem auf den dritten Band des Kapitals bezieht. Der ist (leider) auch von Marx-Fans kaum gelesen worden. In der durch Engels posthum bestellten Ausgabe wird die Entwicklung zum heute aktuellen kasinohaften Finanzmarktkapitalismus beschrieben. Die Finanzm&auml;rkte entkoppeln sich von der realen Produktionswirtschaft, die sie zugleich zu beherrschen versuchen. Dass es immer zu platzenden Blasen mit systemischer Wirkung kommt, wird herausgearbeitet<\/li>\n<\/ol><p>Marx studieren ist sicherlich die Voraussetzung f&uuml;r das Verst&auml;ndnis des Kapitalismus. Aber erst die politisch-praktische Opposition gegen die machtvoll starr gehaltenen gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse kann die kapitalistische Logik durchbrechen. Denn Marx zeigt auch, dass Demokratie und radikale Profitwirtschaft ein in sich unaufl&ouml;sbarer Widerspruch darstellt. Nicht die Vermarktung der Demokratie &agrave; la Merkel, sondern die Demokratisierung der Wirtschaft zum Abbau von strukturell Abh&auml;ngigen sind gefordert.<\/p><p>Herausgegeben und interpretiert von Rudolf Hickel, westdeutsche Ausgabe im Ullstein Verlag: Die Ausgabe der drei B&auml;nde &bdquo;Das Kapital&ldquo; als Paperback mit den hinzugef&uuml;gten Interpretationen:<\/p><ul>\n<li>Karl Marx, Das Kapital I: Der Produktionsprozess des Kapitals (mit einem durch den Herausgeber empfohlenen Geleitwort von Karl Korsch, betreut von Rudolf Hickel)<br>\nUllstein-Verlag, Frankfurt a.M. \/ Berlin 1969 (mit nachfolgenden Auflagen)<\/li>\n<li>Karl Marx, Das Kapital II: Der Zirkulationsprozess des Kapitals (mit einer Leseanleitung und Textauswahl von Rudolf Hickel)<br>\nUllstein-Verlag, Frankfurt a.M. \/ Berlin 1970<\/li>\n<li>Karl Marx, Das Kapital III: Der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion (mit einem Nachwort von Harald Gerfin und Rudolf Hickel)<br>\nUllstein-Verlag, Frankfurt a.M. \/ Berlin 1971<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Rudolf Hickel<\/strong> machte darauf aufmerksam, dass der erste Band &bdquo;Das Kapital&ldquo; von Karl Marx vor 150 Jahren erschienen ist. 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So viel Pluralit&auml;t muss m&ouml;glich sein.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40105\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,131,126,201],"tags":[1550,292,909,1972,288,678,1386],"class_list":["post-40105","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-oekonomie","category-erosion-der-demokratie","category-ideologiekritik","tag-agenda-2010","tag-finanzkasino","tag-kapitalismus","tag-marx-karl","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-smith-adam","tag-wissenschaftlich-technischer-fortschritt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40105"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40105\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49767,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40105\/revisions\/49767"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}