{"id":4011,"date":"2009-06-19T13:58:43","date_gmt":"2009-06-19T11:58:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4011"},"modified":"2019-02-15T12:42:03","modified_gmt":"2019-02-15T11:42:03","slug":"armut-untergraebt-das-fundament-der-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4011","title":{"rendered":"Armut untergr\u00e4bt das Fundament der Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>Wo die Armut grassiert, wird die Demokratie automatisch paralysiert. Armut ist eine permanente Gefahr f&uuml;r die Demokratie, weil diese mehr beinhaltet, als dass B&uuml;rger\/innen alle vier oder f&uuml;nf Jahre zur Wahlurne gerufen werden, n&auml;mlich auch einschlie&szlig;t, dass sie gleichberechtigt an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen k&ouml;nnen. Hierzu m&uuml;ssen sie &uuml;ber die materiellen Mittel verf&uuml;gen, um auch in ferner gelegenen Orten stattfindende politische und Bildungsveranstaltungen sowie Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen zu besuchen. Eine alleinerziehende Mutter, die nicht wei&szlig;, wie sie eine bevorstehende Klassenfahrt oder teure Schulmaterialien f&uuml;r ihre Kinder bezahlen soll, wird sich kaum an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen beteiligen k&ouml;nnen.  Von Christoph Butterwegge<br>\n<!--more--><\/p><p>Breitet sich die Armut aus, wird ein Gro&szlig;teil der Bev&ouml;lkerung marginalisiert, die Menschenw&uuml;rde gleich massenhaft verletzt und den Betroffenen &bdquo;strukturelle Gewalt&ldquo; (Johan Galtung) angetan. Je weniger Chancen die Armen haben, sich gleichberechtigt an demokratischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen zu beteiligen, umso st&auml;rker empfinden sie die Informations-, Partizipations- und Emanzipationsdefizite eines Parlamentarismus, dem &bdquo;Politiker- und Parteienverdrossenheit&ldquo; entgegenschl&auml;gt. Arme sind nicht nur sozial benachteiligt, vielmehr in aller Regel auch politisch weniger aktiv, skeptischer gegen&uuml;ber der parlamentarischen Demokratie, die sie h&auml;ufig f&uuml;r ihre prek&auml;re Lage (mit) verantwortlich machen, und seltener bereit, w&auml;hlen zu gehen. Hieraus kann eine Legitimationskrise der Demokratie erwachsen.<\/p><p>Nicht blo&szlig; die um sich greifende Armut, sondern auch der sich bei wenigen Privatleuten anh&auml;ufende Reichtum gef&auml;hrdet die Demokratie. Wegen der Finanzmarktkrise, die das Vertrauen in Bankiers, Broker und B&ouml;rsianer ersch&uuml;ttert, wenn nicht f&uuml;r immer zerst&ouml;rt hat, d&uuml;rften seine Akzeptanzprobleme zunehmen. Arme und Reiche leben in einem Spannungsverh&auml;ltnis, das sich zur sozialen Zeitbombe entwickeln kann, w&auml;hrend Politik, Staat und Verwaltung nicht selten die Armen anstelle der Armut bek&auml;mpfen, statt f&uuml;r einen gerechten sozialen Ausgleich zu sorgen.<\/p><p>Je st&auml;rker sich die sozialen Gegens&auml;tze auspr&auml;gen, umso leichter d&uuml;rfte es Rechtsextremen und -populisten k&uuml;nftig fallen, den Unmut &uuml;ber die wachsende Ungerechtigkeit f&uuml;r sich nutzbar zu machen und in Stimmen umzusetzen. Damit die Demokratie eine Regierungsform ist, in der sich alle wiederfinden &ndash; sonst handelt es sich ja gar nicht um eine &bdquo;Herrschaft des Volkes&ldquo; &ndash;, muss sie eine soziale Demokratie sein, die Armut energisch bek&auml;mpft. Tut sie das nicht, werden jene Gesellschaftsmitglieder am meisten entt&auml;uscht, die ihre personelle Basis bilden m&uuml;ssten. Vor allem in einem Land, das nach wie vor unter dem geistig-politischen Einfluss des Neoliberalismus steht und daher stark auf Leistung und &ouml;konomischen Erfolg setzt, bedeutet Armut nicht blo&szlig;, dass ein Mangel an prestigetr&auml;chtigen Konsumg&uuml;tern besteht, sondern auch, dass hiermit ein Makel verbunden ist, der das Selbstwertgef&uuml;hl davon Betroffener ersch&uuml;ttert.<\/p><p>Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrt Politikwissenschaft an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln. Soeben ist sein Buch &bdquo;Armut in einem reichen Land. Wie das Problem verharmlost und verdr&auml;ngt wird&ldquo; (Campus Verlag; 378 Seiten, 24,90 EUR) erschienen.<\/p><p><em>Siehe auch: <\/em><\/p><p><strong>Thesen zur Armut in einem reichen Land<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.weltderarbeit.de\/%20\">Welt der Arbeit<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo die Armut grassiert, wird die Demokratie automatisch paralysiert. Armut ist eine permanente Gefahr f&uuml;r die Demokratie, weil diese mehr beinhaltet, als dass B&uuml;rger\/innen alle vier oder f&uuml;nf Jahre zur Wahlurne gerufen werden, n&auml;mlich auch einschlie&szlig;t, dass sie gleichberechtigt an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen k&ouml;nnen. 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