{"id":4012,"date":"2009-06-19T17:02:33","date_gmt":"2009-06-19T15:02:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4012"},"modified":"2014-01-27T12:51:28","modified_gmt":"2014-01-27T11:51:28","slug":"wo-bleibt-eigentlich-mr-insolvenz-zu-guttenberg-finanzkrise-xvii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4012","title":{"rendered":"Wo bleibt eigentlich Mr. Insolvenz zu Guttenberg? (Finanzkrise XVII)"},"content":{"rendered":"<p>Der Bundeswirtschaftsminister ist daf&uuml;r gelobt worden, dass er f&uuml;r eine faire und gerechte L&ouml;sung eintrat, als es darum ging, eine staatliche Rettung von Arcandor abzulehnen &ndash; f&uuml;r die Insolvenz, wenn in einem Unternehmen Management-Fehler gemacht worden sind und wenn obendrein &Uuml;berkapazit&auml;ten in der entsprechenden Branche festzustellen sind. Jetzt ist wieder an zwei Beispielen deutlich geworden, dass von einer fairen, gerechten Behandlung der Finanzwirtschaft einerseits und der normalen Wirtschaft andererseits nicht die Rede sein kann. Au&szlig;erdem ist die Sache mit den Insolvenzen viel komplizierter als die Bef&uuml;rworter uns glauben machen wollten. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>In drei Hinweisen der letzten drei Tage wurde in den NachDenkSeiten auf gravierende Managementfehler und seltsame Machenschaften bis hin zum Betrug im Zusammenhang mit der HRE und ihrer fr&uuml;heren Mutter, der Hypovereinsbank, aufmerksam gemacht und entsprechend kommentiert. (Siehe die Links im Anhang). Es wurden systematisch Immobilien zu hoch bewertet. Aus Gespr&auml;chen mit Fachleuten, die mit der Abwicklung zu tun haben, wei&szlig; ich, dass viele so genannte Mittelst&auml;ndler (Handwerker, Einzelh&auml;ndler, Gewerbetreibende anderer Art) auf diesem Weg um ihre Ersparnisse und ihre Altersvorsorge gebracht worden sind. Dennoch wird dieses Institut HRE mit &ouml;ffentlichen Mitteln am Leben gehalten und die Mutter HypoVereinsbank wurde systematisch geschont.<br>\nDas ist eine absolut unfaire und ungerechte Behandlung. Darauf haben wir schon des &Ouml;fteren hingewiesen. Aber wo bleibt Herr zu Guttenberg? Er m&uuml;sste doch in einem solchen Fall logischerweise zum einen f&uuml;r Insolvenz pl&auml;dieren und zum anderen die Staatsanwaltschaft mobilisieren?<\/p><p>Das gleiche gilt f&uuml;r den Fall der IKB (siehe ebenfalls den Anhang). Dort wurde von privaten F&uuml;hrungspersonen miserabel gewirtschaftet. Wolfgang Lieb hat im Kommentar zu den Hinweise das n&ouml;tige geschrieben. Im Falle der IKB h&auml;tte eine Insolvenz noch am allerwenigsten Nachwirkungen ausgel&ouml;st. Mit den vom Bund zur Verf&uuml;gung gestellten Milliarden h&auml;tte man vieles bereinigen k&ouml;nnen.<\/p><p>Frage an Mr. Insolvenz: sind die Arbeitspl&auml;tze bei der IKB und bei der HRE mehr wert als bei Acandor? Das kann doch wohl nicht sein. Au&szlig;erdem sind die &Uuml;berkapazit&auml;ten im Bereich der Finanzwirtschaft vermutlich um vieles schlimmer als beim Einzelhandel und bei der Autoindustrie. Der Casinobetrieb ist &uuml;berfl&uuml;ssig. Wenn hier nicht konvertiert wird, wenn es die schon im Beitrag &bdquo;Finanzkrise I&ldquo; vom 7.1.2009 geforderte Konversion dieses Wirtschaftssektors nicht gibt, dann wird der Druck auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Banken, weiterhin hoch riskante Papiere zu verkaufen und Menschen in Anlagestrategien zu locken, die gef&auml;hrlich sind, weitergehen, sogar noch schlimmer werden. <\/p><p>Die Bundesregierung hat noch nicht andeutungsweise damit begonnen, das Problem der &Uuml;berkapazit&auml;ten in der Finanzwirtschaft anzugehen. Es gibt nicht einmal die notwendige Debatte darum. Auch die Frage der staatlichen Intervention im Bankensektor und bei den Versicherungen wird unabh&auml;ngig von der schwierigen Frage der Konversion behandelt, oberfl&auml;chlich behandelt. Denn, so meine Vermutung, ohne staatliche Hilfe und auch ohne direkte Intervention und Beteiligung des Staates wird die Konversion nicht m&ouml;glich sein. Bisher dr&uuml;ckt man sich vor dieser Erkenntnis.<\/p><p>Nachtrag zum praktischen Problem der Insolvenzen:<br>\nEin NachDenkSeiten-Leser machte uns anfangs der Woche auf einen Beitrag im Deutschlandfunk aufmerksam. Seine Mail im Original finden sie hier:<\/p><blockquote><p>Gestern (15.6.) morgen war eine hochinteressante Sendung im DLF!! <\/p>\n<p>Warum?<\/p>\n<p>Unter anderen war dort Prof. Dr. Hans Haarmeyer vom Deutschen Institut f&uuml;r angewandtes Insolvenzrecht (DIAI) vertreten. Er sagte im Verlauf der Sendung:<\/p>\n<blockquote><p>&hellip;es gibt ca. 20-30 Insolvenzverwalter in der BRD mit etwas Erfahrung, die meisten h&auml;tten keine Ahnung und keinerlei Erfahrung.<br>\nDie Richter, die einen Insolvenzverwalter beauftragten, h&auml;tten auch keine Ahnung und keine Kriterien, nach denen man die Qualit&auml;t eines Insolvenzverwalters beurteilen sollte&hellip;<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Moderatorin der Sendung &ndash; Bettina Klein &ndash; , die das Insolvenzrecht bis zu diesem Zeitpunkt sch&ouml;n redete und daf&uuml;r warb, versagte die Stimme.<\/p>\n<p>Die Frau war einfach fassungslos und die Mitdiskutanten ebenso!<\/p>\n<p>Die Aussage w&auml;re eigentlich eine Nachrichtenmeldung wert!<\/p>\n<p>Wir haben also ein wunderbares Insolvenzrecht, aber daf&uuml;r ca. 95% der Insolvenzverwalter, die &ndash;  weder Ahnung noch Erfahrung haben&hellip;<\/p>\n<p>Ich habe dies jetzt aus dem Kopf zitiert, so dass noch eine Ungenauigkeit in meinen Worten sein kann.<br>\nAber die zentrale Aussage stimmt 100%!! Unglaublich!!<\/p>\n<p>Herzlicher Gru&szlig;<br>\nf. sch.<\/p><\/blockquote><p>Soweit das Zitat. <\/p><p>Es geht um folgende Sendung:<\/p><p><strong>1.&nbsp;&ldquo;Staatshilfe contra Insolvenz? &ndash; Unternehmensrettung im Wahlkampf&rdquo;<\/strong><br>\nSendezeit: 15.06.2009 10:10<br>\nAutor: Klein, Bettina<br>\nProgramm: Deutschlandfunk<br>\nSendung: Kontrovers<br>\nL&auml;nge: 66:32 Minuten<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/ondemand-mp3.dradio.de\/file\/dradio\/2009\/06\/15\/dlf_20090615_1010_ae3e4cfa.mp3\">Deutschlandfunk [Mp3 &ndash; 30 MB]<\/a><\/p><p>Den Vorgang um das Thema Insolvenz finde ich insgesamt auch deshalb von gro&szlig;em Interesse, weil hier an einem nahezu absurden Beispiel klar wird, wie unkritisch unsere Medien und ein gro&szlig;er Teil der Politiker mit solchem Vorschl&auml;gen beziehungsweise Einrichtungen wie den Insolvenzen als Instrument der L&ouml;sung von Problemen umzugehen pflegen. Es ist ein Beispiel und Beleg daf&uuml;r, dass man selbst hier eine nahezu perfekte Manipulation arrangieren kann. Was ist dieser Bundeswirtschaftsminister nicht schon gelobt worden f&uuml;r die angeblich so klare L&ouml;sung der Probleme gestrandeter Unternehmen.<\/p><p><em>Anhang:<\/em><\/p><p><strong>&ldquo;Systematisch Schrottimmobilien finanziert&rdquo;<br>\nEhemaliger Banker beschreibt Methoden der Hypo-Bank<br>\n<\/strong>Die Vorg&auml;ngerbanken der Hypo Real Estate, wie die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, haben nach Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters systematisch Immobilien zu hoch bewertet. Durch die falschen Bewertungen sei der deutsche Pfandbriefmarkt heute teilweise nicht ausreichend besichert, sagt Marian Vesely im Interview mit Frontal21. F&uuml;r die Verpflichtungen aus den Pfandbriefen soll nun der Steuerzahler haften.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/frontal21.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/14\/0,1872,7594158,00.html\">ZDF Frontal21<\/a><\/p><p><strong>HRE-Insider &uuml;ber die Krisenbank: &ldquo;Man konnte nur noch beten&rdquo;<\/strong><br>\nDie Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate forcierte in Deutschland die Finanzkrise &ndash; die Bank musste sich in die Obhut des Staates retten. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE berichtet der ehemalige Risiko-Controller St&eacute;phane Wolter, wie die HRE in den Abgrund taumelte.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,630744,00.html\">Spiegel Online<\/a><\/p><p><strong>IKB k&auml;mpft um neue Staatsmilliarden<\/strong><br>\nDie IKB braucht eine weitere Milliardenspritze: Die Mittelstandsbank hat beim Banken-Rettungsfonds Soffin eine neue Staatsb&uuml;rgschaft beantragt. Es geht um Garantien von bis zu sieben Milliarden Euro. <\/p><p>Die D&uuml;sseldorfer Bank hatte sich vom Soffin schon vor ein paar Monaten Garantien &uuml;ber f&uuml;nf Milliarden Euro geholt, diese im April aber aufgebraucht. Das Institut hatte sich mit US-Ramschhypotheken verspekuliert und war deshalb Mitte 2007 beinahe zusammengebrochen. Sie konnte nur durch Milliardenhilfen der damaligen Eigent&uuml;merin KfW und des Bundes gerettet werden. Heute geh&ouml;rt sie dem US-Finanzinvestor Lone Star.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,druck-631204,00.html\">Spiegel Online<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundeswirtschaftsminister ist daf&uuml;r gelobt worden, dass er f&uuml;r eine faire und gerechte L&ouml;sung eintrat, als es darum ging, eine staatliche Rettung von Arcandor abzulehnen &ndash; f&uuml;r die Insolvenz, wenn in einem Unternehmen Management-Fehler gemacht worden sind und wenn obendrein &Uuml;berkapazit&auml;ten in der entsprechenden Branche festzustellen sind. 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