{"id":40126,"date":"2017-09-15T16:35:42","date_gmt":"2017-09-15T14:35:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40126"},"modified":"2019-01-31T10:18:59","modified_gmt":"2019-01-31T09:18:59","slug":"eugen-drewermann-denn-wenn-ihr-nicht-nein-sagt-wird-das-immerzu-so-weitergehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40126","title":{"rendered":"Eugen Drewermann: \u201eDenn wenn Ihr nicht NEIN sagt, wird das immerzu so weitergehen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bE2bIejFlyw\">Ein klares Nein<\/a> zur US-Base Ramstein und den von dort gesteuerten Drohnenmorden &ndash; begonnen unter George W. Bush, ausgeweitet unter Friedensnobelpreistr&auml;ger Barack Obama &ndash;  verk&uuml;ndete Prof. Dr. Drewermann, Theologe und Psychologe, nicht zum ersten Mal. In 34 Minuten zog er am 8. September in der Vers&ouml;hnungskirche Kaiserslautern alle Tr&uuml;mpfe, die man als friedensbewegter Mensch ziehen kann. <strong>Anette Sorg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1163\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40126-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Eugen_Drewermann_Denn_wenn_Ihr_nicht_NEIN_sagt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Eugen_Drewermann_Denn_wenn_Ihr_nicht_NEIN_sagt_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Eugen_Drewermann_Denn_wenn_Ihr_nicht_NEIN_sagt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Eugen_Drewermann_Denn_wenn_Ihr_nicht_NEIN_sagt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40126-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/170918_Eugen_Drewermann_Denn_wenn_Ihr_nicht_NEIN_sagt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"170918_Eugen_Drewermann_Denn_wenn_Ihr_nicht_NEIN_sagt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>4 Milliarden f&uuml;r die UN: unm&ouml;glich &ndash; 35 Milliarden mehr f&uuml;r die R&uuml;stung: m&ouml;glich<\/strong><\/p><ul>\n<li>Es sei unm&ouml;glich, den UN 4 Milliarden Dollar zur Verf&uuml;gung zu stellen, damit die schlimmste Not schnell gelindert werden k&ouml;nne, aktuell bei den von Hurricane Irma Betroffenen oder den Erdbebenopfern in Mexico oder den 20 Millionen Afrikanern auf der Flucht.  Aber es sei m&ouml;glich, die Milit&auml;rausgaben auf 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erh&ouml;hen. In Deutschland von 35 Mrd auf 70 Mrd Euro. Anstatt den UN  4 Milliarden Dollar dauerhaft f&uuml;r Soforthilfema&szlig;nahmen zur Verf&uuml;gung zu stellen, w&uuml;rde die Bev&ouml;lkerung zum Spenden aufgerufen. Eine Hilfe aber, die erst nach 6 Wochen im Krisengebiet ankomme, wird f&uuml;r Viele den Tod bedeuten.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Mehr als zehnmal h&ouml;here R&uuml;stungsausgaben. Wer muss sich vor wem f&uuml;rchten?<\/strong><\/p><ul>\n<li>Dass sich die NATO vor Russland sorge, f&uuml;hrt er mit Zahlen ad absurdum (80 Milliarden Dollar R&uuml;stungsausgaben j&auml;hrlich in Russland, 900 Milliarden Dollar innerhalb der NATO-Staaten; 1 Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt Russlands in Syrien und 600 der USA weltweit)<\/li>\n<li>Man solle sich vorstellen, was man mit all dem Geld, das in den letzten 25 Jahren nicht milit&auml;risch, sondern zur Beendigung von Hunger, Seuchen, Elend, Naturzerst&ouml;rung verwendet worden w&auml;re, h&auml;tte erreichen k&ouml;nnen.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Auf jeden get&ouml;teten Terroristen kommen zehn weitere<\/strong><\/p><ul>\n<li>Er zitiert Nelson Mandela: &bdquo;auf jeden get&ouml;teten Terroristen kommen zehn weitere&ldquo;. Indem er die Opfer des IS-Terrors  den Opfern der Kriege der Amerikaner im Nahen Osten gegen&uuml;berstellt (zehntausend zu zwei Millionen), also die Proportionen darlegt, unterstreicht er die Aussage: &bdquo;Terror ist der Krieg der Schwachen, Krieg aber ist der Terror der Starken&ldquo;.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Deutschland muss internationale Verantwortung &uuml;bernehmen<\/strong><\/p><ul>\n<li>Die NATO-Osterweiterung, das Streben der USA, eine globale Hegemonialmacht zu werden, die (scheibchenweise) Beteiligung Deutschlands an fast allen Kriegen der USA, kritisiert er, indem er die Aussage von Kanzlerin Merkel und Verteidigungsministerin von der Leyen von der &bdquo;internationalen Verantwortung Deutschlands&ldquo; uminterpretiert: ja, Deutschland habe diese Verantwortung. Und zwar gegen Hunger und Elend, aber keinesfalls mit Bomben und Granaten. Das T&ouml;ten von Menschen k&ouml;nne niemals ein humanit&auml;rer Einsatz sein. Im Gegenteil: Krieg widerlege alle Werte.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Bekannte und weniger bekannte Vordenker<\/strong><\/p><p>Drewermann erreichte die anwesenden Friedensbewegten in Kaiserslautern mit seiner unaufgeregten, fast stoischen Art. Dennoch holte er sich geistig-moralische Unterst&uuml;tzung bei fr&uuml;heren, bekannten und weniger bekannten Menschen, die sich f&uuml;r Verst&auml;ndigung und Frieden aussprachen:<\/p><ul>\n<li>Bei dem Humanisten Erasmus von Rotterdam zum Beispiel, der vor &uuml;ber 500 Jahren (1520, Klage des Friedens) bereits feststellte, dass Krieg keine Probleme l&ouml;se, sondern im Gegenteil bestehende Probleme nur vermehre.<\/li>\n<li>Bei Winston Churchill, der am 11.5.1953 in einer Rede im britischen Unterhaus sagte, dass der Kalte Krieg beendet werden m&uuml;sse, da er eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen sei. <\/li>\n<li>Beim Aufkl&auml;rer Immanuel Kant, der forderte, dass die Moral die Politik bestimmen m&uuml;sse, nicht die Politik die Moral.<\/li>\n<\/ul><p><strong>&Uuml;ber das Soldat-Sein<\/strong><\/p><p>&hellip;l&auml;sst sich Drewermann ausf&uuml;hrlich aus. Er beschreibt, wie es zur Wiederbewaffnung, zur Gr&uuml;ndung der Bundeswehr im Jahre 1955 kommen konnte; er bedauert, dass Frieden, Verst&auml;ndigung, Abr&uuml;stung im Bundestagswahlkampf fast nicht vork&auml;men und nur bei der Linkspartei thematisiert w&uuml;rden. Er kritisiert, dass Frau von der Leyen Offiziere in die Schulen schicke, um bei 16- und 18j&auml;hrigen f&uuml;r den Beruf des Soldaten zu werben. Mit Helmut Schmidt ist er sich einig: &bdquo;Soldat-Sein ist kein Beruf!&ldquo;<\/p><p>Den Schriftsteller Remarque zitiert er aus seinem Buch &bdquo;Im Westen nichts Neues&ldquo; mit den Worten eines jungen Soldaten: &bdquo;wir sind keine Menschen mehr, wir sind M&ouml;rder geworden.&ldquo;<\/p><p>Er verweist auf die N&uuml;rnberger Prozesse, wo den T&auml;tern, die sich auf &bdquo;Befehl ist Befehl&ldquo; beriefen, das moralisch Verwerfliche ihres Handelns vorgeworfen wurde und er erinnert an den legend&auml;ren Auftritt des Nagasaki-Piloten bei G&uuml;nther Jauch, der sein Handeln mit demselben Argument &bdquo;Befehl ist Befehl&ldquo; erkl&auml;rte.<\/p><p>Der Hinweis auf das <a href=\"http:\/\/www.milgram-experiment.com\/fazit.shtml\">Experiment Stanley Milgrams<\/a> &uuml;berrascht an dieser Stelle nicht. Menschen ver&auml;ndern sich als Befehlsempf&auml;nger von Autorit&auml;ten, das eigene moralische Empfinden wird ausgeblendet.<\/p><p>Anders k&ouml;nne auch nicht erkl&auml;rt werden, dass es als ein Verbrechen gilt, wenn ein Mensch einen anderen t&ouml;tet, dass es aber zu Ehrungen durch das Vaterland f&uuml;hrt, wenn ein Mensch Hundert\/e t&ouml;tet. Es reiche aus, sich selbst per Definition zu den &bdquo;Guten&ldquo; zu erkl&auml;ren.<\/p><p>Erneut bedient er sich eines historischen Vork&auml;mpfers und Vordenkers f&uuml;r den Frieden, des Griechen Euripides. Dieser Autor habe 400 Jahre vor Christi erstmals einen Perspektivwechsel vorgenommen und den Krieg aus Sicht der Opfer beschrieben. <\/p><p>Im Hinblick auf die Aggression gegen Russland fordert er leidenschaftlich, die Amerikaner sollten endlich aufh&ouml;ren, ihre Machtspiele auf dem R&uuml;cken Europas auszutragen.<\/p><p><strong>Wer stoppt Frau Merkel?<\/strong><\/p><p>Drewermann erw&auml;hnt die in B&uuml;chel stationierten Nuklearsprengk&ouml;pfe der Amerikaner.<\/p><ul>\n<li>Die Nuklearsprengk&ouml;pfe[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] in B&uuml;chel werden modernisiert; Au&szlig;enminister Westerwelle hatte noch den Willen, sie abzuschaffen. Er scheiterte. Siehe <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2010-02\/abruestung-atomwaffen-westerwelle-2\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2012-09\/atombombe-nato-westerwelle\">hier<\/a>.<\/li>\n<li>Kanzlerin Merkel in atlantischer Treue h&auml;lt die Modernisierung f&uuml;r erforderlich.<\/li>\n<\/ul><p>Drewermanns Schlussfolgerungen: &bdquo;Mit Kriegen wird die R&uuml;stungsindustrie gesponsert&ldquo; und &bdquo;Wir m&uuml;ssen aufh&ouml;ren, uns mit Angst regieren zu lassen&ldquo;<\/p><p><strong>Sag NEIN!<\/strong><\/p><p>Drewermanns Rede endet mit Wolfgang Borcherts Gedicht aus dem Jahre 1947 (!) <strong>&bdquo;Dann gibt es nur Eins!&ldquo;<\/strong>  Er tr&auml;gt es mit so viel Kraft und sichtlich bewegt vor, dass ich beim Zuh&ouml;ren G&auml;nsehaut bekomme:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Mann an der Werkbank! Wenn sie wiederkommen und dir sagen, du sollst statt Kochgeschirren und Wasserrohren Kanonenrohre und Handgranaten ziehen &ndash; Mann an der Werkbank, sag NEIN!<\/p>\n<p>Und Mutter, Mutter in Deutschland! Mutter in der Ukraine! Wenn sie wiederkommen und dir sagen, du sollst Kinder geb&auml;ren: Jungen f&uuml;r die Sch&uuml;tzengr&auml;ben, M&auml;dchen f&uuml;r die Spit&auml;ler, &ndash; Mutter in Deutschland, Mutter in der Ukraine, sag NEIN!<\/p>\n<p>Mann im Labor! Mann am Katheder! Wenn sie wiederkommen und dir sagen, du sollst den neuen Tod f&uuml;r das alte Leben erfinden, &ndash; Mann im Labor, Mann am Katheder, sag NEIN!<\/p>\n<p>Und Pfarrer auf der Kanzel &ndash; Wenn sie wiederkommen und dir sagen, du sollst die Waffen segnen und den Krieg rechtfertigen &ndash; Pfarrer auf der Kanzel, sag NEIN!<\/p>\n<p><strong>Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wird das immerzu so weitergehen!<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>Soviel zur Rede Eugen Drewermanns. Falls Sie <strong>dar&uuml;ber hinaus ein paar vertiefende Informationen<\/strong> zum Redner selbst und zu einigen seiner &Auml;u&szlig;erungen m&ouml;chten, haben wir als Service das Folgende f&uuml;r Sie zusammengetragen:<\/p><p><strong>&Uuml;ber Eugen Drewermann:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.die-biografien.de\/biografien\/195.php\">Biografie<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.meerstern.de\/meta\/ueber-uns\/drewermann-interview.html\">Meerstern &ndash; Interview<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong>&Uuml;ber <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/triumph-und-tragik-des-erasmus-von-rotterdam-6861\/7%20:\">Erasmus von Rotterdam<\/a>:<\/strong><\/p><p>&bdquo;&hellip;Die selbstverst&auml;ndliche Vorbedingung f&uuml;r Erasmus, den Vork&auml;mpfer dieser und aller Verst&auml;ndigungsideen, ist die Ausschaltung jeder Gewalt und insbesondere die Abschaffung des Krieges, dieses &raquo;Schiffbruchs aller guten Ding&laquo;. Erasmus ist als der erste literarische Theoretiker des Pazifismus zu betrachten; nicht weniger als f&uuml;nf Schriften hat er in einer Zeit fortw&auml;hrender Kriege gegen den Krieg geschrieben; 1504 die Aufforderung an Philipp den Sch&ouml;nen, 1514 jene an den Bischof von Cambrai, &raquo;sie m&ouml;chten sich als christliche F&uuml;rsten, um Christi willen des Friedens annehmen&laquo;, 1515 in den &raquo;Adagia&laquo; den ber&uuml;hmten Aufsatz mit dem ewig wahren Titel: &raquo;Dulce bellum inexpertis&laquo; (&raquo;nur denen, die ihn nicht erfahren haben, scheint der Krieg sch&ouml;n&laquo;). 1516 spricht er in seiner &raquo;Unterweisung eines frommen und christlichen F&uuml;rsten&laquo; den jungen Kaiser Karl V. mahnend an, und schlie&szlig;lich erscheint 1517 die in allen Sprachen verbreitete und bei allen V&ouml;lkern doch ungeh&ouml;rte &raquo;Querela pacis&laquo;, die &raquo;Klage des Friedens, der bei allen Nationen und V&ouml;lkern Europas verworfen, vertrieben und erlegt worden ist&laquo;.<\/p><p>Aber schon damals, fast ein halbes Jahrtausend vor unserer Zeit, wei&szlig; Erasmus, wie wenig ein beredter Friedensfreund auf Dank und Zustimmung zu rechnen hat, &raquo;es ist dahin kommen, da&szlig; es als thierlich, nerrisch und unchristlich gilt, da&szlig; man den Mundt wider den Krieg &ouml;ffnet&laquo;, was ihn aber nicht hindert, mit immer wiederholter Entschlossenheit im Zeitalter des Faustrechtes und der gr&ouml;bsten Gewaltt&auml;tigkeiten seine Angriffe gegen die Streitsucht der F&uuml;rsten zu er&ouml;ffnen. Nach seiner Meinung ist Cicero im Recht, wenn er sagt, da&szlig; &raquo;ein ungerechter Friede noch besser sei als der gerechteste Krieg&laquo;, und ein ganzes Arsenal von Argumenten, aus dem noch heute reichlich gesch&ouml;pft werden k&ouml;nnte, h&auml;lt der einsame Streiter dem Krieg entgegen. &raquo;Wenn die Tiere einander anfallen&laquo;, klagt er, &raquo;so verstehe ichs und verzeihe es ihrer Unwissenheit&laquo;, aber die Menschen m&uuml;&szlig;ten erkennen, da&szlig; der Krieg an sich schon notwendigerweise Ungerechtigkeit bedeute, denn er trifft gew&ouml;hnlich nicht diejenigen, die ihn anfachen und f&uuml;hren, sondern fast immer falle seine ganze Last auf die Unschuldigen, auf das arme Volk, das weder von Siegen noch von Niederlagen zu gewinnen habe. &raquo;Der meist Teil erreicht die, die der Krieg gar nichts angeht, und selbst wenn es im Kriege auf das allerbeste gl&uuml;ckt, so ist doch die Gl&uuml;ckseligkeit eines Teils der andern Schad und Verderben.&laquo; Die Idee des Krieges sei also niemals mit der Idee der Gerechtigkeit zu verbinden, und dann &ndash; so fragt er abermals &ndash;, wie k&ouml;nne &uuml;berhaupt ein Krieg gerecht sein? F&uuml;r Erasmus gibt es weder im theologischen noch im philosophischen Bezirk eine absolute und alleing&uuml;ltige Wahrheit. Wahrheit ist f&uuml;r ihn immer vieldeutig und vielfarbig und ebenso das Recht, deshalb solle &raquo;an keinem Ort der F&uuml;rst bed&auml;chtiger sein, als sich zum Kriege zu bewegen, und nicht unbedingt auf sein Recht pochen, denn wer sieht nicht sein Sach als die gerecht an?&laquo; Alles Recht habe zwei Seiten, alle Dinge seien &raquo;gef&auml;rbt, angestrichen und durch Parteien verderbt&laquo;, und selbst wenn einer sich im Rechte d&uuml;nkte, so sei das Recht nicht durch Gewalt entschieden und auch niemals durch Gewalt beendet, denn &raquo;ein Krieg wachse aus dem andern, aus einem zween&laquo;.<\/p><p>F&uuml;r geistige Menschen bedeutet also Entscheidung durch Waffen niemals moralische L&ouml;sung eines Konflikts; ausdr&uuml;cklich erkl&auml;rt Erasmus, da&szlig; im Kriegsfall die Geistigen, die Gelehrten aller Nationen ihre Freundschaft nicht aufzuk&uuml;ndigen h&auml;tten. Ihre Einstellung darf niemals sein, die Gegens&auml;tze der Meinungen, der V&ouml;lker, der Rassen und Klassen durch eifernde Parteilichkeit zu verst&auml;rken, unersch&uuml;tterlich haben sie in der reinen Sph&auml;re der Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu verharren. Ihre ewige Aufgabe bleibt, der &raquo;ung&uuml;tigen, unchristlichen und thierisch wilden Unsinnigkeit des Krieges&laquo; die Idee der Weltgemeinsamkeit und Weltchristlichkeit entgegenzusetzen. Nichts wirft Erasmus der Kirche, als der h&ouml;chsten moralischen St&auml;tte, darum heftiger vor, als da&szlig; sie die gro&szlig;e augustinische Idee des &raquo;christlichen Weltfriedens&laquo; um irdischer Machterh&ouml;hung willen preisgegeben habe. &raquo;Es sch&auml;men sich die Theologen und die Meister des christlichen Lebens nicht, Hauptanfacher, Entz&uuml;nder und Beweger der Sache gewesen zu sein, die der Herr Christus so gro&szlig; und sehr geha&szlig;t hat&laquo;, ruft er zornig aus und: &raquo;Wie kommt der Bischofsstab und das Schwert zusammen, der Bischofshut und der Helm, das Evangelium und der Schild? Wie geht es an, Christus zu predigen und den Krieg, mit einer einzigen Trompet Gott und den Teufel?&laquo; Der &raquo;kriegerische Geistliche&laquo; sei also nichts als Widersinn gegen Gottes Wort, denn er verleugne die h&ouml;chste Botschaft, die ihm sein Herr und Lehrer zugesprochen, als er sagte: &raquo;Friede sei mit euch!&laquo;<\/p><p>Immer wird Erasmus leidenschaftlich, wenn er gegen Krieg, Ha&szlig; und einseitige Borniertheit die Stimme erhebt, aber diese Leidenschaftlichkeit seiner Entr&uuml;stung verwirrt niemals die Klarheit seiner Weltbetrachtung. Zugleich Idealist vom Herzen her und Skeptiker vom Verst&auml;nde, war sich Erasmus aller Widerst&auml;nde bewu&szlig;t, die sich im realen R&auml;ume der Verwirklichung jenes &raquo;christlichen Weltfriedens&laquo;, jener Alleinherrschaft der humanen Vernunft entgegenstellten. Der Mann, der in seinem &raquo;Lob der Torheit&laquo; alle Spielarten des menschlichen Wahns und Widersinns in ihrer Unbelehrbarkeit beschrieben, geh&ouml;rte nicht zu jenen idealistischen Tr&auml;umern, die meinen, man k&ouml;nne mit geschriebenem Wort, mit B&uuml;chern, Predigten und Traktaten den immanenten Gewalttrieb der menschlichen Natur abt&ouml;ten oder auch nur bet&auml;uben; er t&auml;uschte sich keineswegs &uuml;ber die Tatsache hinweg, da&szlig; diese Kraftlust und Kampffreude seit kannibalischen Tagen, seit Jahrhunderten und Jahrtausenden der Menschheit im Blute g&auml;rt, dumpfe Erinnerung an den Urha&szlig; des einstigen Menschentiers gegen das andere Menschentier, und da&szlig; noch Jahrhunderte und vielleicht Jahrtausende sittlicher Erziehung und kultureller Emporgestaltung n&ouml;tig sein werden zu einer v&ouml;lligen Entbestialisierung und Humanisierung des Menschengeschlechts&hellip;&ldquo; <\/p><p><strong>&Uuml;ber <a href=\"http:\/\/archiv2007.sozialisten.de\/politik\/publikationen\/kpf-mitteilungen\/view_html?zid=32250&amp;n=7\">die Rede Churchills<\/a>:<\/strong><\/p><p>&hellip;Zur Er&ouml;ffnung der au&szlig;enpolitischen Debatte hielt er <strong>am 11. Mai 1953<\/strong> im Unterhaus eine Rede. Er nutzte gewisserma&szlig;en die Gunst der Stunde, da&szlig; Au&szlig;enminister Anthony Eden wegen Krankheit sein Amt nicht aus&uuml;ben konnte, f&uuml;r die &Uuml;bernahme des au&szlig;enpolitischen Ressorts [Die erste ausf&uuml;hrliche Darstellung zu diesem Thema schrieb Klaus Larres: Politik der Illusionen. Churchill, Eisenhower und die deutsche Frage. G&ouml;ttingen 1995. Bereits der Titel zeigt an, da&szlig; es dem Autor eher um ein Herunterspielen der Bedeutung der Churchill-Initiative geht.].<\/p><p><strong>Gro&szlig;machtpolitik unter Anerkennung sowjetischer Sicherheitsinteressen<\/strong><\/p><p>In seiner Rede hob <strong>Churchill<\/strong> hervor, da&szlig; die deutsche Frage das beherrschende Problem (&ldquo;das immense und furchtbare deutsche Problem&rdquo;) in Europa sei. Er stellte fest, da&szlig; der Abschlu&szlig; eines Friedensvertrages mit Deutschland seit dem Potsdamer Abkommen nicht n&auml;her ger&uuml;ckt sei. Gro&szlig;britannien werde alle Vertr&auml;ge mit Westdeutschland in vollem Umfange erf&uuml;llen. Erforderlich sei eine Konferenz auf h&ouml;chster Ebene, die nicht durch eine strenge Tagesordnung belastet werde.<\/p><p>Churchill ging detailliert auf die &Auml;nderungen in der Sowjetunion nach dem Tode Stalins ein. Eine jede Verbesserung der Beziehungen zu Ru&szlig;land werde von der britischen Regierung begr&uuml;&szlig;t: &ldquo;Es w&uuml;rde, wie ich glaube, ein Fehler sein, anzunehmen, da&szlig; mit der Sowjetunion nichts geregelt werden kann, sofern oder solange nicht alles geregelt wird. Die Regelung von zwei oder drei unserer Schwierigkeiten w&uuml;rde ein wichtiger Gewinn f&uuml;r jedes friedliebende Land sein.&rdquo; [AdG, CD 1999, Nr. 03992.] Churchill hielt die innere Ver&auml;nderung in der Sowjetunion f&uuml;r wichtiger als alles, was au&szlig;erhalb des Landes geschah. Die Sowjetunion m&uuml;sse einen hohen Platz in Weltangelegenheiten einnehmen, &ldquo;ohne dabei ein unbefriedigtes Gef&uuml;hl hinsichtlich der eigenen Sicherheit zu haben.&rdquo; [Ebenda.] Erstmals nahm damit ein Staatsmann des Westens eine Position ein, die Ver&auml;nderungen in der deutschen Frage unter Anerkennung der sowjetischen Sicherheitsinteressen in Augenschein nahm&hellip;<\/p><p><strong>&Uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.planet-wissen.de\/geschichte\/deutsche_geschichte\/die_geschichte_der_bundeswehr\/index.html\">die Bundeswehr und ihre Entstehung<\/a>.<\/strong><\/p><p><strong>&Uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.residenztheater.de\/inszenierung\/die-troerinnen\">Euripides und das Theaterst&uuml;ck &bdquo;die Troerinnen&ldquo;<\/a>.<\/strong><\/p><p><strong>Und nicht zuletzt, weil passend, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=aZtmfCJRErY\">das Lied von Konstantin Wecker &bdquo;Sage nein!&ldquo;<\/a><\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] An dieser Stelle mussten wir den Artikel wegen einer falsch wiedergegebenen Zahl korrigieren. Der Irrtum tut uns leid. <a href=\"http:\/\/www.bits.de\/public\/researchreport\/rr12-1-4.htm#anhang02\">Hier finden Sie aktuelle Zahlen<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nuklearwaffen_in_Deutschland\">hier f&uuml;r Deutschland<\/a>: &hellip;Im September 2015 wurde bekannt, dass die USA 20 neue amerikanische Atombomben vom Typ B61-12 in B&uuml;chel deponieren werden, welche deutlich zielgenauer sind, als die bisher dort gelagerten. Im Kriegsfall sollen deutsche Tornado-Piloten die Angriffe mit den US-Bomben fliegen. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Au&szlig;enministeriums, erkl&auml;rte: &bdquo;Uns beunruhigt, dass Staaten, die eigentlich keine Atomwaffen besitzen, den Einsatz dieser Waffen &uuml;ben, und zwar im Rahmen der Nato-Praxis der Nuklearen Teilhabe. Das ist eine Verletzung der Artikel 1 und 2 des Vertrages &uuml;ber die Nichtverbreitung von Atomwaffen.&ldquo;&hellip; <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bE2bIejFlyw\">Ein klares Nein<\/a> zur US-Base Ramstein und den von dort gesteuerten Drohnenmorden &ndash; begonnen unter George W. Bush, ausgeweitet unter Friedensnobelpreistr&auml;ger Barack Obama &ndash; verk&uuml;ndete Prof. Dr. Drewermann, Theologe und Psychologe, nicht zum ersten Mal. In 34 Minuten zog er am 8. September in der Vers&ouml;hnungskirche Kaiserslautern alle Tr&uuml;mpfe, die man als friedensbewegter Mensch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40126\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,172,170],"tags":[1519,358,1764,813,1120,1426,1268,315,466,1257,1515,1367,259,626,448],"class_list":["post-40126","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-friedenspolitik","tag-atomwaffen","tag-bundeswehr","tag-drewermann-eugen","tag-drohnen","tag-friedensbewegung","tag-hegemonie","tag-kalter-krieg","tag-merkel-angela","tag-nato","tag-pazifismus","tag-ramstein","tag-ruestungsausgaben","tag-russland","tag-von-der-leyen-ursula","tag-westerwelle-guido"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40126"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48932,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40126\/revisions\/48932"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}